Es braut sich ein Sturm zusammen

Der 7. eCommerce Logistik-Day widmete sich erneut der Zukunft des Online-Handels und bot neben spannenden Diskussionen konkrete Lösungsansätze für die Bereiche Intralogistik und den Paketversand. Als Hybrid-Event war die Veranstaltung nur für einen exklusiven Teilnehmerkreis in den Räumen des Österreichischen Handelsverbandes live erlebbar. Sämtliche Vorträge und Podiumsdiskussionen wurden jedoch aufgezeichnet und sind – wie schon im Vorjahr – in voller Länge abrufbar.

Redaktion: Marcus Walter.

7.ECOMLOG22 – „Als wir vor sieben Jahren den 1. eCommerce Logistik-Day durchführten, hatten wir im Vergleich zur Gegenwart eigentlich gar keine Probleme.“ Mit diesem Rückblick eröffnete Moderator und Mitorganisator Bernd Kratz am 8. September die bereits siebte Auflage der renommierten Fachveranstaltung für den Onlinehandel. „Im Gegensatz zu damals haben wir mittlerweile sechs Krisen“, betonte Kratz. Der geschäftsführende Gesellschafter der Management-Beratung EMA ist zugleich Mitgesellschafter des Instituts des Interaktiven Handels IDIH, einem der eComLog-Kooperationspartner.

40 Schiffe vor der Deutschen Bucht.
Zur Coronakrise sei als zweite Krise die Unzuverlässigkeit im Schiffsverkehr hinzugekommen. Als Beispiele nannte er den Unfall im Suezkanal und den derzeitigen Stau von bis zu 40 Containerschiffen in der Deutschen Bucht, die seit längerem auf ihre Löschung warten. Aber das sei laut Kratz erst der Anfang. „Denn es gibt noch viele weitere Schiffe, die jetzt noch in China liegen. Wenn die dort freikommen, dann haben wir sechs bis acht Wochen später eine Flut von Schiffen, die in Deutschland gelöscht werden müssen.“ Unternehmen wie Lidl hätten bereits auf diese Krise reagiert und in eigene Schiffskapazitäten investiert. Die dritte Krise sei die Invasion Russlands in der Ukraine und die vierte Krise die Klimakrise. Der ausbleibende Regen hat bei den Flüssen zu niedrigen Pegelständen geführt, so dass sie die Binnenschiffe zum Teil nur noch mit geringer Auslastung befahren können. „Das heißt, das wir die Ware nicht mehr ins Hinterland befördern können, ohne verstärkt auf den LKW umzusteigen“, stellte Kratz fest. Als fünfte Krise nannte er den Fachkräftemangel im gewerblichen Bereich. Diese sei unter anderem dafür verantwortlich, dass Schiffe nicht mehr in gewohntem Tempo entladen werden können. Die sechste Krise sei schließlich die Energiekrise in Folge der EU-Boykottmaßnahmen gegenüber Russland. „Heute wollen wir diskutieren, welche Folgen die genannten Krisen auf den elektronischen Handel haben“, so Kratz

Lager bietet hohes Automatisierungspotenzial.
Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development von Element Logic, griff in seinem Vortrag die genannten Krisen auf. „Die Politik soll zunächst die selbstgemachten Krisen lösen. Wir kümmern uns dann um den Rest,“ lautete sein Credo. Durch die Corona-Pandemie habe der Personalmangel in bestimmten Branchen weiter zugenommen. In dieser Situation sei das Automatisieren von Prozessen im Lager eine passende Antwort. „Die Prozesse im Lager bieten ein hohes Potenzial für Automatisierung“. Hier kämen vor allem die Ware-zur-Person-Kommissionierung in Frage. Diese könne zudem mit der Roboterkommissionierung von Einzelteilen und automatische Kartonaufrichter ergänzt werden. „Das Eliminieren der Wegezeiten bei der Ware-zur-Person-Kommissionierung durch ein AutoStore-Lager ist ein riesiger Hebel“, hob Kieninger hervor, der anschließend noch einige bereits realisierte Kundenlösungen vorstellte.

Bei den Installationen komme es vor allem auf Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und eine optimale Nutzung der vorhandenen Flächen an.
Andreas Miller, Principal Strategic Project Manager bei der Knapp AG, stellte in seinem anschließenden Vortrag Alternativen zur skandinavischen AutoStore-Lösung vor. Mit dem Open Shuttle Store bieten die Österreicher eine pragmatische und leicht skalierbare Automatisierung für bestehende Behälterlager mit herkömmlichen Lagergängen. Die Shuttles fahren autonom und können den Einsatz von manuell betriebenen Flurförderzeugen ersetzen. Diesbezügliche Projekte seien einfach und schnell umzusetzen.

