Smarte Logistik 4.0

Autonome Roboter für eine pfiffige Lager-Automatisierung, KI-unterstützte Kameras zur Behältererkennung und -verfolgung ohne jeden menschlichen Eingriff und Digitale Zwillinge für das physische Lager oder die planende Lieferkette zeigen den Aufbruch in eine digitale Logistikwelt. Wir blicken auf 12 wichtige Handlungsfelder, die den Paradigmenwechsel zu einer Logistik 4.0 treiben.

Gastbeitrag: Wolfgang Keplinger.

  1. ICH, LOGISTIK-ROBOTER
    Smarter Produktivitätsbooster @ Null-Fehler

Früher hatte man entweder ein manuelles oder ein sehr starr automatisiertes Lager mit teuren, schweren Regalbediengeräten. Die intelligente Lager-Automatisierung  mit smarten und flexiblen Lager-Robotern ist einer der bedeutendsten aktuellen Trends in der Logistik. Zu den smarten Automatisierungsmöglichkeiten im Lager gehören:

  • Automatisierte Shuttle-Lager mit vielen kleinen Robotern/Shuttles anstelle der großen, schweren und wenig flexiblen Regalbediengeräte
  • Pick-Buddies, (z.B. von Locus, Geek+ oder 6River Systems) die die manuell gepickte Ware beim Kommissionierer abholen und zum Versand bringen
  • Shelf-Buddies, (z.B. von Amazon oder Swisslog) die ganze Regale zur Pick-Station bringen, wo dann manuell kommissioniert wird
  • Konzeptionell gänzlich neue, smart automatisierte Lagertypen wie
    • Autostore, das ohne Regal auskommt und durch das direkte Stapeln der Behälter eine enorme Lagerdichte erzielt
    • Servus, ein Shuttle-System, bei dem die Roboter auf Schienen bis in die Produktion fahren und die gepickten Behälter direkt an die Montagelinie übergeben
    • Exotec, ein Shuttle-System, bei dem die Shuttles selbständig die Vertikalbewegung (Klettern am Regal) übernehmen, ansonsten aber frei und autonom verfahrbar sind
  • Autonome Pick-Roboter (z.B. von Magazino oder identytec), die selbständig picken bzw. das Material/die Behälter in den Lagerplatz verräumen
  • Cobots, die Picken bzw. Behälter entstapeln, sortieren, entleeren und anstellen
  • Autonomous Mobile Robots (AMRs) die sich selbständig und autonom im Lager neben den dort arbeitenden Mitarbeitern bewegen und als Unterfahr-/Stapel-/KLT-FTF Material und Behälter transportieren und bewegen
  • Autonome Routenzüge (z.B. von Schiller, Linde oder Asti) für den Transport auf den Routen mit dem starken Transport-Volumen

Alle roboter-basierte Lösungen zeichnen sich durch eine deutlich erhöhte Produktivität und eine weitgehende Fehlerfreiheit aus. Dabei sind die Systeme intelligent, teilweise autonom, kollaborativ, flexibel und agil, skalierbar, elektrisch, energieeffizient und plug&play-fähig. Sie helfen, Mitarbeiter von schweren, unergonomischen Handlings-Aktivitäten zu entlasten und übernehmen vielfach diejenigen Arbeitsschritte, die langweilig, schwierig oder unter Lean-Gesichtspunkten nicht wirklich wertschöpfend sind (z.B. lange Transportwege).

  1. ENDLICH BEIDHÄNDIG
    Wearables befreien die Mitarbeiter

Der mittlerweile fast schon traditionelle Scanner in der Logistik hilft den Mitarbeitern, Material eindeutig zu identifizieren und Materialbewegungen (z.B. Einräumen in einen Lagerplatz / Picken von einem Lagerplatz) sicher zu dokumentieren. Aber der traditionelle Handscanner beschäftigt die Mitarbeiter mit Suchen, wo der Scanner ist, oder mit dem Greifen/Wegstecken des Scanners. Damit zieht der Scanner die Arbeitsfolgen sequentiell in die Länge, denn der Mitarbeiter ist entweder mit dem Scanner beschäftigt oder er geht/fährt durch das Lager.

