Onlinehändler ASOS setzt auf volle Datentransparenz mit KiSoft Analytics

Wer ernsthaft E-Commerce betreiben will, braucht Daten. KiSoft Analytics liefert uns alle wichtigen Daten auf einen Blick. Mit dieser smarten Datenbasis können wir aktuelle Anforderungen wie den Black Friday, aber auch zukünftige Anforderungen des E-Commerce meistern.

Beitrag: Redaktion.

Daten haben in unserer modernen Welt einen hohen Stellenwert: Natürlich auch in der Logistik und bei der Gestaltung von Supply-Chain-Netzwerken, die einerseits die Wünsche der Kunden erfüllen und andererseits Retailer dabei unterstützen, erfolgreich zu wirtschaften. Damit aus der ungeordneten Datenflut qualitativ hochwertige Informationen entstehen, die als Grundlage für operative und strategische Entscheidungen dienen, helfen intelligente Analyse-Tools wie KiSoft Analytics. Der führende Onlinehändler für Mode, Beauty und Lifestyle ASOS nutzt KiSoft Analytics, um Herausforderungen wie den Black Friday mit der Macht der intelligenten Daten zu meistern.

Topmodernes E-Com Fulfillment im Eurohub 2.
Die Herausforderungen an Onlinehändler sind heute groß: Kunden erwarten schnelle Lieferung, eine große Anzahl an Retouren muss effizient bearbeitet werden und Peaks wie der Black Friday oder der Singles‘ Day sind zu meistern. Dazu kommt ein ständig wachsendes Warensortiment und vor allem im Fashion-Bereich ständig wechselnde Kollektionen. Herausforderungen wie diesen stand auch der erfolgreiche Onlinehändler ASOS gegenüber: Um sein Logistik-Netzwerk zu stärken und optimal auf zukünftiges Wachstum ausrichten, entschied sich ASOS sein Distributionszentrum Eurohub 2 in der Nähe von Berlin mit intelligenten Automatisierungslösung inklusive umfassender Software-Suite von KNAPP auszustatten. „Als wir unser Eurohub 2 geplant haben, war sehr früh klar, dass wir eine sehr hohe Lagerdichte und sehr viele SKUs mit einem kurzen Produktlebenszyklus haben werden. Nicht jede Logistiklösung ist dafür geeignet.
KNAPP erschien uns von Anfang an wie ein starker und zuverlässiger Partner. Wir sind über die Jahre miteinander gewachsen und haben Eurohub 2 von einem einfachen manuellen Lager zu einem zukunftsfähigen automatisierten Fulfillment Center weiterentwickelt“, erklärt Oliver Kraftsik, Supply Chain Director für Europa bei ASOS. Mit Hilfe des automatisierten Lagersystems kann ASOS rund 3 Millionen Stück pro Woche bearbeiten und an Kunden in 40 Länder versenden.

Erfolg am Black Friday mit strukturierten Daten.
Mit der integrierten Automatisierungslösung steht ASOS das Beste aus beiden Welten zur Verfügung: Erprobte Automatisierungstechnologie sowie eine maßgeschneiderte Software-Lösung, die alle Prozesse von ASOS abbildet. Ein Teil der umfassenden KiSoft-Suite ist das intelligente Analyse-Tool KiSoft Analytics. Mithilfe von KiSoft Analytics kann ASOS Daten aus allen logistischen Prozessen optimal nutzen, bewerten und als Grundlage für kurzfristige oder auch langfristige Entscheidungen heranziehen. „Uns war besonders wichtig, dass wir granulare Daten unserer Prozesse erhalten, denn damit können wir unsere Prozesse überwachen und optimieren.

Dafür ist KiSoft Analytics für uns genau das richtige Tool. Wir können tief in Echtzeit-Daten einsteigen und die Daten sind optisch ansprechend aufbereitet. KiSoft Analytics hilft uns dabei, rasch und datenbasiert die richtigen Entscheidungen zu treffen“, hebt Oliver Kraftsik die Vorzüge von KiSoft Analytics hervor. Beispielsweise nutzt das ASOS-Team KiSoft Analytics, um sich optimal auf den Black Friday vorzubereiten und kann aus den historischen Daten auch wichtige Maßnahmen für zukünftige Peaks ableiten. „Daten sind elementarer Bestandteil für jeden, der ernsthaften E-Commerce betreiben will. Gerade für die Herausforderungen, die der ganzen Branche bevorstehen, sind Tools wie KiSoft Analytics in Kombination mit soliden Logistiklösungen wesentlich“, ist sich Oliver Kraftsik sicher. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Intelligente effiziente Robotik-Lösung von SSI Schäfer mit IFOY Award ausgezeichnet

Flat Pack Picking ist eine einzigartige, automatisierte und schlüsselfertige Systemlösung aus einer Hand zur effizienten Palettenzusammenstellung für den Möbel Onlinehandel sowie für die Filialbelieferung. Das von SSI Schäfer gemeinsam mit Inter IKEA Group, Supply Chain Development, Intralogistics, entwickelte Konzept wurde bereits in Deutschland umgesetzt und ist erfolgreich im Betrieb.

Beitrag: Redaktion.

Die innovative Lösung überzeugt beim diesjährigen IFOY Award (International Intralogistics and Forklift Truck of the Year Award) und belegt im Marktvergleich in der Kategorie „Integrated Warehouse Solution“ den 1. Platz. Im Rahmen der IFOY Award Night am 30.06.2022 wurde der begehrte IFOY Award in der BMW Welt in München feierlich übergeben.

Mit dem IFOY Award werden die besten Intralogistiklösungen des jeweiligen Jahres gekürt. Anbieter hatten die Möglichkeit, ihre Produkte und Systemlösungen in insgesamt 13 Kategorien online zum Wettbewerb anzumelden. Die von einer internationalen Jury für das Finale nominierten Produkte und Lösungen durchliefen im Rahmen der IFOY Test Days vom 18. – 23.03.2022 verschiedene Tests, darunter das rund 80 Kriterien umfassende IFOY Testprotokoll sowie den wissenschaftlichen IFOY Innovation Check. Insgesamt 25 Jurymitglieder aus 19 Ländern gaben basierend auf den Testergebnissen ihre Bewertung ab. Im Rahmen der IFOY Award Night am 30.06.2022 wurden schließlich die Gewinner in München bekanntgegeben.

Die prämierte Flat Pack Picking Lösung wurde gemeinsam von SSI Schäfer und Inter IKEA Group, Supply Chain Development, Intralogistics, konzeptioniert und im Dortmunder Kundenorder-Distributionszentrum erfolgreich implementiert. Dank der vollautomatisierten Systemlösung aus einer Hand profitiert IKEA nun von der effizienten Palettenzusammenstellung für die Filialbelieferung.

Insgesamt vier Portalroboter übernehmen das Handling schwerer und großer Artikel, entlasten die Mitarbeitenden von wenig ergonomischen Aufgaben und sorgen für konstante, transparente Warenflüsse. Entwickelt wurden die Portalroboter und Greifer von der RO-BER Industrieroboter GmbH, einem Tochterunternehmen von SSI Schäfer. Für die erfolgreiche Umsetzung wurde der Intralogistikspezialist mit dem IFOY Award in der Kategorie „Integrated Warehouse Solution“ ausgezeichnet.

„Das Projekt zeigt, wie wir uns den Herausforderungen unserer Kunden annehmen und gemeinsam mit ihnen innovative Logistiklösungen für eine ergonomischere Arbeitsumgebung und verbesserte Produktivität entwickeln und umsetzen“, so Notker Steigerwald, Head of Business Unit Logistics Solutions bei SSI Schäfer. „Die Auszeichnung mit dem IFOY Award freut uns besonders, denn sie bestätigt die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit unseres Konzepts im Marktvergleich.“

Von der gesteigerten Performance sowie den automatisierten Prozessen profitieren IKEA und die Mitarbeitenden unmittelbar.

„Die Zusammenarbeit mit SSI Schäfer war auch bei diesem Pilotprojekt durchweg positiv“, sagt Julien Weiß, Automation & Design Leader bei Inter IKEA Group, Supply Chain Development, Intralogistics. „Speziell der von beiden Seiten gelebte partnerschaftliche
Ansatz hat zum Gelingen beigetragen.“

Inter IKEA Group behält sich die Option vor, das innovative System auf weitere Standorte und IKEA-Märkte auszurollen. Die Flat Pack Picking Lösung ist grundsätzlich für den Möbel Onlinehandel interessant, lässt sich aber auch auf andere Branchen übertragen, in denen mit großvolumigen und sperrigen Gütern gearbeitet wird, wie beispielsweise Fenster oder Holz-/Metallzuschnitte. (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


Digitalisierung und Ökologisierung des europäischen Postzustellmarktes

Die fortschreitende Digitalisierung des Einzelhandels und die damit verbundene Warenzustellung hat zur Harmonisierung der Datenformate im Postmarkt geführt. Neben einer eindeutigen Kennzeichnung der Sendungen beinhaltet das auch den verpflichtenden Vorabaustausch von Daten zu den Einzelhandelswaren in den Warensendungen.

Gastbeitrag: logistic-natives e.V.

Die Harmonisierung der Daten zu jeder Warensendung ist in der EU seit dem 1. Juli 2021, auf Basis des EU-Zolldatenmodels umgesetzt. Daten zu den Sendungen, die zwischen benannten Postbetreibern im grenzüberschreitenden Postverkehr ausgetauscht werden, müssen bereits seit 1.1.2021 weltweit normierten Spezifikationen (weltweites Postdatenmodel des Weltpostvereins) folgen.

Mit den rechtlich und regulatorisch umgesetzten Vorgaben, ist die Digitalisierung der Transport- und Logistikprozesse in der Zustellung ein wichtiger Faktor für die Steigerung der Effizienz, Vereinfachung, Kostensenkung und besseren Nutzung bestehender Ressourcen einschließlich der Infrastruktur geworden. Die mit der Digitalisierung neuen geschaffenen Geschäftsmöglichkeiten haben das Potenzial, die Art und Weise wie Warenströme verwaltet und organisiert werden, in der Zukunft grundlegend zu ändern.

Elektronische Daten fließen künftig nahtlos durch Warenwirtschaftsketten. Das umfasst auch den EU-weiten Datenaustausch mit Behörden und zwischen Unternehmen. Damit wird das Teilen der Daten im gesamten Fracht- und Transportbereich für alle Kanäle die Regel und bleibt nicht die Ausnahme.

Pre-Loading Advance Cargo Information (PLACI) steuert den Transport.
Die Daten des ersten logistischen Betreibers werden den Frachtführern vorab digital übergeben und entsprechend geprüft, um die Transportsicherheit zu gewährleisten. Die Daten liegen auf Einzelsendungsebene vor und fließen in die Konsolidierungsschritte ein, die eine notwendige Konsolidierung der Einzelsendungen in Überbehältern unterstützen, gleichzeitig aber die Sendungsverfolgung auf Einzelsendungsebene durch die einzelnen Prozessschritte gewährleisten.

Die Digitalisierung der Frachtbeförderungsinformationen bis Mitte 2024 in der EU, folgt in den Harmonisierungsschritten für alle Transportmodalitäten, dem Model des Weltpostvereins (UPU Electronic Advanced Data [EAD] Global Postal Model) für Einzelsendungen, das seit dem 1. Jänner 2021 verpflichtend für alle nationalen benannten Postbetreiber gilt. Diesem Model ist die EU, mit 1. Juli 2021 für alle Paketsendungen gefolgt.