Stammdaten sind oft das Problem.
Auf der Plattform „Digital2go“ hat Knapp zudem eine Reihe intelligenter Produkte versammelt wie zum Beispiel den KHT MultiScan. Dabei handelt es sich um einen mobilen Tisch, der das Erfassen von Stammdaten inklusive der Maße und Gewichte erleichtert. „Je besser die verfügbaren Daten über meine Produkte sind, desto besser kann ich damit arbeiten“, ist Miller überzeugt. „Stammdaten sind der erste Schritt für eine Automatisierung und genau hier liegt oft das Problem.“

Als dritter Referent erläuterte Thomas Hagen, Head of AutoStore & Automatisation bei der österreichischen Post AG, wie sein Unternehmen als Fulfillment-Dienstleister auf die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an die Paketlogistik reagiert. Im Spannungsfeld zwischen Echtzeitdaten, Retouren und Personalengpässen habe sich die Post für den Bau einer AutoStore-Anlage entschieden. Mit der Investition werden die bestehenden Prozesse im benachbarten Hochregallager ergänzt.

Flexibel durch Outsourcing.
Der Vortrag von Petra Dobrocka, Chief Commercial Officer und Gründerin der byrd Technologies GmbH, beschäftigte sich mit Strategien für Onlinehändler, um flexibel auf Umsatzschwankungen reagieren zu können. Das österreichische Startup byrd ist ein Dienstleister für derzeit rund 350 eCommerce-Unternehmen und übernimmt für diese die Bereiche Lagerung sowie das Verpacken und Versenden der Aufträge. Durch den Einsatz eines externen Logistikdienstleisters minimieren die Händler ihre Fixkosten, wodurch sich auch Nachfragerückgänge und Wirtschaftskrisen gut verkraften lassen. Zugleich könne man sich durch das Outsourcing auf die Kernbereiche wie zum Beispiel das Optimieren des Sortiments oder des Shopsystems konzentrieren. Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband Österreich, versorgte die Teilnehmer wieder mit einem Feuerwerk an Zahlen und Fakten zum derzeitigen Zustand der Branche. „Ich würde gerne Zuversicht verbreiten, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache“, so Will. Vor allem die Energiepreise würden dem Handel stark zu schaffen machen.

Strom um 1.400 Prozent teurer.
Die Großhandelspreise für Strom seien im Vergleich zum Sommer 2021 um 1.400 Prozent gestiegen. Nicht zuletzt deshalb befinde sich das Konsumvertrauen der Verbraucher auf Talfahrt. „Wer einen großen Teil seines Einkommens für Energie ausgeben muss, kann weniger konsumieren“, stellte Will fest. Es sei demnach nicht verwunderlich, dass der Handel in Österreich insgesamt einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent verzeichnet. Mit einem Minus von 17,3 Prozent ist der Kfz-Handel besonders stark betroffen. Auch der Personalmangel spiele dabei eine Rolle: Gegenwärtig könne die Branche 19.000 Stellen nicht besetzen. Vor diesem Hintergrund richtet der Handelsverband klare Forderungen an die Politik: Der Arbeitsmarkt müsse umfassend reformiert werden und es müsse einen Energiekostenzuschuss für alle Handelsbetriebe geben. Außerdem empfiehlt der Verband eine Abgaben- und Gebührenreform sowie eine weitere substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten. Schließlich würde auch die Einführung einer globalen Mindeststeuer für eine Verbesserung der Lage sorgen.

Unglaubliche Auswirkungen.
Von der Politik zurück zur Versandlogistik beförderte anschließend der Vortrag von Walter Trezek, der Vorsitzende des beratenden Komitees des Weltpostvereins. Weltweit sei ein weiter anhaltendes starkes Wachstum der Paketlogistik zu erwarten, wobei China zu den Treibern dieser Entwicklung gehöre. „In China werden mittlerweile 52,8 Prozent des Einzelhandels digital abgewickelt,“ berichtete Trezek. Dies habe „unglaubliche Auswirkungen auf die Infrastruktur“. Wer wissen möchte, wie unsere Infrastruktur in sechs bis sieben Jahren aussieht, muss nur nach China schauen“, empfiehlt Trezek. Mit Blick auf andere Kontinente betonte Trezek, dass sich in der Branche derzeit „ein Sturm zusammenbraut“. In Europa würden wir davon zur Zeit am stärksten getroffen. In Folge der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie der Finanzkrise gehe das verfügbare Einkommen der Konsumenten zurück. Trezek hielt seinen Vortrag gemeinsam mit Florian Seikel, Geschäftsführer der Logistic Natives. Seikel wies darauf hin, dass in jeder Krise auch eine Chance stecke. „Wer sich jetzt als Händler komplett digitalisiert, hat in der Zukunft einen Wettbewerbsvorteil“, so Seikel.

