Es braut sich ein Sturm zusammen

Der 7. eCommerce Logistik-Day widmete sich erneut der Zukunft des Online-Handels und bot neben spannenden Diskussionen konkrete Lösungsansätze für die Bereiche Intralogistik und den Paketversand. Als Hybrid-Event war die Veranstaltung nur für einen exklusiven Teilnehmerkreis in den Räumen des Österreichischen Handelsverbandes live erlebbar. Sämtliche Vorträge und Podiumsdiskussionen wurden jedoch aufgezeichnet und sind – wie schon im Vorjahr – in voller Länge abrufbar.

Redaktion: Marcus Walter.

7.ECOMLOG22 – „Als wir vor sieben Jahren den 1. eCommerce Logistik-Day durchführten, hatten wir im Vergleich zur Gegenwart eigentlich gar keine Probleme.“ Mit diesem Rückblick eröffnete Moderator und Mitorganisator Bernd Kratz am 8. September die bereits siebte Auflage der renommierten Fachveranstaltung für den Onlinehandel. „Im Gegensatz zu damals haben wir mittlerweile sechs Krisen“, betonte Kratz. Der geschäftsführende Gesellschafter der Management-Beratung EMA ist zugleich Mitgesellschafter des Instituts des Interaktiven Handels IDIH, einem der eComLog-Kooperationspartner.

40 Schiffe vor der Deutschen Bucht.
Zur Coronakrise sei als zweite Krise die Unzuverlässigkeit im Schiffsverkehr hinzugekommen. Als Beispiele nannte er den Unfall im Suezkanal und den derzeitigen Stau von bis zu 40 Containerschiffen in der Deutschen Bucht, die seit längerem auf ihre Löschung warten. Aber das sei laut Kratz erst der Anfang. „Denn es gibt noch viele weitere Schiffe, die jetzt noch in China liegen. Wenn die dort freikommen, dann haben wir sechs bis acht Wochen später eine Flut von Schiffen, die in Deutschland gelöscht werden müssen.“ Unternehmen wie Lidl hätten bereits auf diese Krise reagiert und in eigene Schiffskapazitäten investiert. Die dritte Krise sei die Invasion Russlands in der Ukraine und die vierte Krise die Klimakrise. Der ausbleibende Regen hat bei den Flüssen zu niedrigen Pegelständen geführt, so dass sie die Binnenschiffe zum Teil nur noch mit geringer Auslastung befahren können. „Das heißt, das wir die Ware nicht mehr ins Hinterland befördern können, ohne verstärkt auf den LKW umzusteigen“, stellte Kratz fest. Als fünfte Krise nannte er den Fachkräftemangel im gewerblichen Bereich. Diese sei unter anderem dafür verantwortlich, dass Schiffe nicht mehr in gewohntem Tempo entladen werden können. Die sechste Krise sei schließlich die Energiekrise in Folge der EU-Boykottmaßnahmen gegenüber Russland. „Heute wollen wir diskutieren, welche Folgen die genannten Krisen auf den elektronischen Handel haben“, so Kratz

Lager bietet hohes Automatisierungspotenzial.
Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development von Element Logic, griff in seinem Vortrag die genannten Krisen auf. „Die Politik soll zunächst die selbstgemachten Krisen lösen. Wir kümmern uns dann um den Rest,“ lautete sein Credo. Durch die Corona-Pandemie habe der Personalmangel in bestimmten Branchen weiter zugenommen. In dieser Situation sei das Automatisieren von Prozessen im Lager eine passende Antwort. „Die Prozesse im Lager bieten ein hohes Potenzial für Automatisierung“. Hier kämen vor allem die Ware-zur-Person-Kommissionierung in Frage. Diese könne zudem mit der Roboterkommissionierung von Einzelteilen und automatische Kartonaufrichter ergänzt werden. „Das Eliminieren der Wegezeiten bei der Ware-zur-Person-Kommissionierung durch ein AutoStore-Lager ist ein riesiger Hebel“, hob Kieninger hervor, der anschließend noch einige bereits realisierte Kundenlösungen vorstellte.

Bei den Installationen komme es vor allem auf Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und eine optimale Nutzung der vorhandenen Flächen an.
Andreas Miller, Principal Strategic Project Manager bei der Knapp AG, stellte in seinem anschließenden Vortrag Alternativen zur skandinavischen AutoStore-Lösung vor. Mit dem Open Shuttle Store bieten die Österreicher eine pragmatische und leicht skalierbare Automatisierung für bestehende Behälterlager mit herkömmlichen Lagergängen. Die Shuttles fahren autonom und können den Einsatz von manuell betriebenen Flurförderzeugen ersetzen. Diesbezügliche Projekte seien einfach und schnell umzusetzen.

Stammdaten sind oft das Problem.
Auf der Plattform „Digital2go“ hat Knapp zudem eine Reihe intelligenter Produkte versammelt wie zum Beispiel den KHT MultiScan. Dabei handelt es sich um einen mobilen Tisch, der das Erfassen von Stammdaten inklusive der Maße und Gewichte erleichtert. „Je besser die verfügbaren Daten über meine Produkte sind, desto besser kann ich damit arbeiten“, ist Miller überzeugt. „Stammdaten sind der erste Schritt für eine Automatisierung und genau hier liegt oft das Problem.“

Als dritter Referent erläuterte Thomas Hagen, Head of AutoStore & Automatisation bei der österreichischen Post AG, wie sein Unternehmen als Fulfillment-Dienstleister auf die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an die Paketlogistik reagiert. Im Spannungsfeld zwischen Echtzeitdaten, Retouren und Personalengpässen habe sich die Post für den Bau einer AutoStore-Anlage entschieden. Mit der Investition werden die bestehenden Prozesse im benachbarten Hochregallager ergänzt.

Flexibel durch Outsourcing.
Der Vortrag von Petra Dobrocka, Chief Commercial Officer und Gründerin der byrd Technologies GmbH, beschäftigte sich mit Strategien für Onlinehändler, um flexibel auf Umsatzschwankungen reagieren zu können. Das österreichische Startup byrd ist ein Dienstleister für derzeit rund 350 eCommerce-Unternehmen und übernimmt für diese die Bereiche Lagerung sowie das Verpacken und Versenden der Aufträge. Durch den Einsatz eines externen Logistikdienstleisters minimieren die Händler ihre Fixkosten, wodurch sich auch Nachfragerückgänge und Wirtschaftskrisen gut verkraften lassen. Zugleich könne man sich durch das Outsourcing auf die Kernbereiche wie zum Beispiel das Optimieren des Sortiments oder des Shopsystems konzentrieren. Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband Österreich, versorgte die Teilnehmer wieder mit einem Feuerwerk an Zahlen und Fakten zum derzeitigen Zustand der Branche. „Ich würde gerne Zuversicht verbreiten, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache“, so Will. Vor allem die Energiepreise würden dem Handel stark zu schaffen machen.

Strom um 1.400 Prozent teurer.
Die Großhandelspreise für Strom seien im Vergleich zum Sommer 2021 um 1.400 Prozent gestiegen. Nicht zuletzt deshalb befinde sich das Konsumvertrauen der Verbraucher auf Talfahrt. „Wer einen großen Teil seines Einkommens für Energie ausgeben muss, kann weniger konsumieren“, stellte Will fest. Es sei demnach nicht verwunderlich, dass der Handel in Österreich insgesamt einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent verzeichnet. Mit einem Minus von 17,3 Prozent ist der Kfz-Handel besonders stark betroffen. Auch der Personalmangel spiele dabei eine Rolle: Gegenwärtig könne die Branche 19.000 Stellen nicht besetzen. Vor diesem Hintergrund richtet der Handelsverband klare Forderungen an die Politik: Der Arbeitsmarkt müsse umfassend reformiert werden und es müsse einen Energiekostenzuschuss für alle Handelsbetriebe geben. Außerdem empfiehlt der Verband eine Abgaben- und Gebührenreform sowie eine weitere substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten. Schließlich würde auch die Einführung einer globalen Mindeststeuer für eine Verbesserung der Lage sorgen.

Unglaubliche Auswirkungen.
Von der Politik zurück zur Versandlogistik beförderte anschließend der Vortrag von Walter Trezek, der Vorsitzende des beratenden Komitees des Weltpostvereins. Weltweit sei ein weiter anhaltendes starkes Wachstum der Paketlogistik zu erwarten, wobei China zu den Treibern dieser Entwicklung gehöre. „In China werden mittlerweile 52,8 Prozent des Einzelhandels digital abgewickelt,“ berichtete Trezek. Dies habe „unglaubliche Auswirkungen auf die Infrastruktur“. Wer wissen möchte, wie unsere Infrastruktur in sechs bis sieben Jahren aussieht, muss nur nach China schauen“, empfiehlt Trezek. Mit Blick auf andere Kontinente betonte Trezek, dass sich in der Branche derzeit „ein Sturm zusammenbraut“. In Europa würden wir davon zur Zeit am stärksten getroffen. In Folge der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie der Finanzkrise gehe das verfügbare Einkommen der Konsumenten zurück. Trezek hielt seinen Vortrag gemeinsam mit Florian Seikel, Geschäftsführer der Logistic Natives. Seikel wies darauf hin, dass in jeder Krise auch eine Chance stecke. „Wer sich jetzt als Händler komplett digitalisiert, hat in der Zukunft einen Wettbewerbsvorteil“, so Seikel.

Realismus statt Ideologie.
Das Überwinden von Krisen thematisierte auch Oliver Wagner, Geschäftsführer des Zentralverbands Spedition & Logistik. „Die österreichische Logistikbranche hat die Coronakrise hervorragend gemeistert und die Bedeutung der Logistik verstärkt in das öffentlich Bewusstsein gerückt“, so der Verbandschef. Während des Lockdowns sei eine sehr sachorientierte Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern möglich gewesen – ein Zustand, den sich Wagner auch für andere Zeiten wünschen würde. Was die Dekarbonisierung und den Klimaschutz angehe, seien sich die Spediteure ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Man brauche jedoch realistische Rahmenbedingungen anstelle praxisferner Ideologien. Selbst im Jahr 2040 werde der Straßengüterverkehr noch der beherrschende Verkehrsträger sein.

Fehlende Vorbildfunktion.
Auch Wolfgang Kubesch, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik Österreich, ging in seinem sehr kurzweiligen Vortrag mit der Politik streng ins Gericht. Trotz einseitiger Abhängigkeit von Gas und Öl aus Russland habe die Regierung bislang kaum etwas unternommen, um dieses Ungleichgewicht abzubauen. Außerdem vermisse Kubesch die Vorbildfunktion des Staates und der Entscheidungsträger beim Energiesparen. Zudem konstatierte er, dass die bisherige Politik westlicher Industriestaaten des „Wandels durch den Handel“ offenbar gescheitert ist. Die Zahl autokratisch geführter Staaten sei nicht zurückgegangen, sondern weiter gestiegen, während die Demokratie auf dem Rückzug sei.

