Mehr Effizienz in der Logistik dank Künstlicher Intelligenz

Die Logistik ist ein geradezu idealer Anwendungsfall für Künstliche Intelligenz. Aufgrund ihres enormen Potenzials, Prozesse zu optimieren, Störungen und Fehler im System rechtzeitig zu erkennen und zu beheben sowie Kosten zu senken, wird sie von der Mehrheit der Entscheidungsträger innerhalb der nächsten zehn Jahre als unverzichtbarer Bestandteil der Branche angesehen. Auch aufgrund ihres Potenzials, neue, attraktivere Arbeitsplätze entstehen zu lassen.

Die Corona-Krise war und ist auch eine Krise der globalen Lieferketten und der Logistik. Sie kann jedoch auch als Weckruf verstanden werden: Immer ausgefeiltere Supply-Chain-Systeme sind in einem volatilen Umfeld und angesichts von Schwankungen bei Angebot und Nachfrage (nicht zuletzt auch aufgrund des Klimawandels oder wegen geopolitischer Rivalitäten) umso verletzlicher. Systeme der Künstlichen Intelligenz bieten jedoch ungeahnte Möglichkeiten, auf rasche Veränderungen schnell zu reagieren – beziehungsweise sie vorherzusehen und auch im Nicht-Krisenmodus die Abläufe effizienter zu organisieren, Ressourcen zu sparen und Kosten zu senken.

 

Die Logistik als idealer Anwendungsfall für die Künstliche Intelligenz.
Logistiksysteme sind Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, die zwar eindeutig, aber aufgrund ihrer Komplexität für den Menschen und für herkömmliche Methoden der Operations Research kaum überschaubar sind. Welche Auswirkungen haben ein Stau, ein Materialschaden bei einer Maschine oder ein Streik in einem Hafen an einem anderen Ende der Welt für das Gesamtsystem? Wie kann es rasch erneut in sich abgestimmt werden? Systeme der Künstlichen Intelligenz werden das in Zukunft immer genauer berechnen können.

Mehr noch: Wie werden sich aufgrund von Ernteausfällen oder Rekordernten, Wechselkursentwicklungen oder Themen, die in den Sozialen Medien gerade virulent sind, Angebot und Nachfrage nach bestimmten Gütern (auseinander) entwickeln? Künstliche Intelligenz kann nicht nur Prozesse optimieren sondern auch in der Bedarfsprognose und der Absatzplanung eingesetzt werden.

Intelligente Algorithmen, hohe Rechenleistung und Big Data.
Möglich ist dieser Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch mehrere Faktoren: Einer hohen und ständig zunehmenden Rechenleistung und Speicherkapazität, Big Data und intelligenten Algorithmen. Die Rechenleistung von Computern und Chips potenziert sich fortwährend – bis zum Jahr 2040 könnte sie gegenüber heute um einen Faktor 1000 zugenommen haben.

Nicht nur durch das Internet und durch soziale Medien, sondern auch über Sensoren und Systeme der Echtzeitdatenübermittlung kann auf gewaltige und stets aktuelle Datenmengen und auch auf aussagekräftige Datenreihen zugegriffen werden – das ist «Big Data». Bei Logistikprozessen selbst werden täglich riesige Mengen an Daten produziert. Basierend darauf können Aussagen getroffen werden, wie sich Systeme über die Zeit hinweg verhalten und auf welche Einflussfaktoren und Veränderungen sie wie reagieren.

Es gibt je länger je mehr Datenquellen, die bald neues Potenzial zur Effizienzsteigerung in der Logistik bieten können. So stellen beispielsweise die B2B-Plattformen wlw (ehemals «Wer liefert was») und EUROPAGES grosse Mengen an Daten zu Rohstoffen und Produkten zur Verfügung. Neben detaillierten Spezifikationen sind auch Preise und Lieferzeiten enthalten. Es ist absehbar, dass die Daten dieser beiden Plattformen des Plattformanbieters Visable in Zukunft genutzt werden können, um Lagerbestände durch Künstliche Intelligenz effizient zu bewirtschaften. Es sind dann Nachbestellungen zum besten Preis termingerecht und automatisiert möglich.

Notwendig dafür ist die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Daten. Denn Datenquantität ist nicht gleich Datenqualität. «Es ist wichtig, eine adäquate Vorauswahl zu treffen, welche Daten benötigt werden. Zudem muss sichergestellt sein, dass diese Daten in genügender Qualität vorhanden sind», berichtet der CTO von Visable, Daniel Keller. «Visable hat für die Datensammlung begonnen, Künstliche Intelligenz zu nutzen, um relevante Daten als solche zu identifizieren – im Sinne eines Lernprozesses über intelligente Algorithmen», erklärt Daniel Keller.

Intelligente Algorithmen bedeutet, dass Künstliche Intelligenz, die auf diesen Algorithmen beruht, die Ergebnisse, die sie produziert und die Prognosen, die sie aufgrund einer Auswertung von Daten trifft, mit dem realen Wert vergleicht, aus ihren Fehlern lernt und sich so selbst fortwährend optimiert. Es bedeutet auch, dass Künstliche Intelligenz Echtzeitdaten verarbeiten und so instantan reagieren kann. Das heisst nicht, dass Künstliche Intelligenz deswegen ein Bewusstsein entwickelt. Im Hinblick auf ihre Rechenkapazitäten ist sie den kognitiven Fähigkeiten des Menschen jedoch bei weitem überlegen.

Vielfältige Anwendungsgebiete zur Effizienzsteigerung in der Logistik.
Künstliche Intelligenz kann aber noch für viel breitere Anwendungsgebiete als die simple Lagerbewirtschaftung genutzt werden. Zunächst können Systeme der Künstlichen Intelligenz Transportrouten (innerhalb und ausserhalb des Lagers) planen und, im Zusammenhang mit unerwarteten Ereignissen, neu berechnen. Ankunftszeiten können noch genauer vorhergesagt werden. Systeme der KI können leicht erkennen, wenn bestimmte Produkte oder Komponenten im Lager rar werden – und die möglichen Auswirkungen auf andere Produkte oder Komponenten im Logistikzyklus vorhersehen – und diese dann rechtzeitig aufstocken. Genauso können Überkapazitäten erkannt werden.

Im Sinne von «Predictive Maintainance» kann Künstliche Intelligenz Maschinenausfälle vorhersehen und darüber hinaus effizient die Timeslots für die entsprechenden rechtzeitigen Wartungsarbeiten innerhalb des Gesamtprozesses einteilen. Autonome Drohnen können Inventuren erledigen und Bilder zur Schadensprüfung aufnehmen. Chatbots können Anfragen von Paketempfängern entgegennehmen. Das Sortieren von Waren und Komponenten im Lager ist für den Menschen eine zeitintensive Aufgabe. Hier können Roboter die Vorsortierung übernehmen. Darüber hinaus können sie besser erkennen, welche Produkte oder Komponenten gerade stärker nachgefragt werden und diese näher am Ein-/Ausgang platzieren, um Wegzeit zu sparen.

Und neben dieser Prozess- und Transportoptimierung kann Künstliche Intelligenz eben in der Bedarfsprognose und Absatzplanung eingesetzt werden. Durch Big Data kann besser vorhergesehen werden, wer wann wo was braucht; wo es in nächster Zeit bei bestimmten Produkten zu einem Nachfrageüberhang oder aber –defizit kommen könnte. Damit kann sie nicht nur in bestehende Prozesse eingreifen und diese optimieren, sondern Ressourcen und Kapazitäten auch in die jeweilige Zukunft hinein besser aufteilen. Das würde bedeuten, dass Künstliche Intelligenz in der Logistik nicht allein innerbetriebliche Probleme und Engpässe sondern vielleicht sogar gesamtwirtschaftliche Abschwünge oder Volatilitäten besser abfedern könnte. Anhand dieser Beispiele sieht man auch, dass Künstliche Intelligenz menschliche Arbeit im Grossen und Ganzen nicht ersetzen wird. Sie wird die menschliche Arbeit vielmehr unterstützen.

Entscheidungsträger nehmen noch eine abwartende Haltung ein.
Trotz des hohen Potenzials von Künstlicher Intelligenz handelt es sich im Wesentlichen um eine neue Technologie, deren volle Entfaltung noch in der Zukunft liegt und deren Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen noch nicht ganz verstanden werden. So ist es dann vielleicht auch weniger verwunderlich, dass viele Unternehmen noch zögern, Künstliche Intelligenz zu implementieren. Laut einer Studie des Magazins Logistik heute und INFORM wenden nur 26 Prozent der befragten Betriebe in Deutschland Künstliche Intelligenz in ihrer Logistik an. Dabei gibt mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) an, dass ihnen das entsprechende Know-how fehlen würde. Als weitere Hindernisse werden hohe Kosten (46 Prozent), eine unzureichende IT-Infrastruktur (44 Prozent) und ein Mangel an zeitlichen Ressourcen (38 Prozent) genannt. Aus einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2019 geht jedoch hervor, dass 70 Prozent aller Befragten davon ausgehen, dass Künstliche Intelligenz in den nächsten zehn Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil in der Logistik sein wird.

Doch auch einen anderen Grund gibt es für die reservierte Haltung gegenüber dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Logistik: Die Angst davor, dass Künstliche Intelligenz in grossem Stil Arbeitsplätze überflüssig machen könnte. Was sich abzeichnet, ist, dass Künstliche Intelligenz menschliche Fähigkeiten beträchtlich erweitert, sie aber nicht notwendigerweise ersetzt. Vielmehr werden Menschen benötigt, die die Systeme der Künstlichen Intelligenz beaufsichtigen, warten und die ihre Vorschläge ausführen und konkret umsetzen. Zu erwarten ist, dass sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz gesamtwirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich neue Berufsfelder auftun. In der Summe könnten in der Logistik bessere und weniger anstrengende Arbeitsplätze entstehen.

Die Logistik ist also ein idealer Anwendungsfall für die Künstliche Intelligenz. Die Möglichkeiten, dass Probleme schneller und effizienter behoben werden, Kosten gesenkt, Ressourcen geschont, nicht allein betriebswirtschaftliche sondern gesamtwirtschaftliche Krisen und Probleme durch sie abgefedert werden und nicht zuletzt eventuell bessere Arbeitsplätze für Menschen entstehen, sind kaum zu unterschätzen. Klar ist, dass noch Qualifizierungsbedarf besteht. Bald aber dürfte allein aus Gründen des Wettbewerbs Künstliche Intelligenz in der Logistik überall zu finden sein. Für die Betriebe lohnt es sich daher, sich jetzt bereits darauf vorzubereiten.

LOGISTIK express Journal 4/2022

AWS unterstützt Deutschland bei seinem digitalen Wandel

Die digitale Transformation ist ein zentraler Stellhebel, um das Wirtschaftswachstum und die Innovationskraft von Unternehmen und Ländern voranzutreiben, aber auch resilient gegenüber negativen externen Ereignissen zu werden und den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

Beitrag: Redaktion.

Um die Digitalisierung in Europa konsequent voranzutreiben und von ihren positiven Aspekten zu profitieren hat die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Vision der digitalen Dekade in 2021 Ziele vorgestellt, die sie bis zum Jahr 2030 erreichen möchte. Diese Ziele richten sich an vier Säulen aus: die Entwicklung digitaler Fähigkeiten, der Aufbau von digitaler Infrastruktur sowie die Digitalisierung von öffentlichem Sektor und Unternehmen.

Public First, ein unabhängiges Beratungsunternehmen, hat im Auftrag von Amazon Web Services (AWS) untersucht, welche Rolle
Cloud-Computing bei der Realisierung dieser Ziele spielt und wie weit Europa bereits bei der Umsetzung vorangeschritten ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in dem Report „Unlocking Europe’s Digital Potential“ zusammengefasst. Als Teil dieser
Studie betrachtete Public First auch den Digitalisierungs-Fortschritt in Deutschland. Erreichen der Ziele der digitalen Dekade hat das Potenzial, eine Bruttowertschöpfung von 800 Milliarden Euro in Deutschland zu erzielen.

Das Beratungsunternehmen schätzt, dass durch die Verwirklichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission im Zeitraum von 2021 bis 2030 in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von über 800 Milliarden Euro erzielt werden könnte. Das entspricht etwa einem Viertel (24 Prozent) der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2021.

Der Einsatz von Cloud-Computing spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Public First schätzt, dass 55 Prozent dieser Bruttowertschöpfung von dem Einsatz von Cloud-Computing abhängt. Cloud-Computing ist die bedarfsabhängige Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet. Statt Rechenzentren und Server selbst kaufen und betreiben zu müssen, können Organisationen Rechen- und Speicherkapazitäten, Datenbanken, als auch Dienste wie Analytics, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Internet der Dinge und viele mehr bedarfsorientiert über die Cloud beziehen und dabei höchste Ansprüche an Daten- und Ausfallsicherheit erfüllen. Dadurch ermöglicht die Cloud den Zugang zu neusten Technologien ohne hohe Vorabinvestitionen und tiefgreifende Programmierkenntnisse, sodass alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, Nutzen aus diesen ziehen können.

Um das volle Potenzial von 800 Milliarden Euro Wirtschaftswachstum auszuschöpfen, muss Deutschland seine Bemühungen für die Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission schneller vorantreiben. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von Kerntechnologien durch Unternehmen: Laut Untersuchungen der Europäischen Kommission setzen bislang nur 20 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Computing ein. Andere Quellen geben an, dass 37,5 Prozent der deutschen Organisationen diese Technologie nutzen. Künstliche Intelligenz wird nur von etwa 28 Prozent der deutschen Unternehmen eingesetzt und Big Data lediglich in 18 Prozent der Organisationen. Dabei kann der Einsatz digitaler Werkzeuge die Unternehmensproduktivität erheblich steigern – etwa um 10–25 Prozent.

Gemessen an dem derzeitigen Fortschritt wird Deutschland bis 2030 nur ein jährliches Wirtschaftswachstum von 248 Milliarden Euro erzielen. Dabei könnten durch eine schnellere Digitalisierung sogar bis zu 552 Milliarden Euro zusätzlich an Bruttowertschöpfung erwirtschaftet werden. Um die Ziele Europas in der digitalen Dekade schneller zu erreichen, müssen öffentliche und private Akteure der deutschen Wirtschaft zusammenarbeiten und die Entwicklung digitaler Fähigkeiten sowie die Einführung von digitalen Technologien unterstützen. AWS bietet in diesem Zusammenhang beispielsweise kostenlose Cloud-Computing-Trainings an, mit dem Ziel bis zum Jahr 2025 weltweit 29 Millionen Menschen zu trainieren. Bereits heute haben mehr als 100.000 Personen in Deutschland erfolgreich an Trainings von AWS teilgenommen.

Deutschland macht große Fortschritte in einigen Bereichen der digitalen Dekade.
Die Untersuchung von Public First zeigt auch, dass Deutschland in einigen Bereichen bereits große Fortschritte zur Erfüllung der Ziele der digitalen Dekade erreicht hat. Schon heute verfügen 56 Prozent der Haushalte in Deutschland über sogenannte „Very High Capacity Networks“. Dabei handelt es sich um feste Breitbandnetze mit Glasfaseranschluss bis mindestens zum Gebäude und drahtlose Netze mit Glasfaseranschluss zur Basisstation.