Transportsicherheitsdaten werden für THG und CO2 Fußabdruck nutzbar.
Mit der grundlegenden Entscheidung des Europäischen Komitees für Normung (CEN) die Normung des ökologischen Fußabdrucks in der Paketzustellung als neuen Arbeitsinhalt in einem Normungsauftrag der Europäischen Kommission zur Vereinheitlichung des Postzustellmarktes in der Europäischen Union als “Europäische Norm” zu befürworten, wird die bereits angestoßene Digitalisierung des Warensendungsmarktes in der EU mit der Ökologisierung verbunden.

Grundlegende Modifikation durch ökologische, datengestützte Zustellung.
Es kommt durch die vorab verfügbaren Daten zu jeder Warensendung (Paket) zu einer erheblichen Effizienzsteigerung der Zustellung auf der letzten Meile (ab der Übergabe aus der Zuführung der Sendungsmengen an das letzte Distributionszentrum zum Endverbraucher). Dabei bestimmen Daten die möglichst effizienteste Vorsortierung – die auch eine dynamische Zustellroute beinhaltet.

Harmonisierung weltweiter CO2-und THG-Emissionen: OSCAR.
Die 192 Mitgliedsstaaten des Weltpostvereins haben auf dem letzten Weltpostkongress 2021, auf Initiative auch von Österreich, beschlossen eine harmonisierte Messung und Berichterstattung von CO2- und THG-Emissionen für den gesamten Postsektor sicherzustellen. Der dazu notwendige Wissensaustausch, nicht nur zwischen benannten Betreibern, sondern dem gesamten Postsektor zur Reduktion von CO²- und THG-Emission, der dazu notwendige Ausgleich, Maßnahmen zur Finanzierung und Anpassung an den Klimawandel, setzen weltweit harmonisierte Messsysteme voraus.

Der Weltpostverein hat mit OSCAR (engl.: Online Solution for Carbon Analysis and Reporting) bereits 2012 begonnen ein Werkzeug zur Messung und Analyse des CO2-Fußabdrucks des weltweiten Postsektors aufzubauen. Über eine interaktive Online-Plattform können Postbetreiber in 192 Mitgliedsländern des Weltpostvereins ihre CO2 und Treibhausgasemissionen (THG) analysieren und melden, aber auch Reduktionserfolge darstellen. OSCAR vereinfacht und harmonisiert die Datenerfassung, passt sich an die Berichtsanforderungen der Postbetreiber an und erstellt automatisch individuelle Berichte für jeden Nutzer. Das System ist in der Lage den teilnehmenden Postbetreibern eine Analyse ihrer individuellen CO2- und THG-Emissionen und einen detaillierten Bericht dieser Emissionen nach Umfang, Quelle und Produkt zur Verfügung zu stellen. Ein Vergleich mit früheren Jahren, um Ergebnisse von Minderungsbemühungen zu dokumentieren, ist genauso möglich, wie eine Leistungsdarstellung anhand von 20 verschiedenen „Carbon Key Performance Indicators“, so lassen sich etwa „Emissionen pro Postsendung“, „Emissionen pro Mitarbeiter“ darstellen. OSCAR nutzt normierte Messmethoden, entspricht ISO 14001 und der Global Reporting Initiative, und erstellt automatisierte Nachhaltigkeitsberichte. (RED)

Als internationales Netzwerk arbeitet der logistic-natives e.V. an dieser Thematik aktiv mit und hat ein Positionspapiermit einer Forderung eines offenen, harmonisierten Messystems von weltweiter CO²- und THG-Emissionen im Postmarkt herausgebracht:
https://bit.ly/37J4UOJ

Wer sich u.a. um eine Ausgewogenheit von Digitalisierung und der Ökologisierung im Postsektor, der Logistik, des Transportwesens und der Infrastruktur im modernen Handel bemühen möchte und Interesse an einer Gestaltung der Zukunft des Marktes hat, meldet sich bitte bei Florian.Seikel@logistic-natives.com oder bei Walter.Trezek@logistic-natives.com.


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Smarte Logistik 4.0

Autonome Roboter für eine pfiffige Lager-Automatisierung, KI-unterstützte Kameras zur Behältererkennung und -verfolgung ohne jeden menschlichen Eingriff und Digitale Zwillinge für das physische Lager oder die planende Lieferkette zeigen den Aufbruch in eine digitale Logistikwelt. Wir blicken auf 12 wichtige Handlungsfelder, die den Paradigmenwechsel zu einer Logistik 4.0 treiben.

Gastbeitrag: Wolfgang Keplinger.

  1. ICH, LOGISTIK-ROBOTER
    Smarter Produktivitätsbooster @ Null-Fehler

Früher hatte man entweder ein manuelles oder ein sehr starr automatisiertes Lager mit teuren, schweren Regalbediengeräten. Die intelligente Lager-Automatisierung  mit smarten und flexiblen Lager-Robotern ist einer der bedeutendsten aktuellen Trends in der Logistik. Zu den smarten Automatisierungsmöglichkeiten im Lager gehören:

  • Automatisierte Shuttle-Lager mit vielen kleinen Robotern/Shuttles anstelle der großen, schweren und wenig flexiblen Regalbediengeräte
  • Pick-Buddies, (z.B. von Locus, Geek+ oder 6River Systems) die die manuell gepickte Ware beim Kommissionierer abholen und zum Versand bringen
  • Shelf-Buddies, (z.B. von Amazon oder Swisslog) die ganze Regale zur Pick-Station bringen, wo dann manuell kommissioniert wird
  • Konzeptionell gänzlich neue, smart automatisierte Lagertypen wie
    • Autostore, das ohne Regal auskommt und durch das direkte Stapeln der Behälter eine enorme Lagerdichte erzielt
    • Servus, ein Shuttle-System, bei dem die Roboter auf Schienen bis in die Produktion fahren und die gepickten Behälter direkt an die Montagelinie übergeben
    • Exotec, ein Shuttle-System, bei dem die Shuttles selbständig die Vertikalbewegung (Klettern am Regal) übernehmen, ansonsten aber frei und autonom verfahrbar sind
  • Autonome Pick-Roboter (z.B. von Magazino oder identytec), die selbständig picken bzw. das Material/die Behälter in den Lagerplatz verräumen
  • Cobots, die Picken bzw. Behälter entstapeln, sortieren, entleeren und anstellen
  • Autonomous Mobile Robots (AMRs) die sich selbständig und autonom im Lager neben den dort arbeitenden Mitarbeitern bewegen und als Unterfahr-/Stapel-/KLT-FTF Material und Behälter transportieren und bewegen
  • Autonome Routenzüge (z.B. von Schiller, Linde oder Asti) für den Transport auf den Routen mit dem starken Transport-Volumen

Alle roboter-basierte Lösungen zeichnen sich durch eine deutlich erhöhte Produktivität und eine weitgehende Fehlerfreiheit aus. Dabei sind die Systeme intelligent, teilweise autonom, kollaborativ, flexibel und agil, skalierbar, elektrisch, energieeffizient und plug&play-fähig. Sie helfen, Mitarbeiter von schweren, unergonomischen Handlings-Aktivitäten zu entlasten und übernehmen vielfach diejenigen Arbeitsschritte, die langweilig, schwierig oder unter Lean-Gesichtspunkten nicht wirklich wertschöpfend sind (z.B. lange Transportwege).

  1. ENDLICH BEIDHÄNDIG
    Wearables befreien die Mitarbeiter

Der mittlerweile fast schon traditionelle Scanner in der Logistik hilft den Mitarbeitern, Material eindeutig zu identifizieren und Materialbewegungen (z.B. Einräumen in einen Lagerplatz / Picken von einem Lagerplatz) sicher zu dokumentieren. Aber der traditionelle Handscanner beschäftigt die Mitarbeiter mit Suchen, wo der Scanner ist, oder mit dem Greifen/Wegstecken des Scanners. Damit zieht der Scanner die Arbeitsfolgen sequentiell in die Länge, denn der Mitarbeiter ist entweder mit dem Scanner beschäftigt oder er geht/fährt durch das Lager.

Der große Nutzen, den die Logistik 4.0 für manuelle Arbeitsplätze erbracht hat, ist es, den Mitarbeitern die Hände wieder für die primär wertschöpfenden Logistik-Tätigkeiten freizuspielen: für das Handling des Materials bzw. für das Fahren von Staplern oder Routenzügen. Frei nach dem Motto: „automate it or wear it“, sollten alle Arbeiten in der Logistik, die nicht wirtschaftlich automatisiert werden können, und somit manuell bleiben, durch Wearables unterstützt werden. Diese Wearables (X-by-Technologien, Handschuhe, Ringe) sind die technologische Lösung, um die Informationsmitteilung bzw. -bestätigung unabhängig von den Händen zu machen, so dass diese für die Kernaktivitäten der manuellen Logistik verfügbar sind: Handling und Lenken. Und damit werden die Prozesse schlanker, denn die Informationsmitteilung bzw. die Bestätigung wird in die wertschöpfenden Kernarbeitsschritte integriert.

Die aktuell wichtigsten Wearables, die den Mitarbeitern ein frei-/beidhändiges und somit ergonomisches und produktives Arbeiten ermöglichen, sind Pick-by-Voice, Pick-by-Vision/Smart Glasses, Gabel-Stapler Gabel-Scanner, Scanner-/RFID-Handschuhe, Daten-Uhren und NFC- und Smart Motion Ringe, die die Steuerung von Zugangskontrollen, Qualitätskontrolle und Ausführungsbestätigungen unterstützen.

Die Wearables erhöhen die Produktivität der Mitarbeiter, die die Wearables tragen. Was aber mindestens so wichtig ist: sie verbessern die Ergonomie der Mitarbeiter und sie reduzieren Fehler.

  1. NO-TOUCH-LOGISTIK
    Jeder weitere Schritt wäre Verschwendung

Einer der größten Aufwands- aber auch Zeittreiber in der Logistik ist die Anzahl der notwendigen Handlingsschritte, d.h. wie oft ein Behälter/eine Palette/ein Karton angegriffen, aufgenommen, abgestellt, umgestellt, eingelagert, ausgelagert, auf- oder abgestapelt oder bereitgestellt wird.

Bezüglich einer handlingsarmen No-Touch Inbound-Logistik gibt es folgende Alternativen (beginnend mit der schlankesten Alternative):

  • Warehouse on Wheels (WoW): Die Materialien werden direkt im Trailer/in der Wechselbrücke in der Nähe des Verbau-Ortes der Materialien bereitgestellt und erst bei Bedarf dem Trailer/Wechselbrücke entnommen und sofort verbaut. WoW wird in der Regel für großvolumige Schnelldreher angewandt, die in einem JIT-/JIS-Modus geplant und bereitgestellt werden, denn es gibt bei diesem Bereitstellungsmodus keine logistische Wareneingangskontrolle.
  • Dezentraler Wareneingang / Ship-to-Line: Hier werden die Materialien de-zentral, d.h. Liniennahe angeliefert, werden ausgeladen und stehen dann in Form von kleinen Puffern mit einer geringen Reichweite (wenige Stunden) direkt am Verbau-Ort zur Verfügung. Auch diese Bereitstellung wird primär für schnelldrehende Materialien im JIT-/JIS-Modus angewandt, hat aber durch die sofortige Entladung vom LKW einen Handlingsschritt mehr als WoW. Dafür werden weniger Gates benötigt und die LKW können in der Regel mehr als ein Material anliefern.
  • Zentraler Wareneingang / Ship-to-Stock: Hier werden Materialien traditionell bei einem zentralen Wareneingang angeliefert, mit den üblichen Kontrollen bezüglich richtiger Materialnummer in der richtigen Anzahl, im richtigen Behälter und Label, unbeschädigt angeliefert. Dieser Prozess eignet sich für alle mittel- und langsamdrehenden Materialien. Ship-to-Stock erfordert aber zusätzliche Handlingsschritte durch die Einlagerung im Zentrallager (d.h. produktions-/montagelinienferne Lagerung) und die bedarfsgerechte Bereitstellung an der Linie oder im Supermarkt durch die Logistik.