Ergänzt und vertieft wurden die Vorträge durch zwei von Bernd Kratz moderierte Podiumsdiskussionen. Während der ersten Runde ging Kratz der Frage nach, welche konkreten Erfahrungen Produzenten und Lieferanten im Rahmen der Krise gemacht haben. In der zweiten Podiumsdiskussion standen die Erfahrungen des Handels im Vordergrund. Bei Interesse können beide Podiumsdiskussionen und sämtliche Vorträge des 7. eCommerce Logistik-Days in vollständiger Länge auf www.logistik-express.com und unter https://logfair.online abgerufen werden. (MW)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Wenn’s wirklich wichtig ist… Post investiert in e-fulfilment

Der Onlinehandel boomt unbestritten. Als Paketversanddienstleister Nr. 1 in Österreich bietet die Post eine umfangreiche Servicepalette fürs E-Commerce-Business. Um an der Spitze zu bleiben, ist Automation das Zauberwort. Logistik express im Gespräch mit Wolfgang Einer, Executive Vice President, Österreichische Post AG.

Beitrag: Angelika Gabor.

Die Volatilität bei der Nachfrage bedingt flexible, skalierbare Intralogistiksysteme. Welche Lösung ist hier die beste?
Es gibt keine one-fits-all-Lösung. Wir haben uns für eine AutoStore-Anlage entschieden, ein automatisiertes Lager- und Kommissionierungssystem. Denn selbst im Drei-Schicht-Betrieb konnten wir die Mengen manuell nicht mehr bewältigen. Derzeit wird in Enzersdorf an der Fischa die mehr als 800 m² große Anlage aufgebaut, kommendes Jahr soll sie in Betrieb gehen. Mit dieser modularen Gesamtlösung – der größten Investition in der Geschichte der Post Systemlogistik – sind wir für die Zukunft gerüstet und können die gesamte Kette für den e-Commerce in der DACH-Region anbieten.

Wie hat sich die Pandemie ausgewirkt?
Covid hat definitiv das Mengenwachstum beschleunigt, und das Onlinehandelsvolumen wird auch nicht mehr auf das Vor-Pandemieniveau zurückgehen. Wir haben 2-3 Jahre in der Entwicklung übersprungen.

Welche ist die beste Herangehensweise zur Automatisierung eines Logistikstandortes?
Wir haben den Markt ausgiebig sondiert und aus der Fülle der Anbieter auf ein paar für uns passende eingegrenzt. Früher war es leicht, gab es vor 20 Jahren ein neues System am Markt, dann war das die fixe Lösung für alle für die nächsten 15 Jahre. Aber heute sind Angebot und Auswahl schier unendlich. Die Herausforderung ist es, ein System zu finden, das einen auch in Zukunft nicht limitiert.

In welchen Bereichen gibt es noch das meiste Optimierungspotential?
Österreich ist in der Entwicklung leider noch etwas hinten, wir müssen einen Schritt zurückgehen, um die Schwachstellen zu sehen: wir müssen etwa genau überlegen, wie das Order-Management im jeweiligen Betrieb funktioniert. Die technische und physische Logistik entscheiden über Erfolg oder Misserfolg eines Shops. Hier ist es nötig, sich die Zeit zu nehmen und wirklich zu analysieren. Denn eine Homepage mit Versand allein macht noch lange keinen erfolgreichen Webshop. Der Kunde möchte die Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort erhalten, und die Automatisierung hilft uns dabei.

Welche Branchen sind Ihrer Meinung nach die Automatisierungskaiser, und warum?
Unternehmen mit kleinteiligem Sortiment haben es naturgemäß immer leichter, Branchen wie etwa die Pharmaindustrie. Auch hängend transportierte Kleidung war ein Renner, geht jetzt aber zurück. Sperrige Artikel hingegen lassen sich kaum automatisieren, die erforderlichen Geräte wären zu schwer und zu groß. Keiner wird beispielsweise Fitnessgeräte automatisiert kommissionieren. Automatisierungslösungen helfen dabei, eine bestimmte Performance zu schaffen. Gleichzeitig werden Logistikflächen rarer. Jeder Kunde möchte möglichst schnell seine Ware, aber keiner möchte den dazugehörigen LKW sehen.

Stichwort Retourenhandling: wie sehen Ihre cleversten Lösungen für die unterschiedlichen Branchen aus? (Vorteile/Nachteile)
Wir von der Post sind davon überzeugt, dass sich die Retourenabwicklung in einer Transformation befindet. Früher konnte man Waren immer kostenlos zurückschicken, aber hier findet ein Umdenken statt – auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Es kam durchaus häufig vor, dass Kunden sich im Internet verschiedene Größen und Farben eines Modells bestellten, einen Artikel behielten und den Rest retournierten. Das hat sich in letzter Zeit geändert. Es ist ein politischer Konsens nötig, dass diese Bepreisung wichtig und richtig ist. Ich bin auch der Meinung, dass das System der Retourenabwicklung grundlegend geändert werden sollte. Ob Retouren zurück ins Versandlager gehen, oder in ein Extra-Lager, oder in eine Aufbereitung (beispielsweise waschen), oder gar in den stationären Handel. Im Idealfall ist kein weiter Transport nötig.

Gibt es eine Grenze für Automatisierung, die man nicht überschreiten sollte? (zB hinsichtlich der Komplexität)
Prinzipiell nein. Aber nicht jedes Produkt ist für eine Automatisierung geeignet. Trotzdem sind wir heute noch sehr weit von den Grenzen der Automatisierung entfernt.

Intralogistik im Jahr 2040: was erwartet uns? Was wird es Ihrer Meinung nach nicht mehr geben?
Solch eine Prognose ist unmöglich, dazu ist unsere Zeit viel zu schnelllebig. Jeder, der das behauptet, macht nur Schabernack. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

eCommerce & Logistik on tour

Die Blogtour des LOGISTIK express hat im Juni zwei wichtige Veranstaltungen besucht: den eCommerce Day 2022 in Wien und das VNL Logistik-Forum Wien. Beide Veranstaltungen hatten Top-Referenten zu bieten und die heimische Logistik-Elite war präsent. Wir haben einige Vertreter vor der Kamera gebeten und befragt.

Redaktion: Peter R. Nestler.

Der Handelsverband bat am 22. Juni zum eCommerce Day 2022 ins Nordlicht im Norden Wiens. Trotz der Hitze ließen sich die Onlinehandelsexperten nicht zwei Mal bitten – der Andrang war enorm. Mehr als 300 Teilnehmer zeigten sich beim Gipfeltreffen der heimischen eCommerce-Branche. Den ganzen Tag über gab es spannende Fachvorträge und Podiumsdiskussionen. Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes und dessen Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses, Werner Sejka von Puls4 moderierte durch das Tagesprogramm.

Die Themenpalette war breit gefächert und reichte vom Influencer Marketing im eCommerce über moderne Shopsysteme, das Thema Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative Paymentlösungen bis hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement 3.0. Das Kongressmotto lautete dieses Mal #gamechanger – die Bedeutung von eCommerce ist bei vielen Leuten seit der Pandemie so richtig ins Bewusstsein gerückt. Der eCommerce Day hat das nochmals eindrucksvoll unterstrichen. Wir haben uns wohl gefühlt und sind aus dem Reden mit den Gästen gar nicht mehr nachgekommen. Der LOGISTIK express hat einige Teilnehmer vors Mikrofon gebeten: https://youtu.be/3ntkpoPtgVY

Mitreißend präsentierten sich auf der Veranstaltung der YouTube-Star, Influencer und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde spannende Antworten auf die Frage, wie “Rockstar-Marketing” in der Praxis funktioniert. Unter den prominenten Gästen zu sehen waren: Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter, shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility), Nick Holscher (Connected Retail by Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria), Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian Steinwender (Concardis Nets Group), Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox) und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria) sowie Isabel Lamotte (Handelsverband).

Ein Highlight der Veranstaltung war wieder die Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark Awards 2022 unter der Schirmherrschaft von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head of Business Development Digital, Mastercard) und Rainer Will für herausragende, innovative eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.

Die diesjährigen Award-Gewinner sind:

  • Gewinner in der Kategorie “Best Mobile Performance”: Julius Meinl am Graben.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Omnichannel Experience”: Hornbach.
  •  Gewinner in der Kategorie “Best Online Shop”: Lampenwelt.

 

Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) lud am 19. Mai zum 29. Logistik-Forum Wien 2022 ein. Gastgeber war dieses Mal die Österreichische Post AG, das Treffen fand daher auch in der Konzernzentrale der Österreichischen Post in 1030 Wien statt und hatte das Hauptthema „Lieferketten in Turbulenzen: Wie bleiben wir wettbewerbsfähig?“ Dazu gab es hochinteressante Keynotes: „Turbulenzen in Lieferketten: die volkswirtschaftliche Perspektive“, dargebracht von Stefan Fink, Chief Economist bei KPMG Österreich,

„Die neue österreichische CO2-Steuer“, mit Harald Galla (Steuerberater, Partner LeitnerLeitner), topaktuell: „Geopolitische Einschätzung Russlands und der Ukraine – eine kurz und mittelfristige Perspektive“, mit Univ. Prof. Dr. Gerhard Mangott (Professor für internationale Beziehungen, Universität Innsbruck) sowie „Die aktuelle Lage am Öl- und Gasmarkt“ mit Siegfried Kiss (Head of Business Development, RAG Austria AG).

Abgerundet wurde das VNL Logistik-Forum 2022 mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie bleiben wir wettbewerbsfähig? Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für SCM und Logistik?“. Zur Diskussion versammelten sich: Gerhard Mühlhans (RHI Magnesita), Claes Lindgren (IKEA), Alexander Till (Hafen Hamburg), Niklas Nitsch (Siemens), Stefan Huemer (Rexel); die Moderation übernahm Prof. Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien).
Mehr auf www.vnl.at  (PN)

Eine weitere Top-Veranstaltung der Logistik gab es am 23. Und 24. Juni, den 27. Logistik Dialog 2022. Veranstalter BVL Bundesvereinigung Logistik lud diesmal zum Flughafen Wien in die nigelnagelneue Event Location Vienna International Airport City Space und tatsächlich folgten mehr als 800 Branchenvertreter der Einladung. Beeindruckend war gleich einmal die Fülle an Ausstellern, die der BVL rekrutieren konnte. Zu „rekrutieren“ passt auch der Caterer der Mittagsverpflegung, die wurde nämlich von der Bundesheer Logistikschule zur Verfügung gestellt: Gulasch aus der „Kanone“.

BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner wachte wohlwollend über die Veranstaltung mit dem Slogan „Empowerment For Future“ und zeigte sich zufrieden über die zahlreiche Teilnahme. Schön zu sehen waren die viele persönlichen Gespräche zwischen den Keynotes, die sich an den Ständen anbahnten. Nach mehr als zwei Jahren Pause durch die Pandemie trifft sich die Branche wieder live. Wir haben uns wie viele andere auch den Weg durch die vielen Ausstellerstände gebahnt und jede Menge Spannendes gesehen: Menschen, Produkte, Lösungen – insgesamt eine großartige Leistungsschau der österreichischen Logisitikwirtschaft.

An beiden Tagen gab es eine Fülle an großartigen Vorträgen und Panels, der Zuschauerraum war dementsprechend zum Bersten voll. Die Themen reichten dabei von „Supply Chain Fitness Now Europe“ über „Circular Regional Value“, „Infrastruktur Fläche Nutzung“, „Cloud Crowd Share“ bis zum Special „Commerce Trend Service“. Durch die abschließende Fachausstellung „Alles Logistik“ führten schließlich gemeinsam Bundesministerin Dr. Susanne Raab und BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner. Leider konnten wir nicht zur Networkingnight am zweiten Tag bleiben – dem Vernehmen nach war diese aber sehr unterhaltsam.

Die Stimmung in der Branche würden wir nach einer kurzen Befragung einiger Teilnehmer als gespannt, aber zuversichtlich bezeichnen. Dieses Build ergibt auch unsere am BVL Logistik-Dialog 2022 gedrehte Blogtour wieder: https://youtu.be/FPhCX-1KapQ

Zusammengefasst stellen wir fest: Es gibt zahlreiche Probleme – Krieg am Rande Europas, mangelndes Personal insbesondere bei den Frächtern, stark steigende Energie- und Treibstoffkosten, hohe Inflationsraten etc. Aber die Logistikbranche ist sich ihrer Bedeutung mehr denn je bewusst und stark gewillt, Lösungen anzubieten – im Sinne und für das Wohl aller!
Mehr auf www.bvl.at

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022

 


Paketversand mit Öko-Touch

Onlinebestellungen boomen, mit der Verpackung wächst der Müllberg. Bis jetzt! Im neuen Pilotprojekt der Post und der FH Oberösterreich in Kooperation mit DM, Interspar Weinwelt, Intersport, Tchibo und Thalia kommen Mehrwegverpackungen zum Einsatz. Go green lautet die Devise!

Redaktion: Angelika Gabor.

Allein im Dezember 2020 stellte die Post in Österreich mehr als 18 Millionen Pakete zu. Der Lockdown, die Pandemiesituation und das nahende Weihnachtsfest legen die berechtigte Vermutung nahe, dass es in diesem Dezember nicht weniger sein wird. Und auch wenn die Recyclingrate von Altpapier hierzulande mit rund 78 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt, ist das trotzdem eine große Anzahl an Kartonagen, die auf dem Müll landen.

„Allein in Österreich sehen wir 30 Prozent Wachstum beim e-Commerce. Für die Post spielt Nachhaltigkeit schon seit über 10 Jahren eine wichtige Rolle, sei es durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen für die CO2-neutrale Zustellung oder die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen. Mit der „Grünen Verpackung“ gehen wir den nächsten Schritt“, freut sich DI Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik der Österreichischen Post AG.

Seit 2020 forscht die Post gemeinsam mit der FH Oberösterreich an wiederverwendbaren und nachhaltigen Verpackungslösungen für den Paketversand – im Februar 2022 geht es los, bis Juli 2022 dürfen die verschiedenen Variranten der „Grünen Verpackung“ sich im echten Leben = Warenverkehr beweisen. Die Mehrwegverpackungen werden für Bestellungen bei den fünf kooperierenden Handelsunternehmen eingesetzt, wobei die Kunden vorher nicht wissen, ob sie eine Mehrwegverpackung erhalten oder eine Einwegschachtel.

10.000 Schachteln, 4 Varianten.
Prof. (FH). DI Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Oberösterreich, war in den Auswahlprozess involviert, für den Handelsunternehmen und Kunden gleichermaßen befragt wurden. Aus den 40 verschiedenen getesteten Verpackungslösungen wurden schließlich vier herausgefiltert: Re-Zip Boxen, Re-Zip Bags, Packoorang Bags und Returnity Weinboxen. „Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Kunden Mehrwegverpackungen wichtig finden – und mehr als die Hälfte der Befragten dafür auch mehr bezahlen würde. Zudem kommt demnächst auch der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (CEAP) der Europäischen Kommission zum Tragen, in dem es unter anderem um die Verringerung von Verpackungen geht“, erklärt Staberhofer.

Die Kosten für das Projekt trägt zur Hälfte das Land Oberösterreich, auch wenn es in ganz Österreich läuft: sämtliche Postfilialen, Postpartner und das Filialnetz der Handelspartner nehmen teil. Umundum: „Wir starten mit insgesamt 10.000 Verpackungen, aber wir sind bereit, bei Bedarf aufzustocken. Auch erwarten wir, dass nicht jeder seine Verpackung auch tatsächlich retourniert. Aber es wird auf jeden Fall einen erklärenden Begleittext im Paket sowie eine Informationskampagne während des Feldversuchs geben.“ Zumindest während des Pilotprojekts ist die Rückgabe völlig kostenlos – ein späteres Pfand wird aber abhängig von der Resonanz nicht ausgeschlossen. Während die Verpackungen aktuell noch aus Dänemark und China kommen, ist das Ziel, diese zukünftig in Österreich produzieren zu lassen. Diesbezügliche Gespräche sind bereits am Laufen – ein Gewinn für die heimische Wertschöpfung und die Umwelt.

So funktioniert‘s.
Für den Kunden gibt es im Online-Bestellprozess keine Änderung, er wird wie gewohnt von den teilnehmenden Unternehmen abgewickelt. Nur dass die Waren in wieder verwendbaren Verpackungen via Post ausgeliefert werden. Diese lassen sich einfach und klein zusammenfalten und dann entweder in einen Briefkasten werfen oder persönlich retournieren: in Post-Geschäftsstellen, SB-Zonen, beim Post-Zusteller oder in einer Filiale des Unternehmens, bei dem man bestellt hat – die gemischte Rückgabe ist zumindest im Pilotversuch (noch) nicht möglich.

Die Verpackungen werden bei Bedarf gereinigt und gehen erneut in den Versand. Die Ergebnisse der im Vorfeld durchgeführten Studie der FH Oberösterreich über 40 nachhaltige Verpackungslösungen zeigen, dass der Aufbau eines Mehrwegzyklus‘ die größten Emissionseinsparungen erzielt. Im Anschluss wird die FK eine ökologische Bilanz erstellen, aber da die Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen oder recyceltem PET bestehen, ist mit einer durchaus positiven Nachhaltigkeitsbilanz im Vergleich zu Einwegkartons zu rechnen.

Die Partner und ihre Motivation.
Die fünf involvierten Handelsunternehmen eint der Gedanke der Nachhaltigkeit als Beweggrund, an diesem Experiment teilzunehmen:

Das Thema Zukunftsfähigkeit liegt im Fokus von dm, wie Mag. Elmar Riepl, Bereichsmanager Logistik, Direktkunden- & Filiallogistik, erklärt: „Wir möchten unsere Kunden sensibilisieren, wie jeder Einzelne seinen ökologischen Fußabdruck reduzieren kann, und das spiegelt sich beispielsweise auch in unserer Sortimentsauswahl wieder. Der Onlinehandel ist ein Serviceangebot an unsere Kunden, und die „Grüne Verpackung“ eine großartige Chance, weshalb auch sämtliche Filialen in die Rückgabe der Verpackungen eingebunden werden.“

Als Pionier der Mehrwegverpackung von Getränken im Onlinehandel stand die Teilnahme an dem Pilotprojekt für Mag. Lukas Wiesmüller, Leiter Nachhaltigkeit, SPAR Österreich, nicht zur Debatte: „Schon im Jahr 2000 haben wir mit der weinwelt den ersten Onlineshop eröffnet und ständig an Verbesserungen gearbeitet. Ab Februar wird nun ein Teil der Bestellungen auf weinwelt.at in faltbaren Mehrwegboxen mit gepolsterten Innenfächern verschickt. Für den Rückversand werden Beutel mitgeliefert, wo die gefalteten Boxen platzsparend verstaut und über die Post retourniert werden können. Mit dem Test sammeln wir wichtige Erfahrungen für Mehrweg-Logistiklösungen für alle unsere INTERSPAR-Onlineshops und andere Produkte.“

Natur und Emotionen im Freien stehen oft im Fokus bei den Kampagnen von INTERSPORT, da liegt das Thema Nachhaltigkeit dann klar auf der Hand. Mag. Günther Junkowitsch, Leitung Logistik und Personal, INTERSPORT AUSTRIA: „Als einer der größten Sportfachhändler Österreichs bietet Intersport mit seinen stationären Shops und dem Onlineshop alles, was das Sportlerherz begehrt. Selbst bei Onlinebestellungen erfolgt der Kauf regional. Mit der Teilnahme am Projekt möchten wir die Bereitschaft der Kunden herausfinden, beim Einsparen von Verpackung zu helfen. Es wird spannend zu erfahren, wie der Konsument auf gebrauchte Verpackungen reagiert. Für den Anfang werden wir Textilien, Schuhe und kleinere Produkte mit der „Grünen Verpackung“ ausliefern.“

Nach 15 Jahren nachhaltiger Geschäftstätigkeit war für Mag. Erik Hofstädter, Geschäftsführer, Tchibo Österreich, das Projekt ein logischer nächster Schritt: „Hinsichtlich Verpackungen reduzieren wir kontinuierlich unseren Materialeinsatz – wie bei der nahezu plastikfreien Textilverpackung oder der Möglichkeit, Kaffeebohnen verpackungsfrei einzukaufen – und fördern zudem Mehrweglösungen, etwa bei Tragetaschen und beim Coffee to go. Besonders interessant wird sein zu sehen, wie die Rückgabe funktioniert, in die natürlich sämtliche Filialen eingebunden sind. Wir sind gespannt, wie die Kunden die „Grüne Verpackung“ annehmen und wie gut das mit den mehreren Zyklen funktioniert.“