Die digitale Bereitstellung von grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen ist ein weiteres Beispiel. 100 Prozent wichtiger öffentlicher Dienste sollen für Bürger:innen und Unternehmen online zugänglich sein. Auch in diesem Zusammenhang stellt Cloud-Computing ein wichtiges Instrument dar. Öffentliche Organisationen können durch die Nutzung von Cloud-Computing auf eine sichere Infrastruktur zurückgreifen, um Verwaltungsleistungen zu digitalisieren. Public First schätzt, dass die Verlagerung von 10 Prozent der aktuellen IT-Systeme in die Cloud das Potential hat, den deutschen Steuerzahlern über 230 Millionen Euro pro Jahr einzusparen.

AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission.
AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission, um den Weg in eine digitale und nachhaltige Zukunft zu ebnen. Dafür verfolgen wir einen mehrstufigen Ansatz: Aufbau von Vertrauen. Deutschland ist eines der führenden Länder in Europa, wenn es um den Aufbau einer nachhaltigen und digitalen Zukunft geht. AWS unterstützt seine Kunden in Deutschland dabei, Gesetzen und Regulierungen der EU und von Deutschland zu entsprechen und höchste Anforderungen an Daten- und Ausfallsicherheit zu erfüllen. Investitionen in den Aufbau digitaler Fähigkeiten. Digitale Fähigkeiten sind zentral in unserer künftigen Arbeitswelt. AWS unterstützt die deutsche Wirtschaft dabei, den Mangel an digitalen Fähigkeiten durch Weiterbildungs- und Trainingsangebote zu adressieren.

Nachhaltigkeit stärken. Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. AWS ist auf einem guten Weg seinen Betrieb bis 2025, also fünf Jahre vor dem eigentlichen Ziel in 2030, auf 100% erneuerbarer Energien umzustellen. Zusammen mit unseren Kunden arbeiten wir an neuen Ideen, um mit neuen Technologien Emissionen zu reduzieren und unsere Umwelt zu schützen. Amazon ist der weltweit größte Einkäufer erneuerbarer Energien. Wir werden auch weiterhin daran arbeiten unsere Infrastruktur so anzupassen, dass wir unsere Nachhaltigkeitsziele erreichen können. Von dem nachhaltigeren Betrieb der AWS Cloud profitieren auch unsere Kunden: Workloads, die in der AWS Cloud betrieben werden, werden damit automatisch nachhaltiger. Weitere Informationen zu unseren Nachhaltigkeitsbemühungen können auf unserer Website abgerufen werden.

Befähigung von Unternehmen. Unternehmen in Deutschland müssen auf die besten Technologien weltweit zugreifen können, um sowohl innerhalb Deutschlands als auch global wettbewerbsfähig zu bleiben. Um ihre Digitalisierungsziele zu erreichen, müssen AWS Kunden in Deutschland die freie Wahl haben, welche Technologien sie nutzen wollen.

AWS respektiert europäische als auch deutsche Werte und unterstützt die sich stetig weiter entwickelnden regulatorischen Anforderungen, um seine Kunden dabei zu unterstützen, diesen zu entsprechen. Innovationskraft stärken. Die Innovationsfähigkeit ist zentral für die digitale Wirtschaft. AWS wird weiterhin daran arbeiten, die Kosten für die Entwicklung von Innovationen zu senken als auch schnelles Experimentieren, Veröffentlichen und Skalieren zu ermöglichen. (RED)

LOGISTIK express Journal 4/2022

KNAPP präsentiert sich als Technologiepartner für intelligente Wertschöpfungsketten

Auf der Intralogistik-Leitmesse LogiMAT 2022, von 31. Mai bis 2. Juni in Stuttgart, zeigt KNAPP neueste Technologien für die Automatisierung und Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette. Messe-Highlights: Neueste Roboter-Technologie und Software Cloud-Services, die Besucher in Halle 3 auf Stand B05 live erleben können.

KNAPP-Lösungen sind auf den jeweiligen Bedarf maßgeschneidert und basieren auf innovativen Technologien und modernster Software. Damit hilft KNAPP ihren Kunden, Wettbewerbsvorteile zu generieren und auszubauen. KNAPP versteht sich als Technologiepartner und bietet für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette die richtige Automatisierung, Informationen und Serviceleistungen.

Innovative Roboter und Software-Tools.
KNAPP zeigt die neueste Generation seines mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kommissionier-Roboters Pick-it-Easy Robot, Neuheiten rund um die autonomen mobilen Roboter Open Shuttles und das völlig neuartige Taschensorter-System AutoPocket, das erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird. KNAPP-Software, die die Technologien zu intelligenten Systemen verbindet, und innovative Software-Tools zur Analyse und Optimierung des Anlagenbetriebs runden den Messeauftritt ab.

Pick-it-Easy Robot: Einer der alles kann Pick-it-Easy Robot bietet nicht nur die automatische Einzelstück-Kommissionierung, sondern auch das Umpacken vorkommissionierter Artikel aus Batch-Behältern in Hängefördertechnik- und Sorter-Systeme. Verschiedene Greifer kombiniert mit auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierter Objekterkennung und Greifpunktbestimmung machen eine zuverlässige Handhabung von Artikeln mit unterschiedlichen Eigenschaften möglich. Höchstleistung im Team mit dem Taschensorter-System: Pick-it-Easy Robot übernimmt die vollautomatische Befüllung von Sortertaschen und eröffnet neue Möglichkeiten zur Gestaltung von intralogistischen Prozessen. Aus der Kombination von KI-gesteuertem Roboter, schneller Sortertasche und effizienten Lagersystem entsteht eine innovative Automatisierungslösung für E-Commerce- und Omnichannel-Anwendungen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Breites Artikelspektrum und automatische Artikelcode-Identifikation, hohe Leistung und das 24/7, sowie Kosteneffizienz und geringe Fehlerkosten.

AutoPocket: Taschensorter System für Hochleistungsbetrieb.
Das neue Taschensorter-System kann an jeder beliebigen Stelle im Lager Waren automatisch und punktgenau abgeben, ohne dabei die Geschwindigkeit zu reduzieren oder anzuhalten. RFID-Technoloige ermöglicht eine 100-prozentige Verfolgbarkeit, eindeutige Identifizierung und jederzeit Zugriff auf jeden Artikel im System. Im Zusammenspiel mit dem vollautomatischen Kommissionier-Roboter Pick-it-Easy Robot bietet AutoPocket intelligentes Zero-Touch-Handling für Hochleistungsanwendungen.

Open Shuttle: autonome mobile Roboter für mehr Flexibilität im Lager Open Shuttles sind autonome mobile Roboter (AMR), die Unternehmensbereiche schnell und einfach miteinander verbinden und mit Waren, Rohstoffen und Komponenten versorgen. Die VDA 5050-fähigen Open Shuttles transportieren unterschiedlichste Ladungsträger. Dabei werden Aufträge intelligent auf die Flotte verteilt. Neu im Produktportfolio ist das Open Shuttle Fork, ein Transportroboter für den automatisierten Paletten-Transport.

Dank der speziellen Kinematik des Fahrzeugs ist ein besonders platzsparender Einsatz möglich. Open Shuttle Fork kann einfach in bestehenden und auch herstellunabhängigen Mischflotten eingesetzt werden. Eine weitere Neuheit aus diesem Bereich ist der Open Shuttle Store. Open Shuttle Store ist ein besonders flexibles und schnell einsetzbares automatisches Lagersystem mit mobilen Robotern. Durch das intelligente Systemdesign und die Modul-Bauweise ist das Lagersystem jederzeit in Bezug auf Stellplätze oder Leistung skalierbar, anpassbar und erweiterbar. Es ist schnell einsetzbar und kann einfach in Betrieb genommen werden. Gesteuert werden die autonomen mobilen Roboter mit dem intelligenten Flottenkontrollsystem KiSoft FCS. Mit dem Digital Twin können Anpassungen und Anwendungen vorab einfach simuliert und per Mausklick ins Echtsystem übertragen werden.

KiSoft Cloud: Cloud-basierte Serviceplattform für Big Data-Anwendungen.
Mit KiSoft Cloud bietet KNAPP eine umfassende Serviceplattform für einen zukunftsweisenden Logistikbetrieb. Sie stellt Kunden alle Daten und ausgewählte Services in nur einer Infrastruktur gebündelt zur Verfügung. So sind alle Betriebsdaten einer oder mehrerer Anlagen zentral gespeichert und jederzeit bereit für die Weiterverarbeitung. Daten können für unterschiedlichste Anwendungen einfach genutzt werden. Zudem unterstützt KiSoft Cloud vielfältige KI-Anwendungen wie maschinelles Lernen, insbesondere Deep Learning zum Trainieren von neuronalen Netzen. Hardware- und Software-Support, IT-Security, Datensicherheit sowie Schnittstellen zwischen Anwendungen sind out oft the box sichergestellt, unabhängig vom Anbieter der Software oder der Automatisierung.

KiSoft Analytics: Mit smarter Software die richtigen Entscheidungen für Lager und Supply Chain treffen.
KiSoft Analytics ist ein strategisches Tool zur Analyse und Visualisierung von Daten in der Supply Chain. Langzeitstatistiken, Prognosen und Benchmarkings helfen, gezielte Entscheidungen bei komplexen Abläufen zu treffen, Veränderungen im Business früh zu erkennen oder die Supply Chain zu optimieren. Die Logistik-App für Smartphone und Desktop eignet sich ideal für Executives, Logistik Manager, Supply Chain Manager oder Operations Teams.

redPILOT: Effizientes Ressourcen-Management.
Die redPILOT Operational Excellence Solution ist eine modulare Software-Lösung, die Logistikbetreiber dabei unterstützt, ihre Logistiksysteme zu jeder Betriebsstunde am optimalen Limit zu betreiben. Der Einsatz zum nachhaltigen Ressourcen-Management ist vielseitig – einerseits unterstützt das Software-Modul CMMS (kurz für Operational Maintenance Modul) die strukturierte und planmäßige Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen im technischen Anlagenbetrieb. Andererseits optimieren die weiteren Module den operativen Betrieb der Logistikanlage, unter anderem durch die automatisierte Mitarbeitereinsatzplanung und Optimierung basierend auf dynamischer Engpasserkennung. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


LogiMAT Präsentationsplattform für modernste Software-Lösungen

Auf der LogiMAT 2022, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement, präsentieren die Software-Entwickler dem internationalen Fachpublikum ihr aktuelles Produktportfolio für zukunftsfähige, effiziente Intralogistik. Prägende Trends sind Cloudlösungen und die Einbindung moderner Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Robotic Process Automation (RPA).

In mitarbeiterintensiven Branchen wie der Logistik erschließen Automatisierung und Digitalisierung neue Möglichkeiten der Prozesseffizienz, Geschäftsentwicklung, Kundenbindung und Skalierbarkeit. Enabler dieser Erneuerungs- und Optimierungspotenziale sind die jeweils steuernden Softwaresysteme. Das Zusammenspiel von digitalen Technologien wie Cloud, Data Analytics, Augmented Reality oder Künstliche Intelligenz ermöglicht dabei die nächsten Schritte intelligenter Prozessautomatisierung, die Umsetzung datenbasierter Geschäftsmodelle und zusätzliche Faktoren der Wettbewerbsdifferenzierung. Welche Optionen die Software-Hersteller dabei mit ihrem aktuellen Produktportfolio für Intralogistik und Prozessmanagement bieten, zeigen die IT-Unternehmen auf der LogiMAT 2022 in den Hallen 6 und 8 auf dem Stuttgarter Messegelände. „Applikationen, Module und Systeme für schnelle Datenzusammenführung, -analyse und Prozessoptimierung, die die operativen Prozesse der Intralogistik und der Supply Chain verbessern“, konstatiert Messeleiter Michael Ruchty der EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH aus München. „Intelligente IT-Lösungen zur Bewältigung der aktuellen Marktanforderungen und zukunftsfähigen Ausrichtung der Unternehmen.“

Das nach den Anbietern von Fördertechnik- und Automatisierungssystemen zweitstärkste Ausstellerkontingent auf der LogiMAT 2022 kommt mit einem umfassenden Überblick über die jüngsten Entwicklungen bei Transportmanagement-, Lagerverwaltungs- (LVS) und Warehouse Management Systemen (WMS) sowie bei Zoll-, Versandabwicklungs- und Exportkontroll-Systemen nach Stuttgart. Zudem präsentieren zahlreiche Anlagenbauer, Systemintegratoren und Flurförderzeuge-Hersteller Systeme für das Flotten-, Ressourcen-, Yard- und Zeitfenstermanagement sowie Steuerungssoftware für ihre Geräte, Systeme und Anlagen. Darunter eine wachsende Zahl von Unternehmen, die eigenentwickelte LVS beziehungsweise WMS vorstellen oder sich als SAP-Implementierungspartner positionieren. Als bestimmende Trends für die Exponate, die zugleich den Investitionsbedarf in der Intralogistik markieren, zeigen sich:

  • die Einbindung von Methoden und Verfahren der Künstliche Intelligenz (KI)
  • der Einsatz von Simulationssoftware und Digitalen Zwillingen in unterschiedlichsten Anwendungen
  • Nachhaltigkeit/Ressourceneffizienz
  • Systeme, Module und Applikationen für Big Data und Analytics
  • smarte Lösungen aus der Cloud.

 

Vernetzte Daten analysieren.
Technologien wie Bilderfassung, KI und Robotik werden eingebunden, um durch Automatisierung von Rechenprozessen der Software selbst zur weiteren Optimierung der Systemleistungen beizutragen. So lassen sich durch Nutzung maschineller Lernmechanismen für koordinierte Prozesssteuerung etwa Kommissionierwege und -zeiten um bis zu 30 Prozent reduzieren. Künstliche Intelligenz (KI), Maschinelles Lernen (ML) und Robotic Process Automation (RPA) beschleunigen die Rechenprozesse. Das macht sie zu Technologien, die es Ingenieuren und Data Scientists ermöglichen, die riesigen Datenmengen einer vernetzten, digitalen Transformation zu strukturieren, zu analysieren und auszuwerten. „Vernetzte Intralogistiksysteme, die lernfähig sind und sich selbst optimieren können, werden schon in naher Zukunft eine große Rolle spielen“, betont Johann Steinkellner, CEO Central Europe bei TGW (Halle 5, Stand C13). Spezielle Algorithmen generieren dabei Mehrwert, indem sie etwa durch vorausschauende Analysen und daraus abgeleitete, belastbare Handlungsempfehlungen die operativen Prozesse der Intralogistik wie der Supply Chain optimieren.

So zeigt active logistics (Halle 6, Stand F61) das Tourenplanungssystem active smart tour mit integrierter KI. Das System soll die Tourenplanung beschleunigen. Dabei, so das Unternehmen, stellt die KI sicher, dass Terminzusagen und Kundenprioritäten erfüllt sowie ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet wird. Sie laste vorhandenen Laderaum effektiver aus, kalkuliere effiziente Routen, verkürze mit ML die Fahrstrecken und verringere damit zugleich den CO2-Ausstoß. Sie überwacht zudem sämtliche Ankunftszeiten und vergibt kurzfristige Abholungen direkt an das naheliegendste Fahrzeug. Arvato Systems GmbH (Halle 8, Stand F55) stellt KI-basierte Anwendungen etwa für das Stammdatenmanagement vor. Zudem stehen smarte Applikationen zur Routenoptimierung oder Belieferungskonzepte mit (teil)autonomen Zustellungen im Fokus, die den CO2-Ausstoß insbesondere auf der letzten Meile reduzieren. Die Setlog GmbH (Halle 7, Stand C61) hat die kompletten Lieferketten im Blick und kommt mit neuen Tools für ihre Supply Chain Management (SCM)-Lösungen nach Stuttgart. Schwerpunkt des Messeauftritts bildet die erweiterte SCM-Software OSCA, die in fünf Lösungen mit erweiterten Tools demonstriert wird.