Realismus statt Ideologie.
Das Überwinden von Krisen thematisierte auch Oliver Wagner, Geschäftsführer des Zentralverbands Spedition & Logistik. „Die österreichische Logistikbranche hat die Coronakrise hervorragend gemeistert und die Bedeutung der Logistik verstärkt in das öffentlich Bewusstsein gerückt“, so der Verbandschef. Während des Lockdowns sei eine sehr sachorientierte Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern möglich gewesen – ein Zustand, den sich Wagner auch für andere Zeiten wünschen würde. Was die Dekarbonisierung und den Klimaschutz angehe, seien sich die Spediteure ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Man brauche jedoch realistische Rahmenbedingungen anstelle praxisferner Ideologien. Selbst im Jahr 2040 werde der Straßengüterverkehr noch der beherrschende Verkehrsträger sein.

Fehlende Vorbildfunktion.
Auch Wolfgang Kubesch, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik Österreich, ging in seinem sehr kurzweiligen Vortrag mit der Politik streng ins Gericht. Trotz einseitiger Abhängigkeit von Gas und Öl aus Russland habe die Regierung bislang kaum etwas unternommen, um dieses Ungleichgewicht abzubauen. Außerdem vermisse Kubesch die Vorbildfunktion des Staates und der Entscheidungsträger beim Energiesparen. Zudem konstatierte er, dass die bisherige Politik westlicher Industriestaaten des „Wandels durch den Handel“ offenbar gescheitert ist. Die Zahl autokratisch geführter Staaten sei nicht zurückgegangen, sondern weiter gestiegen, während die Demokratie auf dem Rückzug sei.

Ergänzt und vertieft wurden die Vorträge durch zwei von Bernd Kratz moderierte Podiumsdiskussionen. Während der ersten Runde ging Kratz der Frage nach, welche konkreten Erfahrungen Produzenten und Lieferanten im Rahmen der Krise gemacht haben. In der zweiten Podiumsdiskussion standen die Erfahrungen des Handels im Vordergrund. Bei Interesse können beide Podiumsdiskussionen und sämtliche Vorträge des 7. eCommerce Logistik-Days in vollständiger Länge auf www.logistik-express.com und unter https://logfair.online abgerufen werden. (MW)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Das war das Handelskolloquium 2022

250 führende Branchenvertreter diskutierten am 21. April beim traditionsreichen Handelskolloquium über den Status Quo und die Zukunft des Handels in Zeiten der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Im Mittelpunkt der bereits 32. Ausgabe des jährlichen Retail-Kongresses standen der Personal- und Fachkräftemangel, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukrainekonflikts auf Handel und Gesellschaft, nachhaltige Standortstrategien sowie neue Trends im Lebensmittelhandel.

Die Riege hochkarätiger Speaker wurde angeführt vom Wiener Stadtrat Peter Hanke, Neos-Gründungsmitglied Matthias Strolz, Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und zahlreichen heimischen Führungskräften des Handels wie Peter Schmid (Metro), Karin Saey (Dorotheum Juwelier), Norbert Scheele (C&A), Dieter Wasserburger (Rewe), Simon Lindenthaler (Lidl), Maurice Beurskens (Gurkerl) und Nikolas Jonas (Mjam) sowie den Experten Heike Haring-Latzke (ePunkt), Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen), Utho Creusen (Universität Münster), Martin Unger (EY), Hannes Lindner und Roman Schwarzenecker (beide Standort+Markt), Mario Schwaiger (EHL), Lili Pajer (Google), Kai Herzberger (Meta/Facebook), Elisabeth Christen (WIFO), Michael Buttkus (Horváth) sowie Stephan Mayer-Heinisch und Rainer Will (beide Handelsverband). Den Entertainment-Part übernahm ORF Mentalist Harry Lucas, moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Cronin.

Die Pandemie als Balance-Akt
“Wir erleben aktuell eine Zeitenwende. Die Pandemie begleitet uns seit mehr als zwei Jahren, seit Februar herrscht noch dazu Krieg in Europa. Diese beiden Faktoren haben eine ganze Reihe von Nebenwirkungen und Kettenreaktionen ausgelöst, die uns zurzeit das Leben schwermachen. Die Inflation ist zuletzt auf 6,8 Prozent geklettert und sie ist gekommen, um zu bleiben”, so Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch in seiner Eröffnungsrede.

Ähnliches gelte für den Personal- und Fachkräftemangel. Zurzeit sind rund 20.000 Stellen im Handel unbesetzt. Generell sei es wichtig, nicht ins Klein-Klein zu verfallen. “Wir müssen endlich den Mut aufbringen, verkrustete föderale Strukturen zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, mit Krisen gut umzugehen. Wir werden auch diese Krisen meistern. Klar ist aber auch: Jetzt sind Schlechtwetterpiloten gefragt, keine Schönwetterpiloten”, ist Mayer-Heinisch überzeugt.

