LOGISTIK express Journal 5/2022

Wir steigern das Bruttosozialprodukt…
Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu und mit großen Schritten gehen wir dem Jahr 2023 entgegen, das sich nicht wohlwollender präsentieren wird. Denn die Inflation ist gekommen, um zu bleiben. Lesen Sie jetzt unsere 5. LOGISTIK express Ausgabe und holen Sie sich Ihre News & Zeitschriften App – MJR MEDIA WORLD für Ihren Informationsvorsprung.

LE 5/2022

03  Inhalt / Editorial / Impressum
04  Kann wirklich Interventionismus die Rettung sein?
08  Rohstoffnachfrage: Verfügbarkeit steht über allem
12  Krise beschleunigt Digitalisierung und Omnichannel-Integration
16  Omnichannel als Chance für den lokalen Handel
20 Die erste eCommerce-Landkarte für Österreich
24 TECH DAY 2022: Gipfeltreffen der heimischen Retail-Tech-Szene
28 eCommerce boomt, aber Österreich hat (fast) nichts davon
32 Wie viel Energie uns Kaufentscheidungen kosten und wie KI helfen kann
36 KNAPP ist Technologie-Partner für effiziente E-Commerce-Logistik
40 Pick-Buddies – die neue Welt der kollaborativen Lager-Roboter
44 Cyber Days – Effizientes Omnichannel Fulfillment auch in Peak-Zeiten
48 Von Anfang an richtig: Ganzheitliche Fabriksplanung
52 IDIH Logistikreise unterstützt durch die logistic-natives ein voller Erfolg
56 Auf die Terminals kommt es an
60 In allen Häfen war Österreich
64 Zentralverband Spedition & Logistik setzt auf Kontinuität
66 Großteil der Deutschen blickt düster in die Zukunft
68 Energie- und Rohstoffpreise für einige Unternehmen ein Betriebsrisiko
70 Taiwan-Konflikt: 6 Maßnahmen gegen Lieferengpässe bei Mikrochips
72 Vielfältige Krisen machen Österreichs Finanzvorständen zu schaffen
74 Kapitalmarktausblick 2023: Zwischen Resilienz und Rezession
78 Digitale Diktatur – Digitalisierung der Währungen
82 Vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Leistungen & Services

Wie der Computer zum intelligenten Wesen wird

Immer mehr Unternehmen setzten zur Verbesserung ihrer Wertschöpfung auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Doch nach welchen Prinzipien funktionieren eigentlich KI-Programme und für welche Zwecke lassen sie sich nutzen? Aufschluss darüber gibt ein historischer Überblick.

Den Grundstein für das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz legte der britische Mathematiker Alan Turing im Jahr 1936. Turing bewies, dass eine Rechenmaschine – eine sogenannte «Turingmaschine» – in der Lage ist, kognitive Prozesse auszuführen. Die Bedingung dafür ist, dass sich diese Prozesse in mehrere Einzelschritte zerlegen lassen und durch einen Algorithmus dargestellt werden können. 1950 entwickelte Turing ein Test-Verfahren, um zu prüfen, ob ein Computer selbständig denken kann. Hierfür führt eine Versuchsperson mit zwei unsichtbaren Gesprächspartnern ein Gespräch. Danach muss die Versuchsperson entscheiden, welcher der beiden Gesprächspartner der Computer war. Wenn mindestens 30 Prozent der Versuchspersonen den Computer nicht erkennen, gilt der Test als bestanden.

Aus Konferenz entsteht erstes KI-Programm.
Der Begriff «Künstliche Intelligenz» trat erstmals im Jahr 1956 am «Summer Research Project on Artificial Intelligence» in Erscheinung. Dies war eine ambitionierte, sechswöchige Konferenz, die am Dartmouth College in New Hampshire in den USA stattfand. Die Konferenz gilt als Geburtsstunde für das Fachgebiet «Künstliche Intelligenz» als wissenschaftliche Disziplin. Die Konferenzteilnehmer waren davon überzeugt, dass Denkprozesse auch ausserhalb eines menschlichen Gehirns möglich sind. Als Resultat der Konferenz entwickelten der Informatiker Allen Newell, der Programmierer Cliff Shaw und der Wirtschaftswissenschaftler Herbert Simon das Programm «The Logic Theorist». Die Aufgabe des Programms war es, mithilfe von Logik und Vernunft mathematische Theoreme zu beweisen. Es wird als «erstes Programm für künstliche Intelligenz» bezeichnet.

Im Jahr 1966 entwickelte der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum den weltweit ersten Chatbot Eliza. Dieser war so programmiert, dass der Eindruck entstand, er könne die Rolle eines Psychotherapeuten einnehmen. Das Programm reagierte allerdings lediglich auf Schlüsselworte und antwortete häufig mit Fragen oder allgemeinen Phrasen. Auch war der Dialog mit dem Chatbot nur über eine Computertastatur möglich. Weizenbaum war überrascht, mit welch einfachen Mitteln man Menschen die Illusion vermitteln kann, ein Gespräch mit einem Partner aus Fleisch und Blut zu führen. Viele Probanden hatten nämlich den Eindruck, der virtuelle Psychotherapeut hätte Verständnis für ihr Problem.

Wird menschliche Intelligenz überflüssig?
Die 70er-Jahre waren geprägt von einem wissenschaftlichen Streit über das Potenzial von Künstlicher Intelligenz für praktische Anwendungen. Bezugnehmend auf die Arbeiten von Alan Turing waren Allen Newell und Herbert Simon von der Carnegie Mellon University der Ansicht, dass es für den Vollzug von Denkprozessen kein menschliches Gehirn braucht. Denken sei nichts anderes als Informationsverarbeitung und Informationsverarbeitung ein Rechenvorgang, bei dem Symbole manipuliert werden. Eine klare Gegenposition zu dieser Meinung ergriff der Philosoph John Searle. Gemäss der Auffassung von Searle können Maschinen mittels Künstlicher Intelligenz die kognitiven Fähigkeiten von Menschen zwar simulieren und nachahmen, sie sind aber nicht wirklich intelligent, sondern scheinen lediglich intelligent zu sein.

Als Ergebnis der wissenschaftlichen Auseinandersetzung stehen sich bis heute mit der schwachen und starken Künstlichen Intelligenz zwei konträre Positionen gegenüber. Die Verfechter der starken Künstlichen Intelligenz plädieren dafür, dass KI-Maschinen in demselben Sinn intelligent sind und denken können wie Menschen. Die Vertreter der schwachen Künstlichen Intelligenz sind der Ansicht, dass menschliches Denken gebunden ist an den menschlichen Körper, insbesondere an das Gehirn.

Erstes Expertensystem für medizinische Zwecke.
An der Universität Stanford wurde 1972 der Grundstein für sogenannte Expertensysteme gelegt. Expertensysteme sind Computerprogramme, die Menschen bei komplexen Problemstellungen unterstützen. Entwickelt wurde das System MYCIN, das Künstliche Intelligenz erstmals für medizinische Zwecke einsetzen sollte. Das neue Expertensystem war in der Lage, die Diagnose und Therapie von Infektionskrankheiten zu unterstützen, indem es aufgrund von zahlreichen Parametern geeignete Antibiotika vorschlug. MYCIN wurde allerdings nie in der Praxis eingesetzt. Die Skepsis war zu gross und es mangelte an technischen Möglichkeiten, um das System für eine breite Anwendung verfügbar zu machen.

Bei der historischen Betrachtung der Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wird oft die Auffassung vertreten, dass sich die Forschung in diesem Gebiet wellenartig entwickelte. Eine Periode, in denen es innovative Neuerungen gibt, bezeichnet man als KI-Sommer und für Zeiträume, in welchen die Entwicklung stagniert, verwendet man den Begriff KI-Winter. So werden beispielsweise auch die 80er-Jahre als KI-Winter aufgefasst. Weil die hohen Erwartungen an die KI-Forschung nicht erfüllt wurden, stoppten viele Regierungen, allen voran die USA, ihre Forschungsgelder. Ausgehend von der Zeit des kalten Krieges hatte die USA enorme Geldsummen investiert zur Bereitstellung eines Übersetzungssystems, das Dokumente in Russischer Sprache automatisiert übersetzen sollte. Doch die KI-Forscher hatten die Komplexität der Aufgabe unterschätzt.

In den 80er-Jahren stellten KI-Forscher immer wieder fest, dass Aufgaben, die für Menschen sehr einfach sind, für Computer eine grosse Herausforderung darstellen und umgekehrt. So ist es für Menschen schwierig, komplexe mathematische Probleme zu lösen, während Computer Mühe damit haben, Bilder oder Sprache zu erkennen oder Bewegungen auszuführen. Dieses Prinzip wurde unter anderem von Hans Moravec beschrieben und wird auch als Moravecsches Paradox bezeichnet.

Sprachcomputer auf Basis von neuronalem Netzwerk.
Einen positiven Impuls für das Fachgebiet der Künstlichen Intelligenz gab es im Jahr 1986 mit dem Programm «NETtalk». Denn damit brachten Terrence J. Sejnowski und Charles Rosenberg den Computer zum Sprechen. Das Programm konnte Wörter lesen und korrekt aussprechen sowie das Gelernte auf ihm unbekannte Wörter anwenden. «NETtalk» gehörte damit zu den frühen sogenannten neuronalen Netzwerken. Das sind Programme, die mit grossen Datenmengen gefüttert werden und darauf aufbauend eigene Schlüsse ziehen können.

