LogiMAT 2022 Fachmesse mit Vorlauf: Intralogistik aus erster Hand

Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Start der Intralogistikmesse LogiMAT, die vom 31. Mai bis zum 2. Juni in Stuttgart stattfindet. Auch im zweiten Teil der dreiteiligen Serie präsentiert Logistik Express vorab die interessantesten Exponate aus zentralen Ausstellungsbereichen.

Die langjährigen Besucher der LogiMAT werden in diesem Jahr feststellen, dass sich der Charakter des Branchen-Events leicht verändert hat. Anders als früher finden die beliebten Foren nicht mehr in den Hallen, sondern ausschließlich im Eingangsbereich statt. Diese Corona-Schutzmaßnahme hat zur Folge, dass die Zahl der Fachvorträge während der drei Messetage deutlich gesunken ist.

Aus dieser Not machte der Veranstalter, die Münchner Euroexpo GmbH, eine Tugend.
Etliche Vorträge finden nun im Vorfeld der LogiMAT auf der digitalen Plattform LogiMAT.digital statt, die damit spürbar an Attraktivität gewonnen hat. Am 5. April stand zum Beispiel der LogPR-Thementag auf dem Programm. Hier ging es in zwölf moderierten Vorträgen um die Themen Automatisierung, Warehousemanagement und Disposition. Für potenzielle Besucher war das eine von vielen Möglichkeiten, sich gezielt auf die Messe vorzubereiten und einige der Top-Lösungen im Vorfeld zu betrachten. Apropos Top-Lösungen: Auch im zweiten Teil des Vorberichts stellen wir einige der herausragenden Exponate vor.

Handheld Germany stellt den neuen SP500X ScanPrinter vor. Die tragbare Scan-und-Druck-Lösung vereint 2D-Imaging, Tintenstrahldruck und drahtlose Kommunikation in einem Gerät. Der SP500X wurde für Logistikanwendungen mit hohen Volumina entwickelt, bei denen bei der Sortierung von Paketen manuell gescannt und etikettiert wird. Mit dem integrierten Drucker und Wi-Fi ist der SP500X echt mobil. Der SP500X verwendet eine patentierte Technologie von HP und druckt direkt auf Pakete und andere Oberflächen. Der leichte SP500X kann über 1.250 Scans und Ausdrucke pro Stunde erstellen. Er hat eine Lithium-Ionen-Batterie, die bis zu 5.000 Scans und Ausdrucke pro Ladung schafft. Die Druckerpatronen reichen für Tausende Ausdrucke. Die Batterie kann im laufenden Betrieb gewechselt werden, sodass Ausfallzeiten minimiert werden können. Durch die Wi-Fi-Kompatibilität lässt sich der SP500X ScanPrinter nahtlos in bestehende IT-Umgebungen integrieren und kommuniziert direkt mit den vorhandenen Back-End-System.

Das Supply Chain Technologieunternehmen Zetes präsentiert auf der LogiMAT in Halle 8, Stand A41 Innovationen für eine digitalisierte, vernetzte Lieferkette. Messebesucher erleben anhand von praxisnahen Anwendungsszenarien Supply Chain Management 4.0 zum Anfassen. So wird die Logistic Execution-Lösung ZetesMedea zur Digitalisierung von Lagerprozessen inklusive Voice-Kommissionierung und das RFID-/ImageID-Gate für eine kamerabasierte Palettenprüfung des Wareinein- und ausgangs zu sehen sein. Darüber hinaus sind Live-Demos des druckluftfreien Hochleistungs-Applikators MD 5000E zum ein-, zwei- oder dreiseitigen Etikettieren von Paletten in Kombination mit dem Packaging Execution System (PES) ZetesAtlas, des IND-Staplerterminals sowie der topaktuellen Mobilcomputer und Wearables führender Hersteller geplant.