 

Simulationssoftware und digitale Zwillinge.
Zur Optimierung der innerbetrieblichen Transporte dient das Realtime Location & Recognition System der Logivations GmbH (Halle 8, Stand F05), das mit Machine Learning alle Materialflüsse und Staplerbewegungen tracken, automatisch buchen sowie Scan- und Identifikationsvorgänge automatisieren kann. Fahrerlose Transportsysteme und Staplerleitsystem verschmelzen, autonome Transportsysteme haben völlig neue Möglichkeiten für Navigation, Hindernisvermeidung und die Kollaboration mit Menschen. Auf Basis eines digitalen Zwillings sollen sich zudem vielfältige Anwendungen erstellen lassen. Die Artschwager + Kohl Software GmbH, (Halle 6, Stand D73), präsentiert erstmals auf der LogiMAT ihr Task und Transport Management System TAMAS, das eine Integration autonomer mobiler Transportroboter und Gabelstaplerflotten in den Produktionsbetrieb ermöglicht.

Eine eher ungewöhnliche Entwicklung kann das internationale Fachpublikum bei der e.bootis ag (Halle 8, Stand F41) in Augenschein nehmen: die Abbildung der Intralogistikprozesse in einem ERP-System. Erstmals zeigt das Unternehmen in Stuttgart die modular individualisierbare e.bootis-ERPII Suite. Sie bietet unter anderem mit Transportmittelverwaltung, automatisierter Versandabwicklung, Kommissionierung, Bestandsverwaltung, Fördertechniksteuerung und Nachverfolgung Lösungsbausteine für zahlreiche Anforderungen mittelständischer Unternehmen der Großhandels-, Industrie- und Dienstleistungsbranche. Ziel ist es, Geschäfts- und Logistikprozesse vom Wareneingang bis hin zur Inventur zu digitalisieren und zu automatisieren.

Auch bei der Planung und Leistungsauslegung automatisierter Anlage und den Abläufen im Logistikzentrum kommen vielfach Simulationssoftware und digitale Zwillinge zum Einsatz. Mit ihnen lassen sich bereits im Vorfeld die Anlagenauslegung und Prozesse exakt abbilden und überprüfen. Gleiches gilt etwa für die Planung und Gestaltung optimaler Lieferketten und alternativer Supply Chains. Dabei unterstützen Softwaresysteme mit umfassenden Analyse- und Simulationsfunktionen das Supply Chain Network Design. So erstellt etwa die Software ipolog (Halle 1, Stand F31) für verbesserte kollaborative Zusammenarbeit bei der Logistik- und Montageplanung ein digitales Modell als digitalen Zwilling der künftigen Anlage, in dem alle notwendigen Daten zusammenfließen. In ipolog werden unterschiedliche Szenarien aufgebaut, simuliert und gegenübergestellt. Das Planungsszenario kann zum besseren Verständnis in 3D visualisiert werden.

 

Cloud-Anwendungen für die digitale Transformation bei KMU.
Zentrale Systeme für die Verwaltung, Prozesssteuerung und Effizienz im Lager bilden die Lagerverwaltungs- und Warehouse Management Systeme. In diesem Softwarebereich sind zahlreiche Entwickler mit Neuerungen in Stuttgart. Parallel zeichnet sich ein Trend ab, die Systeme und Funktionalitäten weiter zu modularisieren und in frei kombinierbaren Zusammenstellungen sowie nach unterschiedlichen Abrechnungsmodellen aus der Cloud anzubieten. IT-Architekturen und -Anwendungen werden für die Cloud umgebaut und in die Cloud migriert oder auf die Nutzung Cloud-nativer Technologien ausgerichtet. Derartig Modelle aus der Cloud ermöglichen auch kleineren und mittelständischen Betrieben (KMU) Modernisierungen, Automatisierung und den komfortablen, finanziell überschaubaren Einstieg in die digitale Transformation.

Vor diesen Hintergründen präsentiert die Andreas Laubner GmbH (Halle 4, Stand B45) Innovationen rund um die automatische Datenerfassung sowie Lösungen für smarte und optimierte Prozesse zur Digitalisierung bei KMUs. Gezeigt wird unter anderem ein Modul mit Hard- und Software, das eine schnelle und unkomplizierte Implementierung von Transportrobotern über eine Cloud-Lösung ermöglicht. Die PureLoX Solutions GmbH (Halle 8, Stand D05) stellt als Neuerung die Warehouse-Management-Software plx.wmx vor. Eine neu entwickelte Software-Architektur auf einer Low-Code-Plattform ermöglicht Cloudfähigkeit sowie eine mobile Nutzung ohne Einschränkungen über Tablet und Smartphone. Gleichzeitig soll der Aufwand für Wartung, Anpassung und Weiterentwicklung gegenüber klassischen monolithischen WMS-Architekturen deutlich sinken. Die ABF GmbH (Halle 8, Stand D57) zeigt mit OneBase®MFT ein Lagerverwaltungssystem mit kontinuierlicher Materialverfolgung über sämtliche Transport- und Fördermittel via Real Time Location System (RTLS) sowie einer vollautomatischen, situationsadaptiven Materialflusssteuerung für innerbetriebliche Logistikprozesse.

Die PSI Logistics GmbH (Halle 8, Stand D70) hat gleich eine komplette Best-Practice-Lösung für den E-Commerce aufgelegt. Neben einem neuen, cloudbasierten Dienst PSIsrs für intelligente, proaktive und effiziente Routenplanung präsentiert das Unternehmen unter anderem eine branchenspezifisch vorkonfigurierte E-Commerce-Lösung des bewährten Warehouse Management Systems PSIwms. Das Best-Practice-Komplettpaket, das erstmals vorgestellt wird, ist cloudbasiert und speziell auf die für den E-Commerce und Omnichannel relevanten Prozesse und Arbeitsanforderungen ausgelegt. Die Branchenlösung erfordert keinen zusätzlichen Programmieraufwand und ermöglicht kurze Projektlauf- und Implementierungszeiten.

 

Sicherheit für die Kollaboration Mensch/Maschine.
Einen weiteren Aspekt für die Optimierung des Materialflusses zeigt die Panasonic Tochtergesellschaft, der Plattformlösungsanbieter Blue Yonder (Halle 6, Stand A71) mit ihrem Luminate-Portfolio. Es bietet KI-gesteuerte Supply-Chain-Lösungen aus der Cloud und soll KI-Supply Chains agiler machen. Die Supply-Chain-Spezialisten der Remira Group GmbH (Halle 8, Stand D17) haben als Exponat die Premiere von Statcontrol Cloud im Gepäck. Die Neuheit aus dem Bereich Warehousing ist nach Herstellerangabe die erste vollständig zertifizierte Software-as-a-Service-Lösung für Stichprobeninventur und soll Anwendern einen sofortigen ROI ab der ersten Inventur ermöglichen.

IT-Lösungen zur gesteigerten Autonomie und Sicherheit von Maschinen und Industrierobotern stehen im Mittelpunkt des Messeauftritts der Blaxtair Arcure S.A. (Halle 10, Stand H30). Das Unternehmen ist auf KI für die Bildverarbeitung in der Industrie spezialisiert. Die neue cloud-basierte Lösung „Blaxtair Connect“ erhöht die Sicherheit von Menschen in der Nähe von Maschinen und hilft Unternehmen dabei, das angestrebte Ziel „Null Unfälle“ zu erreichen, indem sie Kollisionsrisiken proaktiv managen und so drastisch reduzieren können.

„Insgesamt bietet die LogiMAT 2022 damit einen abwechslungsreichen Überblick über die jüngsten Anwendungsoptionen durch Integration modernster Technologien und hilfreicher IT-Werkzeuge in die IT-Infrastruktur der Unternehmen“, resümiert Messeleiter Ruchty. „Der aktuell von Tata Consultancy Services (TCS) und Bitkom Research veröffentlichte Trendstudie ‚Nachhaltig geht nur digital‘ zufolge setzen drei Viertel der Großunternehmen auf Big Data. Das heißt sie nutzen Software-basierte Analyseinstrumente“. Für KMU trifft dies nicht einmal für die Hälfte der Unternehmen zu. Es gibt also noch deutliche Potenziale bei Nutzergruppen und Anwendungen. Die Software-Unternehmen sind gefordert, marktgerechte Lösungen zu entwickeln, die die digitale Transformation und KI-Anwendungen weiter voranbringen. Das wachsende Angebot an Cloud-Lösungen sowie Systemen, Modulen und Applikationen für Big Data und Analytics wie sie auf der LogiMAT 2022 präsentiert werden, zeigt die richtige Richtung auf. Jetzt müssen die Anwender agieren.

 

Veranstalter: EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH
Joseph-Dollinger-Bogen 7, 80807 München, Tel.: +49 (0)89 32391-259
Fax: +49 (0)89 32391-246; www.logimat-messe.de | www.logimat.digital

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Smarte Logistik 4.0

Autonome Roboter für eine pfiffige Lager-Automatisierung, KI-unterstützte Kameras zur Behältererkennung und -verfolgung ohne jeden menschlichen Eingriff und Digitale Zwillinge für das physische Lager oder die planende Lieferkette zeigen den Aufbruch in eine digitale Logistikwelt. Wir blicken auf 12 wichtige Handlungsfelder, die den Paradigmenwechsel zu einer Logistik 4.0 treiben.

Gastbeitrag: Wolfgang Keplinger.

  1. ICH, LOGISTIK-ROBOTER
    Smarter Produktivitätsbooster @ Null-Fehler

Früher hatte man entweder ein manuelles oder ein sehr starr automatisiertes Lager mit teuren, schweren Regalbediengeräten. Die intelligente Lager-Automatisierung  mit smarten und flexiblen Lager-Robotern ist einer der bedeutendsten aktuellen Trends in der Logistik. Zu den smarten Automatisierungsmöglichkeiten im Lager gehören:

  • Automatisierte Shuttle-Lager mit vielen kleinen Robotern/Shuttles anstelle der großen, schweren und wenig flexiblen Regalbediengeräte
  • Pick-Buddies, (z.B. von Locus, Geek+ oder 6River Systems) die die manuell gepickte Ware beim Kommissionierer abholen und zum Versand bringen
  • Shelf-Buddies, (z.B. von Amazon oder Swisslog) die ganze Regale zur Pick-Station bringen, wo dann manuell kommissioniert wird
  • Konzeptionell gänzlich neue, smart automatisierte Lagertypen wie
    • Autostore, das ohne Regal auskommt und durch das direkte Stapeln der Behälter eine enorme Lagerdichte erzielt
    • Servus, ein Shuttle-System, bei dem die Roboter auf Schienen bis in die Produktion fahren und die gepickten Behälter direkt an die Montagelinie übergeben
    • Exotec, ein Shuttle-System, bei dem die Shuttles selbständig die Vertikalbewegung (Klettern am Regal) übernehmen, ansonsten aber frei und autonom verfahrbar sind
  • Autonome Pick-Roboter (z.B. von Magazino oder identytec), die selbständig picken bzw. das Material/die Behälter in den Lagerplatz verräumen
  • Cobots, die Picken bzw. Behälter entstapeln, sortieren, entleeren und anstellen
  • Autonomous Mobile Robots (AMRs) die sich selbständig und autonom im Lager neben den dort arbeitenden Mitarbeitern bewegen und als Unterfahr-/Stapel-/KLT-FTF Material und Behälter transportieren und bewegen
  • Autonome Routenzüge (z.B. von Schiller, Linde oder Asti) für den Transport auf den Routen mit dem starken Transport-Volumen

Alle roboter-basierte Lösungen zeichnen sich durch eine deutlich erhöhte Produktivität und eine weitgehende Fehlerfreiheit aus. Dabei sind die Systeme intelligent, teilweise autonom, kollaborativ, flexibel und agil, skalierbar, elektrisch, energieeffizient und plug&play-fähig. Sie helfen, Mitarbeiter von schweren, unergonomischen Handlings-Aktivitäten zu entlasten und übernehmen vielfach diejenigen Arbeitsschritte, die langweilig, schwierig oder unter Lean-Gesichtspunkten nicht wirklich wertschöpfend sind (z.B. lange Transportwege).

  1. ENDLICH BEIDHÄNDIG
    Wearables befreien die Mitarbeiter

Der mittlerweile fast schon traditionelle Scanner in der Logistik hilft den Mitarbeitern, Material eindeutig zu identifizieren und Materialbewegungen (z.B. Einräumen in einen Lagerplatz / Picken von einem Lagerplatz) sicher zu dokumentieren. Aber der traditionelle Handscanner beschäftigt die Mitarbeiter mit Suchen, wo der Scanner ist, oder mit dem Greifen/Wegstecken des Scanners. Damit zieht der Scanner die Arbeitsfolgen sequentiell in die Länge, denn der Mitarbeiter ist entweder mit dem Scanner beschäftigt oder er geht/fährt durch das Lager.

Der große Nutzen, den die Logistik 4.0 für manuelle Arbeitsplätze erbracht hat, ist es, den Mitarbeitern die Hände wieder für die primär wertschöpfenden Logistik-Tätigkeiten freizuspielen: für das Handling des Materials bzw. für das Fahren von Staplern oder Routenzügen. Frei nach dem Motto: „automate it or wear it“, sollten alle Arbeiten in der Logistik, die nicht wirtschaftlich automatisiert werden können, und somit manuell bleiben, durch Wearables unterstützt werden. Diese Wearables (X-by-Technologien, Handschuhe, Ringe) sind die technologische Lösung, um die Informationsmitteilung bzw. -bestätigung unabhängig von den Händen zu machen, so dass diese für die Kernaktivitäten der manuellen Logistik verfügbar sind: Handling und Lenken. Und damit werden die Prozesse schlanker, denn die Informationsmitteilung bzw. die Bestätigung wird in die wertschöpfenden Kernarbeitsschritte integriert.

Die aktuell wichtigsten Wearables, die den Mitarbeitern ein frei-/beidhändiges und somit ergonomisches und produktives Arbeiten ermöglichen, sind Pick-by-Voice, Pick-by-Vision/Smart Glasses, Gabel-Stapler Gabel-Scanner, Scanner-/RFID-Handschuhe, Daten-Uhren und NFC- und Smart Motion Ringe, die die Steuerung von Zugangskontrollen, Qualitätskontrolle und Ausführungsbestätigungen unterstützen.

Die Wearables erhöhen die Produktivität der Mitarbeiter, die die Wearables tragen. Was aber mindestens so wichtig ist: sie verbessern die Ergonomie der Mitarbeiter und sie reduzieren Fehler.

  1. NO-TOUCH-LOGISTIK
    Jeder weitere Schritt wäre Verschwendung

Einer der größten Aufwands- aber auch Zeittreiber in der Logistik ist die Anzahl der notwendigen Handlingsschritte, d.h. wie oft ein Behälter/eine Palette/ein Karton angegriffen, aufgenommen, abgestellt, umgestellt, eingelagert, ausgelagert, auf- oder abgestapelt oder bereitgestellt wird.

