Mehr Effizienz in der Logistik dank Künstlicher Intelligenz

Die Logistik ist ein geradezu idealer Anwendungsfall für Künstliche Intelligenz. Aufgrund ihres enormen Potenzials, Prozesse zu optimieren, Störungen und Fehler im System rechtzeitig zu erkennen und zu beheben sowie Kosten zu senken, wird sie von der Mehrheit der Entscheidungsträger innerhalb der nächsten zehn Jahre als unverzichtbarer Bestandteil der Branche angesehen. Auch aufgrund ihres Potenzials, neue, attraktivere Arbeitsplätze entstehen zu lassen.

Die Corona-Krise war und ist auch eine Krise der globalen Lieferketten und der Logistik. Sie kann jedoch auch als Weckruf verstanden werden: Immer ausgefeiltere Supply-Chain-Systeme sind in einem volatilen Umfeld und angesichts von Schwankungen bei Angebot und Nachfrage (nicht zuletzt auch aufgrund des Klimawandels oder wegen geopolitischer Rivalitäten) umso verletzlicher. Systeme der Künstlichen Intelligenz bieten jedoch ungeahnte Möglichkeiten, auf rasche Veränderungen schnell zu reagieren – beziehungsweise sie vorherzusehen und auch im Nicht-Krisenmodus die Abläufe effizienter zu organisieren, Ressourcen zu sparen und Kosten zu senken.

 

Die Logistik als idealer Anwendungsfall für die Künstliche Intelligenz.
Logistiksysteme sind Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, die zwar eindeutig, aber aufgrund ihrer Komplexität für den Menschen und für herkömmliche Methoden der Operations Research kaum überschaubar sind. Welche Auswirkungen haben ein Stau, ein Materialschaden bei einer Maschine oder ein Streik in einem Hafen an einem anderen Ende der Welt für das Gesamtsystem? Wie kann es rasch erneut in sich abgestimmt werden? Systeme der Künstlichen Intelligenz werden das in Zukunft immer genauer berechnen können.

Mehr noch: Wie werden sich aufgrund von Ernteausfällen oder Rekordernten, Wechselkursentwicklungen oder Themen, die in den Sozialen Medien gerade virulent sind, Angebot und Nachfrage nach bestimmten Gütern (auseinander) entwickeln? Künstliche Intelligenz kann nicht nur Prozesse optimieren sondern auch in der Bedarfsprognose und der Absatzplanung eingesetzt werden.

Intelligente Algorithmen, hohe Rechenleistung und Big Data.
Möglich ist dieser Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch mehrere Faktoren: Einer hohen und ständig zunehmenden Rechenleistung und Speicherkapazität, Big Data und intelligenten Algorithmen. Die Rechenleistung von Computern und Chips potenziert sich fortwährend – bis zum Jahr 2040 könnte sie gegenüber heute um einen Faktor 1000 zugenommen haben.

Nicht nur durch das Internet und durch soziale Medien, sondern auch über Sensoren und Systeme der Echtzeitdatenübermittlung kann auf gewaltige und stets aktuelle Datenmengen und auch auf aussagekräftige Datenreihen zugegriffen werden – das ist «Big Data». Bei Logistikprozessen selbst werden täglich riesige Mengen an Daten produziert. Basierend darauf können Aussagen getroffen werden, wie sich Systeme über die Zeit hinweg verhalten und auf welche Einflussfaktoren und Veränderungen sie wie reagieren.

Es gibt je länger je mehr Datenquellen, die bald neues Potenzial zur Effizienzsteigerung in der Logistik bieten können. So stellen beispielsweise die B2B-Plattformen wlw (ehemals «Wer liefert was») und EUROPAGES grosse Mengen an Daten zu Rohstoffen und Produkten zur Verfügung. Neben detaillierten Spezifikationen sind auch Preise und Lieferzeiten enthalten. Es ist absehbar, dass die Daten dieser beiden Plattformen des Plattformanbieters Visable in Zukunft genutzt werden können, um Lagerbestände durch Künstliche Intelligenz effizient zu bewirtschaften. Es sind dann Nachbestellungen zum besten Preis termingerecht und automatisiert möglich.

Notwendig dafür ist die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Daten. Denn Datenquantität ist nicht gleich Datenqualität. «Es ist wichtig, eine adäquate Vorauswahl zu treffen, welche Daten benötigt werden. Zudem muss sichergestellt sein, dass diese Daten in genügender Qualität vorhanden sind», berichtet der CTO von Visable, Daniel Keller. «Visable hat für die Datensammlung begonnen, Künstliche Intelligenz zu nutzen, um relevante Daten als solche zu identifizieren – im Sinne eines Lernprozesses über intelligente Algorithmen», erklärt Daniel Keller.

Intelligente Algorithmen bedeutet, dass Künstliche Intelligenz, die auf diesen Algorithmen beruht, die Ergebnisse, die sie produziert und die Prognosen, die sie aufgrund einer Auswertung von Daten trifft, mit dem realen Wert vergleicht, aus ihren Fehlern lernt und sich so selbst fortwährend optimiert. Es bedeutet auch, dass Künstliche Intelligenz Echtzeitdaten verarbeiten und so instantan reagieren kann. Das heisst nicht, dass Künstliche Intelligenz deswegen ein Bewusstsein entwickelt. Im Hinblick auf ihre Rechenkapazitäten ist sie den kognitiven Fähigkeiten des Menschen jedoch bei weitem überlegen.

Vielfältige Anwendungsgebiete zur Effizienzsteigerung in der Logistik.
Künstliche Intelligenz kann aber noch für viel breitere Anwendungsgebiete als die simple Lagerbewirtschaftung genutzt werden. Zunächst können Systeme der Künstlichen Intelligenz Transportrouten (innerhalb und ausserhalb des Lagers) planen und, im Zusammenhang mit unerwarteten Ereignissen, neu berechnen. Ankunftszeiten können noch genauer vorhergesagt werden. Systeme der KI können leicht erkennen, wenn bestimmte Produkte oder Komponenten im Lager rar werden – und die möglichen Auswirkungen auf andere Produkte oder Komponenten im Logistikzyklus vorhersehen – und diese dann rechtzeitig aufstocken. Genauso können Überkapazitäten erkannt werden.

Im Sinne von «Predictive Maintainance» kann Künstliche Intelligenz Maschinenausfälle vorhersehen und darüber hinaus effizient die Timeslots für die entsprechenden rechtzeitigen Wartungsarbeiten innerhalb des Gesamtprozesses einteilen. Autonome Drohnen können Inventuren erledigen und Bilder zur Schadensprüfung aufnehmen. Chatbots können Anfragen von Paketempfängern entgegennehmen. Das Sortieren von Waren und Komponenten im Lager ist für den Menschen eine zeitintensive Aufgabe. Hier können Roboter die Vorsortierung übernehmen. Darüber hinaus können sie besser erkennen, welche Produkte oder Komponenten gerade stärker nachgefragt werden und diese näher am Ein-/Ausgang platzieren, um Wegzeit zu sparen.

Und neben dieser Prozess- und Transportoptimierung kann Künstliche Intelligenz eben in der Bedarfsprognose und Absatzplanung eingesetzt werden. Durch Big Data kann besser vorhergesehen werden, wer wann wo was braucht; wo es in nächster Zeit bei bestimmten Produkten zu einem Nachfrageüberhang oder aber –defizit kommen könnte. Damit kann sie nicht nur in bestehende Prozesse eingreifen und diese optimieren, sondern Ressourcen und Kapazitäten auch in die jeweilige Zukunft hinein besser aufteilen. Das würde bedeuten, dass Künstliche Intelligenz in der Logistik nicht allein innerbetriebliche Probleme und Engpässe sondern vielleicht sogar gesamtwirtschaftliche Abschwünge oder Volatilitäten besser abfedern könnte. Anhand dieser Beispiele sieht man auch, dass Künstliche Intelligenz menschliche Arbeit im Grossen und Ganzen nicht ersetzen wird. Sie wird die menschliche Arbeit vielmehr unterstützen.

Entscheidungsträger nehmen noch eine abwartende Haltung ein.
Trotz des hohen Potenzials von Künstlicher Intelligenz handelt es sich im Wesentlichen um eine neue Technologie, deren volle Entfaltung noch in der Zukunft liegt und deren Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen noch nicht ganz verstanden werden. So ist es dann vielleicht auch weniger verwunderlich, dass viele Unternehmen noch zögern, Künstliche Intelligenz zu implementieren. Laut einer Studie des Magazins Logistik heute und INFORM wenden nur 26 Prozent der befragten Betriebe in Deutschland Künstliche Intelligenz in ihrer Logistik an. Dabei gibt mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) an, dass ihnen das entsprechende Know-how fehlen würde. Als weitere Hindernisse werden hohe Kosten (46 Prozent), eine unzureichende IT-Infrastruktur (44 Prozent) und ein Mangel an zeitlichen Ressourcen (38 Prozent) genannt. Aus einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2019 geht jedoch hervor, dass 70 Prozent aller Befragten davon ausgehen, dass Künstliche Intelligenz in den nächsten zehn Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil in der Logistik sein wird.