Der Pick-by-Light-Spezialist KBS Industrieelektronik GmbH präsentiert ein neu entwickeltes Modul für die elektronische Füllstandüberwachung. Damit werden die Einsatzmöglichkeiten des KBS Systems um die elektronische Nachfüllsteuerung von Bereitstellregalen (e-Kanban) erweitert. Um die elektronische Nachschubermittlung zu erleichtern hat KBS einen Sensor entwickelt, der eine automatische Füllstanderfassung nahtlos in bestehende oder neue Pick-by-Light-Systeme integrieren kann. Die hierbei eingesetzte Technologie ermöglicht es, dass nur noch ein Sensor je Durchlaufkanal zur Füllstanderfassung erforderlich ist und Kabelführungen innerhalb des Durchlaufkanals entfallen. Der Behälter-Füllstand wird dabei durch den Sensor kontinuierlich berührungslos überwacht. Sobald sich nur noch eine definierbare Mindestanzahl an Behältern im Regal befindet, meldet dies der Sensor an die Nachschubsteuerung. In Kombination mit einem Put-to-Light-Modul kann der aktuelle Status angezeigt und der Nachfüllprozess optimiert werden, indem die leucht-
starke Blickfangleuchte visuell unterstützt und so den Nachfüllprozess beschleunigt und
Beschickungsfehlern vorbeugt.

Das Schweizer Familienunternehmen Kern AG hat sich dem leidigen Thema der übergroßen Pakete und dem Füllmaterial aus Plastik im Onlinehandel gewidmet und ein umweltschonendes Verpackungssystem entwickelt: PackOnTime 2box stellt maßgeschneiderte Pakete her, die ganz ohne Verpackungsmaterial auskommen. In einem vollautomatisierten Prozess wird die Ware ausgemessen und die Daten weitergeleitet. Aus recycelter Wellpappe stellt die Maschine ein passendes Paket her – und das im Sieben-Sekunden-Takt. Der nachhaltige Nutzen liegt auf der Hand: kleinere Pakete, weniger Volumen, weniger Lastwagen auf der Straße.

Das Robotikunternehmen Magazino zeigt erstmals öffentlich die serienreife Version des mobilen Roboters SOTO. Der vollständig autonom arbeitende Roboter automatisiert die Materialversorgung in der produzierenden Industrie und bringt Kleinladungsträger (KLT) vom Lager bis zur Montagelinie – ganz ohne manuelle Zwischenschritte. Der Roboter ist bereits in mehreren Pilotprojekten im Einsatz. SOTO kombiniert die elementaren Prozessschritte in einer einzigen, vollständig autonomen Lösung: die Aufnahme von unterschiedlich großen KLT, der autonome Transport von mehreren KLT von Quelle zu Senke sowie die Abgabe in Durchlaufregale auf unterschiedlichen Höhen. Das Einsammeln von Leergut sowie die Rotation von Kleinladungsträgern um 90° bis 180° gehören ebenfalls zum Fähigkeiten-Repertoire des neuen Roboters.

Mettler Toledo stellt erstmalig in Deutschland die Lösung TLD970 vor, mit der während der Fahrt die Abmaße von Paletten am Gabelstapler gemessen werden können. In Kombination mit der Waage TLF820, welche am Gabelstapler angebaut wird, entsteht so eine dynamische Messlösung für Volumen, Gewicht und ID. Damit können Spediteure ohne Zeitverlust während der Lagerumschlags prüfen, ob die vom Kunden angegebenen Maße und Gewichte stimmen. Denn mit jeder Palette, die ohne Kontrolle transportiert wird, können Umsatzverluste entstehen. Selbst kleinste Übermaße von Paletten können bei der Beladung von LKWs große Probleme hervorrufen und die gesamte Lade- und Routenplanung gefährden.

Das TLD970 von Mettler Toledo ist ein an der Hallendecke montiertes Messystem, dass die Abmaße von Paletten am Gabelstapler mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 15 km/h messen kann. Die Lösung ist so unauffällig integriert, dass man sie kaum bemerkt. Eine am Gabelträger montierte Waage vom Typ TLF820 und das Handscannersystem liefern zur Vervollständigung des Datensatzes das Gewicht und die ID der Palette. Ein optionales Staplerterminal führt den Fahrer durch den Messprozess und überträgt den Datensatz per WLAN an das übergeordnete IT-System des Anwenders.

Der Pick-by-Vision-Spezialist Picavi stellt den Lager-Mitarbeiter in den Fokus. Kernthema am Messestand ist neben neuen Funktionalitäten im Picavi-Ökosystem die Entwicklung einer intelligenten Analytik mit Hilfe neuronaler Netze zur Echtzeit-Optimierung im Lager. Die Lösung basiert auf einer Echtzeit-Datenerfassung mittels Datenbrille und der Nutzung dieser Daten zur Optimierung von Lagerprozessen und der Arbeitsplatzergonomie der Mitarbeiter. Picavi führt die Auswertung mit neuronalen Netzen durch. Auf dieser Basis erkennt das System eigenständig Optimierungspotenziale und schlägt konkrete Maßnahmen zur Verbesserung vor. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Erfassung von Bewegungsmustern und deren Optimierung für eine bessere Ergonomie im Lager. So können beispielsweise wiederkehrende Bewegungen, wie z.B. häufiges Bücken, erkannt und anschließend Maßnahmen zur gesundheitsfördernden Optimierung ergriffen werden.

