LOGISTIK express Journal 5/2022

Wir steigern das Bruttosozialprodukt…
Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu und mit großen Schritten gehen wir dem Jahr 2023 entgegen, das sich nicht wohlwollender präsentieren wird. Denn die Inflation ist gekommen, um zu bleiben. Lesen Sie jetzt unsere 5. LOGISTIK express Ausgabe und holen Sie sich Ihre News & Zeitschriften App – MJR MEDIA WORLD für Ihren Informationsvorsprung.

LE 5/2022

03  Inhalt / Editorial / Impressum
04  Kann wirklich Interventionismus die Rettung sein?
08  Rohstoffnachfrage: Verfügbarkeit steht über allem
12  Krise beschleunigt Digitalisierung und Omnichannel-Integration
16  Omnichannel als Chance für den lokalen Handel
20 Die erste eCommerce-Landkarte für Österreich
24 TECH DAY 2022: Gipfeltreffen der heimischen Retail-Tech-Szene
28 eCommerce boomt, aber Österreich hat (fast) nichts davon
32 Wie viel Energie uns Kaufentscheidungen kosten und wie KI helfen kann
36 KNAPP ist Technologie-Partner für effiziente E-Commerce-Logistik
40 Pick-Buddies – die neue Welt der kollaborativen Lager-Roboter
44 Cyber Days – Effizientes Omnichannel Fulfillment auch in Peak-Zeiten
48 Von Anfang an richtig: Ganzheitliche Fabriksplanung
52 IDIH Logistikreise unterstützt durch die logistic-natives ein voller Erfolg
56 Auf die Terminals kommt es an
60 In allen Häfen war Österreich
64 Zentralverband Spedition & Logistik setzt auf Kontinuität
66 Großteil der Deutschen blickt düster in die Zukunft
68 Energie- und Rohstoffpreise für einige Unternehmen ein Betriebsrisiko
70 Taiwan-Konflikt: 6 Maßnahmen gegen Lieferengpässe bei Mikrochips
72 Vielfältige Krisen machen Österreichs Finanzvorständen zu schaffen
74 Kapitalmarktausblick 2023: Zwischen Resilienz und Rezession
78 Digitale Diktatur – Digitalisierung der Währungen
82 Vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Leistungen & Services

Onlinehändler ASOS setzt auf volle Datentransparenz mit KiSoft Analytics

Wer ernsthaft E-Commerce betreiben will, braucht Daten. KiSoft Analytics liefert uns alle wichtigen Daten auf einen Blick. Mit dieser smarten Datenbasis können wir aktuelle Anforderungen wie den Black Friday, aber auch zukünftige Anforderungen des E-Commerce meistern.

Beitrag: Redaktion.

Daten haben in unserer modernen Welt einen hohen Stellenwert: Natürlich auch in der Logistik und bei der Gestaltung von Supply-Chain-Netzwerken, die einerseits die Wünsche der Kunden erfüllen und andererseits Retailer dabei unterstützen, erfolgreich zu wirtschaften. Damit aus der ungeordneten Datenflut qualitativ hochwertige Informationen entstehen, die als Grundlage für operative und strategische Entscheidungen dienen, helfen intelligente Analyse-Tools wie KiSoft Analytics. Der führende Onlinehändler für Mode, Beauty und Lifestyle ASOS nutzt KiSoft Analytics, um Herausforderungen wie den Black Friday mit der Macht der intelligenten Daten zu meistern.

Topmodernes E-Com Fulfillment im Eurohub 2.
Die Herausforderungen an Onlinehändler sind heute groß: Kunden erwarten schnelle Lieferung, eine große Anzahl an Retouren muss effizient bearbeitet werden und Peaks wie der Black Friday oder der Singles‘ Day sind zu meistern. Dazu kommt ein ständig wachsendes Warensortiment und vor allem im Fashion-Bereich ständig wechselnde Kollektionen. Herausforderungen wie diesen stand auch der erfolgreiche Onlinehändler ASOS gegenüber: Um sein Logistik-Netzwerk zu stärken und optimal auf zukünftiges Wachstum ausrichten, entschied sich ASOS sein Distributionszentrum Eurohub 2 in der Nähe von Berlin mit intelligenten Automatisierungslösung inklusive umfassender Software-Suite von KNAPP auszustatten. „Als wir unser Eurohub 2 geplant haben, war sehr früh klar, dass wir eine sehr hohe Lagerdichte und sehr viele SKUs mit einem kurzen Produktlebenszyklus haben werden. Nicht jede Logistiklösung ist dafür geeignet.
KNAPP erschien uns von Anfang an wie ein starker und zuverlässiger Partner. Wir sind über die Jahre miteinander gewachsen und haben Eurohub 2 von einem einfachen manuellen Lager zu einem zukunftsfähigen automatisierten Fulfillment Center weiterentwickelt“, erklärt Oliver Kraftsik, Supply Chain Director für Europa bei ASOS. Mit Hilfe des automatisierten Lagersystems kann ASOS rund 3 Millionen Stück pro Woche bearbeiten und an Kunden in 40 Länder versenden.

Erfolg am Black Friday mit strukturierten Daten.
Mit der integrierten Automatisierungslösung steht ASOS das Beste aus beiden Welten zur Verfügung: Erprobte Automatisierungstechnologie sowie eine maßgeschneiderte Software-Lösung, die alle Prozesse von ASOS abbildet. Ein Teil der umfassenden KiSoft-Suite ist das intelligente Analyse-Tool KiSoft Analytics. Mithilfe von KiSoft Analytics kann ASOS Daten aus allen logistischen Prozessen optimal nutzen, bewerten und als Grundlage für kurzfristige oder auch langfristige Entscheidungen heranziehen. „Uns war besonders wichtig, dass wir granulare Daten unserer Prozesse erhalten, denn damit können wir unsere Prozesse überwachen und optimieren.

Dafür ist KiSoft Analytics für uns genau das richtige Tool. Wir können tief in Echtzeit-Daten einsteigen und die Daten sind optisch ansprechend aufbereitet. KiSoft Analytics hilft uns dabei, rasch und datenbasiert die richtigen Entscheidungen zu treffen“, hebt Oliver Kraftsik die Vorzüge von KiSoft Analytics hervor. Beispielsweise nutzt das ASOS-Team KiSoft Analytics, um sich optimal auf den Black Friday vorzubereiten und kann aus den historischen Daten auch wichtige Maßnahmen für zukünftige Peaks ableiten. „Daten sind elementarer Bestandteil für jeden, der ernsthaften E-Commerce betreiben will. Gerade für die Herausforderungen, die der ganzen Branche bevorstehen, sind Tools wie KiSoft Analytics in Kombination mit soliden Logistiklösungen wesentlich“, ist sich Oliver Kraftsik sicher. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Es braut sich ein Sturm zusammen

Der 7. eCommerce Logistik-Day widmete sich erneut der Zukunft des Online-Handels und bot neben spannenden Diskussionen konkrete Lösungsansätze für die Bereiche Intralogistik und den Paketversand. Als Hybrid-Event war die Veranstaltung nur für einen exklusiven Teilnehmerkreis in den Räumen des Österreichischen Handelsverbandes live erlebbar. Sämtliche Vorträge und Podiumsdiskussionen wurden jedoch aufgezeichnet und sind – wie schon im Vorjahr – in voller Länge abrufbar.

Redaktion: Marcus Walter.

7.ECOMLOG22 – „Als wir vor sieben Jahren den 1. eCommerce Logistik-Day durchführten, hatten wir im Vergleich zur Gegenwart eigentlich gar keine Probleme.“ Mit diesem Rückblick eröffnete Moderator und Mitorganisator Bernd Kratz am 8. September die bereits siebte Auflage der renommierten Fachveranstaltung für den Onlinehandel. „Im Gegensatz zu damals haben wir mittlerweile sechs Krisen“, betonte Kratz. Der geschäftsführende Gesellschafter der Management-Beratung EMA ist zugleich Mitgesellschafter des Instituts des Interaktiven Handels IDIH, einem der eComLog-Kooperationspartner.

40 Schiffe vor der Deutschen Bucht.
Zur Coronakrise sei als zweite Krise die Unzuverlässigkeit im Schiffsverkehr hinzugekommen. Als Beispiele nannte er den Unfall im Suezkanal und den derzeitigen Stau von bis zu 40 Containerschiffen in der Deutschen Bucht, die seit längerem auf ihre Löschung warten. Aber das sei laut Kratz erst der Anfang. „Denn es gibt noch viele weitere Schiffe, die jetzt noch in China liegen. Wenn die dort freikommen, dann haben wir sechs bis acht Wochen später eine Flut von Schiffen, die in Deutschland gelöscht werden müssen.“ Unternehmen wie Lidl hätten bereits auf diese Krise reagiert und in eigene Schiffskapazitäten investiert. Die dritte Krise sei die Invasion Russlands in der Ukraine und die vierte Krise die Klimakrise. Der ausbleibende Regen hat bei den Flüssen zu niedrigen Pegelständen geführt, so dass sie die Binnenschiffe zum Teil nur noch mit geringer Auslastung befahren können. „Das heißt, das wir die Ware nicht mehr ins Hinterland befördern können, ohne verstärkt auf den LKW umzusteigen“, stellte Kratz fest. Als fünfte Krise nannte er den Fachkräftemangel im gewerblichen Bereich. Diese sei unter anderem dafür verantwortlich, dass Schiffe nicht mehr in gewohntem Tempo entladen werden können. Die sechste Krise sei schließlich die Energiekrise in Folge der EU-Boykottmaßnahmen gegenüber Russland. „Heute wollen wir diskutieren, welche Folgen die genannten Krisen auf den elektronischen Handel haben“, so Kratz

Lager bietet hohes Automatisierungspotenzial.
Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development von Element Logic, griff in seinem Vortrag die genannten Krisen auf. „Die Politik soll zunächst die selbstgemachten Krisen lösen. Wir kümmern uns dann um den Rest,“ lautete sein Credo. Durch die Corona-Pandemie habe der Personalmangel in bestimmten Branchen weiter zugenommen. In dieser Situation sei das Automatisieren von Prozessen im Lager eine passende Antwort. „Die Prozesse im Lager bieten ein hohes Potenzial für Automatisierung“. Hier kämen vor allem die Ware-zur-Person-Kommissionierung in Frage. Diese könne zudem mit der Roboterkommissionierung von Einzelteilen und automatische Kartonaufrichter ergänzt werden. „Das Eliminieren der Wegezeiten bei der Ware-zur-Person-Kommissionierung durch ein AutoStore-Lager ist ein riesiger Hebel“, hob Kieninger hervor, der anschließend noch einige bereits realisierte Kundenlösungen vorstellte.

Bei den Installationen komme es vor allem auf Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und eine optimale Nutzung der vorhandenen Flächen an.
Andreas Miller, Principal Strategic Project Manager bei der Knapp AG, stellte in seinem anschließenden Vortrag Alternativen zur skandinavischen AutoStore-Lösung vor. Mit dem Open Shuttle Store bieten die Österreicher eine pragmatische und leicht skalierbare Automatisierung für bestehende Behälterlager mit herkömmlichen Lagergängen. Die Shuttles fahren autonom und können den Einsatz von manuell betriebenen Flurförderzeugen ersetzen. Diesbezügliche Projekte seien einfach und schnell umzusetzen.