Apropos Schlechtwetter: Der Flächenschwund im Handel von 500.000 Quadratmetern im Vorjahr – umgerechnet rund 80 Fußballfelder – wird sich laut Prognosen des Handelsverbandes heuer fortsetzen. “Sie sagen es ist ein Strukturwandel, wir sagen es sind fehlende oder nicht treffsichere Hilfen. 2022 ist ein entscheidendes Jahr. Im Pandemie-Management und im Umgang mit den Folgen des Krieges vor unserer Tür. Es braucht jetzt einen Master-Plan für den Herbst. Die Politik darf die Fehler der letzten beiden Jahre nicht wiederholen”, appellierte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will an die Bundesregierung. Wie schwierig dieser tägliche Balanceakt zwischen Pandemie und Ökonomie tatsächlich ist, illustrierte Peter Hanke, Stadtrat für Finanzen und Wirtschaft der Stadt Wien, in seiner Keynote. Er versicherte der anwesenden Händlerschaft seine Unterstützung bei der Bewältigung der aktuellen Krisen und versprach: “Wir werden dafür sorgen, dass die Stadt Wien auch in den kommenden 10 Jahren an der Spitze der weltweit lebenswertesten Städte bleiben wird.”

The Great Resignation?
Das erste Podium beim Handelskolloquium 2022 widmete sich dem Thema Personal- und Fachkräftemangel und damit auch der Frage, wie die Arbeitswelt der Zukunft konkret aussehen wird. Dazu diskutierten Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen), Heike Haring-Latzke (ePunkt) und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz mit den beiden Handelsvertretern Karin Saey (Dorotheum) und Peter Schmidt (METRO). Das Fazit? HR ist eine Generationenfrage, die Gen Z tickt völlig anders als die Generation X oder Y. Was alle verbindet, ist der Wunsch nach Wertschätzung und Selbsterfüllung im Job.

And the Winner is…
Ein Highlight des Events war die Verleihung des HV Wissenschaftspreises. Mitinitiator Utho Creusen und HV-Vizepräsident Norbert Scheele (C&A) zeichneten Jana Walch (FH St. Pölten; beste Bachelorarbeit), Katharina Holland (IMC FH Krems, beste Masterarbeit) und Kathrin Neumüller (Universität St. Gallen; beste Dissertation) aus. Die drei Studentinnen hatten sich unter mehr als 60 Einreichungen durchgesetzt. Der Handelsverband gratuliert herzlich.

Quo Vadis Metaverse
Kaum ein Thema beschäftigt die globale Tech-Community zurzeit stärker als das Metaverse – und kein Unternehmen wird stärker damit verbunden als Facebook, das mittlerweile unter dem Namen Meta firmiert. Kai Herzberger gab einen spannenden Einblick in den Status Quo und die aktuellsten Entwicklungen rund um die virtuelle Realität und appellierte an die Händler, den Einstieg in dieses Abenteuer zu wagen. Denn: Der Handel ist im Wandel und jeder Handelsbetrieb entscheidet selbst, ob er verändert wird oder den Wandel aktiv voran-treibt.

Vom Bären zum Bullen…
Im anschließenden Podium mit Hannes Lindner (Standort+Markt), Markus Mendel (EHL), Michael Buttkus (Horvath & Partners) und Dieter Wasserburger (REWE) standen nachhaltige Standortstrategien im Fokus. Der Tenor: Leerstände und Geschäftsflächenrückgänge bieten immer auch eine Chance. Fünf Faktoren sind laut Wasserburger entscheidend für einen gesunden Handel in der Stadt bzw. im Ort: ein schönes Zentrum (Hauptplatz), eine gute Grundfrequenz (z.B. durch Ämter und Behörden), geeignete Geschäftsflächen, eine hervorragende Erreichbarkeit sowie gute Parkmöglichkeiten. (RED)


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Tag des Handels 2021: EU-Kreislaufwirtschaftspaket

Vorgeschmack Podiumsdiskussion „Circular Packaging im Handel“ mit Spitzenbesetzung im Podium.

Beitrag: Julia Gerber.

Bis 2025 muss von vielen Ländern noch einiges getan werden, um die Ziele des EU-Kreislaufwirtschaftspakets zu erreichen. Ein Kernelement der neuen Richtlinie sind Recyclingquoten für Verpackungsabfälle. Bis 2025 müssen alle EU-Mitgliedstaaten mindestens 65 Prozent ihrer Verpackungsabfälle recyceln.Österreich erfüllt bereits heute sämtliche EU-Vorgaben bis 2025. Lediglich beim Recycling von Kunststoff haben wir noch Luft nach oben. Um auch dieses Ziel zu erreichen, ist der einzige Weg, auf innovative Verpackungen, Verpackungsreduktion und – wo möglich – 100 Prozent Recyclingfähigkeit bei Kunststoffverpackungen zu setzen. Fest steht, das Recycling von Kunststoffverpackungen in Österreich muss in den nächsten vier Jahren verdoppelt werden, um die EU-Ziele 2025 zu erfüllen.

