AWS unterstützt Deutschland bei seinem digitalen Wandel

Die digitale Transformation ist ein zentraler Stellhebel, um das Wirtschaftswachstum und die Innovationskraft von Unternehmen und Ländern voranzutreiben, aber auch resilient gegenüber negativen externen Ereignissen zu werden und den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

Beitrag: Redaktion.

Um die Digitalisierung in Europa konsequent voranzutreiben und von ihren positiven Aspekten zu profitieren hat die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Vision der digitalen Dekade in 2021 Ziele vorgestellt, die sie bis zum Jahr 2030 erreichen möchte. Diese Ziele richten sich an vier Säulen aus: die Entwicklung digitaler Fähigkeiten, der Aufbau von digitaler Infrastruktur sowie die Digitalisierung von öffentlichem Sektor und Unternehmen.

Public First, ein unabhängiges Beratungsunternehmen, hat im Auftrag von Amazon Web Services (AWS) untersucht, welche Rolle
Cloud-Computing bei der Realisierung dieser Ziele spielt und wie weit Europa bereits bei der Umsetzung vorangeschritten ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in dem Report „Unlocking Europe’s Digital Potential“ zusammengefasst. Als Teil dieser
Studie betrachtete Public First auch den Digitalisierungs-Fortschritt in Deutschland. Erreichen der Ziele der digitalen Dekade hat das Potenzial, eine Bruttowertschöpfung von 800 Milliarden Euro in Deutschland zu erzielen.

Das Beratungsunternehmen schätzt, dass durch die Verwirklichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission im Zeitraum von 2021 bis 2030 in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von über 800 Milliarden Euro erzielt werden könnte. Das entspricht etwa einem Viertel (24 Prozent) der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2021.

Der Einsatz von Cloud-Computing spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Public First schätzt, dass 55 Prozent dieser Bruttowertschöpfung von dem Einsatz von Cloud-Computing abhängt. Cloud-Computing ist die bedarfsabhängige Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet. Statt Rechenzentren und Server selbst kaufen und betreiben zu müssen, können Organisationen Rechen- und Speicherkapazitäten, Datenbanken, als auch Dienste wie Analytics, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Internet der Dinge und viele mehr bedarfsorientiert über die Cloud beziehen und dabei höchste Ansprüche an Daten- und Ausfallsicherheit erfüllen. Dadurch ermöglicht die Cloud den Zugang zu neusten Technologien ohne hohe Vorabinvestitionen und tiefgreifende Programmierkenntnisse, sodass alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, Nutzen aus diesen ziehen können.

Um das volle Potenzial von 800 Milliarden Euro Wirtschaftswachstum auszuschöpfen, muss Deutschland seine Bemühungen für die Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission schneller vorantreiben. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von Kerntechnologien durch Unternehmen: Laut Untersuchungen der Europäischen Kommission setzen bislang nur 20 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Computing ein. Andere Quellen geben an, dass 37,5 Prozent der deutschen Organisationen diese Technologie nutzen. Künstliche Intelligenz wird nur von etwa 28 Prozent der deutschen Unternehmen eingesetzt und Big Data lediglich in 18 Prozent der Organisationen. Dabei kann der Einsatz digitaler Werkzeuge die Unternehmensproduktivität erheblich steigern – etwa um 10–25 Prozent.

Gemessen an dem derzeitigen Fortschritt wird Deutschland bis 2030 nur ein jährliches Wirtschaftswachstum von 248 Milliarden Euro erzielen. Dabei könnten durch eine schnellere Digitalisierung sogar bis zu 552 Milliarden Euro zusätzlich an Bruttowertschöpfung erwirtschaftet werden. Um die Ziele Europas in der digitalen Dekade schneller zu erreichen, müssen öffentliche und private Akteure der deutschen Wirtschaft zusammenarbeiten und die Entwicklung digitaler Fähigkeiten sowie die Einführung von digitalen Technologien unterstützen. AWS bietet in diesem Zusammenhang beispielsweise kostenlose Cloud-Computing-Trainings an, mit dem Ziel bis zum Jahr 2025 weltweit 29 Millionen Menschen zu trainieren. Bereits heute haben mehr als 100.000 Personen in Deutschland erfolgreich an Trainings von AWS teilgenommen.

Deutschland macht große Fortschritte in einigen Bereichen der digitalen Dekade.
Die Untersuchung von Public First zeigt auch, dass Deutschland in einigen Bereichen bereits große Fortschritte zur Erfüllung der Ziele der digitalen Dekade erreicht hat. Schon heute verfügen 56 Prozent der Haushalte in Deutschland über sogenannte „Very High Capacity Networks“. Dabei handelt es sich um feste Breitbandnetze mit Glasfaseranschluss bis mindestens zum Gebäude und drahtlose Netze mit Glasfaseranschluss zur Basisstation.

Die digitale Bereitstellung von grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen ist ein weiteres Beispiel. 100 Prozent wichtiger öffentlicher Dienste sollen für Bürger:innen und Unternehmen online zugänglich sein. Auch in diesem Zusammenhang stellt Cloud-Computing ein wichtiges Instrument dar. Öffentliche Organisationen können durch die Nutzung von Cloud-Computing auf eine sichere Infrastruktur zurückgreifen, um Verwaltungsleistungen zu digitalisieren. Public First schätzt, dass die Verlagerung von 10 Prozent der aktuellen IT-Systeme in die Cloud das Potential hat, den deutschen Steuerzahlern über 230 Millionen Euro pro Jahr einzusparen.

AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission.
AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission, um den Weg in eine digitale und nachhaltige Zukunft zu ebnen. Dafür verfolgen wir einen mehrstufigen Ansatz: Aufbau von Vertrauen. Deutschland ist eines der führenden Länder in Europa, wenn es um den Aufbau einer nachhaltigen und digitalen Zukunft geht. AWS unterstützt seine Kunden in Deutschland dabei, Gesetzen und Regulierungen der EU und von Deutschland zu entsprechen und höchste Anforderungen an Daten- und Ausfallsicherheit zu erfüllen. Investitionen in den Aufbau digitaler Fähigkeiten. Digitale Fähigkeiten sind zentral in unserer künftigen Arbeitswelt. AWS unterstützt die deutsche Wirtschaft dabei, den Mangel an digitalen Fähigkeiten durch Weiterbildungs- und Trainingsangebote zu adressieren.

Nachhaltigkeit stärken. Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. AWS ist auf einem guten Weg seinen Betrieb bis 2025, also fünf Jahre vor dem eigentlichen Ziel in 2030, auf 100% erneuerbarer Energien umzustellen. Zusammen mit unseren Kunden arbeiten wir an neuen Ideen, um mit neuen Technologien Emissionen zu reduzieren und unsere Umwelt zu schützen. Amazon ist der weltweit größte Einkäufer erneuerbarer Energien. Wir werden auch weiterhin daran arbeiten unsere Infrastruktur so anzupassen, dass wir unsere Nachhaltigkeitsziele erreichen können. Von dem nachhaltigeren Betrieb der AWS Cloud profitieren auch unsere Kunden: Workloads, die in der AWS Cloud betrieben werden, werden damit automatisch nachhaltiger. Weitere Informationen zu unseren Nachhaltigkeitsbemühungen können auf unserer Website abgerufen werden.

Befähigung von Unternehmen. Unternehmen in Deutschland müssen auf die besten Technologien weltweit zugreifen können, um sowohl innerhalb Deutschlands als auch global wettbewerbsfähig zu bleiben. Um ihre Digitalisierungsziele zu erreichen, müssen AWS Kunden in Deutschland die freie Wahl haben, welche Technologien sie nutzen wollen.

AWS respektiert europäische als auch deutsche Werte und unterstützt die sich stetig weiter entwickelnden regulatorischen Anforderungen, um seine Kunden dabei zu unterstützen, diesen zu entsprechen. Innovationskraft stärken. Die Innovationsfähigkeit ist zentral für die digitale Wirtschaft. AWS wird weiterhin daran arbeiten, die Kosten für die Entwicklung von Innovationen zu senken als auch schnelles Experimentieren, Veröffentlichen und Skalieren zu ermöglichen. (RED)

LOGISTIK express Journal 4/2022

Vom Kataloggeschäft zum Platzhirsch im E-Commerce

Die Otto Group bietet Amazon die Stirn: mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz allein am österreichischen Markt zeigt das Unternehmen, wie man mit vielfältigem Portfolio global erfolgreich sein kann.

Beitrag: Redaktion.

Es ist die Zeit, in der der Vertrag von Maastricht den Weg für eine einheitliche europäische Währung ebnet. Die Zeit, in der erstmals seit zwei Jahrzehnten bei einer großen internationalen Konferenz in einem globalen Rahmen Umweltfragen diskutiert werden. Und es ist auch die Zeit, in der die Otto Group in den österreichischen Markt eintritt: mit der Übernahme des Versandhauses „Moden Müller“ Anfang der 1990er-Jahre, aus dem 1992 OTTO Österreich hervorgehen wird.

Seit drei Jahrzehnten steht die Marke nun auf wirtschaftlich soliden Beinen. Und das trotz der kompletten Änderung des Geschäftsmodells vom Katalogversender zum Onlinehändler: Verzeichnet man beim Onlineumsatz seit 1998 doch ein durchschnittliches Wachstum pro Jahr von 24 Prozent [1]. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) erwirtschaftet man einen Gesamtumsatz von 100 Millionen Euro (IFRS 15).

OTTO Österreich ist aber nur eines von vielen Beispielen, bei denen die Otto Group den Weg in die Welt hinaus ging. Prof. Dr. Michael Otto, Vorsitzender des Konzern-Aufsichtsrats, über den Beweggrund, aus dem familiengeführten Einzelunternehmen mit Sitz in Hamburg eine global agierende Unternehmensgruppe zu machen: „Wir haben bereits in den 1980ern begonnen, uns zu internationalisieren und zu diversifizieren. So können konjunkturelle und sektorspezifische Schwankungen besser aufgefangen werden.“ Und so ist man heute eine Handels- und Dienstleistungsgruppe, zu der die beiden großen Online-Plattformen OTTO und About You genauso zählen wie Markenkonzepte (Bonprix, Crate and Barrel, Witt) undHandelskonzepte (Baur, Freemans Grattan, Limango). Im stationären Bereich ist man mit Frankonia, Mytoys und Manufactum vertreten. Dazu kommen Services wie von Hermes, Finanzdienstleistungen von EOS und Hunderte von Beteiligungen an Start-ups. Mit 43.000 Mitarbeitenden ist die Otto Group in rund 30 Ländern aktiv und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. März 2021 bis 28. Februar 2022) einen Umsatz von 16,1 Milliarden Euro (IFRS 15), davon 12,1 Milliarden Euro reinen Onlinehandelsumsatz.

In Österreich gehen die Aktivitäten des Konzerns weit über jene der UNITO-Marken OTTO Österreich, UNIVERSAL, QUELLE und LASCANA hinaus. „Wir sind hier auch mit About You, Bonprix, Frankonia, Mytoys, Witt und Hermes vertreten – und wir sind seit vier Jahren mit dem Warenhaus Manufactum Am Hof in Wien auch stationär präsent. Wir erwirtschaften einen Umsatz von 431 Millionen Euro [2] und haben damit eine gewisse Bedeutung auf dem österreichischen Handelsmarkt“, stellt Prof. Dr. Michael Otto fest. Dass es den einstigen Kataloghändler OTTO im Jahr 2022 noch gibt, hat mit der unternehmerischen Diversität zu tun – aber auch mit der Tatsache, technisch stets am Puls der Zeit gewesen zu sein. Schon in den 1990ern setzte man auf E-Commerce, 1995 brachte man das gesamte Sortiment ins Internet – in einer Zeit, in der in Österreich etwa gerade einmal neun Prozent der Bevölkerung [3] Zugang zum
Internet hatten.

Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Von den früheren großen Katalogversendern ist die Otto Group mit ihren Marken der letzte, der überlebt hat. Ich bin als CEO mit meinem jeweiligen Technikvorstand ab den 1980ern regelmäßig in die USA gereist, um zu sehen, an welchen technologischen Entwicklungen gearbeitet wird. Zentral für unseren Erfolg ist, dass wir Technologie zu einem frühen Zeitpunkt für den Nutzen der Kundinnen und Kunden eingesetzt haben.“

Die Otto Group war und ist aber nicht nur technisch stets am Puls der Zeit, in Bezug auf Nachhaltigkeit war sie der Zeit mitunter sogar voraus. Prof. Dr. Michael Otto, der vielen als Vorreiter unternehmerischer Nachhaltigkeit gilt: „Der erste Bericht des Internationalen Club of Rome, in dem ich heute Mitglied bin, hat mich berührt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe gesagt: Jede Bürgerin, jeder Bürger, jede Unternehmerin, jeder Unternehmer muss erst einmal bei sich anfangen und einen Beitrag leisten.“ Und das tat und tut die Otto Group seit damals: Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden konzernweit nachhaltige Prozesse und Produkte eingeführt. So konnten etwa die CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren halbiert werden. Aber auch für die Zukunft sind die Ziele hochgesteckte:

Bis 2030 strebt man Klimaneutralität an.
OTTO Österreich, das seit Anfang 2021 alle Sendungen CO2-neutral zustellt, ist seit 1. Juli 2022 klimaneutral. „Wir agieren nach dem Grundprinzip Vermeidung, Reduzierung, Kompensation. Sind alle Möglichkeiten, schädliche Klimagase zu vermeiden und zu reduzieren, ausgeschöpft, kompensieren wir unvermeidbare Emissionen mit Projekten höchsten Qualitätsstandards – und das zu zehn Prozent mehr als wir an Emissionen verursachen“, erklärt Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe.

Der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage begegnet man im gesamten Konzern mit Respekt. Prof. Dr. Michael Otto dazu: „Ich habe in meinen weit mehr als 50 Berufsjahren manche Herausforderung erlebt – aber diese ist eine besondere. Aus der Corona-Pandemie haben wir es noch immer mit Störungen auf der Beschaffungsseite zu tun, die sich durch den Krieg in der Ukraine und die drohenden Auseinandersetzungen mit China erheblich verschärft haben. Der Krieg, die Inflation, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger und die Energiekrise verschärfen die Absatzprobleme. Das alles führt in vielen Ländern Europas zu einer erheblichen, in Deutschland einmalig großen Nachfrageunlust.“ Man sei derzeit aber digital, kund*innenmäßig sowie finanziell sehr gut aufgestellt und halte am Kurs der Investition in Digitales, Logistik und neue Geschäftsfelder fest. Spuren hinterlassen werde die Krise aber dennoch – beim Umsatz und insbesondere beim Ertrag, da man in dieser angespannten Situation höhere Einstandskosten nicht zur Gänze an Kund*innen weitergeben könne.

2023 werde laut Mag. Harald Gutschi auf jeden Fall noch herausfordernd, bei OTTO
Österreich plane man mit einem vorsichtigen Wachstum von fünf bis zehn Prozent statt der ursprünglich anvisierten zehn Prozent. Generell sieht der Sprecher der Geschäftsführung der UNITO-Gruppe das Unternehmen aber in einer privilegierten Lage: „Mit unserem Geschäftsmodell ist alles weitestgehend organisierbar. Wir können etwa rasch über Werbekosten entscheiden – diese runterfahren, wenn das nötig ist, und genauso schnell wieder hochfahren, wenn sich die Lage entspannt. Da geht es uns viel besser als anderen Unternehmen.“ (RED)

[1] Betrachtung Onlineumsatz Kalenderjahttps://www.unito.at/presse/hr 1998 (Gründung des Onlineshops ottoversand.at) bis Kalenderjahr 2021

[2] Betrachtung Geschäftsjahr 2021 (1. März 2021 bis 28. Februar 2022), ohne Umsatzangaben der Onlineplattform About You

[3] Quelle: Statista-Dossier, veröffentlicht am 2. März 2022; Basis österreichische Bevölkerung ab 14 Jahre

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Heimischer Onlinehandel: Herausforderungen durch Corona-Krise

Seit zwei Jahren begleitet uns Corona auf Schritt und Tritt und nimmt Einfluss auf die verschiedensten Bereiche unseres Alltags. Auch vor unseren Kaufgewohnheiten nimmt es nicht halt und stellt den heimischen Onlinehandel vor neue Herausforderungen.

Beitrag: Franziska Laski.

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen ihre Angebote digitalisiert, um auch außerhalb der Geschäftszeiten für Kunden erreichbar bzw. sichtbar zu sein. Viele Händler waren Anfang 2020 gezwungen ihre stationären Geschäfte zu schließen und auf den digitalen Weg ihre Waren zu vertreiben. Auch Konsumenten mussten teilweise über Umwege an ihre Produkte kommen, weshalb sich der Onlinehandel in Österreich mit +17% seit Anfang 2020 weiterhin auf Wachstumskurs befindet und stetig an Bedeutung gewinnt.

Neben Elektrogeräten, Bekleidung und Büchern konnten beispielsweise Drogeriewaren einen Zuwachs von 36% verzeichnen. Auch Möbel (+40%) und Lebensmittel (+46%) wurden im Vergleich zu den Vorjahren verstärkt online eingekauft. Eine große Auswahl an Produkten sowie Anbieter und schnelle Lieferzeiten lassen das Online-Bestellen zur Normalität werden, was in Österreich schon jetzt einen Handel ohne das Internet unvorstellbar macht.

1/3 wird im heimischen Onlinehandel bestellt.
Trotz erhöhten Onlineeinkäufen seit der Pandemie profitieren österreichische Onlineshop-Besitzer nur mäßig davon. Bestellungen aus dem Ausland und hier vor allem von großen Online-Marktplätzen, wie Amazon, stiegen in den letzten zwei Jahren um 64% an. Somit wird nur jedes dritte Paket bei heimischen Webshops gekauft.

Die Herausforderungen für regionale Onlineshopbetreiber sind nämlich vielfältig.
Sowohl das Warenangebot steigt als auch die Zahl konkurrierender Firmen und damit auch der Wettbewerb, was die Reichweite eines Onlineshops einschränken kann. In weiterer Folge führt eine zu geringe Sichtbarkeit zu wenig Kundenbesuchen. Laut Studien kämpfen somit 41% der Onlineshopbesitzer mit starkem Konkurrenzdruck und 34% mit der Digitalisierung und dem damit verbundenem Online-Marketing ihres Unternehmens. Internet-Giganten, wie Amazon, welche genügend Ressourcen in diesen Bereichen aufweisen, nutzen ihren starken Internetauftritt, um auch über die Landesgrenzen hinweg Umsätze zu generieren. Die letzten zwei Jahren haben somit gezeigt, dass sich eCommerce zwar auf dem Vormarsch befindet, jedoch noch viel Potenzial für heimische Unternehmen bereithält, um sich gegen die „Big Player“ behaupten zu können.

Wachstum im heimischen eCommerce ankurbeln.
Das junge Unternehmen boomerank sieht hier mit ihrer AI-basierten Performance Marketing Software eine Chance die heimische Wirtschaft zu fördern und den eCommerce-Markt für österreichische Unternehmen zugänglicher zu machen. Damit soll nicht nur die Diversität am Markt gefördert, sondern auch der Wettbewerb mit den Konzernen aufgenommen werden. Geschäftsführer Sebastian Schwelle sagt, “Unser Ziel war und ist es schon immer gewesen, einen eCommerce Performance Assistenten zu bauen mit welchem Onlineshops durch eine effiziente Kombination von Google Anzeigen und Suchmaschinenoptimierung bessere Chancen am wettbewerbsintensiven Markt bekommen.“ (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Intelligente Lieferroboter lösen Problem der letzten Meile

Die weltweite Nachfrage nach autonomen Lieferrobotern und Drohnen steigt nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie und den stark expandierenden Online-Handel rasant. Im Land der Mitte sind es Alibaba, Meituan, JD die die Entwicklung und den Einsatz von Robotern z. B. im Lebensmittelbereich vorantreiben.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die letzte Meile gilt traditionell als teuerster Teil der Transportstrecke einer Lieferung, da sie extrem ressourcenintensiv ist. Es werden sehr viele Lieferfahrzeuge mit Personal benötigt, die nicht nur die Kosten in die Höhe treiben, sondern auch Ballungsräume verstopfen und zu Umweltproblemen führen. Probleme bei der Lieferung wie Lieferverzögerungen, verlorene oder beschädigte Ware führen zu negativen Kundenerfahrungen, worauf diese von den Kunden dann wutentbrannt und enttäuscht auf Social Media mit anderen potenziellen Kunden geteilt werden. Daher ist es für Transport- und Logistikunternehmen von entscheidender Bedeutung, die größten Probleme der letzten Meile zu kennen und zu lösen. Die Corona-Pandemie hat die kontaktlose Lieferung z. B. von Lebensmitteln oder auch anderen Online-Käufen durch Roboter vorangetrieben. Der Bedarf wird wohl weit über das Ende der Pandemie hinaus bestehen bleiben.

Revolution der Lieferroboter.
Eine Möglichkeit der Lösung sind Lieferroboter, die langfristig günstiger und zuverlässiger sind als menschliches Personal. Auch besteht vielerorts Knappheit bei geeigneten Personal im Expresszulieferbereich. Andere Möglichkeiten sind die Verbesserung der Kommunikation, Transparenz und Organisation entlang der Supply Chain. Zudem wird die Einführung von Blockchain und Künstlicher Intelligenz die Effizienz der Lieferkette enorm erhöhen. In China und Japan werden enorme Anstrengungen unternommen, um die letzte Meile durch Roboter zu automatisieren und effizienter und weniger fehleranfällig zu gestalten. Vorreiter wie die chinesische Meituan Dianping und das japanische Unternehmen ZMP engagieren sich im Bereich der Auslieferung von Lebensmitteln. Zudem investiert die Alibaba Group (Cainiao) zusammen mit der Damo Academy in den Aufbau einer Roboter-Lieferflotte.

Der in Tokio beheimatete Roboterhersteller ZMP hat bereits in 2019 Lebensmittel-Lieferroboter (DeliRo) entwickelt und sie überwiegend in Bürogebäuden, Wohnkomplexen und Universitäten getestet. Die kommerzielle Auslieferung von bestelltem Essen soll schon in 2022 in Tokio beginnen. DeliRo fährt auf Gewegen in Schrittgeschwindigkeit (6 km/ h) und nutzt dabei Kameras sowie Lasertechnik, um Kollisionen zu vermeiden. Er kann mit Menschen via Sprache und Gesichtsausdruck bzw. Mimik kommunizieren.

DeliRo wurde im Rahmen des Konzepts „RoboTown“ entwickelt – eine Stadt in der Menschen und Roboter koexistieren sollen. Künftig soll DeliRo auch Auslieferungen für die Japanische Post übernehmen.  Die japanische Regierung will dafür die Gesetze ändern, damit Roboter künftig legal Gehwege in Schrittgeschwindigkeit und Straßen ohne menschliche Begleitung nutzen dürfen. Die Nachfrage nach kontaktlosen Postlieferungen wird durch die weiterhin bestehende Pandemielage gefördert. Zudem besteht ein akuter Arbeitskräftemangel in der alternden japanischen Gesellschaft.
Die chinesische Shopping-Plattform Meituan hat im April bekannt gegeben, dass es zehn Milliarden US-Dollar (8,8 Milliarden Euro) in die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen und Drohnen für Lieferdienste investieren wird.

Das Unternehmen testet autonome Lieferfahrzeuge (Geschwindigkeit 20 km/ h) in Peking seit Februar 2020. Seither hat es 35000 Bestellungen kontaktlos während der Corona-Pandemie ausgeliefert. Im April 2021 wurde die nächste Generation an Lieferrobotern auf den Markt gebracht, die mit einer Batterieladung 80 km Lieferradius aufweisen. Die Ladekapazität beträgt 150 kg. Die Roboter können Objekte und Menschen im Bereich von 150 m wahrnehmen und Kollisionen verhindern.

Zudem testet Meituan die Auslieferung von Lebensmitteln via Drohne, die Bestellungen zu ausgewählten Straßenkiosken liefern sollen. Allerdings wird für die Drohnenlieferungen nach wie vor Personal benötigt. Ein Kurier holt die Lebensmittel-Bestellung vom Verkäufer ab und bringt sie zum Abflugbereich der Drohnen auf einem Hochhaus. Ein Inspektor packt die Lebensmittel in die Drohne und macht sie startbereit. Diese kann bei 4 kg Eigengewicht 2,5 kg befördern.Dies entspricht ungefähr dem Gewicht von einem Mittagessen für zwei Personen. Falls z. B. nur ein Getränk bestellt wird, wird der restliche Laderaum verschwendet. Ob Drohnenlieferungen wirklich wirtschaftlich sind, muss noch untersucht werden. Die Frage bleibt natürlich, wie die Drohnenlieferung effizienter gestaltet werden kann.

Meituan will die überwiegende Anzahl seiner Lieferboten nicht ersetzen, sondern will eine Kollaboration von Menschen und Robotern. Die überfüllten Straßen von chinesischen Großstädten stellen für Lieferboten eine große Herausforderung dar. Alibabas Ele.me und die Handelsplattform JD.com haben ebenfallls in Drohnen-Lieferdienste investiert.