  1. DATEN | DATEN | DATEN
    Die transformative Kraft datengestützter Erkenntnisse

Die aktuellen Ansatzpunkte der Big Data Analytics sind:

  • Zusammenhänge finden, die bisher nicht gefunden wurden. Dabei helfen moderne grafische Analysetools (Graph-Analytics, z.B. von Tableau, Y42, Visplore, …), die ein intuitives Arbeiten mit großen Datenmengen erlauben. Um zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Anlagen im Markt, Anlagenausfällen und benötigten Ersatzteilen herzustellen und damit die Verfügbarkeit der Ersatzteile in der richtigen Region rechtzeitig sicherzustellen.
  • Bedarfe und notwendige Kapazitäten richtig(er) vorherzusagen. So wie es Amazon macht und aus dem Absatz von Vergleichs-/Referenzprodukten, Testregionen oder dem Verhalten bestimmter Kundengruppen/-cluster auf zukünftige Bedarfe hochrechnet und dann die einzelnen Artikel in einer bedarfsgerechten Menge vorab in die einzelnen Customer Fulfillment Center legt. Noch lange bevor der tatsächliche Kundenbedarf entsteht oder gar die Kundenbestellungen vorliegen.
  • Echtzeit-Simulation und Optimierung von Lieferketten. Das in Spanien/USA ansässige Startup Factic bietet z.B. eine SaaS-Plattform, die prädiktive Analyselösungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bereitstellt. Dazu werden Data-Mining- und KI-Techniken genutzt, um Daten aus internen und externen Quellen zu analysieren und zukünftige Verkäufe vorherzusagen. Aus den prognostizierten Nachfrageabweichungen werden datengestützte Entscheidungen abgeleitet, um die Beschaffung zu automatisieren. Oder Flexport, ein Start-up aus San Francisco, analysiert cloud-basiert und in Echtzeit Materialvolumina von Importeuren, Exporteuren, Spediteuren, Fluglinien, Schifffahrtslinien, Häfen, Flughäfen und von Zollbehörden, die an einzelnen Häfen/Flughäfen/Logistik-Knotenpunkten erwartet werden. Damit wird gesteuert, über welche Knotenpunkte Sendungen geschickt werden sollen, um möglichst rasch ins Land und zu den Kunden zu gelangen.

 

  1. NACH IHREM BEDARF
    Marktplätze für alles

Der dahinter liegende Logistiktrend ist die „elastische Logistik“, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Lieferketten in Zeiten schwankender Nachfrage effizienter zu gestalten. Das gelingt durch eine bedarfs-entsprechende Vergrößerung oder Verkleinerung des logistischen Netzwerkes. D.h. die ehemals fixen eigenen Assets werden ersetzt durch Logistik-Leistungsangebote, die am Markt kurzfristig dazugekauft oder zurückgegeben werden.

Basis für eine elastische Logistik sind Marktplätze für Transporte, Läger oder die Letzte Meile. Die Transport-Marktplätze bringen den Bedarf an Transportkapazität und das Angebot der Spediteure kurzfristig zusammen. Diese Marktplätze gibt es schon länger, sie existieren für LKW-Ganzladungen, für LTL-Verkehre aber auch für Stückgut. Die neueren Lager-/Warehouse-Marktplätze machen das gleiche im Bereich von Lagerraum und bringen dort flexibel und kurzfristig Angebot und Nachfrage zusammen. Einige bekannte Lager-Marktplätze sind Flexe, Stowga, Stord, Hive, storingcargo oder log-hub. Und schließlich die letzte Meile-Marktplätze, die deshalb von großer Bedeutung sind, weil damit einer der größten Einzel-Kostenblöcke (meist mindestens ein Drittel der gesamten Zustellkosten). So arbeitet z.B. Walmart in den USA zur Zeit an einem Piloten mit einem Letzte-Meile-Marktplatz, um die Express-Lieferungen zeitgerecht zuzustellen. Amazon hat die Plattform Amazon Flex angekündigt, das auf „Auf-Abruf-Dienstleister“ zurückgreift, um die Ausweitung des Prime One Day Lieferprogramms zu beschleunigen.

 

  1. HELLSEHEREI
    Wissen, wo sich ihr Material befindet – jederzeit und überall

Durch die sensorbasierte Verbindung von Objekten/Gegenständen/Sendungen mit dem Internet (IoT) wissen wir praktisch in Echtzeit fast alles über den Zustand dieser verbundenen Sendungen: neben der Lokation kennt man entweder die Qualität der ankommenden Sendung im Detail, oder man kann rechtzeitig eingreifen, bevor ein qualitativer Schaden (z.B. durch Hitze) passiert. Dabei kann die neueste Generation von mikroskopisch kleinen Sensoren (z.B. von RVMagnetics) helfen, diesen logistischen Zustand genau zu erfassen und zu verfolgen. Die Anwendungen für mit dem Internet verbundenen Logistiksensoren sind mittlerweile mannigfaltig: sie helfen Logistik-Gebäude klimatechnisch besser, effektiver und „grüner/nachhaltiger“ zu steuern. IoT-Systeme für das Flottenmanagement (z.B. Fleetroot) optimieren den Einsatz von Fahrzeugen in Logistikflotten. Oder Echtzeit-Überwachungssysteme für Container (z.B. das vom IoT-Startup Globe Tracker) helfen, diese einfacher zu verfolgen oder zu finden.

Ein Beispiel dafür sind die Service-Angebote von Roambee, einem Unternehmen, das ein System zum Monitoring von Lieferketten anbietet, bestehend aus Sensoren, über IoT verbunden mit einer Plattform bzw. mit einem Control Tower zur Überwachung und Verfolgung von Lokation, Sicherheit und Zustand der Materialien in der Lieferkette. Und das flexibel auf Abruf, d.h. als Logistics-as-a-Service. Ohne Investments für den Anwender.

Durch diese immer feinere und echtzeit-basierte Verfolgung einzelner Sendungen wird sich das aktuell eher reaktive Tracking & Tracing zunehmend in ein proaktives Management der erwarteten Ankunftszeit verwandeln (ETA = expected time of arrival). Damit wird die rückwärtsgerichtete Frage, „wo ist jetzt gerade mein Material unterwegs“, immer mehr der Frage weichen „wann wird mein Material ankommen“ und „was muss ich ggfs. tun, um die Kundenerwartungen trotz Abweichungen vom geplanten Zulauf dennoch wie geplant erfüllen zu können“?

 

  1. SUPER-MODELS
    Eine virtuelle Darstellung von allem

Digitale Zwillinge sind eine einzigartige virtuelle Darstellung eines potenziellen oder physischen Objekts oder Prozesses. In der Logistik gibt es mittlerweile Digitale Zwillinge für Läger/Distributionszentren. Dabei handelt es sich um 3D-Modelle eines konkreten Lagers, um damit die Auslastung und Lagerplätze optimieren zu können, für den täglichen Betrieb die Volumen-/Materialströme simulieren und Engpässe vermeiden zu können oder die Schicht- und Arbeitszeiten so anzupassen, dass die bestmöglichen Leistungen und Kundenservices erreicht werden. dm hat 2020 den deutschen Logistikpreis für sein neues Distributionszentrum in der Wustermark erhalten. Auf Basis von digitalen Zwillingen für alle belieferten Filialen werden im Distributionszentrum die Waren für die jeweilige Filiale so gepackt, dass filialspezifisch der Regal-Einräumprozess möglichst aufwandsarm erfolgen kann. D.h. das Distributionszentrum berücksichtigt bei der Colli-Bildung welche Materialien in einer spezifischen Filiale nebeneinander im Regal liegen.

Logistik-Zwillinge gibt es aber auch für gesamte Lieferketten. Dann wird diese Lieferkette vom Lieferanten über die einzelnen Lieferstufen bzw. über die Logistikdienstleister hinweg in einem digitalen Zwilling abgebildet. Diese digitalen Zwillinge dienen dann dazu, die planenden und steuernden Prozesse der Logistik zu optimieren. Mit diesen Zwillingen werden z.B. im Control Tower die Lieferketten gesteuert. Es wird erkannt, wie sich Engpässe auf die Lieferkette auswirken, bzw. welche Verbesserungsmaßnahmen notwendig sind, um die Auswirkungen auf den Kunden-Lieferservice möglichst gering zu halten oder die Kosten für Express-Transporte nicht explodieren zu lassen.

  1. PROGRAMMIERTE WISSENSERWEITERUNG
    Wie von Zauberhand

KI (Künstliche Intelligenz) ist in Kernbereichen der Logistik inzwischen fest etabliert und führt zu einer deutlichen Effizienz-, Qualitäts- und Produktivitätsverbesserung. Zu den Kern-Anwendungsbereichen der KI in der Logistik gehören:

  • Prädiktive Nachfragevorhersagen – im Bereich der Logistikplanung, als Basis für zukünftige Kundenbedarfe, als Input für S&OP-Prozesse. Die sichere Erkennung und Vorhersage von Kundenbedarfen lange bevor sie sich tatsächlich realisieren ist die Basis für robuste Lieferketten mit einem hohen Kundenservicegrad. Das neuseeländische Start-up Insite bietet z.B. KI-basierte Softwarelösungen für Preisvorhersagen, Nachfrageprognosen und die Optimierung von Abläufen und Prozessen an, die vor allem in der Konsumgüterindustrie und im Einzelhandel eingesetzt werden.
  • Routenoptimierung – sowohl im Bereich der Letzten Meile der Zustellung als auch für AMRs im Lager oder auf dem Fabrikgelände. Das australische Startup Adiona entwickelt KI-basierte Optimierungssoftware-as-a-Service (OSaaS), mit der Unternehmen ihre Logistikprozesse verbessern und Kosten senken können, indem Lieferrouten statisch und dynamisch optimiert werden.
  • Prozessautomatisierung basierend auf der intelligenten Erkennung von handschriftlich ausgefüllten Formularen (KI-basierte OCR-Erkennung). Damit können in internationalen Lieferketten viele manuelle Papier-/Formular-Prozesse deutlich vereinfacht, standardisiert und beschleunigt werden.
  • Visuelle Bilderkennung – KI-unterstützte smarte Kameras erkennen Behälter, Label, Personen, Maschinen, Stapler und zeigen diese immer fehlerfreier und mit einer immer größeren Zuverlässigkeit an. Damit wird es den AMRs möglich, selbständig ihre Routen zu finden, auch wenn sich diese oder die Hindernisse in den Routen dynamisch verändern. Andere Anwendungen unterstützen beim raschen und sicheren Zählen von Materialien in Behältern, beim Erkennen von Label im Zuge drohnengestützter Inventur, bei der Erfassung von Behältern im Leergutlager oder bei bildschirmgeführten und kontrollierten Packvorgängen.