Stammdaten sind oft das Problem.
Auf der Plattform „Digital2go“ hat Knapp zudem eine Reihe intelligenter Produkte versammelt wie zum Beispiel den KHT MultiScan. Dabei handelt es sich um einen mobilen Tisch, der das Erfassen von Stammdaten inklusive der Maße und Gewichte erleichtert. „Je besser die verfügbaren Daten über meine Produkte sind, desto besser kann ich damit arbeiten“, ist Miller überzeugt. „Stammdaten sind der erste Schritt für eine Automatisierung und genau hier liegt oft das Problem.“

Als dritter Referent erläuterte Thomas Hagen, Head of AutoStore & Automatisation bei der österreichischen Post AG, wie sein Unternehmen als Fulfillment-Dienstleister auf die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an die Paketlogistik reagiert. Im Spannungsfeld zwischen Echtzeitdaten, Retouren und Personalengpässen habe sich die Post für den Bau einer AutoStore-Anlage entschieden. Mit der Investition werden die bestehenden Prozesse im benachbarten Hochregallager ergänzt.

Flexibel durch Outsourcing.
Der Vortrag von Petra Dobrocka, Chief Commercial Officer und Gründerin der byrd Technologies GmbH, beschäftigte sich mit Strategien für Onlinehändler, um flexibel auf Umsatzschwankungen reagieren zu können. Das österreichische Startup byrd ist ein Dienstleister für derzeit rund 350 eCommerce-Unternehmen und übernimmt für diese die Bereiche Lagerung sowie das Verpacken und Versenden der Aufträge. Durch den Einsatz eines externen Logistikdienstleisters minimieren die Händler ihre Fixkosten, wodurch sich auch Nachfragerückgänge und Wirtschaftskrisen gut verkraften lassen. Zugleich könne man sich durch das Outsourcing auf die Kernbereiche wie zum Beispiel das Optimieren des Sortiments oder des Shopsystems konzentrieren. Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband Österreich, versorgte die Teilnehmer wieder mit einem Feuerwerk an Zahlen und Fakten zum derzeitigen Zustand der Branche. „Ich würde gerne Zuversicht verbreiten, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache“, so Will. Vor allem die Energiepreise würden dem Handel stark zu schaffen machen.

Strom um 1.400 Prozent teurer.
Die Großhandelspreise für Strom seien im Vergleich zum Sommer 2021 um 1.400 Prozent gestiegen. Nicht zuletzt deshalb befinde sich das Konsumvertrauen der Verbraucher auf Talfahrt. „Wer einen großen Teil seines Einkommens für Energie ausgeben muss, kann weniger konsumieren“, stellte Will fest. Es sei demnach nicht verwunderlich, dass der Handel in Österreich insgesamt einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent verzeichnet. Mit einem Minus von 17,3 Prozent ist der Kfz-Handel besonders stark betroffen. Auch der Personalmangel spiele dabei eine Rolle: Gegenwärtig könne die Branche 19.000 Stellen nicht besetzen. Vor diesem Hintergrund richtet der Handelsverband klare Forderungen an die Politik: Der Arbeitsmarkt müsse umfassend reformiert werden und es müsse einen Energiekostenzuschuss für alle Handelsbetriebe geben. Außerdem empfiehlt der Verband eine Abgaben- und Gebührenreform sowie eine weitere substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten. Schließlich würde auch die Einführung einer globalen Mindeststeuer für eine Verbesserung der Lage sorgen.

Unglaubliche Auswirkungen.
Von der Politik zurück zur Versandlogistik beförderte anschließend der Vortrag von Walter Trezek, der Vorsitzende des beratenden Komitees des Weltpostvereins. Weltweit sei ein weiter anhaltendes starkes Wachstum der Paketlogistik zu erwarten, wobei China zu den Treibern dieser Entwicklung gehöre. „In China werden mittlerweile 52,8 Prozent des Einzelhandels digital abgewickelt,“ berichtete Trezek. Dies habe „unglaubliche Auswirkungen auf die Infrastruktur“. Wer wissen möchte, wie unsere Infrastruktur in sechs bis sieben Jahren aussieht, muss nur nach China schauen“, empfiehlt Trezek. Mit Blick auf andere Kontinente betonte Trezek, dass sich in der Branche derzeit „ein Sturm zusammenbraut“. In Europa würden wir davon zur Zeit am stärksten getroffen. In Folge der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie der Finanzkrise gehe das verfügbare Einkommen der Konsumenten zurück. Trezek hielt seinen Vortrag gemeinsam mit Florian Seikel, Geschäftsführer der Logistic Natives. Seikel wies darauf hin, dass in jeder Krise auch eine Chance stecke. „Wer sich jetzt als Händler komplett digitalisiert, hat in der Zukunft einen Wettbewerbsvorteil“, so Seikel.

Realismus statt Ideologie.
Das Überwinden von Krisen thematisierte auch Oliver Wagner, Geschäftsführer des Zentralverbands Spedition & Logistik. „Die österreichische Logistikbranche hat die Coronakrise hervorragend gemeistert und die Bedeutung der Logistik verstärkt in das öffentlich Bewusstsein gerückt“, so der Verbandschef. Während des Lockdowns sei eine sehr sachorientierte Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern möglich gewesen – ein Zustand, den sich Wagner auch für andere Zeiten wünschen würde. Was die Dekarbonisierung und den Klimaschutz angehe, seien sich die Spediteure ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Man brauche jedoch realistische Rahmenbedingungen anstelle praxisferner Ideologien. Selbst im Jahr 2040 werde der Straßengüterverkehr noch der beherrschende Verkehrsträger sein.

Fehlende Vorbildfunktion.
Auch Wolfgang Kubesch, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik Österreich, ging in seinem sehr kurzweiligen Vortrag mit der Politik streng ins Gericht. Trotz einseitiger Abhängigkeit von Gas und Öl aus Russland habe die Regierung bislang kaum etwas unternommen, um dieses Ungleichgewicht abzubauen. Außerdem vermisse Kubesch die Vorbildfunktion des Staates und der Entscheidungsträger beim Energiesparen. Zudem konstatierte er, dass die bisherige Politik westlicher Industriestaaten des „Wandels durch den Handel“ offenbar gescheitert ist. Die Zahl autokratisch geführter Staaten sei nicht zurückgegangen, sondern weiter gestiegen, während die Demokratie auf dem Rückzug sei.

Ergänzt und vertieft wurden die Vorträge durch zwei von Bernd Kratz moderierte Podiumsdiskussionen. Während der ersten Runde ging Kratz der Frage nach, welche konkreten Erfahrungen Produzenten und Lieferanten im Rahmen der Krise gemacht haben. In der zweiten Podiumsdiskussion standen die Erfahrungen des Handels im Vordergrund. Bei Interesse können beide Podiumsdiskussionen und sämtliche Vorträge des 7. eCommerce Logistik-Days in vollständiger Länge auf www.logistik-express.com und unter https://logfair.online abgerufen werden. (MW)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Digitalisierung macht die Lieferketten fit: Planungssicherheit als Schlüssel zum Erfolg

Kaum ein Tag der letzten zwei Jahre verging ohne Störungen in der Lieferkette, aktuelle Entwicklungen lassen darauf schließen, dass das noch länger so bleibt. Unter dem neuen Motto #bringiton möchte Dematic den Kunden signalisieren, dass sie Lösungen für die intralogistischen Herausforderungen parat hat – um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen zu sichern.

Redaktion: Angelika Gabor.

Der Markt und das Verbraucherverhalten haben sich grundlegend verändert. Ginge es nach dem Ideal der Onlineshopper, würde schon wenige Sekunden nach dem Klick der Postbote klingeln. Das ist natürlich utopisch, aber same-day-delivery ist durchaus bereits ein Thema. Die Grundlage dafür bietet eine Hochleistungslogistik: intelligente Logistiksoftware, präzise Intralogistik und skalierbare Systeme von Dematic unterstützen dabei, Kundenbedürfnisse zu antizipieren und so die Voraussetzungen dafür zu schaffen, auf was es wirklich ankommt: ein zufriedenstellendes Kundenerlebnis. Das umfasst beispielsweise auch einfache Rücksendemöglichkeiten und – ganz wichtig – fehlerfreie Lieferungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Skalierbarkeit für Nachfrageschwankungen
Oftmals ist es schwer, exakte Prognosen für den Erfolg eines Produktes zu erstellen. In Zeiten von Social Media und Influencern kann beispielsweise ein Kleidungsstück oder Dekorationsartikel plötzlich extreme Popularität erlangen. Die intelligente Managementsoftware von Dematic erlaubt die rasche und präzise Auftragsbearbeitung. Die Systeme erkennen, wie stark verschiedene Artikel nachgefragt werden. Dementsprechend lassen sich die Lager-Stellplätze dynamisch vergeben, um die vorhandene Infrastruktur stets optimal auszulasten.

Die skalierbaren Systeme wie der Dematic Pouch Sorter ermöglichen maximale Flexibilität und Präzision. Die intelligente Software bietet Echtzeit-Information über den jeweiligen Produktstandort, damit die Kunden so schnell wie möglich beliefert werden können. Darüber hinaus ist natürlich auch ein effektives Retourenmanagement möglich.

Digitalisierungspotential voll ausschöpfen.
Um ein tieferes Verständnis für die Marktbedürfnisse zu bekommen, hat Dematic umfangreiche Befragungen und Analysen durchgeführt. „Die Digitalisierung birgt enormes Potenzial für unsere Kundinnen und Kunden, vor allem daten- und cloudbasierter Lösungen gewinnen an Wichtigkeit. Unser Ziel ist es, die Lieferketten durch intelligente Software und transparente Datenpunkte zukunftsfit zu machen“, erklärt Bernard Biolchini, Executive Vice President EMEA bei Dematic. „Datentransparenz ist zudem der Schlüssel zu einer weiteren Gelegenheit: dem Einhalten von Lieferfristen durch das Schaffen robuster Lieferketten. Zu wissen, welche Bestellung sich wo befindet, und das zu jedem Zeitpunkt, ist ein zentraler Baustein erfolgreicher Unternehmen im E-Commerce.“

Durch die Verbindung aller Punkte in der Lieferkette wird das digitale Umfeld optimiert. Mit Hilfe von Softwarelösungen werden Daten sichtbar, transparent und agil gemacht. Das Ergebnis: ein vollständiges Bild über die Lieferketten bei gleichzeitig steter Kontrolle über alle Prozesse. „Nur mithilfe der perfekten Nutzung der Digitalisierung und Konnektivität lassen sich E-Commerce und Online-Shopping in der von den Kundinnen und Kunden erwarteten Art und Weise realisieren“, weiß Biolchini.

Durch eine nahtlose Verflechtung der Lieferketten kann ein konsistentes Kundenerlebnis erreicht werden. Parallel zu den Wünschen der Kunden müssen auch Agilität und Datenqualität steigen. Informationen über Bestellgewohnheiten sind ebenso wichtige Faktoren wie das Feedback der Kunden. „Unsere Softwarelösungen sind in der Lage, genau das zu tun – indem sie alle Punkte Ihres Ökosystems miteinander verbinden. Somit werden die Teile Ihrer Lieferketten zu einer perfekt synchronisierten Symphonie mit einem allwissenden Dirigenten zusammengeführt“ so Biolchini. Dematic Insights hilft bei der Auswertung und Nutzung des vorliegenden Datenschatzes, um Potenziale zu erkennen. Dematic stellt alle nötigen Werkzeuge zur Verfügung, um Trends frühzeitig zu erkennen und Prognosen zu erstellen.