Der große Nutzen, den die Logistik 4.0 für manuelle Arbeitsplätze erbracht hat, ist es, den Mitarbeitern die Hände wieder für die primär wertschöpfenden Logistik-Tätigkeiten freizuspielen: für das Handling des Materials bzw. für das Fahren von Staplern oder Routenzügen. Frei nach dem Motto: „automate it or wear it“, sollten alle Arbeiten in der Logistik, die nicht wirtschaftlich automatisiert werden können, und somit manuell bleiben, durch Wearables unterstützt werden. Diese Wearables (X-by-Technologien, Handschuhe, Ringe) sind die technologische Lösung, um die Informationsmitteilung bzw. -bestätigung unabhängig von den Händen zu machen, so dass diese für die Kernaktivitäten der manuellen Logistik verfügbar sind: Handling und Lenken. Und damit werden die Prozesse schlanker, denn die Informationsmitteilung bzw. die Bestätigung wird in die wertschöpfenden Kernarbeitsschritte integriert.

Die aktuell wichtigsten Wearables, die den Mitarbeitern ein frei-/beidhändiges und somit ergonomisches und produktives Arbeiten ermöglichen, sind Pick-by-Voice, Pick-by-Vision/Smart Glasses, Gabel-Stapler Gabel-Scanner, Scanner-/RFID-Handschuhe, Daten-Uhren und NFC- und Smart Motion Ringe, die die Steuerung von Zugangskontrollen, Qualitätskontrolle und Ausführungsbestätigungen unterstützen.

Die Wearables erhöhen die Produktivität der Mitarbeiter, die die Wearables tragen. Was aber mindestens so wichtig ist: sie verbessern die Ergonomie der Mitarbeiter und sie reduzieren Fehler.

  1. NO-TOUCH-LOGISTIK
    Jeder weitere Schritt wäre Verschwendung

Einer der größten Aufwands- aber auch Zeittreiber in der Logistik ist die Anzahl der notwendigen Handlingsschritte, d.h. wie oft ein Behälter/eine Palette/ein Karton angegriffen, aufgenommen, abgestellt, umgestellt, eingelagert, ausgelagert, auf- oder abgestapelt oder bereitgestellt wird.

Bezüglich einer handlingsarmen No-Touch Inbound-Logistik gibt es folgende Alternativen (beginnend mit der schlankesten Alternative):

  • Warehouse on Wheels (WoW): Die Materialien werden direkt im Trailer/in der Wechselbrücke in der Nähe des Verbau-Ortes der Materialien bereitgestellt und erst bei Bedarf dem Trailer/Wechselbrücke entnommen und sofort verbaut. WoW wird in der Regel für großvolumige Schnelldreher angewandt, die in einem JIT-/JIS-Modus geplant und bereitgestellt werden, denn es gibt bei diesem Bereitstellungsmodus keine logistische Wareneingangskontrolle.
  • Dezentraler Wareneingang / Ship-to-Line: Hier werden die Materialien de-zentral, d.h. Liniennahe angeliefert, werden ausgeladen und stehen dann in Form von kleinen Puffern mit einer geringen Reichweite (wenige Stunden) direkt am Verbau-Ort zur Verfügung. Auch diese Bereitstellung wird primär für schnelldrehende Materialien im JIT-/JIS-Modus angewandt, hat aber durch die sofortige Entladung vom LKW einen Handlingsschritt mehr als WoW. Dafür werden weniger Gates benötigt und die LKW können in der Regel mehr als ein Material anliefern.
  • Zentraler Wareneingang / Ship-to-Stock: Hier werden Materialien traditionell bei einem zentralen Wareneingang angeliefert, mit den üblichen Kontrollen bezüglich richtiger Materialnummer in der richtigen Anzahl, im richtigen Behälter und Label, unbeschädigt angeliefert. Dieser Prozess eignet sich für alle mittel- und langsamdrehenden Materialien. Ship-to-Stock erfordert aber zusätzliche Handlingsschritte durch die Einlagerung im Zentrallager (d.h. produktions-/montagelinienferne Lagerung) und die bedarfsgerechte Bereitstellung an der Linie oder im Supermarkt durch die Logistik.