Doch auch einen anderen Grund gibt es für die reservierte Haltung gegenüber dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Logistik: Die Angst davor, dass Künstliche Intelligenz in grossem Stil Arbeitsplätze überflüssig machen könnte. Was sich abzeichnet, ist, dass Künstliche Intelligenz menschliche Fähigkeiten beträchtlich erweitert, sie aber nicht notwendigerweise ersetzt. Vielmehr werden Menschen benötigt, die die Systeme der Künstlichen Intelligenz beaufsichtigen, warten und die ihre Vorschläge ausführen und konkret umsetzen. Zu erwarten ist, dass sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz gesamtwirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich neue Berufsfelder auftun. In der Summe könnten in der Logistik bessere und weniger anstrengende Arbeitsplätze entstehen.

Die Logistik ist also ein idealer Anwendungsfall für die Künstliche Intelligenz. Die Möglichkeiten, dass Probleme schneller und effizienter behoben werden, Kosten gesenkt, Ressourcen geschont, nicht allein betriebswirtschaftliche sondern gesamtwirtschaftliche Krisen und Probleme durch sie abgefedert werden und nicht zuletzt eventuell bessere Arbeitsplätze für Menschen entstehen, sind kaum zu unterschätzen. Klar ist, dass noch Qualifizierungsbedarf besteht. Bald aber dürfte allein aus Gründen des Wettbewerbs Künstliche Intelligenz in der Logistik überall zu finden sein. Für die Betriebe lohnt es sich daher, sich jetzt bereits darauf vorzubereiten.

LOGISTIK express Journal 4/2022

Logistikkonferenz „TWLogistik2021“ in Bremerhaven

Die „TWLogistik“ ist die traditionelle Logistikkonferenz des VdWT – Vereins der Wirtschaftsingenieure für Transportwesen, die seit Vereinsgründung 1983 jährlich in Bremerhaven stattfindet. Im vergangenen Jahr wurde dieses Veranstaltung Corona-bedingt durch eine Woche digitaler Vortragsabende substituiert. Nun im 37. Jahr fand diese nun wieder live vor Ort in Bremerhaven statt und war ausgebucht.

Redaktion: Bernd Kratz.

Ein Zeichen, dass einerseits die Logistiker sich mit Kollegen der Branche wieder persönlich austauschen möchten, andererseits weil hochaktuelle Themen erörtert wurden: Am ersten Tag präsentierten diverse Logistiker, wie Sie Corona bewältigt haben, der Folgetag fokussierte auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung unter der Fragestellung: „Smarte Logistik = Digitalisierung + Nachhaltigkeit. Geht diese Formel auf?“

Corona kam ohne Vorankündigung, so dass sich die Branche schnell auf die neue Situation einstellten musste. Dieses bestätigte auch Fokke Fels, Vorstandsvorsitzender der L.I.T. AG, ein Logistikunternehmen mit über 3.000 LKW. „Anfangs haben wir uns mit adäquaten Maßnahmen gut an neuen Gegebenheiten anpassen können, doch dann kamen die  Auswirkungen des Brexit und der Fahrermangel. Schwierig wurde es dann, als komplette Branchen und damit auch das Transportvolumen von heute auf morgen wegbrach.“ Dieses konnte auch Christian Distelkamp aus der Geschäftsleitung der abat AG bestätigen.

„Als die Automobilbranche anfangs komplette Werke schließen musste und kurz danach auch die Verwaltungen, lagen unsere Beratungsaufträge erst einmal auf Eis“. Auch das Havariekommissariat Battermann & Tillery musste schnell auf „die anfangs ohne Vorwarnung 30 % niedrigere Auftragslage reagieren“, so der Geschäftsführer Nico Nöldner. Stefan Schröder, Geschäftsführer Gesellschafter der LNC konnte anfangs „Business as usual“ betreiben, musste wenig später aber auch auf virtuelle Formate umstellen, was er kurzerhand durch die Etablierung eines eigenen digitalen Studios professionalisierte. Demgegenüber konnte sich die Oskar Schunck GmbH, so Regionalleiter Martin Heisig „vor Arbeit nicht retten – Versicherungsfälle in nicht geahntem Ausmaß und Fragestellungen, welche Schadensfälle in einem völlig neuen Umfeld versichert seien“. Ganz anders beschrieb Dr. Christian Mießen, INFORM GmbH die Situation: Während Künstliche Intelligenz in vielen Bereichen der Logistik zunehmend effizient genutzt werden kann, war dieses System in der Pandemie hilflos „Es fehlten jegliche Erfahrungsdaten, auf die KI hätte referenzieren können“.

Bernd Kratz, 1. Vorsitzender des VdWT resümierte, dass in solchen Notlagen „Jammern keine unternehmerische Aktivität sei“ und stellte damit auch einen Appell an anwesende Dozenten und Studenten, die Fähigkeiten zum innovativen sowie flexiblen Denken und Handeln in die akademische Ausbildung zu integrieren.

Der Folgetag startete mit Konzepten der Nachhaltigkeit, praktiziert in der Metropolregion NordWest. Dr. Claudia Schilling, Senatorin der Freien Hansestadt Bremen zeigte die Zukunft von Wasserstoff im Hafen als Teil des Green Deals auf, gefolgt von innovativen Konzepten für nachhaltige Logistik- und Versorgungsstrukturen. In diesem Zusammenhang stellte Prof. Dr. Benjamin Wagner vom Berg vor, wie durch das von ihm an der Hochschule Bremerhaven initiierte Projekt “NaCL – Nachhaltige Crowd Logistik” einerseits Sendungen umweltfreundlich zum Empfänger gelangen, andererseits mit dem Nachfolgeprojekt “R3 – Resilient Regional Retail” ein Schritt gegen das Aussterben der Innenstädte gegangen wird – der anfänglich theoretische Ansatz von NaCL wurde bereits im vergangenen Jahr in Bremerhaven erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Hyways for Future – Gasspeicherkonzepte und klimaneutraler Lastenverkehr mit Wasserstoffantrieben – hiervon sind Burkhard Oppmann, Geschäftsführer und CSO der FAUN-Gruppe sowie André Engbrecht, EWE GASSPEICHER überzeugt.

Bernd Kratz führte in den nächsten Themenblock: „Aktuell erleben wir in Deutschland eine Paketflut, vorrangig getrieben durch den eCommerce, die auch nach den Corona-bedingten Lockerungen und Öffnungen im stationären Handel nicht abebbt. Studien erwarten weiterhin Zuwachsraten im 2- stelligen Prozent-Bereich – und zwar jährlich“. Dieses stellt die KEP-Branche weiterhin vor hohe Herausforderungen, nicht nur bundesweit, sondern auch in der Metropolregion Nord-West. Jan Fitzner veranschaulichte bildlich, wie er als Geschäftsführer der CitiPost Nordwest dem Verkehrskollaps, Parkplatzmangel, Lärm, Schadstoffbelastung mit Digitalisierung und „Micro Hubs“ auf der letzten Meile begegnen möchte.

Marko Schlüter, Geschäftsführer der Hermes Germany hat eine klare Vision der CO2-freien Paketzustellung. „Mit Green Delivery Berlin haben wir eine Blaupause geschaffen, die auch auf andere Städte ausgerollt werden wird; dabei gilt es, die unterschiedlichen Module, aus denen das Konzept besteht, für die jeweilige Situation vor Ort/die Gegebenheiten der Städte individuell zusammenzusetzen“.

Einen digitalen Weg beschreitet Tiramizoo aus München: Mit der neuen Strategie einer Routenoptimierung und damit CO2-Reduzierung auf Basis einer SaaS-Plattform konnte das Unternehmen in den letzten 2 Jahren ein starkes Wachstum generieren. „Des Weiteren sind Tochtergesellschaften für Singapur, Malaysia und Polen als auch ein Ausbau der Aktivitäten in Europa hinzugekommen“, so Martin Sträb, CEO der Tiramizoo GmbH. Inwieweit werden Logistikzentren nachhaltig designed? Hier zogen die die Referenten des letzten Diskussionsblocks ein einheitlich positives Resümee. Die BLG Handelslogistikk betreibt seit kurzem ein neues Logistikzentrum für PUMA in Unterfranken. „Hier in Geiselwind setzen wir Maßstäbe im Bereich Automatisierung, Flexibilität, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit“, so Danilo Georg, Director Operations. Peter Bimmerman präsentiert das Auto-Store-System als eine nachhaltige Variante, da „deutlich weniger umbauter Lagerraum benötigt wird und dieser muss weder beleuchtet, belüftet und in der Regel auch nicht geheizt werden“. Sebastian Girle, Head of National Innovation bei Kühne + Nagel stellte einige Beispiele seiner Sustainable Packing Initiative vor: Packing on Demand, nachhaltige Füllmaterialien, etc. „Alleine durch unser Projekt Folienoptimierung sparen wir an 34 Kontraktlogistikstandorten jährlich 400 Tonnen Folien“.

Aber auch die zu Beginn der Pandemie komplett eingestellte und nun wieder anlaufende Kreuzschifffahrt wurde – wenngleich auch keine direkt logistische, aber unter Umweltgesichtspunkten stark in der Kritik stehendes Branche – nicht außer Acht gelassen. Prof. Dr. Dr. Alexis Papathanassis als langjähriger Insider dieser Branche überraschte hier mit einigen detaillierten Daten – schließlich stellt die Kreuzschifffahrt konkret für Bremerhaven, dem Ort der TWLogistik, einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar. Vor diesem Hintergrund nahmen zahlreiche Teilnehmer der Veranstaltung dann die Gelegenheit wahr, mit einer alten Kogge, der „Ubena von Bremen“ einige Stunden auf die Weser hinauszufahren – teilweise mit gehissten Segeln völlig CO2-neutral. (BK)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

Trade Compliance im Handel mit den Balkan-Ländern

Die Staaten auf der Balkan-Halbinsel bieten interessante Absatzchancen unter zum Teil schwierigen Bedingungen. Eine automatisierte Verzollung empfiehlt sich als «Business Enabler» und Risikoverhinderer.