Bezüglich einer handlingsarmen No-Touch Inbound-Logistik gibt es folgende Alternativen (beginnend mit der schlankesten Alternative):

  • Warehouse on Wheels (WoW): Die Materialien werden direkt im Trailer/in der Wechselbrücke in der Nähe des Verbau-Ortes der Materialien bereitgestellt und erst bei Bedarf dem Trailer/Wechselbrücke entnommen und sofort verbaut. WoW wird in der Regel für großvolumige Schnelldreher angewandt, die in einem JIT-/JIS-Modus geplant und bereitgestellt werden, denn es gibt bei diesem Bereitstellungsmodus keine logistische Wareneingangskontrolle.
  • Dezentraler Wareneingang / Ship-to-Line: Hier werden die Materialien de-zentral, d.h. Liniennahe angeliefert, werden ausgeladen und stehen dann in Form von kleinen Puffern mit einer geringen Reichweite (wenige Stunden) direkt am Verbau-Ort zur Verfügung. Auch diese Bereitstellung wird primär für schnelldrehende Materialien im JIT-/JIS-Modus angewandt, hat aber durch die sofortige Entladung vom LKW einen Handlingsschritt mehr als WoW. Dafür werden weniger Gates benötigt und die LKW können in der Regel mehr als ein Material anliefern.
  • Zentraler Wareneingang / Ship-to-Stock: Hier werden Materialien traditionell bei einem zentralen Wareneingang angeliefert, mit den üblichen Kontrollen bezüglich richtiger Materialnummer in der richtigen Anzahl, im richtigen Behälter und Label, unbeschädigt angeliefert. Dieser Prozess eignet sich für alle mittel- und langsamdrehenden Materialien. Ship-to-Stock erfordert aber zusätzliche Handlingsschritte durch die Einlagerung im Zentrallager (d.h. produktions-/montagelinienferne Lagerung) und die bedarfsgerechte Bereitstellung an der Linie oder im Supermarkt durch die Logistik.

  1. DATEN | DATEN | DATEN
    Die transformative Kraft datengestützter Erkenntnisse

Die aktuellen Ansatzpunkte der Big Data Analytics sind:

  • Zusammenhänge finden, die bisher nicht gefunden wurden. Dabei helfen moderne grafische Analysetools (Graph-Analytics, z.B. von Tableau, Y42, Visplore, …), die ein intuitives Arbeiten mit großen Datenmengen erlauben. Um zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Anlagen im Markt, Anlagenausfällen und benötigten Ersatzteilen herzustellen und damit die Verfügbarkeit der Ersatzteile in der richtigen Region rechtzeitig sicherzustellen.
  • Bedarfe und notwendige Kapazitäten richtig(er) vorherzusagen. So wie es Amazon macht und aus dem Absatz von Vergleichs-/Referenzprodukten, Testregionen oder dem Verhalten bestimmter Kundengruppen/-cluster auf zukünftige Bedarfe hochrechnet und dann die einzelnen Artikel in einer bedarfsgerechten Menge vorab in die einzelnen Customer Fulfillment Center legt. Noch lange bevor der tatsächliche Kundenbedarf entsteht oder gar die Kundenbestellungen vorliegen.
  • Echtzeit-Simulation und Optimierung von Lieferketten. Das in Spanien/USA ansässige Startup Factic bietet z.B. eine SaaS-Plattform, die prädiktive Analyselösungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bereitstellt. Dazu werden Data-Mining- und KI-Techniken genutzt, um Daten aus internen und externen Quellen zu analysieren und zukünftige Verkäufe vorherzusagen. Aus den prognostizierten Nachfrageabweichungen werden datengestützte Entscheidungen abgeleitet, um die Beschaffung zu automatisieren. Oder Flexport, ein Start-up aus San Francisco, analysiert cloud-basiert und in Echtzeit Materialvolumina von Importeuren, Exporteuren, Spediteuren, Fluglinien, Schifffahrtslinien, Häfen, Flughäfen und von Zollbehörden, die an einzelnen Häfen/Flughäfen/Logistik-Knotenpunkten erwartet werden. Damit wird gesteuert, über welche Knotenpunkte Sendungen geschickt werden sollen, um möglichst rasch ins Land und zu den Kunden zu gelangen.

 

  1. NACH IHREM BEDARF
    Marktplätze für alles

Der dahinter liegende Logistiktrend ist die „elastische Logistik“, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Lieferketten in Zeiten schwankender Nachfrage effizienter zu gestalten. Das gelingt durch eine bedarfs-entsprechende Vergrößerung oder Verkleinerung des logistischen Netzwerkes. D.h. die ehemals fixen eigenen Assets werden ersetzt durch Logistik-Leistungsangebote, die am Markt kurzfristig dazugekauft oder zurückgegeben werden.

Basis für eine elastische Logistik sind Marktplätze für Transporte, Läger oder die Letzte Meile. Die Transport-Marktplätze bringen den Bedarf an Transportkapazität und das Angebot der Spediteure kurzfristig zusammen. Diese Marktplätze gibt es schon länger, sie existieren für LKW-Ganzladungen, für LTL-Verkehre aber auch für Stückgut. Die neueren Lager-/Warehouse-Marktplätze machen das gleiche im Bereich von Lagerraum und bringen dort flexibel und kurzfristig Angebot und Nachfrage zusammen. Einige bekannte Lager-Marktplätze sind Flexe, Stowga, Stord, Hive, storingcargo oder log-hub. Und schließlich die letzte Meile-Marktplätze, die deshalb von großer Bedeutung sind, weil damit einer der größten Einzel-Kostenblöcke (meist mindestens ein Drittel der gesamten Zustellkosten). So arbeitet z.B. Walmart in den USA zur Zeit an einem Piloten mit einem Letzte-Meile-Marktplatz, um die Express-Lieferungen zeitgerecht zuzustellen. Amazon hat die Plattform Amazon Flex angekündigt, das auf „Auf-Abruf-Dienstleister“ zurückgreift, um die Ausweitung des Prime One Day Lieferprogramms zu beschleunigen.

 

  1. HELLSEHEREI
    Wissen, wo sich ihr Material befindet – jederzeit und überall

Durch die sensorbasierte Verbindung von Objekten/Gegenständen/Sendungen mit dem Internet (IoT) wissen wir praktisch in Echtzeit fast alles über den Zustand dieser verbundenen Sendungen: neben der Lokation kennt man entweder die Qualität der ankommenden Sendung im Detail, oder man kann rechtzeitig eingreifen, bevor ein qualitativer Schaden (z.B. durch Hitze) passiert. Dabei kann die neueste Generation von mikroskopisch kleinen Sensoren (z.B. von RVMagnetics) helfen, diesen logistischen Zustand genau zu erfassen und zu verfolgen. Die Anwendungen für mit dem Internet verbundenen Logistiksensoren sind mittlerweile mannigfaltig: sie helfen Logistik-Gebäude klimatechnisch besser, effektiver und „grüner/nachhaltiger“ zu steuern. IoT-Systeme für das Flottenmanagement (z.B. Fleetroot) optimieren den Einsatz von Fahrzeugen in Logistikflotten. Oder Echtzeit-Überwachungssysteme für Container (z.B. das vom IoT-Startup Globe Tracker) helfen, diese einfacher zu verfolgen oder zu finden.

Ein Beispiel dafür sind die Service-Angebote von Roambee, einem Unternehmen, das ein System zum Monitoring von Lieferketten anbietet, bestehend aus Sensoren, über IoT verbunden mit einer Plattform bzw. mit einem Control Tower zur Überwachung und Verfolgung von Lokation, Sicherheit und Zustand der Materialien in der Lieferkette. Und das flexibel auf Abruf, d.h. als Logistics-as-a-Service. Ohne Investments für den Anwender.

Durch diese immer feinere und echtzeit-basierte Verfolgung einzelner Sendungen wird sich das aktuell eher reaktive Tracking & Tracing zunehmend in ein proaktives Management der erwarteten Ankunftszeit verwandeln (ETA = expected time of arrival). Damit wird die rückwärtsgerichtete Frage, „wo ist jetzt gerade mein Material unterwegs“, immer mehr der Frage weichen „wann wird mein Material ankommen“ und „was muss ich ggfs. tun, um die Kundenerwartungen trotz Abweichungen vom geplanten Zulauf dennoch wie geplant erfüllen zu können“?

 

  1. SUPER-MODELS
    Eine virtuelle Darstellung von allem

Digitale Zwillinge sind eine einzigartige virtuelle Darstellung eines potenziellen oder physischen Objekts oder Prozesses. In der Logistik gibt es mittlerweile Digitale Zwillinge für Läger/Distributionszentren. Dabei handelt es sich um 3D-Modelle eines konkreten Lagers, um damit die Auslastung und Lagerplätze optimieren zu können, für den täglichen Betrieb die Volumen-/Materialströme simulieren und Engpässe vermeiden zu können oder die Schicht- und Arbeitszeiten so anzupassen, dass die bestmöglichen Leistungen und Kundenservices erreicht werden. dm hat 2020 den deutschen Logistikpreis für sein neues Distributionszentrum in der Wustermark erhalten. Auf Basis von digitalen Zwillingen für alle belieferten Filialen werden im Distributionszentrum die Waren für die jeweilige Filiale so gepackt, dass filialspezifisch der Regal-Einräumprozess möglichst aufwandsarm erfolgen kann. D.h. das Distributionszentrum berücksichtigt bei der Colli-Bildung welche Materialien in einer spezifischen Filiale nebeneinander im Regal liegen.

Logistik-Zwillinge gibt es aber auch für gesamte Lieferketten. Dann wird diese Lieferkette vom Lieferanten über die einzelnen Lieferstufen bzw. über die Logistikdienstleister hinweg in einem digitalen Zwilling abgebildet. Diese digitalen Zwillinge dienen dann dazu, die planenden und steuernden Prozesse der Logistik zu optimieren. Mit diesen Zwillingen werden z.B. im Control Tower die Lieferketten gesteuert. Es wird erkannt, wie sich Engpässe auf die Lieferkette auswirken, bzw. welche Verbesserungsmaßnahmen notwendig sind, um die Auswirkungen auf den Kunden-Lieferservice möglichst gering zu halten oder die Kosten für Express-Transporte nicht explodieren zu lassen.

  1. PROGRAMMIERTE WISSENSERWEITERUNG
    Wie von Zauberhand

KI (Künstliche Intelligenz) ist in Kernbereichen der Logistik inzwischen fest etabliert und führt zu einer deutlichen Effizienz-, Qualitäts- und Produktivitätsverbesserung. Zu den Kern-Anwendungsbereichen der KI in der Logistik gehören:

  • Prädiktive Nachfragevorhersagen – im Bereich der Logistikplanung, als Basis für zukünftige Kundenbedarfe, als Input für S&OP-Prozesse. Die sichere Erkennung und Vorhersage von Kundenbedarfen lange bevor sie sich tatsächlich realisieren ist die Basis für robuste Lieferketten mit einem hohen Kundenservicegrad. Das neuseeländische Start-up Insite bietet z.B. KI-basierte Softwarelösungen für Preisvorhersagen, Nachfrageprognosen und die Optimierung von Abläufen und Prozessen an, die vor allem in der Konsumgüterindustrie und im Einzelhandel eingesetzt werden.
  • Routenoptimierung – sowohl im Bereich der Letzten Meile der Zustellung als auch für AMRs im Lager oder auf dem Fabrikgelände. Das australische Startup Adiona entwickelt KI-basierte Optimierungssoftware-as-a-Service (OSaaS), mit der Unternehmen ihre Logistikprozesse verbessern und Kosten senken können, indem Lieferrouten statisch und dynamisch optimiert werden.
  • Prozessautomatisierung basierend auf der intelligenten Erkennung von handschriftlich ausgefüllten Formularen (KI-basierte OCR-Erkennung). Damit können in internationalen Lieferketten viele manuelle Papier-/Formular-Prozesse deutlich vereinfacht, standardisiert und beschleunigt werden.
  • Visuelle Bilderkennung – KI-unterstützte smarte Kameras erkennen Behälter, Label, Personen, Maschinen, Stapler und zeigen diese immer fehlerfreier und mit einer immer größeren Zuverlässigkeit an. Damit wird es den AMRs möglich, selbständig ihre Routen zu finden, auch wenn sich diese oder die Hindernisse in den Routen dynamisch verändern. Andere Anwendungen unterstützen beim raschen und sicheren Zählen von Materialien in Behältern, beim Erkennen von Label im Zuge drohnengestützter Inventur, bei der Erfassung von Behältern im Leergutlager oder bei bildschirmgeführten und kontrollierten Packvorgängen.

 

  1. FAHRER VERLOREN
    Wer steuert da im Hintergrund?

Die Experten unterscheiden in die Kategorien des assistierten Fahrens, des automatisierten und des autonomen Fahrens. Der aktuelle Entwicklungsstand in Deutschland liegt gerade beim Erreichen des Levels 3 –  des automatisierten Fahrens. Damit werden erste Fahrzeuge (z.B. Audi A8, Daimler S-Klasse) für das hochautomatisierte, selbständige Fahren auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h und in Stausituationen vollständig an den Fahr-Computer übergeben, der Fahrer hat dann keine Kontrollpflicht mehr. Im Bereich der Logistik gibt es drei Hauptanwendungsbereiche des autonomen Fahrens:

  • Fahrerlose LKW – TuSimple, ein amerikanisches Start-up, hat sich auf die technologische Ausstattung von LKW zum autonomen Fahren spezialisiert. Das Unternehmen ist zur Zeit führend mit seinen Level 4 Fähigkeiten für die USA, bei dem das Fahrzeug bestimmte Autobahnabschnitte völlig selbständig bewältigt und der Fahrer die Fahrzeugführung vollständig abgegeben kann.

In Europa bietet die schwedische Firma Einride einen fahrerlosen LKW an. Sein futuristisches Fahrzeugdesign ohne Fahrerkabine zieht die Blicke auf sich bei den ersten Fahrten auf öffentlichen Straßen zwischen zwei Logistik-Hubs vom Anwendungspartner DB Schenker.

  • Autonome Fahrzeuge für die Intralogistik – hier hat sich in den letzten Jahren die Entwicklung von AGVs (Automated Guided Vehicles – berührungslos geführte Fahrzeuge), die unabhängig von der Führungstechnologie auf mehr oder weniger fest definierten Routen unterwegs waren zu den AMRs (Autonomous Mobile Robots) vollzogen, die wirklich autonom unterwegs sind, frei die Route wählen und auch Hindernissen problemlos ausweichen können.
  • Zustell-Rovers für die letzte Meile – diese autonomen Roboter fahren auf öffentlichen Straßen und vor allem auch auf Gehwegen und übernehmen die Hauszustellung von e-commerce-Bestellungen oder vielfach auch die Zustellung von Essens-Bestellungen aus Restaurants.