Maximale Investitionssicherheit.
Ein volatiles Umfeld, steigende Kosten und die Nachwehen der Pandemie sind nur ein paar der Gründe, warum langfristige Investitionssicherheit eine extrem wichtige Rolle bei der Planung von Intralogistikprojekten spielt. Darum setzt Dematic zur Ausarbeitung dieser Lösungen auf ein breit gefächertes Portfolio aus Intralogistik-Hard- und –Software zur Stabilisierung der Supply Chain, um damit eine tragfähige Grundlage für die Abwicklung der Geschäfte zu schaffen – gerade, wenn volatile Märkte wenig Spielraum für Fehler lassen.

Dank ihrer Skalierbarkeit bieten die zuverlässigen Lösungen von Dematic hohe Investitionssicherheit. Die Systeme sind allesamt so konzipiert, dass man die Abläufe nie aus den Augen verliert und trotzdem bei den Gesamtbetriebskosten spart. Dabei helfen auch Energierückgewinnungssysteme und umfassende Stand-by-Modi, wichtige Punkte im Bereich Nachhaltigkeit. Ebenso relevant: mit umfassenden After-Sales-Angebot begleitet Dematic den Anlagenbetreiber über die gesamte Lebensdauer der Lösung – bei voller Kostenkontrolle.

Automatisierung gegen Arbeitskräfte- und Platzmangel.
Ob man es möchte oder nicht, angesichts immer mehr offener Stellen im Lager- und Logistikbereich kommt man um das Thema Automatisierung nicht herum. Saisonale Spitzen tun dann ihr übriges, die Prozesse im Lager unter Druck zu setzen. Die unterschiedlichen Hard- und Softwarelösungen von Dematic helfen dabei, die Möglichkeiten gegebener Logistikinfrastrukturen besser auszuschöpfen. Ein nahtloser, sich selbst erhaltender Prozess bietet eine zuverlässige Basis für den Betrieb. Mittels Automatisierung werden im Optimalfall alle arbeitsintensiven, zeitaufwändigen manuellen Prozesse eliminiert, die Effizienz verbessert. Nicht zu vergessen: auch das Platzangebot kann maximal ausgenutzt werden. Dies ist besonders bei Projekten im Bereich City-Logistik relevant, denn bei Urban Warehouses und Micro-Hubs bedeutet jeder Zentimeter mehr auch höhere Betriebskosten. Die aufeinander abgestimmten Hard- und Softwarelösungen von Dematic lassen sich in bestehende Systeme integrieren. Micro-Fulfillment-Lösungen, wie etwa das automatische Kleinteilelager- und Kommissioniersystem Autostore (Dematic ist hier Distributionspartner) maximieren die Effizienz durch ihre hohe Lagerdichte.

Mit AMR, FTS und automatischen Kommissionierstationen schafft man die Voraussetzungen für einen vollautomatischen Materialfluss – der in wenigen Wochen geplant und umgesetzt werden kann. Biolchini: „Eine State-of-the-Art-Automatisierungslösung ist heutzutage kein Mittel zum Selbstzweck. Vielmehr bietet sie das Potenzial, die mit der Geschäftstätigkeit verbundenen Aufgaben noch besser zu erledigen. Ein Potenzial, das darauf wartet, erschlossen zu werden; quasi der verborgene Schatz der operativen Exzellenz.“

Drohnentechnologie auf dem Vormarsch.
Auf der LogiMAT 2022 präsentierte Dematic einen neuen Service zur visuellen Inspektion intralogistischer Anlagen der Öffentlichkeit: Dematic Drone Inspection Services. Durch den Einsatz von Drohnen werden der Zeit- und Arbeitsaufwand für die Wartung stark reduziert – und das ganz ohne Qualitätsverlust. Die regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen und Sichtkontrollen können so bequem und gefahrlos vom Boden aus durchgeführt werden. Die Drohnen verfügen über hochauflösende Kameras und LED-Scheinwerfer, der Servicetechniker kann daher alles genau überprüfen – live oder im Nachhinein. Bonus: die Standzeit der Anlage wird deutlich reduziert. (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Omnichannel Readiness Index: 60% empfinden Online-Shopping inspirierend

Handelsverband, Google und MindTake präsentierten die fünfte Ausgabe des Reports zur Digitalisierung des heimischen Handels. Hornbach Gesamtsieger. Thalia punktet bei Channel Integration.

Beitrag: Isabel Lamotte.

Gekommen, um zu bleiben: Neue Online-Services, die sich pandemiebedingt etabliert haben, werden auch nach Corona weiter
ausgebaut. Nachhaltigkeit und Regionalität sind den Konsumenten wichtig und Online-Shopping gilt als inspirierend. Dies sind zentrale Ergebnisse des fünften Omnichannel Readiness Index (ORI), der die Kunst beleuchtet, Online- und Offline-Vertriebskanäle zu verbinden. Dafür wurden 1.000 Konsumenten befragt und 44 führende österreichische Einzelhändler auf Herz und Nieren untersucht.

„Der Kundenansprache vor dem Kauf kommt höchste Priorität zu. 60% der befragten Online-Käufer empfinden Online-Shopping als inspirierend, 40% sogar als Spaß und Entspannung. Um den Kaufentscheidungsprozess optimal zu unterstützen, erwarten sich die Kunden zielgruppengerechten Content und einen Onlineshop, der als digitaler Zwilling der Wunschfiliale fungiert und das Sortiment gespiegelt abbildet. Die Trends reichen von Appointment-Shopping über Showrooming bis zu virtueller Live-Beratung“, bilanziert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, die Ergebnisse des ORI, dem digitalen Benchmark des österreichischen Handels.

Zielgruppengerecht emotional kommunizieren.
94 Prozent der befragten Händler bieten im Webshop zusätzlichen Content an, etwa Ratgeber-Texte, Videos, Expertentipps oder Look-Fotos – und neuerdings auch verschiedene Live-Formate. Das trägt Früchte: Knapp zwei Drittel der Konsumenten empfinden
Online-Shopping als inspirierend. Insbesondere die jüngeren Zielgruppen assoziieren damit neben Inspiration auch Spaß, Unterhaltung und Entspannung. Dennoch sind viele sehr pragmatische Potenziale im Omnichannel Retailing noch zu heben. 80 Prozent der Konsumenten wünschen sich etwa, den genauen Tag der Lieferung eines Produktes vor der Bestellung zu kennen – dies erfüllen nur 13 Prozent der analysierten Händler.

78 Prozent der Konsumenten wollen die angezeigten Produkte im Webshop auf eine einzige Filiale einschränken können, um so gezielt – wie vor Ort im Laden – shoppen zu können, doch nur 19 Prozent der Händler nutzen ihre Bestandsdaten für einen solchen Filter. Das sind immerhin 7 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr.

New Ways of Shopping.
Ein besonderes Augenmerk wurde im ORI 2022 auf neue Formate gelegt. Aus der Not geboren beispielsweise war das Shoppen nach Terminvereinbarung – um die Zahl der Kunden im Geschäft pandemiebedingt zu kontrollieren. Die daraus entstandene Tugend heißt nun Appointment Shopping. Konsumenten können bei einem Händler online oder telefonisch einen Termin für den Einkauf in der Filiale vereinbaren. Während dieses Termins steht ein Berater exklusiv zur Verfügung. Optional können Kunden auch vorab schon Wünsche bekannt geben, sodass das Personal für den Termin gewisse Waren für die Begutachtung bereitstellen kann. Knapp die Hälfte der befragten Händler bietet Appointment Shopping bereits an, jeder zehnte Konsument hat das Angebot bereits genutzt und jeder Dritte gibt an, es wahrscheinlich wahrzunehmen.

Ebenfalls auf dem Vormarsch ist das Konzept des Showroomings. Händler lagern nur wenige Stücke eines Artikels in der Filiale und nutzen den Platz stattdessen, um ein breites Angebot zu zeigen, zum An- und Ausprobieren. Der gewünschte Artikel wird dann nicht mitgenommen, sondern später nach Hause zugestellt. Dies finden 45 Prozent der Kunden attraktiv, mehr als die Hälfte der Händler praktizieren Showrooming bereits in ausgewählten Filialen oder planen ein solches Angebot.

Bei den Händlern noch schleppend entwickelt sich das Scan & Go Modell, bei welchem Kunden in der Filiale mittels App ein Produkt selbst scannen und online bezahlen – und sich damit das Anstellen an der Kassa ersparen. 39 Prozent der Kunden würde dies wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich nutzen, in der Zielgruppe der 18-29-jährigen sogar mehr als die Hälfte. Allerdings bieten dies nur 14 Prozent der befragten Händler zumindest in ausgewählten Filialen an. Einige planen ein entsprechendes Service, aber mehr als die Hälfte der Händler gibt an, dass dies derzeit kein Thema für sie ist.

Beliebt bei Handel und Konsumenten sind auch Live-Formate. Ein Drittel der Händler, bietet Live-Beratung im Online-Shop an, zum Beispiel in Form einer Video-Konferenz, um Produkte vorzuführen oder eine Küchenplanung anzubieten. Ein Viertel der befragten Händler hat sich schon am virtuellen Live-Shopping versucht – ein Livestream, bei welchem Personen (z.B. Influencer) Produkte testen und weiterempfehlen. Konsumenten können per Chat Fragen zu den Produkten stellen, welche Ihnen direkt live beantwortet werden. Dieses Format finden 21 Prozent der Konsumenten spannend, allen voran Bewegtbild-verwöhnte 18-29-jährige (33 Prozent).

“Wir sehen vor allem in der jüngeren Zielgruppe (Gen Z), dass sie zu Marken eine Verbindung aufbauen möchten. Sie wollen inspiriert werden, eine Geschichte erzählt bekommen und „brand love“ aufbauen. Hierfür sind visuelle Bewegtbild-Formate besonders gut ge-
eignet. Um sich für die Zukunft zu wappnen, gilt es, diese Zielgruppe heute für sich zu gewinnen, da sie bis 2030 etwa 16% der privaten Ausgaben ausmachen werden,” so Lili Pajer, Retail Lead bei Google.

Nachhaltigkeit und Regionalität: Bitte gut sichtbar im Online-Shop.
Dass Händler nachhaltig agieren, ist für zwei Drittel der Konsumenten wichtig, etwa durch nachhaltige Zustellung oder ökologische Produkte und Verpackungen. Auch Regionalitätsbemühungen werden hochgeschätzt. Darauf haben die befragten Händler Antworten: 76 Prozent setzen auf ein Angebot nachhaltig zertifizierter Produkte, 65 Prozent praktizieren aktiv Verpackungsreduktion, 62 Prozent optimieren ihre Lieferketten – und 60 Prozent der analysierten Händler zeigen dies gut sichtbar im Webshop auf einer Nachhaltigkeitsseite.