Beitrag: Arne Mielken.

Angesichts der Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums und der Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie werden Nischenmärkte auf dem Balkan wieder interessanter für Exporteure in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Region, die sich von Serbien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien, Bulgarien, Montenegro, Nord-Mazedonien bis nach Griechenland erstreckt, bietet zum Teil sehr interessante Absatzchancen.

Im Vordergrund stehen der Modernisierungsbedarf in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Energiewirtschaft und Tourismus und eine hohe Nachfrage nach Maschinen sowie chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen. Für viele Projekte stehen EU-Fördermittel zur Verfügung. Negativ wirken sich allerdings die niedrige Kaufkraft, die mancherorts mangelnde Rechtssicherheit, die Korruption sowie lange Zahlungsfristen (z.B. Griechenland) aus.

Bei den Balkanländern handelt sich sowohl um EU-Mitglieder (Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Griechenland) wie auch Nicht-EU-Staaten. Die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Westbalkanländer stecken zurzeit in einer Krise, ebenso das regionale Freihandelsabkommen CEFTA.

So erhebt der Kosovo seit einem Jahr 100% Zoll auf Waren aus Serbien und Montenegro. Auch der Straßentransport durch die Länder wird durch politische Querelen behindert. Lkw stehen bei der Durchfahrt oft Stunden und Tage an den verschiedenen Grenzen. Um trotzdem vorwärts zu machen, verhandeln fünf der sechs westlichen Balkanländer (alle ausser Kosovo) jetzt über ein «kleines Schengen-Abkommen». Es soll intraregionale Zölle und Verwaltungsausgaben senken und den Handel fördern.

Serbien.
Die Wareneinfuhr ist weitgehend liberalisiert. Aufgrund des 2013 in Kraft getretenen Stabilisierung- und Assoziierungsabkommens (SAA) zwischen der EU und Serbien können beim Export nach Serbien Präferenzzölle für zahlreiche Warengruppen geltend gemacht werden. Es gilt das harmonisierte Zollsystem. Als Zollbemessungsgrundlage dienen die Preise franko Grenze. Grundsätzlich sind praktisch alle Waren des gewerblich-industriellen Sektors von Zollabgaben befreit.

Serbien ist auch eine interessante Drehscheibe für den Handel mit Russland und den Stan-Ländern. Seit dem Jahr 2000 gibt es ein Freihandelsabkommen (FHA) mit Russland, das mit einigen Ausnahmen (u.a. fertige Autos) den zollfreien Handel erlaubt. Weitere FHA bestehen mit Weissrussland, Kasachstan, den CEFTA-Staaten und seit Ende 2010 mit den EFTA-Staaten. Anfang 2019 wurde das bestehende Abkommen mit der Türkei erweitert. Derzeit verhandelt Serbien über ein FHA mit der Eurasischen Union. Dadurch würden auch Kirgisistan und Armenien Freihandelspartner.

Bosnien-Herzegowina.
Basis für die Beziehungen der EU zu Bosnien und Herzegowina ist das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA), welches am 1. Juni 2015 in Kraft trat. Es gewährt Präferenzzölle für zahlreiche Warengruppen beim Export nach Bosnien-Herzegowina. Wichtigste Ausfuhrgüter aus der EU sind Energieträger, Maschinen und elektrische Anlagen, chemische Produkte und Pharmazeutika sowie Fahrzeuge aller Art und Nahrungsmittel. Der Import von Produktionsanlagen, die nicht im Land hergestellt werden, ist zollfrei.

Kosovo.
Der Kosovo hat 2009 einen Zollkodex gemäß EU-Normen verabschiedet. Es gilt das Harmonisierte Zollsystem der WTO. Waren für UN, EULEX, UNHCR, ICRC, sowie Waren für das diplomatische und konsularische Corps dürfen zollfrei eingeführt werden. Die Wirtschaftsbeziehungen zu allen EU-Ländern werden durch das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) bestimmt, welches am 1.4.2016 in Kraft trat. Seitdem sind bereits Zölle von beiden Parteien beseitigt oder gesenkt worden. Auch mit Albanien, gibt es ein FHA. Auf Waren aus Serbien und Bosnien-Herzegowina wird seit 21.11.2018 ein Zoll von 100% erhoben. Bei der Wareneinfuhr ist übrigens an der Grenze eine Mehrwertsteuer von 18% zu bezahlen. De facto ist dies als eine Art Zusatzzoll. Informationen über Zolltarife, Einfuhr- und Ausfuhrverfahren und andere nützliche Details sind online im International Trade Guide der Regierung nachzulesen.

Albanien und Nord-Mazedonien.
Beide Länder haben in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Kriterien der Europäischen Union für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zu erfüllen. Das Europäische Parlament hat sich 2019 für Beitrittsgespräche ausgesprochen. Diese werden jedoch von Frankreich abgelehnt. Derzeit ist das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) Basis für die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Albanien (seit 1. April 2009 in Kraft). Dadurch können beim Export nach Albanien Präferenzzölle für zahlreiche Warengruppen geltend gemacht werden. Nord-Mazedonien mit seinen „nur“ zwei Millionen Einwohnern ist ein Nischenmarkt und hat daher keinen hohen Stellenwert in dem Gerangel um einen EU-Beitritt.

Montenegro.
Das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) zwischen der EU und Montenegro trat am 1. Mai 2010 in Kraft. Seitdem sind gewisse Zölle von beiden Parteien bereits beseitigt oder gesenkt worden.

 

Zollbestimmungen.
Beim Export in die Balkanländer, egal ob EU oder nicht-EU, sind bestimmte Handelsrichtlinien zu beachten. Als Exporteur sollten Sie abklären, ob für Ihre Waren (Dual-Use-Güter, Militärgüter, Waren mit sensibler Endverwendung) eventuell Genehmigungspflichten für die Ausfuhr bestehen.

Wichtig ist auch die Abklärung des Warenursprungs, insbesondere, wenn Sie Zollbegünstigungen oder -befreiungen in Anspruch nehmen wollen. So ist z.B. im Handel mit Serbien die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 bzw. bei bevollmächtigten Exporteuren eine Ursprungserklärung auf der Rechnung vorzulegen. Dabei ist der übliche Passus mit der Anführung der Zollnummer des bevollmächtigten Exporteurs mit separater Unterschrift der zuständigen Person notwendig. Des weiteren ist bei jeder Sendung die Kopie der Genehmigung der deutschen/österreichischen Zollorgane, anhand welcher das Unternehmen den Status des bevollmächtigen Exporteurs bekommen hat, beizulegen.

„Business Enabler“
Die Komplexität der Einfuhranforderungen, insbesondere in den Westbalkanländern, überfordert viele KMU-Industrie- und Handelsfirmen. Internationale Softwarehäuser bieten jedoch ausgefeilte Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Feststellung der Dokumentenpflichten und Sonderanforderungen, der Generierung der notwendigen Export- und Importdokumente und beim Dokumentenmanagement unterstützen. Sie helfen bei der Produktklassifizierung und Identifizierung der korrekten Zolltarife und beim Erstellen und Verwalten von Ursprungszeugnissen.

Für den Export von Dual-Use- und ähnlichen sensiblen Gütern bieten sie Unterstützung bei der Einrichtung rechtskonformer Exportkontrollprozesse. Die Software vereinfacht ausserdem Preisvergleiche auf Basis Gesamteinstandskosten (Landed Cost) und hilft bei der Festlegung optimaler Lieferbedingungen und Lieferwege. Sie erhöht das Bewusstsein für Zollvorteile und öffnet die Augen für neue Handelsmöglichkeiten. Sie reduziert Trade-Compliance-Risiken, Reputationsschäden, spart Zeit gegenüber manuellen Recherchen und steigert Supply-Chain-Management-Effizienz und Supply-Chain-Transparenz.

Schwierig, aber nicht hoffnungslos.
Mit einer Reform des Erweiterungsprozesses will die EU-Kommission den Konflikt um die Beitrittsverhandlungen mit den West-Balkanstaaten entschärfen. Ob der französische Präsident dann seine Blockadehaltung aufgeben wird, ist offen.

Der Handel mit den Balkan-Staaten kann lukrativ sein, stellt jedoch hohe Anforderungen an die Vertragsparteien. Beim Export in die Nicht-EU-Staaten ist eine Vielzahl tarifärer und nicht-tarifäre Handelsbestimmungen zu beachten. Aufgrund der instabilen politischen Lage im Westbalkan kommt es auch immer wieder kurzfristig zu Änderungen der Zollbestimmungen. Eine Automatisierung der Zollabfertigung ist daher schon aus Compliance-Gründen empfehlenswert.
(AM)

 

 

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/
#politics #management

Grenzen einreißen – Produktion und Logistik verschmelzen

Auf dem Forum Automobillogistik 2020, das am 5. und 6. Februar in Leipzig stattgefunden hat, diskutierten Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen und Lösungsansätze für verschmelzende Produktions- und Logistikvorgänge.

Beitrag: Anja Stubbe.

