Ein Unternehmen kann man nicht allein mit Technologie führen

ProGlove CEO Andreas König glaubt fest an den Wert der menschlichen Arbeitskraft. Kürzlich nahm er an der Podiumsdiskussion des Weltwirtschaftsforums „The Augmented Workforce Experience“ teil. In diesem Kommentar teilt er einige seiner Erkenntnisse und skizziert einen Weg zur bestmöglichen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Beitrag: Redaktion.

Derzeit sehen wir uns mit vielen.
Herausforderungen konfrontiert. Im anglo-amerikanischen Raum grassiert aktuell eine Kündigungswelle unter dem Schlagwort „The Great Resignation“. Dazu kommen der globale Arbeitskräftemangel und die nicht enden wollenden Unterbrechungen der globalen Lieferketten. Und dennoch scheint es, als wollte man vielerorts einen unserer größten Fehler wiederholen, indem man beim Einsatz von Technologie die menschlichen Arbeitskräfte vergisst.

Robotik, künstliche Intelligenz und Automatisierung sind Geschenke, aber wenn wir sie unseren Unternehmen einfach überstülpen, vergeben wir damit einen Großteil der möglichen Ernte. Stattdessen leisten wir ihrer Verteufelung Vorschub. Um es klar zu sagen: In der heutigen Welt sind vollautomatisierte Arbeitsabläufe eher Science Fiction denn Realität. Diese Technologien sind mit einer Reihe von kritischen Einschränkungen und Grenzen verbunden. Weit sinnvoller wäre es, sie als Ergänzung und damit als Unterstützung für die Mitarbeiter zu betrachten. Dazu muss man Vertrauen schaffen, den Mitarbeitern zuhören und den Wert ihrer tagtäglichen Leistung buchstäblich wertschätzen. Denn andernfalls werden wir am Ende einen hohen Preis zahlen.

Versuchen Sie mal, einem Roboter etwas beizubringen.
Werker einfach durch Roboter zu ersetzen, ist derzeit aus einem einfachen, aber einleuchtenden Grund keine Option: Es ist schlicht nicht möglich. Versuchen Sie einmal, einem Roboter beizubringen, ein einzelnes T-Shirt aus einem Regal zu nehmen, statt des ganzen Stapels! Oder bringen Sie ihn dazu, eine spontane Lösung für einen recht einfachen Fehler zu finden, der in einer vollautomatisierten Umgebung alles zum Stillstand bringen könnte!

Automatisierung ist zudem nicht einfach zu implementieren. Sie erfordert große Investitionen und ist mit hoher Komplexität verbunden. Hinzu kommt, dass das vielfach entfremdende Gerede über Automatisierung das Gefühl erzeugt, dass die menschliche Arbeit in der Fertigung keine Zukunft hat. Wer sollte sich so berufen fühlen, in der Produktion zu arbeiten? Ein derartiges Szenario kann also kaum dazu beitragen, den derzeitigen Arbeitskräftemangel zu beheben.

Während meiner Teilnahme am Podium des Weltwirtschaftsforums „The Augmented Workforce Experience“ erfuhr ich, dass allein in den USA derzeit etwa 800.000 Arbeitskräfte im Bereich Produktion gesucht werden. Und in fünf Jahren wird es dort wohl drei Millionen offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe geben. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass jeder Dollar, der im verarbeitenden Gewerbe ausgegeben wird, seinen Wert für die US-Wirtschaft fast verdreifacht. Ähnliches gilt sicher auch für Zentraleuropa. Dies vermittelt ein Gefühl für den Wert, der entgeht, wenn wir nicht in die Arbeitskräfte des verarbeitenden Gewerbes investieren.

Machen wir uns nichts vor: Die menschliche Arbeitskraft ist wahrscheinlich der am meisten unterschätzte Faktor in den Werkshallen und innerhalb der globalen Lieferketten. Menschen haben nicht nur die Fähigkeit, Probleme schnell zu lösen, sie können auch sofort zusammenarbeiten und haben eine intrinsische – manchmal sogar spielerische – Motivation, zu lernen. All dies ist entscheidend für das Funktionieren von Abläufen, denn wir können Unternehmen nicht nur auf der Grundlage von Technologie führen. Anstatt uns also auf eine ziellose Technologiesuche zu begeben, sollten wir uns auf die Frage konzentrieren, wie die Mitarbeiter besser mit den sie umgebenden Maschinen bidirektional interagieren können. Wir brauchen geführte Arbeitsabläufe, die die Lücken umfassend schließen, mit denen wir derzeit noch konfrontiert sind.