Bei der Betrachtung der historischen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz fällt der Fokus auch auf die beachtliche Leistung von Rechnern, die bei Brett-, Computer- oder anderen Spielen gegen Menschen spielen. Es zeigt sich immer wieder, dass moderne Computer sogar die besten menschlichen Spieler übertreffen können. Bereits 1997 konnte die Weltöffentlichkeit beobachten, wie das IBM-System «Deep Blue» den russischen Schachweltmeister Gary Kasparov besiegte. Und im Jahr 2011 gewann das Computerprogramm «Watson» (ebenfalls IBM) in der amerikanischen Quiz-Show Jeopardy gegen die besten Quizmeister. 2016 übertraf die Deepmind-Software AlphaGo von Google den südkoreanischen Spitzenspieler Lee Sedol bei einer Spielpartie auf dem chinesischen Bettspiel Go. AlphaGo schlug Sedol 4:1. Das Resultat erstaunt angesichts der Komplexität des Spiels. Hat der erste Spieler bei Schach 20 mögliche Züge zur Auswahl, sind es bei Go 361 Züge.

Schnellere Rechner fördern maschinelles Lernen.
Ungefähr ab dem Jahr 2010 begann eine Phase der Kommerzialisierung von KI-Anwendungen. Als besondere Innovationen für den Alltagsgebrauch der Menschen begannen sich die Sprachassistenten Siri und Alexa zu etablieren. Im Geschäftsbereich schritt die Automatisierung von Arbeitsprozessen voran und das Internet der Dinge konnte für immer mehr Anwendungsbereiche genutzt werden. Dank der immer besseren Rechnerleistung konnten die Computer immer besser für das maschinelle Lernen genutzt werden. Beim maschinellen Lernen generiert der Computer selbstständig Wissen aus Erfahrungen. Er kann damit auch eigenständig Lösungen für neue und unbekannte Probleme finden. Auch das Deep Learning erreichte einen neuen Boom. Deep Learning ist ein Teilgebiet des maschinellen Lernens, bei welchem neuronale Netze in mehreren Schichten genutzt werden. Es entsteht eine umfangreiche innere Struktur des Netzes. Deep Learning kann zum Beispiel dafür genutzt werden, Bilder zu erkennen, Texte zu verstehen oder präzise Entscheidungen zu treffen.

Grosse Datenmengen zur Effizienzsteigerung nutzen.
Ab dem Jahr 2020 ergaben sich im Bereich Künstliche Intelligenz viele weitere Trends. Die Unternehmen begannen sich zum Beispiel auf die Machine Learning Operations (MLOps) zu konzentrieren. In einem funktionsübergreifenden und kooperativen Prozess soll das maschinelle Lernen für möglichst viele Anwendungsgebiete in einem Unternehmen produktiv genutzt werden. Die Unternehmen sollen aus ihren Daten wertvolle Informationen gewinnen können, beispielsweise, wenn es um Workflows, Traffic-Muster und das Bestandsmanagement geht. Neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung im Supply Chain Management ergeben sich durch die immer bessere Verfügbarkeit von digitalen Daten über die Kosten und die Lieferbarkeit von Gütern und Ressourcen. Bereits heute stellen die B2B-Plattformen wlw (ehemals «Wer liefert was») und EUROPAGES grosse Mengen solcher Daten zur Verfügung. Das Unternehmen Visable als Träger der beiden Plattformen nutzt selber KI-Programme zur Pflege der Daten, beispielsweise zur Bereitstellung von Schlüsselwörtern für die Datensuche oder zur Eliminierung von Daten-Duplikaten.

 

Über Visable:
Visable unterstützt industriell tätige Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen für Einkäufer international zugänglich zu machen. Als speziell auf Geschäftskunden zugeschnittene Verbindung aus eigenen B2B-Plattformen und Online-Marketing-Services wie zum Beispiel Google Ads und Retargeting bietet das Unternehmen ein breit gefächertes digitales Portfolio zur Reichweiten-Steigerung im Internet.

Zu den von der Visable GmbH betriebenen Plattformen gehören wlw («Wer liefert was»), heute die führende B2B-Plattform in der D-A-CH-Region sowie die europäische B2B-Plattform EUROPAGES, auf der rund 3 Millionen Firmen registriert sind. Zusammen erreichen die Plattformen monatlich bis zu 3.6 Millionen B2B-Einkäufer, die nach detaillierten Unternehmens- und Produktinformationen suchen.

Mit seinen Online-Marketing-Services bietet Visable Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten, ihre Reichweite im Internet zu erhöhen.

Das Unternehmen Visable entstand als Antwort auf die Herausforderungen der Internationalisierung und Digitalisierung im B2B-Bereich. Visable ist in Hamburg, Berlin, Münster und Paris präsent und verfügt über eine Schweizer Zweigniederlassung in Baar. Insgesamt sind rund 480 Mitarbeitende beschäftigt. Als gemeinsames Dach für die Marken wlw und EUROPAGES baut Visable seine Plattformen und Online-Marketing-Services kontinuierlich aus.

Vom Verlagshaus zur Tech-Company.
Wie wird aus einem ursprünglich traditionell ausgerichteten Unternehmen eine erfolgreich wachsende Tech-Company? Dieser Frage geht Peter F. Schmid, CEO des Unternehmens Visable, in seinem neuen Buch «Mission Wandel» nach. 1932 als Herausgeber des Nachschlagewerks «Wer liefert was» gegründet, hat sich Visable in den vergangenen Jahren von einem Verlag zu einem agilen internationalen Internet-Unternehmen gemausert. Den weitreichenden Change-Prozess beschreibt Schmid in seinem neuen Buch «Mission Wandel: Von einem Old-School-Unternehmen zu einer Tech-Company – die Geschichte einer Transformation». Darin erzählt er von Erfolgen, Wachstumsschmerzen und den Herausforderungen des Online-Geschäfts. «Mission Wandel» ist erhältlich im Springer Gabler Verlag.

LOGISTIK express Journal 4/2022

AWS unterstützt Deutschland bei seinem digitalen Wandel

Die digitale Transformation ist ein zentraler Stellhebel, um das Wirtschaftswachstum und die Innovationskraft von Unternehmen und Ländern voranzutreiben, aber auch resilient gegenüber negativen externen Ereignissen zu werden und den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

Beitrag: Redaktion.

Um die Digitalisierung in Europa konsequent voranzutreiben und von ihren positiven Aspekten zu profitieren hat die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Vision der digitalen Dekade in 2021 Ziele vorgestellt, die sie bis zum Jahr 2030 erreichen möchte. Diese Ziele richten sich an vier Säulen aus: die Entwicklung digitaler Fähigkeiten, der Aufbau von digitaler Infrastruktur sowie die Digitalisierung von öffentlichem Sektor und Unternehmen.

Public First, ein unabhängiges Beratungsunternehmen, hat im Auftrag von Amazon Web Services (AWS) untersucht, welche Rolle
Cloud-Computing bei der Realisierung dieser Ziele spielt und wie weit Europa bereits bei der Umsetzung vorangeschritten ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in dem Report „Unlocking Europe’s Digital Potential“ zusammengefasst. Als Teil dieser
Studie betrachtete Public First auch den Digitalisierungs-Fortschritt in Deutschland. Erreichen der Ziele der digitalen Dekade hat das Potenzial, eine Bruttowertschöpfung von 800 Milliarden Euro in Deutschland zu erzielen.

Das Beratungsunternehmen schätzt, dass durch die Verwirklichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission im Zeitraum von 2021 bis 2030 in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von über 800 Milliarden Euro erzielt werden könnte. Das entspricht etwa einem Viertel (24 Prozent) der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2021.

Der Einsatz von Cloud-Computing spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Public First schätzt, dass 55 Prozent dieser Bruttowertschöpfung von dem Einsatz von Cloud-Computing abhängt. Cloud-Computing ist die bedarfsabhängige Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet. Statt Rechenzentren und Server selbst kaufen und betreiben zu müssen, können Organisationen Rechen- und Speicherkapazitäten, Datenbanken, als auch Dienste wie Analytics, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Internet der Dinge und viele mehr bedarfsorientiert über die Cloud beziehen und dabei höchste Ansprüche an Daten- und Ausfallsicherheit erfüllen. Dadurch ermöglicht die Cloud den Zugang zu neusten Technologien ohne hohe Vorabinvestitionen und tiefgreifende Programmierkenntnisse, sodass alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, Nutzen aus diesen ziehen können.

Um das volle Potenzial von 800 Milliarden Euro Wirtschaftswachstum auszuschöpfen, muss Deutschland seine Bemühungen für die Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission schneller vorantreiben. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von Kerntechnologien durch Unternehmen: Laut Untersuchungen der Europäischen Kommission setzen bislang nur 20 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Computing ein. Andere Quellen geben an, dass 37,5 Prozent der deutschen Organisationen diese Technologie nutzen. Künstliche Intelligenz wird nur von etwa 28 Prozent der deutschen Unternehmen eingesetzt und Big Data lediglich in 18 Prozent der Organisationen. Dabei kann der Einsatz digitaler Werkzeuge die Unternehmensproduktivität erheblich steigern – etwa um 10–25 Prozent.

Gemessen an dem derzeitigen Fortschritt wird Deutschland bis 2030 nur ein jährliches Wirtschaftswachstum von 248 Milliarden Euro erzielen. Dabei könnten durch eine schnellere Digitalisierung sogar bis zu 552 Milliarden Euro zusätzlich an Bruttowertschöpfung erwirtschaftet werden. Um die Ziele Europas in der digitalen Dekade schneller zu erreichen, müssen öffentliche und private Akteure der deutschen Wirtschaft zusammenarbeiten und die Entwicklung digitaler Fähigkeiten sowie die Einführung von digitalen Technologien unterstützen. AWS bietet in diesem Zusammenhang beispielsweise kostenlose Cloud-Computing-Trainings an, mit dem Ziel bis zum Jahr 2025 weltweit 29 Millionen Menschen zu trainieren. Bereits heute haben mehr als 100.000 Personen in Deutschland erfolgreich an Trainings von AWS teilgenommen.