 

  1. ALLES AUTOMATISIERT
    Prozessautomatisierung nicht nur physisch im Lager

Mit der neuen Blockchain-Technologie und der RPA (Robotic Process Automation) stehen nun Technologien bereit, die auch eine Automatisierung von bisher manuellen/Back-Office-Prozessen ermöglichen. Die Blockchain-basierten Smart Contracts erlauben die automatische Ausführung von Prozessschritten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Der Vorteil dieser Smart Contracts liegt auch darin, dass diese Bedingungen nicht unbedingt vor Ort gegeben sein müssen, sondern die Prozesse auch aus der Ferne getriggert werden können. Damit ist die Blockchain-Technologie dafür geeignet, den Informations-/bisherigen Papierstrom in Lieferketten zu automatisieren. Zahlungen können ausgelöst werden bzw. ein Eigentums- oder Verantwortlichkeitsübergang kann bestätigt werden, wenn bestimmte physische Zustände eingetreten sind (wie z.B. Ware im Hafen XY angekommen) oder wenn bestimmte Papiere wie Frachtbriefe an bestimmten Orten erfasst wurden. Auf diese Weise kann auch die Zollabwicklung vereinfacht und (teil-) automatisiert werden. Das Start-up Steamchain erlaubt z.B. blockchain-basierte Zahlungen, das Start-up Shipchain bietet eine Lösung für eine weltweite Sendungsverfolgung.

RPA (Robotic Process Automation) ermöglicht die kostengünstige Automatisierung von sich wiederholenden einfachen Aufgaben (z.B. Daten-Transfer zwischen verschiedenen EDV-Systemen), eliminiert dabei menschliche Fehler und reduziert die Gemeinkosten. RPA-Software führt zum Beispiel Vorgänge wie die Rechnungsverarbeitung, die automatische Speicherung von Informationen in Prüfprotokollen oder die automatische Eingabe einer Bestellung durch.

  1. NACHHALTIG GRÜN
    Unserem Planeten zuliebe

Die in der Vergangenheit eher kleinteiligen Verbesserungen in Richtung einer grünen Logistik, haben sich in den letzten Jahren in eine ernstzunehmende Anwendung von umweltfreundlichen Technologien und Praktiken gewandelt. Viele Unternehmen arbeiten nunmehr an der bekannten 4V-Strategie, um die Logistik nachhaltiger zu machen: Vermeiden, Verlagern, Vermindern, Vergüten. So hat z.B. Gartner bei den Supply Chain Top 25 als ein Learning von den Besten festgestellt, dass diese nachhaltig an der Reduktion des CO2-Fußabdrucks arbeiten, vielfach auch in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten oder Kunden. Die wichtigsten Nachhaltigkeits-Trends in der Logistik sind:

  • Verringerung des Transportaufkommens durch bessere Planung, bessere Bedarfsprognosen, Bündelung von Transporten gemeinsam mit Lieferanten und Kunden, um die teilweise 40% Leerfahrten von LKW zu reduzieren. Nach all den Aktivitäten in Richtung same day/2-h deliveries bietet Amazon nun in den USA den Kunden auch die Möglichkeit an, eine Zustellung nur innerhalb der nächsten 6 Tage auszuwählen, um Transporte bündeln und somit Fahrten reduzieren und die Zustellung somit nachhaltiger machen zu können.
  • 0-Emission-Fahrzeugflotten – Umstellung der Fahrzeugflotten auf voll-elektrische Fahrzeuge bei den Logistik-Dienstleistern. So hat z.B. DHL schon in den letzten Jahren insgesamt 20.000 vollelektrische Streetscooter in Betrieb gestellt und plant in den nächsten Jahren noch weitere 100.000 in die Flotte zu nehmen. Oder Amazon, das 100.000 vollelektrische Zustellfahrzeuge bei Rivian bestellt hat.
  • Geschlossene Logistikkreisläufe für Behälter bzw. wiederverwendbare Verpackungen –

ermöglicht durch neue Start-ups, die industriellen Kunden aber auch Endverbrauchern einen geschlossenen Verpackungskreislauf anbieten. Dazu zählen Unternehmen wie Loop, RePack, Returnability oder The Wally Shop. Oder Ikea, das gerade neue, umweltschonende und rezyklierbare Verpackungen aus nachwachsenden Pilzen (z.B. von Ecovative) testet.

  • Logistikgebäude ohne CO2-Emission. Neben der Nutzung der Dächer von Logistiklägern zur Strom- oder Wärmeproduktion mittels Solardächern, geht es nun mehr und mehr darum, durch intelligente IoT-basierte Sensoren die Energiesteuerung (Licht, Wärme, Kälte) weiter zu optimieren und zu verbessern.

 

  1. SEHEN UND GESEHEN WERDEN
    Zuverlässige Bilderkennung von allem

Die Firma identpro bietet zur Zeit eine sensorbasierte Lösung für die scannerfreie Behälter-/GLT-Verfolgung mittels Stapler an. Dabei werden die Stapler mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, zur kontinuierlichen Bestimmung der aktuellen x-/y-Koordinate des Staplers im Raum und einem Höhensensor auf der Gabel zur Bestimmung der z-Koordinate. Bei jeder Änderung der Gabel-Beladung werden die x-/y-/z-Koordinaten in eine Datenbank weggeschrieben (digitaler Zwilling). Damit kann mit einer einzigen, einmaligen Erfassung eines GLTs oder einer Palette (ein einziger Scan z.B. am Wareneingang) in Echtzeit jede aktuelle Lokalisierung einer jeden Palette/GLTs über den digitalen Zwilling ermittelt werden. Das ist eine funktionierende Lösung zur scannerfreien aber dennoch zuverlässigen Materialverfolgung von GLTs/Paletten mittels Stapler.

An einem der wahrscheinlich wirkungsvollsten technologischen Trends wird zur Zeit noch gearbeitet: die automatisierte, KI-kamera-basierte Behälterverfolgung ohne Label-Scannung. Beim Computer-Vision-Ansatz werden KI-basierte Kamerasysteme verwendet, die kontinuierlich sowohl von fixen Plätzen aus (z.B. montiert an der Decke einer Produktions- oder Lagerhalle) bzw. von mobilen Plätzen (auf AMR/Routenzügen/Staplern) jede Bewegung im Sichtfeld der jeweiligen Kamera verfolgen und intelligent identifizieren. Die Software stellt dann sicher, dass die Bewegung eines jeden Behälters lückenlos mitverfolgt wird (angeboten z.B. von logivations). Dabei wird auf KI-Unterstützung zugegriffen. Auch wenn diesbezügliche Lösungen sich noch vielfach in Pilot- und Testanwendungen befinden, zeichnet sich hier eine der spannendsten Entwicklungen für die nächsten Jahre ab, die die Intralogistik wirklich revolutionieren kann.

Die KI-basierte Label-Erkennung ist heute schon Standard bei den am Markt befindlichen Inventurdrohen und funktioniert dort schon fehlerfrei. Die Anwendung von KI-basierten Kamerasystemen am Wareneingang, um eine vollautomatisierte Logistikprüfung (richtige Ware, richtige Menge, übereinstimmend mit der Bestellung, richtiges Label, richtige Verpackung, und transportschadenfrei angeliefert) ist nur eine natürliche Weiterentwicklung dieser Kamera-Wundersysteme. Damit wird sich dann auch der Wareneingang der One-Touch-Logistik nähern, noch produktiver werden, und eine der Voraussetzungen für eine zukünftig dann automatisierte Entladung der LKW schaffen.

Nicht alle der 12 Handlungsfelder sind für alle Unternehmen gleich relevant. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen in Abhängigkeit von den Branchenanforderungen und der bereits realisierten Logistik 4.0-Roadmap. Was aber sicher ist: unter den 12 die Logistik grundsätzlich verändernden Handlungsfelder sind wahrscheinlich mindestens 8 mit echter Handlungsrelevanz für jedes einzelne Unternehmen. Identifizieren Sie Ihre Top-Veränderungsbereiche und starten Sie möglichst rasch mit der Umsetzung. Die Themen sind spannend, denn noch nie hat es so viele technologische Neuerungs-Chancen in der Logistik gegeben wie heute.

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Lockdown. Ist der Handel noch zu retten?

Nach 21 Monaten Pandemie hat die Österreichische Regierung noch immer keine bessere Lösung gefunden als einen harten Lockdown – und das direkt vor dem (über)lebenswichtigen Weihnachtsgeschäft. Wie soll es nun weitergehen, was muss man anders machen und wie sieht die Zukunft des Handels aus? Logistik express im Gespräch mit Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Redaktion: Angelika Gabor.

Als Geschäftsführer des Handelsverbands kommt Rainer Will derzeit kaum zur Ruhe, schließlich gilt es, stets auf dem neuesten Stand zu sein und zwischendurch auch noch Feuerwehr für die Mitglieder zu spielen. „So bunt der Handel ist, so komplex sind auch die Herausforderungen. Die Situation hat sich gegenüber dem Vorjahr wieder klar verschlechtert. Wir haben gelernt, den Virus besser einzuordnen und sehen wie er sich verändert – aber die Antwort der Politik bleibt gleich. Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie müssen wir endlich differenzierte Maßnahmen auf wissenschaftlicher Basis setzen, die tatsächlich Wirkung zeigen“, kritisiert er.

Weitere Ärgernisse seien die schwarz/weiß-Symbolpolitik und beispielsweise manche „übererfüllte“ Polizeikontrollen. Jedenfalls steht das Telefon kaum still, auf allen Kanälen wird sein Rat gesucht. Schon während der ersten drei harten Lockdowns musste der Handel Umsatzverluste von fast einer Milliarde Euro verkraften – pro Woche wohlgemerkt! Und das, obwohl unterschiedliche Studien zeigen, dass der Handel gar kein Corona-Hotspot ist: AGES-Clusteranalysen belegen, dass fast 70 Prozent aller Infektionen im Haushalt passieren, 15 Prozent in der Freizeit. Im Gegensatz dazu wurde im Einzelhandel bis dato kein Corona-Cluster nachgewiesen.

An welchen Ecken brennt es gerade am stärksten?
Soeben gab es weißen Rauch bei der vierten Runde der Handels-Kollektivvertragsverhandlungen: erst lagen die Forderungen der Gewerkschaft – ein Gehaltsplus von 3,5 Prozent, eine höhere Abgeltung für Mehr- und Nachtarbeit sowie längerer Urlaub weit vom Angebot der Arbeitgeberseite – eine Gehaltserhöhung von knapp über der durchschnittlichen Inflationsrate – entfernt. „Die Gewerkschaft wollte das Christkind vorziehen, aber uns ging es darum, Arbeitsplätze zu erhalten. Gerade jetzt, wo die doppelten Gehälter anstehen, fällt der Branche mit dem Lockdown der Umsatz weg. Ich rechne daher leider mit einigen Insolvenzen“, so Will.

Für ihn bedeutet die am 23.11. erzielte Einigung darum ein Ergebnis an der Schmerzgrenze: „Die starke Erhöhung des Mindestgehalts im Handel um 3,45 Prozent auf 1.800 Euro macht die Attraktivität der Branche deutlich. Diese Tariferhöhung ist auch ein Zeichen der Dankbarkeit an die Beschäftigten, die in den letzten zwei Jahren während der Corona-Pandemie Außergewöhnliches geleistet haben – wenngleich jeder Euro mehr bei den Personalkosten den Handelsbetrieben in der Kassa fehlen wird.“

Eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen Corona ist die Teststrategie. Das Problem: „Die limitierte Testkapazität, insbesondere im ländlichen Bereich, und die Öffnungszeiten der Apotheken stellen eine große Herausforderung für die Angestellten dar. Wir waren schon früh im Gespräch mit der Regierung zum Ausbau einer PCR-Test-Infrastruktur, aber das wurde abgelehnt.“

Als Branchensprecher hatte er auch vorgeschlagen, als Positivanreiz für die Erstimpfung einen 50 Euro Gutschein pro Person, einlösbar im stationären Handel, bei Dienstleistern oder Gastronomie im Inland, auszugeben – noch lange, bevor die burgenländische Impflotterie startete. „Diese Maßnahme hätte hochgerechnet maximal 395 Millionen gekostet und hätte uns womöglich einen weiteren Lockdown und damit Milliarden erspart – Stichwort Ausfallbonus. Doch auch dieser Vorschlag wurde leider abgelehnt“, bedauert Will.

Selbst durch den Lockdown nur für Ungeimpfte entstand im Non-Food-Bereich ein Schaden von 350 Millionen pro Woche, da hätte man den Gutschein schnell herinnen – und gleichzeitig die Kaufkraft gestärkt. Doch wohin fließt das Geld, wenn nicht in den stationären Non-Food-Handel? 20 Prozent werden eingespart, 20 Prozent landen beim Nahversorger und ganze 60 Prozent werden online ausgegeben. „Davon landen allerdings 120 Millionen im Ausland – das größte Amazon-Förderprogramm, das man sich vorstellen kann.“

Ein weiteres Anliegen ist ihm die rasche, aber vor allem vernünftige Entschädigung der Unternehmen für den Lockdown: „Es ist wichtig, Wachstum und Filialschließungen in die Berechnung des Verlustausgleichs einzubeziehen. Wer 2019 zwei Filialen hatte und jetzt nur noch eine, erhält die doppelte Förderung. Im umgekehrten Fall erhält man möglicherweise gar nichts. Dabei haben jene, die gewachsen sind, Arbeitsplätze geschaffen und dürfen dafür nicht bestraft werden.“

Globalisierung versus Regionalisierung: wer gewinnt?
„Eine Kombination aus beidem. Die Globalisierung hat nicht alles gehalten, was sie versprochen hat. Freihandelspakte wie Mercosur stellen eine Bedrohung dar, wenn beispielsweise Deutschland bereit ist, den nationalen Fleischmarkt zu zerstören, um mehr Autos zu exportieren. Auf der anderen Seite kann man nicht sagen, dass Regionalisierung bei allem besser ist. Ideal wäre saisonal und regional. Denn eine Bio-Gurke aus spanischem Freilandanbau kann im Winter durchaus eine bessere CO2-Bilanz aufweisen als eine herkömmliche Gurke aus einem regionalen, beheizten Glashaus.“

Der bundesweite Nachhaltigkeitskompass „Sustainable Commerce Report“, eine großangelegte Konsumentenstudie mit über 1.000 Befragten, wird jährlich vom Handelsverband und EY Österreich in Zusammenarbeit mit MindTake Research erstellt. Zusätzlich fließt eine Händlerbefragung unter den Mitgliedern des Handelsverbands mit in die Ergebnisse ein. Und diese zeigen, dass den Österreichern Nachhaltigkeit nicht nur wichtig ist, sondern dass sie auch bereit sind, dafür zu bezahlen: „Ganze 57 Prozent sind bereit, für regionale und Bio-Produkte tiefer in die Tasche zu greifen, jeder Zehnte würde sogar 25 Prozent oder mehr aufzahlen. Für fair gehandelte Produkte ist knapp die Hälfte (49 Prozent) bereit, mehr auszugeben.

Das ist eine riesige Chance für den Handel, hier mit Qualität aus der Region größere Margen zu erzielen“, so Will. Doch auch die anderen Erkenntnisse der im Oktober veröffentlichten Studie sind durchaus interessant. So sind beispielsweise die Top-Nachhaltigkeitsthemen der Konsumenten Müllvermeidung, Recycling, nachhaltige Verpackungen (62 %), Vermeidung von Produkt- oder Lebensmittelverschwendung (55 %) sowie Tierwohl (54 %).

„Angesichts dieser Zahlen wäre auch dringend eine Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie von Nöten. Wenn dann das Schnitzerl vom österreichischen Rind um ein paar Prozent mehr kostet als das aus dem Ausland, würde sicher die Mehrheit lieber das regionale Produkt kaufen“, ist Will überzeugt. Dass dann doch wieder weniger nachhaltige Produkte als möglich im Wagerl landen, liegt vor allem an vier Punkten: dem teils doch signifikant höheren Preis für Öko-Produkte (47 %,) dem Verzichtsunwillen (36 %, nicht jeder mag Sojaschnitzel), der Bequemlichkeit (23 %) und der mangelnden Aufklärung (21 %).