Die KNAPP AG (Halle 3 auf Stand B05) zeigt neueste Technologien für die Automatisierung und Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette. KNAPP-Lösungen sind auf den jeweiligen Bedarf maßgeschneidert und basieren auf innovativen Technologien und modernster Software. Damit hilft KNAPP ihren Kunden, Wettbewerbsvorteile zu generieren und auszubauen. KNAPP versteht sich als Technologiepartner und bietet für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette die richtige Automatisierung, Informationen und Serviceleistungen. Innovative Roboter und Software-Tools: KNAPP zeigt die neueste Generation seines mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kommissionier-Roboters Pick-it-Easy Robot, Neuheiten rund um die autonomen mobilen Roboter Open Shuttles und das völlig neuartige Taschensorter-System AutoPocket, das erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird. KNAPP-Software, die die Technologien zu intelligenten Systemen verbindet, und innovative Software-Tools zur Analyse und Optimierung des Anlagenbetriebs runden den Messeauftritt ab.

Seit September 2021 trägt BITO-Lagertechnik (Halle 6 / Stand C31) die TÜV-Zertifizierung „Klimaneutralen Unternehmen“ und stellt auf der LogiMAT ihre hohen Grundsätze hinsichtlich Umweltschutz bzw. nachhaltiger Ressourcenschonung vor. Mit dem Fahrerlosen Behältertransporter LEO Locative ermöglicht BITO-Lagertechnik den Anwendern, den innerbetrieblichen Transport von Behältern oder Waren auf ganz einfache Art und Weise zu automatisieren, ohne dafür die komplette Infrastruktur verändern zu müssen. Die LEO-Produktfamilie wächst und passt sich den verschiedenen Marktrends an. LEO custom beispielsweise eignet sich als variable FTS-Lösung für die einfache Automatisierung des Materialtransports in der Produktion und lässt sich je nach Einsatz um individuelle Aufbauten ergänzen. Das LEO-System ist in allen Ausführungen ein unkomplizierter Schritt in Richtung Industrie 4.0. Es funktioniert ohne W-LAN und IT und kann vom Nutzer problemlos selbst installiert und in Betrieb genommen werden. Auf der LogiMAT 2022 stellt BITO-Lagertechnik die neuesten Weiterentwicklungen der LEO-Familie vor und zeigt, wie sich das System unkompliziert in unterschiedliche Prozesse einbinden lässt.

Die TGW Logistics Group (Halle 5 / Stand C13) hat sich für das digitale Zeitalter mit modernen Technologien aufgestellt und zeigt als Systemintegrator das Spektrum seiner digitalen Services. Es umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Anlage: von der Planung über die Realisierung bis zum laufenden Betrieb. Dabei stehen Innovationen im Fokus, die Unternehmen helfen, wettbewerbsfähiger zu werden.Der TGW-Stand setzt auf ein offenes Kommunikationskonzept. Neben Modulen, Systemen und Lösungen rücken auch Referenzprojekte mit namhaften Kunden in den Fokus, bspw. Coop, PUMA, Fource, Engelbert Strauss.

SSI Schäfer deckt diese komplexe Bandbreite ab und präsentiert auf der LogiMAT 2022, wie seine Kunden mit zukunftsfähiger Intralogistik einen Wettbewerbsvorteil erzielen. Auf dem Messestand in Halle 1 zeigt SSI Schäfer, wie kleinere und mittelständische Unternehmen Abläufe teilautomatisieren können – auf einfache Weise im Sinne von „Plug & Play“ und zu attraktiven Kosten. Im Ergebnis werden die Lager-, Transport- und Kommissionierprozesse beschleunigt, der vorhandene Raum effektiver genutzt und ergonomische Arbeitsabläufe garantiert. Bausteine dieser Lösungen sind unter anderem Fahrerlose Transportsysteme, Verschieberegalsysteme, Kanallager- Applikationen mit dem SSI ORBITER® und der Lagerlift SSI LOGIMAT®, die auf der Messe ausgestellt werden. Ein besonderes Highlight auf dem Messestand ist das Exponat zur Vertical Farming Lösung, die SSI Schäfer (Halle 1 D21) als offizieller Partner des Konsortiums des Deutschen Pavillons gerade erst auf der Expo 2020 in Dubai vorstellte. Die innovative wie nachhaltige Lösung wurde in Zusammenarbeit mit Infarm, dem schnell wachsenden Urban Farming Unternehmen mit weltweiter Präsenz, entwickelt und wird nun in Europa präsentiert.