  1. DATEN | DATEN | DATEN
    Die transformative Kraft datengestützter Erkenntnisse

Die aktuellen Ansatzpunkte der Big Data Analytics sind:

  • Zusammenhänge finden, die bisher nicht gefunden wurden. Dabei helfen moderne grafische Analysetools (Graph-Analytics, z.B. von Tableau, Y42, Visplore, …), die ein intuitives Arbeiten mit großen Datenmengen erlauben. Um zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Anlagen im Markt, Anlagenausfällen und benötigten Ersatzteilen herzustellen und damit die Verfügbarkeit der Ersatzteile in der richtigen Region rechtzeitig sicherzustellen.
  • Bedarfe und notwendige Kapazitäten richtig(er) vorherzusagen. So wie es Amazon macht und aus dem Absatz von Vergleichs-/Referenzprodukten, Testregionen oder dem Verhalten bestimmter Kundengruppen/-cluster auf zukünftige Bedarfe hochrechnet und dann die einzelnen Artikel in einer bedarfsgerechten Menge vorab in die einzelnen Customer Fulfillment Center legt. Noch lange bevor der tatsächliche Kundenbedarf entsteht oder gar die Kundenbestellungen vorliegen.
  • Echtzeit-Simulation und Optimierung von Lieferketten. Das in Spanien/USA ansässige Startup Factic bietet z.B. eine SaaS-Plattform, die prädiktive Analyselösungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bereitstellt. Dazu werden Data-Mining- und KI-Techniken genutzt, um Daten aus internen und externen Quellen zu analysieren und zukünftige Verkäufe vorherzusagen. Aus den prognostizierten Nachfrageabweichungen werden datengestützte Entscheidungen abgeleitet, um die Beschaffung zu automatisieren. Oder Flexport, ein Start-up aus San Francisco, analysiert cloud-basiert und in Echtzeit Materialvolumina von Importeuren, Exporteuren, Spediteuren, Fluglinien, Schifffahrtslinien, Häfen, Flughäfen und von Zollbehörden, die an einzelnen Häfen/Flughäfen/Logistik-Knotenpunkten erwartet werden. Damit wird gesteuert, über welche Knotenpunkte Sendungen geschickt werden sollen, um möglichst rasch ins Land und zu den Kunden zu gelangen.

 

  1. NACH IHREM BEDARF
    Marktplätze für alles

Der dahinter liegende Logistiktrend ist die „elastische Logistik“, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Lieferketten in Zeiten schwankender Nachfrage effizienter zu gestalten. Das gelingt durch eine bedarfs-entsprechende Vergrößerung oder Verkleinerung des logistischen Netzwerkes. D.h. die ehemals fixen eigenen Assets werden ersetzt durch Logistik-Leistungsangebote, die am Markt kurzfristig dazugekauft oder zurückgegeben werden.

Basis für eine elastische Logistik sind Marktplätze für Transporte, Läger oder die Letzte Meile. Die Transport-Marktplätze bringen den Bedarf an Transportkapazität und das Angebot der Spediteure kurzfristig zusammen. Diese Marktplätze gibt es schon länger, sie existieren für LKW-Ganzladungen, für LTL-Verkehre aber auch für Stückgut. Die neueren Lager-/Warehouse-Marktplätze machen das gleiche im Bereich von Lagerraum und bringen dort flexibel und kurzfristig Angebot und Nachfrage zusammen. Einige bekannte Lager-Marktplätze sind Flexe, Stowga, Stord, Hive, storingcargo oder log-hub. Und schließlich die letzte Meile-Marktplätze, die deshalb von großer Bedeutung sind, weil damit einer der größten Einzel-Kostenblöcke (meist mindestens ein Drittel der gesamten Zustellkosten). So arbeitet z.B. Walmart in den USA zur Zeit an einem Piloten mit einem Letzte-Meile-Marktplatz, um die Express-Lieferungen zeitgerecht zuzustellen. Amazon hat die Plattform Amazon Flex angekündigt, das auf „Auf-Abruf-Dienstleister“ zurückgreift, um die Ausweitung des Prime One Day Lieferprogramms zu beschleunigen.