In Zeiten von e-Readern und digitalen Büchern ist der Buchversand zwar rückläufig, dennoch freut sich Andrea Heumann, Geschäftsführerin, Thalia Österreich, auf das Potential des Projektes: „In Zeiten von Onlineshops, Pandemie und immer größerem Versandaufkommen müssen Lösungen des Verpackungsproblems gefunden werden. Unser Angebot an E-Books, digitalen Hörbüchern, oder auch unsere aufbereiteten eReader schont Ressourcen in der Produktion, aber auch bei Verpackung und Transport. Zwar reduzieren wir durch unseren Filial-Abholservice und die neuen, 24h geöffneten Abholstationen bereits die Anzahl der Versandaktionen, aber auch die restlichen Sendungen möchten wir mit der „Grünen Verpackung“ nachhaltig, recyclebar und umweltfreundlich abwickeln.“

Die Idee der Mehrwegverpackung ist zwar vielleicht nicht neu, aber in dieser Form durchaus innovativ, und auch die Vielfalt der teilnehmenden Unternehmen verspricht einen aussagekräftigen Praxistest. Hoffen wir, dass er positiv ausfällt. (AG)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

BLOGTOUR im Post-Logistikzentrum in Kalsdorf bei Graz

Die Anforderungen an die Paketlogistik sind seit Ausbruch der Pandemie deutlich gewachsen. Der Onlinehandel hat für einen ordentlichen Boom beim Versand von Paketen gesorgt. Auf unserer BLOGTOUR haben wir uns die Antwort der Österreichischen POST AG auf diese Herausforderungen angesehen und waren zu Gast beim neuen Post-Logistikzentrum in Kalsdorf bei Graz.

Beitrag: Peter Nestler.

Der Logistik Express wird künftig bei den Logistikern in Österreich einen Blick hinter den Vorhang wagen. Dazu wurde das Label BLOGTOUR geschaffen, das Informationen aus der Branche aus erster Hand fachlich aufarbeiten und für unsere Leser und Zuseher darstellen wird. Zuseher? Ja! Denn die BLOGTOUR erstellt von unseren fachlichen Logistikreisen auch professionelle Videoblogs. Diese gibt es auf der Website des Logistik Express zu sehen.

BLOGTOUR – bei der Post in Kalsdorf.
Unsere erste BLOGTOUR hat uns zur Österreichischen Post nach Kalsdorf bei Graz geführt. Dort wurde das Logistikzentrum Steiermark in 8041 Kalsdorf bei Graz im Jahr 2020 in Betrieb genommen. Es ist mit einer Fläche 25.000 Quadratmetern das derzeit größte seiner Art beim Branchenprimus Post AG und befindet sich unweit des Flughafens Graz in der Industriezeile 3, Objekt 20. Die Grundstücksfläche beträgt 91.500 Quadratmeter, die Produktionshalle allein nimmt davon 16.000 und die Zustellbasis 7.500 Quadratmeter verbaute Fläche ein. Rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verteilung sowie 190 in der Zustellung verarbeiten täglich rund 130.000 Sendungen. Diese werden im Sortierzentrum mit einer Geschwindigkeit von zurzeit 2,7 Metern pro Sekunde auf insgesamt 260 Sortierziele im Endausbau verteilt.

Logistik ist sauber und nachhaltig.
Angekommen am Standort offenbart sich uns ein sehr geordnetes Bild: Das neue Logistikzentrum der POST AG ist modern, übersichtlich und klar gegliedert. Auffällig ist insbesondere der groß dimensionierte Platz zum Laden von Elektrofahrzeugen, eine Busstation und die groß dimensionierte Photovoltaikanlage am Dach des Hauptgebäudes – alles Zeichen der Nachhaltigkeitsstrategie der Post in Österreich.

Auf unserer BLOGTOUR haben zwei Experten der Post durch die Anlagen geführt: Franz Leitner, Geschäftsfeldleiter Logistikzentren & Transport Matthias Hofmann, Geschäftsfeldleiter Strategische Netzwerkplanung & Steuerung. Sie haben mit uns gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen geworfen und erklären den täglichen Arbeitslauf im Logistikzentrum Kalsdorf. „Es beginnt am Nachmittag, dann füllen sich die Hallen“, weiß Leitner.

Die Arbeit am Standort Kalsdorf beginnt bei der Annahme aller Sendungen. Diese stammen von Postfilialen, individuelle Abholungen bei Kunden oder von Post Partnern. Diese erste Welle heißt Vorlauf und geschieht wochentags bis etwa 18 Uhr. Nach dem Entladen erfolgt bis ca. 22 Uhr die Grobverteilung und der Hauptlauf mit der Verbringung in die österreichweiten Logistikzentren der Post (6 Briefzentren und 9 Paketzentren) bis etwa 2 Uhr früh. Dort geschieht die Feinverteilung bis ungefähr 4 Uhr, danach der Transport im Nachlauf bis etwa 5 Uhr früh. Erst dann erfolgt die Zustellung, die in den meisten Fällen bis 18 Uhr abgeschlossen ist.

„Das alles schaffen wir in einer sehr guten Qualität mit einer Zustellung von 97 Prozent der von uns beförderten Pakete mit Zustellung am nächsten Tag, bei den Spezialprodukten mittels Post Express entsprechend schneller – nämlich bis 13 Uhr am Folgetag“, verrät Leitner. Die Hallengröße der Sortieranlage in Kalsdorf umfasst 23.850 Quadratmeter und beherbergt zwei Quergutsorter Crossorter mit einer Lauflänge von je 1 Kilometer. Aktuell liegt die Systemleistung des Sorters der Firma Vanderlande von 15.000 TE pro Stunde. Der Ausbau auf eine Leistung von 25.000 TE/h ist aber bereits geplant, so Leitner.

Die Fördertechnik hat eine Länge von zwei Kilometer und erlaubt zunächst 12 Eingabelinien für LKW. Der Ausbau sieht noch weitere drei Eingabelinien auf insgesamt 15 vor. Sechs dieser Linien stehen für Kleinfahrzeuge zur Verfügung, zunächst fünf (später acht) Eingabelinien sind für Rollbehälter konzipiert, weiters stehen 24 (später 32) Zielrutschen für LKW als Matrixrutschen zur Verfügung, zusätzlich 57 Zielrutschen für Rollbehälter im Hauptgebäude und noch 27 Zielrutschen im Nebengebäude. Die Zusteller haben 110 (später 144) Pufferendstellen zur Verfügung und es gibt auch einen eigenen Sperrgutkreisel mit drei Eingabelinien.

„Stolz sind wir hier in Graz auch auf unseren Rapid Unloader, den wir mit der TU Graz gemeinsam entwickelt haben“ sagt Leitner. Dieser erhöhe die Effizienz im Logistikzentrum und reduziere die Belastung für Mitarbeiter durch das schwere Heben bei der Entladung der Paketen enorm.

Gelber Riese, ganz grün.
Die Post treibt neben dem Ausbau in der Logistik auch ihre Nachhaltigkeitsstrategie voran. Dazu haben wir uns auf der BLOGTOUR einiges ansehen können. An erster Stelle steht wohl das Herzstück der Strategie: die Photovoltaikanlage am Logistikzentrum in Kalsdorf. Dies sei bereits Standard auf allen Logistikzentren der Post, sagt Leitner. Weitere Eckpunkte dieser Grünen Logistik sind: Forschung für Pufferspeicher mit ausgeschiedenen Batterien der Post-Flotte, Ankauf von grünem Strom nur aus Österreich, aber auch die Errichtung von Fledermausnistplätzen, Krötentunneln, Bienenstöcken etc.

Für einen Logistiker wohl am wichtigsten ist aber der Fuhrpark. Hier geht die Österreichische Post Richtung E-Mobilität, verrät uns Matthias Hofmann. „Bereits heute haben wir etwa 2.000 E-Fahrzeuge auf der letzten Meile im Einsatz. Das reicht von Lastenfahrrädern, E-Mopeds über kleinere Pkw bis hin zu den Pakettransportern.“ Bis 2030 will die Post auf der letzten Meile CO2-frei unterwegs sein. Ab 2024 werden keine Verbrenner mehr neu in den Fuhrpark übernommen. Ende 2022 stehen bereits 3.000 E-Fahrzeuge im Dienst der Post AG. (PN)

Welche Fahrzeuge das sind, sehen Sie im Video zu unserer ersten BLOGTOUR: https://bit.ly/3tYOZ5B

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021

Österreichische Post: Gelber Riese mit grünem Herzen

Die Pandemie hat den Umbau in der Paketlogistik erheblich beschleunigt: Ein deutlicher Zuwachs beim Onlinehandel sorgte für mehr Arbeit bei der Österreichischen Post AG. Diese begegnet den Anforderungen mit Investitionen und einem grüneren Weltbild. Post-Vorstand Peter Umundum beantwortet unsere Fragen.

Redaktion: Peter Nestler.

Der Weg war vorgezeichnet: Zusätzlich zum allgemeinen Anstieg im E-Commerce hat der Onlinehandel nach Ausbruch der Pandemie mit ihren beschränkenden Maßnahmen weltweit im Jahr 2020 stark zugenommen. Die Ausgaben der heimischen Konsumenten im so genannten Distanzhandels wurden auch im Vorjahr überwiegend vom E-Commerce getragen und erreichten 2020 mit 8,7 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert. Von insgesamt 8 Mrd. Euro Online-Umsatz fallen bereits 1,2 Mrd. Euro auf den Mobile Commerce. Das bedeutete im Vorjahr einen massiven Zuwachs von plus 50 Prozent.

Diese Warenströme wollen auch an die Konsumenten gebracht werden. Branchenprimus Österreichische Post AG zeigt sich durchwegs vorbereitet. Als österreichischer Marktführer in der Paketlogistik hat das Unternehmen im Jahr 2020 insgesamt 166 Mio. Pakete transportiert – über 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor (127 Mio. Pakete). Auch heuer für 2021 wird mit einem Mengenzuwachs im zweistelligen Prozentbereich gerechnet. Vorbereitung ist dabei alles. Und die Post ist gut vorbereitet auf das Mengenwachstum. Dafür sorgen Erweiterungen in der Logistik und strategische Partnerschaften beziehungsweise Kooperationen. Seit August 2019 stellt die Post unter anderem auch DHL-Pakete in Österreich zu. Allein das hat der Post noch einmal rund 20 Mio. Pakete mehr gebracht.

Das Briefgeschäft sei dagegen im Zuge der Digitalisierung weiter rückläufig, berichtet Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik bei der Österreichischen Post. Dennoch gebe es auch hier Bereiche, die sogar ein gewisses Wachstum aufweisen. So habe das Volumen an größeren Briefen im Zuge der steigenden E-Commerce-Aktivitäten in Österreich ebenfalls zulegen können.