Die Zeiten, in denen jeder Beteiligte einer Wertschöpfungskette allein seine Prozesse optimiert, sind vorbei. Alternativen sind gefragt, um Prozesse gemeinsam optimieren und so das gesamte Potenzial einer reibungslosen Supply Chain heben zu können – das gilt besonders für die Automobilindustrie.  „Grenzen einreißen muss zuallererst in den Köpfen stattfinden. Querdenken in Bezug auf Geschäftsmodelle und auf Kooperationsweisen ist gefordert“, ist Michael Müller, CEO von Müller – Die lila Logistik AG, überzeugt. „Wir müssen immer wieder in Alternativen denken und nicht nur das optimieren, was wir momentan haben.“

Von Daten-Silos zu Datenstandards.
Das gilt zum Beispiel für das Datenmanagement. Andreas Schick, Vorstand Produktion, Supply Chain-Management und Einkauf des Automobilzulieferers Schaeffler AG, betont die Bedeutung von vernetzten Datenflüssen. „Wir erheben immens viele Daten, die auch unseren Kunden helfen würden, wenn man sie teilt.“ Internationale Datenstandards sind dazu Grundvoraussetzung. Dem gegenüber stehen allerdings noch immer verschiedene gewerks- oder unternehmenseigene Datenökosysteme, zwischen denen Schnittstellen nur schwer oder gar nicht geschaffen werden können. Außerdem muss die Datensicherheit geklärt sein.  Indem eindeutig festgelegt ist, wem die Daten gehören und wie mit diesen umzugehen ist, können Unternehmen Lösungen finden, „die uns allen guttun“, so Schick.

Informationen für Beteiligte nutzbar machen.
Wie Grenzen zwischen Fachbereichen in Hinblick auf die Datenweitergabe eingerissen werden können, zeigt Prof. Katja Windt, Mitglied der Geschäftsführung des Anlagenlieferanten SMS Group und des Vorstands der BVL. Eine sogenannte lernende Wertschöpfungskette und ein Qualitätstracking entlang der gesamten Supply Chain sorgen dafür, dass aus Daten gewerksunabhängig Informationen gewonnen werden, aus denen wiederum Prozesswissen generiert werden kann.

Um Reibungsverluste zu minimieren und die isolierte Betrachtung einzelner Gewerke zu überwinden, ist es aber entscheidend, schon früh alle an der Supply Chain beteiligten Parteien an einen Tisch zu bekommen. Gemischte Teams mit Experten aus den unterschiedlichen Bereichen von Beginn an – das ist die Lösung der SMS Group, um der Silo-Bildung zuvorzukommen.

Zusammenrücken ist gefragt – weltweit.
Auch geographische Grenzen einzureißen sei unausweichlich, um aktuelle Herausforderungen in Logistik und Supply Chain-Management anzugehen, so die Experten beim Forum Automobillogistik. Dazu zählen unter anderem die überlastete Infrastruktur, steigende Logistikkosten durch verknappte Transport- sowie Fachkräftekapazitäten oder Bestrebungen zur Dekarbonisierung.

Altbewährte Dogmen müssen dafür überdacht werden. Dabei zeichnet sich ein Trend ab: Alle Bereiche der Wertschöpfungskette rücken geographisch näher zusammen „Zukünftig wird vermehrt dort produziert, wo der Markt ist“, ist Thomas Zernechel, Leiter Konzernlogistik bei Volkswagen, überzeugt. Damit alle Gewerke an einem Ort produktiv werden können, ist es notwendig, Produktions- und Logistikkonzepte neu zu denken sowie Standorte neu zu organisieren. Wenn Gewerke umziehen, muss aber auch die nötige Kompetenz transferiert werden. Unterstützung dabei kommt von der zunehmenden Automatisierung, sagt Prof. Dennis J. Snower, Präsident der Global Solutions Initiative und Professor für Makroökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.

Denn Roboter ließen sich leichter in der Welt herumschicken als Menschen und deren Kompetenz damit schneller und unkomplizierter von einem Ort zum anderen transportieren. Daher ist sich Snower sicher: „Je mehr Automatisierung in den Fabriken Einzug hält, desto mehr kann sich die Produktion an den Kunden annähern.“

Während einerseits Grenzen in Bezug auf Daten-, Informations- und Wissenstransfer langsam verschwinden, werden andererseits neue Grenzen gezogen. Handelskonflikte und -hürden erschweren die positive Entwicklung der Weltwirtschaft. „Non-tariff barriers are the analogy to building a wall inside the factories,“, konkretisiert Snower. Er hat eine klare Forderung an alle Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: „They should be obsolete!“
(AS)

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Vom Risiko zur Chance – Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum

Die politischen Turbulenzen in Vorderasien und im Mittleren Osten haben die Compliance-Herausforderungen beim Export in diesen Wirtschaftsraum enorm in die Höhe geschraubt. Mit IT-Unterstützung lassen sich die Risiken jedoch gut managen.

Redaktion: Arne Mielken.

Bürgerkrieg in Syrien, Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien, Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran im Irak und in Syrien, iranischen Angriffe auf Schiffe in der Strasse von Hormoz und auf eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien, Stellvertreterkrieg im Jemen – alle diese Ereignisse sprechen gegen Exporte in diese Region.

Tor zum Mittleren Osten.
Der Handel mit der Türkei leidet zudem unter der schrumpfenden Wirtschaftsleistung, der hohen Inflationsrate, hohen Zinsen und dem Wertverlust der türkischen Währung. Produkte aus Deutschland und Österreich sind dadurch z.T. sehr teuer geworden. Die Euphorie nach Abschluss der Zollunion zwischen der EU und der Türkei im Jahr 1996 ist längst verflogen. Trotzdem schätzen Experten die mittel- bis langfristigen Exportchancen für deutsche und österreichische Unternehmen in der Türkei als gut ein.

Das Land mit über 80 Mio. Einwohnern hat eine junge, recht gut ausgebildete Bevölkerung und vor allem viele unternehmerisch denkende Menschen, die die Möglichkeiten, die sich der Türkei als Tor zum Mittleren Osten und zu den Stan-Ländern bieten, kreativ ausschöpfen. Im konsumfreudigen Mittelstand wächst zu dem die Nachfrage nach Qualitätsprodukten und -dienstleistungen. In Industrie und Handel sind innovative Technologien (Maschinen, IT, Infrastruktur, Transportwesen, Medizintechnik) gesucht.  Die EU ist mit Abstand der grösste Exportmarkt der Türkei (mit rund 50 Prozent), während die Türkei der fünftgrösste Import- und Exportmarkt der EU ist.

Chancen in Arabien.
Der niedrige Ölpreis und die politische Instabilität in der Region haben zahlreiche Investitionsvorhaben im Nahen Osten und auf der arabischen Halbinsel im letzten Jahr ausbremst. Trotzdem werden die Exportchancen für deutsche und österreichische Unternehmen z.B. in Saudi-Arabien mittel- und langfristig mit gut beurteilt. Dazu beigetragen haben u.a. die internen Reformen im Rahmen der „Saudi Vision 2030“.

Saudi-Arabien ist ein interessanter Absatzmarkt.
für Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge, chemische, elektrotechnische, feinmechanische und optische Er¬zeug¬nisse, Pharmaprodukte, Luxusgüter und Lebensmittel. Als problematisch gelten Rüstungsexporte, insbesondere nach dem Mord an dem Journalisten Kashoggi. Noch bedeutsamer sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Absatzmarkt für Flugzeuge, PKW, Maschinen sowie elektrotechnische und chemische Erzeugnisse. Auch als Knotenpunkt für den Handel und den Transport nach Ostafrika und den indischen Subkontinent sind die VAE nicht zu unterschätzen.

Der Handel mit dem Irak, Syrien und Jemen ist sehr intransparent und bewegt sich kriegsbedingt seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau. Hoffnungen für einen Aufschwung verbinden sich immer mal wieder mit Grossprojekten, wie den Bau neuer Raffinerien und einer Ölpipeline von Basra nach Aqaba. In wieweit sich diese realisieren lassen, bleibt abzuwarten.

Zollunion, aber kein modernes Assoziierungsabkommen.
Das seit 1996 bestehende Abkommen der Türkei mit der EU sichert den freien Warenverkehr (keine Ein- und Ausfuhrzölle und Beschränkungen) für Industriegüter und bestimmte landwirtschaftliche Verarbeitungserzeugnisse. Darüber hinaus wird durch die Zollunion ein gemeinsamer Außenzolltarif für diese Waren festgelegt und die Angleichung des Zollrechts, der Handelspolitik und einiger damit verbundene Wirtschaftsgesetzgebungen sichergestellt. Allerdings sehen sich Exporteure seit 2011 immer häufiger mit neuen Importbestimmungen, sich ändernden Einfuhrkontrollen, Dumping-, Zusatz-, und Ausgleichszöllen sowie schwierigen Registrierungs- und Dokumentationspflichten konfrontiert. Dazu gehören auch Ursprungsnachweise in Form eines IHK-Ursprungszeugnisses, einer Lieferantenerklärung oder einer sog. Exporter’s Declaration. Die im Dezember 2016 begonnen Verhandlungen über eine Modernisierung des Handelsabkommens – analog den Assoziierungsabkommen mit Japan, Kanada und Mexiko – liegen seit Juni 2018 aus diversen politischen Gründen auf Eis.