Über die Circular Economy und ihren Mehrwert für Handelsunternehmen.
Die Circular Economy beschäftigt sich mit neuen Anforderungen an Produktion, Produktgestaltung und Verpackungen. Optimales Verpackungsdesign bezieht auch die Recyclingfähigkeit der Verpackungen mit ein und da kommen wir zum Circular Packaging Design, welches die Grundlage für die Erreichung der vorgegebenen Recyclingquoten bildet. Ziel ist es, Design for Recycling mit Design from Recycling zu verbinden.
Circular Design bietet Händler:innen folgende Vorteile:

• Ressourcen können eingespart werden.
• Prozess- und Kosten werden optimiert.
• Ökologischer Fußabdruck verbessert sich.
• Positionierung als nachhaltiges Unternehmen.
• Stärkung der Akzeptanz von Verpackungen bei Konsument:innen.

Ressourceneffiziente Verpackungen nutzen hochwertige Sekundärrohstoffe aus dem Recycling in größtmöglichem Ausmaß. Nur so kann der Verpackungskreislauf geschlossen werden. Ganz im Sinn des EU-Kreislaufwirtschaftspakets, das gezielt auf verstärktes Recycling und die ressourcenschonende Gestaltung von Verpackungen setzt.

Auf der Website der ECR Austria gibt es einen kostenlosen Leitfaden zum Packaging Design for Recycling zum Download! Hier erfährst du alles über die Gestaltung einer Produktverpackung, um eine optimale Zirkularität zu erreichen. Auch der FH Campus Wien hat eine Circular Packaging Design Guideline entwickelt, die kostenlos downgeloadet werden kann. Du möchtest mehr über „Circular Packaging im Handel“ erfahren? Am 23. September findet im Rahmen des „Tag des Handels“ eine großangelegte Podiumsdiskussion zum Thema statt.

Dabei werden sich Leonore Gewessler, Bundeministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Horst Leitner (Hofer), Alessandro Wolf (Lidl) und Harald Mauke (ARA) mit der Kreislaufwirtschaft und dem Verpackungsmanagement auseinandersetzen. Es wird über die Rolle des Handels im Verpackungsdschungel gesprochen sowie gemeinsam mit den Teilnehmer:innen Zukunftsperspektiven der Verpackungswirtschaft diskutiert werden. Diesen spannenden Programmpunkt solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen. Tickets für den Tag des Handels – eines der spannendsten Events des Jahres – kannst du dir noch online bis zum 16. September 2021 sichern. (JG)

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

Corona lässt Regionalität und Bio im Lebensmittelhandel boomen

Auch wenn viele Österreicher im Jahr 2020 den Gürtel enger schnallen mussten, konnte im Lebensmittelhandel ein signifikantes Umsatzplus bei Biomarken und nachhaltigen Produkten beobachtet werden. Spitzenreiter und neuer Marktführer in Österreich: die SPAR Warenhandels AG.

Redaktion: Angelika Gabor.

Im Gespräch mit Handelsverband-Geschäftsführer Ing. Mag. Rainer Will legte Gerhard Drexel anschaulich dar, wo die Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg liegen, wie es weitergehen wird und wo die größten Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft liegen.

Seit 1990 ist Drexel im Vorstand von Spar, seit 2001 in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden der Spar Warenhandels AG. Als solcher kennt er das Unternehmen natürlich wie seine Westentasche und ist an der Unternehmensstrategie sowie dem Erfolg maßgeblich mitbeteiligt. Anfang 2020, also noch vor dem Ausbruch der Pandemie, schnappte sich Spar die Marktführerschaft im österreichischen Lebensmittelhandel vom Mitbewerber REWE. Im Herbst betrug der Marktanteil laut jüngster Brancheninfo 34,2 Prozent, im Dezember sogar 37,1 Prozent – ein Plus im Vergleich zu Dezember 2019 um stolze 3,1 Prozentpunkte. Offensichtlich fanden im letzten Quartal die Kunden wieder zur ihrer zu Beginn der Corona-Krise schwächelnden Vorliebe für Frische in Bedienung zurück – der Trend zu SB ohne Kontakt zu Mitarbeitern ist gebremst. „Als im März 2020 – es war ein Freitag der 13. – der Lockdown ab dem darauffolgenden Montag verkündet wurde, hatten wir schon einen Informationsvorsprung durch unsere Tochter in Italien. Für uns war es sehr wichtig, die Anatomie der Coronakrise genau zu analysieren, um entsprechende Maßnahmen zu setzen“, erzählt Drexel.