Alibaba setzt ab 2024 – zehntausend Lieferroboter ein.
Der Tech-Konzern Alibaba Group will eine gigantische Lieferrobotor-Flotte einsetzen, um der gewaltigen Flut an Paketen Herr zu werden, die über die eigenen Handelsplattformen Alibaba, Aliexpress, Taobao und Tmall bestellt werden. Lieferroboter gelten als schnell, zuverlässig und relativ günstig im Vergleich zum Personeneinsatz, um die gewaltige Anzahl an Bestellungen zu erfüllen. Laut Alibabas Leiter der Technologieabteilung Cheng Li gehören autonome Fahrzeuge zu den Schlüsseltechnologien des digitalen Zeitalters. Daher hat der Konzern damit begonnen, zunächst über 1000 Lieferroboter mit dem Namen „Xiaomanly“ (auf Deutsch kleiner Esel) auf Universitätsgeländen und in Stadtgemeinden in China einzusetzen. Bis 2024 sollen rund 10000 Lieferroboter in Dienst gestellt werden, was zu einer täglichen Auslieferkapazität von einer Million Paketen führen würde.

Die Roboter wurden von Alibabas Damo Academy zusammen mit dem eigenen Logistikarm Cainiao entwickelt. Die Kapazität der kleinen Esel liegt bei 50 Paketen pro Fahrt und rund 500 Paketen pro Tag und Lieferroboter. Ende September 2021 hatte die Xiaomanly-Flotte bereits eine Million Pakete seit ihrer Einführung ausgeliefert. Dabei wurden Kunden in 52 Städten in 22 verschiedenen chinesischen Provinzen beliefert.

Die Roboterfahrzeuge werden an lokalen Kurier-Abladestellen beladen und können rund 100 km mit einer Batterieladung zurücklegen. Allerdings können die kleinen Esel bisher noch keine Treppen erklimmen. Die Technologie soll aber schrittweise verbessert werden. Künstliche Intelligenz (KI) plant den kürzesten Weg von der Abholstation zur jeweiligen Kundentür. Xiaomanly kann Bewegungen von Objekten wie Fußgängern und Fahrzeugen durch einen Berechnungsalgorithmus für fünf bis zehn Sekunden voraussagen und dadurch Kollisionen mit einer Genauigkeit von 99,9999 Prozent vermeiden. Dies entspricht einem hohem Automatisierungsgrad von 4 auf einer Skala von 0 bis 5.

Ein Automatisierungsgrad von 5 scheint bisher unerreichbar, da besonders auf stark befahrenen Straßen die Verarbeitung einer unglaublichen Fülle an Daten notwendig wäre. Die kleinen Esel fahren allerdings für die Auftragserfüllung auf der letzten Meile relativ langsam auf Gehwegen und Randstreifen in einer kontrollierbaren Umgebung, daher ist Automatisierungsgrad 4 ausreichend. Zur Navigation nutzen sie GPS, eine Cloud Computing-Plattform, 3D Point Cloud Semantic Segmentation (PCSS) Technology und High Definition Position Technology.

Die Lieferroboter erlernen dabei durch KI schrittweise ihre Umgebung. Zuvor wurden die KI-Algorithmen schon mit 10000 simulierten Szenarien trainiert, wie beispielsweise das Auftreten von Extremwetter und schlechten Sichtverhältnissen. Künftig sollen die kleinen Esel beispielsweise Gabelstapler in Produktionshallen bzw. in Logistikzentren ersetzen, medizinischen Abfall in Krankenhäusern entsorgen und Gepäck auf Flughäfen transportieren. Laut Wang Gang, Leiter des Autonomous Driving-Labors bei der Damo Academy, wird die gleiche Technologie nun für größere autonome Lieferfahrzeuge in Kooperation mit Cainiao eingesetzt. Die größeren autonomen Lkw werden schon ab 2024 Güter über längere Distanzen in kürzerer Zeit ausliefern können und dann zum normalen Straßenbild gehören.

Globale Nachfrage nach Lieferrobotern steigt rasant.
Laut der amerikanischen Fachzeitschrift Robotics 24/7 soll der weltweite Markt für Lieferroboter von 212 Millionen US-Dollar (186 Millionen Euro) in 2021 auf 842 Millionen Euro in 2026 expandieren. Dies entspricht einer jährlichen kumulierten Wachstumsrate von 35,1 Prozent. Große Online-Händler wie Meituan, Alibaba, Amazon und JD entwickeln alle aktiv zusammen mit Technologiefirmen für autonome Systeme Lieferroboter und Drohnen. Andere internationale Firmen, die Lieferroboter entwickeln, sind Daxbot, Eliport, Postmates, Refraction AI, Tortoise und Unity Drive Innovation. (DR)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Zuverlässiges Fulfillment E-Commerce »E« steht für Effizienz

Die L.I.T. Gruppe mit Hauptsitz in Brake (LK Wesermarsch) bietet ein breites Dienstleistungsspektrum entlang der gesamten Logistikkette. Über 3.000 Mitarbeitende an 66 Standorten in 14 Ländern realisieren ganzheitliche Konzepte in der Transport- und Kontraktlogistik für die verschiedensten Branchen.

Text: Redaktion.

Viele kennen die L.I.T. Gruppe: Wie würden Sie sie unseren Lesern dennoch in wenigen Worten beschreiben?

TS: L.I.T. ist mittelständig geprägt, seit 1988 stark aus dem Transportbereich gewachsen und mittlerweile in der Lage, alle Dienstleistungen der Logistik abzubilden. Entsprechend breit ist unser Kunden- und Branchen-Portfolio.

L.I.T. ist vor allem bekannt im Transportwesen – wie kamen Sie nun auch noch zum Bereich E-Commerce?
Thimo Schulz: Wir haben vermehrt Anfragen von unseren Bestandskunden erhalten und so vor etwa vier Jahren angefangen, uns intensiver mit E-Commerce zu beschäftigen. Erst mit ganz kleinen Aufträgen, welche mit der Zeit über größer wurden. Bis zu dem Punkt, an dem wir mit einem Bestandkunden gemeinsam einen ganzen Shop inklusive Bewirtschaftung aufgebaut haben, den wir seither erfolgreich betreuen.

Der E-Commerce hat vor allem in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt. Wie haben Sie als Logistiker diesen Anstieg erlebt?
Rico von Hollen: Bei uns eher verhalten, viele Kunden schrecken vor den Anfangsinvestitionen zurück. Vor allem wenn man eine größere Reichweite erzielen möchte und auch Anforderungen aus dem Markt gerecht werden möchte, ist es nicht mehr damit getan, einfach nur Ware aus dem Regal zu nehmen, in den Karton zu packen und für den Transport zu übergeben.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell im E-Commerce?
TS: Man muss klar sagen, Amazon setzt hier oft den Standard. Daran orientieren sich der Handel, die Empfänger und auch die anderen Logistiker, wenn sie im Teich „E-Commerce“ mitschwimmen wollen. Einige der Herausforderungen sind Dropshipment, Click + Collect, Abholung in der Filiale, Same-Day-Delivery. Um nur einige wenige Beispiel zu nennen. Außerdem verursacht diese spezielle Dienstleistung extrem hohe Lieferkosten und belastet unsere Gesellschaft zusätzlich. Für uns als Firma macht Same-Day-Delivery dann vor allem Sinn, wenn es ausgelastete Liefertouren gibt.

Aus meiner Sicht wird insbesondere die intelligente Konsolidierung von mehreren Lieferzentren – gerade in den Ballungsgebieten und Metropolen – eine steigende Bedeutung bekommen. Große KEP-Dienstleister wie DHL und UPS machen es ja schon auf der letzten Meile vor. Und ganz klar: Ökologische Gesichtspunkte rücken in allen Lebenslagen in den Fokus, da ist auch die „Individual-Logistik“ ein Thema.

RvH: Das tangiert auch die Same-Day-Zustellung. Ich denke, hier muss das gemeinsame Ziel in den Fokus rücken und der Konkurrenz-Gedanke innerhalb des Marktes ein Stück weichen. So wird eine nachhaltige, effiziente Logistik möglich. Da setzen wir als L.I.T. an: Wir möchten unseren Kunden mit einer ganzheitlichen Lösung entlang der Supply-Chain vom Import bis zur letzten Meile alle Services aus einer Hand anbieten. Dann vermeiden wir Reibungsverluste an den Schnittstellen zwischen den Beteiligten und können wirtschaftlicher und ökologischer handeln.

Und welche Herausforderungen hält das Schlagwort „die letzte Meile“ aus Ihrer Sicht parat?
TS: Es ist schlicht und einfach der letzte und anspruchsvollste Teil des Zustellprozesses (lacht). Es erscheint im ersten Moment nicht als echte Herausforderung diese kleine Strecke noch zu überwinden bei Waren, die schon über den Ozean aus Asien zu uns gekommen sind. Dennoch ist es die teuerste Transportstrecke im Zustellprozess zum End-Empfänger.

Dann wird es sofort spannend, wenn die Empfänger nicht anzutreffen sind. Und in der wachsenden Anzahl an Single-Haushalten ist noch seltener jemand anzutreffen als beim klassischen Familienhaushalt. Der KEP-Dienst muss erneute Zustellversuche unternehmen. Eine Lösung könnte sein, intensiver über Zustelltage mit intelligenten Zustellfenster nachzudenken oder Zustellfächer in Wohnregionen. Einiges davon ist schon umgesetzt. Oder Empfänger lassen sich ihre Ware beispielsweise an den Arbeitsplatz schicken. Damit hat der KEP für mehrere Empfänger eine Anfahrstation. Das und noch mehr sind für uns noch Herausforderungen, die nur gemeinsam mit dem Versender, Logistiker und Transporteur angegangen werden können.

Welche Rolle spielt die Automatisierung von Prozessen in Bezug auf Qualität und Effizienz? Und welche Lösung hat L.I.T. hierfür?
RvH: Grundsätzlich müssen sich alle Logistiker am Markt an Reaktionszeit, Lieferperformance und natürlich Qualität der Dienstleistung messen lassen. Das gilt besonders im Bereich B2C E-Commerce – und auch hier ist Amazon die Benchmark. Derjenige, der besonders kurzfristig auf Peaks in puncto Nachfrage und Angebotsvielfalt reagieren kann, wird dauerhaft zufriedene Kunden haben. Gepaart mit stetiger Qualität und verlässlichen Reaktionszeiten kann da auch der Mittelstand durchaus mit den „Big-Playern“ konkurrieren. Und gerade deshalb möchten wir verstärkt auf unterstützende Automatisierung setzen, also eine Art „Hybrid-Betrieb“ innerhalb unserer Supply Chain.

TS: Wir haben uns hier insbesondere im Bereich E-Commerce und Kleinteile-Logistik für eine AutoStore-Anlage entschieden. Die ersetzt natürlich keine Fachkräfte, erhöht aber deren Produktivität massiv. Das entlastet die Kolleginnen und Kollegen natürlich in erheblichem Maße. Es ist eine top Lösung für unsere Kunden, mit denen wir so gemeinsam und dynamisch wachsen. Dazu gehören noch standardisierte Schnittstellen wie PlentyMarktes oder Shopify, die wir zwecks optimierter Kunden-Kommunikation implementiert haben. Das ermöglicht auch kleineren Händlern oder Produzenten in den Online-Handel einzusteigen. Es entstehen durch flexiblere, automatisierte Prozesse weniger Ramp-up Kosten. Eine Skalierung ist deutlich einfacher und qualitativ stetig.

Wo findet die Automatisierung aus Ihrer Sicht ihre Grenzen?
RvH: Ein völliger Wechsel in automatisierte Prozesse bedingt immer einer gewissen Stringenz innerhalb der Prozesse und logistischen Abläufe. Wir möchten zwar Peaks und Skalierbarkeit anbieten, gleichzeitig ist es uns aber besonders wichtig, auf wechselnde Anforderungen unserer Kunden und Märkte reagieren zu können. Ich denke, dort ist das Know-How unserer Kolleginnen und Kollegen auf der Fläche gefragt, gemeinsam mit der Automatisierung auf eben diese reagieren zu können.

Die Automatisierung ist dann doch etwas mehr als einfach „nur ein Roboter“. Und ganz grundsätzlich verstehen wir Automatisierung nicht als Verdrängung von Personal aus der Logistik. Vielmehr kann Einsatzplanung flexibler und besser gehandhabt und Know-How geteilt werden. Aber auch hier merken wir: Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden.