Der österreichische Handel gehört bei diesen Wachstumstrends im Pakethandel nicht zu den Gewinnern. „Jedes zweite Paket kommt aus dem Ausland und die großen Internethändler haben auch pandemiebedingt ordentlich zugelegt“, weiß Peter Umundum Mit einer Österreichbrille betrachtet, habe der heimische Handel da durchwegs einigen Aufholbedarf, fügt er an. Die Post leistet mit dem Onlineportal shöpping ihren eigenen Anteil dazu. „Wir haben im vergangenen Jahr deutlich über 1000 Anbieter auf shöpping dazugewonnen. Somit sind dort nun insgesamt 1800 Händler und über 3 Millionen Produkte vertreten“, so Umundum. Das über das Portal generierte Umsatzvolumen habe sich 2020 verdreifacht.

Noch ist das 2017 gestartete Projekt der Post im Aufbau : „Wir verdienen derzeit noch nichts damit“ sagt Umundum. Es handle sich um ein klassisches skaliertes Geschäft, das weiteres Wachstum brauche, um für den Betreiber auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Somit müssen weitere Anbieter und auch Abnehmer dazukommen. Ein erfolgreicher Schritt sei die Kooperation mit der 7Ventures, dem Investment-Arm von Österreichs führender Privat-TV-Gruppe ProSieben Sat.1PULS4.

Für den Konzern insgesamt ist Umundum operativ sehr zuversichtlich, ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 abliefern zu können. „Da hilft uns natürlich das Wachstum im Pakethandel im Zuge der Pandemie schon“, sagt Umundum. Gleiches gelte für die Auslandsbeteiligungen der Post, lässt er durchblicken. Eine Erweiterung der Geschäftsfelder sei für die Post derzeit nicht geplant, etwa komme ein Ausbau in den Bereich Supply Chains für die Post aktuell nicht infrage.

Dafür entwickelt die Post neue Modelle gemeinsam mit dem Handel in Österreich. 2020 wurde mit dm drogerie markt eine kombinierte Kommissionierung gestartet. Wenn Kunden beim dm drogerie markt online Produkte bestellen, bietet der Drogerie-händler die Abwicklung der Bestellung seinen Filialen an. Wurde das Paket in der Filiale kommissioniert, so erteilt die Filiale dann der Post einen Abholauftrag, diese holt das Paket in der Früh ab, bringt es in ein nahegelegenes Verteilzentrum und stellt es am nächsten Tag bereits zu.

Alles, was nicht in der Filiale kommissioniert wird, geht in die zentrale Kommissionierung, die die Post Systemlogistik für dm drogerie markt übernimmt. Der Vorteil für die Handelskette ist, dass durch dieses flexible Konzept Online-Bestellungen noch schneller abgewickelt werden und Leerläufe in den Filialen sinnvoll genutzt werden

Ein weiteres spannendes Projekt habe man gemeinsam mit dem Onlinehändler zalando entwickelt. Wenn dort online bestellt wird, gibt zalando die Kommissionierung der Ware teilweise an Handelspartner, die in Österreich sitzen, weiter. Im Grunde laufen diese Prozesse ähnlich ab wie mit dm drogerie markt, „aber sie sind etwas breiter gedacht, weil es ein größeres Produktspektrum und unterschiedliche Handelspartner gibt“, so Umundum. Das klinge einfach, habe aber durchaus seine Herausforderungen in der Mengensteuerung, weil man ja nie wisse, kommen da 10 Pakete daher, 100 oder 500“, beschreibt Umundum die Anforderungen an die Post als Logistikpartner. „Das sind schon Handelskonzepte, die auch für den österreichischen Handel Chancen für die Zukunft eröffnen. Es muss allerdings auch die IT im Zusammenspiel der Lagersysteme gut integriert und entwickelt sein, um mit den Systemen der Post zu harmonieren“, weiß Umundum.

Amazon wird zum Mitbewerber.
Internethandelsriese Amazon knabbert der Post allerdings in Österreich Teile dieses Kuchens wieder weg. Besonders in den Ballungszentren haben die Amerikaner begonnen, die Zustellung mittels eigener Logistik zu erledigen. Zuletzt wurden in Wien gleich zwei Verteilzentren in Betrieb genommen. Amazon ist nach wie vor einer unserer größten Kunden und wird das auch bleiben, davon gehe ich aus. Das Unternehmen wird aber zugleich auch Mitbewerber, nachdem er gerade seine Netze aufbaut“, sagt Umundum. Strategische Überlegungen? Betriebswirtschaftliches Kalkül? Was treibt Amazon bei diesen Überlegungen an? „Ich bin mir gar nicht sicher, ob Amazon da immer ganz genau rechnet“, meint Umundum.

Vielmehr gehe er davon aus, dass dies ein eher strategischer Zugang sei, der in der Konzernzentrale entschieden wurde. Die Eigenzustellung sei ganz einfach ein Trend, der vor einigen Jahren in den USA begonnen habe, dann in Großbritannien nachgezogen wurde und nun schön langsam auch auf andere Länder ausgerollt werde.

Gefährdet sei das Zustellvolumen der Post durch diesen Move von Amazon hin zur Eigenzustellung aber nicht, lässt Umundum durchblicken. Zum einen erledigen die Amazonen dieses Geschäft nur in Ballungsräumen selbst, wo dies einfacher möglich sei. Zum anderen sei so eine Entwicklung bei anderen Versandhändlern nicht absehbar. „Bei anderen großen Händlern sehe ich diese Entwicklung nicht. Die Otto-Gruppe hat Bemühungen in diese Richtungen mit Hermes ja damals nach zwei, drei Jahren wieder eingestellt“, so Umundum.

Anders als in den Auslandsmärkten der Post. So baue in der Türkei ein großer Händler gerade sein eigenes Versandnetz aus. Insgesamt hat die Post die zunehmenden Paketmengen (+30% zum Vorjahr) nach eigenen Angaben gut abgewickelt. „Wir sind im Jahr 2020 auf eine Erstzustellungsquote von 94 Prozent gekommen“, ist Umundum stolz. Das heißt, dass 94 Prozent der gelieferten Pakete beim ersten Zustellversuch tatsächlich an der Zieladresse abgegeben werden konnten. Immerhin konnte diese Quote damit gegenüber dem Vorjahr nochmals um 2,5 Prozentpunkte gesteigert werden.

Um diese Quote weiter hochzuhalten, überlegt sich die Post auch alternative Zustellmethoden. „Wir wollen die Erstzustellquote sukzessive weiter erhöhen“, lässt Umundum durchblicken. Im „Kampf gegen den gelben Zettel“ testet die Österreichische Post einen neuen Service – die Vorzimmer-Zustellung. In Kooperation mit der A1 Telekom Austria AG und Nuki Home Solutions GmbH wird Empfängern erstmals die Möglichkeit angeboten, Pakete auch bei Abwesenheit direkt in die eigenen vier Wände geliefert zu bekommen. „Wir haben sehr gute Vertrauenswerte in der Bevölkerung. Gerade deshalb haben wir auch bereits über 800.000 Abstellgenehmigungen österreichweit, mit der uns die Menschen bereits in ihren Garten oder etwa ihre Garage lassen, um ein Paket abzustellen.

Mit der Vorzimmer-Zustellung gehen wir hier einen Schritt weiter und stellen auch dort zuhause zu, wo eine Abstellgenehmigung nicht möglich ist“, erklärt der Post-Vorstand. Das Pilotprojekt mit 100 Test-Kunden in Wien, Graz und Niederösterreich findet im Zeitraum Juli bis Dezember statt. Dafür wird die Eingangs-tür der Sendungsempfänger mit einem „Nuki Smart Lock“ ausgestattet. Damit erhält der Zusteller die Berechtigung, die Wohnungstür mittels eines mobilen Gerätes zu öffnen. Eine Bodenmatte im Vorzimmer markiert den Platz, an dem das Paket abgestellt werden soll. Hat der Kunde zudem Smart Home Geräte von A1 installiert, kann er , die Zustellung live oder bis zu 72 Stunden im Nachhinein per Video nachverfolgen. Sollte eine Vorzimmer-Zustellung nicht möglich sein, kommt der normale Zustellprozess zur Anwendung – eine Abgabe in einer Post Empfangsbox, eine Hinterlegung in einer Filiale oder bei einem Post Partner. „Während die Erstzustellquote im ländlichen Raum gegen 100 Prozent geht, richtet sich diese neue Zustelllösung vor allem an Interessierte in städtischen Gebieten, wo die Rate noch darunter liegt,“ erklärt Umundum.

Logistikzentren massiv ausgebaut.
„Im Zuge unseres mehrjährigen Ausbauprogramms investieren wir rund eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau unserer Logistikkapazitäten“, so der Post-Vorstand. „Allein bis 2022 schaffen wir damit zusätz-liche 30 Prozent an Sortierleistung.“ 2020 hat die Post insgesamt 143 Mio. Euro (CAPEX) investiert.“ Damit will das Unternehmen mit den zu-nehmenden Mengen Schritt halten und die eigene Leaderposition in Österreich absichern. Die Post als Konzern ist in acht Ländern tätig und das genannte Wachstum findet auch in den anderen Ländern in ähnlichem Ausmaß statt. „In der Türkei hat es sogar ein überdurchschnittliches Wachstum gegeben. Dort ist das Volumen der beförderten Pakete von ebenfalls rund 127 Mio. Paketen auf 188 Mio. angesprungen“, sagt Umundum.

Die neuen, größeren oder ausgebauten.
Logistikzentren der Post sind dabei strategisch über ganz Österreich verteilt. In Allhaming in Oberösterreich entsteht das derzeit modernste Logistikzentrum Österreichs. Die Post erweitert ihr seit 2014 bestehendes Paketzentrum im Bezirk Linz-Land um eine Grundstücksfläche von ca. 125.000 m², mehr als 700 bestehende Arbeitsplätze werden dadurch gesichert, mit Betriebsstart kommen 200 neue dazu.

Die Sorterleistung wird sich dann auf 33.000 Pakete pro Stunde belaufen – bisher waren es 10.500 pro Stunde. Garantiert wird dies durch den Einsatz hochmoderner Quergurtsorter. In Vomp wird inzwischen das Projekt Logistik-zentrum Tirol umgesetzt. Auf einer 100.000 m² großen Grundstücksfläche, von der rund 30.000 m² verbaut werden, entstehen ein Brief- und Paketzentrum mit integrierter Zustellbasis sowie Büroflächen für den Overhead. Investor dieses Projekts ist die Firma Derfeser – die Post investiert für Sortiermaschinen bis zu 25 Mio. Euro. Aus heutiger Sicht ist mit einer Inbetriebnahme im Herbst 2021 zu rechnen.