Doppelstrategie als Schlüssel zum Erfolg.
Drexel ist überzeugt davon, dass sein Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen wird – der Marktanteil ist ein deutliches Indiz dafür, dass er Recht hat: „Der erste Teil unserer gut durchdachten Corona-Doppel-Strategie nahm Anlehnung an Hans Domizlaffs Bestseller über die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens.“ Mit diesem Ziel im Blick wurden etliche Maßnahmen umgesetzt: die Verteilung von Gratis-Mundnasenschutz-Masken, die Willkommensgeste bei der Verteilung durch die Mitarbeiter und auch das Hygienemanagement sorgten dafür, dass die Kunden sich sicher fühlen konnten – und offensichtlich gerne zum Einkaufen kamen. „Parallel dazu haben wir nie aufgehört, an den Erfolgsfaktoren der Zukunft weiterzuarbeiten. Dazu zählen beispielsweise die offensive Marktbearbeitung und die konsequente Weiterentwicklung unserer Eigenmarken.“ Besonders die günstige Eigenmarke S-Budget wurde stark erweitert: „Durch die aktuelle Lage – Rekordarbeitslosigkeit und sehr viele Menschen in Kurzarbeit – sind viele Menschen gezwungen, günstig einzukaufen. Mit S-Budget wollen wir da ein breites Angebot schaffen.“ Schließlich gaben in Umfragen 30 Prozent der Österreicher an, weniger für Lebensmittel auszugeben; 14 Prozent erklärten, nur noch lebensnotwendige Güter zu kaufen. Im Jahr 2020 kamen bei Spar 280 neue Eigenmarkenprodukte zum Sortiment, verteilt über alle Preissegmente. Zudem wurden die Expansionspolitik und die Ladenerneuerung konsequent weitergeführt.

Regional und lokal.
Gerade im Lockdown zeigte sich, dass die Kunden Wert auf österreichische Hersteller legen – je regionaler, desto besser. „Wir haben die Kooperation mit österreichischen Lebensmittelproduzenten, Brauereien usw. forciert. Im Fokus lagen dabei insbesondere lokale Hersteller, die aufgrund ihrer Kapazitäten nur einige wenige Filialen mit ihren Produkten beliefern können“, führt Drexel aus. Aktuell hat Spar rund 7.000 lokale Biobauern und Produzenten als Partner.

Bei Molkereiprodukten beträgt der Anteil österreichischer Produkte 95 Prozent, bei Backwaren 90 Prozent – Tendenz steigend. Aktuell beliefern etwa 500 lokale Bäcker naheliegende Filialen. Drexel: „Wir sind quasi der Erfinder der Regionalisierung im Lebensmittelhandel. Natürlich haben wir auch internationale Markenartikel – ein Whiskey kommt eher aus Irland.“ Spar hilft seinen Partnern auf Wunsch auch beim Ausbau ihrer Strukturen und Kapazitäten, um größere Gebiete abdecken zu können.

Boom bei Bio und Nachhaltigkeit.
Auch wenn es ob der finanziell angespannten Situation paradox erscheint, greifen die Österreicher vermehrt zu Bioprodukten. Im Zeitraum vom 1.1.2020 bis zum 31.8. 2020 stieg der Umsatz der Spar Natur pur Produkte um 26 Prozent. „Je unsicherer das Umfeld für die Konsumenten ist, umso sicherer wollen sie sich ernähren“, kennt Drexel den Grund. Spar verzichtet bei über 5.000 Eigenmarkenprodukten auf Glyphosat, Palmöl und Gentechnik. Insgesamt kauften die Österreicher im 1. Halbjahr laut Statista GmbH rund 96.723 Tonnen Bioprodukte – also aus ökologischer Landwirtschaft ohne synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel – im Lebensmitteleinzelhandel. Im gesamten Jahr 2010 wurden vergleichsweise 111.912 Tonnen Bio-Lebensmittel verkauft. Der rollierenden Agrarmarktanalyse der Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH (RollAMA) zufolge sind vor allem die Milch-, Joghurt- und Eiersortimente in Bioqualität besonders gefragt. Insgesamt lag der Anteil der umgesetzten Frischeprodukte im Lebensmittelhandel in Bio-Qualität im Jahr 2019 bei knapp 10 Prozent, im Juni 2020 erstmals über 10 Prozent. Aktuell sind laut Verein Bio Austria rund 22 Prozent der heimischen landwirtschaftlichen Betriebe nach den Kriterien der Bio-Landwirtschaft zertifiziert – das entspricht 24.225 Höfen bzw. rund 24 Prozent der österreichischen Agrarflächen, das ist EU-weiter Spitzenwert.