Abkommen, aber kein Freihandel.
Mit Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und den VAE, den Mitgliedern des Golfkooperationsrates – GKR (Gulf Co-operation Council – GCC), hat die EU 1989 ein Kooperationsabkommen abgeschlossen. Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FHA) wurden 2008 seitens des GKR ausgesetzt und bisher nicht wieder aufgenommen. Der GKR hat allerdings inzwischen ein FHA mit der EFTA und Singapur unterzeichnet. 2014 strich die EU den Mitgliedern des GKR die Zollvergünstigungen für Entwicklungsländer.

Bedeutsam für deutsche und österreichische Exporteure ist der einheitliche Aussenzollsatz im 2008 vom GKR etablierten gemeinsamen Markt (Gulf Common Market-GCM), der für die meisten Waren 5% beträgt. Der Warenhandel innerhalb des GCM ist zollfrei. Zollanmeldung und Abgabenerhebung werden grundsätzlich in dem Mitgliedstaat durchgeführt, in dem die einzuführende Ware erstmals das Zollgebiet der Zollunion erreicht. Bei der anschliessenden Weiterversendung innerhalb der Zollunion sind in der Regel keine weiteren Zollmassnahmen (Abfertigung, Abgaben) erforderlich. Im Exportland innerhalb des GCM ist lediglich eine Erklärung für statistische Zwecke auszufüllen, die beim Import in einen anderen GKR-Staat vorgelegt werden muss. Die Zollanmeldungen im Emirat Dubai müssen elektronisch abgegeben werden. Für die Wareneinfuhr in die VAE ist ausserdem eine Legalisierung der von der zuständigen IHK/Wirtschaftskammer bescheinigten Ursprungszeugnisse und Handelsrechnungen durch die Konsularabteilung der Botschaft der VAE erforderlich.

Sanktionsbestimmungen beachten.
Mit dem Irak besteht seit dem 1. August 2018 ein nichtpräferenzielles Handelsabkommen, das (auch wenn der Irak noch kein Mitglied der WTO ist) die grundlegenden WTO-Regeln sowie einige wichtige Präferenzklauseln (insbesondere in Bezug auf das öffentliche Beschaffungswesen, Dienstleistungen und Investitionen) enthält. Mit dem Jemen wurde bereits 1998 ein nicht-präferenzielles Kooperationsabkommen abgeschlossen. Beide Länder unterliegen Exportverboten in Bezug auf Rüstungs- und bestimmten Dual-Use-Güter sowie Finanzkontrollen. Die EU-Mitgliedstaaten sind angehalten alle Ladungen auf dem Weg nach dem Jemen bei Verdacht einer verbotenen Sendung zu kontrollieren und verbotene Lieferungen zu beschlagnahmen und zu entsorgen. Ein Waffenexportverbot gilt auch für den Libanon.

Der Handel mit Syrien unterliegt seit Beginn des Bürgerkriegs umfangreichen Sanktionsbestimmungen seitens der EU, aber auch der USA. Diese umfassen nicht nur Öl- und Ölprodukte sowie Ausrüstung für die Öl- und Gasindustrie, Kraftwerke, Rüstungsgüter, Flugzeugteile, sondern auch Luxusgüter, Maschinen und diverse andere Waren. Unternehmen, die mit US-Firmen Handel betreiben, sollten sich besonders genau über die Sanktionsbeschränkungen informieren. Das 1977 abgeschlossene Kooperationsabkommen zwischen der EU und Syrien wurde 2011 respektive 2012 teilweise suspendiert. Die Unterzeichnung eines 2008 ausgehandeltes Assoziierungsabkommen liegt aus politischen Gründen auf Eis.

Risiken mit IT-Lösung vermeiden.
KMU können sich bei ihrer Handels- respektive Wirtschaftskammer über die aktuellen Bestimmungen im Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum informieren. Bei grösseren Warenvolumina und in Anbetracht der volatilen und komplexen Im- und Exportbestimmungen empfiehlt es sich jedoch, eine SaaS IT-Lösungen mit kontinuierlich aktualisierter Datenbank einzusetzen. Mit IT-Unterstützung lassen sich multinationale Sanktionslistenprüfungen, Lieferantenerklärungen, komplexe Ursprungsregeln und allfällige Risiken relativ einfach managen, ebenso die Suche nach der richtigen Zolltarifnummer und Exportkontroll-Güterlistennummer. Innovative, ausgefeilte Systeme informieren Unternehmen ausserdem, welche Vorschriften bei der Ausfuhr aus Deutschland/Österreich und der Einfuhr in das Bestimmungsland zu beachten, welche Dokumente notwendig und wie hoch die Zoll- und Mehrwertsteuersätze sind.

Sie zeigen dem Nutzer, wo für ihn als Industrie- und Handelsunternehmen oder Logistikdienstleister Risiken bestehen. Und sie dokumentieren firmeninterne Exportkontrollen für Behördennachfragen. Mit einer solchen Management-Software können Exporteure durch die Automatisierung ressourcenintensiver Schritte die Zeit für die Qualifizierung von Waren deutlich reduzieren: Einholung von Lieferanteninformationen, Einhaltung der Ursprungsregeln und Analyse der Stücklisten (Bill of Material/BOM). So können Verwaltungskosten gesenkt, Zölle und Transportkosten minimiert werden. Auch die Compliance wird verbessert. Da falsche oder nicht gerechtfertigte Ursprungsangaben auf präferenziellen Ursprungsnachweisen nicht nur wirtschaftliche Einbussen zur Folge haben, sondern auch strafrechtliche Zollverfahren für den Exporteur und den Empfänger auslösen können, sollten Firmen alle Prozesse automatisch, auditierbar dokumentieren.

Fazit:
Der Export in die Türkei und den arabischen Raum ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Neben zolltariflichen und nicht-tarifären Hürden und Hemmnissen ist die Geschäftskultur eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. So fliessen in diesen Ländern kulturelle und religiöse Regeln viel stärker ins Geschäftsleben ein, als das in westeuropäischen Staaten der Fall ist. Doch für den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automotive- und Pharmaindustrie bieten sich durchaus lukrative Chancen. Ein gutes, IT-gestütztes Trade Compliance-Management erlaubt Unternehmen trotz Risiken, Chancen in diesem Wirtschaftsraum voll auszuschöpfen.
(AM)

 

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#politics #management

Logistic Natives e.V. E-Commerce Logistik Infrastruktur Netzwerk

Er bietet allen deutschsprachigen und internationalen Unternehmen, die in der Branche der E-Commerce Logistik unterwegs sind – Dienstleister und Händler gleichermaßen – die Möglichkeit, neben der intensiven Vernetzung die Märkte aktiv mitzugestalten, Informationen zu erhalten und einen Wissensvorsprung zu generieren, der beispielsweise in neue Geschäftsmodelle münden könnte.

Beitrag: Walter Trezek.

Das Netzwerk wird regelmäßig über Trends und Neuigkeiten in Logistik express berichten und federführender Interessenvertreter und Ansprechpartner für die Belange der Branche sein. Dabei wird eng und partnerschaftlich mit etablierten Branchenverbänden zusammengearbeitet. Um Ihnen einen ersten Eindruck einiger Arbeitsbereiche des Verbandes zu geben, finden Sie nachfolgend einen groben Abriss zu den aktuellen Thematiken Zugang zum Weltpostnetz, Evaluierung des EU-Postrechts und der Umsetzung von Konsumentenbedürfnisse im Warenverkehr.

 

Neuregelung des Zugangs zum Weltpostnetz im August 2020.
Als Organisation der Vereinten Nationen, haben die 192 Mitgliedsstaaten des WPV verstanden, dass sich der WPV allen an der weltweiten Zustellung interessierten Interessengruppen öffnen muss, die weltweit an der Lieferung von Waren beteiligt sind. Die Vertretung des gesamten Zustellsektors und nicht nur der von den 192 WPV-Mitgliedstaaten benannten Postadministrationen erfordert institutionelle Veränderungen, sowie eine Neuregelung des Zugangs zum Weltpostnetz, zu dessen Produkten und Dienstleistungen auf dem 47. UPU-Kongress im August 2020.

EU-Postrecht mehr als 25 Jahre alt – Neuausrichtung dringend gesucht.
Der rechtliche und regulatorische Rahmen für die Zustellung von Postsendungen, von Briefsendungen und Paketen in der EU, wurde vor mehr als 20 Jahren festgelegt. Gesetze und Regulierungen unseres Zustellmarktes sind veraltet. Sie passen nicht mehr und bieten nicht mehr die Antworten auf die Herausforderungen einer zunehmend digitalisierten Post- und Zustellrealität.

Die Zustellung im digitalen Handel erfordert einen gut etablierten rechtlichen und regulatorischen Rahmen, um zu funktionieren. Auszugehen ist davon, dass der europäische digitale Binnenmarkt als integrativer Bestandteil des globalen Marktes, ebenso wie der elektronische Handel, auf Daten beruht, um den Verbrauchern den bestmöglichen Service zu bieten. Deshalb ist eine grundlegende, marktorientierte Neuerarbeitung einer neuen Postmarktrichtlinie erforderlich. Nur so können die EU- Rahmenbedingungen der fortschreitenden Digitalisierung der Post- und Zustellmärkte zur Vollendung des digitalen EU-Binnenmarktes beitragen.