Innovation ist nicht länger eine Option. Es ist eine Notwendigkeit, BEYOND zu gehen. Wir als Dematic freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass wir auch in diesem Jahr wieder an der führenden EMEA-Messe Logimat 2022 teilnehmen werden, die vom 1. März bis zum 2. Juni in Stuttgart, Deutschland, stattfindet. Zusammen mit einem neuen Standkonzept und spannenden Showcases werden wir in Halle 1, Stand 1B37 zu finden sein. Als Unternehmen mit einem starken sustainable und sehr digitalen Mind-Set, werden wir uns im Jahr 2022 auf den ganzheitlichen Ansatz unserer Lösungen > Services > Software konzentrieren, um die Zukunftsmärkte F&B, Grocery, General Merchandise, e-Com/e-Grocery und Durable Manufacturing fokussieren.

Seit 2003 ist Element Logic (Halle 1, Stand 1H21) AutoStore-Partner. Als weltweit erster offizieller AutoStore-Integrator hat Element Logic seither mehr als 150 AutoStore-Lager installiert und ist europaweit Marktführer für AutoStore-Lösungen in Europa. Element Logic, der weltweit erfolgreichste AutoStore-Distributor des vergangenen Jahres, präsentiert innovative Neuentwicklungen auf Basis bewährter Standards mit individuellem Zuschnitt. Das in Stuttgart vorgestellte Produkt- und Leistungsspektrum reicht ausgehend von einer kompletten AutoStore-Anlage mit automatisierter Behälterandienung über integrierte Einzelstückkommissionierung per Roboter bis hin zu Peripheriegeräten, Lagerverwaltungs- und Steuerungssoftware sowie umfassenden After-Sales-Services.

Das Unternehmen AM Logistic Solutions GmbH (Halle 1 / Stand B31) konzipiert und realisiert als Generalunternehmer Logistikprojekte, die sämtliche am Markt verfügbaren Intralogistiksysteme integrieren: Automatische Kleinteilelager (AKL), AutoStore, Co-Bots, autonome mobile Roboter (AMR), Regalbediengeräte und Shuttle. Fördertechnik, IT-Lösungen, Retrofit-Sanierungen sowie 24/7-Anlagenservice und Wartung runden das Leistungsportfolio ab. Die AM Logistic Solutions ist ein Tochterunternehmen der niederländischen Royal Reesink Gruppe und Teil der Reesink Logistic Solutions Division.

Wir bei Vanderlande kennen die Lagerautomatisierung in- und auswendig. Unser Fachwissen und unsere Erfahrung, die wir in den letzten 70 Jahren gesammelt haben, sind schlichtweg unübertroffen. Und all dieses Know-how steht Ihnen zur Verfügung. Lassen Sie sich von unseren Ingenieuren auf der LogiMAT von unseren Robotik- und autonomen Fahrzeuglösungen inspirieren und finden Sie heraus, warum wir der Meinung sind, dass diese innovative Technologie nicht isoliert funktionieren sollte, sondern wirklich in den Lagerfluss eingebettet werden muss. Entdecken Sie die neuesten Erkenntnisse über die einzigartige ADAPTO-Shuttle-Technologie von Vanderlande – unser automatisches 3D-Ein-/Auslagersystem mit integrierten Sortier- und Sequenzierungsfunktionen. Oder erfahren Sie, warum unsere adaptiven Taschensysteme, wie AIRPICK, die beste Lösung für Ihre Anforderungen sein könnten.

Die Fluxus Solutions GmbH (Halle 5, Stand C01) präsentiert auf der LogiMat 2022 zum ersten mal Lösungen und Dienstleistungen rund um die Themen Intralogisitk und Materialfluss. Zum Produktportfolio gehören das Paletten-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics PFS, Paletten-Einschubregalsysteme FXS Dynamics PPS & FXS Dynamics TSS, Gefällerollenbahnen FXS Dynamics GRC, Karton-Durchlaufregalsystem FXS Dynamics CFS sowie das Shuttleregalsystem FXS Automation GRC und ein automatisches Palettenregalsystem FXS Automation APS.