Mit Hilfe eines eigenen wissenschaftlichen.
Ärztebeirates mit 6 bis 7 ständigen Mitgliedern arbeitet Spar seit 15 Jahren an der Weiterentwicklung seiner Produkte. Das Ziel: gesunde Rezepturen. Der Gesundheitsbeirat legt dabei nicht nur fest, welche Inhaltsstoffe wünschenswert sind, sondern auch, was weggelassen wird. Bekanntes Beispiel hierfür ist die Reduktion von Zucker. Oder eben Bio-Qualität. „Wir haben uns schon früh dazu bekannt, dass wir für ein flächendeckendes Glyphosatverbot in der Landwirtschaft eintreten. Die österreichische Bundesregierung muss endlich Courage zeigen und das nationale Verbot – das schon zwei Mal im Parlament beschlossen wurde – auch endlich zum Gesetz machen“, meint Drexel energisch. Leider verabsäumten es die Regierungsparteien in der Nationalratssitzung vom 20. Jänner 2021, das zuvor angekündigte Teilverbot für das Pflanzengift einzubringen. Glyphosat ist unter anderem im Unkrautvernichter Roundup enthalten, dessen Hersteller Monsanto nun zur deutschen Bayer AG gehört. Mitte 2020 schloss Bayer einen Kompromiss zum Abschluss von etwa drei Viertel der aktuell gerichtsanhängigen Roundup-Verfahren: satte 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro sollen die Fälle aus der Welt schaffen. Weniger giftig wird der Stoff dadurch nicht.

Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie.
Schon längst haben wir uns in Österreich daran gewöhnt, dass beim Kauf von abgepackten Fleisch- und Milchprodukten auf der Packung steht, wo das gute Stück herkommt und verarbeitet wurde. Seit April 2015 ist die EU-weite Fleisch-Kennzeichnung aller Fleischsorten verpflichtend. Allerdings betrifft das nicht fertig verarbeitete Waren. Wer im Gasthaus ein Wiener Schnitzel genießt, wird nur im Ausnahmefall und auf Nachfrage erfahren, wo das Kälbchen vor der Schlachtung herumhopsen durfte. Unfair, findet Drexel: „Warum gibt es keine Kennzeichnungspflicht in Gastronomie, Kantinen und öffentlichen Bereichen? Eine Kennzeichnung von Fleisch, Eiern und Milchprodukten in diesen Bereichen würde die Gäste zufriedener machen.“ Da dies aber die Kosten für die Gastronomen erhöhen würde, hat er einen Vorschlag zur Unterstützung der krisengebeutelten Branche parat: „Aktuell gibt es eine Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie auf 5 Prozent. Ich würde vorschlagen, diese Senkung permanent zu belassen, wenn im Gegenzug dafür eine Herkunftskennzeichnung stattfindet.“ Spar bietet seit 25 Jahren Rind-, Kalb- und Schweinefleisch zu 100 % aus Österreich an, ausgezeichnet mit dem AMA Gütesiegel. Auch Eier und Milch sind seit Jahren ausschließlich von heimischen Produzenten.

Hemmschuh Pflastikpfand?
Aktuell werden in Österreich durchschnittlich sieben von zehn PET-Flaschen fachgerecht recycelt – wobei Wien einem Sammelanteil von nur einem Drittel aller Plastikflaschen das unrühmliche Schlusslicht darstellt. Um die Vorgaben der Europäischen zu erfüllen (und Strafen zu umgehen), muss die Rücklaufquote deutlich gesteigert werden. Als probates Mittel wird die Einführung eines Einwegpfandsystems beworben: Ende Jänner präsentierte die grüne Umweltministerin Leonore Gewessler in einer Wiener Lidl-Filiale einen entsprechenden Pfandautomaten. Handelsverband und Spar-Vorstand können dieser Idee hingegen gar nichts abgewinnen. „Die Politik sollte uns nicht grundlos das Leben erschweren. Ein Zwangspfand auf Einwegplastik ist populistisch und der falsche Weg. Wir Nahversorger würden zur Mülldeponie verkommen, vom Hygieneproblem mit Restflüssigkeiten ganz zu schweigen. Es gibt bereits tolle Sammelsyteme, die müssen lediglich ausgeweitet werden“, wird Drexel deutlich. Auch der Handelsverband ist vehement dagegen. Will: „Angesichts der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ist es unverantwortlich, in ganz Österreich flächendeckend ein Pfandsystem einzuführen. Allein die Anschaffungskosten eines Leergutautomaten liegen zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Viele kleine Betriebe können sich das nicht leisten.“ Statt dessen plädiert Will für die Umsetzung des von der WKÖ ausgearbeiteten 10-PUNKTE-PLANs zur Erreichung der EU-Abfallquoten mit einer alltagstauglichen Kreislaufwirtschaft – zu einem wesentlich günstigeren Preis.