 

  1. HELLSEHEREI
    Wissen, wo sich ihr Material befindet – jederzeit und überall

Durch die sensorbasierte Verbindung von Objekten/Gegenständen/Sendungen mit dem Internet (IoT) wissen wir praktisch in Echtzeit fast alles über den Zustand dieser verbundenen Sendungen: neben der Lokation kennt man entweder die Qualität der ankommenden Sendung im Detail, oder man kann rechtzeitig eingreifen, bevor ein qualitativer Schaden (z.B. durch Hitze) passiert. Dabei kann die neueste Generation von mikroskopisch kleinen Sensoren (z.B. von RVMagnetics) helfen, diesen logistischen Zustand genau zu erfassen und zu verfolgen. Die Anwendungen für mit dem Internet verbundenen Logistiksensoren sind mittlerweile mannigfaltig: sie helfen Logistik-Gebäude klimatechnisch besser, effektiver und „grüner/nachhaltiger“ zu steuern. IoT-Systeme für das Flottenmanagement (z.B. Fleetroot) optimieren den Einsatz von Fahrzeugen in Logistikflotten. Oder Echtzeit-Überwachungssysteme für Container (z.B. das vom IoT-Startup Globe Tracker) helfen, diese einfacher zu verfolgen oder zu finden.

Ein Beispiel dafür sind die Service-Angebote von Roambee, einem Unternehmen, das ein System zum Monitoring von Lieferketten anbietet, bestehend aus Sensoren, über IoT verbunden mit einer Plattform bzw. mit einem Control Tower zur Überwachung und Verfolgung von Lokation, Sicherheit und Zustand der Materialien in der Lieferkette. Und das flexibel auf Abruf, d.h. als Logistics-as-a-Service. Ohne Investments für den Anwender.

Durch diese immer feinere und echtzeit-basierte Verfolgung einzelner Sendungen wird sich das aktuell eher reaktive Tracking & Tracing zunehmend in ein proaktives Management der erwarteten Ankunftszeit verwandeln (ETA = expected time of arrival). Damit wird die rückwärtsgerichtete Frage, „wo ist jetzt gerade mein Material unterwegs“, immer mehr der Frage weichen „wann wird mein Material ankommen“ und „was muss ich ggfs. tun, um die Kundenerwartungen trotz Abweichungen vom geplanten Zulauf dennoch wie geplant erfüllen zu können“?

 

  1. SUPER-MODELS
    Eine virtuelle Darstellung von allem

Digitale Zwillinge sind eine einzigartige virtuelle Darstellung eines potenziellen oder physischen Objekts oder Prozesses. In der Logistik gibt es mittlerweile Digitale Zwillinge für Läger/Distributionszentren. Dabei handelt es sich um 3D-Modelle eines konkreten Lagers, um damit die Auslastung und Lagerplätze optimieren zu können, für den täglichen Betrieb die Volumen-/Materialströme simulieren und Engpässe vermeiden zu können oder die Schicht- und Arbeitszeiten so anzupassen, dass die bestmöglichen Leistungen und Kundenservices erreicht werden. dm hat 2020 den deutschen Logistikpreis für sein neues Distributionszentrum in der Wustermark erhalten. Auf Basis von digitalen Zwillingen für alle belieferten Filialen werden im Distributionszentrum die Waren für die jeweilige Filiale so gepackt, dass filialspezifisch der Regal-Einräumprozess möglichst aufwandsarm erfolgen kann. D.h. das Distributionszentrum berücksichtigt bei der Colli-Bildung welche Materialien in einer spezifischen Filiale nebeneinander im Regal liegen.

Logistik-Zwillinge gibt es aber auch für gesamte Lieferketten. Dann wird diese Lieferkette vom Lieferanten über die einzelnen Lieferstufen bzw. über die Logistikdienstleister hinweg in einem digitalen Zwilling abgebildet. Diese digitalen Zwillinge dienen dann dazu, die planenden und steuernden Prozesse der Logistik zu optimieren. Mit diesen Zwillingen werden z.B. im Control Tower die Lieferketten gesteuert. Es wird erkannt, wie sich Engpässe auf die Lieferkette auswirken, bzw. welche Verbesserungsmaßnahmen notwendig sind, um die Auswirkungen auf den Kunden-Lieferservice möglichst gering zu halten oder die Kosten für Express-Transporte nicht explodieren zu lassen.