Die IGZ Ingenieurgesellschaft für logistische Informationssysteme mbH untermauern ihre Intralogistik-Kompetenz für hochautomatisierte SAP-gesteuerte Intralogistik-Anlagen. So beteiligt sich IGZ an dem „LogiMAT Digital“-Event am 12. Mai mit dem Vortrag „Logistikplanung mit SAP Fokus“. Ebenso sind die SAP Ingenieure in Stuttgart vertreten in Halle 1 (Stand B25) und Halle 8 (Stand B47).  (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Logistikkonferenz „TWLogistik2021“ in Bremerhaven

Die „TWLogistik“ ist die traditionelle Logistikkonferenz des VdWT – Vereins der Wirtschaftsingenieure für Transportwesen, die seit Vereinsgründung 1983 jährlich in Bremerhaven stattfindet. Im vergangenen Jahr wurde dieses Veranstaltung Corona-bedingt durch eine Woche digitaler Vortragsabende substituiert. Nun im 37. Jahr fand diese nun wieder live vor Ort in Bremerhaven statt und war ausgebucht.

Redaktion: Bernd Kratz.

Ein Zeichen, dass einerseits die Logistiker sich mit Kollegen der Branche wieder persönlich austauschen möchten, andererseits weil hochaktuelle Themen erörtert wurden: Am ersten Tag präsentierten diverse Logistiker, wie Sie Corona bewältigt haben, der Folgetag fokussierte auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung unter der Fragestellung: „Smarte Logistik = Digitalisierung + Nachhaltigkeit. Geht diese Formel auf?“

Corona kam ohne Vorankündigung, so dass sich die Branche schnell auf die neue Situation einstellten musste. Dieses bestätigte auch Fokke Fels, Vorstandsvorsitzender der L.I.T. AG, ein Logistikunternehmen mit über 3.000 LKW. „Anfangs haben wir uns mit adäquaten Maßnahmen gut an neuen Gegebenheiten anpassen können, doch dann kamen die  Auswirkungen des Brexit und der Fahrermangel. Schwierig wurde es dann, als komplette Branchen und damit auch das Transportvolumen von heute auf morgen wegbrach.“ Dieses konnte auch Christian Distelkamp aus der Geschäftsleitung der abat AG bestätigen.

„Als die Automobilbranche anfangs komplette Werke schließen musste und kurz danach auch die Verwaltungen, lagen unsere Beratungsaufträge erst einmal auf Eis“. Auch das Havariekommissariat Battermann & Tillery musste schnell auf „die anfangs ohne Vorwarnung 30 % niedrigere Auftragslage reagieren“, so der Geschäftsführer Nico Nöldner. Stefan Schröder, Geschäftsführer Gesellschafter der LNC konnte anfangs „Business as usual“ betreiben, musste wenig später aber auch auf virtuelle Formate umstellen, was er kurzerhand durch die Etablierung eines eigenen digitalen Studios professionalisierte. Demgegenüber konnte sich die Oskar Schunck GmbH, so Regionalleiter Martin Heisig „vor Arbeit nicht retten – Versicherungsfälle in nicht geahntem Ausmaß und Fragestellungen, welche Schadensfälle in einem völlig neuen Umfeld versichert seien“. Ganz anders beschrieb Dr. Christian Mießen, INFORM GmbH die Situation: Während Künstliche Intelligenz in vielen Bereichen der Logistik zunehmend effizient genutzt werden kann, war dieses System in der Pandemie hilflos „Es fehlten jegliche Erfahrungsdaten, auf die KI hätte referenzieren können“.

Bernd Kratz, 1. Vorsitzender des VdWT resümierte, dass in solchen Notlagen „Jammern keine unternehmerische Aktivität sei“ und stellte damit auch einen Appell an anwesende Dozenten und Studenten, die Fähigkeiten zum innovativen sowie flexiblen Denken und Handeln in die akademische Ausbildung zu integrieren.