Hornbach ist Gesamtsieger, Thalia erreicht 100% im Bereich Channel Integration.
Den ORI-Gesamtsieg hat sich 2022 Hornbach gesichert, gefolgt von Kastner&Öhler und Gigasport. Der Omnichannel Readiness Index bringt aber auch Kategorie-Sieger hervor: Thalia hat zum zweiten Mal in Folge die vollen 100% in der Omnichannel-Königsdisziplin „Channel Integration“ erreicht. Der Buchhändler bietet maximale Flexibilität bei der Kaufabwicklung, und das völlig vertriebskanalunabhängig und nahtlos, Click & Collect, Reserve & Collect, Retoure online bestellter Waren in der Filiale, Abholstationen für 24/7 Abholung, rasche Bereitstellung der Click & Collect Waren, und dies stets kostenlos.

„Zusätzlich ist es besonders spannend zu analysieren, welche Händler sich in Hinblick auf ihr Omnichannel-Angebot im Vergleich zur Vorjahres-Studie besonders positiv ent-wickelt haben. In diesem Jahr zählen Libro, dm, Hartlauer, Ikea und Intersport zu den Top-Aufsteigern, weil sie etliche – von Kunden gewünschte – Features nun zusätzlich anbieten. Es freut uns immer wieder zu sehen, dass der Omnichannel Readiness Index ein etabliertes Tool ist, mit dem Händler aktiv an ihren Potenzialen arbeiten“, so Martina Oberrauch, Studienleiterin und Senior Research Consul-tant bei MindTake Research.

Diese Händler legen die Messlatte: ORI Branchensieger:innen.

  • Wohnen, Einrichten & Heimwerken:
  • Hornbach (78%)
  • Fashion & Accessoires: Kastner & Öhler (76%)
  • Sport: Gigasport (75%)
  • Bücher & Papierbedarf: Libro (73%)
  • Drogerie: Marionnaud (68%)
  • Computer & Elektro(nik): Hartlauer (68%)
  • Lifestyle & Hobby: Tchibo (68%)
  • Lebensmitteleinzelhandel: Billa (68%)

ORI Kategoriesieger:

  • Mobile Friendliness: Deichmann (99%)
  • Transparenz & Vertrauen: Billa (86%)
  • Personalisierung, Loyalty und Sharing: Hornbach (86%)
  • Flexible Kontaktmöglichkeiten: Kastner & Öhler, Gigasport (77%)
  • Payment, Fulfillment & Returns: Kastner & Öhler, Gigasport (84%)
  • Wegweiser in die Filiale: Interspar, dm, Palmers, Hartlauer (99%)
  • Channel Integration: Thalia (100%)

Die Studien und Benchmarks des Handelsverbandes werden allen Handelsverband-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Für KMU Händler ist die HV-Mitgliedschaft im Rahmen von www.kmu-retail.at kostenfrei. (IL)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


Frachtraten gehen durch die Decke

Die Energie- und Frachtkosten steigen und steigen, derzeit wie nie zu vor. Das bringt Logistiker massiv unter Kostendruck.

Beitrag: Redaktion.

Eine Verknüpfung unterschiedlicher externer Faktoren, die sich gegenseitig noch verstärken, stellt den Online-Handel aktuell vor eine massive Kostenexplosion, die komplette Business-Modelle ins Wanken bringt. Das fängt bei Sourcing und Beschaffung an: Durch Corona haben sich die Kosten für einen Container, der per Schiff von Shanghai nach Hamburg gebracht wird, von 2.000 auf 20.000 US-Dollar verzehnfacht. Gleichzeitig haben sich die Laufzeiten zwischen China und Europa nach Berechnungen von Flexport von weniger als 60 Tagen vor der Corona-Pandemie auf 107 Tage Anfang Dezember 2021 nahezu verdoppelt. Das bedeutet im Klartext: Der Versand der Ware wird nicht nur teurer, sondern auch zunehmend unkalkulierbar.

Auch in anderen Ländern werden Kapazitäten für Frachten per Luft, See oder Straße immer knapper, während die Transportwege immer länger werden. Hier bekommt die Branche zunehmend die Folgen des Ukraine Krieges zu spüren. Denn rund 20 Prozent der LKW-Fahrer, die bei osteuropäischen Unternehmen beschäftigt sind und einen Großteil des Business stemmen, kommen aus der Ukraine und Russland. Branchenschätzungen zufolge addieren sich zu den 60.000 bis 80.000 Beschäftigten, die schon vor dem Ukraine-Krieg in der Speditionsbranche fehlten, inzwischen bis zu 100.000 ukrainische Fahrer, die jetzt ihr Land verteidigen müssen, statt Ware von A nach B zu fahren. Ähnliche Effekte beobachtet man auf See, wo ca. 14,5 Prozent der weltweiten Schiffsbesatzungen von Ukrainern und Russen bestellt werden.

Treibstoff, Paletten, Kartonage und Mitarbeiter werden teurer.
Durch den Ukraine-Krieg sind auch die Kosten für Gas und Öl explodiert. Das bedroht nicht nur Speditionen in ihrer Existenz, weil sie die gestiegenen Treibstoffkosten als Teil der Leistungserbringungen nicht direkt an ihre Kunden weitergeben dürfen. Auch die Nebenkosten für den Betrieb von Logistikimmobilien steigen – und das in einer Zeit, wo ein grundsätzlicher Mangel an geeigneten Lagerflächen die Fulfillment-Preise ohnehin schon in die Höhe treibt. Für zusätzlichen Kostendruck sorgen ein Mangel an Paletten (Schnittholz kommt zu großen Teilen ebenfalls aus der Ukraine) sowie an Papier und Kartonagen, welche die Preise ebenfalls steigen lassen.

Die ohnehin schon mehr als angespannte Lage wird durch die in Deutschland beschlossene Erhöhung des Mindestlohns von 9,50 (01/21) auf 9,82 (01/22) und weiter auf 10,45 Euro ab 1.7.22 sowie die im Koalitionsvertrag verankerte Zielmarke von 12,00 Euro noch weiter verschärft, entspricht dieser Zielwert doch einer Kostensteigerung von 26 Prozent seit Januar 2021. Weil oft bis zu 50 Prozent der Logistikkosten auf das Personal entfallen, wird auch dieser Effekt die Preisspirale weiter nach oben treiben.

Oliver Lucas, Geschäftsführender Gesellschafter und Logistik-Experte der E-Commerce-Beratung ecom consulting, hat einige kurz-, mittel- und langfristige Handlungsempfehlungen zur Krisenbewältigung:

1. Verschaffen Sie sich einen Überblick.
Händler müssen sich proaktiv mit der veränderten Ausgangslage auseinandersetzen. Dazu gehört, Produkt- und Prozesskosten in verschiedenen Szenarien zu simulieren. Was passiert, wenn die Kosten noch weiter steigen? Welche Konsequenzen hat es, wenn Materialien knapper werden oder sich Lieferzeiten um weitere vier Wochen verlängern? Händler müssen die eigene Supply Chain eng überwachen – und zwar im Hinblick auf die Kennzahlen und auf die Kosten.

2. Optimieren Sie die Prozesseffizienz.
Jede manuelle Tätigkeit kostet unnötig Geld und sollte daher vermieden werden. Händler sollten stattdessen ihre Prozesse nachschärfen und wo immer möglich über Automatisierung nachdenken. Das gilt auch für den Kundenservice. Dieser kann durch Chatbots entlastet werden, indem einfach Fragen wie “Wann kommt mein Paket?” oder “Wie kann ich einen Artikel retournieren?” zunächst vom Chatbot abgefangen werden. So werden Mitarbeiter durch KI entlastet und können sich auf kompliziertere Anfragen konzentrieren.

3. Suchen Sie nach alternativen Beschaffungsquellen und -routen.
Die Corona-Pandemie hat deutlich vor Augen geführt, wie gefährlich es ist, sich auf Single Sourcing zu fokussieren. Versuchen Sie, sich mittel- bis langfristig weniger von externen Partnern abhängig zu machen und vielleicht auch stärker in politisch stabileren Regionen wie Westeuropa zu sourcen. Die Preise sind oft niedriger als Unternehmen erwarten, gleichzeitig lassen sich Nachhaltigkeitsaspekte deutlich besser darstellen. Auch alternative Beschaffungsrouten sollten Unternehmen schnell in Anspruch nehmen können. Aktuell allerdings sind die Seidenstraße oder die transsibirische Eisenbahn durch den Krieg in der Ukraine auch keine wirklichen
Alternativen zur Containerfracht aus China.

4. Überprüfen Sie das eigene Sortiment.
Eine kurzfristig umsetzbare Strategie ist es, das eigene Warenangebot zu reflektieren und Komplexität zu reduzieren, indem man Produkte oder Eigenmarken aus dem Sortiment nimmt. So kann sich das engmaschige Monitoring der Supply Chain auf weniger Produkte konzentrieren.

5. Verzichten Sie auf Rabattschlachten.
Wer nur noch wenig Ware auf Lager hat, die in der Nachorder langsamer und teurer wird, sollte auf Rabattschlachten verzichten und stattdessen zum UVP verkaufen. Das leert zwar die Regale langsamer, doch profitieren Händler unter dem Strich wenigstens von besseren Margen.

6. Denken Sie über Versandkosten nach.
Kostenfreier Versand gilt in Deutschland als heilige Kuh im E-Commerce und ist für viele Warenkörbe ein echter Conversion-Hebel. Doch während Neukunden auf diesen Punkt empfindlich reagieren, können Händler ihren Bestandskunden die Situation erklären und beispielsweise um Verständnis dafür bitten, dass man trotz Inflation die bisherigen Preise hält, dafür aber aufgrund gestiegener Kosten temporär Versandkosten einführen muss. Auch für die Rücksendung von Retouren können Händler ihre Kunden selbst zahlen lassen.

7. Binden Sie Ihre Kunden.
Eine gute Kundenbindung macht sich immer bezahlt, besonders in der Krise. Denn Kunden, die einen Bezug zu einem Anbieter haben, lassen sich per Mail oder andere Kommunikationskanäle in Notfällen aktivieren und sie akzeptieren kleine Einschnitte eher als Neukunden. “Online-Händler sollten der Wahrheit ins Gesicht sehen, dass diverse Kostenfaktoren für Supply Chain, Lohn und Logistik, die kurzfristig auch nicht wieder zurückgedreht werden, ihre bisherigen Margen fressen”, resümiert Berater und Logistikprofi Oliver Lucas. “Die Quittung dafür bekommt man in der Regel sehr zeitversetzt, weil man die Deckungsbeiträge für bereits eingekaufte Ware mit prozentualen Werten kalkulierte, die heute nicht mehr zutreffen”, sagt er. Wer jetzt nicht versuche, Kosten einzudämmen, müsse irgendwann die bitteren
Konsequenzen tragen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Zuverlässiges Fulfillment E-Commerce »E« steht für Effizienz

Die L.I.T. Gruppe mit Hauptsitz in Brake (LK Wesermarsch) bietet ein breites Dienstleistungsspektrum entlang der gesamten Logistikkette. Über 3.000 Mitarbeitende an 66 Standorten in 14 Ländern realisieren ganzheitliche Konzepte in der Transport- und Kontraktlogistik für die verschiedensten Branchen.

Text: Redaktion.

Viele kennen die L.I.T. Gruppe: Wie würden Sie sie unseren Lesern dennoch in wenigen Worten beschreiben?

TS: L.I.T. ist mittelständig geprägt, seit 1988 stark aus dem Transportbereich gewachsen und mittlerweile in der Lage, alle Dienstleistungen der Logistik abzubilden. Entsprechend breit ist unser Kunden- und Branchen-Portfolio.

