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Auswirkungen des Coronavirus auf den E-Commerce in 2020

E-Commerce ist für viele traditionelle stationäre Unternehmen, die im „Lock-down“ geschlossen werden mussten, zu einer Lebensader geworden, um ihre Geschäftstätigkeiten in der digitalen Welt während gesetzlich vorgegebener Schließungen fortsetzen zu können.

Beitrag: Walter Trezek.

Die Beschleunigung der Digitalisierung im europäischen Wareneinzelhandel infolge der COVID-19-Pandemie führt zu einem kontinuierlichen Wachstum des E-Commerce-Sektors. Unternehmen und Verbrauchern treiben dieses Wachstum gleichermaßen an. Einer Studie von E-Commerce Europe zufolge erwartet der E-Commerce-Sektor ein weiteres Umsatzwachstum von Einzelhandelswaren und Dienstleistungen 2021, in Abhängigkeit zu COVID-19-Maß-nahmen.

Wahrnehmung des digitalen Einzelhandels während COVID-19 pro Land.
Nach einer Erhebung von Ecommerce Europe, melden alle befragten E-Commerce Verbände eine positive öffentliche Wahrnehmung des Sektors während der COVID-19-Krise. Die politische Bewertung sieht etwas differenzierter aus: Frankreich, Belgien, Österreich und Spanien berichten von einer überwiegend negativen Reaktion auf große, marktbeherrschende E-Commerce-Akteure. Italien berichtet, dass ein Teil der Öffentlichkeit Einwände gegen den zu-
nehmend digitalen Einzelhandel erhoben hat, und zur Verteidigung von Geschäften in der Nachbarschaft aufgerufen hat. Auch von Dänemark wurden ähnliche Entwicklungen berichtet.

Andere Länder berichten über erfolgreiche Erfahrungen im stationären Handel, der online gegangen ist, um weiterhin an Verbraucher zu verkaufen. Dem folgend hat etwa in Frankreich die Krise beispielsweise die Erwartung der Verbraucher gestärkt, dass lokale Geschäfte als Option Online-Shopping bieten sollten, für jene die eine Lieferung nach Hause bevorzugen. Dieser Wunsch der Konsumenten, der seit Beginn der Beschränkungen und wohl auch darüber hinaus besteht, zeigt deutlich das Interesse der Konsumenten an einem Omnichannel-Angebot, das bereits von den führenden digitalen Einzelhändlern angeboten wird und das nun auch vom lokalen Handel in der direkten Nachbarschaft erwartet wird.

Auswirkungen auf die Paketzustellung.
In der Mehrheit der Mitgliedsstaaten der EU kam durch COVID-19 zu Verzögerungen bei der Warensendungszustellung. In 4 Staaten wurden die Verzögerungen als „schwerwie-gend“ eingestuft. Weitere 5 Staaten be-richten, dass Paketzusteller die Verbraucher gebeten haben, ihre Bestellungen an bestimmten Abholorten abzuholen.

Auffallend ist, dass die Verzögerungen bei der Paketzustellung während des zweiten Lock-down“ als weniger schwerwiegend als beim ersten bewertet werden. Berichtet wurde auch, dass in mehreren Staaten der EU es aufgrund der strengen Sperrmaßnahmen, sowohl zur Verschiebung des Verbraucherverhaltens in Richtung digitalen Einzelhandel als auch zu einer nochmals gestiegenen Nachfrage in der Weihnachtszeit gekommen ist, was dazu führte das Paketzusteller zusätzliche Abholpunkte eröffnen mussten, um den erhöhten Paketfluss zu bewältigen.

COVID-19 Auswirkungen auf den E-Commerce pro Produktkategorie und Land.
Die nationalen E-Commerce Verbände stellten Unterschiede zwischen der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen in der COVID-19 Krise fest. Mit Bezug auf Produkte zur Freizeitgestaltung berichteten die Mehrzeit der E-Ccommerce Verbände eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 30-40%. Ähnlich in Segment Einrichtungsgegenstände, hier kam es im dritten Quartal 2020 zu größerer Nachfrage, wobei die Niederlande und Schweden einen Anstieg des Online-Umsatzes um 106% bzw. 73% für dieser Kategorie verzeichneten.