Die Mitarbeiter als Motor der Digitalisierung.
Wie aber können wir dabei vorgehen? Wir müssen uns mit unseren Mitarbeitern auseinandersetzen, ihnen zuhören, sie abholen und ins Bild setzen. Wir müssen ihre Arbeitsabläufe gemeinsam mit ihnen betrachten, Papier zunehmend abschaffen und sie mit einer digitalen Umgebung verbinden. Es ist von entscheidender Bedeutung, mit ihnen zusammenzuarbeiten, um ihren Arbeitsalltag zu erleichtern, sich vielfach wiederholende Aufgaben mithilfe von Technologie zu eliminieren und – zu guter Letzt – genau die Technologie bereitzustellen, die sie benötigen. Mit anderen Worten: Wir können und sollten die Mitarbeiter in den Betrieben maximal einbinden, um die Digitalisierung in unseren Unternehmen voranzutreiben.

Robotik und Automatisierung müssen die menschliche Arbeitskraft ergänzen. Daher brauchen wir „Cobots“, die an der Seite menschlicher Arbeitskräfte operieren. Sie können für Entlastung sorgen und physisch anstrengende sowie sich stets wiederholende Aufgaben weit besser erledigen. Dies erfordert natürlich auch intuitive Werkzeuge, die die Kluft zwischen beiden Welten überbrücken. Das können zum Beispiel auch Industrie Wearables sein, die den Arbeiter unterstützen und gleichzeitig die Erfassung von Datenpunkten ermöglichen, ohne ein Big-Brother-ähnliches Überwachungssystem aufzubauen.

Wir müssen das ewige Technologie-Buzzword-Bingo endlich beenden. Brechen wir die geschlossenen Systeme auf, die uns nur dazu bringen, uns auf Technologien zu stürzen, die letztlich nicht hilfreich sind und zudem einen kontraproduktiven Angstfaktor erzeugen. Vielmehr sollten wir Ökosysteme aufbauen, die menschliche Arbeit fördern und die Mitarbeiter ermutigen, ihre Erfahrungen zu teilen und sich dabei an die übergeordnete Marschroute zu halten. Dies erfordert vor allem eine kulturelle Führung, die menschliche Werte in alle Prozesse einbezieht. Diese Strategie hat alle notwendigen Zutaten, um die Arbeit zu erleichtern, die Löhne anzuheben und die Produktivität zu steigern. Kurz gesagt: Die Nutzung der Technologie dient der Wirtschaft und macht die Arbeitsplätze attraktiver, die wir jetzt besetzen müssen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

ProGlove: Logistikprozesse schützen Mitarbeiter

Mit seiner jetzt erweiterten Analyseplattform erlaubt ProGlove Anwendern einen unverstellten Blick auf die Arbeitsabläufe in ihren Werks- und Lagerhallen. Durch die neuen Funktionen kommt es zu einer Weiterentwicklung des Human-Digital-Twin-Konzepts, das unter anderem auch neue Maßstäbe im Arbeitsschutz setzen soll.

Beitrag: Redaktion.

ProGlove Insight heißt die neue Analyseplattform. Sie zielt insbesondere auch auf die Logistik. ProGlove bietet Unternehmen damit ein ganzes Ökosystem an Lösungen zur Effizienzsteigerung in der Werkshalle und stärkt damit die Rolle der menschlichen Arbeiter. Die Lösung sammelt mithilfe der smarten MARK-Handschuhscanner Daten, die weit über einen einfachen Barcode hinausgehen. So ist MARK in der Lage, über die zahlreichen Sensoren auch Bilder, Metadaten und Informationen zu verarbeiten. Die gesammelten Daten geben Einblicke in die Funktionsweise der Barcode-Symboliken, Gerätekonfigurationen, Zeitstempel, Temperaturwerte, Batteriezustand und vieles mehr.

Das liefert Unternehmen wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung der Arbeitsabläufe. ProGlove Insight erfasst somit Prozesse an ihrem Ursprung und trägt die gewonnenen Informationen bis in die Managementebene des Unternehmens. Dies ermöglicht einen Überblick über die gesamten Lagerprozesse der Organisation und unterstützt somit die  datengesteuerte Entscheidungsfindung. ProGlove Insight wird bereits an über 100 Kundenstandorten genutzt, um Arbeitsabläufe zu optimieren und die Effizienz im eigenen Betrieb zu steigern, darunter renommierte Unternehmen wie DPD und Horsch.