Nochmal zusammengefasst: Welche Bedeutung nimmt der E-Commerce für L.I.T. ein?
TS: E-Commerce ist für uns mehr als klassischer Onlinehandel und Onlineshopping, das wir alle kennen. E-Commerce sehen wir als wesentlichen Bestandteil aller Industrien und dem allgemeinen B2B-Handel. Da zeigt Digitalisierung auch ganz klar, dass klassische Industrien Vernetzung für sich nutzen und „Amazon-ähnliche“ Lieferzeiten immer mehr in den Fokus rücken.

Hier möchten wir durch die Kombination von digitalen Technologien und unseren Standards beiden „Welten“ – sei es dem B2C-Kunden als auch der B2B-Welt – gleiche Qualität und Professionalität bieten.

Jetzt haben Sie sogar mit der Creditreform aus Oldenburg ein Summit rund um das Thema E-Commerce geplant: Was war der Anlass und das Ziel?
TS: Ich möchte die ganze Geschichte dem Summit nicht voranstellen, es sollen sich schließlich möglichst viele Menschen vor Ort oder digital ein eigenes Bild machen (lacht). In aller Kürze: Wir haben den AutoStore und wollten dies unseren Bestandskunden näher bringen. Daraus ist dann die Idee eines besonderen Events im GVZ Bremen entstanden. Unser Ziel ist es eine Plattform zu schaffen, die Leute aus den Bereichen Onlinehandel und -Payment sowie logistisches E-Commerce-Fulfillment miteinander verbindet. (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Cloud-Native Anwendungen als Accelerator der Digitalen Transfomation

Cloud-basierte Lösungen erreichen immer mehr den Mainstream-Markt, und das aus gutem Grund: Die Migration komplexer Prozesse in eine Cloud-native Umgebung steigert die Effizienz im Unternehmen deutlich. Zudem eröffnen digitale Plattformen oder Lösungen, die mit innovativen Cloud-Diensten entwickelt werden, unzählige neue Geschäftsfelder und schaffen einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil.

Beitrag: Marc Schröter.

Was Cloud-native Infrastruktur-Dienste angeht, ist AWS laut Gartner bereits im 11. Jahr in Folge führend. Das Amazon Web Services-Ökosystem wächst rasant und nimmt immer mehr Unternehmen mit. Für die meisten Betriebe in ganz Europa sind die Vorteile von AWS und der Cloud zu groß, um sie zu ignorieren. Und auch für die Logistikbranche gibt es unzählige, bisher teils ungenutzte Vorteile durch AWS. Der Amazon Location Service ist einer von vielen AWS-Diensten und besonders relevant für die Logistikbranche. Der Service bietet dabei weitreichende Möglichkeiten zur Bestandsverfolgung via Standortdaten zu Produkten, Infrastruktur und Mitarbeitern an.

So können Personal und Versand optimal geplant werden. Des Weiteren kann mit Geofencing und Live-Standortverfolgung eine exakte Planung und Benachrichtigung von Empfängern gewährleistet werden. Und darüber hinaus gibt es mit den Geomarketing-Funktionen individualisierbare Optionen zur Einbindung von Kunden und Partnern, indem diese per genauem Standort gezielt angesprochen werden können.

Als weiteres Beispiel kann die Automatisierung der Dokumentenverarbeitung mithilfe von Amazon Textract, Amazon Comprehend und Amazon Augmented AI gennant werden, durch die es ermöglicht wird, den enormen anfallenden Papieraufwand zu minimieren und Geschäftsunterlagen effizient abzuarbeiten. Besonders Amazon Augmented AI kann dabei behilflich sein, die individuelle menschliche Überprüfung von Dokumenten wegen regulatorischer Anforderungen oder schlechter Scan-Qualität durch Künstliche Intelligenz zu ersetzen.

Das führt nicht nur zu weniger Arbeit, sondern ebenso zu schnelleren Lieferketten durch ein effizienter agierendes Backoffice. Dabei werden die an unterschiedlichen Stellen des Lieferprozesses anfallenden Dokumente gescannt und essenzielle Daten, wie das Unternehmen, die Rechnungs- und Versandadressen sowie Daten, Rechnungsnummern und Lieferdetails automatisch ausgelesen und verarbeitet. Diese Informationen werden dann übersichtlich und einheitlich nach einem individualisierbaren Schema abgespeichert.

Die Industrie 4.0 ist gekennzeichnet durch Künstliche Intelligenz und Computer Vision, wobei die Zahlen hinsichtlich der Vorteile für sich sprechen: eine Qualitätssteigerung von 35%, eine Produktivitätssteigerung von 25%, um 20 bis 30% reduzierte Kosten und 10% erhöhte Sicherheit – das alles wird durch diese Innovaionen erreicht. Dabei konzentriert sich die Technologie auf die drei Gruppen der Produkte, Fahrzeuge und des Personals. Pakete,Paletten sowie ganze Räume und Lagerbestände können überwacht, lokalisiert, in Echtzeit ausgewertet und so optimiert genutzt werden. Sowohl auf Vollständigkeit als auch auf Beschriftung und Unversehrtheit können die Einheiten überprüft werden. Des Weiteren ist es in dem Kontext möglich, Produkte innerhalb einer Verpackungs- oder Transporteinheit mit AI und Computer Vision zu verifizieren, um den Überblick über das Inventar aktuell zu halten. Gleichzeitig können einzelne Produkte durch Künstliche Intelligenz auf Fehler inspiziert und somit die Qualitätssicherung durch menschliches Personal ersetzt werden.

Das Personal kann zusätzlich auf das Tragen und die Benutzung von Sicherheitsequipment hin überprüft werden und bei Fehlverhalten ein Alarm auf nötige Interventionen durch Vorgesetzte hinweisen. Auch ist es möglich, Fahrzeuge in Be- oder Entladezonen und bei entsprechenden Vorgängen zu analysieren, Verfügbarkeiten von Park- und Ladeplätzen festzustellen und so zu effizienteren Ladezeiten und Kosteneinsparungen zu führen.

Allgemein wird durch die Technologie der Künstlichen Intelligenz im Zusammenspiel mit Computer Vision ein mächtiges und datengeladenes Werkzeug für die Industrie 4.0 zur Verfügung gestellt, welches durch die zahlreichen analytischen Einblicke die Verbesserung und Optimisierung zahlreicher Prozesse ermöglicht. Dies sind nur einige Beispiele, wie das AWS-Ökosystem die Prozesse im Unternehmen optimieren kann und ganz neue Chancen ermöglicht. Betriebe, welche bereits AWS Services verwenden, haben alle eines gemeinsam: Sie wissen, dass “Cloud” nicht nur ein Schlagwort ist, sondern “the new normal” für die kommende Zeit, und wollen nicht von ihren Konkurrenten, die diesen technologischen Fortschritt nutzen, abgehängt werden.Die wichtigste Frage für Unternehmen bleibt jedoch: “Wie kann ein Einstieg in die Cloud-
Native Welt effizient und erfolgreich gelingen?”

Die Antwort auf diese Frage ist einfach: globaldatanet.
Als offizieller ‘Advanced Consulting Partner’ im AWS-Partnernetzwerk bieten wir von globaldatanet an, alle notwendigen Grundlagen für einen erfolgreichen Wechsel in die Cloud zu schaffen. Wir sind nicht nur darauf spezialisiert, zu beraten, was getan werden kann und muss, sondern auch darauf, die Entwicklung neuer Plattformen und die Optimierung von Prozessen auf höchstem Niveau als Technologiepartner für Sie durchzuführen. Durch unsere langjährige Erfahrung können wir auf ein breit gefächertes Kundenportfolio zurückgreifen, das aus weltbekannten Marken und damit aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Cloud-Lösungen besteht. Kontaktieren Sie uns jetzt, um Ihr Unternehmen in der Cloud auf ein neues Level zu heben! Unter dem Titel “Digitale Transformation in der Logistik” haben wir einen topaktuellen Report über drei tatsächliche Use Cases herausgebracht, mit denen wir Unternehmen in der Logistikbranche durch künstliche Intelligenz, IoT-Plattformen und neue Servicemodelle entscheidend weiterbringen konnten. (RED)

Mehr dazu unter: https://bit.ly/3BKlx7r

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

Smarte Logistik 4.0

Autonome Roboter für eine pfiffige Lager-Automatisierung, KI-unterstützte Kameras zur Behältererkennung und -verfolgung ohne jeden menschlichen Eingriff und Digitale Zwillinge für das physische Lager oder die planende Lieferkette zeigen den Aufbruch in eine digitale Logistikwelt. Wir blicken auf 12 wichtige Handlungsfelder, die den Paradigmenwechsel zu einer Logistik 4.0 treiben.

Gastbeitrag: Wolfgang Keplinger.

  1. ICH, LOGISTIK-ROBOTER
    Smarter Produktivitätsbooster @ Null-Fehler

Früher hatte man entweder ein manuelles oder ein sehr starr automatisiertes Lager mit teuren, schweren Regalbediengeräten. Die intelligente Lager-Automatisierung  mit smarten und flexiblen Lager-Robotern ist einer der bedeutendsten aktuellen Trends in der Logistik. Zu den smarten Automatisierungsmöglichkeiten im Lager gehören:

  • Automatisierte Shuttle-Lager mit vielen kleinen Robotern/Shuttles anstelle der großen, schweren und wenig flexiblen Regalbediengeräte
  • Pick-Buddies, (z.B. von Locus, Geek+ oder 6River Systems) die die manuell gepickte Ware beim Kommissionierer abholen und zum Versand bringen
  • Shelf-Buddies, (z.B. von Amazon oder Swisslog) die ganze Regale zur Pick-Station bringen, wo dann manuell kommissioniert wird
  • Konzeptionell gänzlich neue, smart automatisierte Lagertypen wie
    • Autostore, das ohne Regal auskommt und durch das direkte Stapeln der Behälter eine enorme Lagerdichte erzielt
    • Servus, ein Shuttle-System, bei dem die Roboter auf Schienen bis in die Produktion fahren und die gepickten Behälter direkt an die Montagelinie übergeben
    • Exotec, ein Shuttle-System, bei dem die Shuttles selbständig die Vertikalbewegung (Klettern am Regal) übernehmen, ansonsten aber frei und autonom verfahrbar sind
  • Autonome Pick-Roboter (z.B. von Magazino oder identytec), die selbständig picken bzw. das Material/die Behälter in den Lagerplatz verräumen
  • Cobots, die Picken bzw. Behälter entstapeln, sortieren, entleeren und anstellen
  • Autonomous Mobile Robots (AMRs) die sich selbständig und autonom im Lager neben den dort arbeitenden Mitarbeitern bewegen und als Unterfahr-/Stapel-/KLT-FTF Material und Behälter transportieren und bewegen
  • Autonome Routenzüge (z.B. von Schiller, Linde oder Asti) für den Transport auf den Routen mit dem starken Transport-Volumen

Alle roboter-basierte Lösungen zeichnen sich durch eine deutlich erhöhte Produktivität und eine weitgehende Fehlerfreiheit aus. Dabei sind die Systeme intelligent, teilweise autonom, kollaborativ, flexibel und agil, skalierbar, elektrisch, energieeffizient und plug&play-fähig. Sie helfen, Mitarbeiter von schweren, unergonomischen Handlings-Aktivitäten zu entlasten und übernehmen vielfach diejenigen Arbeitsschritte, die langweilig, schwierig oder unter Lean-Gesichtspunkten nicht wirklich wertschöpfend sind (z.B. lange Transportwege).

  1. ENDLICH BEIDHÄNDIG
    Wearables befreien die Mitarbeiter

Der mittlerweile fast schon traditionelle Scanner in der Logistik hilft den Mitarbeitern, Material eindeutig zu identifizieren und Materialbewegungen (z.B. Einräumen in einen Lagerplatz / Picken von einem Lagerplatz) sicher zu dokumentieren. Aber der traditionelle Handscanner beschäftigt die Mitarbeiter mit Suchen, wo der Scanner ist, oder mit dem Greifen/Wegstecken des Scanners. Damit zieht der Scanner die Arbeitsfolgen sequentiell in die Länge, denn der Mitarbeiter ist entweder mit dem Scanner beschäftigt oder er geht/fährt durch das Lager.