Deutschland macht große Fortschritte in einigen Bereichen der digitalen Dekade.
Die Untersuchung von Public First zeigt auch, dass Deutschland in einigen Bereichen bereits große Fortschritte zur Erfüllung der Ziele der digitalen Dekade erreicht hat. Schon heute verfügen 56 Prozent der Haushalte in Deutschland über sogenannte „Very High Capacity Networks“. Dabei handelt es sich um feste Breitbandnetze mit Glasfaseranschluss bis mindestens zum Gebäude und drahtlose Netze mit Glasfaseranschluss zur Basisstation.

Die digitale Bereitstellung von grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen ist ein weiteres Beispiel. 100 Prozent wichtiger öffentlicher Dienste sollen für Bürger:innen und Unternehmen online zugänglich sein. Auch in diesem Zusammenhang stellt Cloud-Computing ein wichtiges Instrument dar. Öffentliche Organisationen können durch die Nutzung von Cloud-Computing auf eine sichere Infrastruktur zurückgreifen, um Verwaltungsleistungen zu digitalisieren. Public First schätzt, dass die Verlagerung von 10 Prozent der aktuellen IT-Systeme in die Cloud das Potential hat, den deutschen Steuerzahlern über 230 Millionen Euro pro Jahr einzusparen.

AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission.
AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission, um den Weg in eine digitale und nachhaltige Zukunft zu ebnen. Dafür verfolgen wir einen mehrstufigen Ansatz: Aufbau von Vertrauen. Deutschland ist eines der führenden Länder in Europa, wenn es um den Aufbau einer nachhaltigen und digitalen Zukunft geht. AWS unterstützt seine Kunden in Deutschland dabei, Gesetzen und Regulierungen der EU und von Deutschland zu entsprechen und höchste Anforderungen an Daten- und Ausfallsicherheit zu erfüllen. Investitionen in den Aufbau digitaler Fähigkeiten. Digitale Fähigkeiten sind zentral in unserer künftigen Arbeitswelt. AWS unterstützt die deutsche Wirtschaft dabei, den Mangel an digitalen Fähigkeiten durch Weiterbildungs- und Trainingsangebote zu adressieren.

Nachhaltigkeit stärken. Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. AWS ist auf einem guten Weg seinen Betrieb bis 2025, also fünf Jahre vor dem eigentlichen Ziel in 2030, auf 100% erneuerbarer Energien umzustellen. Zusammen mit unseren Kunden arbeiten wir an neuen Ideen, um mit neuen Technologien Emissionen zu reduzieren und unsere Umwelt zu schützen. Amazon ist der weltweit größte Einkäufer erneuerbarer Energien. Wir werden auch weiterhin daran arbeiten unsere Infrastruktur so anzupassen, dass wir unsere Nachhaltigkeitsziele erreichen können. Von dem nachhaltigeren Betrieb der AWS Cloud profitieren auch unsere Kunden: Workloads, die in der AWS Cloud betrieben werden, werden damit automatisch nachhaltiger. Weitere Informationen zu unseren Nachhaltigkeitsbemühungen können auf unserer Website abgerufen werden.

Befähigung von Unternehmen. Unternehmen in Deutschland müssen auf die besten Technologien weltweit zugreifen können, um sowohl innerhalb Deutschlands als auch global wettbewerbsfähig zu bleiben. Um ihre Digitalisierungsziele zu erreichen, müssen AWS Kunden in Deutschland die freie Wahl haben, welche Technologien sie nutzen wollen.

AWS respektiert europäische als auch deutsche Werte und unterstützt die sich stetig weiter entwickelnden regulatorischen Anforderungen, um seine Kunden dabei zu unterstützen, diesen zu entsprechen. Innovationskraft stärken. Die Innovationsfähigkeit ist zentral für die digitale Wirtschaft. AWS wird weiterhin daran arbeiten, die Kosten für die Entwicklung von Innovationen zu senken als auch schnelles Experimentieren, Veröffentlichen und Skalieren zu ermöglichen. (RED)

LOGISTIK express Journal 4/2022

Krisen sind wichtig! Krisen sind Chancen!

Die größte Chance aller Zeiten – Was wir jetzt aus der Krise lernen müssen und wie Sie vom größten Vermögenstransfer der Menschheit profitieren.

Beitrag: Marc Friedrich.

Das Jahr 2020 wird als Beginn einer nachhaltigen Zeitenwende in die Geschichtsbücher eingehen. Durch die Corona-Pandemie wurde uns allen weltweit schmerzhaft bewusst, wie fragil unser hochkomplexes und fortschrittliches Wirtschafts- und Finanzsystem de facto ist. Innerhalb weniger Tage sind die Just-in-time-Produktions- und Lieferketten eingebrochen oder gar komplett zum Stillstand gekommen – und der Auslöser war ein unsichtbares Virus.

Diese Krise hat uns auf harte und bittere Art und Weise deutlich gemacht, dass unser System nicht resilient ist, es hat aufgezeigt welche Schwächen es hat, wie groß die Klumpenrisiken sind und in welchen gefährlichen Abhängigkeiten wir uns in dieser globalisierten Welt doch befinden. Vielen Menschen wurde klar, dass nichts auf alle Ewigkeit in Stein gemeißelt ist. Gigantische Konjunkturpakete der Staaten und billionenschwere Stützungsprogramme der Notenbanken, maßlos überforderte und kopflos-aktivistische Politiker, aber auch leere Regale, stillgelegte Fließbänder, stark ansteigende Kurzarbeiter- und Arbeitslosenzahlen verdeutlichen das historische Ausmaß.

Wenn es auch viele nicht wahrhaben wollen: Wir sind inmitten eines historischen Paradigmenwechsels. So bitter es für viele auch sein mag, aber wir werden nicht mehr in der alten, gewohnten Welt aufwachen und zu unserem alten Leben zurückkehren. Alles wird sich für immer verändern:
• wie wir arbeiten
• wie wir uns in Zukunft fortbewegen
• wie und was wir einkaufen
• wie wir wirtschaften, reisen, denken, leben, bezahlen, investieren
• wie und was wir produzieren

Solche Punkte in der Geschichte bilden das Fundament und sind die Chance für nachhaltige Veränderungen, die die Menschheit aus Bequemlichkeit und Angst niemals freiwillig initiieren würde. Wer in die Vergangenheit schaut, sieht, dass wahre und tiefgreifende Veränderungen immer durch äußere Umstände erzwungen werden. Durch Krisen wird offensichtlich, was ausgedient hat, Altes wird aussortiert und Neues entsteht. Sowohl im Kleinen wie auch im Großen. Nicht nur unser persönliches Leben ist davon betroffen, sondern ganze Branchen, Gesellschaften, politische Systeme und Länder. Erst durch den Klimawandel sind wir gezwungen worden, nach Alternativen bei der Energieerzeugung zu suchen. Dasselbe gilt für Impfstoffe, Medikamente und technische Entwicklungen. Erst wenn der Mensch machtlos ist und keinen anderen Weg mehr sieht, ist er bereit zu wahrhaftigen Reformen und (R)Evolutionen. Krisen beinhalten extreme Risiken, aber auch phänomenale Chancen.

Die Evolution der Menschheit ist geprägt durch Krisen.
Krisen sind essenziell für das Voranschreiten der Menschheit. Der Mensch lernt durch Scheitern – trial and error. Krisen dienen als Sprungbrett für die menschliche Entwicklung. Erst durch eine Katharsis ist die Menschheit bereit, Veränderungen in die Wege zu leiten. Jedem muss klar sein, dass tiefgreifende Transformationen immer mit Verlusten und Wachstumsschmerzen einhergehen. Auch wenn es paradox klingt: Krisen sind wichtig und sie sind große Chancen für die Menschheit. Wir sollten Krisen willkommen heißen und umarmen.
Nach jeder Krise hat die Menschheit sich weiterentwickelt und an Wissen und Wohlstand hinzugewonnen. So wird es auch dieses Mal sein. Der Ökonomen Joseph Schumpeter nennt es die kreative Zerstörung. Eine solche Zerstörung ist notwendig, damit Neues entstehen kann. Je größer eine Krise, desto größer die Chancen, die sie mit sich bringt. Aktuell stehen wir vor dem größten Transformationsprozess unserer Lebzeit. Verschiedene Zyklen enden nun und ein neuer, großer Zyklus beginnt.

Dies hat sich schon in den letzten Jahren bemerkbar gemacht: Wir waren schon vor Corona im Dauerkrisenmodus. Eine Krise wurde durch eine neue und noch größere Krise abgelöst: Finanzkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise, Demografie-Krise, Autokrise, Wirtschaftsabschwung und Schuldenkrise. Und jetzt kommt gewissermaßen als Brandbeschleuniger noch die Corona-Krise hinzu. Nun sehen wir binnen kurzer Zeit rapide Entwicklungen in vielen Bereichen, und das rund um den Globus. Vor allem Deutschland wird extreme Veränderungen erleben und sollte dies als Erneuerungsprozess begreifen.

Neue Zeitrechnung.
Zu sicher fühlen wir uns in unserem perfekt organisierten Alltag mit ständig geöffneten Supermärkten, permanenter Ablenkung, Berieselung und Beschallung durch iPhone, TikTok, Netflix und Freiheiten, die für uns selbstverständlich sind. Durch die Lockdowns wurde diese sicher geglaubte Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Seitdem sind wir in einer Ausnahmesituation und so gespalten wie schon lange nicht mehr.

Die einen haben Angst vor Corona und fürchten um ihre Gesundheit. Die anderen haben Angst vor Arbeitslosigkeit und Insolvenz und fürchten um ihre pure wirtschaftliche Existenz. Wieder andere haben Angst um die Freiheitsrechte und die Demokratie. All diese Ängste sind legitim und verständlich. Sie müssen respektiert und ernst genommen und dürfen nicht ins Lächerliche gezogen werden. Um die Gesellschaft gesunden zu lassen, müssen wir aufeinander zugehen, einander zuhören und andere Meinungen ertragen und respektieren. Leider beobachte ich momentan oftmals genau das Gegenteil: Dass wir uns auseinanderdividieren und Angst voreinander haben – man könnte ja ansteckend sein.