L.I.T. ist vor allem bekannt im Transportwesen – wie kamen Sie nun auch noch zum Bereich E-Commerce?
Thimo Schulz: Wir haben vermehrt Anfragen von unseren Bestandskunden erhalten und so vor etwa vier Jahren angefangen, uns intensiver mit E-Commerce zu beschäftigen. Erst mit ganz kleinen Aufträgen, welche mit der Zeit über größer wurden. Bis zu dem Punkt, an dem wir mit einem Bestandkunden gemeinsam einen ganzen Shop inklusive Bewirtschaftung aufgebaut haben, den wir seither erfolgreich betreuen.

Der E-Commerce hat vor allem in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt. Wie haben Sie als Logistiker diesen Anstieg erlebt?
Rico von Hollen: Bei uns eher verhalten, viele Kunden schrecken vor den Anfangsinvestitionen zurück. Vor allem wenn man eine größere Reichweite erzielen möchte und auch Anforderungen aus dem Markt gerecht werden möchte, ist es nicht mehr damit getan, einfach nur Ware aus dem Regal zu nehmen, in den Karton zu packen und für den Transport zu übergeben.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell im E-Commerce?
TS: Man muss klar sagen, Amazon setzt hier oft den Standard. Daran orientieren sich der Handel, die Empfänger und auch die anderen Logistiker, wenn sie im Teich „E-Commerce“ mitschwimmen wollen. Einige der Herausforderungen sind Dropshipment, Click + Collect, Abholung in der Filiale, Same-Day-Delivery. Um nur einige wenige Beispiel zu nennen. Außerdem verursacht diese spezielle Dienstleistung extrem hohe Lieferkosten und belastet unsere Gesellschaft zusätzlich. Für uns als Firma macht Same-Day-Delivery dann vor allem Sinn, wenn es ausgelastete Liefertouren gibt.

Aus meiner Sicht wird insbesondere die intelligente Konsolidierung von mehreren Lieferzentren – gerade in den Ballungsgebieten und Metropolen – eine steigende Bedeutung bekommen. Große KEP-Dienstleister wie DHL und UPS machen es ja schon auf der letzten Meile vor. Und ganz klar: Ökologische Gesichtspunkte rücken in allen Lebenslagen in den Fokus, da ist auch die „Individual-Logistik“ ein Thema.

RvH: Das tangiert auch die Same-Day-Zustellung. Ich denke, hier muss das gemeinsame Ziel in den Fokus rücken und der Konkurrenz-Gedanke innerhalb des Marktes ein Stück weichen. So wird eine nachhaltige, effiziente Logistik möglich. Da setzen wir als L.I.T. an: Wir möchten unseren Kunden mit einer ganzheitlichen Lösung entlang der Supply-Chain vom Import bis zur letzten Meile alle Services aus einer Hand anbieten. Dann vermeiden wir Reibungsverluste an den Schnittstellen zwischen den Beteiligten und können wirtschaftlicher und ökologischer handeln.

Und welche Herausforderungen hält das Schlagwort „die letzte Meile“ aus Ihrer Sicht parat?
TS: Es ist schlicht und einfach der letzte und anspruchsvollste Teil des Zustellprozesses (lacht). Es erscheint im ersten Moment nicht als echte Herausforderung diese kleine Strecke noch zu überwinden bei Waren, die schon über den Ozean aus Asien zu uns gekommen sind. Dennoch ist es die teuerste Transportstrecke im Zustellprozess zum End-Empfänger.

Dann wird es sofort spannend, wenn die Empfänger nicht anzutreffen sind. Und in der wachsenden Anzahl an Single-Haushalten ist noch seltener jemand anzutreffen als beim klassischen Familienhaushalt. Der KEP-Dienst muss erneute Zustellversuche unternehmen. Eine Lösung könnte sein, intensiver über Zustelltage mit intelligenten Zustellfenster nachzudenken oder Zustellfächer in Wohnregionen. Einiges davon ist schon umgesetzt. Oder Empfänger lassen sich ihre Ware beispielsweise an den Arbeitsplatz schicken. Damit hat der KEP für mehrere Empfänger eine Anfahrstation. Das und noch mehr sind für uns noch Herausforderungen, die nur gemeinsam mit dem Versender, Logistiker und Transporteur angegangen werden können.

Welche Rolle spielt die Automatisierung von Prozessen in Bezug auf Qualität und Effizienz? Und welche Lösung hat L.I.T. hierfür?
RvH: Grundsätzlich müssen sich alle Logistiker am Markt an Reaktionszeit, Lieferperformance und natürlich Qualität der Dienstleistung messen lassen. Das gilt besonders im Bereich B2C E-Commerce – und auch hier ist Amazon die Benchmark. Derjenige, der besonders kurzfristig auf Peaks in puncto Nachfrage und Angebotsvielfalt reagieren kann, wird dauerhaft zufriedene Kunden haben. Gepaart mit stetiger Qualität und verlässlichen Reaktionszeiten kann da auch der Mittelstand durchaus mit den „Big-Playern“ konkurrieren. Und gerade deshalb möchten wir verstärkt auf unterstützende Automatisierung setzen, also eine Art „Hybrid-Betrieb“ innerhalb unserer Supply Chain.

TS: Wir haben uns hier insbesondere im Bereich E-Commerce und Kleinteile-Logistik für eine AutoStore-Anlage entschieden. Die ersetzt natürlich keine Fachkräfte, erhöht aber deren Produktivität massiv. Das entlastet die Kolleginnen und Kollegen natürlich in erheblichem Maße. Es ist eine top Lösung für unsere Kunden, mit denen wir so gemeinsam und dynamisch wachsen. Dazu gehören noch standardisierte Schnittstellen wie PlentyMarktes oder Shopify, die wir zwecks optimierter Kunden-Kommunikation implementiert haben. Das ermöglicht auch kleineren Händlern oder Produzenten in den Online-Handel einzusteigen. Es entstehen durch flexiblere, automatisierte Prozesse weniger Ramp-up Kosten. Eine Skalierung ist deutlich einfacher und qualitativ stetig.

Wo findet die Automatisierung aus Ihrer Sicht ihre Grenzen?
RvH: Ein völliger Wechsel in automatisierte Prozesse bedingt immer einer gewissen Stringenz innerhalb der Prozesse und logistischen Abläufe. Wir möchten zwar Peaks und Skalierbarkeit anbieten, gleichzeitig ist es uns aber besonders wichtig, auf wechselnde Anforderungen unserer Kunden und Märkte reagieren zu können. Ich denke, dort ist das Know-How unserer Kolleginnen und Kollegen auf der Fläche gefragt, gemeinsam mit der Automatisierung auf eben diese reagieren zu können.

Die Automatisierung ist dann doch etwas mehr als einfach „nur ein Roboter“. Und ganz grundsätzlich verstehen wir Automatisierung nicht als Verdrängung von Personal aus der Logistik. Vielmehr kann Einsatzplanung flexibler und besser gehandhabt und Know-How geteilt werden. Aber auch hier merken wir: Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden.

Nochmal zusammengefasst: Welche Bedeutung nimmt der E-Commerce für L.I.T. ein?
TS: E-Commerce ist für uns mehr als klassischer Onlinehandel und Onlineshopping, das wir alle kennen. E-Commerce sehen wir als wesentlichen Bestandteil aller Industrien und dem allgemeinen B2B-Handel. Da zeigt Digitalisierung auch ganz klar, dass klassische Industrien Vernetzung für sich nutzen und „Amazon-ähnliche“ Lieferzeiten immer mehr in den Fokus rücken.

Hier möchten wir durch die Kombination von digitalen Technologien und unseren Standards beiden „Welten“ – sei es dem B2C-Kunden als auch der B2B-Welt – gleiche Qualität und Professionalität bieten.

Jetzt haben Sie sogar mit der Creditreform aus Oldenburg ein Summit rund um das Thema E-Commerce geplant: Was war der Anlass und das Ziel?
TS: Ich möchte die ganze Geschichte dem Summit nicht voranstellen, es sollen sich schließlich möglichst viele Menschen vor Ort oder digital ein eigenes Bild machen (lacht). In aller Kürze: Wir haben den AutoStore und wollten dies unseren Bestandskunden näher bringen. Daraus ist dann die Idee eines besonderen Events im GVZ Bremen entstanden. Unser Ziel ist es eine Plattform zu schaffen, die Leute aus den Bereichen Onlinehandel und -Payment sowie logistisches E-Commerce-Fulfillment miteinander verbindet. (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2022

 

LOGISTIK express Journal 1/2022

Give Peace a Chance!

LE 1/2022

03 Inhalt / Editorial / Impressum
04 Alles im Leben ist relativ
06 Handelsbetriebe kämpfen mit Lieferverzögerungen
08 EU-Lieferkettengesetz
10 dm-Gründer verstorben
12 Neueröffnung mit einem Apostore-Roboter
14 So gelingt die Renaissance der Innenstädte
16 Online-Lebensmittelzustellung boomt
18 Hürden der Digitalisierung im stationären Handel
20 Accelerator der Digitalen Transfomation
22 Personalmanagement verlangt mehr Digitalisierung
24 Stolpersteine der Digitalisierung
26 Poststandardisierung
28 Nutzen des EU-E-Commerce-Pakets
30 Zuverlässiges Fulfillment E-Commerce
34 Intelligente Lieferroboter lösen Problem der letzten Meile
38 Online-Supermarkt automatisiert Fulfillment Center
40 Siegeszug der Micro-Fulfillment Center
44 Intralogistik aus erster Hand. Revival mit aufgestauten Ideen
48 Unsichere Zeiten stellen die Logistik vor Herausforderungen
52 Die Welt ist im Umbruch, das betrifft die Logistikbranche
60 Schwer(gut) unterwegs?
64 Nie wieder Krieg!
66 Die Dümmste Energiepolitik der Welt
72 Messen & Events
74 Menschen in Bewegung

 

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Smarte Logistik 4.0

Autonome Roboter für eine pfiffige Lager-Automatisierung, KI-unterstützte Kameras zur Behältererkennung und -verfolgung ohne jeden menschlichen Eingriff und Digitale Zwillinge für das physische Lager oder die planende Lieferkette zeigen den Aufbruch in eine digitale Logistikwelt. Wir blicken auf 12 wichtige Handlungsfelder, die den Paradigmenwechsel zu einer Logistik 4.0 treiben.

Gastbeitrag: Wolfgang Keplinger.