Der große Nutzen, den die Logistik 4.0 für manuelle Arbeitsplätze erbracht hat, ist es, den Mitarbeitern die Hände wieder für die primär wertschöpfenden Logistik-Tätigkeiten freizuspielen: für das Handling des Materials bzw. für das Fahren von Staplern oder Routenzügen. Frei nach dem Motto: „automate it or wear it“, sollten alle Arbeiten in der Logistik, die nicht wirtschaftlich automatisiert werden können, und somit manuell bleiben, durch Wearables unterstützt werden. Diese Wearables (X-by-Technologien, Handschuhe, Ringe) sind die technologische Lösung, um die Informationsmitteilung bzw. -bestätigung unabhängig von den Händen zu machen, so dass diese für die Kernaktivitäten der manuellen Logistik verfügbar sind: Handling und Lenken. Und damit werden die Prozesse schlanker, denn die Informationsmitteilung bzw. die Bestätigung wird in die wertschöpfenden Kernarbeitsschritte integriert.

Die aktuell wichtigsten Wearables, die den Mitarbeitern ein frei-/beidhändiges und somit ergonomisches und produktives Arbeiten ermöglichen, sind Pick-by-Voice, Pick-by-Vision/Smart Glasses, Gabel-Stapler Gabel-Scanner, Scanner-/RFID-Handschuhe, Daten-Uhren und NFC- und Smart Motion Ringe, die die Steuerung von Zugangskontrollen, Qualitätskontrolle und Ausführungsbestätigungen unterstützen.

Die Wearables erhöhen die Produktivität der Mitarbeiter, die die Wearables tragen. Was aber mindestens so wichtig ist: sie verbessern die Ergonomie der Mitarbeiter und sie reduzieren Fehler.

  1. NO-TOUCH-LOGISTIK
    Jeder weitere Schritt wäre Verschwendung

Einer der größten Aufwands- aber auch Zeittreiber in der Logistik ist die Anzahl der notwendigen Handlingsschritte, d.h. wie oft ein Behälter/eine Palette/ein Karton angegriffen, aufgenommen, abgestellt, umgestellt, eingelagert, ausgelagert, auf- oder abgestapelt oder bereitgestellt wird.

Bezüglich einer handlingsarmen No-Touch Inbound-Logistik gibt es folgende Alternativen (beginnend mit der schlankesten Alternative):

  • Warehouse on Wheels (WoW): Die Materialien werden direkt im Trailer/in der Wechselbrücke in der Nähe des Verbau-Ortes der Materialien bereitgestellt und erst bei Bedarf dem Trailer/Wechselbrücke entnommen und sofort verbaut. WoW wird in der Regel für großvolumige Schnelldreher angewandt, die in einem JIT-/JIS-Modus geplant und bereitgestellt werden, denn es gibt bei diesem Bereitstellungsmodus keine logistische Wareneingangskontrolle.
  • Dezentraler Wareneingang / Ship-to-Line: Hier werden die Materialien de-zentral, d.h. Liniennahe angeliefert, werden ausgeladen und stehen dann in Form von kleinen Puffern mit einer geringen Reichweite (wenige Stunden) direkt am Verbau-Ort zur Verfügung. Auch diese Bereitstellung wird primär für schnelldrehende Materialien im JIT-/JIS-Modus angewandt, hat aber durch die sofortige Entladung vom LKW einen Handlingsschritt mehr als WoW. Dafür werden weniger Gates benötigt und die LKW können in der Regel mehr als ein Material anliefern.
  • Zentraler Wareneingang / Ship-to-Stock: Hier werden Materialien traditionell bei einem zentralen Wareneingang angeliefert, mit den üblichen Kontrollen bezüglich richtiger Materialnummer in der richtigen Anzahl, im richtigen Behälter und Label, unbeschädigt angeliefert. Dieser Prozess eignet sich für alle mittel- und langsamdrehenden Materialien. Ship-to-Stock erfordert aber zusätzliche Handlingsschritte durch die Einlagerung im Zentrallager (d.h. produktions-/montagelinienferne Lagerung) und die bedarfsgerechte Bereitstellung an der Linie oder im Supermarkt durch die Logistik.

  1. DATEN | DATEN | DATEN
    Die transformative Kraft datengestützter Erkenntnisse

Die aktuellen Ansatzpunkte der Big Data Analytics sind:

  • Zusammenhänge finden, die bisher nicht gefunden wurden. Dabei helfen moderne grafische Analysetools (Graph-Analytics, z.B. von Tableau, Y42, Visplore, …), die ein intuitives Arbeiten mit großen Datenmengen erlauben. Um zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Anlagen im Markt, Anlagenausfällen und benötigten Ersatzteilen herzustellen und damit die Verfügbarkeit der Ersatzteile in der richtigen Region rechtzeitig sicherzustellen.
  • Bedarfe und notwendige Kapazitäten richtig(er) vorherzusagen. So wie es Amazon macht und aus dem Absatz von Vergleichs-/Referenzprodukten, Testregionen oder dem Verhalten bestimmter Kundengruppen/-cluster auf zukünftige Bedarfe hochrechnet und dann die einzelnen Artikel in einer bedarfsgerechten Menge vorab in die einzelnen Customer Fulfillment Center legt. Noch lange bevor der tatsächliche Kundenbedarf entsteht oder gar die Kundenbestellungen vorliegen.
  • Echtzeit-Simulation und Optimierung von Lieferketten. Das in Spanien/USA ansässige Startup Factic bietet z.B. eine SaaS-Plattform, die prädiktive Analyselösungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bereitstellt. Dazu werden Data-Mining- und KI-Techniken genutzt, um Daten aus internen und externen Quellen zu analysieren und zukünftige Verkäufe vorherzusagen. Aus den prognostizierten Nachfrageabweichungen werden datengestützte Entscheidungen abgeleitet, um die Beschaffung zu automatisieren. Oder Flexport, ein Start-up aus San Francisco, analysiert cloud-basiert und in Echtzeit Materialvolumina von Importeuren, Exporteuren, Spediteuren, Fluglinien, Schifffahrtslinien, Häfen, Flughäfen und von Zollbehörden, die an einzelnen Häfen/Flughäfen/Logistik-Knotenpunkten erwartet werden. Damit wird gesteuert, über welche Knotenpunkte Sendungen geschickt werden sollen, um möglichst rasch ins Land und zu den Kunden zu gelangen.

 

  1. NACH IHREM BEDARF
    Marktplätze für alles

Der dahinter liegende Logistiktrend ist die „elastische Logistik“, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Lieferketten in Zeiten schwankender Nachfrage effizienter zu gestalten. Das gelingt durch eine bedarfs-entsprechende Vergrößerung oder Verkleinerung des logistischen Netzwerkes. D.h. die ehemals fixen eigenen Assets werden ersetzt durch Logistik-Leistungsangebote, die am Markt kurzfristig dazugekauft oder zurückgegeben werden.

Basis für eine elastische Logistik sind Marktplätze für Transporte, Läger oder die Letzte Meile. Die Transport-Marktplätze bringen den Bedarf an Transportkapazität und das Angebot der Spediteure kurzfristig zusammen. Diese Marktplätze gibt es schon länger, sie existieren für LKW-Ganzladungen, für LTL-Verkehre aber auch für Stückgut. Die neueren Lager-/Warehouse-Marktplätze machen das gleiche im Bereich von Lagerraum und bringen dort flexibel und kurzfristig Angebot und Nachfrage zusammen. Einige bekannte Lager-Marktplätze sind Flexe, Stowga, Stord, Hive, storingcargo oder log-hub. Und schließlich die letzte Meile-Marktplätze, die deshalb von großer Bedeutung sind, weil damit einer der größten Einzel-Kostenblöcke (meist mindestens ein Drittel der gesamten Zustellkosten). So arbeitet z.B. Walmart in den USA zur Zeit an einem Piloten mit einem Letzte-Meile-Marktplatz, um die Express-Lieferungen zeitgerecht zuzustellen. Amazon hat die Plattform Amazon Flex angekündigt, das auf „Auf-Abruf-Dienstleister“ zurückgreift, um die Ausweitung des Prime One Day Lieferprogramms zu beschleunigen.

 

  1. HELLSEHEREI
    Wissen, wo sich ihr Material befindet – jederzeit und überall

Durch die sensorbasierte Verbindung von Objekten/Gegenständen/Sendungen mit dem Internet (IoT) wissen wir praktisch in Echtzeit fast alles über den Zustand dieser verbundenen Sendungen: neben der Lokation kennt man entweder die Qualität der ankommenden Sendung im Detail, oder man kann rechtzeitig eingreifen, bevor ein qualitativer Schaden (z.B. durch Hitze) passiert. Dabei kann die neueste Generation von mikroskopisch kleinen Sensoren (z.B. von RVMagnetics) helfen, diesen logistischen Zustand genau zu erfassen und zu verfolgen. Die Anwendungen für mit dem Internet verbundenen Logistiksensoren sind mittlerweile mannigfaltig: sie helfen Logistik-Gebäude klimatechnisch besser, effektiver und „grüner/nachhaltiger“ zu steuern. IoT-Systeme für das Flottenmanagement (z.B. Fleetroot) optimieren den Einsatz von Fahrzeugen in Logistikflotten. Oder Echtzeit-Überwachungssysteme für Container (z.B. das vom IoT-Startup Globe Tracker) helfen, diese einfacher zu verfolgen oder zu finden.

Ein Beispiel dafür sind die Service-Angebote von Roambee, einem Unternehmen, das ein System zum Monitoring von Lieferketten anbietet, bestehend aus Sensoren, über IoT verbunden mit einer Plattform bzw. mit einem Control Tower zur Überwachung und Verfolgung von Lokation, Sicherheit und Zustand der Materialien in der Lieferkette. Und das flexibel auf Abruf, d.h. als Logistics-as-a-Service. Ohne Investments für den Anwender.

Durch diese immer feinere und echtzeit-basierte Verfolgung einzelner Sendungen wird sich das aktuell eher reaktive Tracking & Tracing zunehmend in ein proaktives Management der erwarteten Ankunftszeit verwandeln (ETA = expected time of arrival). Damit wird die rückwärtsgerichtete Frage, „wo ist jetzt gerade mein Material unterwegs“, immer mehr der Frage weichen „wann wird mein Material ankommen“ und „was muss ich ggfs. tun, um die Kundenerwartungen trotz Abweichungen vom geplanten Zulauf dennoch wie geplant erfüllen zu können“?

 

  1. SUPER-MODELS
    Eine virtuelle Darstellung von allem

Digitale Zwillinge sind eine einzigartige virtuelle Darstellung eines potenziellen oder physischen Objekts oder Prozesses. In der Logistik gibt es mittlerweile Digitale Zwillinge für Läger/Distributionszentren. Dabei handelt es sich um 3D-Modelle eines konkreten Lagers, um damit die Auslastung und Lagerplätze optimieren zu können, für den täglichen Betrieb die Volumen-/Materialströme simulieren und Engpässe vermeiden zu können oder die Schicht- und Arbeitszeiten so anzupassen, dass die bestmöglichen Leistungen und Kundenservices erreicht werden. dm hat 2020 den deutschen Logistikpreis für sein neues Distributionszentrum in der Wustermark erhalten. Auf Basis von digitalen Zwillingen für alle belieferten Filialen werden im Distributionszentrum die Waren für die jeweilige Filiale so gepackt, dass filialspezifisch der Regal-Einräumprozess möglichst aufwandsarm erfolgen kann. D.h. das Distributionszentrum berücksichtigt bei der Colli-Bildung welche Materialien in einer spezifischen Filiale nebeneinander im Regal liegen.

Logistik-Zwillinge gibt es aber auch für gesamte Lieferketten. Dann wird diese Lieferkette vom Lieferanten über die einzelnen Lieferstufen bzw. über die Logistikdienstleister hinweg in einem digitalen Zwilling abgebildet. Diese digitalen Zwillinge dienen dann dazu, die planenden und steuernden Prozesse der Logistik zu optimieren. Mit diesen Zwillingen werden z.B. im Control Tower die Lieferketten gesteuert. Es wird erkannt, wie sich Engpässe auf die Lieferkette auswirken, bzw. welche Verbesserungsmaßnahmen notwendig sind, um die Auswirkungen auf den Kunden-Lieferservice möglichst gering zu halten oder die Kosten für Express-Transporte nicht explodieren zu lassen.