Konsumentenbedürfnisse, Gesetze, Normen.
Der Konsumenten in der EU werden die Mittel und Möglichkeiten an die Hand gegeben, zu entscheiden wie sie online ausgewählte und erworbene Waren geliefert haben möchten. Neben zeitgemäßen gesetzlichen Rahmenbedingungen sind dazu harmonisierte Normen für die Dienstleistungsqualität, die durchgängige Verfolgbarkeit der Sendungen im Inland und über die Grenzen hinweg, zur Interoperabilität zwischen Kurier-, Express-, Paket- und Postbetreibern, sowie die Standardisierung der Infrastruktur, um den Zugang zu Brief- und Pakethinterlegungssystem zu gewährleisten.

Daten die bereits bei Kauf entstanden sind, etwa fortgeschrittene elektronische Datenspezifikationen für Mehrwertsteuer, Zoll, Transport- und produktbezogene Sicherheit werden in den kommenden Jahren in der EU, aber auch weltweit von allen Beteiligten weiterentwickelt und erforderlichenfalls, den geänderten Anforderungen nach auch angepasst werden. Auch das zu erwartende Mandat der Europäischen Kommission an das Europäische Komitee für Normung (CEN) wird dazu 2020/21 den entsprechenden Rahmen bieten. (WT)

 

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#politics #retail #ecommerce #logistics #management

Der Handel steht vor einer radikalen Neuerfindung

Datenökonomie, Plattformökonomie und Künstliche Intelligenz (KI): Diese Stichworte werden in der Handelsbranche heute schon kräftig diskutiert. Und sie werden das Geschehen auch in den kommenden Jahren dominieren. Der Deutsche Handelskongress 2019, das Gipfeltreffen des stationären Handels in Berlin, vermittelte zahlreiche Eindrücke, wie sich der Markt durch die Digitalisierung insgesamt verändern wird.

Redaktion: Karin Walter.

Während die schlechten Wirtschaftsprognosen manch einem Firmenchef in der Automobilindustrie zurzeit ernsthafte Sorgen bereiten, ist der Einzelhandel in Deutschland aktuell in einer vergleichbar guten Lage. Die Konsumfreude ist groß – nicht zuletzt auch durch das seit einigen Jahren konstant niedrige Zinsniveau für Spareinlagen. Dementsprechend wurde auch auf dem Deutschen Handelskongress Ende November in Berlin für das vergangene Jahr 2019 eine etwas über drei Prozent liegende Umsatzsteigerung im Vergleich zum Jahr 2018 prognostiziert.  Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), stellte in seinem Eingangsstatement zur Kongresseröffnung sogar in Aussicht, dass die Branche von der derzeitigen Konjunkturdelle insgesamt nicht viel spüren werde. Überschwänglich wirkte der Verbandspräsident bei seiner Aussage jedoch nicht.

Das Problem: Derzeit gelingt es augenscheinlich nicht allen Unternehmen in gleichem Maße, Profit aus der positiven Entwicklung zu schlagen. „Mittlere und kleinere Betriebe werden angesichts eines immer härteren Wettbewerbs im globalen Plattformkapitalismus zunehmend an den Rand gedrängt oder kommen ganz unter die Räder“, sagte Sanktjohanser. Insbesondere die kleinen Händler könnten mit der Dynamik des Marktes oft nicht mithalten. In vielen Betrieben fehle das Know-how im Bereich der Digitalisierung. Zudem fehlten den meisten Händlern die nötigen Freiräume für Investitionen in neue Technologien.

Investitionen in Digitalisierung nicht auf die lange Bank schieben.
Auf dem alljährlich staffindenden Berliner Branchentreff wurde jedoch klar: Ohne den Ausbau digitaler und KI-gestützter Angebote mit allen Kräften zu forcieren, wird es für die Händler in den Filialen schwer werden, auf kurz oder lang überhaupt noch mit den Angeboten des Online-Handels mitzuhalten.

Dr. Dirk Schneider, Chief Digital Officer bei der Modemarke S.Oliver Bernd Freier warnte seine Branchenkollegen im Publikum davor, die dafür notwendigen Schritte auf die allzu lange Bank zu schieben. „Wir Deutschen verstehen uns mitunter sehr gut darin, auch bei digitalen Innovationen erst einmal abzuwarten“, konstatierte Schneider. „Wer sich von dieser Denkweise treiben lässt, steht vor einen großen Fehler.“ Digitale Innovationen müsse man sehr aktiv nach vorne reiben. Jedes Unternehmen sei für sich gefordert, auf diesem Sektor den richtigen Ansatz zu finden. Und bei allem gelte als oberstes Gebot, niemals die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden aus den Augen zu verlieren.

Devise Nummer eins: Das auf den Kunden zugeschnittene Angebot.
Der Handelexperte Andreas Teller, Associate Director der internationalen Strategieberatung EY-Parthenon GmbH, unterstrich beim Berliner Handelskongress, dass es für den stationären Handel notwendig sei, bei allen strategischen Überlegungen das Verhalten der Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. „Die Kunden erwarten durch ihre Online-Erfahrungen auch im stationären Handel ein perfekt auf sie persönlich zugeschnittenes Angebot“, sagte Teller. Dabei sei in der jüngsten Vergangenheit zu beobachten, dass „sich die Prioritäten mit der nachwachenden Generation mehr verschieben.“ Junge Konsumenten hätten gegenüber älteren Konsumenten eine deutlich größere Zahl an Lieblingshändlern. Bei der Shop-Auswahl ihrer setzen jüngere Menschen heutzutage viel stärker als früher auf Vertrauen sowie auf individuell zugeschnittene Angebote. „Im Online-Handel ist dadurch immer mehr eine neue Plattformstrategie der maximalen Personalisierung auf dem Markt zu beobachten“, konstatierte Teller.

Es braucht neue KPIs für stationären Handel.
Laut dem Handelsexperten drängt sich für die Branche deshalb immer mehr die Frage auf: Wie kann es den stationären Handlern gelingen, mit ähnlich individualisierbaren Konzepten wie die Online-Pure-Player auf die Konsumenten zuzugehen? Schließlich böten die physischen Ladenflächen für Filialisten kaum die nötige Flexibilität, um mit der Individualität der Online-Welt Schritt zu halten. Zudem sei es Händlern auf der Filialfläche kaum möglich, transparente Informationen über die Kunden und ihre Bedürfnisse einzuholen. Die Antwort auf die Frage nach der Zukunftsperspektive des Filialgeschäfts liegt laut dem Handelsexperten Teller daher klar in der Neuerfindung der Filialangebote.

„Die Zukunft des stationären Handels wird in der Umsetzung von Showroom-Konzepten, dem Ausbau von technologiegestützen Beratungsangeboten sowie in der Umsetzung neuer Einkaufserlebnisse im Bereich des Retailtainments liegen.“ Unter dieser Voraussetzung sei es allerdings eine essenzielle Voraussetzung, das Filialgeschäft künftig nicht mehr mit den KPIs eines Vertriebskanals, sondern vielmehr mit den KPIs einer Begegnungsstätte zu messen. „Der ursprüngliche Austausch Ware-gegen-Geld wird in den Läden der Zukunft nicht mehr funktionieren“, so Teller.

Der digitale Bonprix-Store könnte Schule.
machen. Die Otto-Tochter Bonprix hat mit ihrem voll digitalisierten Pilot-Store in der Hamburger Innenstadt bereits einen gangbaren und erfolgreichen Weg gefunden, um die Vorteile des Online-Shoppings mit dem Einkauf im stationären Ladengeschäft in Zukunft noch enger miteinander zu verzahnen. Unter dem Motto „fashion connect“ erwartet den Kunden auf der Verkaufsfläche eine digital assistierte Version des klassischen stationären Handels.

Der Einkauf im bonprix “fashion connect” Store wird komplett über die bonprix Smartphone-App assistiert: Damit ist es möglich, in den Laden wie am Flughafen einzuchecken, Produktcodes zu scannen, die entsprechende Kleidergröße auszuwählen und zur Anprobe in die Umkleidekabine zu bestellen, zu bezahlen, auszuchecken und vieles mehr. „Wir sind alle social animals – und werden deshalb auch in Zukunft immer wieder gerne auch die Innenstadt aufsuchen,  um ein gutes Einkaufserlebnis zu haben“, sagte Daniel Füchtenschnieder, Geschäftsführer der bonprix Retail GmbH vor den Branchenvertretern in Berlin. Die Digitalisierung sei dabei keine Hürde, sondern vielmehr als Erleichterung zu verstehen. „Wir setzen darauf, den Erlebnisfaktor und die persönliche Beratung des stationären Einzelhandels smart ergänzen. Damit gehören die Suche nach der passenden Größe oder lange Wartezeiten an der Kasse und vor Umkleiden der Vergangenheit an. Was bleibt ist ein nahtloses, App-assistiertes Einkaufserlebnis und eine Kundin, deren Wünsche an erster Stelle stehen“, so Füchtenschnieder. (WAL)

 

 

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/
#politics #retail #ecommerce #logistics #intralogistics #worldtrade #logimat #management

LOGISTIK express Journal 1/2020 

LOGISTIK EXPRESS JOURNAL 1/2020 

Mit dem LOGISTIK EXPRESS informieren wir über Politik, Handel, E-Commerce  Logistik, Intralogistik, Transportlogistik, Globale Märkte und Management. Die Medienmacher der Publikationen – BUSINESS+LOGISTIC, LOGISTIK EXPRESS und UMWELT JOURNAL haben mit Beginn des Jahres Ressourcen gebündelt und vermarkten nunmehr Online-Plattformen & Publikationen cross-medial über die HJS MEDIA WORLD. So beziehen Sie News & Trends über die ganze Welt der Logistik über Zeitschriften, ePaper Kioske, Apple & Google App Store sowie über Social Media Plattformen.