Es ist wichtig, die Fakten objektiv zu betrachten und konstruktive Lösungen aufzuzeigen. Die Politik muss beginnen, uns gegenüber mit der vollen Wahrheit herauszurücken und keine Salamitaktik zu betreiben. Wir wissen bis dato nicht, wie groß der volkswirtschaftliche, aber auch der gesellschaftliche, politische und seelische Schaden ist. Vor allem bei den Jüngsten unserer Gesellschaft dürften die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung erhebliche Konsequenzen mit sich gebracht haben.

2020 war ein großer Wendepunkt. Die Welt, in der wir in Zukunft leben werden, wird nicht die gleiche sein. Es wird eine komplett neue Zeitrechnung beginnen – unabhängig davon, wie lange uns die Corona-Pandemie noch in Atem hält.

Die Karten werden neu gemischt.
Deutschlands Wirtschaft ist geprägt vom Maschinenbau, von der Automobilindustrie und von anderen Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Allgemein bekannt ist, dass unsere Schlüsselindustrien den einen oder anderen Trend schlichtweg verpennt oder gar ignoriert haben. Erst jetzt durch die Häufung der Krisen wird unsere Wirtschaft gezwungen sein, sich neu zu erfinden oder zu scheitern. Volkswagen hat bereits einen neuen Weg eingeschlagen und setzt voll auf Elektromobilität. Andere versuchen sich am Wasserstoff und Car-Sharing.

Welche Strategie die richtige sein und wer überleben wird, wird sich zeigen. Fakt ist: Nichts zu tun, ist keine Lösung! Stillstand ist Tod! Bewegung ist Leben! Nur Unternehmen und Branchen werden überleben, die den Wandel umarmen und aktiv gestalten. Das gilt für uns alle! Das große Aussieben hat begonnen. Falls wir jetzt nicht den Mut haben, neue Wege zu beschreiten und uns neu erfinden, müssen wir unserem Wohlstand Adieu sagen.

Was tun? Wie kann man als Unternehmen, als Mensch und als Gesellschaft gestärkt aus Krisen hervorgehen und sich darauf vorbereiten? Hier hilft ein seit jeher bestehender Grundsatz: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Diversifikation, Innovation und dezentrale Systeme sind sinnvoll, um die Abhängigkeiten zu reduzieren.

Parallel sollte man sich nicht zu sehr auf die Politik verlassen, sondern selbst aktiv werden. Wahrer Wandel kommt immer von unten, von uns Menschen. Was in der Politik oftmals fehlt, haben wir nun immer mehr in Form von bahnbrechender Technologie: Erstmalig haben wir große Helfer in Form von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz an unserer Seite. Dies alles birgt eine enorme Chance, um die Krisen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen. Noch nie hatte die Menschheit diese Möglichkeit.

Uns allen muss klar sein: Wenn wir an dem Alten festhalten, so wie es viele Politiker und Entscheidungsträger momentan verzweifelt versuchen und propagieren, wird der Kollateralschaden für uns alle immer größer – wirtschaftlich, monetär, gesellschaftlich und politisch. Dass sich Entwicklungen in Zyklen vollziehen, ist ein Naturgesetz, und diese Zyklen sind nicht zu stoppen. Entweder wir sind bereit, den Fortschritt und die laufende Veränderung anzuerkennen, oder wir werden von ihnen überrollt.

Wir können Krisen nicht vermeiden, wir können sie aber nutzen und daraus lernen. Die Entwicklung der Menschheit ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Aber sie ging immer einher mit Krisen. Krisen sind seit jeher stets Teil der Menschheitsgeschichte gewesen. Je größer eine Krise, desto größer der Sprung nach vorne, den sie ermöglicht. Die kommende Krise hat das Potenzial, einen kompletten Neustart zu initiieren und uns auf eine neue Bewusstseinsstufe zu katapultieren. Denn dieses Mal handelt es sich nicht nur um eine lokale Krise oder die einer Branche oder eines Landes. Dieses Mal ist es eine globale Krise und wir als Menschheit sind gemeinsam zu ihrer Bewältigung gefordert. Das ist anstrengend und neu, aber essenziell für unsere Entwicklung. Wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, als Menschheit an einem Strang ziehen, Grabenkämpfe beenden, geistige Grenzen abbauen, die Technologie für uns alle einsetzen und nicht dazu, den Profit einzelner Länder, Unternehmen oder sonstiger Akteure zu maximieren, wenn wir jetzt den Mut haben, die richtigen und unbequemen Entscheidungen zu treffen, neue, unbekannte Pfade zu beschreiten und alte Zöpfe abzuschneiden, dann wird für uns alle ein goldenes Zeitalter beginnen. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Ökologisierung und CO² Neutralität in der Paketzustellung

Über vier Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen (KEP) wurden im Jahr 2020 in Deutschland verschickt, rund elf Prozent mehr als im Jahr davor.

Gastbeitrag: Florian Seikel.

Über vier Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen (KEP) wurden im Jahr 2020 in Deutschland verschickt, rund elf Prozent mehr als im Jahr davor: Eine große Herausforderung für die Logistikbranche, denn auch das Bewusstsein der Kund*innen für die Gefahren des Klimawandels ist gewachsen. Sie fordern Nachhaltigkeit beim Transport ihrer Sendungen. Die Methodiken zur Berechnung und Ausweisung von Treibhausgas-Emissionen und Luftschadstoffen bei der Paketbeförderung sind dabei eine wichtige Grundlage zur Umsetzung und zum Nachweis des Einhaltens der Klimaschutzziele.

Wie lassen sich die Digitalisierung im modernen Handel, das Wachstum des Onlinehandels und die damit verbundenen steigenden Paketmengen in Einklang mit den ehrgeizigen internationalen Klimaschutzzielen bringen? Und welchen Beitrag können Standardisierungsprojekte dazu leisten?

Digitalisierung des Einzelhandels ermöglicht Ökologisierung.
Der digital gestützte Einzelhandel (Ecommerce) mit seinen Konsument*innen und dessen Zustellung in Form von Paketsendungen ermöglicht die Ökologisierung. Daten zu jedem Paket, zu dessen Inhalt sowie Verpackung werden digital gesammelt und verknüpft mit Informationen zu Annahme, Transport, Fracht, Lager, Depots sowie Abgabe der Paketsendungen. Zudem haben internationale Organisationen, wie der Weltpostverein, sektorspezifisches Mess- und Berichtswesen des ökologischen Fußabdrucks entwickelt. OSCAR (Online Solution for Carbon Analysis and Reporting) ist eine interaktive Online-Plattform. Postunternehmen in den Mitgliedsländern des Weltpostvereins, darunter auch Deutschland, können damit ihre Treibhausgasemissionen analysieren und melden, sowie Möglichkeiten zur Verringerung der Treibhausgasemissionen identifizieren. So findet eine Ende-zu-Ende Messung auf Einzelsendungsebene statt: lokal, regional und weltweit

Zuordnung von CO2– & Treibhausgas- Emissionen zu einzelnen Paketen.
Harmonisierte europäische und globale Regeln und Normen zur Quantifizierung, Zuordnung und Berichterstattung der Umweltauswirkungen von Paketlogistik-Zustelldiensten auf Einzelpaketebene sind unerlässlich. Nur so kann man das Ziel „Netto-Null-Emissionen“ von Treibhausgasen (THG) und anderen indirekten/direkten Luftschadstoffen erreichen.

Immer wenn einzelne B2C-Lieferungen (Einzelpakete mit Gütern/Waren) eingesammelt und vom ersten Paketdienst entgegengenommen werden (d. h. Lagerung und Erfüllung), für Fracht und Transport (d. h. globale multimodale Lieferketten) konsolidiert, zur Endsortierung empfangen und gemäß Präferenzen des Endempfängers zugestellt werden, sind obligatorisch vorgeschriebene und im Voraus elektronisch auszutauschende Datenelemente verfügbar (z. B. nach dem globalen Datenmodell des Weltpostvereins; nach dem Zolldatenmodell der EU, oder auch nach den Vorgaben der IATA nach „Preloading Advance Cargo Information (PLACI). Selbst wenn es sich um einen vereinfachten Datensatz handelt, sind die heute verpflichtenden Datenelemente dazu angelegt durch Daten ergänzt zu werden, um Umweltauswirkungen der Paketlogistik und der Zustellvorgänge auf Artikelebene zuordnen, quantifizieren und melden zu können.

Abbildung 1     Unterschiedliche Ansätze um eine „saubere (CO² neutrale) Produktion in der Zustellung von Warensendungen (Paketen, Warenbriefen) zu erreichen am Beispiel der Deutschen Post DHL Gruppe

Neue Kraftstoffe – energieeffizienter Betrieb – Routenoptimierung – wieder verwendbare Verpackungen.
Die Einführung neuer Kraftstofftechnologien, energieeffiziente Zustellung, Routenoptimierung, Verpackungsklassifizierung, Einbindung der Lieferanten und viele andere Maßnahmen müssen angepasst werden, um die Umweltauswirkungen der gesamten Wertschöpfungskette in der Paketzustellung, Ende-zu-Ende, zu messen.

Solide Überwachungsmethoden, Daten zu jeder Sendung, standardisierte Berechnungsmethoden und Berichterstattung sind unerlässlich, um die effektivste Strategie zur Reduktion der Emissionen auszuwählen, mit dem Ziel die Umweltauswirkungen in der Paketlogistik und in der Zustellung von Lieferdiensten vollständig offenzulegen.