  1. PROGRAMMIERTE WISSENSERWEITERUNG
    Wie von Zauberhand

KI (Künstliche Intelligenz) ist in Kernbereichen der Logistik inzwischen fest etabliert und führt zu einer deutlichen Effizienz-, Qualitäts- und Produktivitätsverbesserung. Zu den Kern-Anwendungsbereichen der KI in der Logistik gehören:

  • Prädiktive Nachfragevorhersagen – im Bereich der Logistikplanung, als Basis für zukünftige Kundenbedarfe, als Input für S&OP-Prozesse. Die sichere Erkennung und Vorhersage von Kundenbedarfen lange bevor sie sich tatsächlich realisieren ist die Basis für robuste Lieferketten mit einem hohen Kundenservicegrad. Das neuseeländische Start-up Insite bietet z.B. KI-basierte Softwarelösungen für Preisvorhersagen, Nachfrageprognosen und die Optimierung von Abläufen und Prozessen an, die vor allem in der Konsumgüterindustrie und im Einzelhandel eingesetzt werden.
  • Routenoptimierung – sowohl im Bereich der Letzten Meile der Zustellung als auch für AMRs im Lager oder auf dem Fabrikgelände. Das australische Startup Adiona entwickelt KI-basierte Optimierungssoftware-as-a-Service (OSaaS), mit der Unternehmen ihre Logistikprozesse verbessern und Kosten senken können, indem Lieferrouten statisch und dynamisch optimiert werden.
  • Prozessautomatisierung basierend auf der intelligenten Erkennung von handschriftlich ausgefüllten Formularen (KI-basierte OCR-Erkennung). Damit können in internationalen Lieferketten viele manuelle Papier-/Formular-Prozesse deutlich vereinfacht, standardisiert und beschleunigt werden.
  • Visuelle Bilderkennung – KI-unterstützte smarte Kameras erkennen Behälter, Label, Personen, Maschinen, Stapler und zeigen diese immer fehlerfreier und mit einer immer größeren Zuverlässigkeit an. Damit wird es den AMRs möglich, selbständig ihre Routen zu finden, auch wenn sich diese oder die Hindernisse in den Routen dynamisch verändern. Andere Anwendungen unterstützen beim raschen und sicheren Zählen von Materialien in Behältern, beim Erkennen von Label im Zuge drohnengestützter Inventur, bei der Erfassung von Behältern im Leergutlager oder bei bildschirmgeführten und kontrollierten Packvorgängen.

 

  1. FAHRER VERLOREN
    Wer steuert da im Hintergrund?

Die Experten unterscheiden in die Kategorien des assistierten Fahrens, des automatisierten und des autonomen Fahrens. Der aktuelle Entwicklungsstand in Deutschland liegt gerade beim Erreichen des Levels 3 –  des automatisierten Fahrens. Damit werden erste Fahrzeuge (z.B. Audi A8, Daimler S-Klasse) für das hochautomatisierte, selbständige Fahren auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h und in Stausituationen vollständig an den Fahr-Computer übergeben, der Fahrer hat dann keine Kontrollpflicht mehr. Im Bereich der Logistik gibt es drei Hauptanwendungsbereiche des autonomen Fahrens:

  • Fahrerlose LKW – TuSimple, ein amerikanisches Start-up, hat sich auf die technologische Ausstattung von LKW zum autonomen Fahren spezialisiert. Das Unternehmen ist zur Zeit führend mit seinen Level 4 Fähigkeiten für die USA, bei dem das Fahrzeug bestimmte Autobahnabschnitte völlig selbständig bewältigt und der Fahrer die Fahrzeugführung vollständig abgegeben kann.

In Europa bietet die schwedische Firma Einride einen fahrerlosen LKW an. Sein futuristisches Fahrzeugdesign ohne Fahrerkabine zieht die Blicke auf sich bei den ersten Fahrten auf öffentlichen Straßen zwischen zwei Logistik-Hubs vom Anwendungspartner DB Schenker.

  • Autonome Fahrzeuge für die Intralogistik – hier hat sich in den letzten Jahren die Entwicklung von AGVs (Automated Guided Vehicles – berührungslos geführte Fahrzeuge), die unabhängig von der Führungstechnologie auf mehr oder weniger fest definierten Routen unterwegs waren zu den AMRs (Autonomous Mobile Robots) vollzogen, die wirklich autonom unterwegs sind, frei die Route wählen und auch Hindernissen problemlos ausweichen können.
  • Zustell-Rovers für die letzte Meile – diese autonomen Roboter fahren auf öffentlichen Straßen und vor allem auch auf Gehwegen und übernehmen die Hauszustellung von e-commerce-Bestellungen oder vielfach auch die Zustellung von Essens-Bestellungen aus Restaurants.

 

  1. ALLES AUTOMATISIERT
    Prozessautomatisierung nicht nur physisch im Lager

Mit der neuen Blockchain-Technologie und der RPA (Robotic Process Automation) stehen nun Technologien bereit, die auch eine Automatisierung von bisher manuellen/Back-Office-Prozessen ermöglichen. Die Blockchain-basierten Smart Contracts erlauben die automatische Ausführung von Prozessschritten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Der Vorteil dieser Smart Contracts liegt auch darin, dass diese Bedingungen nicht unbedingt vor Ort gegeben sein müssen, sondern die Prozesse auch aus der Ferne getriggert werden können. Damit ist die Blockchain-Technologie dafür geeignet, den Informations-/bisherigen Papierstrom in Lieferketten zu automatisieren. Zahlungen können ausgelöst werden bzw. ein Eigentums- oder Verantwortlichkeitsübergang kann bestätigt werden, wenn bestimmte physische Zustände eingetreten sind (wie z.B. Ware im Hafen XY angekommen) oder wenn bestimmte Papiere wie Frachtbriefe an bestimmten Orten erfasst wurden. Auf diese Weise kann auch die Zollabwicklung vereinfacht und (teil-) automatisiert werden. Das Start-up Steamchain erlaubt z.B. blockchain-basierte Zahlungen, das Start-up Shipchain bietet eine Lösung für eine weltweite Sendungsverfolgung.

RPA (Robotic Process Automation) ermöglicht die kostengünstige Automatisierung von sich wiederholenden einfachen Aufgaben (z.B. Daten-Transfer zwischen verschiedenen EDV-Systemen), eliminiert dabei menschliche Fehler und reduziert die Gemeinkosten. RPA-Software führt zum Beispiel Vorgänge wie die Rechnungsverarbeitung, die automatische Speicherung von Informationen in Prüfprotokollen oder die automatische Eingabe einer Bestellung durch.

  1. NACHHALTIG GRÜN
    Unserem Planeten zuliebe

Die in der Vergangenheit eher kleinteiligen Verbesserungen in Richtung einer grünen Logistik, haben sich in den letzten Jahren in eine ernstzunehmende Anwendung von umweltfreundlichen Technologien und Praktiken gewandelt. Viele Unternehmen arbeiten nunmehr an der bekannten 4V-Strategie, um die Logistik nachhaltiger zu machen: Vermeiden, Verlagern, Vermindern, Vergüten. So hat z.B. Gartner bei den Supply Chain Top 25 als ein Learning von den Besten festgestellt, dass diese nachhaltig an der Reduktion des CO2-Fußabdrucks arbeiten, vielfach auch in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten oder Kunden. Die wichtigsten Nachhaltigkeits-Trends in der Logistik sind:

  • Verringerung des Transportaufkommens durch bessere Planung, bessere Bedarfsprognosen, Bündelung von Transporten gemeinsam mit Lieferanten und Kunden, um die teilweise 40% Leerfahrten von LKW zu reduzieren. Nach all den Aktivitäten in Richtung same day/2-h deliveries bietet Amazon nun in den USA den Kunden auch die Möglichkeit an, eine Zustellung nur innerhalb der nächsten 6 Tage auszuwählen, um Transporte bündeln und somit Fahrten reduzieren und die Zustellung somit nachhaltiger machen zu können.
  • 0-Emission-Fahrzeugflotten – Umstellung der Fahrzeugflotten auf voll-elektrische Fahrzeuge bei den Logistik-Dienstleistern. So hat z.B. DHL schon in den letzten Jahren insgesamt 20.000 vollelektrische Streetscooter in Betrieb gestellt und plant in den nächsten Jahren noch weitere 100.000 in die Flotte zu nehmen. Oder Amazon, das 100.000 vollelektrische Zustellfahrzeuge bei Rivian bestellt hat.
  • Geschlossene Logistikkreisläufe für Behälter bzw. wiederverwendbare Verpackungen –

ermöglicht durch neue Start-ups, die industriellen Kunden aber auch Endverbrauchern einen geschlossenen Verpackungskreislauf anbieten. Dazu zählen Unternehmen wie Loop, RePack, Returnability oder The Wally Shop. Oder Ikea, das gerade neue, umweltschonende und rezyklierbare Verpackungen aus nachwachsenden Pilzen (z.B. von Ecovative) testet.

  • Logistikgebäude ohne CO2-Emission. Neben der Nutzung der Dächer von Logistiklägern zur Strom- oder Wärmeproduktion mittels Solardächern, geht es nun mehr und mehr darum, durch intelligente IoT-basierte Sensoren die Energiesteuerung (Licht, Wärme, Kälte) weiter zu optimieren und zu verbessern.

 

  1. SEHEN UND GESEHEN WERDEN
    Zuverlässige Bilderkennung von allem

Die Firma identpro bietet zur Zeit eine sensorbasierte Lösung für die scannerfreie Behälter-/GLT-Verfolgung mittels Stapler an. Dabei werden die Stapler mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, zur kontinuierlichen Bestimmung der aktuellen x-/y-Koordinate des Staplers im Raum und einem Höhensensor auf der Gabel zur Bestimmung der z-Koordinate. Bei jeder Änderung der Gabel-Beladung werden die x-/y-/z-Koordinaten in eine Datenbank weggeschrieben (digitaler Zwilling). Damit kann mit einer einzigen, einmaligen Erfassung eines GLTs oder einer Palette (ein einziger Scan z.B. am Wareneingang) in Echtzeit jede aktuelle Lokalisierung einer jeden Palette/GLTs über den digitalen Zwilling ermittelt werden. Das ist eine funktionierende Lösung zur scannerfreien aber dennoch zuverlässigen Materialverfolgung von GLTs/Paletten mittels Stapler.

An einem der wahrscheinlich wirkungsvollsten technologischen Trends wird zur Zeit noch gearbeitet: die automatisierte, KI-kamera-basierte Behälterverfolgung ohne Label-Scannung. Beim Computer-Vision-Ansatz werden KI-basierte Kamerasysteme verwendet, die kontinuierlich sowohl von fixen Plätzen aus (z.B. montiert an der Decke einer Produktions- oder Lagerhalle) bzw. von mobilen Plätzen (auf AMR/Routenzügen/Staplern) jede Bewegung im Sichtfeld der jeweiligen Kamera verfolgen und intelligent identifizieren. Die Software stellt dann sicher, dass die Bewegung eines jeden Behälters lückenlos mitverfolgt wird (angeboten z.B. von logivations). Dabei wird auf KI-Unterstützung zugegriffen. Auch wenn diesbezügliche Lösungen sich noch vielfach in Pilot- und Testanwendungen befinden, zeichnet sich hier eine der spannendsten Entwicklungen für die nächsten Jahre ab, die die Intralogistik wirklich revolutionieren kann.

Die KI-basierte Label-Erkennung ist heute schon Standard bei den am Markt befindlichen Inventurdrohen und funktioniert dort schon fehlerfrei. Die Anwendung von KI-basierten Kamerasystemen am Wareneingang, um eine vollautomatisierte Logistikprüfung (richtige Ware, richtige Menge, übereinstimmend mit der Bestellung, richtiges Label, richtige Verpackung, und transportschadenfrei angeliefert) ist nur eine natürliche Weiterentwicklung dieser Kamera-Wundersysteme. Damit wird sich dann auch der Wareneingang der One-Touch-Logistik nähern, noch produktiver werden, und eine der Voraussetzungen für eine zukünftig dann automatisierte Entladung der LKW schaffen.

Nicht alle der 12 Handlungsfelder sind für alle Unternehmen gleich relevant. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen in Abhängigkeit von den Branchenanforderungen und der bereits realisierten Logistik 4.0-Roadmap. Was aber sicher ist: unter den 12 die Logistik grundsätzlich verändernden Handlungsfelder sind wahrscheinlich mindestens 8 mit echter Handlungsrelevanz für jedes einzelne Unternehmen. Identifizieren Sie Ihre Top-Veränderungsbereiche und starten Sie möglichst rasch mit der Umsetzung. Die Themen sind spannend, denn noch nie hat es so viele technologische Neuerungs-Chancen in der Logistik gegeben wie heute.

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Fly.Bot – Drohnen in der Logistik

Ein Status, drei unterschiedliche Einsatzbereiche für Drohnen in der Logistik haben sich herauskristallisiert. Einer zum Transport von Informationen, zwei zum Transport von physischen Lasten.

Gastbeitrag: Wolfgang Keplinger.