Schon früher wurde das Paketverteilzentrum in Wolfurt in Vorarlberg erweitert, auch damit werden 30 neue Arbeitsplätze geschaffen. Etwa 27 Mio. Euro nimmt die Post AG für diesen Ausbau in die Hand. Durch die Erweiterungen sowie Modernisierungen am insgesamt 40.000m² großen Standort, die während des laufenden Betriebes durchgeführt werden, erhöht sich die Verteilkapazität von 4.500 Paketen auf 8.000 Pakete pro Stunde. Die Fertigstellung ist im 4. Quartal 2021 geplant.

Ebenfalls neu in Betrieb genommen wurde im Vorjahr der erweiterte Standort in der Steiermark. Mit Juli 2020 hat das größte Paket-Logistik-zentrum der Österreichischen Post in Kalsdorf bei Graz seinen Betrieb aufgenommen. Auf dem fast 170.000 Quadratmeter großen Grundstück sorgen rund 370 Mitarbeiter für die Verteilung von Paketen. Außerdem erfolgt die Zustellung für den Großraum Graz von hier aus. Die Leistungsdaten des Paket-Logistikzentrums sprechen für sich: In der ersten Ausbaustufe ermöglichen die Anlagen eine Sortierleistung von 13.500 Paketen pro Stunde, dafür sorgt eine Förderanlage mit einer Gesamtlänge von rund zwei Kilometern.

Gelb wird grün.
Der zunehmenden Bodenversiegelung durch große, horizontal angelegte Produktionsanlagen begegnet die Post mit durchwegs ökologischem Antrieb: „Wir haben zum Beispiel gerade für den Standort in Allhaming zwar ein großes Grundstück verwertet, kommen aber dennoch auf eine Aufforstungsquote von 1,3“, ist Umundum stolz.

„Das Logistikzentrum in Allhaming soll auch in puncto Nachhaltigkeit ein Vorzeigeprojekt sein“, so Umundum. Dort setzt die Post insbesondere auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. So wird am Dach des Logistikzentrums eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 500 kWp installiert, die nicht nur das Zentrum, sondern auch die am Standort betriebene E-Flotte der Post versorgt. Für eine möglichst effiziente und nachhaltige An- und Abreise der Mitarbeiter wird ein betriebliches Mobilitätsmanagement umgesetzt, das Werksbusse, Fahrgemeinschaften, die Nutzung von Fahrrädern sowie Stellplätze mit Ladestationen für E-Autos und E-Bikes beherbergt. Die Grünflächen rund um das Logistikzentrum werden mit Fokus auf Biodiversität angelegt und umweltfreundlich bewirtschaftet. Am neuen Areal wird darüber hinaus ein Biotop angelegt, Nistkästen aufgehängt sowie Wildbienen angesiedelt. Zudem kommt die Post in Österreich bereits auf mehr als 20 Prozent des gesamten Fuhrparks mit E-Fahrzeugen. Man sieht: Die Post denkt und agiert durchaus nachhaltig. Die Post bleibt zwar weiterhin gelb, sie wird aber innerlich dennoch grüner. Neben dem Ausbau der Photovoltaikanlangen setze man auf einzelnen Standorten auf Biodiversität. In Wien beherbergt die Post sogar Bienenstöcke und unterstützt deren Lebensraum. Gelb wird also grün.

Bereits seit 2011 stellt die Österreichische Post alle Sendungen innerhalb Österreichs CO2-neutral zu und war damit Vorreiter unter den Postgesellschaften. Das nächste Ziel ist eine CO2-freie Zustellung bis zum Jahr 2030, was bedeutet, dass bis dahin auf der letzten Meile ausschließlich E-Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Einsatz sind. Dieses Ziel wird in der steirischen Landeshauptstadt schon deutlich früher erreicht – bereits ab September 2021 wird die gesamte Postzustellung in Graz emissionsfrei erfolgen. Dann werden auch Pakete im Stadtbereich Graz CO2-frei zugestellt. Gesamt werden dann in Graz rund 160 E-Fahrzeuge für die Post im Einsatz sein.

Post ist ein Jobmotor.
Durch die Ausweitungen der Kapazitäten gilt die Österreichische Post als der größte Jobmotor im Lande in der Logistikbranche. Der Mitarbeiter-Stand betrug am Ende des 1. Quartals im Geschäftsjahr 2021 insgesamt 17.917. Bei der Post läuft eine Joboffensive. Denn der Boom beim E-Commerce sowie die sich verändernden Ansprüche der Konsumenten bringen einen richtigen Job Aufschwung in der KEP-Branche. Als einer der renommiertesten Dienstleister in der Zustellbranche sucht die Österreichische Post, ob in der Zustellung, den Logistikzentren, den Filialen, aber auch in der IT und im Management. Ziel der wirtschaftlichen Anstrengungen der Post mit dem Ausbau von Logistikzentren und Zustellbasen, sei es, „immer stärker integriert zu operieren und zuzustellen“, verrät Umundum. (PN)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

Digitalisierung des Einzelhandels: Datengesteuerte Warenzustellung wird mit 1. Juli 2021 Realität

Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz, gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.

Beitrag: Walter Trezek.

Mit der Umsetzung des EU MwSt. Ecommerce Pakets (RICHTLINIE (EU) 2017/2455 DES RATES vom 5. Dezember 2017) tritt mit dem 1 Juli 2021 die Digitalisierung des Einzelhandels in eine neue Phase. Das Datenmodel der Finanzbehörden harmonisiert die Art und Weise wie Daten zu Einzelhandelswaren verwaltet und vor jedem Versand ausgetauscht werden müssen. Die Grundlagen der weiteren Digitalisierung des Einzelhandels, weltweiten Normen folgend, wurden festgelegt.

Digitalisierung erfordert eine andere, neue Infrastruktur.
In der EU wird sich der Anteil des digitalen Einzelhandels von heute 15% auf 30% bis 2023 verdoppeln. ¼ des online Handelsvolumens stammt aus EU-Drittstaaten. 4 Marktplätze sind für 2/3 aller Warensendungen, die in die EU importiert werden, verantwortlich. Allein 2019 importierte AMAZON etwa 650 Mio. Warensendungen grenzüberschreitend in die EU. Mehr als ¾ dieser Sendungen waren Warensendungen mit geringem Wert, bei der Alibaba-Gruppe lag das tägliche Importvolumen 2019 bei etwa 2,5 Mio. Warensendungen täglich. Nach Studien der World Free Zone Organisation rechnen die Zollfreihäfen weltweit damit, dass bis 2030 annähernd 80% des Welthandels online abgewickelt werden. Gleichzeitig hat sich der Trend von B2B zu B2C verstärkt. Der digitale Einzelhandel und damit die Warensendungsvolumen werden weiterhin zweistellig wachsen.

Statt weniger Daten zu großen Mengen (B2B) – viele Daten zu Einzelmengen (B2C).
Die Zustellung der digital bestellten Handels-waren wird eine Herausforderung. In der Zukunft können mit der heute, auf analogen Prozessen basierenden Zustellinfrastruktur, die stark wachsenden Paketmengen, nicht nach den Präferenzen der Empfänger zugestellt werden. Auch die geplante Erweiterung der Dichte an Paketstationen der Deutschen Post AG bis 2023, auf ca. 1 Mio. Fächer (2,5-fach zu 2020) wird nur in der Lage sein etwa 5 – max. 7% des Volumens über Pick-up / Drop-off Lokationen zuzustellen zu können.

Was online verkauft und zugestellt werden kann wird zugestellt.
Der Versand von Nahrungsmitteln folgt dem Versand von non-food Einzelhandelswaren. In den kommenden Monaten ist diesem Marktsegment mit einem erhöhten Wachstum zu rechnen. Die notwendige Digitalisierung der Einzelhandelswaren und die damit verbundenen Harmonisierung ist im Nahrungsmittelhandel ist bereits fortgeschritten.

Alles ist mit Allem verbunden.
In der Zustellung der Warensendungen werden die Zeit- und Ortsangaben zum Sendungsverlauf (so genanntes “Track & Trace”) durch die digitale Vorabmeldungen vervollständigt. Die erste und letzte Meile wird durch eine digital gestützte, selbstlernende Infrastruktur ergänzt. Die notwendige Verbesserung der Nachhaltigkeit und Stärkung der Kreislaufwirtschaft wird durch Vorabmeldungen auf eine neue digitale Basis gestellt.

Digitaler Wandel im Handel –> Mengenwachstum -> Infrastrukturevolution.
2019 wurden in europäischen Wirtschaftsraum bereits weniger klassische B2C Briefsendungen zugestellt als Warensendungen. Auf allen Ebenen der postalischen Prozesskette: der Annahme, Sortierung, Transport und auch Zustellung kommt es zu Konsolidierung und Kollaboration der Wirtschaftsbeteiligten.  Kritisch ist, dass die Ausstattung der Marktteilnehmer nicht zur Nachfrage passt. Mit der zunehmenden Digitalisierung wird eine datengestützte Infrastruktur notwendig, die auch eine betreiberunabhängige und unbeaufsichtigte Zustellung der digital bestellten Einzelhandelswaren benötigt.

Einzelhandel ist beides OFF- / ON-line.
Erfolgreicher Einzelhandel präsentiert, informiert und verkauft seine Einzelhandelswaren off-line im klassischen stationären Handel, digital gestützt aber genauso on-line. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Web-Präsenz, Webshop und Marktplatz. Reine digitale Marktplätze ergänzen ihre Vertriebskanäle durch stationäre Konzepte. Präferenzen von Kunden kann so on-line besser mittels click / call & collect; pick-up; drop-off und micro-fulfilment-centres entsprochen werden.