 

  1. FAHRER VERLOREN
    Wer steuert da im Hintergrund?

Die Experten unterscheiden in die Kategorien des assistierten Fahrens, des automatisierten und des autonomen Fahrens. Der aktuelle Entwicklungsstand in Deutschland liegt gerade beim Erreichen des Levels 3 –  des automatisierten Fahrens. Damit werden erste Fahrzeuge (z.B. Audi A8, Daimler S-Klasse) für das hochautomatisierte, selbständige Fahren auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h und in Stausituationen vollständig an den Fahr-Computer übergeben, der Fahrer hat dann keine Kontrollpflicht mehr. Im Bereich der Logistik gibt es drei Hauptanwendungsbereiche des autonomen Fahrens:

  • Fahrerlose LKW – TuSimple, ein amerikanisches Start-up, hat sich auf die technologische Ausstattung von LKW zum autonomen Fahren spezialisiert. Das Unternehmen ist zur Zeit führend mit seinen Level 4 Fähigkeiten für die USA, bei dem das Fahrzeug bestimmte Autobahnabschnitte völlig selbständig bewältigt und der Fahrer die Fahrzeugführung vollständig abgegeben kann.

In Europa bietet die schwedische Firma Einride einen fahrerlosen LKW an. Sein futuristisches Fahrzeugdesign ohne Fahrerkabine zieht die Blicke auf sich bei den ersten Fahrten auf öffentlichen Straßen zwischen zwei Logistik-Hubs vom Anwendungspartner DB Schenker.

  • Autonome Fahrzeuge für die Intralogistik – hier hat sich in den letzten Jahren die Entwicklung von AGVs (Automated Guided Vehicles – berührungslos geführte Fahrzeuge), die unabhängig von der Führungstechnologie auf mehr oder weniger fest definierten Routen unterwegs waren zu den AMRs (Autonomous Mobile Robots) vollzogen, die wirklich autonom unterwegs sind, frei die Route wählen und auch Hindernissen problemlos ausweichen können.
  • Zustell-Rovers für die letzte Meile – diese autonomen Roboter fahren auf öffentlichen Straßen und vor allem auch auf Gehwegen und übernehmen die Hauszustellung von e-commerce-Bestellungen oder vielfach auch die Zustellung von Essens-Bestellungen aus Restaurants.

 

  1. ALLES AUTOMATISIERT
    Prozessautomatisierung nicht nur physisch im Lager

Mit der neuen Blockchain-Technologie und der RPA (Robotic Process Automation) stehen nun Technologien bereit, die auch eine Automatisierung von bisher manuellen/Back-Office-Prozessen ermöglichen. Die Blockchain-basierten Smart Contracts erlauben die automatische Ausführung von Prozessschritten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Der Vorteil dieser Smart Contracts liegt auch darin, dass diese Bedingungen nicht unbedingt vor Ort gegeben sein müssen, sondern die Prozesse auch aus der Ferne getriggert werden können. Damit ist die Blockchain-Technologie dafür geeignet, den Informations-/bisherigen Papierstrom in Lieferketten zu automatisieren. Zahlungen können ausgelöst werden bzw. ein Eigentums- oder Verantwortlichkeitsübergang kann bestätigt werden, wenn bestimmte physische Zustände eingetreten sind (wie z.B. Ware im Hafen XY angekommen) oder wenn bestimmte Papiere wie Frachtbriefe an bestimmten Orten erfasst wurden. Auf diese Weise kann auch die Zollabwicklung vereinfacht und (teil-) automatisiert werden. Das Start-up Steamchain erlaubt z.B. blockchain-basierte Zahlungen, das Start-up Shipchain bietet eine Lösung für eine weltweite Sendungsverfolgung.

RPA (Robotic Process Automation) ermöglicht die kostengünstige Automatisierung von sich wiederholenden einfachen Aufgaben (z.B. Daten-Transfer zwischen verschiedenen EDV-Systemen), eliminiert dabei menschliche Fehler und reduziert die Gemeinkosten. RPA-Software führt zum Beispiel Vorgänge wie die Rechnungsverarbeitung, die automatische Speicherung von Informationen in Prüfprotokollen oder die automatische Eingabe einer Bestellung durch.

  1. NACHHALTIG GRÜN
    Unserem Planeten zuliebe

Die in der Vergangenheit eher kleinteiligen Verbesserungen in Richtung einer grünen Logistik, haben sich in den letzten Jahren in eine ernstzunehmende Anwendung von umweltfreundlichen Technologien und Praktiken gewandelt. Viele Unternehmen arbeiten nunmehr an der bekannten 4V-Strategie, um die Logistik nachhaltiger zu machen: Vermeiden, Verlagern, Vermindern, Vergüten. So hat z.B. Gartner bei den Supply Chain Top 25 als ein Learning von den Besten festgestellt, dass diese nachhaltig an der Reduktion des CO2-Fußabdrucks arbeiten, vielfach auch in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten oder Kunden. Die wichtigsten Nachhaltigkeits-Trends in der Logistik sind:

  • Verringerung des Transportaufkommens durch bessere Planung, bessere Bedarfsprognosen, Bündelung von Transporten gemeinsam mit Lieferanten und Kunden, um die teilweise 40% Leerfahrten von LKW zu reduzieren. Nach all den Aktivitäten in Richtung same day/2-h deliveries bietet Amazon nun in den USA den Kunden auch die Möglichkeit an, eine Zustellung nur innerhalb der nächsten 6 Tage auszuwählen, um Transporte bündeln und somit Fahrten reduzieren und die Zustellung somit nachhaltiger machen zu können.
  • 0-Emission-Fahrzeugflotten – Umstellung der Fahrzeugflotten auf voll-elektrische Fahrzeuge bei den Logistik-Dienstleistern. So hat z.B. DHL schon in den letzten Jahren insgesamt 20.000 vollelektrische Streetscooter in Betrieb gestellt und plant in den nächsten Jahren noch weitere 100.000 in die Flotte zu nehmen. Oder Amazon, das 100.000 vollelektrische Zustellfahrzeuge bei Rivian bestellt hat.
  • Geschlossene Logistikkreisläufe für Behälter bzw. wiederverwendbare Verpackungen –

ermöglicht durch neue Start-ups, die industriellen Kunden aber auch Endverbrauchern einen geschlossenen Verpackungskreislauf anbieten. Dazu zählen Unternehmen wie Loop, RePack, Returnability oder The Wally Shop. Oder Ikea, das gerade neue, umweltschonende und rezyklierbare Verpackungen aus nachwachsenden Pilzen (z.B. von Ecovative) testet.

  • Logistikgebäude ohne CO2-Emission. Neben der Nutzung der Dächer von Logistiklägern zur Strom- oder Wärmeproduktion mittels Solardächern, geht es nun mehr und mehr darum, durch intelligente IoT-basierte Sensoren die Energiesteuerung (Licht, Wärme, Kälte) weiter zu optimieren und zu verbessern.

 

  1. SEHEN UND GESEHEN WERDEN
    Zuverlässige Bilderkennung von allem

Die Firma identpro bietet zur Zeit eine sensorbasierte Lösung für die scannerfreie Behälter-/GLT-Verfolgung mittels Stapler an. Dabei werden die Stapler mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, zur kontinuierlichen Bestimmung der aktuellen x-/y-Koordinate des Staplers im Raum und einem Höhensensor auf der Gabel zur Bestimmung der z-Koordinate. Bei jeder Änderung der Gabel-Beladung werden die x-/y-/z-Koordinaten in eine Datenbank weggeschrieben (digitaler Zwilling). Damit kann mit einer einzigen, einmaligen Erfassung eines GLTs oder einer Palette (ein einziger Scan z.B. am Wareneingang) in Echtzeit jede aktuelle Lokalisierung einer jeden Palette/GLTs über den digitalen Zwilling ermittelt werden. Das ist eine funktionierende Lösung zur scannerfreien aber dennoch zuverlässigen Materialverfolgung von GLTs/Paletten mittels Stapler.

An einem der wahrscheinlich wirkungsvollsten technologischen Trends wird zur Zeit noch gearbeitet: die automatisierte, KI-kamera-basierte Behälterverfolgung ohne Label-Scannung. Beim Computer-Vision-Ansatz werden KI-basierte Kamerasysteme verwendet, die kontinuierlich sowohl von fixen Plätzen aus (z.B. montiert an der Decke einer Produktions- oder Lagerhalle) bzw. von mobilen Plätzen (auf AMR/Routenzügen/Staplern) jede Bewegung im Sichtfeld der jeweiligen Kamera verfolgen und intelligent identifizieren. Die Software stellt dann sicher, dass die Bewegung eines jeden Behälters lückenlos mitverfolgt wird (angeboten z.B. von logivations). Dabei wird auf KI-Unterstützung zugegriffen. Auch wenn diesbezügliche Lösungen sich noch vielfach in Pilot- und Testanwendungen befinden, zeichnet sich hier eine der spannendsten Entwicklungen für die nächsten Jahre ab, die die Intralogistik wirklich revolutionieren kann.

Die KI-basierte Label-Erkennung ist heute schon Standard bei den am Markt befindlichen Inventurdrohen und funktioniert dort schon fehlerfrei. Die Anwendung von KI-basierten Kamerasystemen am Wareneingang, um eine vollautomatisierte Logistikprüfung (richtige Ware, richtige Menge, übereinstimmend mit der Bestellung, richtiges Label, richtige Verpackung, und transportschadenfrei angeliefert) ist nur eine natürliche Weiterentwicklung dieser Kamera-Wundersysteme. Damit wird sich dann auch der Wareneingang der One-Touch-Logistik nähern, noch produktiver werden, und eine der Voraussetzungen für eine zukünftig dann automatisierte Entladung der LKW schaffen.

Nicht alle der 12 Handlungsfelder sind für alle Unternehmen gleich relevant. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen in Abhängigkeit von den Branchenanforderungen und der bereits realisierten Logistik 4.0-Roadmap. Was aber sicher ist: unter den 12 die Logistik grundsätzlich verändernden Handlungsfelder sind wahrscheinlich mindestens 8 mit echter Handlungsrelevanz für jedes einzelne Unternehmen. Identifizieren Sie Ihre Top-Veränderungsbereiche und starten Sie möglichst rasch mit der Umsetzung. Die Themen sind spannend, denn noch nie hat es so viele technologische Neuerungs-Chancen in der Logistik gegeben wie heute.

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

55.000 Paar Laufschuhe pro Tag – ASICS hält sich fit für die Zukunft

ASICS, gegründet 1949, ist eine der weltweit führenden Marken für Sportschuhe und Sportbekleidung. ASICS verfolgt die Mission, Sportequipment und Dienstleistungen für einen gesunden und erfüllenden Lebensstil zur Verfügung zu stellen.

Beitrag: Redaktion. 

ASICS steht für Anima Sana in Corpore Sano, also gesunder Geist, gesunder Körper. Diese Mission unterstützt auch das neue automatisierte Distributionszentrum im französischen Garons und hilft der Welt dabei, in Bewegung zu bleiben: Von hier aus erfolgt die B2B-Distribution der Sportartikel in 20 Länder Europas. Zu Spitzenzeiten verlassen am Tag bis zu 55.000 Paar Schuhe das DC Garons. Zusätzlich bietet die skalierbare Automatisierungslösung ASICS ausreichend Raum für zukünftiges Wachstum.