  1. PROGRAMMIERTE WISSENSERWEITERUNG
    Wie von Zauberhand

KI (Künstliche Intelligenz) ist in Kernbereichen der Logistik inzwischen fest etabliert und führt zu einer deutlichen Effizienz-, Qualitäts- und Produktivitätsverbesserung. Zu den Kern-Anwendungsbereichen der KI in der Logistik gehören:

  • Prädiktive Nachfragevorhersagen – im Bereich der Logistikplanung, als Basis für zukünftige Kundenbedarfe, als Input für S&OP-Prozesse. Die sichere Erkennung und Vorhersage von Kundenbedarfen lange bevor sie sich tatsächlich realisieren ist die Basis für robuste Lieferketten mit einem hohen Kundenservicegrad. Das neuseeländische Start-up Insite bietet z.B. KI-basierte Softwarelösungen für Preisvorhersagen, Nachfrageprognosen und die Optimierung von Abläufen und Prozessen an, die vor allem in der Konsumgüterindustrie und im Einzelhandel eingesetzt werden.
  • Routenoptimierung – sowohl im Bereich der Letzten Meile der Zustellung als auch für AMRs im Lager oder auf dem Fabrikgelände. Das australische Startup Adiona entwickelt KI-basierte Optimierungssoftware-as-a-Service (OSaaS), mit der Unternehmen ihre Logistikprozesse verbessern und Kosten senken können, indem Lieferrouten statisch und dynamisch optimiert werden.
  • Prozessautomatisierung basierend auf der intelligenten Erkennung von handschriftlich ausgefüllten Formularen (KI-basierte OCR-Erkennung). Damit können in internationalen Lieferketten viele manuelle Papier-/Formular-Prozesse deutlich vereinfacht, standardisiert und beschleunigt werden.
  • Visuelle Bilderkennung – KI-unterstützte smarte Kameras erkennen Behälter, Label, Personen, Maschinen, Stapler und zeigen diese immer fehlerfreier und mit einer immer größeren Zuverlässigkeit an. Damit wird es den AMRs möglich, selbständig ihre Routen zu finden, auch wenn sich diese oder die Hindernisse in den Routen dynamisch verändern. Andere Anwendungen unterstützen beim raschen und sicheren Zählen von Materialien in Behältern, beim Erkennen von Label im Zuge drohnengestützter Inventur, bei der Erfassung von Behältern im Leergutlager oder bei bildschirmgeführten und kontrollierten Packvorgängen.

 

  1. FAHRER VERLOREN
    Wer steuert da im Hintergrund?

Die Experten unterscheiden in die Kategorien des assistierten Fahrens, des automatisierten und des autonomen Fahrens. Der aktuelle Entwicklungsstand in Deutschland liegt gerade beim Erreichen des Levels 3 –  des automatisierten Fahrens. Damit werden erste Fahrzeuge (z.B. Audi A8, Daimler S-Klasse) für das hochautomatisierte, selbständige Fahren auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h und in Stausituationen vollständig an den Fahr-Computer übergeben, der Fahrer hat dann keine Kontrollpflicht mehr. Im Bereich der Logistik gibt es drei Hauptanwendungsbereiche des autonomen Fahrens:

  • Fahrerlose LKW – TuSimple, ein amerikanisches Start-up, hat sich auf die technologische Ausstattung von LKW zum autonomen Fahren spezialisiert. Das Unternehmen ist zur Zeit führend mit seinen Level 4 Fähigkeiten für die USA, bei dem das Fahrzeug bestimmte Autobahnabschnitte völlig selbständig bewältigt und der Fahrer die Fahrzeugführung vollständig abgegeben kann.

In Europa bietet die schwedische Firma Einride einen fahrerlosen LKW an. Sein futuristisches Fahrzeugdesign ohne Fahrerkabine zieht die Blicke auf sich bei den ersten Fahrten auf öffentlichen Straßen zwischen zwei Logistik-Hubs vom Anwendungspartner DB Schenker.

  • Autonome Fahrzeuge für die Intralogistik – hier hat sich in den letzten Jahren die Entwicklung von AGVs (Automated Guided Vehicles – berührungslos geführte Fahrzeuge), die unabhängig von der Führungstechnologie auf mehr oder weniger fest definierten Routen unterwegs waren zu den AMRs (Autonomous Mobile Robots) vollzogen, die wirklich autonom unterwegs sind, frei die Route wählen und auch Hindernissen problemlos ausweichen können.
  • Zustell-Rovers für die letzte Meile – diese autonomen Roboter fahren auf öffentlichen Straßen und vor allem auch auf Gehwegen und übernehmen die Hauszustellung von e-commerce-Bestellungen oder vielfach auch die Zustellung von Essens-Bestellungen aus Restaurants.