  1. ICH, LOGISTIK-ROBOTER
    Smarter Produktivitätsbooster @ Null-Fehler

Früher hatte man entweder ein manuelles oder ein sehr starr automatisiertes Lager mit teuren, schweren Regalbediengeräten. Die intelligente Lager-Automatisierung  mit smarten und flexiblen Lager-Robotern ist einer der bedeutendsten aktuellen Trends in der Logistik. Zu den smarten Automatisierungsmöglichkeiten im Lager gehören:

  • Automatisierte Shuttle-Lager mit vielen kleinen Robotern/Shuttles anstelle der großen, schweren und wenig flexiblen Regalbediengeräte
  • Pick-Buddies, (z.B. von Locus, Geek+ oder 6River Systems) die die manuell gepickte Ware beim Kommissionierer abholen und zum Versand bringen
  • Shelf-Buddies, (z.B. von Amazon oder Swisslog) die ganze Regale zur Pick-Station bringen, wo dann manuell kommissioniert wird
  • Konzeptionell gänzlich neue, smart automatisierte Lagertypen wie
    • Autostore, das ohne Regal auskommt und durch das direkte Stapeln der Behälter eine enorme Lagerdichte erzielt
    • Servus, ein Shuttle-System, bei dem die Roboter auf Schienen bis in die Produktion fahren und die gepickten Behälter direkt an die Montagelinie übergeben
    • Exotec, ein Shuttle-System, bei dem die Shuttles selbständig die Vertikalbewegung (Klettern am Regal) übernehmen, ansonsten aber frei und autonom verfahrbar sind
  • Autonome Pick-Roboter (z.B. von Magazino oder identytec), die selbständig picken bzw. das Material/die Behälter in den Lagerplatz verräumen
  • Cobots, die Picken bzw. Behälter entstapeln, sortieren, entleeren und anstellen
  • Autonomous Mobile Robots (AMRs) die sich selbständig und autonom im Lager neben den dort arbeitenden Mitarbeitern bewegen und als Unterfahr-/Stapel-/KLT-FTF Material und Behälter transportieren und bewegen
  • Autonome Routenzüge (z.B. von Schiller, Linde oder Asti) für den Transport auf den Routen mit dem starken Transport-Volumen

Alle roboter-basierte Lösungen zeichnen sich durch eine deutlich erhöhte Produktivität und eine weitgehende Fehlerfreiheit aus. Dabei sind die Systeme intelligent, teilweise autonom, kollaborativ, flexibel und agil, skalierbar, elektrisch, energieeffizient und plug&play-fähig. Sie helfen, Mitarbeiter von schweren, unergonomischen Handlings-Aktivitäten zu entlasten und übernehmen vielfach diejenigen Arbeitsschritte, die langweilig, schwierig oder unter Lean-Gesichtspunkten nicht wirklich wertschöpfend sind (z.B. lange Transportwege).

  1. ENDLICH BEIDHÄNDIG
    Wearables befreien die Mitarbeiter

Der mittlerweile fast schon traditionelle Scanner in der Logistik hilft den Mitarbeitern, Material eindeutig zu identifizieren und Materialbewegungen (z.B. Einräumen in einen Lagerplatz / Picken von einem Lagerplatz) sicher zu dokumentieren. Aber der traditionelle Handscanner beschäftigt die Mitarbeiter mit Suchen, wo der Scanner ist, oder mit dem Greifen/Wegstecken des Scanners. Damit zieht der Scanner die Arbeitsfolgen sequentiell in die Länge, denn der Mitarbeiter ist entweder mit dem Scanner beschäftigt oder er geht/fährt durch das Lager.

Der große Nutzen, den die Logistik 4.0 für manuelle Arbeitsplätze erbracht hat, ist es, den Mitarbeitern die Hände wieder für die primär wertschöpfenden Logistik-Tätigkeiten freizuspielen: für das Handling des Materials bzw. für das Fahren von Staplern oder Routenzügen. Frei nach dem Motto: „automate it or wear it“, sollten alle Arbeiten in der Logistik, die nicht wirtschaftlich automatisiert werden können, und somit manuell bleiben, durch Wearables unterstützt werden. Diese Wearables (X-by-Technologien, Handschuhe, Ringe) sind die technologische Lösung, um die Informationsmitteilung bzw. -bestätigung unabhängig von den Händen zu machen, so dass diese für die Kernaktivitäten der manuellen Logistik verfügbar sind: Handling und Lenken. Und damit werden die Prozesse schlanker, denn die Informationsmitteilung bzw. die Bestätigung wird in die wertschöpfenden Kernarbeitsschritte integriert.

Die aktuell wichtigsten Wearables, die den Mitarbeitern ein frei-/beidhändiges und somit ergonomisches und produktives Arbeiten ermöglichen, sind Pick-by-Voice, Pick-by-Vision/Smart Glasses, Gabel-Stapler Gabel-Scanner, Scanner-/RFID-Handschuhe, Daten-Uhren und NFC- und Smart Motion Ringe, die die Steuerung von Zugangskontrollen, Qualitätskontrolle und Ausführungsbestätigungen unterstützen.

Die Wearables erhöhen die Produktivität der Mitarbeiter, die die Wearables tragen. Was aber mindestens so wichtig ist: sie verbessern die Ergonomie der Mitarbeiter und sie reduzieren Fehler.

  1. NO-TOUCH-LOGISTIK
    Jeder weitere Schritt wäre Verschwendung

Einer der größten Aufwands- aber auch Zeittreiber in der Logistik ist die Anzahl der notwendigen Handlingsschritte, d.h. wie oft ein Behälter/eine Palette/ein Karton angegriffen, aufgenommen, abgestellt, umgestellt, eingelagert, ausgelagert, auf- oder abgestapelt oder bereitgestellt wird.

Bezüglich einer handlingsarmen No-Touch Inbound-Logistik gibt es folgende Alternativen (beginnend mit der schlankesten Alternative):

  • Warehouse on Wheels (WoW): Die Materialien werden direkt im Trailer/in der Wechselbrücke in der Nähe des Verbau-Ortes der Materialien bereitgestellt und erst bei Bedarf dem Trailer/Wechselbrücke entnommen und sofort verbaut. WoW wird in der Regel für großvolumige Schnelldreher angewandt, die in einem JIT-/JIS-Modus geplant und bereitgestellt werden, denn es gibt bei diesem Bereitstellungsmodus keine logistische Wareneingangskontrolle.
  • Dezentraler Wareneingang / Ship-to-Line: Hier werden die Materialien de-zentral, d.h. Liniennahe angeliefert, werden ausgeladen und stehen dann in Form von kleinen Puffern mit einer geringen Reichweite (wenige Stunden) direkt am Verbau-Ort zur Verfügung. Auch diese Bereitstellung wird primär für schnelldrehende Materialien im JIT-/JIS-Modus angewandt, hat aber durch die sofortige Entladung vom LKW einen Handlingsschritt mehr als WoW. Dafür werden weniger Gates benötigt und die LKW können in der Regel mehr als ein Material anliefern.
  • Zentraler Wareneingang / Ship-to-Stock: Hier werden Materialien traditionell bei einem zentralen Wareneingang angeliefert, mit den üblichen Kontrollen bezüglich richtiger Materialnummer in der richtigen Anzahl, im richtigen Behälter und Label, unbeschädigt angeliefert. Dieser Prozess eignet sich für alle mittel- und langsamdrehenden Materialien. Ship-to-Stock erfordert aber zusätzliche Handlingsschritte durch die Einlagerung im Zentrallager (d.h. produktions-/montagelinienferne Lagerung) und die bedarfsgerechte Bereitstellung an der Linie oder im Supermarkt durch die Logistik.

  1. DATEN | DATEN | DATEN
    Die transformative Kraft datengestützter Erkenntnisse

Die aktuellen Ansatzpunkte der Big Data Analytics sind:

  • Zusammenhänge finden, die bisher nicht gefunden wurden. Dabei helfen moderne grafische Analysetools (Graph-Analytics, z.B. von Tableau, Y42, Visplore, …), die ein intuitives Arbeiten mit großen Datenmengen erlauben. Um zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Anlagen im Markt, Anlagenausfällen und benötigten Ersatzteilen herzustellen und damit die Verfügbarkeit der Ersatzteile in der richtigen Region rechtzeitig sicherzustellen.
  • Bedarfe und notwendige Kapazitäten richtig(er) vorherzusagen. So wie es Amazon macht und aus dem Absatz von Vergleichs-/Referenzprodukten, Testregionen oder dem Verhalten bestimmter Kundengruppen/-cluster auf zukünftige Bedarfe hochrechnet und dann die einzelnen Artikel in einer bedarfsgerechten Menge vorab in die einzelnen Customer Fulfillment Center legt. Noch lange bevor der tatsächliche Kundenbedarf entsteht oder gar die Kundenbestellungen vorliegen.
  • Echtzeit-Simulation und Optimierung von Lieferketten. Das in Spanien/USA ansässige Startup Factic bietet z.B. eine SaaS-Plattform, die prädiktive Analyselösungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bereitstellt. Dazu werden Data-Mining- und KI-Techniken genutzt, um Daten aus internen und externen Quellen zu analysieren und zukünftige Verkäufe vorherzusagen. Aus den prognostizierten Nachfrageabweichungen werden datengestützte Entscheidungen abgeleitet, um die Beschaffung zu automatisieren. Oder Flexport, ein Start-up aus San Francisco, analysiert cloud-basiert und in Echtzeit Materialvolumina von Importeuren, Exporteuren, Spediteuren, Fluglinien, Schifffahrtslinien, Häfen, Flughäfen und von Zollbehörden, die an einzelnen Häfen/Flughäfen/Logistik-Knotenpunkten erwartet werden. Damit wird gesteuert, über welche Knotenpunkte Sendungen geschickt werden sollen, um möglichst rasch ins Land und zu den Kunden zu gelangen.

 

  1. NACH IHREM BEDARF
    Marktplätze für alles

Der dahinter liegende Logistiktrend ist die „elastische Logistik“, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Lieferketten in Zeiten schwankender Nachfrage effizienter zu gestalten. Das gelingt durch eine bedarfs-entsprechende Vergrößerung oder Verkleinerung des logistischen Netzwerkes. D.h. die ehemals fixen eigenen Assets werden ersetzt durch Logistik-Leistungsangebote, die am Markt kurzfristig dazugekauft oder zurückgegeben werden.

Basis für eine elastische Logistik sind Marktplätze für Transporte, Läger oder die Letzte Meile. Die Transport-Marktplätze bringen den Bedarf an Transportkapazität und das Angebot der Spediteure kurzfristig zusammen. Diese Marktplätze gibt es schon länger, sie existieren für LKW-Ganzladungen, für LTL-Verkehre aber auch für Stückgut. Die neueren Lager-/Warehouse-Marktplätze machen das gleiche im Bereich von Lagerraum und bringen dort flexibel und kurzfristig Angebot und Nachfrage zusammen. Einige bekannte Lager-Marktplätze sind Flexe, Stowga, Stord, Hive, storingcargo oder log-hub. Und schließlich die letzte Meile-Marktplätze, die deshalb von großer Bedeutung sind, weil damit einer der größten Einzel-Kostenblöcke (meist mindestens ein Drittel der gesamten Zustellkosten). So arbeitet z.B. Walmart in den USA zur Zeit an einem Piloten mit einem Letzte-Meile-Marktplatz, um die Express-Lieferungen zeitgerecht zuzustellen. Amazon hat die Plattform Amazon Flex angekündigt, das auf „Auf-Abruf-Dienstleister“ zurückgreift, um die Ausweitung des Prime One Day Lieferprogramms zu beschleunigen.