Automatisierung für optimalen Service, zufriedene Mitarbeiter und Geschäftswachstum.
Das Unternehmen ASICS steht für Innovation und Verantwortung, sowohl gegenüber Kunden als auch Mitarbeitern. Mit dem neuen Automatisierungsprojekt wollte ASICS einerseits den Kundenservice optimieren und andererseits ideale Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter im Lager schaffen. Eine weitere Herausforderung bestand darin, das logistische System so auszulegen, dass ganzjährig ein effizienter Betrieb sichergestellt ist und die Leistung zu den Peak-Zeiten im Frühjahr und um Weihnachten verdoppelt werden kann.

Zuverlässiger Partner und Lösung – aus einer Hand gesucht.
Eine Kombination aus erprobter Automatisierungstechnologie, maßgeschneiderter Software sowie effizienter Prozesse, die auf die Anforderungen von ASICS abgestimmt sind, ermöglichen hohe Leistung und individualisierte Service-Leistungen für die B2B-Kunden in 20 Ländern Europas. „Wir waren auf der Suche nach einer zuverlässigen Automatisierungslösung mit geringem Wartungsbedarf, hoher Ausfallsicherheit und ausreichend Flexibilität, um uns in unserem Wachstum zu unterstützen. Das System von KNAPP bietet uns all dies“, erklärt Yann Bourgeon Maintenance and Facility Manager, ASICS.

Die Reise eines Sportschuhs -durch das DC Garons.
Wie funktionieren die Prozesse im neuen Distributionszentrum von ASICS nun? Und welche Wege und Arbeitsschritte durchläuft ein Paar Sportschuhe von der Anlieferung bis zur Auslieferung an einen Store? Begeben Sie sich mit uns auf die Reise.

Warenanlieferung und Wareneingang.
Die Waren werden in Großpackungen in Überkartons angeliefert und in einem statischen Hochregallager eingelagert. Pro Tag kommen 30.000 Paar Schuhe sowie Sportequipment im Lager an.

Decanting I Umpacken in Lagerbehälter.
An 6 Wareneingangsarbeitsplätzen packen Mitarbeiter die Schuhkartons und Sportbekleidung für die Einlagerung in das automatische Lagersystem in Lagerbehälter um. In jedem Lagerbehälter passen 8 Paar Schuhe, dies sorgt für optimale Lagerdichte im System.

Lagerung im OSR Shuttle Evo.
Das OSR Shuttle Evo ist die neueste Generation unserer Shuttle-Systeme und zeichnet sich durch besonders hohe Leistungsfähigkeit, Ausfallsicherheit und Lagerdichte aus. Aktuell besteht das zentrale Lagersystem aus 4 Gassen und 64 Ebenen mit 38.000 Stellplätzen. Das System lässt sich bei Bedarf um eine weitere Gasse mit 9.500 Stellplätzen erweitern. Für eine optimale Platzausnutzung werden die Behälter doppeltief gelagert: Der Füllgrad des Systems beträgt 97 Prozent.

KiSoft sorgt für Transparenz.
An welchem der 38.000 Stellplätze befindet sich nun unser Sportschuh? Wie viele Stück und welche Größen sind sonst noch auf Lager? Können alle Aufträge wie geplant erfüllt werden und wie ist der Status jedes einzelnen Shuttles? Ist die Auslastung der Arbeitsstationen gleichmäßig? Antworten auf alle diese Fragen und noch mehr weiß die intelligente All-in-One-Software KiSoft. Alle Informationen und Leistungsdaten sind am Leitstand oder auch am mobilen Tablet zu überblicken.

Auftragsstart I Kartonaufrichter.
Für die unterschiedlichen Auftragsgrößen sind im Lager 2 Kartongrößen im Einsatz: 2 Kartonaufrichter formen die Kartons und stellen einen kontinuierlichen Nachschub an Kartons im Kommissionierbereich sicher. Pro Stunde werden 800 Kartons aufgerichtet.

Ergonomische Auftragsbearbeitung.
Work smart, not hard. So lautet das Motto an den Pick-it-Easy-Arbeitsplätzen. Die Auftragsbearbeitung erfolgt im Ware-zur-Person-Prinzip. Die Arbeitsplätze kombinieren ergonomisches Design mit optimaler Leistung und fehlerfreier Auftragsbearbeitung. Bei ASICS sind insgesamt 5 dieser topmodernen Pick-it-Easy-Arbeitsplätze im Einsatz und schaffen ein angenehmes Arbeitsumfeld. Rund 2.500 Stück können pro Stunde gleichzeitig an den Arbeitsplätzen bearbeitet werden.

Value-Added-Services.
Nach der Kommissionierung erhalten die Versandkartons im Value-Added-Service-Bereich noch den letzten Feinschliff. Hier werden zum Beispiel Werbematerialen oder Zolldokumente beigegeben und Großkartons aus dem Hochregallager mit der Lieferung konsolidiert.

Belegbeigabe I Kartonverschließer.
Lieferscheine und Packlisten werden ebenfalls automatisch gedruckt und immer an den letzten Karton einer Lieferung übergeben. Ein automatischer Kartonverschließer verschließt die Versandkartons; große Kartons werden bei Bedarf in der Höhe gekürzt, um Platz im Transportfahrzeug zu sparen.

Versand.
Im Versandbereich ist jede Rampe einem Zielland zugeordnet. Die fertigen Versandkartons werden auf unterschiedliche Rampen verteilt und verladen. Und ab geht die Reise in eines von 20 Ländern und einen von 10.000 Stores.

Mit starker Partnerschaft zum Erfolg.
Partnerschaftliche Zusammenarbeit und offene Kommunikation sind für uns der Schlüssel zum Projekterfolg. Durch enge Zusammenarbeit konnte das Projekt wie geplant – trotz der Corona-Pandemie – umgesetzt werden und den Betrieb aufnehmen. „Die Zusammenarbeit mit ASICS ist partnerschaftlich und geprägt von Offenheit. Für mich als Projektmanager ist es immer das Schönste, wenn das System in Betrieb geht und zur Zufriedenheit des Kunden läuft“, freut sich Philipp Jaklin, Senior Project Manager bei KNAPP über den Erfolg. Zufrieden mit der Zusammenarbeit und vor allem den Ergebnissen im täglichen Anlagenbetrieb zeigt sich auch ASICS-Logistik-Manager Cyril Leblonde: „Die Zusammenarbeit mir KNAPP zeichnet sich durch die Professionalität aus. So konnten wir unsere Ziele schneller als geplant erreichen und haben mittlerweile unsere Leistungsziele übertroffen. Mit der neuen Lösung können wir nun besser auf die Anforderungen des Marktes eingehen.“ Mit intelligenter Automatisierung hält sich ASICS fit für die Zukunft und ist bereit für weiteres Wachstum. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Aus dem richtigen Holz geschnitzt

Fast 33 Milliarden Liter Milch wurden dem Milch Industrie Verband (MIV) zufolge 2018 in Deutschland verarbeitet. Ein Großteil, nämlich 44 Prozent der gesamten Rohmilch, floss dabei in die Produktion von Käse.

Beitrag: Redaktion.

Deutschland ist Retouren-Europameister. Jeder zweite Online-Kunde hat im vergangenen Jahr mindestens eine Bestellung zurückgeschickt – insgesamt über 500 Millionen Produkte. Ein hoher Retourenanteil im Endkundengeschäft stellt auch die HABA-Firmenfamilie vor Herausforderungen. Auf der Suche nach einer Lösung mit hohem Automatisierungsgrad für sein großes Distributionszentrum in Bad Rodach wurde der Spielwarenhersteller bei Dematic fündig.

Mit dem modularen und skalierbaren Dematic Taschensortiersystem bietet der Intralogistik-Spezialist eine flexible Lösung, mit der sich verschiedenste Arten von Gütern lagern, sortieren, sequenzieren und zwischenpuffern lassen. Damit ist das System ideal für den Einsatz im E-Commerce und Omni-Channel-Fulfillment und insbesondere für die Retourenbearbeitung geeignet.

Die HABA-Firmenfamilie hat ihre Wurzeln in der Spielwarenherstellung und ist dort bis heute einer der führenden Anbieter in Deutschland. Seit mehr als 80 Jahren vertreibt das fränkische Unternehmen Holzspielzeug. Neben Bauklötzen und Kugelbahnen aus nachhaltiger Forstwirtschaft zählen heute aber auch diverse Puppen, Brett- und Kartenspiele, Bücher sowie Einrichtungen für Bildungskonzepte und Bekleidung zum Angebot. Neben der Belieferung ausgewählter Fachhändler und Bildungseinrichtungen bietet das Unternehmen unter den Marken HABA, JAKO-O, FIT-Z, Qiéro! und Wehrfritz einen Großteil seiner Produkte online B2C an. Mindestens 700 Sendungen verlassen pro Stunde das Distributionszentrum in Bad Rodach.

Effizientes Retourenmanagement.
Wie so oft im E-Commerce kommen aber auch zahlreiche Pakete auf gleichem Wege wieder zurück. Die Gründe sind unterschiedlich: Nur selten sind die Waren beschädigt. Viele Kunden ordern von vornherein mehrere Alternativen und schicken die nicht ausgewählten zurück. In anderen Fällen entsprechen die Bestellungen nicht exakt den Erwartungen der Käufer. „Ein Großteil dieser Waren sind sogenannte A-Retouren, also einwandfreie Produkte, die sofort wiederverkauft werden können“, sagt Torsten Kreußel, Leiter Prozessmanagement, Produktion und Logistik bei der HABA-Firmenfamilie.

Genau hier stieß die Intralogistik bei der HABA-Firmenfamilie vor zwei Jahren an ihre Grenzen. Denn viele Arbeitsschritte liefen noch manuell ab. Aufgrund der Vielzahl an Retouren vergingen mitunter Tage, bis die Produkte wieder zum Verkauf bereitstanden. „In Hochphasen erreichen unseren
Wareneingang bis zu 1.500 Artikel pro Stunde. Unser Retourenmanagement war den Dynamiken des heutigen E-Commerce schlicht nicht mehr gewachsen“, erinnert sich Kreußel.

Flexibel wie eine Kugelbahn.
Eine automatisierte Lösung sollte her, um die Retourenabwicklung nahtlos in den Fulfillment-Prozess zu integrieren und die Zugriffszeiten somit zu verkürzen. Zur besonderen Herausforderung wurde der Wunsch nach einem System, dass sich auf begrenztem Raum in die bestehenden Anlagen integrieren ließ – und das alles bei laufenden Betrieb. Im Auswahlverfahren stieß die HABA-Firmenfamilie schnell auf das Taschensortiersystem von Dematic. „Die Idee, den bis dato ungenutzten Luftraum unserer Logistikflächen für einen flexiblen Taschensorter zu nutzen, hat uns sofort zugesagt“, erklärt Kreußel.

Das Dematic Taschensortiersystem ist eine ganzheitliche Lösung und unterstützt sowohl den reinen E-Commerce als auch den Omni-Channel-Versand. Für den Warentransport verwendet das System Taschen, die platzsparend an Rollen aufgehängt sind und in einer Überkopfschiene laufen. Dank des modularen Aufbaus und variabler Kettenlänge kann der Taschensorter kompakt in nahezu jeder Anwendungsumgebung verbaut werden. In den Taschen können verschiedenste Produktformen und -größen mit einem Gewicht bis zu drei Kilogramm transportiert, sortiert und sequenziert werden. „Da wir über ein sehr breites Produktsortiment verfügen, waren Flexibilität und Skalierbarkeit notwendige Voraussetzungen“, sagt Kreußel.