Normung als Grundlage der Geschäftstätigkeit.
Nachhaltigkeitsberichte und Nachweise folgen dabei gesetzlichen und normativen Vorgaben. So basiert OSCAR auf der Messmethodik des „Greenhouse Gas-Protocol“ und ist ebenso mit der internationalen Norm ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme sowie der „Global Reporting Initiative“ abgestimmt. Normen ermöglichen dabei Zertifizierungen und Audits, aber auch politische Lenkungsmaßnahmen, wie z. B. Förderungen, Quotenregistrierung und Re-finanzierung.

„Leuchtturmbeispiel“ von Normung für Konsumenten.
„Mit verbindlichen, postsektorspezifischen Messnormen zum ökologischen Fußabdruck in der Paketzustellung kann die CO²- oder THG- Belastung pro Paketsendung dargestellt werden und wird auch im Wettbewerb Berücksichtigung finden. Auch die EU-Kommission hat die Bedeutung des Post- und KEP Paketzustellmarktes erkannt. Im Oktober 2022 wird, in Umsetzung der Postdienste-Richtlinie, ein fünftes Mandat an die europäische Normungsorganisation CEN, mit entsprechenden Vorgaben vergeben.

Als Grundlage hierfür wurde die Europäischen Norm DIN EN 17837 “Ökologischer Fußabdruck der Paketzustellung – Methodik zur Berechnung und Deklaration von THG-Emissionen und Luftschadstoffen von Paketlogistik-Zustelldiensten” erarbeitet. Nach Erscheinen wird die Norm nach den Vorgaben des Unionsrechts im Amtsblatt der EU-Kommission als „Stand der Technik“ für den Postmarkt der EU veröffentlicht.

Damit wird die Methodik zur Berechnung und Deklaration von THG-Emissionen und Luftschadstoffen von Paketzustelldiensten an bestehende und weltweit geltende Normen angeglichen. (ISO/DIS 14083; EN 16258 – beide speziell für den Transport (Fracht / B2B)). Mit der Erarbeitung der ökologischen Fußabdrucknorm in der Paketzustellung (EN 17837) wird den speziellen Anforderungen der Paketzustellung für den digitalen Einzelhandel Rechnung getragen. Die gesamte Wertschöpfungskette der Paketzustellung von der Abholung bis zur endgültigen Zustellung beim Endkonsumenten wird abdeckt.

Weltpostverein hat eine eigene Plattform zu CO² / THG Emissionsmessung aufgebaut.
Die 192 Mitgliedsstaaten des Weltpostvereins haben eine eigene Plattform einrichtet. Es gilt als höchstwahrscheinlich, dass der WPV Kohlenstoffbilanzierung über seine OSCAR Plattform durchführen wird. Das internationale Bureau des WPV unterstützt die CO²-Bilanzierung durch OSCAR – die Online-Lösung für CO²-Analyse und Berichterstattung. OSCAR steht allen WPV Mitgliedern kostenlos zur Verfügung. Benutzer können die THG-Emissionen den postalischen Zustellkettenbereichen 1, 2 und 3 mit Hilfe der OSCAR-Plattform abschätzen. Die erste umfassende Datenkampagne für 2021 wurde am 13. Juni 2022 gestartet. Die Kampagne endet am 1. November 2022.

 

Abbildung 2     Quelle Weltpostverein – OSCAR (Online Solution for Carbon Analysis and Reporting) ein Werkzeug des WPV zur Messung und Analyse des CO² Fußabdrucks im Postmarkt

Als internationales Netzwerk arbeitet der logistic-natives e.V. an dieser Thematik aktiv mit und hat sich diesbezüglich effektiv und pragmatisch positioniert. Wer Interesse an der Thematik oder weiteren marktrelevanten Gestaltungsmöglichkeiten hat, ist herzlich willkommen und meldet sich bitte bei Florian.Seikel@logistic-natives.com oder bei Walter.Trezek@logistic-natives.com.

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

EU Harmonisierung digitaler Warensendungsdokumente (Einzelsendung)

Der Postmarkt der Europäischen Union (Kurier-, Express-, Paket- und Postzustellung) wird weiter harmonisiert. Aufgebaut wird auf früheren Arbeiten im Bereich elektronische fortgeschrittene Daten (EAD) für Transportsicherheit und Zoll im globalen Postnetz des Weltpostvereins, sowie den Arbeiten in der EU für die Mehrwertsteuergesetzgebung im E-Commerce und die Transportsicherheit (s.g. Import Control System 2 / ICS2).

Immer wenn B2C-Lieferungen eingesammelt, für Fracht und Transport konsolidiert, zur Sortierung entgegengenommen und zur Endlieferung, gemäß der Präferenzen des Endempfängers versandt werden, werden elektronische Datenelemente zu jeder Warensendung im grenzüberschreitenden Verkehr ausgetauscht. Diese Daten folgen stellen nach dem „Global Data Model“ des Weltpostvereins; als Teil des  EU-Zolldatenmodells; oder nach der „Preloading Advance Cargo Information“ (PLACI) der IATA Mindestanforderungen dar. Die genannten Datenaustauschmodelle stellen den Ausgangspunkt für eine zukünftige Harmonisierung dar.

Das zweistellige Wachstum des B2C-Liefervolumens, das sich voraussichtlich, nach einem Ukrainebedingten Einbruch, in den nächsten 5 Jahren fort. Zunehmend stellt sich der Einzelhandel auf ein vernetztes und datengestütztes Datenmodel um, dass einen Vorabdatenaustausch entlang der Warenwirtschaftskette über den Inhalt von Sendungen sowie die Zustellmittel bedingt.

Zusätzlich zu den, bereits heute obligatorischen Mindestanforderungen an Datenelemente in grenzüberschreitenden Datenaustausch umfasst dies:

  • Eindeutige Beschreibung und Deklaration der Einzelhandelsware auf Einzelpositionsebene:
    • Konformitätserklärungen von Versendern/Herstellern, oder
    • Erklärung zur Einhaltung nationaler und harmonisierter regionaler Vorschriften und Gesetze
    • Zuordnung der korrekten Zölle und Gebühren
  • Eindeutige Transportidentifikation: Ein eindeutiger Barcode (auch bei mehreren Zustelldiensten), der es Behörden oder Logistikdienstleistern ermöglicht, bei Bedarf auf Daten auf Einzelebene zuzugreifen
  • Auf Einzelsendungsebene zugeordnete CO²- und Treibhausgasemissionen, um zu ermöglichen:
    • Messung und Berichterstattung auf Einzelsendungsebene
    • Zuweisung zusätzlicher Kosten (oder damit verbundener Entschädigungen)
  • Art, Größe und Wiederverwendbarkeit von Verpackungen, die sowohl für die Einzelhandelsware, als auch für den Behälter in jeder B2C-Lieferung verwendet werden.

Die Digitalisierung von Warensendungsdokumenten ist ein neuer Arbeitsauftrag an das Europäische Komitee für Normung (CEN). Es fördert die Interoperabilität zwischen nationalen Netzen und unterstützt einen effizienten postalischen Universaldienst in Europa. Es ist die Grundlage für die obligatorische digitale Ende-zu-Ende Dienstleistungserbringung auf Einzelsendungsebene (von der Abholung/Übergabe an die ersten Logistiker bis zur endgültigen Zustellung beim Endempfänger). Ziel ist es, die Transportsicherheit, Produktsicherheit und umweltfreundliche Lieferung von B2C-Zustellungen zu gewährleisten, die für einen voll funktionsfähigen digitalen Binnenmarkt erforderlich sind.

Wer weitere Details über das Thema erfahren möchte oder aktiv an der Ausgestaltung der Zukunft mitarbeiten möchte, sollte logistic-nativ werden und wendet sich bitte an Florian.Seikel@logistic-natives.com oder an Walter.Trezek@logistic-natives.com.

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Langfristige Investitionssicherheit mit AutoStore von Element Logic

Multichannel-Unternehmen Greendonkey schafft Platz und automatisiert mit einer AutoStore-Anlage von Element Logic. Das automatisierte Lager- und Kommissioniersystem ist mit dem Lagerverwaltungssystem eManager optimal in die IT-Architektur von Greendonkey mit dem ERP-System Tricoma eingebunden und sorgt für zuverlässige Kommissionierung und schnelle Versandbereitstellung.

Beitrag: Redaktion.

In Nagold, 25 Kilometer südwestlich von Stuttgart, hat sich mit der Greendonkey GmbH in den vergangenen zehn Jahren eines der am schnellsten wachsenden MultiChannel-Unternehmen der Fahrradbranche etabliert. Greendonkey ist die Dachmarke für das Radzentrum Nagold und dessen Online-Handel. In einem ehemaligen Autohaus bietet das Ladengeschäft auf mehr als 1.500 Quadratmetern Verkaufs- und Ausstellungsfläche alles, was Fahrradfahrer benötigen. Neben 800 vorrätigen Fahrrädern und hochwertigen E-Bikes führender Hersteller zählen dazu unter anderem Fahrradhelme, Fahrradteile und -zubehör, Sets, Werkstattverpackungen und Fahrradbekleidung sowie Fahrradträger, Kinderfahrradanhänger und sonstiges Zubehör. Parallel wurden im Internet eigene Online-Shops eingerichtet.