Der erste Hype um den Einsatz von Drohnen in der Logistik ist verflogen. Er ist nach ersten Piloteinsätzen einem realistischen Pragmatismus gewichen – von einer durch die Drohne auf den Kopf gestellten Zustelllogistik ist zur Zeit nur wenig zu spüren. Auch wenn der Gartner Hype Cycle der Drohne die Spitze der überzogenen Erwartungen erst noch in der Zukunft prophezeit, hat man in der Logistik-Wirklichkeit eher das Gefühl, dass die Drohne bereits das Tal der Tränen bezüglich der an sie gestellten Erwartungen durchlaufen hat und nunmehr realistische Einschätzungen über mögliche Drohneneinsätze in der Logistik anstehen. Drei unterschiedliche Einsatzbereiche für Drohnen in der Logistik haben sich herauskristallisiert. Einer zum Transport von Informationen, zwei zum Transport von physischen Lasten.

1. Drohnen zur Gewinnung und zum Transport von Information.
Die Inspektion und Überwachung von großen Außenanlagen wie Brücken, Hochspannungsleitungen, Windparkanlagen oder Photovoltaikanlagen ist der außerhalb der Logistik der am weitesten realisierte Einsatzbereich von Drohnen. Logistiknähere aber ähnliche Drohnen-Anwendungen für die Gewinnung von Information sind die äußere Sichtprüfung von großen Fliegern, die Überwachung von Produktionswerken bezüglich des Zulaufs von LKW oder von Hafenanlagen über den Einlauf von Schiffen. Bei den letztgenannten Anwendungen steht die Drohne aber im Wettbewerb mit GPS-basierten Lokalisierungslösungen in Kombination mit Geo-Fencing.

In der Logistik selber ist zur Zeit die am meisten verbreitete Drohnen-Anwendung diejenige zur automatischen Erfassung von Beständen bzw. zur Inventurerstellung, vorwiegend in manuellen Palettenlägern. Die Anbieter entsprechender Systeme sehen den Vorteil dieser Logistikdrohnen in der Generierung von aktuellen und richtigen Beständen, sowie in der einfacheren, sichereren, richtigeren und effizienteren Erfassung dieser Bestandsdaten. Die Hauptanwendungen findet man dafür in Lägern der Lebensmittel- und Chemieindustrie sowie in schnelldrehenden Lägern. Dieser Anwendung ist allerdings entgegenzuhalten, dass die drohnenunterstützte Inventur dazu dient, Schwächen im bestehenden Prozess (nämlich die Unkenntnis, welches Material aktuell an welchem Platz lagert) durch eine effiziente, technisch digitalisierte Lösung zu kaschieren. Im Sinne eines auch bei der Digitalisierung geltenden Lean-Paradigmas, sollten aber nur Prozesse digitalisiert werden, die effizient, verschwendungsfrei und robust sind.

Am Markt angeboten werden drei technologisch unterschiedliche Arten der Inventurdrohne:

  • Manuell durch einen menschlichen Piloten geflogene Inventurdrohnen.
  • Autonom fliegende Drohnen.
  • „Follow-me“-Drohnen, die einem bodengeführten autonomen Rover folgen.

Die Zukunft gehört natürlich den beiden autonomen Lösungsrichtungen. Der Vorteil der rover-basierten Drohnen liegt in der einfacheren Navigations-Software für die Drohne (der AMR-Rover übernimmt ja die Navigation in der x-/y-Achse) aber vor allem in einer deutlich längeren Laufzeit. Dadurch dass die Drohne über eine Leitung mit dem Rover verbunden ist, kann ein deutlich leistungsfähigerer und damit schwererer Akku in den Rover integriert werden, was die Flugzeit einer Drohne mit einer Akkuladung von 0,5h auf 5,0h verzehnfacht. Allerdings werden auch die autonom fliegenden Drohnen mit einer Ladestation mit mehreren Akkus und einem selbständigen Akkuwechsel diesbezüglich Fortschritte erzielen. Zielen die aktuellen Einsatzbereiche der Inventur-Drohnen vor allem auf die betriebsfreien Zeiten in einem Lager (Nacht/Wochenende), werden zukünftig die autonomen Drohnen auch keine Einschränkungen des gleichzeitigen Betriebs mit dem (autonomen) mobilen Lagerequipment haben. Für die Richtigkeit der Inventurerstellung selber ist es aber kein Nachteil, diese in der betriebsfreien Lagerzeit durchzuführen.

Die Drohne als technologisches Hilfsmittel alle Lagerplätze einfach und ohne großen Zusatzaufwand erreichen zu können, ist aber nur ein Aspekt dieser Lösung. Ein weiterer wichtiger technologische Baustein liegt in einer KI-unterstützten Kamera zur Erkennung der Label, in einer Kamera für Fotoaufnahmen der Label, in einer Software zur Auslesung der Labelinformation und in einer LED-Leuchte zur Ausleuchtung des Kamerabereichs, da die Drohnen auch in der betriebsfreien (und somit unbeleuchteten) Lagerzeit eingesetzt werden. D.h. der Neuigkeitscharakter dieser technologischen Lösung liegt nicht nur in der Drohne als Fluggerät, sondern auch in der autonomen Steuerung der Drohne und/oder des Rovers und vor allem in der KI-basierten Computervision, die Label bzw. Behälter/Paletten erkennt und auslesen und speichern kann. Der führende Anbieter von diesen Lösungen in Deutschland ist die Firma Doks. Inventurdrohnen können aber auch bei Linde, Eyesee, Corvus, Ware, Flytware und anderen Anbietern bezogen werden.

Mit diesen Technologien (KI-basierte Computervision) kann ein beschriebenes Drohnensystem auch für die Zählung von (Leergut-)Behältern eingesetzt werden, d.h. für Lagerbereiche, in denen in der Regel keine Buchung der zu- und abgeführten Behälter erfolgt. Dies kann im Zusammenhang mit einer Drohne passieren, die den Lagerbereich abfliegt (sowohl in einem Lagergebäude oder auch im Freien/Außenlagerbereich) bzw. ohne Drohnen durch fix montierte
Ki-unterstützte Kamerasysteme an der Gebäudedecke.

2. Drohnen für den Intralogistik-Transport
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet für Logistik-Drohnen liegt im Intralogistikbereich beim Transport physischer Güter. Dabei werden die Drohnen nicht den Transport von großen Materialströmen/-volumina übernehmen, sondern in einem wohl-selektierten Spot-to-Spot Transportbereich eingesetzt werden. Die großen Massenströme werden auch zukünftig am Boden verlaufen.

Die diesbezüglich in Pilot-Anwendungen getesteten bzw. in Daueranwendung stehenden Drohnen-Einsätze dienen …

  • In großflächigen Produktionswerken zum Transport von eiligen Express-Lieferungen von Fehlteilen an der Linie, um eine Produktionsunterbrechung bzw. einen Bandstillstand zu vermeiden –
  • der Anbindung von externen Logistik-Hubs mit Produktionswerken (ebenfalls für Express-Lieferungen, wie es z.B. Seat in seinem Werk in Martorell macht) –
  • der Anbindung von dezentralen Einheiten mit einem mit hochwertigem Equipment ausgestatteten Zentrallabors (z.B. bei ThyssenKrupp, wo 4 Hochöfen mit dem Zentrallabor über eine Drohne verbunden wurden) –
  • der Verbindung von Operationssälen mit einem Zentrallabor, wenn dieses räumlich distanziert liegt.

Allen Intralogistik-Transportanwendungen gleich ist: transportiert werden einzelne Produkte bzw. Samples, die nicht zu groß und nicht zu schwer sind und die schnell an einer weiter entfernten Stelle gebraucht werden. Dabei fliegen die Drohnen in der Regel nicht weiter als 5 km, nicht länger als 0,5h und nicht schneller als 50 km/h. Der Vorteil von vielen dieser Intralogistik-Lösungen: es wird meist über privatem Betriebsgelände geflogen, öffentliche Flächen sind nicht betroffen, was den tlw. langwierigen, teuren und oftmals noch gar nicht geregelten Erwerb von Fluglizenzen erleichtert. Auch der Umgang mit den Problembereichen der Logistikdrohnen, ihr Lärm und die Gewährung der Sicherheit des Transports, lässt sich auf privaten Grundstücken leichter klären und regeln, als für
Drohnen, die im öffentlichen Raum fliegen.

3. Last Mile Delivery.
Der dritte große Einsatzbereich von Drohnen liegt in der Zustellung von (E-Commerce-)Sendungen auf der letzten Meile. Hier haben alle großen Logistik-Anbieter wie Amazon, UPS, DHL, FedEx u.a. ihre ersten Piloterfahrungen mit Drohnen hinter sich. Dabei haben sich drei sinnvolle Einsatzbereiche herauskristallisiert:

  1. Versorgung von in der Regel dünn besiedelten Gebieten, die schwierig zu erreichen sind, wie z.B. Inseln oder Bergregionen
  2. Versorgung von dicht besiedelten städtischen Gebieten aus urbanen Logistik-Hubs, um schneller als bei der traditionellen
    Zustellung mit dem Paketwagen zu sein (0,5h – 2,0h-Lieferung)
  3. Drohnen, die mit einem Paketwagen in die Zustellregion gebracht werden, und dann den Fahrer bei der Überwindung der allerletzten Meile unterstützen

Technologisch sind die wichtigsten Fragen für die kleinen Paket-Drohnen weitgehend geklärt.
Die aktuelle Entwicklung geht mittlerweile soweit, dass Volocopter an einer vollelektrischen Drohne arbeitet, die eine Palette mit bis zu 200 kg über 40 km transportieren kann. Die Zustellung über und in dünn besiedeltes Gebiet ist nicht nur von den Genehmigungen, sondern auch von der Frage der Wirtschaftlichkeit geprägt. Das größte Problem beim Einsatz von Drohnen für die letzte Meile in dicht besiedeltem Gebiet sind zur Zeit…

  • Die Akzeptanz durch die breite Bevölkerung (Lärm und Sicherheit) und vor allem –
  • die vielfach ausstehenden Regularien zum Betrieb von Drohnen im öffentlichen Raum.

Die Schweiz gilt hier als Innovationstreiber und nimmt diesbezüglich hierbei in Europa eine Vorreiterrolle ein. Seit 2017 arbeiten dort das Bundesamt für Zivilluftfahrt und Skyguide zusammen, um einen geregelten Drohnenverkehr testweise im öffentlichen Raum hinzubekommen. Dabei werden Fragen nach Flughöhen, Sicherheit, Steuerung, gesperrte und erlaubte Korridore bzw. Einflugschneisen/Drohnenautobahnen für die Erreichung von größeren Städten besprochen und geklärt.

Die Regularien, die Sicherheit im öffentlichen Raum und der von den Drohnen versursachte Lärm sind die größten Hürden, um der Last Mile Delivery durch Drohnen zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Hürden sind zur Zeit in Europa so groß, dass die Zustellung durch Drohnen in den nächsten Jahren nicht zu einem Standard-Angebot der Logistik-Dienstleister bzw. der Paket- und Expressdienstleister werden wird. Ihre Pizza werden Sie in den nächsten Jahren immer schneller und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit noch warm zugestellt bekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihnen mit einer Drohne vors Stadt-Haus gestellt wird, ist allerdings für die nächsten Jahre sehr gering. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Die Zukunft des (E)Commerce als Game-Changer

Die Pandemie hat den E-Commerce beflügelt. Den gesamten E-Commerce? Grenzüberschreitender E-Commerce und digitaler Lebensmittelhandel als Game-Changer.

Beitrag: Walter Trezek.

Die Pandemie hat das Wachstum des E-Commerce nach Schließungen oder Einschränkungen im stationären Handel weiter beflügelt, davon ausgenommen war der grenzüberschreitende E-Commerce. Vor der Pandemie war der grenzüberschreitende E-Commerce das mit Abstand am schnellsten wachsende Marktsegment mit doppelt so hohen Wachstumsraten wie der inländische E-Commerce. Obwohl die Grenzen innerhalb Europas während der Pandemie weitgehend für Paketdienste offen blieben, lag die Herausforderung in der Einstellung des Flugverkehrs.

Der starke Rückgang des grenzüberschreitenden E-Commerce wurde durch die Postdienste verursacht: Im Gegensatz zu Express- und Paketzustellern waren die Postgesellschaften von Annullierungen der normalerweise für Postsendungen genutzten Passagierflüge betroffen. Die Statistiken des Weltpostvereins (UPU) sprechen eine klare Sprache: der grenzüberschreitende Verkehr zwischen benannten Postbetreibern ist gegenüber 2019 immer noch um ca. 40% zurückgegangen, jener der Express- und Paketzustelldienste stark gestiegen. In der EU wird diese Entwicklung durch neue Regelungen noch verschärft: Während das Import-One-Stop-Shop (IOSS)-Modell für Marktplätze und gewerbliche Paketdienste eine Entlastung zu bieten scheint, sind die Kunden der Postgesellschaften von einer Vielzahl, teils intransparenter, länderspezifischer und oft unerschwinglich hoher Zusatzgebühren, die sich negativ auf das Geschäft auswirken,
betroffen.