Vollautomatische Taschenbeladung.
Bei der HABA-Firmenfamilie findet die automatische Taschenbeladung direkt nach der Retourenbearbeitung im Erdgeschoss statt. Dazu hat Dematic eine Gurtschleife für Leerbeutel sowie ein zusätzliches Förderband entlang der Arbeitsplätze in die bestehende Technik integriert, das die Waren zur Induktionsstation transportiert. „Das System belädt bis zu 1.200 Taschen pro Stunde mit jeweils einem Packstück, das sich per RFID-Tag und Barcode identifizieren lässt. Somit können wir jederzeit im System erkennen, wo sich welcher Artikel befindet“, so Kreußel. Anschließend werden die Behälter über einen Steilförderer in das dynamische Taschenlager im zweiten Obergeschoss transportiert. Dort befinden sich in zwei übereinanderliegenden Ebenen 18 Pufferkreisel mit jeweils 128 Metern Länge, in denen knapp 40.000 Taschen Platz finden und dort zirkulieren, bis sie erneut einer Bestellung zugewiesen werden. „Die Retouren sind damit nach nur 30 bis 45 Minuten wieder verkaufsfertig“, erläutert Kreußel. Nicht lesbare Artikel oder Überbestände werden aus dem Kreislauf ausgeschleust und zurück ins Erdgeschoss befördert, wo die Taschen am Housekeeping wiederum automatisch entladen werden. Dazu hat Dematic eine Rutsche installiert, die den Arbeitsplatz mit der bestehenden Anlage verbindet.

Reibungslose und fehlerfreie Kommissionierung.
Die Zusammenstellung neuer Aufträge erfolgt im zweiten Obergeschoss mittels Batch-Kommissionierung aus dem Dynamikpuffer. Die benötigten Waren werden dafür zunächst aus dem dynamischen Puffer zum Taschensammler transportiert. Dabei handelt es sich um einen Sortierbereich mit 17 parallelen Stangen, auf denen die Produkte ihrer jeweiligen Batch zugeordnet werden. Bis zu 2.000 Artikel können pro Stunde über den Sammler ausgegeben werden. Ist ein Batch mit bis zu 60 Sendungen komplett, fahren die vorsortierten Taschen weiter zu den beiden Umpackstationen.

Für die Taschenentladung wurde bauseits eine neue Bühne inklusive Anbindung an die Bestandsfördertechnik errichtet. Damit sie exakt den Vorgaben des Taschensortiersystems entsprach, übernahm Dematic die technische Planung. Nach dem automatischen Öffnen der Taschen gelangen die Artikel über ein Förderband zu zwei manuellen Arbeitsplätzen. Mitarbeiter etikettieren sie dort und legen sie in Behälter, die vorab aus dem Kreislauf für Leerbehälter ausgeschleust wurden. Damit die Mitarbeiter die Waren beim Auszeichnen nicht vertauschen, ist der Gurtförderer sensorgesteuert. „Die nächste Tasche wird erst entladen, wenn das vorherige Produkt vom Band genommen wurde“, erklärt Kreußel.

Wieder zurück auf Anfang.
Die Behälter eines Batches (circa 60 Aufträge) verbleiben so lange am Arbeitsplatz, bis sie komplett sind und per Knopfdruck der Weitertransport ausgelöst wird. Anschließend gelangen sie über ein Transferelement zurück auf die bestehende Förderanlage und werden zum vorhandenen Wannenpuffer transportiert. Erst hier erfolgt die Konsolidierung der Gesamt-Batches mit den Waren aus dem Fachbodenlager. „Da wir Bestellungen nur in Ausnahmefällen komplett aus Retouren und dem dynamischen Puffer im Obergeschoss zusammenstellen können, war eine vollständige und reibungslose Integration des Taschensorters in die bestehende Anlage entscheidend“, betont Kreußel.

Die endgültige Konsolidierung der Aufträge.
erfolgt im Anschluss über die Putwalls der Bestandsanlage. Die entladenen Taschen werden automatisch wieder verschlossen und gelangen  anschließend über den Förderschacht zurück ins Erdgeschoss, wo sie bis zu ihrem nächsten Einsatz in der Leertaschenstrecke zirkulieren. Bis zu 750 leere Beutel können so pro Stunde und Arbeitsplatz für die Beladung bereitgestellt werden.

Noch immer Luft nach oben.
Durch die Dematic-Lösung hat sich der Retourenprozess bei der HABA-Firmenfamilie erheblich vereinfacht, resümiert Kreußel: „Die Wiederverfügbarkeit eines Artikels hat früher mehrere Tage in Anspruch genommen. Mit dem Taschensortiersystem dauert es jetzt weniger als eine Stunde. Das spart uns nicht nur Zeit und Arbeitskräfte für die Rücksortierung der Ware ins Fachbodenregal, sondern auch Geld und sorgt durch kürzere Lieferzeiten und somit für noch höhere Kundenzufriedenheit.“

Dabei hat der Taschensorter seinen vollen Leistungsumfang noch gar nicht erreicht. Denn dank des modularen Aufbaus lässt sich das Taschensortiersystem im Nachhinein noch erweitern. Darauf hat Dematic auch bei der HABA-Firmenfamilie geachtet und die potenzielle Erweiterung bei der Planung der Anlage berücksichtigt. „Durch fünf weitere Abgaben im Taschensammler sowie einen dritten Umpack-Arbeitsplatz können wir die Kapazität zukünftig noch ohne großen Aufwand ausbauen“, so Kreußel. Damit ist die HABA-Firmenfamilie auch für die wachsenden Anforderungen des E-Commerce gewappnet. (RED)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

Nachhaltige Intralogistik für widerstandsfähige Unternehmen

Steffen Bersch, CEO der SSI Schäfer Gruppe, erläutert die steigende Bedeutung einer nachhaltigen Logistikorganisation. Als Intralogistik-Experte unterstützt SSI Schäfer Unternehmen, ihre wirtschaftlichen und nachhaltigen Ziele zu verfolgen und ihre Logistikstruktur effizient und widerstandsfähig zu gestalten.

Beitrag: Redaktion.

Herr Bersch, wie relevant ist das Thema Nachhaltigkeit in der Logistik?

Die Logistik ist das Rückgrat fast jeden Sektors und die entsprechenden Leistungen und Lösungen unverzichtbar für eine moderne Gesellschaft. Intralogistik ermöglicht es Unternehmen, in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen, sowohl lokal als auch in einem globalen Umfeld, zu agieren. Eine funktionierende und nachhaltige Lieferkette ist dabei einer der Erfolgsfaktoren für die meisten Unternehmen. Denn Ressourcen sind endlich und müssen vernünftig eingesetzt werden.

Digitale Transformation, Klimawandel, Corona-Pandemie – warum sollten Unternehmen in diesen dynamischen Zeiten in das Thema Nachhaltigkeit investieren?

Die Corona-Krise mit den Lockdowns und den vielen Beschränkungen steht in scharfem Kontrast zu dem „Höher, schneller, weiter“, das unseren Alltag bisher prägte. Im Laufe der Jahre lag der Schwerpunkt oft auf der Steigerung der Rentabilität. Inzwischen wird Nachhaltigkeit mehr und mehr zu einem Schlüsselfaktor für den künftigen Geschäftserfolg. Nachhaltig ausgerichtete Unternehmen erweisen sich oft als widerstandsfähiger und können Herausforderungen wie die Corona-Pandemie besser bewältigen.

Im August ist SSI Schäfer der Initiative der „50 Sustainability and Climate Leaders“ beigetreten. Möchten Sie aufmerksam machen auf den sich ändernden Fokus in den Unternehmen?

Die Initiative, der wir beigetreten sind, orientiert sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Wir als Unternehmen SSI Schäfer fühlen uns diesen Zielen verpflichtet. Als international führender Anbieter von Lager- und Logistiksystemen beschäftigen wir uns schon lange mit nachhaltigen Lösungen. Wir wollen vor allem den Wandel zu einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Intralogistik fördern und Diskussionen in den Unternehmen anregen. Die “50 Sustainability and Climate Leaders“ bieten eine gute Plattform, um unser Anliegen darzustellen und weiterzuentwickeln.

Wie sieht nachhaltige Logistik von SSI Schäfer aus bzw. welche Systeme und Bereiche betrifft es?

Als einer der weltweit führenden Anbieter von Intralogistiklösungen sind wir ein idealer Partner für Unternehmen, die wirtschaftlich tragfähige und zukunftsorientierte, nachhaltige Ziele verfolgen. Wir verfügen über ein breites Portfolio an innovativen Produkten und Lösungen, die wir für die spezifischen Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden kombinieren.

Dazu zählen vor allem: Energieeffizienz sowie das umweltfreundliche Betreiben von Lager- und Logistikprozessen, ökologische Bauweisen, kurze Lieferketten, vorausschauende Wartung und Fernwartung, gesunde Arbeitsbedingungen und eine sauberere Umwelt sowie weniger Abfall und die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks.

Können Sie Beispiele aus Ihrem Kundenkreis nennen?

Im Rahmen unserer Beteiligung an der Initiative der „50 Sustainability and Climate Leaders“ heben wir drei aktuelle Kundenprojekte besonders hervor, da sie die Facetten einer nachhaltigen Logistik beispielhaft aufzeigen:

1. Nachhaltige Innovation zur Schaffung einer skalierbaren Lösung für ein neues, lokales Lebensmittelsystem mit Infarm (Europa)

2. Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel und unvorhersehbare Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie mit ORCA Cold Chain Solutions (Asien)

3. Ein digitales Distributionszentrum mit energieeffizienter Hardware und einer intelligenten Softwarelösung für die vorausschauende Wartung mit Pepperl+Fuchs (Nordamerika). Entsprechend der UNO-Prognose, dass bis 2030 80% der Bevölkerung in Städten leben werden, wird, zusammen mit dem erwarteten Bevölkerungswachstum, die Nachfrage nach der Lebensmittelproduktion unsere wertvollsten Ressourcen übersteigen.

Infarm und SSI Schäfer arbeiteten zusammen, um den Schritt von der traditionellen Landwirtschaft zur automatisierten „vertikalen“ Landwirtschaft zu ermöglichen. Vertical Farms haben eine entscheidende Bedeutung erlangt, um Städte und Siedlungsgebiete integrativ, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten. Im Vergleich zu traditionellem Ackerbau ist die innovative Lösung bis zu 400 Mal effizienter (d.h. auf 25 m² können Landwirte das Äquivalent von fast 2 Hektar Ackerland produzieren), sie benötigt 95% weniger Wasser, 75% weniger Dünger und kommt ganz ohne chemische Pestizide aus.

Aber auch Lebensmittelsicherheit sowie hohe Leistungserbringung ist ein weiterer Bereich, in dem SSI Schäfer einen Unterschied macht. Sehen Sie sich zum Beispiel die energieeffiziente, aber hochautomatisierte Logistiklösung an, die für Orca Cold Chain Solutions auf den Philippinen eingeführt wurde. Sie steht vor den Herausforderungen der Lebensmittelindustrie, dass bis zu 37% der weltweit hergestellten Lebensmittel aufgrund schlechter Verpackung, schlechter Lagerung und schlechter Handhabung verloren gehen.