Inzwischen betreuen die 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Radzentrums 14.000 feste Kunden. Zudem verzeichnet die Adressdatenbank von Greendonkey mehr als 700.000 Online-Kunden. Insgesamt schreibt das 2011 gegründete Unternehmen zweistellige Millionen-Umsätze. „Mit unseren verschiedenen Vertriebskanälen decken wir vom Endkunden bis zum B2B Kunden alles ab“, erklärt Unternehmensgründer und Geschäftsführer Falko Borkhart das rapide Wachstum. „Als 2020 die Pandemie begann, war der Online-Handel für uns noch weit weg. Dann haben wir unser ganzes Personal im Online-Handel eingesetzt. Im August hatten wir schon 800 Sendungen verschickt. Heute schreiben wir 70 Prozent unseres Umsatzes mit dem Online-Handel, die Hälfte davon über den eigenen Webshop. Und wir sind technisch so aufgestellt, dass wir weiteres Wachstum stemmen können.“

Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse.
Die rasant positive Unternehmensentwicklung brachte Greendonkey allerdings zunehmend an die Grenze seiner Lagerkapazitäten. Vor diesem Hintergrund vertiefte Borkhart die Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse. Als übergeordnetes ERP-System wurde bereits 2013 das Warenwirtschaftssystem „Tricoma“ implementiert. „Tricoma ist schnell einsetzbar und bietet verschiedene Schnittstellen, sowohl zu den Handelsplattformen im Netz als auch zu intralogistisch Automatisierungssystemen“, erklärt Borkhart. „Nebenbei nehmen uns die Automatismen viel Arbeit ab.“ Diese Erfahrungen wurden mit einer im Januar 2022 in Betrieb genommene AutoStore-Anlage auch auf die Intralogistikprozesse der Lagerung und Kommissionierung behälterfähiger Artikel übertragen. Den Auftrag für Anlagenlayout und Projektrealisierung erhielt der Systemintegrator Element Logic, der erste offizielle AutoStore-Integrator.

Greendonkey-Unternehmensgründer und Geschäftsführer Falko Borkhart: „Die Entscheidung für die AutoStore-Anlage fiel hinsichtlich Effizienz und Flexibilität mit Blick auf unsere Bestandsimmobilie und die Skalierbarkeit der Anlage nach einem Vergleich mehrerer Automatisierungsoptionen“

Das automatisierte Kleinteilelager- und Kommissioniersystem AutoStore zählt zu den markantesten Erfolgsgeschichten der Intralogistik in den vergangenen 20 Jahren. Weltweit sind inzwischen annähernd tausend der robotergestützten Anlagen installiert. Allein Element Logic, weltweit erfolgreichster AutoStore-Distributor des Jahres 2020 und 2021, hat inzwischen mehr als 200 AutoStore-Lösungen realisiert. Die Kombination aus Automatisierung der Intralogistik-Prozesse, Flexibilität einer durchgängig skalierbaren Komplettlösung und kompakter, energieeffizienter Anlagentechnik gelten als Erfolgsfaktoren des Systemkonzeptes. Anders als in herkömmlichen Automatisierten Kleintelelagern (AKL) werden die Behälter in den modular konzipierten AutoStore-Anlagen zur Kleinteilelagerung in Schächten übereinandergestapelt und von kleinen Robotern, sogenannten Robots, ein-, um- und ausgelagert. Die Behälterstapel werden in einem standardisierten, bis zu 6,20 Meter hohen Aluminium-Raster, dem sogenannten Grid, gelagert. Auf dessen Oberfläche arbeiten die Robots, heben die Behälter mit den gewünschten Waren an, übergeben sie an integrierte Arbeitsstationen, den sogenannten Ports, und stapeln die Behälter nach der Kommissionierung wieder in der Anlage ein.

Als Füll- und Kommissionierstationen sind Karussell-Ports für höhere Lagerdurchsätze, Conveyor-Ports für geringere Durchsätze und Relay-Ports für maximale Durchsätze verfügbar. Mit einer um 60 bis 70 Prozent verbesserten Raumausnutzung gegenüber herkömmlichen AKL-Lösungen erzielen AutoStore-Anlagen bei minimalem Flächenbedarf so die höchste Lagerdichte. Dabei lässt sich das Anlagenlayout exakt auf jedwede bauliche Gegebenheit angepassen – und es ist bei wachsendem Leistungs- oder Kapazitätsbedarf durch zusätzliche Robots, Ports oder Behälter-Schächte mühelos skalierbar. „Hoch verdichtete Lagerung, minimaler Flächenbedarf und eine schnelle, fehlerfreie Kommissionierung ohne Laufwege“, fasst Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development Element Logic Deutschland, zusammen. „Bei einem Energiebedarf von durchschnittlich 100 Watt je Robot pro Stunde weisen AutoStore-Anlagen zudem den geringsten Energieverbrauch unter den AKL-Lösungen auf.“ Faktoren, die mit den wachsenden Anforderungen an Reaktionszeiten und Prozesseffizienz durch den stark wachsenden Online-Handel und die Pandemie die Nachfrage nach AutoStore-Anlagen in den vergangenen Jahren weiter gefördert haben.

Schnelle Projektrealisierung.
So auch bei Greendonkey. Angepasst an die Rahmenbedingungen der niedrigen Raumhöhe von lediglich 3,30 Metern in der Bestandsimmobilie konzipierte Element Logic für den Omnichannel-Händler eine exakt zugeschnittene automatisierten AutoStore-Anlage. „Nachdem Lagergröße und Dynamik der Anlage definiert waren, haben wir Layout und Konzeption festgelegt und bereits nach wenigen Wochen mit der Installation begonnen“, veranschaulicht Kieninger. „Durch die modularen Komponenten und unsere Plug-and-Play-Software eManager war die Projektrealisierung schnell abgeschlossen.“

Greendonkey-Unternehmensgründer und Geschäftsführer Falko Borkhart: „Die kompakte Anlage bietet uns auf minimaler Grundfläche ein Maximum an Lagerkapazität und die automatisierten Prozesse entlasten die Mitarbeiter bei gesteigerter Performance.“

Auf einer Grundfläche von lediglich 105 Quadratmetern bietet die AutoStore-Anlage bei Greendonkey 2.125 Behälterstellplätze zur Kleinteilelagerung. Achtfach übereinander stehen die 330 Millimeter hohen Behälter in dem Schächten des Aluminium-Rasters. Auf der Grid-Oberfläche sorgen sechs Robots der R5-Serie für koordinierten, auftragsgerechten Zugriff auf die Behälter. Die Behälter aus der Anlage präsentieren die Roboter an drei integrierten Arbeitsplatz-Modulen. Diese sind platzsparend als Conveyer-Ports ausgeführt.

Schnittstelle für koordinierte Prozessabfolgen.
Die Einbindung der AutoStore-Anlage in die Logistikprozesse des Online-Shops, des stationären Geschäftes und der angeschlossenen Fahrradwerkstatt erfolgte in enger Zusammenarbeit von Element Logic mit Greendonkey und den ERP-Spezialisten von Tricoma. Über eine standardisierte Schnittstelle wurde das Tricoma-Warenwirtschaftssystem (WMS) mit dem eManager von Element Logic verbunden.

Das Lagerverwaltungssystem von Element Logic ist speziell auf die Bedürfnisse der Autostore-Technologie zugeschnitten. Für besondere Aufgaben wie etwa Express-Sendungen oder Multi-Aufträge aus unterschiedlichen Lagerbereichen wurden im WMS die individuellen Prozesse für die Anlagensteuerung definiert. Nach wenigen Testläufen konnte die Bestückung der Anlage erfolgen. Innerhalb von sechs Woche waren alle entsprechenden Produkte eingelagert. „Im Zusammenspiel von WMS und eManager hat sich die Anlage schnell bewährt“, urteilt Kieninger.

So unterstützen die optimierten Prozesse der AutoStore-Anlage bei Greendonkey nicht allein die schnelle, fehlerfreie Auftragsfertigung im weiter wachsenden Online-Handel. Die Anlage dient auch zur Verarbeitung auftragsbezogener Großhandelsbestellungen. Die entsprechenden Artikellieferungen kommen in Mischpaletten und Mischkartons in Nagold an. An den Ports der Anlage werden die Artikel in Behälter umgepackt, chaotisch eingelagert und umgehend auftragsbezogen wieder kommissioniert und an den Versand übergeben.

Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development Element Logic Deutschland: „Die AutoStore-Anlage kommt sowohl als Lager- und Kommissioniersystem wie auch als Auftragspuffer und Sortiermaschine zum Einsatz.“

Inzwischen verlassen jeden Monat rund 50.000 Sendungen das Greendonkey-Zentrallager am Standort Nagold. „Zuverlässige Kommissionierung und schneller Versand zählen zu den Schlüsselfaktoren unseres Online-Handels“, resümiert Greendonkey-Geschäftsführer Borkhart. „Mit der AutoStore-Anlage von Element Logic unterstützt uns dabei ein effizientes Automationssystem. Seine Skalierbarkeit und Flexibilität bietet uns langfristige Investitionssicherheit bei weiterem Unternehmenswachstum. Wir sind mit dem Projektverlauf und den Ergebnissen sehr zufrieden.“

SoMe-Zeilen: 
Multichannel-Unternehmen Greendonkey automatisiert Auftragsfertigung mit einer AutoStore-Anlage von Element Logic. Das automatisierte Lager- und Kommissioniersystem bietet auf 105 m2 und einer Deckenhöhe von lediglich 3,3 m Platz für 2.125 Behälter und sorgt mit sechs Robots und drei Ports für zuverlässige Kommissionierung und schnelle Versandbereitstellung. (RED)

Gakten und Zahlen: Greendonkey

  • Gründungsjahr 2011
  • eines der am schnellsten wachsenden MultiChannel-Unternehmen der Fahrradbranche
  • mehr als 1.500 Quadratmetern Verkaufs- und Ausstellungsfläche in Nagold
  • 14.000 feste Kunden des Radzentrums
  • mehr als 700.000 Online-Kunden
  • AutoStore-Anlage:
  • Grundfläche 105 qm
  • 2.125 Behälterstellplätze
  • 330 mm Höhe
  • achtfach gestapelte Behälter
  • 6 AutoStore-Robots R5
  • 3 Conveyor-Ports
  • Lagerverwaltungssystem eManager von Element Logic mit Schnittstellenanbindung zum WMS

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Strategie und Planung als Basis erfolgreicher Logistik

Nicht erst seit Corona steht fest, dass eine Optimierung der Logistikprozesse über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden kann. Nur wenige haben selbst die nötige Kompetenz dazu – die Lösung: einen Experten engagieren. Wie beispielsweise die InterLog Management GmbH.