„Die Befragten würden aus Nachhaltigkeitsgründen durchaus lieber vereinzelte leere Supermarktregale in Kauf nehmen und die Raumtemperatur daheim um 1°C senken, als auf Fleisch, Reisen oder ihr eigenes Auto zu verzichten“, nennt Will eines der Studienergebnisse. Auch überraschend: besonders ältere Personen haben sowohl beim Lebensmittel-, als auch beim Kleidungskauf überdurchschnittlich hohe Erwartungen an Nachhaltigkeitsaspekte. Paradox: 18- bis 29-Jährige sind eher bereit aufzuzahlen, wollen aber auf nichts verzichten.
Stolze 70 Prozent der Studienteilnehmer würden ein Bonusprogramm für nachhaltigen Konsum begrüßen und auch nutzen, und drei Viertel der Bevölkerung finden eine Cashback-Option interessant – und das quer durch alle Altersklassen. „Für die Unternehmen ist es wichtig, ihre eigene Zielgruppe zu kennen und dementsprechend ihr Angebot zu gestalten“, fasst Will zusammen. Wenig verwunderlich daher, dass die parallele Händlerbefragung ergab, dass 84 Prozent der Händler es als Chance sehen, im Nachhaltigkeitsbereich aktiver zu werden.

Die Marke „made in Germany“ ist weltweit ein Kaufanreiz, wie steht es mit der Marke „made in Austria“?
„Es ist sehr wichtig, die Marke zu stärken. Und Österreich ist dafür prädestiniert! Wir sind weltberühmt für unsere Kunst, Kultur, Musik, aber auch als Sportnation, Kongressstandort und Urlaubsreiseziel. Diese Themen muss man mitvermarkten. Wir haben Qualitätsgütezeichen mit freiwilligen Selbstverpflichtungen, die weit über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen, und die Qualität spricht für sich. Sonst würde Österreich wohl kaum Lebensmittel in 180 Länder exportieren“ schwärmt Will, „weitere gute Gründe für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung.“ Zudem sei durch die Pandemie ein Weckruf erfolgt – nicht zuletzt durch die Unterbrechung der Lieferketten mit vielen Verzögerungen insbesondere aus Fernost.

Will: „Viele merken, dass es besser ist, lokal einzukaufen. Trotzdem ein Tipp: vorher anrufen, ob das Gewünschte wirklich lagernd ist.“ Viele Warengruppen werden überwiegend importiert – Bekleidung, Baumarktartikel, Spielzeuge, aber auch die Chipproduktion erfolgt hauptsächlich in Asien. Können diese Produkte überhaupt konkurrenzfähig hierzulande gefertigt werden?„Je höher der Automatisierungsgrad, desto eher ist die Rückkehr zu einer europäischen Produktion möglich. Der Faktor Arbeit mit viel zu hohen Lohnnebenkosten ist ausschlaggebend. Wir sind hier in den Top Drei hinter Frankreich und Schweden – kein ruhmreiches Stockerl! Internationale Unternehmen schrecken vor der Ansiedelung in Österreich zurück. Aber das liegt nicht ausschließlich an den Lohnkosten. In keinem anderen Land gibt es beispielsweise die Mietvertragsgebühr, die stolze 1 Prozent der Miete für 5 Jahre im Voraus geleistet werden muss. Bei prestigeträchtigen Geschäftsflächen ist das durchaus eine stolze Summe.

Die ökosoziale Steuerreform ist meiner Ansicht nach ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Kaufkraft, auch wenn die Effekte bereits wieder aufgefressen werden. Aktuell sieht die weltweite Einteilung so aus: die USA stehen für Software, Asien für die Hardware, und Europa zahlt dafür. Aber wir dürfen nicht immer nur Kunden sein! Wenn wir Europa nicht als reines Museum führen wollen, muss auch die Produktion wettbewerbsfähig gestaltbar sein“, fordert Will. Aber es gibt auch kleine Erfolgserlebnisse, wie beispielsweise die Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes per 1. 1. 2023: erstmals müssen Betreiber von elektronischen Marktplätzen (Plattformen) und auch ihre Fulfillment-Dienstleister in ihren Verträgen mit Handelsbetrieben und Herstellern sicherstellen, dass diese die gesetzlichen Vorgaben zu Sammlung und Verwertung von Verpackungen, Einwegkunststoffprodukten, Elektroaltgeräten sowie Gerätebatterien einhalten.

„Wir haben drei Jahre lang dafür gekämpft, diese Gesetzeslücke zu schließen und die Plattformhaftung umzusetzen. Vor allem die verstärkte Inpflichtnahme von Marktplätzen wie Amazon, Wish oder AliExpress lag uns dabei am Herzen, entstehen doch bislang rund 50 Millionen Euro Schaden pro Jahr durch Webshops – überwiegend aus dem asiatischen Raum – die an keinem Sammel- und Verwertungssystem teilnehmen und daher auch kein Entpflichtungsentgelt entrichten.“ Auch der Gedanke an den Wegfall der 22 Euro Freigrenze für die Einfuhrumsatzsteuer bei Warensendungen aus Drittstaaten seit 1. Juli 2021 hebt die Stimmung, denn diese wurde schon lange gefordert. „Allerdings werden nun in Belgien große Hubs asiatischer Hersteller errichtet, um diese Regelung zu umgehen. Was wir brauchen ist eine faire globale Mindestbesteuerung“, schlägt Will vor.

Welche Themen beschäftigen den Handel – aktuell außer Corona?
„Aktuell gibt es drei vorrangige Themenbereiche: erstens Sicherheit und Gesundheit, wie Cybercrime, Blackouts usw. Zweitens Neoökologie – Stichwort green commerce und zero waste. Drittens die Konnektivität – customer journey und centricity. Je nach Produktgruppe beginnen Kunden schon bis zu drei Monate im Voraus ihren Entscheidungsprozess. Wer hier ein digitales Schaufenster anbietet, hat gute Chancen, das Geschäft zu machen. Unser Omnichannel Readiness Index 2021zeige ganz deutlich, dass die Hälfte der Kunden sich Click& Collect wünschen – ebenso viele erwarten eine Gratiszustellung oder Same day delivery. Mit 81 Prozent der Befragten wünscht sich die große Mehrheit eine Filterfunktion nach Verfügbarkeit in der Filiale… Das Problem ist leider, dass zwar 80 Prozent der Händler ein entsprechendes Backend mit Warenstandsanzeige usw haben, allerdings kein entsprechendes Frontend, und die Information nicht an die Kunden weitergeben.“ Auch einen passenden Vergleich hat der Geschäftsführer parat: „Wir haben in etwa eine Aufmerksamkeitsspanne von 9 Sekunden, das entspricht einem Goldfisch. Wenn nun das Video auf der Homepage zu langsam lädt, dann ist der Goldfisch weg, und der Hai Amazon schlägt zu.“

Welche Trends sehen Sie – kurz-, mittel- und langfristig?
„Was schon länger erwartet wird, sich aber noch nicht so richtig durchsetzt, sind die Drohnenzustellung, der 3D-Druck und Augmented Reality. Aber auch Virtual Reality und Künstliche Intelligenz sind Trends, die uns früher oder später verstärkt erreichen werden. Spannend: das Internet der Dinge. Aber auch big data – Stichwort Storeanalyse mit Frequenzmessung, Robotics & Automation und Blockchain sind Trends, die unsere Zukunft mitbestimmen werden.“

Stichwort Amazon, was macht sie so erfolgreich?
„Amazon macht Vieles richtig. Sie haben frühzeitig erkannt, wie wichtig das Fulfillment ist. Während der Konzern im Jahr 2018 noch 27 Prozent des globalen Umsatzes in die Lieferung investierte, waren es 2020 bereits 33 Prozent, das entspricht 120 Milliarden! Das prognostizierte weltweite Paketvolumen soll bis 2026 220 bis 262 Milliarden Pakete erreichen, und wenn es so weitergeht, wird ein großer Teil davon von Amazon sein. Allein im letzten Jahr erzielte Amazon ein Umsatzplus von 38 Prozent. Aber auch andere Onlineplattformen zählen zu den Gewinnern. In diesem Jahr haben in China die e-Commerce-Ausgaben mit 52,1 Prozent erstmals den stationären Handel überflügelt.“

Eine letzte Frage: was wünschen Sie sich vom Christkind?
„Dass die Politik ihre Entscheidungen auf wissenschaftlich fundierter Basis trifft, und nicht aus Populismus.“

Danke für das Gespräch!

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Greater Bay Aera (GBA) Transformation durch Infrastruktur und Neue Technologien

Die GBA soll in ein globales Technologie-Innovationszentrum und Fertigungshub verwandelt werden, das selbst das kalifornische Silicon Valley heraufordern kann. Riesige Summen fließen in den Ausbau von traditioneller Infrastruktur und Neue Technologien.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die Greater Bay Area (GBA) – auch Guangdong-Hong Kong-Macao Bay Area genannt – ist mit 71,2 Millionen Einwohnern (fünf Prozent der chinesischen Bevölkerung) der größte und am stärksten bevölkerte urbane Raum Chinas. Vergleichbar ist sie mit der Greater Tokyo Bay (44 Millionen Einwohner), Greater New York Area (23,4 Millionen Einwohner) und wegen des Innovationspotenzials mit der San Francisco Bay Area.

Aufgrund der Ansiedelung von vielen Hightech-Betrieben z. B. im Großraum Shenzhen wird sie häufig auch als chinesisches Silicon Valley bezeichnet. Die GBA umfasst neun Megastädte in der Provinz Guangdong – Guangzhou, Shenzhen, Zhuhai, Foshan, Dongguan, Zhongshan, Jiangmen, Huizhou und Zhaoqing – sowie die zwei Sonderverwaltungsgebiete Hong Kong und Macau.

GBA hat mehr Potential als das Silicon Valley.
Es gilt als der große Traum des chinesischen Präsidenten Xi Jinping die GBA in ein globales Technologie-Innovationszentrum und Fertigungshub zu verwandeln, das selbst das kalifornische Silicon Valley heraufordern kann. Der Geschäftsführer des Hong Konger ICT-Dienstleisters DYXnet Tony Tsiang schätzt das Potenzial der GBA sogar größer ein, als das des kalifornischen Silicon Valleys.

„Die meisten Start-Ups im Silicon Valley sind auf die Entwicklung von Software und Applications fokussiert. Die GBA bietet weit mehr, nämlich traditionelle Fertigungsbasen wie z. B. in Dongguan, Software- und Hardware-Entwicklung sowie eine Vielfalt von Fachkräften aus den unterschiedlichsten Bereichen“, sagte Tsiang. Er fügte an: „In Bezug auf die Kosten ist die GBA zudem viel konkurrenzfähiger. Wenn wir die richtige Arbeitsteilung zwischen den Städten und Gebieten etablieren, werden wir stärker sein als das kalifornische Silicon Valley.“

Fünf strategische Entwicklungsleitlinien.
Im Februar 2019 gab China den lang erwarteten Entwurf für den Entwicklungsplan der GBA heraus, der den Beginn der Implementierung der Entwicklungsstrategie der Greater Bay Area kennzeichnet. Laut dem Plan wird die GBA fünf strategischen Entwicklungsleitlinien folgen: Aufbau eines dynamischen Städte-Clusters von Weltrang, Entwicklung zu einem einflussreichen internationalen Technologie- und Innovationszentrum, wichtige Stütze für die Belt and Road Initiative, Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen dem chinesischen Festland und Hong Kong und Macau in den Entwicklungszonen Qianhai, Nansha und Hengqin und weiterhin den Aufbau eines qualitativ hochwertigen Lebensumfeldes, das sowohl für die Bewohner als auch für Wirtschaft und Tourismus geeignet ist.

Ausbau der Infrastruktur besitzt Schlüsselstellung.
Eine der größten Herausforderungen ist dabei der Ausbau der Infrastruktur in der Region. Hier muss man den Bau von klassischer logistischer Infrastruktur und die Entwicklung von Informations- und Kommunikations-Infrastruktur im Sinne von Industrie 4.0 bzw. Logistik 4.0 unterscheiden. Beispielsweise ist bei der Entwicklung des Guangzhou-Shenzhen-Hong Kong-Macao Innovations- und Technologiekorridors neben der Erkundung von Maßnahmen zur Erleichterung des grenzüberschreitenden und regionalen Fluss von Fachkräften, Kapital, Information und Technologien auch der Aufbau eines Big Data-Zentrums für die GBA geplant. In Hong Kong werden fünf F&E-Zentren speziell für Logistics and Supply Chain MultiTech, Textilien und Bekleidung, Informations- und Kommunikationstechnologien, Autoteile und Zubehörsysteme sowie Nano- und Neue Werkstoffe zusätzlich zum HK-Wissenschaftspark und HK-Cyberport entwickelt.

Informations- und Kommunikationsinfrastruktur.
In Guangdong, Hong Kong und Macau wird die Bandbreitenkapazität des Breitband-Internets ausgeweitet und zudem eine übergreifende Planung der Einführung des künftigen Internets basierend auf dem Internetprotokoll Version 6 (IPv6) durchgeführt. Grund ist die Knappheit von IP-Adressen. Weiterhin wird im städtischen Ballungsraum des Perlflussdeltas freies Hochgeschwindigkeits-WLAN in Hotspots und an Haupttransportrouten in der GBA eingeführt. Es ist geplant, Ballungsräume in sog. Intelligente Stadt-Cluster durch den Aufbau von Informations-Infrastruktur wie raumzeitlichen Cloud-Plattformen, räumlichen Informations-Service-Plattformen, intelligenten Transport sowie intelligentem Energie und Smart Management zu verwandeln. Das Schutzniveau der Informations-Netzwerke soll durch moderne Cybersecurity-Einrichtungen verbessert werden.

Logistische Infrastruktur – Guangzhou wird internationaler Transporthub.
Das dynamische Städte-Cluster der GBA ist bereits mit dem modernen Transportnetzwerk bestehend aus Huangpu-Brücke, Guangzhou-Shenzhen-Hong Kong-Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecke, der legendären Hong Kong-Zhuhai-Macao-Brücke (HZMB), der Nansha-Brücke und der Guangzhou-Shenzhen Intercity-Eisenbahnstrecke verbunden.

Der Masterplan für die GBA macht Guangzhou zu einem internationalen Transporthub. Die Länge der Eisenbahnstrecken, die die chinesische Stadt verbinden, soll bis 2035 auf 2000 km verfünffacht werden. Die Regierung will U-Bahn-Strecken und Schnellstraßen in Nachbarstädte wie Dongguan in 20 km Entfernung bauen. Am Internationalen Flughafen Guangzhou Baiyun werden ein neues Terminal und zwei neue Start-und Landebahnen entwickelt. Der Bau eines zweiten internationalen Flughafens ist geplant.

In der gesamten GBA sind momentan gigantische Infrastrukturprojekte im Bau. Darunter befinden sich die Guangzhou-Zhanjiang-, Gangzhou-Shenzhen- und die Guangzhou-Shanwei-Shantou-Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecke. Zudem sind zwei Güterzugstrecken (Hafen Nansha, Guangzhou Nordost) unter Konstruktion. Weiterhin ist eine Vielzahl von Schnellstraßen geplant (Zhongshan-Kaiping, Guangzhou-Zhongshan-Jiangmen, Heyuan-Dongguan-Huizhou, Äußere Ringstraße Shenzhen u.v.m.).