Flott mit großen Schritten gehen wir auf die LogiMAT zu und laden Aussteller ein, Firmenprofile über das B2B Network Logistik Branchenportal zu platzieren. Zudem möchten wir auf unseren 5. eCommerce Logistik-Day in Kombination mit der Austrian-Lounge am 17. September 2020 hinweisen. Bei Fragen stehe ich Ihnen allzeit gern bereit.

Markus Jaklitsch

INHALT / INDEX:
02 Termine & Events
04 Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
06 Türkis-Grün. Himmel hilf oder hell yeah?
12 Wird die Haselsteiner Frachtbahn Traktion zum Hecht im Karpfenteich?
14 Deutscher Fiskus als Vorbild für Österreich?
15 WIE REAL BIST DU?
16 Trump erlässt wegweisende Vorschriften für Amazon & Co.
17 Global Powers of Retailing-Report
18 Der Handel steht vor einer radikalen Neuerfindung
20 Lehrberuf „e-Commerce-Kaufmann“
21 Logistik Reise
22 Maschinelles Lernen revolutioniert Supply Chains in China
26 MHLC Europe – Einfach mal die Perspektive ändern
28 Alibaba statt Abrakadabra
32 Logistic Natives e.V. E-Commerce Logistik Infrastruktur Netzwerk
34 Verpackungslösungen der Händler
36 Grenzen einreißen – Produktion und Logistik verschmelzen
38 Trade Compliance im Handel mit den Balkan-Ländern
42 Vom Risiko zur Chance – Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum
46 Innovation als Erfolgsmodell
50 Komplettlösung für ein nachhaltig ausgezeichnetes Logistikzentrum
53 KNAPP SPECIAL: ROBOTIK / SMART FACTORY – Losgröße 1
60 Wissensbeiträge zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit
64 Innovative Fördertechnik für Effizienz und Nachhaltigkeit
67 LogiMAT: Zukunftsfähige Lösungen
70 Menschen in Bewegung

 

Rainer Will, CEO, Österreichischer Handelsverband: „Europa ist auf dem Weg zum digitalen Entwicklungsland. Fair Play muss die Basis sein, um Innovation-Leader zu werden und Monopolen entgegenzuwirken.“

 

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#politics #retail #ecommerce #logistics #intralogistics #worldtrade #logimat #management

Sind Ihre Mitarbeiter fit im US – Außenhandelsrecht?

Sie exportieren in die USA? Sie importieren Teile oder technisches Know-how aus den USA? Dann sollten sich Ihre Mitarbeitenden gut im US-Außenhandelsrecht auskennen. Verstöße können teuer werden. Regelmäßige Schulungen sind unumgänglich.

Beitrag: Redaktion.

Trump ist Ihr Albtraum oder Sie sind ein Trump-Fan? Wie auch immer. Falls Sie Handel mit den USA treiben, müssen Sie sich mit den Auswirkungen seiner Politik arrangieren. Und dies betrifft Hunderte von Firmen in Deutschland. Die Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer von Waren «Made in Germany». 2018 erreichten die Ausfuhren einen Rekordwert von 113,5 Milliarden Euro. Auch die Importe aus den USA sind mit 64,6 Milliarden Euro bedeutsam. Doch wie gut kennen sich Ihre Mitarbeitenden im hoch komplexen US-amerikanischen Handels- und Zollrecht aus? Alles dem Zollspediteur zu überlassen ist für Industrie und Handelsorganisationen nicht ratsam. Denn Rechtsverstöße werden in den USA mit hohen Strafen belegt.

Exterritoriale Geltung.
Einer der Gründe, warum Sie ihre Mitarbeiter kontinuierlich schulen sollten, ist die exterritoriale Geltung des US-Exportkontrollrechts. Während in EU-Staaten, einschließlich Deutschland, der Grundsatz des freien Warenverkehrs gilt, sind bewilligungsfreie Exporte aus den USA eher die Ausnahme. Zudem kontrollieren die USA ihre Güter im Handelsverkehr auch außerhalb des eigenen Territoriums, wo auch immer sich diese in der Welt bewegen.

Das US-Exportkontrollrecht findet u.a. Anwendung auf Güter, die außerhalb der USA produziert werden, in denen aber US-Vorprodukte enthalten, oder die das Resultat von US-Technologien, Blaupausen u.ä. sind. Je nach Empfangsland bzw. Empfängerperson wird zum Teil bereits ab einem wertmäßigen US-Anteil von 10% ein Gut als US-Gut betrachtet und entsprechend durch US-Recht kontrolliert. Das US-Recht folgt der Ware. Damit müssen US-Regularien auch von Unternehmen beachtet werden, die keine Niederlassung in den USA haben, aber direkt oder indirekt mit US-Produkten zu tun haben.

Die De-Minimis-Regel gilt nur bei (Re-) Exporten von Dual-Use-Gütern. Für Rüstungsgüter oder Luft- und Weltraumtechnologie, die nicht durch die EAR (Export Administration Regulations), sondern durch ITAR (International Traffic in Arms Regulations) kontrolliert werden, genügt bereits der Einbau einer einzigen ITAR-kontrollierten Komponente, um das Gesamtgut der Kontrolle der ITAR zu unterwerfen, sog. see-through-rule.

Aufmerksamkeit verlangt auch die Vielzahl der Sanktionslisten bezüglich Länder, Organisationen und Personen der US-Behörden. Für Kundenunternehmen, Lieferanten oder Geschäftspartner, die in diesen Listen aufgeführt sind, besteht entweder eine Meldepflicht an die US-Behörde, eine Bewilligungspflicht oder sogar ein Verbot des Geschäfts.

Das US-Exportrecht gilt unter Umständen auch, wenn ein Unternehmen Standorte oder Beteiligungen in den USA unterhält, wenn ein US-Unternehmen an der Gesellschaft beteiligt ist oder wenn ein Unternehmen US-Staatsbürger oder auch nur Inhaber einer “US-Greencard” beschäftigt. So kann z.B. ein Vortrag im Ausland über bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse durch einen US-amerikanischen Mitarbeiter eines deutschen Unternehmens eine Exportlizenz benötigen („deemed export“).

Ebenso das Ausstellen eines Produkts im Rahmen einer Messe außerhalb Deutschlands. Auch der grenzüberschreitende Versand von Produktbeschreibungen oder die Information eines ausländischen Staatsangehörigen über Merkmale des Produkts können einen Export nach US-Recht darstellen. Die Verpflichtungen betreffen auch deutsche Unternehmen, die lediglich Produkte und Dienstleistungen in andere EU-Länder verbringen. Besondere Regeln sind ebenfalls bei den internen Abläufen innerhalb exportierender Unternehmen zu beachten. Unter anderem müssen bei der Produktion bestimmter in den USA gelisteter Güter besondere Sicherheitsstandards bezüglich Zutrittes, Organisation und Auswahl der Mitarbeiter beachtet werden.
C-TPAT etc.

Aber auch der Export in die USA ist nicht hürdenfrei. Die Bestimmungen des Zollpartnerschaftsabkommens C-TPAT und der elektronischen Voranmeldung von Warenimporten sollten bekannt sein. Die Einfuhr von Lebensmitteln und Pharmaprodukten in die USA stellt hohe Anforderungen. Die Vorgaben der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelaufsicht “Food and Drug-Administration” (FDA) müssen ebenso erfüllt werden, wie die des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) und der amerikanischen Zollbehörde CBP (Customs Border Protection).

Eine richtige, vollständige und schlüssige Dokumentation ist entscheidend für eine schnelle, termingerechte Lieferung und den Zugang zum US-amerikanischen Markt. Bei verschiedenen Waren muss eine Importlizenz ebenso wie Adressen und FDA Registriernummern des Exporteurs, Herstellers, Importeurs und Empfängers vorliegen. Der Warenursprung muss lückenlos belegt
werden.

Drawback-Verfahren:
Interessante finanzielle Vorteile ergeben sich für Exporteure, die Waren in den USA veredeln und dann weiter nach Lateinamerika oder Kanada verkaufen. Das Drawback-Verfahren bietet die Option, bei der CBP die Erstattung von bereits gezahlten Einfuhrabgaben beim Reexport veredelter, nicht benötigter oder defekter Waren („Manufacturing Drawback“, „Unused Merchandise Drawback“, „Substitution Drawback“) zu beantragen. Die Zollbehörde erstattet im Regelfall 99% der gezahlten Einfuhrzölle. Bei „Unused Merchandise Drawback“ werden überdies auch die Zollabfertigungsgebühren (merchandise processing fees) erstattet. Grundsätzlich ist es am Exporteur der Einfuhrwaren oder gleichartiger Waren, die Erstattung zu beantragen.

Spezialschulung tut not.
Zahlreiche Firmen, Institutionen und Verbände bieten in Deutschland Schulungen im Bereich Exportklassifizierung und -verzollung, Compliance, Freihandelsabkommen u.ä. für Fach- und Führungskräfte an. Die Global Trade Academy von E2open (ehem. Amber Road, mit Hauptsitz in New Jersey USA) hat sich vor allem auf USA fokussierte Themen und den globalen Handel mit Dual-Use-Gütern spezialisiert. Kostenlose Webinars zu aktuellen Themen wie neue Gesetzesvorschriften, Sanktionen oder Zölle, Brexit und Incoterms 2020 bieten viel Raum für die Beantwortung individueller Fragen aus dem Berufsalltag.