Redaktion: Angelika Gabor.

Beratungshäuser und selbständige Optimierer gibt es wie Sand am Meer. Warum sollte man sich also ausgerechnet für die InterLog entscheiden? Diese Frage stellten wir dem Gründer und einem der drei Geschäftsführer, Eric Gastel: „Im Gegensatz zu den meisten Beratungshäusern sind wir sehr operativ orientiert, wir arbeiten an und mit der Basis. Zudem haben all unsere Mitarbeiter einen sehr hohen Praxisbezug. Zudem sind wir sehr bodenständig und gleichzeitig pragmatisch. Das heißt, wir machen es unseren Kunden leicht, Entscheidungen zu fällen.“

Ein wesentliches Ziel der InterLog ist es, schnell substantielle und vor allem langfristige Lösungen zu präsentieren, die modular aufgebaut sind. Gastel: „Alles soll jederzeit unkompliziert erweiterbar sein, damit das System sich den unternehmerischen Prozessen anpassen lässt. Uns ist es auch wichtig, schon in der Planung auf ökologische Aspekte zu achten.“ Durchaus interessant ist auch die Tatsache, dass Projekte nicht um jeden Preis durchgeführt werden. „Wir stellen in der Planung stets auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Projektes. Es kann vorkommen, dass wir einen Auftrag nicht abwickeln, wenn sich herausstellt, dass die Vorstellungen einfach nicht realisierbar sind. Das teilen wir dem Auftraggeber natürlich mit“, erklärt Gastel.

Learning by doing.
Die Geschäftsführung der InterLog ist sich einig: ohne gute Mitarbeiter geht gar nichts. Darum investiert das Unternehmen auch in den Nachwuchs: „Wir ermöglichen jungen Menschen den Eintritt ins Berufsleben. Dazu holen wir uns Assistenten direkt von der Universität und stellen sie jeweils einem erfahrenen Kollegen zur Seite. Durch diese Durchmischung der Teams und die Kombination aus neuem, frischen Wissen und dem vorhandenen Know-How entstehen innovative Lösungsansätze. Die neuen Kollegen dürfen auch von Anfang an Projekterfahrung sammeln und aktiv mitarbeiten, damit sie rasch wachsen können“, führt er aus. Das reicht allerdings heute nicht mehr aus, um Talente ins Unternehmen zu locken, man müsse sich auch andere Benefits überlegen. „Im Gegensatz zu früher wollen junge Menschen zwar gut verdienen, aber wenig arbeiten. Dabei ist die so genannte „work life balance“ oft nur ein Vorwand, gerade in der Beratungsbranche sind 10-Stunden-Tage keine Seltenheit. So manche Forderung ist einfach nur überzogen“, ärgert er sich. Immerhin bietet das Unternehmen das Urlaubsmodell „30+“: zusätzlich zu den gesetzlichen Urlaubstagen bekommt jeder an Weihnachten, Silvester und drei Fenstertagen frei. Denn die Arbeit ist durchaus anstrengend, das ist klar. Mitarbeiter-Events sorgen daher regelmäßig für gute Laune. Und, ganz wichtig: „Jeder Mitarbeiter muss so viel verdienen, dass er vernünftig davon leben kann. Dazu stehe ich“, so Gastel.

100% digital.
Die InterLog setzt auf modernste Technik zum animieren, simulieren und emulieren in 3D. Die Kunden erhalten das fix-fertige Layout, mit dem sie dann auch arbeiten können. „Wir geben unseren Kunden bewusst unseren Lösungsvorschlag zum intern besprechen mit, das schafft Unabhängigkeit. Wir möchten sie nicht zum Auftrag verpflichten, sondern haben den Anspruch, dass sie uns den Auftrag geben WOLLEN“, so Gastel. Ein gewagter Ansatz – hat er denn keine Angst, dass jemand dann die fertige Lösung von einem billigeren Anbieter umsetzen lässt? „Wir sind überzeugt, dass wir die beste Lösung zu einem fairen Preis anbieten und wir wagen uns auch an scheinbar unmögliche Aufgabenstellungen heran. Bei all unseren Angeboten ist ein Kostendach samt Abweichungsfaktor enthalten, damit die Kunden kalkulieren können.

Für jeden einzelnen Arbeitsschritt gibt es eine offene Kalkulation, gebündelt zu Arbeitspaketen. Reicht das Budget nicht aus, stellen wir das Projekt trotzdem fertig, auf unsere Kosten – die Qualität der Leistung muss stimmen, dafür bürgen wir. Denn InterLog ist vielleicht nicht der günstigste Anbieter, aber auf jeden Fall effektiv. Durch das Kostendach sind wir im Nachhinein betrachtet oft sogar günstiger als ein vermeintlich billigerer Anbieter, der alles einzeln abrechnet. Natürlich zahlen unsere Kunden dann nur den tatsächlichen Aufwand.“ Durch die eigene Digitalisierung gewinnt das Unternehmen nicht nur an Mobilität, auch die Kostenstruktur konnte verschlankt werden.

Dauerbrenner und Trends.
Die Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, von Pharma über Food bis zu Automotive-Unternehmen in der DACH-Region, denn hier ist die Projektabwicklung hinsichtlich des ähnlichen kulturellen Hintergrunds einfacher. Bei der Lösungsfindung setzt InterLog auf erprobte Technologien, Forschungsprojekte kommen nicht in Frage: „Unsere Kunden können keine spacigen Konzepte riskieren, so sind beispielsweise Lösungen mit Drohnen aktuell noch nicht spruchreif.“

Welche Themen sind denn aktuell besonders gefragt? „Wir sehen einen klaren Trend in Richtung Anlagenmodernisierung im laufenden Betrieb. Man merkt auch den Personalmangel, denn viele Anfragen betreffen die Optimierung der Produktionslogistik, etwa durch Verpackungsautomation, Robotik oder Fahrerlose Transportsysteme“, zählt Gastel auf. Auch die Einführung oder Modernisierung von Lagerverwaltungssystemen und die Automation von Hochreagallägern sei sehr gefragt. „Trotz der Rezession merken wir eine starke Bewegung am Markt. Die großen und mittleren Unternehmen wissen, dass sie jetzt investieren müssen,
um mit der Konkurrenz mitzuhalten.“

Die Digitalisierung helfe dabei, die „time to market“ zu verkürzen. Auch gefragt: Maßnahmen, die die Energiekosten reduzieren und Abhängigkeiten verringern, beispielsweise Dachwandverkleidungen mit Solarzellen oder Solarpanels zum Betrieb von Hochregallägern. „Hinsichtlich der Effizienzsteigerung gibt es Anfragen zur Bündelung von Transporten und Containern, um das Volumen besser zu nutzen oder auch die Tourentopologie – alles, was den CO2-Fußabdruck schmälert.

Die Voraussetzung ist oft jedoch, dass sich das Bestellverhalten ändert. Die gesamte Kette muss anders organisiert werden, etwa durch eine Verlängerung der Belieferungszyklen. Wenn eine Filiale nur zwei Mal statt drei Mal pro Woche beliefert wird, dafür jedoch mit mehr Ware, ergibt sich automatisch eine CO2-Einsparung. Bei unseren Konzepten gehen wir daher nicht nur auf den Kunden ein, sondern auch auf dessen Kunden – damit er gleich Argumente hat, um Einwände zu entkräften.“ Um nah beim Kunden zu sein, hat die InterLog derzeit drei Niederlassungen: in Sursee (Schweiz), Dortmund (Deutschland) und Graz (Österreich). Eric Gastel teilt sich die Geschätsführung mit Markus Lanz und Dennis Augustin.

Alle drei sind aktiv im Unternehmen und als Mandatsleiter tätig. Die flachen Hierarchien sind ein Markenzeichen des dynamischen Unternehmens. „Jedes neue Projekt wird unabhängig von seiner Größe einem der drei Geschäftsführer zugeordnet, die dann auch als Coach fungieren. Mir ist es sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter auf Augenhöhe kommunizieren“, meint Gastel. Man darf gespannt sein, welch cooles Projekt als nächstes kommt. (RED)

LOGISTIK express Journal 4/2022

Das bringt die Zukunft: Logistik-Jobs 2030

Komplexer, anspruchsvoller, mehr Informatik-Wissen. Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum der FH OÖ am Campus Steyr untersuchte mit ihrem Team im Auftrag des AMS OÖ, welche Kompetenzen von Logistiker in Zukunft gefordert werden und welche entsprechenden Ausbildungsmaßnahmen dafür erforderlich sind. Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, sollten Weiterbildungsmaßnahmen in Unternehmen verstärkt auf gering qualifizierte Mitarbeiter*innen ausgerichtet werden.

Text: Redaktion.

Die voranschreitende Digitalisierung und Automatisierung ist wie in vielen anderen Bereichen natürlich auch für das Logistikpersonal ein entscheidender Treiber und sollte in der Aus- und Weiterbildung stärker berücksichtigt werden, resümiert die Studienautorin Putz-Egger. Und weiter: „Aufgabenstellungen in einer digitalen Umgebung zu lösen, wird zu einer Grundkompetenz. Der IT-Bereich wird in Zukunft eine größere Rolle spielen. Fachinformatiker für Systemintegration, Softwareanwender und -entwickler und Datenanalysten werden immer wichtiger. Bereits existierende Logistikausbildungen wie zum Beispiel Speditionskaufmann/frau sollten deshalb beträchtlich um IT-Bereich ergänzt oder neue Ausbildungen konzipiert werden. Und obwohl ein Anstieg des Qualifizierungslevels erwartet wird, zeigt bereits eine Studie aus dem Jahr 2017, dass neben Beschäftigungen in relativ hochqualifizierten Bereichen auch viele Jobs in geringqualifizierten Bereichen entstanden sind. Jobs mit mittlerer Qualifikation sind hingegen weggefallen.