Zudem konnten die Partner mit der Lösung die Stromkosten um fast 35% senken und menschliche Eingriffe minimieren. So kann die Integrität aller Waren gewährleistet und die Verantwortlichkeit sowie 100%ige Rückverfolgbarkeit der Waren erhöht werden (d.h. mit der Automatisierungslösung von SSI Schäfer können bis zu 4.800 Paletten an einem einzigen Tag bewegt werden).

Mit einem innovativen Ansatz und Technologieeinsatz realisierte SSI Schäfer für Pepperl-Fuchs ein zuverlässiges und zukunftssicheres Distributionszentrum mit ca. 28.000 Lagerplätzen. Ausgestattet mit energieeffizienter Hardware und mit dem Ziel, den Platzbedarf zu reduzieren, nutzt die automatisierte Lösung die Leistungsfähigkeit der Pepperl+Fuchs-Sensorik in Verbindung mit der SSI Schäfer Logistiksoftware für eine innovative und maßgeschneiderte Lösung zur vorausschauenden Instandhaltung.

Welche Visionen haben Sie für SSI Schäfer?

Wir befinden uns inmitten einer langen Reise. Das Ziel ist es, einen aktiven Austausch mit Kunden, Partnern und interessierten Unternehmen zu initiieren, um gemeinsam die Entwicklung nachhaltiger Lösungen in der Logistikbranche voranzutreiben. Wir brauchen eine wirtschaftlich effiziente wie nachhaltige Logistikorganisation, um den Energieverbrauch, die CO2-Emissionen und die Kosten zu senken und gleichzeitig kurze Lieferketten und gesunde Arbeitsbedingungen zu fördern

Welche Empfehlung geben Sie Unternehmen, die aktuell über eine Optimierung ihrer Prozesse nachdenken?

Ganz klar, wir empfehlen uns als Partner. Wir haben bei allen Unternehmen, egal welche Branche und Größe, den Anspruch, die optimale Logistikstruktur zu erarbeiten und das Unternehmen dadurch nicht nur effizient und nachhaltig aufzustellen, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dabei schöpfen wir aus einem sehr breiten Programm an innovativen Systemen und Technologien, sind weltweit präsent und profitieren von unserer jahrzehntelangen Erfahrung aus den unterschiedlichen Branchen. (RED)

Innovationsvorreiter in der Logistik

Die Stranzinger Gruppe kann auf 30 Jahre Erfahrung in den Bereichen Logistics, Packaging, Transport, Storage, Fulfillment und Mobility zurückblicken. Der Leitsatz – „LOGISTIK NEU GEDACHT!“ steckt in jeder einzelnen Kundenlösung.

Beitrag: Redaktion.

Die weiter anhaltende Nachfrage an individuellen Lösungen im Online-Handel bestätigt die konsequente Weiterentwicklung der Stranzinger Gruppe. Digitalisierung und Ökologisierung sind in der heutigen Zeit maßgebliche Innovationstreiber, welche unsere Lebens- und Verhaltensweisen nachhaltig ändern. Diese Entwicklungen und Veränderungen gestalten wir mit unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitern aktiv mit.

Mit dem Leistungsbereich Fulfillment bietet die Stranzinger Gruppe individuelle Logistiklösungen für die Welt im E-Commerce. Regional oder global werden alle notwendigen Schritte nach der Produktion von A (ab Rampe) bis Z (wie Zustellung) übernommen, bis das reale Paket dem Kunden übergeben wird. Als Logistikexperte werden auch Zusatzleistungen, Retourenabwicklung, Veredelungen und vieles mehr angeboten.

E-Commerce 3.0 – Die Welt des E-Commerce!
Mit der Initiative E-Commerce 3.0 wurde in Kooperation mit Global.Web.Shop die Lösung für mitteleuropäische KMU´s geschaffen, ihren Absatz auf den globalen Markt auszubreiten. Dabei wird auf regionale Wertschöpfung und Unabhängigkeit gesetzt. Klein- und Mittelbetriebe werden bei der Marktplatzierung, dem Logistikkonzept sowie bei allen weiteren Rahmenbedingungen unterstützt. Für jedes Produkt werden die passenden Marktplätze in den geeigneten Ländern erarbeitet. Unter rund 15.000 verschiedenen Online-Marktplätzen weltweit wird eine selektive Auswahl getroffen. Mit dem Ziel ein gesundes Wachstum zu generieren und regionale Arbeitsplätze zu sichern. Die Abwicklung aus einer Hand von Supply Chain Management, Marketing und Vertrieb gewährleistet einen erfolgreichen E-Commerce Auftritt unabhängig von der Unternehmensgröße.

Mag. Alexander Stelzer LL.M. LL.M., Managing Director, Stranzinger Gruppe: Die Stranzinger Gruppe legt ganz klar ihren Fokus auf Innovation, Digitalisierung, Ökonomie und Ökologie. Wir sind der Outsourcing Partner für alle Unternehmen mit Logistikbedarf. Vorrauschauend agieren und die Zukunft selbst gestalten, sichert uns einen wesentlichen Wettbewerbsvorsprung. Mit unserem Dienstleistungsangebot stellen wir uns den Herausforderungen in der Logistikbranche und generieren neue Denkmuster.

Dominik Stranzinger, Managing Director, Stranzinger Gruppe: Der exponentiell steigende Onlinehandel, verbunden mit ständig wechselnden Wirtschaftslagen führte die Stranzinger Gruppe vor 3 Jahren zu dem Thema Fulfillment. Gemeinsam mit unserem Partner Global.Web.Shop gelang es uns die Initiative „E-Commerce 3.0“ zu starten, um KMU´s eine Alternative zum stationären Geschäft zu bieten. Wir sind stolz auf unsere Partnerschaften mit der FH OÖ, Fraunhofer Austria und dem Handelsverband Österreich als Unterstützer und Projektbegleiter, die einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung leisten.

SCORE – „Scouting the Future of Retail“
Um weiterhin die Trends und Entwicklungen im Kontext des Handels der Zukunft zu erkennen, erweitert die Stranzinger Gruppe ihr Partnernetzwerk mit der FH Oberösterreich durch die „SCORE“ Mitgliedschaft. Wir sind dadurch aktives Mitglied im Netzwerk „logistikum.RETAIL“. „SCORE“ ist eine Initiative des Netzwerkes „logistikum.RETAIL“ und verfolgt als Zusammenschluss von Wirtschaft und Wissenschaft das Ziel, Trends und Entwicklungen im Kontext des Handels der Zukunft zu erkennen. Eine Trend-Analyse dient als Ausgangsbasis für eine unternehmensinterne Use-Case-Definition. Die Mission ist, Unsicherheiten zu reduzieren und zielgerichtet den Handel der Zukunft und seine Implikationen greifbarer und transparenter zu machen.

Prof. Dr. Oliver Schauer, Professor für Verkehrslogistik & Mobilität, FH Steyr: „Der Handel und die Disziplin Logistik sind aktuell zunehmend gefordert, sich neuen Herausforderungen zu stellen: Digitale Transformation, geänderte Customer Journey sowie neue Technologien fordern ein teils radikales Um- und Neudenken. Neue Beziehungen zwischen Handel, Kunden und Dienstleister entstehen. Durch SCORE, mit seinem aktiven Corporate Foresight und Trendmonitoring Ansatz, sind die Unternehmenspartner gerüstet, um auf aktuelle Entwicklungen proaktiv zu reagieren.“

„PhysICAL“ – Physical Internet through Cooperative Austrian Logistics.
Das Leitprojekt „PhysICAL“ mit Fraunhofer Austria als Konsortialführer und insgesamt 17 Projektpartnern verfolgt ein Ziel: „Gemeinsam gegen den Klimawandel!“ Forschung und Entwicklung in den Bereichen kooperative Logistik und Physical Internet können einige Herausforderungen im Gütertransport minimieren. Dies bringt nicht nur der Transportwirtschaft einen ökonomischen Vorteil, sondern auch der Gesellschaft einen sozioökonomischen Nutzen.

In den nächsten 4 Jahren arbeiten die Projektpartner aus Transportwirtschaft und Logistik an Verkehrsverlagerung und Emissionsminderung und können auf diese Weise den Energieverbrauch um mindestens 30% reduzieren. Die Stranzinger Gruppe ist in „PhysICAL“ mit dem eigenen Use Case „Supply Chain 3.0“ vertreten, der eine der wesentlichen Säulen des Forschungsprojektes darstellt. Lagerung, Transporte und IT-Lösungen für produzierende KMU´s sollen gemeinsam abgewickelt und der E-Commerce dadurch höchst effizient gestaltet werden. Damit verspricht man sich eine Effizienzsteigerung in der gesamten Logistikkette um bis zu 30%.

Dr. Sandra Stein, Forschungskoordinatorin, Fraunhofer Austria Research GmbH: Die Fallstudie mit der Stranzinger Gruppe ist besonders spannend, denn hier geht es ganz konkret darum, Kunden für kooperative Logistik zu gewinnen und diese kooperative Logistik auch durchzuführen. Wir sind gespannt, welchen Herausforderungen wir uns dabei stellen werden und welche Chancen wir mit den Kunden gemeinsam identifizieren können!

Ing. Mag. Rainer Will, Geschäftsführer, Handelsverband Österreich: Wir finden in jedem Supermarkt Bananen und Avocados, das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Kaum jemand denkt darüber nach, wie weit sie gereist sind. Ohne moderne Logistik gäbe es keine Globalisierung. Mittlerweile ist Österreich der Logistikstandort für Zentral-, Südost- und Osteuropa mit mehr als 11.000 Unternehmen und 160.000 Beschäftigten. Heute gelten Kollaboration und Supply Chain Management zurecht als best practice und bestimmen die Wettbewerbsfähigkeit vieler Händler.

Der E-Commerce-Boom hat die logistischen Abläufe enorm komplex und anspruchsvoll gemacht. Jeder einzelne Verbraucher hat eigene Vorlieben. Dasselbe gilt auch für die Trends zu Social Delivery, der Zustellung per Drohne und der Entwicklung der Einkaufsstraße zum Distributionszentrum. Das ist eine komplett neue Version der traditionellen Logistik und hierfür braucht es kompetente Dienstleister wie die Stranzinger Gruppe. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 6/2020

Wehkamp – In nur 30 Minuten versandbereit

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die Ansprüche der Kunden. Besonders im Onlinehandel ist zu beobachten, dass Besteller ungern bereit sind, länger als einen Tag auf ihre Ware zu warten. Dank des neuen Logistik Service Centers von KNAPP ist der holländische Online-Lifestyle-Shop wehkamp.nl binnen 30 Minuten nach Bestelleingang versandbereit.

Redaktion: Angelika Gabor.

Mit rund 2,7 Millionen Stammkunden und über 30 Millionen versendeten Artikeln pro Jahr ist wehkamp.nl der größte Online-Lifestyle-Shop Hollands. Das 1952 gegründete Unternehmen Wehkamp führt mehr als 430.000 Artikel von 2.000 Marken unterschiedlicher Bereiche und bietet diese bereits seit 2008 ausschließlich online an. Das Versprechen „heute bestellt, morgen geliefert“ ist dabei die oberste Prämisse. „Mit der hohen Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Durchsatzleistung dieser Anlage sorgen wir dafür, dass wir dieses Versprechen erfüllen“, freut sich Sander Bolmer, Director Warehousing & Distribution, wehkamp.nl.