Neue Funktionen transformieren den Mitarbeiter in den Human Digital Twin.
Human Digital Twin ist die Vision von ProGlove. Dabei soll es nicht nur um einen einzelnen Menschen gehen, sondern um eine Kumulierung an relevanten Daten, die über die Handschuh-Scanner der Mitarbeiter erfasst und in ProGlove Insight ausgewertet werden. Die Analyseplattform ermöglicht Time-Motion-Analysen für die zugewiesenen Aufgaben. Die Anzahl der Scans lässt sich mit der Anzahl der Arbeitsschritte korrelieren, um die Arbeitsbelastung für jeden Mitarbeiter zu bestimmen. Auf diese Weise können Unternehmen beurteilen, ob die Anzahl der zugewiesenen Mitarbeiter pro Arbeitsstation angepasst werden muss. Das System liefert zudem Einblicke in die Verarbeitungszeit von Scans und unterstützt bei der Identifikation wiederkehrenden Fehler aufgrund von mangelhafter Barcodequalität. Zusätzlich helfen akustische, visuelle und haptische Warnungen bei den eingesetzten Geräten, um Unfälle und Verletzungen der Mitarbeiter zu vermeiden. Gleichzeitig können Social-Distancing-Vorgaben verträglich umgesetzt werden.

ProGlove Insight ermöglicht außerdem die Visualierung von Aktivitäten und den Vergleich von Prozessen. So können Unternehmen Arbeitsbereiche oder andere Infrastrukturkomponenten auf Basis der neuen Daten optimieren. Die Software ermöglicht eine Überwachung aller Scans und eine Erweiterung der Informationen um relevante Metadaten wie Aufträge, Prozesse und Arbeitsaufwand zu verstehen, sie mit früheren Tätigkeiten zu vergleichen und wenn nötig anzupassen. Dies gibt Aufschluss über laufende Prozesse und bietet die Möglichkeit, den ROI bei neuen Abläufen genau zu messen.Software- und Konfigurationsupdates lassen sich von einer einzigen Schnittstelle auf alle Endgeräte übernehmen. Zusätzlich ermöglicht ProGlove Insight die Identifikation individueller Geräteinformationen. So erkennt die Software, wann ein Gerät ausgetauscht werden muss. Sogar bevor dessen Akkulaufzeit endet, um einen reibungslosen Betrieb zu ermöglichen.

ProGlove Insight ist ein Ökosystem von Lösungen.
Die neue Plattform ist API-First und stützt sich auf ein ganzes Ökosystem von Lösungen: Im Zentrum des Systems stehen die smarten MARK-Barcodescanner. Das Insight-Webportal ergänzt diese und ermöglicht eine Plug & Play-Visualisierung der oben beschriebenen Prozesse. Über eine Reihe von APIs können Unternehmen die Insight-Daten auch über ihr ERP- oder Business-Analyse-Systeme nutzen und so die Daten, die bereits in diesen Systemen verfügbar sind, erweitern. Außerdem ermöglicht die ProGlove Insight Mobile-App zusammen mit dem ProGlove Gateway einen einfachen Zugriff auf Produktions- und Arbeitsstätten. Zudem bieten sie die Möglichkeit, Benachrichtigungen an Mitarbeiter direkt in Aktion zu senden. „Die Paketlogistik ist ein Spiel mit geringen Gewinnspannen und einem hohen Anteil an manueller Arbeit”, so Ville Heimgartner, Smart Urban Logistics Consultant bei DPD. „Wir müssen sicherstellen, dass wir die richtige Anzahl von Personen zur richtigen Zeit an den richtigen Stellen in unseren Depots zur Verfügung haben. Die Anzahl der Scans, wo diese stattfinden und wie schnell sie verarbeitet werden können, sind Schlüsselindikatoren, die unsere Geschäftseffizienz und Produktivität bestimmen. ProGlove Insight bietet uns die Möglichkeit, unsere Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen, entsprechende Vorkehrungen zu treffen und so ein nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.“

Wertschöpfung findet in der Fertigung und Logistik statt „Man kann davon ausgehen, dass 70 Prozent der Wertschöpfung in der Fertigung und Logistik von Menschen geschaffen werden”, sagt Andreas König, CEO von ProGlove. „Genau deshalb brauchen wir Möglichkeiten, die Prozesse zu optimieren und gleichzeitig die Rolle des menschlichen Arbeiters zu stärken.“ ProGlove Insight ist eine Mischung aus Device Management, fortschrittlicher und zukunftsweisender Analyse und Human Digital Twin – immer mit dem Ziel das richtige Gleichgewicht zwischen Geschäftsanforderungen und Wohlbefinden der Mitarbeiter herzustellen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021