 

  1. HELLSEHEREI
    Wissen, wo sich ihr Material befindet – jederzeit und überall

Durch die sensorbasierte Verbindung von Objekten/Gegenständen/Sendungen mit dem Internet (IoT) wissen wir praktisch in Echtzeit fast alles über den Zustand dieser verbundenen Sendungen: neben der Lokation kennt man entweder die Qualität der ankommenden Sendung im Detail, oder man kann rechtzeitig eingreifen, bevor ein qualitativer Schaden (z.B. durch Hitze) passiert. Dabei kann die neueste Generation von mikroskopisch kleinen Sensoren (z.B. von RVMagnetics) helfen, diesen logistischen Zustand genau zu erfassen und zu verfolgen. Die Anwendungen für mit dem Internet verbundenen Logistiksensoren sind mittlerweile mannigfaltig: sie helfen Logistik-Gebäude klimatechnisch besser, effektiver und „grüner/nachhaltiger“ zu steuern. IoT-Systeme für das Flottenmanagement (z.B. Fleetroot) optimieren den Einsatz von Fahrzeugen in Logistikflotten. Oder Echtzeit-Überwachungssysteme für Container (z.B. das vom IoT-Startup Globe Tracker) helfen, diese einfacher zu verfolgen oder zu finden.

Ein Beispiel dafür sind die Service-Angebote von Roambee, einem Unternehmen, das ein System zum Monitoring von Lieferketten anbietet, bestehend aus Sensoren, über IoT verbunden mit einer Plattform bzw. mit einem Control Tower zur Überwachung und Verfolgung von Lokation, Sicherheit und Zustand der Materialien in der Lieferkette. Und das flexibel auf Abruf, d.h. als Logistics-as-a-Service. Ohne Investments für den Anwender.

Durch diese immer feinere und echtzeit-basierte Verfolgung einzelner Sendungen wird sich das aktuell eher reaktive Tracking & Tracing zunehmend in ein proaktives Management der erwarteten Ankunftszeit verwandeln (ETA = expected time of arrival). Damit wird die rückwärtsgerichtete Frage, „wo ist jetzt gerade mein Material unterwegs“, immer mehr der Frage weichen „wann wird mein Material ankommen“ und „was muss ich ggfs. tun, um die Kundenerwartungen trotz Abweichungen vom geplanten Zulauf dennoch wie geplant erfüllen zu können“?

 

  1. SUPER-MODELS
    Eine virtuelle Darstellung von allem

Digitale Zwillinge sind eine einzigartige virtuelle Darstellung eines potenziellen oder physischen Objekts oder Prozesses. In der Logistik gibt es mittlerweile Digitale Zwillinge für Läger/Distributionszentren. Dabei handelt es sich um 3D-Modelle eines konkreten Lagers, um damit die Auslastung und Lagerplätze optimieren zu können, für den täglichen Betrieb die Volumen-/Materialströme simulieren und Engpässe vermeiden zu können oder die Schicht- und Arbeitszeiten so anzupassen, dass die bestmöglichen Leistungen und Kundenservices erreicht werden. dm hat 2020 den deutschen Logistikpreis für sein neues Distributionszentrum in der Wustermark erhalten. Auf Basis von digitalen Zwillingen für alle belieferten Filialen werden im Distributionszentrum die Waren für die jeweilige Filiale so gepackt, dass filialspezifisch der Regal-Einräumprozess möglichst aufwandsarm erfolgen kann. D.h. das Distributionszentrum berücksichtigt bei der Colli-Bildung welche Materialien in einer spezifischen Filiale nebeneinander im Regal liegen.

Logistik-Zwillinge gibt es aber auch für gesamte Lieferketten. Dann wird diese Lieferkette vom Lieferanten über die einzelnen Lieferstufen bzw. über die Logistikdienstleister hinweg in einem digitalen Zwilling abgebildet. Diese digitalen Zwillinge dienen dann dazu, die planenden und steuernden Prozesse der Logistik zu optimieren. Mit diesen Zwillingen werden z.B. im Control Tower die Lieferketten gesteuert. Es wird erkannt, wie sich Engpässe auf die Lieferkette auswirken, bzw. welche Verbesserungsmaßnahmen notwendig sind, um die Auswirkungen auf den Kunden-Lieferservice möglichst gering zu halten oder die Kosten für Express-Transporte nicht explodieren zu lassen.

  1. PROGRAMMIERTE WISSENSERWEITERUNG
    Wie von Zauberhand

KI (Künstliche Intelligenz) ist in Kernbereichen der Logistik inzwischen fest etabliert und führt zu einer deutlichen Effizienz-, Qualitäts- und Produktivitätsverbesserung. Zu den Kern-Anwendungsbereichen der KI in der Logistik gehören:

  • Prädiktive Nachfragevorhersagen – im Bereich der Logistikplanung, als Basis für zukünftige Kundenbedarfe, als Input für S&OP-Prozesse. Die sichere Erkennung und Vorhersage von Kundenbedarfen lange bevor sie sich tatsächlich realisieren ist die Basis für robuste Lieferketten mit einem hohen Kundenservicegrad. Das neuseeländische Start-up Insite bietet z.B. KI-basierte Softwarelösungen für Preisvorhersagen, Nachfrageprognosen und die Optimierung von Abläufen und Prozessen an, die vor allem in der Konsumgüterindustrie und im Einzelhandel eingesetzt werden.
  • Routenoptimierung – sowohl im Bereich der Letzten Meile der Zustellung als auch für AMRs im Lager oder auf dem Fabrikgelände. Das australische Startup Adiona entwickelt KI-basierte Optimierungssoftware-as-a-Service (OSaaS), mit der Unternehmen ihre Logistikprozesse verbessern und Kosten senken können, indem Lieferrouten statisch und dynamisch optimiert werden.
  • Prozessautomatisierung basierend auf der intelligenten Erkennung von handschriftlich ausgefüllten Formularen (KI-basierte OCR-Erkennung). Damit können in internationalen Lieferketten viele manuelle Papier-/Formular-Prozesse deutlich vereinfacht, standardisiert und beschleunigt werden.
  • Visuelle Bilderkennung – KI-unterstützte smarte Kameras erkennen Behälter, Label, Personen, Maschinen, Stapler und zeigen diese immer fehlerfreier und mit einer immer größeren Zuverlässigkeit an. Damit wird es den AMRs möglich, selbständig ihre Routen zu finden, auch wenn sich diese oder die Hindernisse in den Routen dynamisch verändern. Andere Anwendungen unterstützen beim raschen und sicheren Zählen von Materialien in Behältern, beim Erkennen von Label im Zuge drohnengestützter Inventur, bei der Erfassung von Behältern im Leergutlager oder bei bildschirmgeführten und kontrollierten Packvorgängen.

 

  1. FAHRER VERLOREN
    Wer steuert da im Hintergrund?

Die Experten unterscheiden in die Kategorien des assistierten Fahrens, des automatisierten und des autonomen Fahrens. Der aktuelle Entwicklungsstand in Deutschland liegt gerade beim Erreichen des Levels 3 –  des automatisierten Fahrens. Damit werden erste Fahrzeuge (z.B. Audi A8, Daimler S-Klasse) für das hochautomatisierte, selbständige Fahren auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h und in Stausituationen vollständig an den Fahr-Computer übergeben, der Fahrer hat dann keine Kontrollpflicht mehr. Im Bereich der Logistik gibt es drei Hauptanwendungsbereiche des autonomen Fahrens:

  • Fahrerlose LKW – TuSimple, ein amerikanisches Start-up, hat sich auf die technologische Ausstattung von LKW zum autonomen Fahren spezialisiert. Das Unternehmen ist zur Zeit führend mit seinen Level 4 Fähigkeiten für die USA, bei dem das Fahrzeug bestimmte Autobahnabschnitte völlig selbständig bewältigt und der Fahrer die Fahrzeugführung vollständig abgegeben kann.

In Europa bietet die schwedische Firma Einride einen fahrerlosen LKW an. Sein futuristisches Fahrzeugdesign ohne Fahrerkabine zieht die Blicke auf sich bei den ersten Fahrten auf öffentlichen Straßen zwischen zwei Logistik-Hubs vom Anwendungspartner DB Schenker.

  • Autonome Fahrzeuge für die Intralogistik – hier hat sich in den letzten Jahren die Entwicklung von AGVs (Automated Guided Vehicles – berührungslos geführte Fahrzeuge), die unabhängig von der Führungstechnologie auf mehr oder weniger fest definierten Routen unterwegs waren zu den AMRs (Autonomous Mobile Robots) vollzogen, die wirklich autonom unterwegs sind, frei die Route wählen und auch Hindernissen problemlos ausweichen können.
  • Zustell-Rovers für die letzte Meile – diese autonomen Roboter fahren auf öffentlichen Straßen und vor allem auch auf Gehwegen und übernehmen die Hauszustellung von e-commerce-Bestellungen oder vielfach auch die Zustellung von Essens-Bestellungen aus Restaurants.

 

  1. ALLES AUTOMATISIERT
    Prozessautomatisierung nicht nur physisch im Lager

Mit der neuen Blockchain-Technologie und der RPA (Robotic Process Automation) stehen nun Technologien bereit, die auch eine Automatisierung von bisher manuellen/Back-Office-Prozessen ermöglichen. Die Blockchain-basierten Smart Contracts erlauben die automatische Ausführung von Prozessschritten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Der Vorteil dieser Smart Contracts liegt auch darin, dass diese Bedingungen nicht unbedingt vor Ort gegeben sein müssen, sondern die Prozesse auch aus der Ferne getriggert werden können. Damit ist die Blockchain-Technologie dafür geeignet, den Informations-/bisherigen Papierstrom in Lieferketten zu automatisieren. Zahlungen können ausgelöst werden bzw. ein Eigentums- oder Verantwortlichkeitsübergang kann bestätigt werden, wenn bestimmte physische Zustände eingetreten sind (wie z.B. Ware im Hafen XY angekommen) oder wenn bestimmte Papiere wie Frachtbriefe an bestimmten Orten erfasst wurden. Auf diese Weise kann auch die Zollabwicklung vereinfacht und (teil-) automatisiert werden. Das Start-up Steamchain erlaubt z.B. blockchain-basierte Zahlungen, das Start-up Shipchain bietet eine Lösung für eine weltweite Sendungsverfolgung.

RPA (Robotic Process Automation) ermöglicht die kostengünstige Automatisierung von sich wiederholenden einfachen Aufgaben (z.B. Daten-Transfer zwischen verschiedenen EDV-Systemen), eliminiert dabei menschliche Fehler und reduziert die Gemeinkosten. RPA-Software führt zum Beispiel Vorgänge wie die Rechnungsverarbeitung, die automatische Speicherung von Informationen in Prüfprotokollen oder die automatische Eingabe einer Bestellung durch.