 

  1. ALLES AUTOMATISIERT
    Prozessautomatisierung nicht nur physisch im Lager

Mit der neuen Blockchain-Technologie und der RPA (Robotic Process Automation) stehen nun Technologien bereit, die auch eine Automatisierung von bisher manuellen/Back-Office-Prozessen ermöglichen. Die Blockchain-basierten Smart Contracts erlauben die automatische Ausführung von Prozessschritten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Der Vorteil dieser Smart Contracts liegt auch darin, dass diese Bedingungen nicht unbedingt vor Ort gegeben sein müssen, sondern die Prozesse auch aus der Ferne getriggert werden können. Damit ist die Blockchain-Technologie dafür geeignet, den Informations-/bisherigen Papierstrom in Lieferketten zu automatisieren. Zahlungen können ausgelöst werden bzw. ein Eigentums- oder Verantwortlichkeitsübergang kann bestätigt werden, wenn bestimmte physische Zustände eingetreten sind (wie z.B. Ware im Hafen XY angekommen) oder wenn bestimmte Papiere wie Frachtbriefe an bestimmten Orten erfasst wurden. Auf diese Weise kann auch die Zollabwicklung vereinfacht und (teil-) automatisiert werden. Das Start-up Steamchain erlaubt z.B. blockchain-basierte Zahlungen, das Start-up Shipchain bietet eine Lösung für eine weltweite Sendungsverfolgung.

RPA (Robotic Process Automation) ermöglicht die kostengünstige Automatisierung von sich wiederholenden einfachen Aufgaben (z.B. Daten-Transfer zwischen verschiedenen EDV-Systemen), eliminiert dabei menschliche Fehler und reduziert die Gemeinkosten. RPA-Software führt zum Beispiel Vorgänge wie die Rechnungsverarbeitung, die automatische Speicherung von Informationen in Prüfprotokollen oder die automatische Eingabe einer Bestellung durch.

  1. NACHHALTIG GRÜN
    Unserem Planeten zuliebe

Die in der Vergangenheit eher kleinteiligen Verbesserungen in Richtung einer grünen Logistik, haben sich in den letzten Jahren in eine ernstzunehmende Anwendung von umweltfreundlichen Technologien und Praktiken gewandelt. Viele Unternehmen arbeiten nunmehr an der bekannten 4V-Strategie, um die Logistik nachhaltiger zu machen: Vermeiden, Verlagern, Vermindern, Vergüten. So hat z.B. Gartner bei den Supply Chain Top 25 als ein Learning von den Besten festgestellt, dass diese nachhaltig an der Reduktion des CO2-Fußabdrucks arbeiten, vielfach auch in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten oder Kunden. Die wichtigsten Nachhaltigkeits-Trends in der Logistik sind:

  • Verringerung des Transportaufkommens durch bessere Planung, bessere Bedarfsprognosen, Bündelung von Transporten gemeinsam mit Lieferanten und Kunden, um die teilweise 40% Leerfahrten von LKW zu reduzieren. Nach all den Aktivitäten in Richtung same day/2-h deliveries bietet Amazon nun in den USA den Kunden auch die Möglichkeit an, eine Zustellung nur innerhalb der nächsten 6 Tage auszuwählen, um Transporte bündeln und somit Fahrten reduzieren und die Zustellung somit nachhaltiger machen zu können.
  • 0-Emission-Fahrzeugflotten – Umstellung der Fahrzeugflotten auf voll-elektrische Fahrzeuge bei den Logistik-Dienstleistern. So hat z.B. DHL schon in den letzten Jahren insgesamt 20.000 vollelektrische Streetscooter in Betrieb gestellt und plant in den nächsten Jahren noch weitere 100.000 in die Flotte zu nehmen. Oder Amazon, das 100.000 vollelektrische Zustellfahrzeuge bei Rivian bestellt hat.
  • Geschlossene Logistikkreisläufe für Behälter bzw. wiederverwendbare Verpackungen –

ermöglicht durch neue Start-ups, die industriellen Kunden aber auch Endverbrauchern einen geschlossenen Verpackungskreislauf anbieten. Dazu zählen Unternehmen wie Loop, RePack, Returnability oder The Wally Shop. Oder Ikea, das gerade neue, umweltschonende und rezyklierbare Verpackungen aus nachwachsenden Pilzen (z.B. von Ecovative) testet.