Wachstum des digitalen Lebensmitteleinzelhandels, seine Auswirkungen auf E-Commerce, Logistikmodelle und den stationären Handel.
Eine weitere Entwicklung war das starke Wachstum des digitalen Lebensmitteleinzelhandels. Die Lieferung von Lebensmitteln an Endverbraucher und der Ausbau der dazugehörigen Logistikinfrastruktur, für eine schnelle Lieferung, hauptsächlich in städtischen Gebieten, wurde durch Restaurantschließungen weiter stimuliert. Allein in den USA stieg der digitale Lebensmittel- und Getränke- Einzelhandel von 2019 bis 2021 um 2/3 (von 13 auf 21 Milliarden USD). Es wird erwartet, dass der digitale Lebensmitteleinzelhandel das am schnellsten wachsende E-Commerce-Marktsegment bleibt, obwohl der Gesamtanteil des digitalen Lebensmitteleinhandels am gesamten Einzelhandel vergleichsweise gering ist (etwa 5 % in den USA, 2021), sogar weniger als 2 % in Europa.

Neue Herausforderungen für die Geschäftsmodelle der Marktplätze und Zustellung.
Kundenerwartungen wurden durch den marktbeherrschenden online Händler in Europa geprägt. Verbraucher erwarten jetzt von jedem Händler Amazon-Serviceniveau. Dies bleibt eine Herausforderung für viele, insbesondere den stationären Handel, der zunehmen auf online-zu-offline (O2O), besser bekannt als “Omnichannel”, umstellt. Das Kernlogistikprogramm von Amazon – “Prime” – ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor und hat die Lieferung am nächsten Tag zum Standard gemacht. Die Logistikinfrastruktur von Amazon ist darauf ausgelegt, dieses Serviceniveau kostengünstig zu erfüllen. Außerhalb Chinas konnte kein Wettbewerber mit diesem Modell mithalten. Das derzeitige Geschäftsmodel des E-Commerce ist durch das exponentielle Wachstum des digitalen Lebensmitteleinzelhandels unter Druck geraten.

Die Kundenerwartungen ändern sich: Lieferung am nächsten Tag reicht nicht mehr.
Die Pandemie hat eine sehr interessante Entwicklung ausgelöst: Im Jahr 2020 wuchs der E-Commerce-Umsatz von Amazon um 21 % lag damit deutlich unter dem Marktdurchschnitt von 32 %. Im Gegensatz dazu erzielte Walmart ein Umsatzwachstum von 44%, unter anderem aufgrund der Nutzung seiner Filialen als Mikrologistik-Hubs. In städtischen Gebieten hat Walmart damit begonnen, seine lokal verfügbaren Produkte (30.000 – 140.000 Artikel, die über 90% des gesamten Online-Bestellvolumens abdecken) innerhalb eines Lieferfensters von 2 bis 3 Stunden an Kunden im Umkreis von wenigen Kilometern, um einen Standort zu liefern. Dazu werden entweder eigene Ressourcen oder Zustelldienste auf der letzten Meile genutzt, die dem Modell der Lebensmittellieferdienste folgen. Der stationäre Einzelhandel hat damit die Liefererwartungen der Verbraucher geändert. Bei diesem O2O-Dienstleistungsangebot können Online-Marktakteure, die sich auf ein Logistikmodell ohne dichtes Netz lokaler Mikro-Hubs verlassen, nicht konkurrieren.

Neue Logistikmodelle revolutionieren Kundenerwartungen.
In der Vergangenheit war die Umsetzung des O2O Modells eher einseitig: Während schnell wachsende, erfolgreiche Online-Händler ihre digitalen Ressourcen, Marketingstrategien und Finanzkraft dazu nutzten, Einzelhandelsgeschäfte zu eröffnen oder zu erwerben (oft nur Showrooms), haben klassische stationäre Händler es bisher weitgehend versäumt, digitale Warenwirtschaft und Kundenservice zu implementieren, um ihre Märkte vor ihren reinen Online-Konkurrenten zu schützen.

Das neue O2O-Logistikmodell für den Einzelhandel verändert Kundenerwartungen.
Die Lebensmittellieferung hat jedoch, stark stimuliert durch COVID, ein neues Logistikmodell hervorgebracht: Stark nachgefragte Produkte werden jetzt online im stationären Einzelhandel bestellt und innerhalb von 60 bis 120 Minuten an die Kunden geliefert. Dieses Modell betrifft nicht den Lebensmittelhandel, das Grundsortiment des Einzelhandels von 4.000 bis 15.000 Artikeln ist betroffen.

Digitalisierung verbindet Intra- und Extralogistik.
Die Filialzustellung war noch nie die Herausforderung für den stationären Handel. Doch während die Intralogistik und Filialversorgung für den stationären Handel vollständig digitalisiert und hocheffizient ist, hinken Kundenservice und Convenience bisher hinterher und erfüllen nicht die Kundenerwartungen, die Online-Marktplätze mit ihren B2C-E-Commerce-Extralogistiklösungen versprechen.

Die Kenntnis der lokalen Kundenpräferenzen, verbunden mit einem lokalen Einzugsgebiet, kann der stationäre Handel auf ein hocheffizientes Extralogistikmodell mit Outlets als Micro-Hubs anwenden, das den B2C-Lieferoptionen reiner Online-Player überlegen ist. Durch die gleichzeitige Umwandlung von Outlets in Micro-Hubs ist ihr Wert massiv gestiegen. Outlets sind kein reiner zusätzlicher Vertriebskanal mehr, sondern ein zentraler und unverzichtbarer Bestandteil des Logistikmodells, um stark nachgefragte Waren über bereits bestehende lokale Lieferstrukturen bereitzustellen.

Diese Entwicklung ist in einigen Märkten, z. B. Südostasien, noch weiter fortgeschritten und wurde von Walmart in den USA erfolgreich übernommen, getestet und ausgerollt. Als Reaktion darauf sind große Logistikanbieter und Marktplätze dabei, städtische Mikro-Hub-Infrastrukturen zu übernehmen, oder auch aufzubauen. Sie könnten aber gegenüber dem stationären Handel, der bereits (theoretisch) die Top-Lagen besitzt, im Nachteil sein. (WT)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Neue Erwartungen an die Intralogistik Same-Day-Lieferung in die Kleinstadt

Nicht zuletzt beeinflusst durch die pandemische Lage hat sich der Wettbewerb im E-Commerce-Bereich bedeutend zugespitzt. Eine McKinsey-Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass zudem die Markentreue der Kunden abnimmt. Geschuldet sei dies vor allem dem vereinfachten Preisvergleich. Viele Händler im Bereich e-Grocery setzen daher auf Micro-Fulfillment-Center und automatisieren Lagerhallen zunehmend, um konkurrenzfähige Lieferzeiten anzubieten.

Beitrag: Redaktion.

Das e-Grocery Zeitalter: Automatisierung als Antwort. Noch vor wenigen Jahren konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, eines Tages seine Lebensmittel über eine App zu bestellen und noch am selben Tag bis an die Haustür geliefert zu bekommen. Nun ist dies für viele Kunden gerade im Großstadtraum gang und gäbe. Von der monatlichen Getränkelieferung ins Büro bis hin zum Wocheneinkauf sind Begriffe wie „Sofortlieferung“ oder „innerhalb von 120 Minuten“ für viele Unternehmer zum erschreckenden Reality-Check geworden. Das andere Sektoren nachziehen, ist weniger eine Frage als vielmehr eine Feststellung.

Um derartige Services anbieten zu können, setzen viele Supermärkte auf Ladeninterne oder externe „Dark Stores“ (für den Kunden nicht zugängliche Lagereinheiten). Ob nun Click-and-Collect oder Home Delivery in letzter Instanz eingesetzt wird – eins ist klar: Laufen die Prozesse im Lager zu langsam oder fehlerbehaftet ist die Kundenzufriedenheit gefährdet. Bei abnehmender Markentreue sind die Folgen fatal. Wie kann dem also effizient und zukunftsorientiert entgegengewirkt werden?

Die Erfolgsstory des schwedischen Durchstartes „Matsmart“ zeigt, dass smarte und skalierbare Automatisierung die Antwort ist. Das Konzept von Matsmart ist, Lebensmittel vergünstigt zu verkaufen, die ansonsten aufgrund von Überproduktion, fehlerhafter Verpackung, saisonalen Trends oder kurzer Haltbarkeit entsorgt würden. 2021 verdreifachte der Konzern seine Kapazität mithilfe von 149 AutoStore Robotern von Element Logic.

Pro Stunde kommissionieren diese bis zu 6.000 Artikel aus 88.000 Behältern. Beeindruckend und zukunftsfähig, da das System jederzeit problemlos erweiterbar ist. Die Platzanforderungen sind selbst für kleinere Unternehmen minimal, wie das deutsche Familienunternehmen Leslii (30 Mitarbeiter) zeigt. Mit einem Flächenbedarf von nur 100 m² und vier Robo-tern verfügt Leslii über eines der kleinsten und gleichzeitig kosteneffizientesten Auto-Store-Systeme in Deutschland. Das System erzielt täglich 1.500 Picks. Jährlich werden rund 2 Millionen Artikel an Händler in ganz Europa versandt. Vorreiter in der Same-Day-Lagerlogistik bleiben jedoch bisher die Lebensmittelhändler. Diese greifen mittlerweile auf sogenannte Micro-Fulfillment-Center zurück, um kleinere Ortschaft rechtzeitig zu beliefern.

Micro-Fulfillment – maximum Delivery
Den Einsatz kleinerer Lager für die lokale Bestellabwicklung bezeichnet man als Micro-Fulfillment. „Ein Logistiktrend dieser Größenordnung findet normalerweise nur statt, wenn sich die Branche vom Endverbraucher zum Wandel gezwungen sieht. In den USA trieb Amazon vor einigen Jahren den Trend zur schnelleren lokalen Lieferung voran. Heute setzen die Branchen- und Markterwartungen in den USA den europäischen Markt unter Druck“, erklärt Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development von Element Logic Deutschland. Kurz gesagt weiten diese kleinen Ableger die Lieferreichweite von Unternehmen auch auf kleinere Ortschaften aus und beschleunigen gleichzeitig Retourenprozesse. Auch die Transportkosten werden so beeinflusst. „Die Lieferzeit hängt unmittelbar von der Entfernung ab. Je näher man beim Kunden ist, desto genauer kann man angeben, wann die Bestellung voraussichtlich zugestellt wird. Eine präzise Sendungsverfolgung wird für die Customer Journey immer wichtiger“, sagt Kieninger.

Nun liegt der Gedankengang nahe, auch diese Ableger durch automatisierte Prozesse zu wahren Produktivitätsmonstern zu machen. Der größte Vorteil an automatisierten Centern ist, dass die Lagerkapazität erheblich gesteigert wird, während die Modularität eine einfache Erweiterbarkeit gewährleistet. „Im Moment ist es noch ein zusätzlicher Service, den Unternehmen anbieten, um die Kundenzufriedenheit zu steigern. Mit steigender Nachfrage und der stärkeren Gewöhnung an eine schnelle Lieferung werden Micro-Fulfillment-Center jedoch wahrscheinlich zum Standard werden. Ich denke, dass das in den kommenden fünf bis zehn Jahren der Fall sein wird“, meint Kieninger. Ein aufblühender Trend für Unternehmen, die sich zunächst von den positiven Effekten eines automatisierten Standorts (ob Haupt- oder Micro-) überzeugen wollen, ist das Konzept „Automation-as-a-Service“.

Das Automation-Abo.
„Wir werden wahrscheinlich in fünf Jahren automatisieren, wenn wir größer sind und mehr Geld haben.“ – Künftig will Element Logic auch Kunden mit finanziellen Einstiegshürden die Möglichkeit geben ihr Unternehmen von den Vorteilen der AutoStore-Technologie profitieren zu lassen. Eine Art Abo-Modell ist nicht ausgeschlossen und bietet viele Vorteile. Der Einbau ist leicht, die Skalierbarkeit des Systems nach oben und unten hoch. Gerade für Geschäfte mit saisonalen Schwankungen klingt das wie Zukunftsmusik. Eine sehr reale und profitable Zukunft. Mehr Informationen zum Wandel der Intralogistik finden sie im offiziellen Whitepaper von Element Logic „Drei neue Trends für die Intralogistik“. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021