Weiterbildung in Unternehmen auf gering Qualifizierte fokussieren.
Einerseits werden in den interviewten Betrieben aktuell viele Weiterbildungsmaßnahmen für (junge) Führungskräfte, also höher qualifiziertes Personal, angeboten, andererseits beschränkt sich das Angebot bei Logistikpersonal mit geringem Qualifikationsniveau oft auf Onboarding und Einschulungen. Viele Mitarbeiter*innen in der Logistik haben keine Ausbildung. Weiters sollte festgehalten werden, dass, wenn Fachkräfte für Lagerlogistik in Kleinbetrieben ausgebildet werden, diese nur selten mit Zukunftstechnologien in Berührung kommen. „Die befragten Unternehmen wünschen sich Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Data Mining bzw. Data Analytics, Change-Management, Prozessverständnis sowie im Bereich sozialer Kompetenzen. Wichtig ist, dass Ausbildungen sehr praxisorientiert gestaltet werden und ein besonderer Fokus auf die stark betroffene Zielgruppe der gering qualifizierten Mitarbeiter*innen gelegt wird“, so die Studienautorin Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum der FH OÖ in Steyr.

Die Studie wurde vom AMS OÖ beauftragt und beinhaltete eine Literaturrecherche sowie 14 qualitative Interviews um die drei Forschungsfragen (1) Welche Kompetenzen weist qualifiziertes Logistikpersonal aktuell auf (2) Welche Auswirkungen haben Trends (Fokus auf Digitalisierung und Automatisierung) auf die benötigte Kompetenzen des Logistikpersonals bis 2030 und (3) Welche Empfehlungen lassen sich für Qualifizierungsmaßnahmen, Aus- und Weiterbildungen von Logistikpersonal aus den veränderten Kompetenzen mit Fokus bis 2030 ableiten, zu beantworten. Erarbeitet wurde die Studie vom Team Sustainable Transport (Verena Stockhammer, Laura Hörandner, Bianca Borca, Susanne Jankovich und Kerstin Mitterer) unter der Leitung von Lisa-Maria Putz-Egger. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Roman Stiftner: Lieferketten müssen resilienter werden

Die Gobalisierung erlebt derzeit einen radikalen Wandel. Produktionen rücken näher zu regionalen Märkten. Was nicht allein schmerzlich sein muss, sondern auch Chancen birgt ist Roman Stiftner, Präsident des European Shippers’ Council überzeugt.

Text: Redaktion.

Herr Stiftner, die Wirtschaft ist derzeit mit großen Veränderungen konfrontiert und der Ukraine-Krieg sorgt für massive Verwerfungen bei globalen Transportabläufen. Was bedeutet das für die verladende Wirtschaft, deren Interessen das European Shippers’ Council (ESC) vertritt?
Roman Stiftner: Es herrschen turbulente Zeiten in der Logistik. Ja, die gestörten Lieferketten im Welthandel machen uns zu schaffen und das wird auch noch einige Zeit disruptiv bleiben. Etwa ein Zehntel aller weltweit verschifften Waren sitzen derzeit irgendwo fest und behindern die Versorgung mit Gütern und Rohstoffen. Das Ausmaß hat auch bereits die Endkonsumenten erreicht, Wunschprodukte sind nicht lieferbar und die Inflation zieht gehörig an.

Die Corona-Pandemie hat Lieferketten massiv beeinträchtig und viele wurden notleidend. Was soll die verladende Wirtschaft unternehmen, um die Lieferketten resilienter gegen Unwägbarkeiten zu machen?
Stiftner: Die Wiederherstellung der Resilienz ist die Priorität für das Supply Chain- Management. Kurzfristig wird die verladende Wirtschaft wohl der Situation mit Krisenmanagement beikommen können. Ich bin überzeugt, dass sich die Zielprioritäten zugunsten der Qualität und Regionalität verschieben werden. Praktisch bedeutet das, dass es nicht mehr darum gehen wird, eine Ware oder einen Rohstoff möglichst kostengünstig zu beziehen. Die Zuverlässigkeit des Eintreffens der Ware hat im Störungsfall mehr Einfluss auf die Kosten des Gesamtproduktionsprozesses als vergleichbar geringe Einkaufserfolge. Auch ökologisch sind manche Warenströme zu hinterfragen und werden wohl neu beurteilt werden müssen. Das ist die Chance für regionale Anbieter, da höhere Logistikkosten und das Einpreisen der Resilienz diese wieder wettbewerbsfähiger machen. Wir erleben einen schmerzhaften, aber gesellschaftlich erwünschten Wandel.

Nicht wenige Handels- und Industriebereiche in Europa haben Probleme bei der Rohstoffbeschaffung, weil sie häufig von einem einzigen Lieferanten abhängig sind. Wäre es nicht besser Rohstoffe von verschiedenen Lieferanten zu beschaffen, um Lieferrisiken zu minimieren?
Stiftner: Das ist einfacher gesagt als getan. Kein verantwortungsbewusstes Unternehmen begibt sich fahrlässig in die Abhängigkeit eines einzelnen Lieferanten. Speziell im Rohstoffsektor aber nicht nur dort sind jedoch monopolartige Lieferantenstrukturen ein Faktum. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass bei den strategisch wichtigen Metallen für Hochtechnologie eine vollkommene Abhängigkeit von China besteht.

Ich spreche hier von Rohstoffen, ohne die Technologien zur Emissionsreduktion und nachhaltiger Energieerzeugung und Mobilität aber auch Digitalisierung einfach nicht funktionieren. Ein ganz aktuelles Beispiel dafür ist Magnesium. Es wird benötigt, um Aluminium- und Stahllegierungen herzustellen. Ohne Magnesium läuft also kein Auto mehr vom Band und es wird auch keine Windkraftanlage mehr errichtet werden können. Europa ist zu 95 Prozent abhängig von China, und China hat die Lieferungen nach Europa bewusst und strategisch stark eingeschränkt. Die Folgen sind eine Preisexplosion und das Bewusstsein, dass in wichtigen Wertschöpfungsketten, wie unter anderem in der Automobilindustrie, Europa an Autonomie stark eingebüßt hat.

Wäre Europas Wirtschaft gut beraten nach Fernost ausgelagerte Produktionen wieder zurückzuholen, um Lieferketten zu verkürzen und transparenter zu machen?
Stiftner: Nicht nur Europas Wirtschaft, auch die europäische Gesellschaft wäre gut beraten, diesen Weg zu gehen. Es geht dabei nicht um ein „Zurück-in-alte-Zeiten“, sondern um die Absicherung unseres Ziels, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Wir dürfen nicht naiv sein und glauben, dass andere Kulturkreise unsere Regeln akzeptieren und unserem Voranschreiten in der Klimapolitik einfach folgen. Die aktuelle Chipkrise zeigt, wie leicht Technologie durch leichtfertige Politik abwandern kann. Obwohl Europa nach wie vor führend im Design von Chipproduktionsprozessen ist ging die Produktion verloren. Europa benötigt eine akzentuierte Industriepolitik und den Willen, bestehende Industrien in Europa zu festigen und neue Zweige zu etablieren.

Welche Forderungen gibt es seitens des ESC an welche politischen Adressen in Europa?
Stiftner: Die Pandemie hat gezeigt, dass unsere Lieferketten krisenanfällig sind und wir deshalb gemeinsame Anstrengungen mit der Politik unternehmen müssen, sie resilienter zu gestalten. Für die gesamte verladende Wirtschaft sind die Ziele des Fit for 55-Programms zur Steigerung der Nachhaltigkeit eine große zusätzliche Herausforderung. Das ESC unterstützt die Europäische Kommission in Maßnahmen zur Reduktion des Klimawandels auch mit der Konsequenz, dass Verlader in Zukunft ETS-Zertifikate für den Transport kaufen werden müssen.

Die Politik ist hier aufgerufen, die unterschiedlichen Belastungen der Modalitäten durch das geplante ETS-Regime möglichst gering zu halten und doppelte Verrechnungen zu vermeiden. Die Einnahmen durch die Zertifikate müssen unbedingt in eine moderne Infrastruktur und digitale Innovation investiert werden. Darüber hinaus sehen wir uns mit einer schwierigen Arbeitsmarktsituation konfrontiert. In den nächsten Jahren wird ein großer Teil der Lkw-Fahrer in Pension gehen und es wird daher an autonomen Fahrsystemen kein Weg vorbeiführen. Dafür müssen die rechtlichen und infrastrukturellen Grundlagen geschaffen werden. Aktuell gilt unsere Sorge den geopolitischen Spannungen nicht nur mit Russland, sondern auch in der Taiwan-Frage. Etwa 40 Prozent des weltweiten Bedarfs an Halbleitern wird in Taiwan gefertigt, weshalb Lieferstörungen vitale Auswirkungen auf Wertschöpfungsprozesse in Europa haben und auch dem Welthandel schaden würden.

Welche Ziele wollen Sie in Ihrer Funktion als seit 2021 amtierender ESC-Präsident erreichen?
Stiftner: Mein Ziel als ESC-Präsident ist es, die Qualität und Resilienz der Lieferketten zum Wohle der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft zu verbessern. Dafür braucht Österreich und Europa mehr qualifizierte Experten. Wir müssen daher in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter investieren. Die verladende Wirtschaft ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber. Wir geben Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen internationale Karriereperspektiven und sichere Beschäftigung. Darüber hinaus ist es mein Ziel, den fairen und partnerschaftlichen Austausch mit den Verbänden in Asien, Amerika, Russland als wichtige Handelsregionen auszubauen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022