Mercosur – Fluch oder Segen?
Geht es nach Drexel, ist der von der EU angepeilte Mercosur-Handelspakt (eine Freihandelszone mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) eindeutig ein Fluch. Wie viele andere fürchtet auch er, dass billiges Rindfleisch im Austausch gegen deutsche Automobile den österreichischen Markt überschwemmen könnte. Neben der billigen Produktion in Massentierhaltung ist das Rindfleisch auch fürs Klima ein Drama: „In Brasilien erzeugtes Rindfleisch verursacht in der Produktion 80 kg CO2, in Europa hingegen entstehen nur 22 kg CO2“, so Drexel, „Wir haben uns schon im Juli 2019 deutlich gegen diesen Handelspakt ausgesprochen und diese Entscheidung auch klar begründet. Es darf nicht sein, dass Deutschland zollfrei Autos liefern darf und wir im Gegenzug hormonbelastetes Rindfleisch zu Schleuderpreisen importieren müssen.“ Bei der Aufzucht der Rinder in Brasilien kommen Wachstumshormone zum Einsatz, die in Europa verboten sind – ebenso wie mit Pestiziden belastetes Futter. Dafür kostet es nur etwa die Hälfte von österreichischem Fleisch. Im Vertrag ist vorgesehen, dass jährlich 99.000 Tonnen Rindfleisch, 180.000 Tonnen Zucker und 100.000 Tonnen Geflügel zollfrei aus Südamerika importiert werden dürfen – in der Hoffnung, dass Zölle auf die Exporte von Autos und anderen Industriegütern wegfallen. Doch während in Europa die Mindeststandards hinsichtlich Umweltschutz, Tierschutz und Klima ständig strenger werden, wird beim importierten Fleisch darauf verzichtet. Drexel: „Das bedeutet den Bankrott für unsere Rinderbauern.“

Aktuell sind die Verhandlungen allerdings ins Stocken geraten – sehr zum Missfallen Portugals, das aktuell den Vorsitz des EU-Rates inne hat und die Unterzeichnung des Abkommens zum zentralen handelspolitischen Ziel seiner Präsidentschaft erklärt hat. Die rasante Abholzung des Amazonas-Regenwaldes bereitet insbesondere angesichts des voranschreitenden Klimawandels immer mehr Menschen Sorgen. Als größter Handelspartner und Investor in den vier Mercosur-Ländern mit 260 Millionen Konsumenten birgt der Deal großes Potential. Allein im Jahr 2019 exportierte die EU Waren im Wert von 41 Milliarden Euro in diese Staaten. Natürlich kann sich auch die EU-Kommission nicht gänzlich vor der Kritik verschließen. Um ein Aufschnüren des seit 2019 im Wesentlichen ausverhandelten Paktes, der nur auf die Ratifizierung wartet, zu verhindern, ist die Formulierung von Protokollzusatzerklärungen im Gespräch.

In diesen Erklärungen soll die Verbindlichkeit der Nachhaltigkeit – Stichwort illegale Brandrodungen – festgeschrieben werden. „Dieser ‘Beipackzettel’ ist nichts wert. Sobald der Vertrag unterzeichnet ist, wird munter weiter abgeholzt, und Bolsonaro (Präsident Brasiliens, Anm.) macht, was er will“, ärgert sich Drexel. Denn auch wenn im bisherigen Vertragsentwurf ein Bekenntnis zum Übereinkommen der Klimakonferenz von Paris enthalten ist – es sind keinerlei Sanktionen bei Verstößen festgelegt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. In seiner derzeitigen Form steht der Mercosur-Deal jedenfalls im klaren Widerspruch zum „Green Deal“ der EU, wie die unabhängige Studie eines internationalen Forscher-Teams unter Beteiligung der HU Berlin, der Senckenberg Gesellschaft und des UFZ unter Leitung der Universität Oxford „The EU-Mercosur Agreement fails to meet the three tenets of sustainable trade: inclusion, transparency & enforcement;“ zeigt. Die Art und Weise, wie Rindfleisch und Soja-Viehfutter produziert werden sowie die damit einhergehende Flächengewinnung durch Rodung des Regenwaldes ohne Rücksicht auf indigene Bevölkerungsgruppen macht die Einhaltung der drei Säulen des EU-Nachhaltigkeitskonzeptes unmöglich. Zusammengefasst wird der Freihandelspakt die Zerstörung des Amazonasgebietes noch beschleunigen, denn schon jetzt wird in der Anbauregion für europäischen Konsum alle drei Minuten die Fläche eines Fußballfeldes gerodet. AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021