Digitalisierung der Warenlieferketten.
Was mit dem finanzpolizeilichem Zoll-Datenmodel begonnen hat, führt zu einer Harmonisierung der digitalen Beschreibung der Einzelhandelswaren, als Voraussetzung der Zustellung, aber auch der Transportsicherheit, Produkthaftung und auch der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft:

  1. Warenbeschreibung: Harmonisierung der generischen (Zollkodex) und/oder der produktindividuellen (z.B. “Global Trad Item Number”) Beschreibung;
  2. Namen und Anschriften von Absendern, Empfängern und, soweit abweichend, von denjenigen Personen, welche die jeweilige Postsendung eingeliefert oder entgegengenommen haben;
  3. Art des in Anspruch genommenen Postdienstes (digitale ID);
  4. Maße und Gewicht der jeweiligen Postsendung;
  5. die vom Postdienstleister zugeteilte Sendungsnummer (eindeutige Transport-ID
    der jeweiligen Postsendung sowie, sofern der Empfänger eine Abholstation mit Selbstbedienungs-Schließfächern nutzt (Kennung),dessen persönliche Postnummer („Zugangseröffnung“);
  6. Zeit- und Ortsangaben zum jeweiligen Postsendungsverlauf; sowie
  7. zu Zwecken der Erbringung der Postdienstleistung erstellte Bildaufnahmen von der Postsendung.
  8. Daten zu den Waren sind beim Verkauf vorhanden -> damit Zustellung nach den Präferenzen der Kunden.

Starkes Volumenwachstum erfordert verbesserte Effizienz auf der letzten Meile.
Bis zu 1/3 aller Zustellkosten fallen auf der letzten Meile an. Die Digitalisierung des Einzelhandels erhöht die Effizienz in der Zustellung auf der letzten Meile wesentlich. Das Ziel ist eine „one-stop-delivery“, die ähnlich wie bei der Briefzustellung zu einer gesicherten Abgabe der Warensendungen an jeden Haushalt, über einen für alle Zusteller offenen Zustellkasten führt. Die heute bestehende Zustelladresse wird um eine „Zugangseröffnung“ nach den Präferenzen der Empfänger im Interesse aller erweitert (insb. des Handels, aber auch der Konsumenten). Heute passen nur zu < 50% aller Warensendungen in die bestehenden, normgerechten Postfachanlagen. Damit wird eine Neudefinition der notwendigen Infrastruktur, die jeder Haushalt haben sollte (nach bestehenden europäischen und/oder auf Deutschland zu konkretisierende Normen), oder auch der Allgemeinheit zugänglichen Hinterlegungsorten notwendig.

Daten steuern die Zustellung von Waren – wem gehören die Daten?
Die Sicherheit, damit das Vermeiden von Gefahr für Leib und Leben, und das Unterbinden einer kriminellen und verbrecherischen Nutzung einer solcherart neu aufzubauenden Infrastruktur ist bereits weit vorangeschritten. Der soziale Aspekt ist dringend zu berücksichtigen und damit für eine Barrierefreiheit zu sorgen. Umweltverträglichkeit der Konzepte ist zu gewährleisten. Damit ist die digitale Bemessung des CO² Verbrauchs der individuellen Einzelwarenzustellung, die Nachhaltigkeit und Vermeidung von sekundärem Abhol- oder Zustellverkehr, aber auch drohende Verkehrsbeschränkungen – die in aller nächster Zeit sogar zu Verkehrsverboten werden könnten zu berücksichtigen.

Wettbewerbsgleichheit, das Ende der MwSt.
Hinterziehung und des Zollbetrugs sowie Ende der Verletzung von Eigentumsrechten stehen heute im Vordergrund. Mit der Standardisierung der Daten gewinnt der Einzelhandel wieder die Hoheit über seine eigenen Daten. Diese Daten sind die Daten des Handels und sollten auch allen Wirtschaftsbeteiligten offensteht. Damit sind proprietäre Datensysteme, die heute große Teile des digitalen Handels beherrschen ungeeignet und werden auch durch offene Konzepte wie eben dem EU- Zolldatenmodel abgelöst.

Gesetzliche Vorgaben, Normen.
Seit 1. Jänner 2021: Daten zu Waren-POST-sendungen (grenzüberschreitend) müssen vor dem Versand zwischen Postbetreibern ausgetauscht werden (Transport- und Konsumentenschutz; Zoll- und MwSt.). Seit 15. März 2021: Zu allen Warensendungen (KEP) vorab Datenaustausch bei einer geplanten Flugfracht. Bis 2025 gilt das für alle Transportkanäle. Bis Mitte 2024 Volldigitalisierung aller Frachtinformationen. Mit 1. Juli 2021: Daten zu allen Warensendungen müssen vor dem Versand ausgetauscht werden, trifft Importe in die EU, aber auch Intra-EU versandt. (Zoll- und MwSt.). Mandate der Europ. Kommission ermöglichen allen Wirtschaftsbeteiligten die konkrete Ausgestaltung der Normen (nach den gesetzlichen Rahmenvorgaben). Dazu gehören auch betreiberoffene, kontaktlose Übergabeeinrichtungen, sowie der notwendige Datenaustausch zwischen den Wirtschaftsbeteiligten. (Vermeidung von kriminellen oder verbrecherischen Tätigkeiten). Austrian Standards arbeitet an der Gestaltung der Europäischen Normen, als Spiegelgremium zu CEN und ist Wirtschaftsbeteiligten offen, Normen auch für Österreich zu konkretisieren.

Der logistic-natives e.V. ist das internationale Netzwerk für Logistik & Infrastruktur des modernen Handels und repräsentiert über 30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützen wir bei der Befähigung zur fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen und der Zustellung von Handelswaren durch digitale Kommunikationsmedien im Sinne der Zustellungsoptimierung, Nachhaltigkeit, life-cycle- & Retourenmanagements und der Kreislauf-logistik. (RED)

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

LOGISTIK express Journal 3/2021

INHALT 3/2021

02 Werbefenster [U2)
05 Inhalt / Editorial / Impressum
06 Die Zukunft Europas: nach der Krise ist vor der Krise
08 Die Logistik geht gestärkt aus der Krise hervor
10 Der Weg zurück wird für viele Unternehmer ein steiniger werden
12 Österreichs Handel: Jahresbilanz 2020 & Corona-Prognose 2021
16 Omnichannel Readiness Index 2021: Handel rüstet digital massiv auf
20 Kontrollen der Online-Giganten sind entscheidend für fairen Wettbewerb
22 Handel leidet, doch kein Ende in Sicht beim E-Commerce-Trend
29 Gelber Riese mit grünem Herzen
36 China Elektromobilität: Aufholjagd deutscher Hersteller im Land der Mitte
40 Datengesteuerte Warenzustellung wird mit 1 Juli 2021 Realität
44 ECOMLOG21 – Pandemie als Entwicklungs-Motor für die Logistik
46 Unermüdlich im Einsatz für Obeta – der AI-gesteuerte Roboter von KNAPP
50 SSI Schäfer liefert automatisierte Lösung für Sicherheitsschuh-Hersteller Sievi
52 DEMATIC – Aus dem richtigen Holz geschnitzt
56 Online-Shop und Ladengeschäft versorgt von einem AutoStore-System
60 Das kolossale Versagen der Politik
62 Impfreaktionen…

QUELLE: LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

 

Wer hätte das gedacht? E-Commerce ist doch nicht so böse

Viele halten die momentane, Lockdown bedingte Paketflut für einen ökologischen Supergau – schließlich müssen all die Pakete auch zugestellt werden. Studien zeigen jedoch: im Vergleich zum stationären Einkauf entstehen beim Onlineshopping sogar weniger CO2-Emissionen. Best Practice dazu: die UNITO-Gruppe liefert seit 1.1.2021 CO2-neutral.

Redaktion: Angelika Gabor.

Im Übereinkommen von Paris beschlossen knapp 190 Länder, durch eine Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen so stark zu reduzieren, dass der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt wird. Sieht man sich die aktuellen Werte an, sieht die Prognose eher düster aus. Umso wichtiger und richtiger ist es, dass Unternehmen sich selbst ambitionierte Ziele stecken, die Zukunft zu sichern. Die UNITO-Gruppe – hierzu zählen beispielsweise die Marken OTTO Österreich, Universal, Quelle und LASCANA – hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 vollständige Klimaneutralität zu erreichen. Möglich macht dies unter anderem die Partnerschaft mit den Logistikdienstleistern Österreichische Post und Gebrüder Weiss.

Im Kalenderjahr 2020 wurden in Österreich, Deutschland und der Schweiz 6,5 Millionen Sendungen für UNITO bewegt, das entspricht rund 1.500 Tonnen CO2. Alleine zu Weihnachten stieg das Sendungsvolumen um mehr als 30 Prozent. Die Bestellmengen werden auch nach Ende der Corona-Pandemie hoch bleiben, erwartet Mag. Harald Gutschi Sprecher der Geschäftsführung UNITO-Gruppe/Otto Group: „Die Menschen fühlen sich wohl beim Onlineshopping. Sie bestellen mehr und vor allem bewusster, so konnten wir im letzten Jahr 20 Prozent weniger Retouren verzeichnen.“ Einen Grund hierfür sieht er auch in der Qualität des Onlineshops: gute Bilder, ausführliche Beschreibungen und auch die Bewertung andere Kunden würden einen aussagekräftigen Gesamteindruck vom Produkt vermitteln und so die Kaufentscheidung erleichtern. Bei diesen Mengen ist der ökologische Fußabdruck natürlich gewaltig. „Unserem Vorstand (insbesondere Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Michael Otto, Anm.) ist Nachhaltigkeit sehr wichtig, und mir persönlich ein großes Anliegen. Wir haben keinen Planeten B“, so Gutschi. „Die Welt ist in Bewegung, und auch die Kunden wünschen sich Regionalität und Klimaschutz und langsam steigt auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen.“ Darum werden ALLE Bestellungen der Gruppe seit 1. Jänner 2021 CO2-neutral zugestellt.

Stationär vs. Onlinehandel.
Für die Studie „Klimafreundlich einkaufen – eine vergleichende Betrachtung von Onlinehandel und stationärem Einzelhandel“ beleuchtete das DCTI Deutsches CleanTech Institut die Transportwege verschiedener Produkte vom Zentrallager zum Kunden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Käufertypen, die bestimmte Lebens- und Einkommenssituationen haben und sich unterschiedlich verhalten. Das überraschende Ergebnis: durch den verdichteten Transport der Sendungen durch Paketdienstleister entstehen pro Sendung weniger CO2 Emissionen als beim individuellen Einkauf im stationären Handel – schließlich wird je nach Region ein überwiegender Teil der Einkaufsfahrten mit dem Auto getätigt. Sieht man sich als Beispiel den Kleinartikel Handy an, entstehen beim Kauf im Geschäft zumindest 450 g CO2, wohingegen durch die Bündelung bei der Lieferung aus dem Onlineshop maximal 310 g CO2 freigesetzt werden. Auch bei Großartikeln, wie beispielsweise einem Sofa, fällt die Bilanz mit 8,4 kg zu 8 kg CO2 weniger deutlich, aber dennoch positiv für den Versandhandel aus. In Summe gesehen sind die Einsparungen enorm, denn die Österreichische Post stellt derzeit mehr als 700.000 Pakete pro Tag für UNITO zu und im vergangenen Jahr lieferte Gebrüder Weiss rund 540.000 Großartikel wie Kühlschränke oder Möbel an Haushalte in Österreich.