Der Folgetag startete mit Konzepten der Nachhaltigkeit, praktiziert in der Metropolregion NordWest. Dr. Claudia Schilling, Senatorin der Freien Hansestadt Bremen zeigte die Zukunft von Wasserstoff im Hafen als Teil des Green Deals auf, gefolgt von innovativen Konzepten für nachhaltige Logistik- und Versorgungsstrukturen. In diesem Zusammenhang stellte Prof. Dr. Benjamin Wagner vom Berg vor, wie durch das von ihm an der Hochschule Bremerhaven initiierte Projekt “NaCL – Nachhaltige Crowd Logistik” einerseits Sendungen umweltfreundlich zum Empfänger gelangen, andererseits mit dem Nachfolgeprojekt “R3 – Resilient Regional Retail” ein Schritt gegen das Aussterben der Innenstädte gegangen wird – der anfänglich theoretische Ansatz von NaCL wurde bereits im vergangenen Jahr in Bremerhaven erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Hyways for Future – Gasspeicherkonzepte und klimaneutraler Lastenverkehr mit Wasserstoffantrieben – hiervon sind Burkhard Oppmann, Geschäftsführer und CSO der FAUN-Gruppe sowie André Engbrecht, EWE GASSPEICHER überzeugt.

Bernd Kratz führte in den nächsten Themenblock: „Aktuell erleben wir in Deutschland eine Paketflut, vorrangig getrieben durch den eCommerce, die auch nach den Corona-bedingten Lockerungen und Öffnungen im stationären Handel nicht abebbt. Studien erwarten weiterhin Zuwachsraten im 2- stelligen Prozent-Bereich – und zwar jährlich“. Dieses stellt die KEP-Branche weiterhin vor hohe Herausforderungen, nicht nur bundesweit, sondern auch in der Metropolregion Nord-West. Jan Fitzner veranschaulichte bildlich, wie er als Geschäftsführer der CitiPost Nordwest dem Verkehrskollaps, Parkplatzmangel, Lärm, Schadstoffbelastung mit Digitalisierung und „Micro Hubs“ auf der letzten Meile begegnen möchte.

Marko Schlüter, Geschäftsführer der Hermes Germany hat eine klare Vision der CO2-freien Paketzustellung. „Mit Green Delivery Berlin haben wir eine Blaupause geschaffen, die auch auf andere Städte ausgerollt werden wird; dabei gilt es, die unterschiedlichen Module, aus denen das Konzept besteht, für die jeweilige Situation vor Ort/die Gegebenheiten der Städte individuell zusammenzusetzen“.

Einen digitalen Weg beschreitet Tiramizoo aus München: Mit der neuen Strategie einer Routenoptimierung und damit CO2-Reduzierung auf Basis einer SaaS-Plattform konnte das Unternehmen in den letzten 2 Jahren ein starkes Wachstum generieren. „Des Weiteren sind Tochtergesellschaften für Singapur, Malaysia und Polen als auch ein Ausbau der Aktivitäten in Europa hinzugekommen“, so Martin Sträb, CEO der Tiramizoo GmbH. Inwieweit werden Logistikzentren nachhaltig designed? Hier zogen die die Referenten des letzten Diskussionsblocks ein einheitlich positives Resümee. Die BLG Handelslogistikk betreibt seit kurzem ein neues Logistikzentrum für PUMA in Unterfranken. „Hier in Geiselwind setzen wir Maßstäbe im Bereich Automatisierung, Flexibilität, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit“, so Danilo Georg, Director Operations. Peter Bimmerman präsentiert das Auto-Store-System als eine nachhaltige Variante, da „deutlich weniger umbauter Lagerraum benötigt wird und dieser muss weder beleuchtet, belüftet und in der Regel auch nicht geheizt werden“. Sebastian Girle, Head of National Innovation bei Kühne + Nagel stellte einige Beispiele seiner Sustainable Packing Initiative vor: Packing on Demand, nachhaltige Füllmaterialien, etc. „Alleine durch unser Projekt Folienoptimierung sparen wir an 34 Kontraktlogistikstandorten jährlich 400 Tonnen Folien“.

Aber auch die zu Beginn der Pandemie komplett eingestellte und nun wieder anlaufende Kreuzschifffahrt wurde – wenngleich auch keine direkt logistische, aber unter Umweltgesichtspunkten stark in der Kritik stehendes Branche – nicht außer Acht gelassen. Prof. Dr. Dr. Alexis Papathanassis als langjähriger Insider dieser Branche überraschte hier mit einigen detaillierten Daten – schließlich stellt die Kreuzschifffahrt konkret für Bremerhaven, dem Ort der TWLogistik, einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar. Vor diesem Hintergrund nahmen zahlreiche Teilnehmer der Veranstaltung dann die Gelegenheit wahr, mit einer alten Kogge, der „Ubena von Bremen“ einige Stunden auf die Weser hinauszufahren – teilweise mit gehissten Segeln völlig CO2-neutral. (BK)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 4/2021