Bis 2035 werden fünf Flughafen-Cluster etabliert, die „sicher, grün, smart, menschlich und synergetisch“ sein sollen. Dies sind der Internationale Flughafen Hong Kong,der Internationale Flughafen Guangzhou Baiyun, der Internationale Flughafen Shenzhen Bao’an, der Internationale Flughafen Macao und der Flughafen Zhuhai Jinwan. In der GBA befinden sich gemäß Lloyd‘s List in 2019 drei der Top10-Containerhäfen der Welt. Dies sind die Containerhäfen Shenzhen (25,8 Millionen TEU, Platz 4), Guangzhou (23,2 Millionen TEU, Platz 5) and Hong Kong (18,3 Millionen TEU, Platz 8). Zusammen schlugen sie 67,3 Millionen TEU um – mehr als in jeder anderen Bay Area weltweit. In der GBA werden momentan der Hafen Nansha und der Hafen Xinsha erweitert.

Enorme Menge an Kapital fließt in Neue Technologien.
Laut China Daily haben die Stadtregierungen von Shenzhen und Guangzhou 600 Milliarden Yuan (76,6 Milliarden Euro) für den Ausbau der Hightech-Infrastruktur bereitgestellt, um die digitale Transformation in der GBA zu beschleunigen. In der ersten Phase soll Kapital überwiegend in neue Technologien wie 5G, KI, Cloud Computing, Big Data-Zentren, Internet der Dinge (IdD), Robotik und Zapfsäulen für das intelligente Laden von Batterien fließen.

Viele große chinesische Internetfirmen wie Huawei, Tencent, Baidu und JD unterstützen die Transformation. Tencent wird beispielsweise rund 84 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren in neue Infrastruktur-Projekte pumpen. Die GBA soll damit zum Brutkasten für neue Technologien werden. Die chinesischen Technologie-Giganten werden eine bedeutende Rolle bei der Transformation lokaler Industrien durch intelligente Fertigungsverfahren unter Nutzung von Big Data-Analyse spielen. Durch Fachkräfte im Bereich KI und Unternehmen, die die Fähigkeit besitzen digitale Plattformen zu entwickeln, sollen nach und nach sog. „Smart Cities“ entstehen. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

China: Veränderte Technologietrends durch Covid

Die Pandemie fungiert im Land der Mitte u. a. auch als Beschleuniger für Technologien wie 5G, UHD-Streaming, KI und Robotik. E-Commerce und zugehörige Trends expandierten ebenfalls enorm.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur Lieferketten unterbrochen, den Reiseverkehr lahmgelegt und die Wirtschaft der Länder nachhaltig geschädigt, sondern sie fungiert auch als Katalysator für verschiedenste neue Technologien. Die Covid-Krise beschleunigt die Digitalisierung im Land der Mitte. Digitale Geschäftsmodelle und Technologien wie Online-Essenslieferung und Apps für Mitfahrgelegenheiten spielen eine große Rolle bei der Milderung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie.

E-Commerce und Technologietrends expandieren enorm.
Weltweit nahm durch die Angst vor Ansteckung und Lockdowns der Online-Handel enorm zu. Gewinner in China waren wie in Deutschland die Bereiche Lebensmittel-Onlinehandel sowie Güter des täglichen Bedarfs. In der Volksrepublik expandierte der Online-Anteil am Einzelhandelsumsatz in 2020 laut Statista auf 44 Prozent (Vorjahr 36,6 Prozent). Für 2021 werden 50,5 Prozent prognostiziert. Im Bereich des E-Commerce gewannen Trends wie Livestreaming und vermehrtes Influencer-Marketing an Fahrt. Ein Beispiel ist das chinesische Kosmetikunternehmen Lin Qingxuan (1), das nach weitreichenden Schließungen von Läden durch Covid kurzerhand alle Schönheitsberater aus diesen Läden zu Influencern ausbildete. Dadurch stiegen die Umsätze um 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einer Umfrage der S&P Global Market Intelligence (2) gaben 66 Prozent der Befragten an, dass sie mehr Produkte während der Pandemie online kaufen. Die bedeutendsten chinesischen Internet-Plattformen sind Alibabas Taobao und Tmall, JD.com Incs Jingdong Mall und Pinduoduo. Alibaba und JD nutzen insbesondere ihr Know-how in 5G-Technologie, Künstliche Intelligenz und Robotik, um innovative Lieferoptionen anbieten zu können. Zudem ist im Lande das digitale Bezahlen via mobiler Bezahlplattformen wie WeChat Pay und Alipay weit verbreitet, was die Verlagerung von Offline- zu Online-Einkäufen via Handhelds in der Pandemie sehr begünstigte.

Innovative E-Commerce-Trends prägen den Markt.
Viele neue E-Commerce-Trends (3) erobern im Land der Mitte den Markt und können durchaus eine Vorbildfunktion für andere Länder haben. Zu den Trends gehören der Wandel vom Key Opinion Leader (KOL)- zum Key Opinion Consumer (KOC)-Marketing, Livestreaming, Kurzvideos und Kurzvideo-Apps, Gruppenkäufe z. B. via Pinduoduo, Social Commerce, Nutzung von exklusiven Clubs oder z. B. WeChat-Gruppen, Omnichannel Marketing, kanalübergreifende Nutzung von Big Data und KI, Verwendung von mobilen Bezahlplattformen und Nutzung von Fintech-Angeboten, grenzüberschreitender E-Commerce, Fokus des E-Commerce und New Retail auf kleinere und mittlere Städte und nicht zuletzt die Einführung des digitalen Yuans. KOC oder zu Deutsch auch Hauptmeinungs-Konsumenten sind “normale” Kunden die Produkt-Rezensionen und Empfehlungen als Video- oder Blog-Post erstellen. KOC sind Influenzer, die den Vorteil der Authentizität genießen. Man könnte das Ganze auch als Beziehungsmarketing (Teil des Social Commerce) beschreiben. Kunden sind ständig auf der Suche nach authentischen und vertrauenswürdigen Empfehlungen und Ratschlägen.

Chinesen lieben virtuellen Stadtbummel.
Ein wichtiger E-Commerce-Trend ist die digitale Nachahmung des klassischen Stadtbummels, die am besten durch die Nutzung von Social Commerce und Livestreaming erreicht wird. Mehr als 300 Millionen Chinesen nutzen bisher Kurzvideo-Apps wie Douyin und Kuaishou. Käufer, die jünger als 35 Jahre sind und aus Haushalten mit mittleren bis hohen Einkommen in größeren Städten kommen, nutzen meist dieses Medium. Der E-Commerce Trend wird durch die Tendenz zu mehr packenden Video-Inhalten und FOMO (Fear Of Missing Out) angetrieben. Komplettiert wird das ganze durch die Möglichkeit der Ein-Klick-Bestellung. Eine weitere interessante Entwicklung ist der Trend zu Gruppen-Käufen z. B. auf Pinduoduo. Dabei hat jedes Produkt bei Pinduoduo zwei Preise – einen für den Einzelkauf und den zweiten für den Gruppenkauf z. B. mit einem Freund. Mit jeder weiteren Person reduziert sich der Preis weiter. Dadurch werden Kunden motiviert, ihre Käufe auf Social Media-Plattformen zu teilen und weitere Käufer zu finden. Generell zeigt der chinesische Käufer ein stark mobiles Konsumverhalten. Die meisten Chinesen kaufen mittels Smartphone bzw. Tablet. 80 Prozent des Kaufvolumens des Online-Einzelhandels wird auf mobilen Geräten generiert – weltweit liegt der Schnitt bei 64 Prozent.

5G ist Schlüsseltechnologie für viele neue Anwendungen.
Zu Beginn der Pandemie entwickelten Firmen wie China Mobile Ltd., China Unicom (Hong Kong) Ltd. und China Telecom Corp. Ltd. viele 5G-gebundene Technologien wie Desinfektions-Roboter und Wärmebildkameras mit Scannern. Der Erfolg dieser Technololgien führte zu einem großen Interesse an 5G und entsprechenden Technologien. 93 Prozent der durch S&P Global befragten Personen bekundeten ein Interesse auf 5G umzusteigen. Insgesamt zeigten 31 Prozent ein sehr großes Interesse. Besonders Internet der Dinge (IdD)-gebundene Systeme für die Haussicherheit zogen das größte Interesse auf sich. Trotzdem sind 76 Prozent der Befragten über die Sammlung von Daten und den Verlust ihrer Daten via IdD besorgt. Nur drei Prozent glaubten, dass ihnen IdD keinerlei Nutzen bringt. Während der Lockdowns wurde die Betrachtung von Live-Videos im Land der Mitte zum beliebten Zeitvertreib. Viele Sender strahlten Virtual Reality-Videos live in Ultra-HD-Qualität via 5G aus. Beispielsweise wurde die Kirschblüte in Parks live gestreamt, um ein virtuelles Naturerlebnis für zuhause zu kreieren und so die Lockdowns erträglicher zu machen. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

Zukunft Logistik. Logistiktrends 2030

In den nächsten zehn Jahren werden selbstfahrende Fahrzeuge, Next Generation Security, Supergrid Logistics, Quantencomputer, 3 D-Druck und Digitale Zwillinge die Logistikbranche gewaltig verändern.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die globale Logistik durchläuft gewaltige Transformationen. Die rasanten technologischen Entwicklungen im Bereich Algorithmen, Big Data Analysis, Künstliche Intelligenz, etc. führen zu vielen neuen Anwendungen und Trends. Laut dem 5. Logistics Trend Radar von DHL gehören zu den Megatrends in den nächsten fünf Jahren mit großen Auswirkungen auf die Logistikbranche u. a. die Nachhaltige Logistik, die Omnichannel Logistik, Künstliche Intelligenz, Blockchain, das Internet der Dinge und Big-Data Analysis. In den nächsten zehn Jahren werden selbstfahrende Fahrzeuge, Next Generation Security, Supergrid Logistics, Quantencomputer, 3D-Druck und Digitale Zwillinge einen großen Einfluss auf die Logistikbranche haben.

Supergrid Logistics führt zu modularen Diensten und größerer Effizienz.
Das logistische Supergrid basiert auf einer globalen Instanz oder (cloudbasierten) Plattform, die reibungslos und flexibel alle Parteien entlang von Versorgungsketten integrieren kann. Dadurch entsteht ein Angebot von modularen Diensten für alle Kundengruppen mit dem Ziel die Kosten und die Transitzeiten zu reduzieren sowie die Effizienz zu maximieren. Durch das Supergrid wird eine neue Generation an Logistikern entstehen, die sich hauptsächlich auf die Verküpfung von globalen Supply Chain-Netzwerken fokussieren, die viele Hersteller und Logistikanbieter integrieren.

Dadurch werden neue Geschäftsmöglichkeiten beispielsweise für 4PL-Logistiker, spezialisierte Logistikanbieter, kleine Expressdienstleister und Startups entstehen und der Kunde kann von einer Vielzahl von Services den besten auswählen. Durch diese Plattformen wird eine neue Transparenz im Markt entstehen und speziell kleinen Unternehmen Zugang zum globalen Markt verschaffen. Die Tatsache, dass Kunden weltweit Waren über das Internet direkt beim Hersteller unter Auslassung des Einzel- und Großhandels bestellen können, ist ein weiteres Argument für das Entstehen eines logistischen Supergrids durch das die Kunden die besten und passensten Dienste auswählen können.

Globale Marktteilnehmer werden überwiegend auf die grenzüberschreitende Integration von Diensten, Premium-Marktsegmente sowie die Zusammenstellung von regionalen Diensten und Logistikdienstleistern die normalerweise Wettbewerber sind, fokussieren. Alibaba‘s Smart Logistics Network (Cainiao Network, gegründet 2013) mit Sitz in Hang-zhou arbeitet taktisch bereits auf ein Supergrid Logistics-Netzwerk hin.

Quantencomputer optimieren Supply Chain.
Quantencomputer besitzen eine millionenfach höhere Rechenleistung als selbst Supercomputer. Es ist zu erwarten, dass sie die logistische Welt extrem verändern werden – und das nicht nur im Bereich der Algorithmen, sondern auch in der Verschlüsselungstechnik. Der erste kommerzielle Quantencomputer – der IBM Q System One – ist bereits 2019 auf den Markt gekommen. Der chinesische Quantencomputer Jiuzhang soll sogar zehn Milliarden Mal so schnell sein wie Googles 2019 vorgestellter Quantencomputer Sycamore. Trotz allem befinden sich die Quantencomputer noch in einem Anfangsstadium.

Die Optimierung von Lieferketten bzw. Prozessen entlang der Lieferkette in Echtzeit ist eines der Haupteinsatzgebiete der neuen Technologie. Dazu gehört z. B. die Berechnung von optimalen Lieferrouten in Echtzeit. VW nutzt Quantencomputer bereits, um intelligente Verkehrsnetzsysteme zu entwickeln. Weiterhin können sie genutzt werden, um kombinatorische Optimierungsprobleme (Behälterproblem) z. B. beim Verladen von Millionen von Paketen in Lkw und Flugzeuge zu lösen. Zudem sollen bessere Produkte durch Rapid Modeling and Testing entwickelt werden.

Quantencomputer stellen allerdings ein (erwartetes) großes Problem ab 2022 für die klassische Datenverschlüsselung dar. Durch ihre extreme Rechenleistung sind diese Verschlüsselungsmethoden leicht zu knacken. Neue  Verschlüsselungsmethoden wie gitterbasierte Kryptographie müssen also her. Auch in der Welt der blockchainbasierten Kryptowährungen stellt die Quantentechnologie ein großes Problem für Private Keys dar, die damit leicht zu knacken sind. Toshiba hat darauf bereits reagiert und will ab 2025 kryptographische Quantencomputerdienste anbieten.

Next Generation Security schützt Produkte und Daten.
Gerade Endgeräte wie Tablets, Smartphones und PC stellen ein hohes Sicherheitsrisiko für IT-Netzwerke und die Supply Chain dar. Hier existiert eine bunte Spielwiese für Cyberkriminelle, die Unternehmen schaden wollen. Bei der sog. Next-generation endpoint protection wird Künstliche Intelligenz, Maschine Lernen und die Analyse des Nutzerverhaltens zur Erkennung von immer ausgefeilteren Bedrohungen genutzt. Prävention ist die erste Verteidigungslinie, um Cyberattacken zu vereiteln. Dabei müssen nicht nur alle Endgeräte geschützt werden, sondern die Lösung muss auch flexibel und skalierbar in der Cloud (oder auf Wunsch auch im eigenen Rechenzentrum) sein. Das IT-System muss mit modernsten Gefährdungsindizien und Verhaltensindikatoren Daten, Dateien und die Kommunikation permanent überwachen. Die klassische Prävention muss mit analytischen Überwachungs- und Erkennungs-Tools kombiniert werden. Der Schutz besonders der Kunden- und Mitarbeiterdaten hat oberste Priorität

Auf der physischen Ebene werden z. B. für die Überwachung von Containern intelligente Schlösser (Smart Locks) und Siegel eingesetzt. Dabei können Daten mit RFID-Transpondern gesendet werden und mittels Blockchain verschlüsselt und via Smart Contracts verifiziert werden. Für die Bekämpfung der Fälschung von Produkten wird ebenfalls die Blockchain-Technologie eingesetzt. Dazu werden Daten des Produkt-Lebenszyklus auf der fälschungssicheren Blockchain gespeichert, die von Seiten der Kunden beispielsweise durch Scannen eines 3D-Barcodes ausgelesen werden können.