Einfach, aber effizient.
Die von KNAPP für wehkamp.nl entwickelte Lösung unterstützt nicht nur den rasanten Geschäftszuwachs, sondern verbessert gleichzeitig auch den Kundenservice – und ist zudem trotz der komplexen Anforderungen des Online-Handels aus operativer Sicht einfach zu bedienen. Frei nach der KNAPP-Philosophie making complexity simple. Die Lösung lässt notwendige automatische und manuelle Prozesse so harmonisch ineinandergreifen, dass die Bestellungen innerhalb von 30 Minuten nach Auftragseingang für den Kunden versandbereit sind.

Für die Zukunft gerüstet.
Wer heute in die Logistik investiert, möchte damit natürlich auch langfristig gut aufgestellt sein. Das ambitionierte Wachstumsziel von 200 Prozent bis 2020 machte eine Neuausrichtung der Distribution, die bisher über die Lager von Dedemsvaart und Maurik abgewickelt wurde, nötig. Die Lösung: ein maßgeschneidertes Distributionszentrum für das Handling des kleineren Artikelspektrums in Zwolle. Das neue Logistics Service Center (LCS) Zwolle soll das weltweit größte Verteillager werden, das ausschließlich Online-Bestellungen abwickelt.

Im Zuge des großteils bei laufendem Bertrieb stattfindenden Ausbaus 2017 wurde das automatische Shuttle-System um drei zusätzliche Regalgassen und vier Ware-zur-Person-Arbeitsplätze erweitert, um zusätzliche 79.500 Stellplätze sowie eine erhöhte Durchsatzleistung zu schaffen. Das skalierbare Design der Lösung ermöglichte es, solche Erweiterungen bereits in der ersten Entwurfsphase zu berücksichtigen.

Intelligentes One-Touch Handling.
Bei dieser All-In-Lösung werden abgesehen von sperrigen Gütern und Hängeware alle Artikel aus dem OSR Shuttle automatisch ein- und ausgelagert. Mit seiner doppeltiefen Behälterlagerung bietet das OSR Shuttle genügend Lagerkapazität für das umfangreiche Sortiment von Wehkamp. Es umfasst insgesamt 21 Regalgassen mit 26 Ebenen, die insgesamt 546 Shuttles versorgen 556.000 Lagerplätze. Zwei Quergurtsorter verbinden den Lagerbereich mit dem Kommissionierbereich. Die Ware-zur-Person-Arbeitsplätze aus der Pick-it-Easy Serie befinden sich auf zwei Ebenen und werden mit Waren aus dem OSR Shuttle versorgt.

Mit dem All-Aisle-Access-Prinzip von KNAPP kann jeder Auftrag an jedem Arbeitsplatz bearbeitet und fertiggestellt werden. Dieser Designansatz ermöglicht es Wehkamp, seine Systemkomplexität zu reduzieren und Konsolidierung zu vermeiden, da auf jeden Artikel von jedem Kommissionierarbeitsplatz aus zugegriffen werden kann. „Im Gegensatz zu herkömmlichen Distributionszentren ist unsere Anlage nach dem Ware-zur-Person-Prinzip konzipiert, und das macht den entscheidenden Unterschied aus. Wenn ein Kunde hier eine Bestellung tätigt, wird diese einem der 28 Pick-it-Easy-Arbeitsplätze zugewiesen. Das OSR Shuttle bringt die richtigen Artikel automatisch zu den Arbeitsplätzen. Darüber hinaus können unsere Mitarbeiter sechs Kundenbestellungen gleichzeitig bearbeiten, wodurch bis zu 12.300 Artikel pro Stunde kommissioniert werden können“, so Bolmer stolz.

Optimierte Nachhaltigkeit.
Da die automatischen Verpacklinien die Höhe des Versandkartons genau auf den Füllgrad des Artikels anpassen, erübrigt sich der Bedarf an Füllmaterial. Gleichzeitig sind durch die Vermeidung von Hohlräumen die Artikel im Karton geschützt. Bruchsichere Artikel und kleinere Aufträge werden in Plastiktaschen verschickt, wodurch Platz in den Lieferwägen und somit auch CO2 eingespart wird.

„Wonach wir wirklich gesucht haben, war ein Partner und nicht ein weiterer Lieferant. Wir wollten einen Partner, mit dem wir uns über Strategien austauschen und gemeinsam Ideen erarbeiten können, um bestimmt Anforderungen zu erfüllen“, erklärt Bolmer. Und mit KNAPP hat er diesen Partner gefunden. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

Schaeffler Distributionszentrum – Für alle Fälle gerüstet

In der Automobilbranche ebenso wie in der Maschinenbauindustrie zählen Qualität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Als wichtigster Zulieferer dieser Branchen ist für die Deutsche Schaeffler Gruppe eine moderne, effiziente Lieferkette unabdingbar. Darum realisierte die SSI SCHÄFER nun ein neues Distributionszentrum, das den hohen Anforderungen spielend gerecht wird.

Redaktion: Angelika Gabor.

Bisher versorgte die Gruppe mit ihren rund 32.700 Mitarbeitern den europäischen Markt von drei Distributionszentren aus, um die Supply Chain bis hin zu den Industriekunden flexibel und kostenoptimiert zu gestalten. Dazu zählt neben der präzisen Auftragsfertigung für die Montagelinien insbesondere die Bedienung von Ad-hoc Aufträgen der Industriekunden. Das neue, mit 94.000 m² bebauter Fläche und 25.000 m² über zwei Ebenen verteilte Logistikfläche größte und funktional bedeutendste Europäische Distributionszentrum EDZ Mitte befindet sich in Kitzingen.

Auf dem etwa 75 Hektar großen Gelände befand sich früher die US-Liegenschaft Harvey Barracks. Die neue Anlage stellt das Herzstück des neuen europäischen Versorgungsnetzwerkes dar, sie wurde daher auf maximale Flexibilität, Verfügbarkeit und Efizienz der Prozesse ausgelegt.

Vollautomatisierter innerbetrieblicher Materialfluss.
Basierend auf den Planungen von Schaeffler zu Artikelspektren, Auftragsstruktur und Durchsatzanforderung konzipierten die Intralogistikspezialisten von SSI SCHÄFER eine hochdynamische Anlage mit vollautomatisierten Prozessen von der Wareneingangserfassung bis zur Versandbereitstellung. Gleich drei Wareneingangslinien mit integrierten Kontrollwaagen führen die Paletten von den Wareneingangstoren zu den Übergabeplätzen, von wo aus es mit der Elektrobodenbahn (EBB) weitergeht. Auf einem rund 900 m langen Rundkurs transportiert die EBB die Paletten entweder an die Einlagerungsstiche für das Hochregallager (HRL) oder zur Vereinzelung von Gebinden für die Einlagerung im Automatischen Kleinteilelager (AKL) an eine der angebundenen Arbeitsstationen.

Im vollautomatisierten 7-gassigen HRL sorgen sieben Doppelmast-Regalbediengeräte (RBG) der energieefizienten Exyz-Generation für die präzise Ein- und Auslagerung. Ihre Ausstattung mit doppeltiefem Lastaufnahmemittel ermöglicht den gleichzeitigen Transport von zwei Euro- beziehungsweise vier Halbpaletten – mit einem Durchsatz von bis zu 230 Paletten pro Stunde. Parallel dazu verfügt das 6-gassige, doppelstöckige AKL über knapp 100.000 Behälterstellplätze. Dort erreichen zwölf paarweise übereinander eingesetzte SSI SCHÄFER Miniload Cranes (SMC) eine Umschlagleistung von bis zu 1.500 Behältern pro Stunde.

„Maintenance 4.0 for Intralogistics“.
Ein zentrales Anliegen von Schaeffler bei der Planung der Anlage war es, die Anlagenverfügbarkeit durch eine zustandsbasierte Instandhaltung und teilautomatisierte Wartung zu unterstützen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit haben Schaeffler und SSI SCHÄFER das Lösungspaket „Maintenance 4.0 for Intralogistics“ entwickelt und im EDZ Mitte erstmals erfolgreich realisiert. Mit Hilfe dieser Lösung können ungeplante Stillstände von systemkritischen Komponenten vermieden und Instandhaltungskosten gesenkt werden.

58 Schaeffler Smart Checks garantieren die Zustandsüberwachung der betriebsrelevanten Antriebe sowohl an den SMC- als auch Exyz-Geräten und übermitteln die Informationen zur Visualisierung an die zentrale Informationsplattform WAMAS® Lighthouse. Darüber hinaus werden die 2.500 Antriebe für Kettenförderer und Rollenbahnen auf den insgesamt 1,97 km Förderstrecke mittels „Schaeffler Concept8“ vollautomatisch geschmiert. Speziell entwickelte Schmierritzel übernehmen dabei eine kontinuierliche, bedarfsorientierte Schmierölabgabe.

WAMAS® & WAMAS® Lighthouse.
Während die Logistiksoftware WAMAS® die innerbetrieblichen Materialflüsse steuert, dient das Logistikcockpit WAMAS® Lightouse der Visualisierung der Prozesse und Arbeitsabläufe und somit der effizienten Gestaltung dieser. 20 Pick & Pack- sowie zehn Dekonsolidierungsplätze, insgesamt 30 Multifunktionsarbeitsplätze, hat SSI SCHÄFER nach dem eigenentwickelten ergonomics@work!®-Konzept eingerichtet. So unterstützen unter anderem Vakuumgreifer, Teleskoptische und individuell konigurierbare Positionierungen von Hilfsmitteln und Arbeitsgeräten optimal die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter. Eine weitere Anforderung von Schaeffler war ein glatter Vibrationsschweißboden mit Anlaufschrägen und Bodenbombage für beste Laufeigenschaften, hohe Inhaltslasten und einen besonders leisen Transport auf Förderstrecken. Extra: seitliche, trapezförmige Wasserablauflöcher, die nicht von der Antirutschmatte verdeckt werden.

Sequenzierung sorgt für Ordnung.
Zur Koordination mit der Palettenware aus dem HRL werden die Behälter aus dem AKL den Arbeitsplätzen zur Auftragsfertigung sequenziert zugeführt. Jedem Arbeitsplatz ist dafür ein Sequenztower vorgeschaltet, der mit einem Vorrat von bis zu 20 Behältern für eine kontinuierliche Materialabgabe an die Arbeitsstationen sorgt. Über Displayanzeigen, integrierte Wiegesysteme und Scanner erfolgt die dialoggeführte Null-Fehler-Auftragskommissionierung. Die speziell für Schaeffler konfigurierten Lager- und Transportbehälter LTB von SSI SCHÄFER bieten eine besonders hohe Volumenausnutzung, einen verstärkten Unter- und Oberrand sowie vier stabile Eckholme. Speziell entwickelte Bodenvarianten gewährleisten einen störungsfreien Transport auf allen Förderstrecken und ein sicheres Stapeln. Geschlossene Kreislaufsysteme mit zwei Depalettierrobotern garantieren die reibungslose Intercompany-Zulieferung an das EDZ.

„Mit Blick auf die Herausforderungen eines solchen Projektes und die kurze Realisierungsphase hatten wir mit SSI SCHÄFER einen kompetenten Partner an unserer Seite“, zeigt sich Dr. Jörg Zellerhoff, Fachprojektleiter Logistik bei der Schaeffler Gruppe, daher auch rundum zufrieden. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019