Bei Produkten des täglichen Bedarfs, sowie Unterhaltung kam es in dem meisten Mitgliedsstaaten zu einem Umsatzanstieg, ähnlich wie während des ersten Lock-down im Frühjahr 2020. Bei Bekleidung und Schuhen berichten die Hälfte der E-Commerce Verbände einen Anstieg. Klargestellt wird aller-dings, dass sich die Nachfrage hauptsächlich auf Waren konzentrierte, die zuhause getragen werden können, während andere Arten von Schuhen oder Bekleidung einen deutlichen Rückgang der Nachfrage verzeichneten. Der Trend für Dienstleistungen, insbesondere der Verkauf von Reise- und Online-Tickets, geht in die entgegengesetzte Richtung. Eine deutliche Mehrheit der Befragten gibt einen Umsatzrückgang zwischen 40% und 70% angibt. Die Zusammenfassung zweigt, dass E-Commerce während der COVID-19-Krise im Allgemeinen als „Gewinner“ angesehen wird. Tatsächlich aber die Situation jedoch differenzierter ist. Einige Kategorien haben tatsächlich ihren Umsatz gesteigert, während andere bedrohliche Verluste erlitten haben.

Ecommerce Wachstum: Schätzung 2020
Alle E-Commerce Verbände berichten ein positives Wachstum bei den digitalen Wareneinzelhandelsverkäufen im Jahr 2020, das zwischen 5 und 10% in Polen und 60 bis 75% in Finnland liegt. Die Entwicklung beim digitalen Handel von Dienstleistungen ist jedoch nicht so positiv. 6 befragte E-Commerce Verbände (Norwegen, Österreich, Bulgarien, Frankreich, Niederlande und Italien) gaben im Vergleich zu 2019 einen Rückgang an, wobei Norwegen einen Rückgang des Online-Verkaufs von Dienstleistungen von 60% im Vergleich zu 2019 feststellte. Zählt man den digitalen Handel mit Produkten und Dienstleistungen für 2020 zusammen, schätzen die meisten E-Commerce Verbände ein Wachstum des Ecommerce Umsatzes zwischen 44% in Irland und 4% in den Niederlanden. Italien und Norwegen verzeichnen jedoch einen Gesamt-rückgang von 20% bzw. 3% im Vergleich zu 2019, was auf den überwältigenden Rückgang des Online-Umsatzes mit Dienst-leistungen zurückzuführen ist. Während der E-Commerce-Sektor in Europa im Jahr 2020 ein Gesamtwachstum verzeichnen kann, ist dieser Trend nicht universell und hängt von der unterschiedlichen Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen während der Pandemie ab.

Erwartung des E-Commerce-Sektors für 2021.
Die Prognose aller E-Commerce Verbände für die Entwicklung des Ecommerce Sektors im Jahr 2021 ist positiv. 11 Verbände fühlen sich „sehr zuversichtlich“ und 8 „ziemlich zuversichtlich“. Ein großer Teil des Wachstums im Ecommerce Sektor wird dauerhaft sein, was auf ein erhöhtes Vertrauen der Öffentlichkeit und Änderungen im Verbraucherverhalten zurückzuführen ist, und nicht nur auf eine vorübergehende Folge der Pandemie.

Wenige Verbände teilen Bedenken hinsichtlich des Wachstums des Sektors nach dem Ende der COVID-19-Beschränkungen. Die Mehrheit der Verbände geht von einem deutlichen Wachstum des Online-Verkaufs von Produkten im Jahr 2021 aus. Das Wachs-tum im digitalen Handel von Dienstleistungen wie Reisen wird davon abhängen, ob es zu einer gewissen Entspannung und einer Rücknahme der bestehenden restriktiven Maßnahmen kommt. Insgesamt stellen die europäischen E-Commerce Verbände fest, dass die COVID-19-Pandemie die Digitalisierung von Unternehmen in Europa beschleunigt hat und zu einem kontinuierlichen Wachstum des E-Commerce Sektors führen wird, das von Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen angetrieben wird.

Der E-Commerce hat sich während der Pandemie zudem zu einer Lebensader für den traditionell, stationären Handel entwickelt und sich auch als widerstandsfähig erwiesen, indem er die gestiegene Nachfrage der Verbraucher befriedigen konnte und die Bereitstellung notwendiger Waren und Dienstleistungen sichergestellt hat.

Der logistic-natives e.V. ist das mittelstandsgeprägte internationale Logistik-Infrastruktur Netzwerk des modernen Handels. Der Verband vertritt aktiv die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen von über 30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützt der logistic-natives e.V. überwiegend bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustelloptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle Management, Kreis-lauflogistik und Retourenmanagement.

Das Netzwerk ist mit seiner pragmatischen Expertise Ansprechpartner für Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und andere Institutionen, um nationale und internationale Lösungen für den modernen Handel zu schaffen. Dabei sie sich der logistic-natives e.V. als Querschnittsverband zu verschiedenen Branchen rund um den Handel. (WT)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

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