Optimierung von Produkten durch 3D-Printing und Rapid Prototyping.
Der 3D-Druck (Additive Fertigung) kann für die schnelle Herstellung von Prototypen genutzt werden. Material wird Schicht für Schicht aufgetragen und so ein dreidimensionaler Gegenstand (Werkstück) erzeugt. Dabei erfolgt der schichtweise Aufbau computergesteuert aus einem oder mehreren flüssigen oder festen Werkstoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen. Beim Aufbau finden physikalische oder chemische Härtungs- oder Schmelzprozesse statt. Typische Werkstoffe für das 3D-Drucken sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle. Die eigentlichen Daten für das 3D-Modell stammen aus einem Computer Aided Design (CAD)-System.

Durch Rapid Prototyping kann ein Unternehmen schon in der Planungsphase relativ einfach ein Probe-Modell bauen. Somit werden bereits frühzeitig Fehler oder Schwächen erkannt und behoben, bevor innerhalb des eigentlichen Produktionsprozesses durch nicht entdeckte Fehler hohe Kosten anfallen würden. Die 3D-Druck-Technologie wird sich nicht nur sehr wahrscheinlich zur Standardtechnologie für die Serienproduktion entwickeln, sondern auch das Ausdrucken von einzelnen Bauteilen bzw. Artikeln vor Ort in einem Geschäft, Lieferwagen oder sogar beim Kunden zuhause ermöglichen. Artikel und Teile müssten so nicht mehr geliefert werden, sondern ein digitaler CAD-Bauplan und ein 3D-Drucker würden zur Herstellung genügen.

Der neue Technologie-Trend wird Transport-Wege verkürzen, die Geschwindigkeit der Supply Chain erhöhen und auch die Lagerhaltungskosten in Zukunft enorm senken. Kunden könnten natürlich auch ihre eigenen CAD-Entwürfe auf eine Internet-Plattform beim Fertigungs-Unternehmen hochladen, Materialien und Farben auswählen, Preise aufrufen, den Druck bestellen und ausliefern lassen.

Selbstfahrende Fahrzeuge erhöhen Efizienz und vermeiden Fehler.
Fahrerlose Transportsysteme (FTS) revolutionieren die Intralogistik und gelten als guter Einstieg in Industrie 4.0. Mittels FTS lässt sich die Zahl von Leer- und Falschfahrten massiv reduzieren, weil die Fahrzeuge automatisch zum richtigen Lagerregal fahren. Dabei orientieren sie sich an verschiedenen Technologien, wie beispielsweise Indikationsstreifen, Präzisionslasern, Reflektoren oder einfachen Klebebandspuren. Während die meisten intralogistischen Lager heute noch auf Flurförderfahrzeuge wie Stapler setzen, deren Fahrer auf Sicht und Zuruf fahren, folgen FTS einem automatisch programmierten Weg. Dazu lässt sich beispielsweise eine Sichtspur nutzen, der ein FTS auf seinem Weg folgen kann. Engpässe, Zusammenstöße oder sonstige Behinderung im Arbeitsablauf lassen sich damit fast gänzlich eliminieren.

Das macht die Intralogistik eines Unternehmens schneller und effizienter. Die Herausforderung liegt dabei allein in der Schaffung einer offenen Infrastruktur. In der Transportlogistik können u. a. autonome Fahrzeuge und Drohnen bei der Paketzustellung eingesetzt werden.

Digitaler Zwilling für die Simulation.
Beispielsweise kann eine gesamte Fabrik mit ihren Maschinen, Komponenten, Gebäuden, Robotern, Fahrerlosen Transportsystemen, Prozessen und den zu erzeugenden Produkten parallel zur physischen Ausprägung auch digital erstellt werden. Dabei kann der digitale Zwilling auch schon vor dem realen Zwilling existieren, z. B. als Designmodell künftiger Produkte. Natürlich können auch logistische Objekte und Prozesse abgebildet werden. Ein digitaler Zwilling bietet viele Vorteile. Es lassen sich pysikalische Prototypen einsparen und das Verhalten, die Funktionalität und Qualität von einzelnen realen Komponenten als auch von ganzen Lieferketten kann simuliert werden. Zudem können sie dazu dienen, Daten aus dem Einsatz der realen Zwillinge zu analysieren und auszuwerten. Die digitalen Modelle führen zu neuen servicebasierten Geschäftsmodellen: Fernwartung, Fernmanagement und -überwachung von logistischen Einrichtungen, voraussagendes Modellieren und Simulation sowie logistische Servicemodelle für den Aftermarket. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

China nach Covid-19: Pandemie verändert Logistikprozesse

Die Coronavirus-Pandemie hat bereits den Einsatz von Smart Logistics-Technologien in China beschleunigt. Viele Logistiker setzen auf KI, Big Data, Cloud Computing, Blockchain und integrierte Logistikplattformen. Die Notfall-Logistik für Krisensituationen wird effizienter gestaltet.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Der Ausbruch von Covid-19 im November 2019 hat im Land der Mitte besonders in der Lockdown-Phase zu großen Beeinträchtigungen im Bereich der Produktion von Gütern, des Warenverkehrs und der Logistik geführt.

Auswirkungen der Pandemie im Frühjahr 2019.
Laut der Industrial Analytics Plattform der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO) schrumpfte die Industrieproduktion durch die Corona-Maßnahmen in China im Januar und Februar 2020 um -13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die chinesischen Exporte sanken im gleichen Zeitraum um -17,2 Prozent gegenüber 2019. Nicht einmal während des SARS-Ausbruchs in 2002/ 2003 und der Finanzkrise in 2008/ 2009 wurde ein so extremer Abfall verzeichnet.

Allerdings nahm die Industrieproduktion im April schon wieder um +3,9 Prozent zu und erreichte im Dezember 2020 +7,3 Prozent (Bild 1). Durch die Pandemie-Maßnahmen wurden Lieferketten zerrissen, weltweit Häfen, der Seeverkehr und der Personenflugverkehr nahezu lahmgelegt. Gemäß dem amerikanischen Journal of Commerce (JOC) wurde im März 2020 durch die Reisebeschränkungen fast die Hälfte des verfügbaren Luftfrachtvolumens auf den Trans-Pazifik-, China-Europa- und Europa-Nordamerika-Hauptstrecken eliminiert. Zudem stiegen die Luftfrachtpreise stark. Die Waren kamen zwar noch auf den Umschlagplätzen in Chinas Häfen an, wurden von dort aber aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht mehr weiterbefördert. Aufgrund geschlossener Provinzgrenzen konnten teilweise Güter von den Fabriken nicht zu den Häfen befördert werden. In den Fabriken fehlten 220 Millionen Wanderarbeiter, die nach dem chinesischen Neujahr nicht in die Fabriken zurückkehren konnten.

Fünf Hauptauswirkungen auf die Logistik.
In der Logistik konnten fünf Hauptauswirkungen der Pandemie beobachtet werden: ein scharfer Abfall der Logistiknachfrage, Knappheit an Transportkapazität, die Unterbrechung des Logistiknetzwerkes, Veränderungen im Service, Zuwachs bei den Betriebskosten und der Zahl der verlusteinfahrenden Unternehmen. Laut der China Federation of Logistics and Purchasing (CFLP,1) schrumpfte das Frachtvolumen in der Logistik durch den Lockdown im Januar/ Februar 2020 um19,8 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode auf 4,5 Milliarden Tonnen. Das Frachtvolumen auf der Straße nahm um -24,8 Prozent ab, wobei es auf Wasserwegen um -14,8 Prozent fiel. Gleichzeitig schrumpfte das Luftfrachtvolumen um -13,8 Prozent, während das Schienenfrachtvolumen um +1,4 Prozent zunahm.

Die zur Verfügung stehende Transportkapazität kontrahierte aufgrund des Lockdowns, Straßensperrungen und fehlenden Arbeitern in der Logistikindustrie extrem. Aus den gleichen Gründen brach das Logistiknetzwerk zusammen. Bei einer Umfrage der CFLP gaben 74 Prozent der befragten 100 Logistikmanager an, dass durch die Verkehrsbeschränkungen in der Lockdown-Phase keine pünktlichen Transportservices durchgeführt werden konnten. Zudem kamen Unterschiede in den lokalen Beschränkungen der Transportservices. Aufgrund des geänderten Konsumverhaltens und der Verlagerung hin zu E-Commerce-Plattformen mussten sich die angebotenen Logistikdienste ebenso anpassen. Ein Beispiel ist die kontaktlose Lieferung durch Lieferroboter oder das Abstellen der Waren an bestimmten Übergabepunkten. Durch die Knappheit an Fahrern, gestiegenen Betriebskosten (Desinfektion, ermöglichen der kontaktlosen Lieferung) und der erhöhten Transportkosten durch die Planungsunsicherheit bei den Transportwegen, stiegen die Logistikkosten signifikant. Eine große Zahl der chinesischen Logistik- und Transportunternehmen erlitt im ersten Quartal 2020 Verluste. 51,7 Prozent der befragten Unternehmen fuhren ein Minus ein. Durch die Pandemie, Lockdowns und andere Corona-Maßnahmen wurden einige Logistikunternehmen stark in Mitleidenschaft gezogen und mussten fusionieren oder Operationen mit anderen Unternehmen zusammenlegen.

Entwicklung der chinesischen Logistikindustrie nach Covid-19.
Der Einsatz von Smart Technologies und die gleichzeitige Unterstützung durch die angepasste Regierungspolitik half die großen Schwierigkeiten im Logistikbetrieb in der Lockdown-Phase zu überwinden. In der Post-Covid-Ära wird sich die Logistikindustrie im Land der Mitte hauptsächlich aufgrund von drei Aspekten weiterentwickeln. Die treibenden Kräfte sind ein Nachfrageüberhang, der Technologieschub durch Smart Logistics-Anwendungen und eine aktive Förderungspolitik der chinesischen Regierung. Auch wenn die Pandemie große Zerstörungen in der chinesischen Logistikindustrie angerichtet hat, bietet sie ebenso große Chancen für Innovationen und Transformationen. Die Erholung der internationalen und nationalen Nachfrage wird graduell zur Genesung des Logistiksektors im Lande führen. Zunächst spielt dabei die innerchinesische Nachfrage die größte Rolle. Der chinesische Inlandsmarkt und die Kaufkraft der Konsumenten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Da viele internationale Märkte von Grenzschließungen und Lockdowns betroffen sind, wird hier der Aufschwung noch auf sich warten lassen. Im Land der Mitte hat sich die sogenannte Smart Logistics zu einem treibenden Faktor bei der Transformation der Logistikindustrie entwickelt.

Smart Logistics ist ein Kernelement der Digitalisierung in der industriellen Wertschöpfung, wie sie durch das Konzept Industrie 4.0 beschrieben wird. Sie basiert auf agilen Kooperations-netzwerken sowie einer organisatorischen und informatorischen Vernetzung und ermöglicht intelligente und schlanke Lieferketten. Die intelligente Steuerung von Supply Chains ist eine wesentliche Voraussetzung für die Erschließung der Potenziale neuer digitaler Technologien (2). Drohnen, intelligente Paketstationen, Big Data, Cloud Computing, Blockchain und Künstliche Intelligenz (KI) sind bereits Schlüsseltechnologien, die in der Logistikindustrie in China eingesetzt werden.

Die Vorteile der intelligenten Logistik haben sich während der Covid-19-Pandemie bei der schnellen Anpassung von Versorgungsketten an das veränderte Konsumverhalten, knappe Kapazitäten, veränderte Transportmodi bzw. -wege und Preise gezeigt. Der Internethändler JD.Com setzt bereits 28 Smart Logistics Centres (Asia One, Bild 2), die zu 90 Prozent automatisiert betrieben werden, ein. Die automatisierten Logistikzentren sparen Arbeitskräfte und damit Löhne ein und sind dreimal effizienter als herkömmliche Lagerhäuser. Auch Alibaba bzw. Cainiao betreibt ein „unbemanntes“ roboterbetriebenes Lagerhaus mit der Bezeichnung „Wuxi warehouse“.

Das Smart Logistic Network von Cainiao Logistics basiert auf KI und dem Internet der Dinge (IdD). Es soll mithilfe von 100 Millionen intelligenten Endgeräten wie z. B. Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) Inlandslieferungen innerhalb von 24 h und internationale Expresszulieferungen innerhalb von 72 h ermöglichen. Im Juni letzten Jahres erklärte Cainiao (3), dass die Anzahl der gecharterten Frachtflüge nahezu verfünffacht (Ziel: Halbierung der Transferzeit) und die internationale Lagerhausfläche auf zwei Millionen m² innerhalb von drei Jahren verdoppelt werden soll, um diese Ziele zu erreichen.
Der genannte Ausbau und die Zusammenarbeit mit Zollabfertigungs-Einrichtungen sowie das Bevoraten von Produkten kleinerer Händler in Lagerhäusern soll Internationale Lieferungen in 100 ausländische Städte innerhalb von 72 h ermöglichen. Zudem sollen 30000 Postabholzentren in verschiedenen chinesischen Städten entstehen, die u. a. auch das kontaktlose Versenden von Paketen und Briefen ermöglichen sollen. Seit 2013 hat sich der Wert des chinesischen Smart Logistics-Marktes von 145,2 Milliarden (18,7 Milliarden Euro) auf 63,3 Milliarden Euro in 2019 erhöht. Während der Pandemie investieren viele Unternehmen und auch Logistiker in BIG Data, KI, 5G und andere Technologien, um die Betriebseffizienz im Krisenfall zu stärken.

Auch wenn sich der Logistics Performace Index der Weltbank für China von Platz 28 in 2014 auf Platz 26 in 2018 verbessert hat, muss die Regierung die Effizienz des Logistiksystem verstärkt durch eine bessere Regierungspolitik und mehr gesetzliche Regelungen fördern. Aus dem Arbeitsbericht der Regierung von Mai 2020 geht hervor, dass verstärkt in die Implementierung eines neuen Infrastruktur-Bauprojekts investiert werden soll und dass die Logistikindustrie im Land der Mitte in ein neues Zeitalter der rasanten Entwicklung eintritt. Bis 2022 ist geplant, ein neues modernes integriertes Logistiksystem basierend auf Smart Logistics-Technologien wie KI, 5G und industriellen IdD aufzubauen. Zudem hat die National Development and Reform Commission (Nationale Kommission für Entwicklung und Reform) in 2020 begonnen weitere Nationale Logistikhubs zu bauen. Während dem Covid-19-Ausbruch spielten sie eine bedeutende Rolle bei der Verteilung von Notfallgütern.

Zudem stellte sich heraus, dass die Integration von Unternehmen auf Logistikplattformen zur Bündelung von Ressourcen wie Transportkapazität, Versorgungsgüter, etc. beim Kampf gegen die Pandemie extrem hilfreich ist. Die Integrierten Logistikplattformen bieten die Zusammenführung von Nachfrage und Angebot und andere wertschöpfende Services und werden von allen größeren Logistikern aufgebaut werden. Die Pandemie wird daher auch das Notfall-Logistiksystem Chinas verändern, das durch integrierte Unternehmensplattformen und eine klarere Hierarchie effizienter werden soll. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021