Seminare und Konferenzen werden in verschiedenen Ländern (in Nordamerika, Asien und Europa) sowie Sprachen zu Themen des internationalen Handels, Außenhandelsmanagement, Supply-Chain- Management, Import- und Exportkontrollen, Zollabwicklung, Freihandelsabkommen, Präferenzabwicklung und Trade Compliance Management angeboten. Darüber hinaus ist die Global Trade Academy seit Jahren erfolgreich mit Online Trainings und Präsenzveranstaltungen, die zum Teil speziell auf individuelle Firmenbedürfnisse zugeschnitten werden.

Zum Schulungsprogramm gehören auch drei Intensivkurse mit Abschlusszertifikat. Hier liegt der Fokus auf global standardisierter HS-Klassifizierung und Tarifierung, Exportkontrollrecht (USA, EU etc.) und Drawback-Verfahren (USA). Zum Selbststudium dient die Lernplattform „Learning Management System“ (LMS). Sie gewährt Zugriff auf eine Bibliothek mit bereits abgehaltenen Online-Seminaren zum Themenzyklus Handelsrecht Im- und Export. Das gesamte Schulungsprogramm ist auf den Praxisalltag ausgerichtet. Die Kurse kosten zwischen 600 und 3000 USD/Person.

Fazit:
Fundiertes Wissen im internationalen Handelsrecht, insbesondere in Bezug auf Ihre Lieferländer und Absatzmärkte, ist essenziell für reibungslose und rechtssichere Geschäftsabläufe. Angesicht des zunehmenden Protektionismus weltweit und immer mehr Vorschriften und Verordnungen im Welthandel wächst die Bedeutung von Schulungen, Auffrischungskursen und einer generellen Sensibilisierung für Trade-Compliance-Themen. Trade Compliance ist für Firmen Voraussetzung für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, bringt aber neben der Strafvermeidung keinen messbaren Wettbewerbsvorteil. Daher tun sich viele Firmen schwer, die notwendigen Mittel für Schulungen bereit zu stellen. Andererseits sind gute Fachkenntnisse Voraussetzung für die anstehende digitale Transformation und Automatisierung aller Geschäftsprozesse. (US)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

 

Schaeffler Distributionszentrum – Für alle Fälle gerüstet

In der Automobilbranche ebenso wie in der Maschinenbauindustrie zählen Qualität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Als wichtigster Zulieferer dieser Branchen ist für die Deutsche Schaeffler Gruppe eine moderne, effiziente Lieferkette unabdingbar. Darum realisierte die SSI SCHÄFER nun ein neues Distributionszentrum, das den hohen Anforderungen spielend gerecht wird.

Redaktion: Angelika Gabor.

Bisher versorgte die Gruppe mit ihren rund 32.700 Mitarbeitern den europäischen Markt von drei Distributionszentren aus, um die Supply Chain bis hin zu den Industriekunden flexibel und kostenoptimiert zu gestalten. Dazu zählt neben der präzisen Auftragsfertigung für die Montagelinien insbesondere die Bedienung von Ad-hoc Aufträgen der Industriekunden. Das neue, mit 94.000 m² bebauter Fläche und 25.000 m² über zwei Ebenen verteilte Logistikfläche größte und funktional bedeutendste Europäische Distributionszentrum EDZ Mitte befindet sich in Kitzingen.

Auf dem etwa 75 Hektar großen Gelände befand sich früher die US-Liegenschaft Harvey Barracks. Die neue Anlage stellt das Herzstück des neuen europäischen Versorgungsnetzwerkes dar, sie wurde daher auf maximale Flexibilität, Verfügbarkeit und Efizienz der Prozesse ausgelegt.

Vollautomatisierter innerbetrieblicher Materialfluss.
Basierend auf den Planungen von Schaeffler zu Artikelspektren, Auftragsstruktur und Durchsatzanforderung konzipierten die Intralogistikspezialisten von SSI SCHÄFER eine hochdynamische Anlage mit vollautomatisierten Prozessen von der Wareneingangserfassung bis zur Versandbereitstellung. Gleich drei Wareneingangslinien mit integrierten Kontrollwaagen führen die Paletten von den Wareneingangstoren zu den Übergabeplätzen, von wo aus es mit der Elektrobodenbahn (EBB) weitergeht. Auf einem rund 900 m langen Rundkurs transportiert die EBB die Paletten entweder an die Einlagerungsstiche für das Hochregallager (HRL) oder zur Vereinzelung von Gebinden für die Einlagerung im Automatischen Kleinteilelager (AKL) an eine der angebundenen Arbeitsstationen.

Im vollautomatisierten 7-gassigen HRL sorgen sieben Doppelmast-Regalbediengeräte (RBG) der energieefizienten Exyz-Generation für die präzise Ein- und Auslagerung. Ihre Ausstattung mit doppeltiefem Lastaufnahmemittel ermöglicht den gleichzeitigen Transport von zwei Euro- beziehungsweise vier Halbpaletten – mit einem Durchsatz von bis zu 230 Paletten pro Stunde. Parallel dazu verfügt das 6-gassige, doppelstöckige AKL über knapp 100.000 Behälterstellplätze. Dort erreichen zwölf paarweise übereinander eingesetzte SSI SCHÄFER Miniload Cranes (SMC) eine Umschlagleistung von bis zu 1.500 Behältern pro Stunde.

„Maintenance 4.0 for Intralogistics“.
Ein zentrales Anliegen von Schaeffler bei der Planung der Anlage war es, die Anlagenverfügbarkeit durch eine zustandsbasierte Instandhaltung und teilautomatisierte Wartung zu unterstützen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit haben Schaeffler und SSI SCHÄFER das Lösungspaket „Maintenance 4.0 for Intralogistics“ entwickelt und im EDZ Mitte erstmals erfolgreich realisiert. Mit Hilfe dieser Lösung können ungeplante Stillstände von systemkritischen Komponenten vermieden und Instandhaltungskosten gesenkt werden.

58 Schaeffler Smart Checks garantieren die Zustandsüberwachung der betriebsrelevanten Antriebe sowohl an den SMC- als auch Exyz-Geräten und übermitteln die Informationen zur Visualisierung an die zentrale Informationsplattform WAMAS® Lighthouse. Darüber hinaus werden die 2.500 Antriebe für Kettenförderer und Rollenbahnen auf den insgesamt 1,97 km Förderstrecke mittels „Schaeffler Concept8“ vollautomatisch geschmiert. Speziell entwickelte Schmierritzel übernehmen dabei eine kontinuierliche, bedarfsorientierte Schmierölabgabe.

WAMAS® & WAMAS® Lighthouse.
Während die Logistiksoftware WAMAS® die innerbetrieblichen Materialflüsse steuert, dient das Logistikcockpit WAMAS® Lightouse der Visualisierung der Prozesse und Arbeitsabläufe und somit der effizienten Gestaltung dieser. 20 Pick & Pack- sowie zehn Dekonsolidierungsplätze, insgesamt 30 Multifunktionsarbeitsplätze, hat SSI SCHÄFER nach dem eigenentwickelten ergonomics@work!®-Konzept eingerichtet. So unterstützen unter anderem Vakuumgreifer, Teleskoptische und individuell konigurierbare Positionierungen von Hilfsmitteln und Arbeitsgeräten optimal die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter. Eine weitere Anforderung von Schaeffler war ein glatter Vibrationsschweißboden mit Anlaufschrägen und Bodenbombage für beste Laufeigenschaften, hohe Inhaltslasten und einen besonders leisen Transport auf Förderstrecken. Extra: seitliche, trapezförmige Wasserablauflöcher, die nicht von der Antirutschmatte verdeckt werden.

Sequenzierung sorgt für Ordnung.
Zur Koordination mit der Palettenware aus dem HRL werden die Behälter aus dem AKL den Arbeitsplätzen zur Auftragsfertigung sequenziert zugeführt. Jedem Arbeitsplatz ist dafür ein Sequenztower vorgeschaltet, der mit einem Vorrat von bis zu 20 Behältern für eine kontinuierliche Materialabgabe an die Arbeitsstationen sorgt. Über Displayanzeigen, integrierte Wiegesysteme und Scanner erfolgt die dialoggeführte Null-Fehler-Auftragskommissionierung. Die speziell für Schaeffler konfigurierten Lager- und Transportbehälter LTB von SSI SCHÄFER bieten eine besonders hohe Volumenausnutzung, einen verstärkten Unter- und Oberrand sowie vier stabile Eckholme. Speziell entwickelte Bodenvarianten gewährleisten einen störungsfreien Transport auf allen Förderstrecken und ein sicheres Stapeln. Geschlossene Kreislaufsysteme mit zwei Depalettierrobotern garantieren die reibungslose Intercompany-Zulieferung an das EDZ.

„Mit Blick auf die Herausforderungen eines solchen Projektes und die kurze Realisierungsphase hatten wir mit SSI SCHÄFER einen kompetenten Partner an unserer Seite“, zeigt sich Dr. Jörg Zellerhoff, Fachprojektleiter Logistik bei der Schaeffler Gruppe, daher auch rundum zufrieden. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019