  1. NACHHALTIG GRÜN
    Unserem Planeten zuliebe

Die in der Vergangenheit eher kleinteiligen Verbesserungen in Richtung einer grünen Logistik, haben sich in den letzten Jahren in eine ernstzunehmende Anwendung von umweltfreundlichen Technologien und Praktiken gewandelt. Viele Unternehmen arbeiten nunmehr an der bekannten 4V-Strategie, um die Logistik nachhaltiger zu machen: Vermeiden, Verlagern, Vermindern, Vergüten. So hat z.B. Gartner bei den Supply Chain Top 25 als ein Learning von den Besten festgestellt, dass diese nachhaltig an der Reduktion des CO2-Fußabdrucks arbeiten, vielfach auch in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten oder Kunden. Die wichtigsten Nachhaltigkeits-Trends in der Logistik sind:

  • Verringerung des Transportaufkommens durch bessere Planung, bessere Bedarfsprognosen, Bündelung von Transporten gemeinsam mit Lieferanten und Kunden, um die teilweise 40% Leerfahrten von LKW zu reduzieren. Nach all den Aktivitäten in Richtung same day/2-h deliveries bietet Amazon nun in den USA den Kunden auch die Möglichkeit an, eine Zustellung nur innerhalb der nächsten 6 Tage auszuwählen, um Transporte bündeln und somit Fahrten reduzieren und die Zustellung somit nachhaltiger machen zu können.
  • 0-Emission-Fahrzeugflotten – Umstellung der Fahrzeugflotten auf voll-elektrische Fahrzeuge bei den Logistik-Dienstleistern. So hat z.B. DHL schon in den letzten Jahren insgesamt 20.000 vollelektrische Streetscooter in Betrieb gestellt und plant in den nächsten Jahren noch weitere 100.000 in die Flotte zu nehmen. Oder Amazon, das 100.000 vollelektrische Zustellfahrzeuge bei Rivian bestellt hat.
  • Geschlossene Logistikkreisläufe für Behälter bzw. wiederverwendbare Verpackungen –

ermöglicht durch neue Start-ups, die industriellen Kunden aber auch Endverbrauchern einen geschlossenen Verpackungskreislauf anbieten. Dazu zählen Unternehmen wie Loop, RePack, Returnability oder The Wally Shop. Oder Ikea, das gerade neue, umweltschonende und rezyklierbare Verpackungen aus nachwachsenden Pilzen (z.B. von Ecovative) testet.

  • Logistikgebäude ohne CO2-Emission. Neben der Nutzung der Dächer von Logistiklägern zur Strom- oder Wärmeproduktion mittels Solardächern, geht es nun mehr und mehr darum, durch intelligente IoT-basierte Sensoren die Energiesteuerung (Licht, Wärme, Kälte) weiter zu optimieren und zu verbessern.

 

  1. SEHEN UND GESEHEN WERDEN
    Zuverlässige Bilderkennung von allem

Die Firma identpro bietet zur Zeit eine sensorbasierte Lösung für die scannerfreie Behälter-/GLT-Verfolgung mittels Stapler an. Dabei werden die Stapler mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, zur kontinuierlichen Bestimmung der aktuellen x-/y-Koordinate des Staplers im Raum und einem Höhensensor auf der Gabel zur Bestimmung der z-Koordinate. Bei jeder Änderung der Gabel-Beladung werden die x-/y-/z-Koordinaten in eine Datenbank weggeschrieben (digitaler Zwilling). Damit kann mit einer einzigen, einmaligen Erfassung eines GLTs oder einer Palette (ein einziger Scan z.B. am Wareneingang) in Echtzeit jede aktuelle Lokalisierung einer jeden Palette/GLTs über den digitalen Zwilling ermittelt werden. Das ist eine funktionierende Lösung zur scannerfreien aber dennoch zuverlässigen Materialverfolgung von GLTs/Paletten mittels Stapler.

An einem der wahrscheinlich wirkungsvollsten technologischen Trends wird zur Zeit noch gearbeitet: die automatisierte, KI-kamera-basierte Behälterverfolgung ohne Label-Scannung. Beim Computer-Vision-Ansatz werden KI-basierte Kamerasysteme verwendet, die kontinuierlich sowohl von fixen Plätzen aus (z.B. montiert an der Decke einer Produktions- oder Lagerhalle) bzw. von mobilen Plätzen (auf AMR/Routenzügen/Staplern) jede Bewegung im Sichtfeld der jeweiligen Kamera verfolgen und intelligent identifizieren. Die Software stellt dann sicher, dass die Bewegung eines jeden Behälters lückenlos mitverfolgt wird (angeboten z.B. von logivations). Dabei wird auf KI-Unterstützung zugegriffen. Auch wenn diesbezügliche Lösungen sich noch vielfach in Pilot- und Testanwendungen befinden, zeichnet sich hier eine der spannendsten Entwicklungen für die nächsten Jahre ab, die die Intralogistik wirklich revolutionieren kann.

Die KI-basierte Label-Erkennung ist heute schon Standard bei den am Markt befindlichen Inventurdrohen und funktioniert dort schon fehlerfrei. Die Anwendung von KI-basierten Kamerasystemen am Wareneingang, um eine vollautomatisierte Logistikprüfung (richtige Ware, richtige Menge, übereinstimmend mit der Bestellung, richtiges Label, richtige Verpackung, und transportschadenfrei angeliefert) ist nur eine natürliche Weiterentwicklung dieser Kamera-Wundersysteme. Damit wird sich dann auch der Wareneingang der One-Touch-Logistik nähern, noch produktiver werden, und eine der Voraussetzungen für eine zukünftig dann automatisierte Entladung der LKW schaffen.

Nicht alle der 12 Handlungsfelder sind für alle Unternehmen gleich relevant. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen in Abhängigkeit von den Branchenanforderungen und der bereits realisierten Logistik 4.0-Roadmap. Was aber sicher ist: unter den 12 die Logistik grundsätzlich verändernden Handlungsfelder sind wahrscheinlich mindestens 8 mit echter Handlungsrelevanz für jedes einzelne Unternehmen. Identifizieren Sie Ihre Top-Veränderungsbereiche und starten Sie möglichst rasch mit der Umsetzung. Die Themen sind spannend, denn noch nie hat es so viele technologische Neuerungs-Chancen in der Logistik gegeben wie heute.

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Neue Erwartungen an die Intralogistik Same-Day-Lieferung in die Kleinstadt

Nicht zuletzt beeinflusst durch die pandemische Lage hat sich der Wettbewerb im E-Commerce-Bereich bedeutend zugespitzt. Eine McKinsey-Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass zudem die Markentreue der Kunden abnimmt. Geschuldet sei dies vor allem dem vereinfachten Preisvergleich. Viele Händler im Bereich e-Grocery setzen daher auf Micro-Fulfillment-Center und automatisieren Lagerhallen zunehmend, um konkurrenzfähige Lieferzeiten anzubieten.

Beitrag: Redaktion.

Das e-Grocery Zeitalter: Automatisierung als Antwort. Noch vor wenigen Jahren konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, eines Tages seine Lebensmittel über eine App zu bestellen und noch am selben Tag bis an die Haustür geliefert zu bekommen. Nun ist dies für viele Kunden gerade im Großstadtraum gang und gäbe. Von der monatlichen Getränkelieferung ins Büro bis hin zum Wocheneinkauf sind Begriffe wie „Sofortlieferung“ oder „innerhalb von 120 Minuten“ für viele Unternehmer zum erschreckenden Reality-Check geworden. Das andere Sektoren nachziehen, ist weniger eine Frage als vielmehr eine Feststellung.

Um derartige Services anbieten zu können, setzen viele Supermärkte auf Ladeninterne oder externe „Dark Stores“ (für den Kunden nicht zugängliche Lagereinheiten). Ob nun Click-and-Collect oder Home Delivery in letzter Instanz eingesetzt wird – eins ist klar: Laufen die Prozesse im Lager zu langsam oder fehlerbehaftet ist die Kundenzufriedenheit gefährdet. Bei abnehmender Markentreue sind die Folgen fatal. Wie kann dem also effizient und zukunftsorientiert entgegengewirkt werden?

Die Erfolgsstory des schwedischen Durchstartes „Matsmart“ zeigt, dass smarte und skalierbare Automatisierung die Antwort ist. Das Konzept von Matsmart ist, Lebensmittel vergünstigt zu verkaufen, die ansonsten aufgrund von Überproduktion, fehlerhafter Verpackung, saisonalen Trends oder kurzer Haltbarkeit entsorgt würden. 2021 verdreifachte der Konzern seine Kapazität mithilfe von 149 AutoStore Robotern von Element Logic.

Pro Stunde kommissionieren diese bis zu 6.000 Artikel aus 88.000 Behältern. Beeindruckend und zukunftsfähig, da das System jederzeit problemlos erweiterbar ist. Die Platzanforderungen sind selbst für kleinere Unternehmen minimal, wie das deutsche Familienunternehmen Leslii (30 Mitarbeiter) zeigt. Mit einem Flächenbedarf von nur 100 m² und vier Robo-tern verfügt Leslii über eines der kleinsten und gleichzeitig kosteneffizientesten Auto-Store-Systeme in Deutschland. Das System erzielt täglich 1.500 Picks. Jährlich werden rund 2 Millionen Artikel an Händler in ganz Europa versandt. Vorreiter in der Same-Day-Lagerlogistik bleiben jedoch bisher die Lebensmittelhändler. Diese greifen mittlerweile auf sogenannte Micro-Fulfillment-Center zurück, um kleinere Ortschaft rechtzeitig zu beliefern.

Micro-Fulfillment – maximum Delivery
Den Einsatz kleinerer Lager für die lokale Bestellabwicklung bezeichnet man als Micro-Fulfillment. „Ein Logistiktrend dieser Größenordnung findet normalerweise nur statt, wenn sich die Branche vom Endverbraucher zum Wandel gezwungen sieht. In den USA trieb Amazon vor einigen Jahren den Trend zur schnelleren lokalen Lieferung voran. Heute setzen die Branchen- und Markterwartungen in den USA den europäischen Markt unter Druck“, erklärt Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development von Element Logic Deutschland. Kurz gesagt weiten diese kleinen Ableger die Lieferreichweite von Unternehmen auch auf kleinere Ortschaften aus und beschleunigen gleichzeitig Retourenprozesse. Auch die Transportkosten werden so beeinflusst. „Die Lieferzeit hängt unmittelbar von der Entfernung ab. Je näher man beim Kunden ist, desto genauer kann man angeben, wann die Bestellung voraussichtlich zugestellt wird. Eine präzise Sendungsverfolgung wird für die Customer Journey immer wichtiger“, sagt Kieninger.

Nun liegt der Gedankengang nahe, auch diese Ableger durch automatisierte Prozesse zu wahren Produktivitätsmonstern zu machen. Der größte Vorteil an automatisierten Centern ist, dass die Lagerkapazität erheblich gesteigert wird, während die Modularität eine einfache Erweiterbarkeit gewährleistet. „Im Moment ist es noch ein zusätzlicher Service, den Unternehmen anbieten, um die Kundenzufriedenheit zu steigern. Mit steigender Nachfrage und der stärkeren Gewöhnung an eine schnelle Lieferung werden Micro-Fulfillment-Center jedoch wahrscheinlich zum Standard werden. Ich denke, dass das in den kommenden fünf bis zehn Jahren der Fall sein wird“, meint Kieninger. Ein aufblühender Trend für Unternehmen, die sich zunächst von den positiven Effekten eines automatisierten Standorts (ob Haupt- oder Micro-) überzeugen wollen, ist das Konzept „Automation-as-a-Service“.

Das Automation-Abo.
„Wir werden wahrscheinlich in fünf Jahren automatisieren, wenn wir größer sind und mehr Geld haben.“ – Künftig will Element Logic auch Kunden mit finanziellen Einstiegshürden die Möglichkeit geben ihr Unternehmen von den Vorteilen der AutoStore-Technologie profitieren zu lassen. Eine Art Abo-Modell ist nicht ausgeschlossen und bietet viele Vorteile. Der Einbau ist leicht, die Skalierbarkeit des Systems nach oben und unten hoch. Gerade für Geschäfte mit saisonalen Schwankungen klingt das wie Zukunftsmusik. Eine sehr reale und profitable Zukunft. Mehr Informationen zum Wandel der Intralogistik finden sie im offiziellen Whitepaper von Element Logic „Drei neue Trends für die Intralogistik“. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021