Starke Partner.
Vermeiden, reduzieren und kompensieren – so die Strategie der UNITO. Bei einem Onlinehändler spielt aber auch die Wahl der Logistikpartner eine wesentliche Rolle in der Gesamtbilanz. In Österreich setzt das Unternehmen daher auf zwei Partner, die sich selbst schon lange der Nachhaltigkeit verschrieben haben. So stellt etwa die Österreichische Post AG bereits seit 2011 sämtliche Briefe, Pakete, Zeitschriften und Werbesendungen CO2-neutral zu. „Wir waren weltweit der Vorreiter bei der CO2-neutralen Zustellung, und bis 2030 wollen wir auf der letzten Meile sogar CO2-frei sein“, bestätigt DI Dr. Georg Pölzl, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Post AG. Derzeit läuft ein massiver Umbau, um dem steigenden Paketaufkommen Herr zu werden: dezentrale Logistikstandorte, eigene Photovoltaikanlagen und die Zusammenführung der Brief- und Paketinfrastruktur helfen, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. „Durch den Einsatz von Elektromobilität konnten wir zwischen 2014 und 2019 bereits 4.396 Tonnen CO2 einsparen, und unser E-Fuhrpark wächst weiter an.“ So wird Graz 2021 als erste Stadt in Österreich mit 100% emissionsfreier Zustellung zum neuen Vorreiter in puncto Klimaschutz bei der Post. Mit Elektrofahrzeugen hat die Post schließlich Erfahrung, denn schon im Jahr 1913 wurde mit dem Daimler-Tudor Elektro-Paketwagen elek-trisch zugestellt. Heute umfasst die E-Flotte bereits mehr als 2.100 moderne Fahrzeuge, die mit Strom aus den fünf hauseigenen PV-Anlagen betrieben werden. „Aktuell nicht vermeidbare Emissionen kompensieren wir durch Zertifikate 72 nationaler und 75 internationaler Klimaschutzprojekte – geprüft und bestätigt vom TÜV AUSTRIA“, führt Pölzl aus.

Für die Auslieferung größerer Artikel vertraut UNITO auf Gebrüder Weiss – das älteste Transportunternehmen der Welt mit mehr als 500jähriger Firmengeschichte. „Gerade im Lockdown konnte man den Stellenwert der Logistiker bei der Versorgungsleistung der Bevölkerung erkennen. Die Fahrer wurden quasi zu den Krankenschwestern der Logistik“, meint Dipl.-Bw. Jürgen Bauer, MBA, Mitglied der Geschäftsführung der Gebrüder Weiss Gesellschaft m.b.H. „Seit jeher ist unsere Kernkompetenz, Transporte effizient zu bündeln, wodurch der Einfluss auf die Umwelt minimiert wird.“ Gezielte Maßnahmen im Rahmen der GWcares Initiative zielen gleichermaßen auf soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ab. „Unser Ziel ist es, unseren CO2-Ausstoß jährlich um 10 Prozent zu reduzieren und bis 2030 komplett CO2-neutral zu agieren“, verkündet Bauer. Während in der letzten Meile bereits E-Fahrzeuge zum Einsatz kommen, setzt das Unternehmen für die europaweite Hauptlaufüberwindung auf Gas-LKW als Brückentechnologie. „Gemeinsam mit Kunden planen wir, Konzepte für angrenzende Länder mit Elektrofahrzeugen zu erstellen. Momentan scheitert es Großteils an der mangelnden Ladeinfrastruktur.

In der Schweiz machen wir mit Wasserstoff-LKW sehr gute Erfahrungen, aber für Österreich ist das aktuell nicht umsetzbar“, bedauert Bauer. Auch hier fehle es an der Ladeinfrastruktur, rund 15 Wasserstoff-Tankstellen mit ausreichendem Ladedruck für die Betankung eines LKW seien nötig für einen flächendeckenden Einsatz in Österreich. Bis dahin helfen Photovoltaik-Anlagen auf Logistik-Terminals, ein eigener Windpark, Pool-Fahrzeuge und E-Bikes für Mitarbeiter und klimafreundliche Schienentransportlösungen wie der Ganzzug Orange Combi Cargo für die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Auch hier wird der Rest kompensiert, im Falle der UNITO unterstützt Gebrüder Weiss ein zertifiziertes Energieef-fizienz-Projekt in Ruanda. Das langfristige Ziel: bis 2030 auch ohne Kompensation 100 % Klimaneutralität zu erreichen. Auch wenn die Corona-Pandemie momentan die Medien und den Alltag als Thema Nr. 1 beherrscht, so darf trotzdem nicht auf das Klima und die Nachhaltigkeit im unternehmerischen Tun vergessen werden. Die UNITO-Gruppe, Post und Gebrüder Weiss zeigen, dass mit Innovation und Wille ökolo-gische Lösungen umsetzbar sind, die nicht im Widerspruch zum unternehmerischen Erfolg stehen. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2021

 

Abschaffung der 22 Euro-Steuerfreigrenze für Pakete aus Drittländern

Gute Nachrichten für alle heimischen Webshops: Mit 1. Juli 2021 wird die Steuer-Freigrenze für Online-Bestellungen unter einem Wert von 22 Euro in der Europäischen Union endgültig Geschichte sein. Bereits ab sofort sorgt das Finanzministerium im Schulterschluss mit Zoll, Handelsverband und Post für fairen Wettbewerb und führt Schwerpunktkontrollen gegen die Unterfakturierung von Paketlieferungen durch.

Beitrag: Gerald Kühberger.

Derzeit werden Sendungen bis 22 Euro, die im Versandhandel aus Nicht-EU-Ländern kommen, noch ohne Abgabeneinhebung zugestellt. Bei den so genannten Kleinsendungen fällt keine Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) an, was heimische Händler gegenüber Online-Händlern aus Drittstaaten ins Hintertreffen führt. Vor allem billige Versandprodukte aus China werden so kostengünstig vertrieben. Sendungen werden von den asiatischen Händlern oftmals falsch deklariert und die Freigrenzen-Regelung so unrechtmäßig ausgereizt.

“Die Umsetzungsschritte laufen auf allen Ebenen”, so Finanzminister Gernot Blümel, der sich über die Zusammenarbeit mit dem Handelsverband und der Post AG zufrieden zeigt: “Wir gehen gemeinsam gegen Wettbewerbsverzerrung vor und sorgen für faire Handelsbedingungen für alle Unternehmen. Durch den Wegfall der Steuer-Freigrenze wird auch ein langjähriger Nachteil für heimische Händler beseitigt. Gerade bei Paketen aus Asien werden auffällig oft Pakete mit einem Wert unter 22 Euro versendet.”

“Es ist ein Gebot der Fairness, alle Marktteilnehmer steuerlich gleich zu stellen. Im Schulterschluss haben wir ein Maßnahmenbündel sowie Schwerpunktkontrollen vereinbart, um Fairplay im eCommerce sicherzustellen. Damit wird der missbräuchlichen Anwendung der 22-Euro-Freigrenze durch internationale Webshops aus Drittstaaten strukturell entgegengewirkt. Die jährlichen Mehreinnahmen von 150 Millionen Euro durch die Versteuerung ab dem 1 Cent braucht unsere Volkswirtschaft heute mehr denn je”, bestätigt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

“Wir wollen Fairness und Steuergerechtigkeit in Österreich sowie Wettbewerbsgleichheit zwischen traditioneller und digitaler Wirtschaft. Durch verstärkte Zusammenarbeit und konkrete Schwerpunktsetzung werden wir Importe von Kleinsendungen aus Drittländern künftig noch stärker als bisher ins Visier nehmen. Damit schützen wir die Interessen der österreichischen Unternehmen und gehen gezielt gegen vorsätzliche Unterfakturierungen vor”, verspricht Finanzminister Blümel entsprechende Schwerpunktkontrollen beim Zoll.

Wegfall der EUSt-Freigrenze ab 1. Juli 2021, Schwerpunktkontrollen ab sofort.
In knapp einem Jahr, mit dem Wegfall der EUSt-Freigrenze, sind somit alle Sendungen durch den Händler dem Zoll zu gestellen, eine Anmeldung abzugeben und Abgaben zu bezahlen. Um den österreichischen Handel, der besonders unter den derzeitigen Unterfakturierungen aus Drittstaaten leidet, in der Zeit bis zur tatsächlichen Einführung zu unterstützen, hat das Finanzministerium in Abstimmung mit dem Handelsverband ein entsprechendes Maßnahmenpaket geschnürt.

So werden ab sofort monatlich Schwerpunktkontrollen des Zolls im Bereich der Kleinsendungen aus Drittstaaten durchgeführt. Das Risikomanagement wird mittels Risikoprofilen in den IT-Systemen des Zolls, aber auch der Post laufend verbessert und führt vermehrt zur Aufdeckung von Unterfakturierungen. Dank der Kooperation von Post und Zollverwaltung wird Österreich auf die ausnahmslose Besteuerung von Importsendungen gut vorbereitet sein.

Bei den Schwerpunkteinsätzen wird die operative Zollaufsicht künftig den Fokus verstärkt auf Unterfakturierung, als Geschenke deklarierte Sendungen, die Angabe falscher Herkunftsländer sowie verbotene und beschränkte Waren legen. Zum Einsatz werden dabei in bewährter Weise die Röntgengeräte des Zolls sowie die Zoll-Diensthunde kommen. Um Steuergerechtigkeit für österreichische Händler weiter zu schützen und voranzutreiben, werden aufbauend auf den Erkenntnissen zu Händlern aus Drittländern neue Risikoprofile für Kontrollen entwickelt und auch die Umsätze von EU-Händlern beobachtet, ob diese die Lieferschwelle überschritten bzw. die österreichische Einfuhrumsatzsteuer entrichtet haben. Hinzu kommen gezielte Risikoanalysen, die durch die Übermittlung von mehr und mehr Daten aus dem Versandhandel möglich werden. Mit so erstellten, neuen Risikoprofilen kann der Zoll noch effizienter seiner Kontrolltätigkeit nachgehen.

“Die Österreichische Post wird dafür Sorge tragen, dass es auch künftig zu einer reibungs-losen Abwicklung bei der Zustellung von nationalen und internationalen Paketsendungen kommt”, so Post-Generaldirektor Georg Pölzl. “Selbstverständlichen ist es der Post auch ein Anliegen, den österreichischen Handel zu unterstützen und ein starker Logistik-Partner
zu sein.” (GK)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2020