  • Logistikgebäude ohne CO2-Emission. Neben der Nutzung der Dächer von Logistiklägern zur Strom- oder Wärmeproduktion mittels Solardächern, geht es nun mehr und mehr darum, durch intelligente IoT-basierte Sensoren die Energiesteuerung (Licht, Wärme, Kälte) weiter zu optimieren und zu verbessern.

 

  1. SEHEN UND GESEHEN WERDEN
    Zuverlässige Bilderkennung von allem

Die Firma identpro bietet zur Zeit eine sensorbasierte Lösung für die scannerfreie Behälter-/GLT-Verfolgung mittels Stapler an. Dabei werden die Stapler mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, zur kontinuierlichen Bestimmung der aktuellen x-/y-Koordinate des Staplers im Raum und einem Höhensensor auf der Gabel zur Bestimmung der z-Koordinate. Bei jeder Änderung der Gabel-Beladung werden die x-/y-/z-Koordinaten in eine Datenbank weggeschrieben (digitaler Zwilling). Damit kann mit einer einzigen, einmaligen Erfassung eines GLTs oder einer Palette (ein einziger Scan z.B. am Wareneingang) in Echtzeit jede aktuelle Lokalisierung einer jeden Palette/GLTs über den digitalen Zwilling ermittelt werden. Das ist eine funktionierende Lösung zur scannerfreien aber dennoch zuverlässigen Materialverfolgung von GLTs/Paletten mittels Stapler.

An einem der wahrscheinlich wirkungsvollsten technologischen Trends wird zur Zeit noch gearbeitet: die automatisierte, KI-kamera-basierte Behälterverfolgung ohne Label-Scannung. Beim Computer-Vision-Ansatz werden KI-basierte Kamerasysteme verwendet, die kontinuierlich sowohl von fixen Plätzen aus (z.B. montiert an der Decke einer Produktions- oder Lagerhalle) bzw. von mobilen Plätzen (auf AMR/Routenzügen/Staplern) jede Bewegung im Sichtfeld der jeweiligen Kamera verfolgen und intelligent identifizieren. Die Software stellt dann sicher, dass die Bewegung eines jeden Behälters lückenlos mitverfolgt wird (angeboten z.B. von logivations). Dabei wird auf KI-Unterstützung zugegriffen. Auch wenn diesbezügliche Lösungen sich noch vielfach in Pilot- und Testanwendungen befinden, zeichnet sich hier eine der spannendsten Entwicklungen für die nächsten Jahre ab, die die Intralogistik wirklich revolutionieren kann.

Die KI-basierte Label-Erkennung ist heute schon Standard bei den am Markt befindlichen Inventurdrohen und funktioniert dort schon fehlerfrei. Die Anwendung von KI-basierten Kamerasystemen am Wareneingang, um eine vollautomatisierte Logistikprüfung (richtige Ware, richtige Menge, übereinstimmend mit der Bestellung, richtiges Label, richtige Verpackung, und transportschadenfrei angeliefert) ist nur eine natürliche Weiterentwicklung dieser Kamera-Wundersysteme. Damit wird sich dann auch der Wareneingang der One-Touch-Logistik nähern, noch produktiver werden, und eine der Voraussetzungen für eine zukünftig dann automatisierte Entladung der LKW schaffen.

Nicht alle der 12 Handlungsfelder sind für alle Unternehmen gleich relevant. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen in Abhängigkeit von den Branchenanforderungen und der bereits realisierten Logistik 4.0-Roadmap. Was aber sicher ist: unter den 12 die Logistik grundsätzlich verändernden Handlungsfelder sind wahrscheinlich mindestens 8 mit echter Handlungsrelevanz für jedes einzelne Unternehmen. Identifizieren Sie Ihre Top-Veränderungsbereiche und starten Sie möglichst rasch mit der Umsetzung. Die Themen sind spannend, denn noch nie hat es so viele technologische Neuerungs-Chancen in der Logistik gegeben wie heute.

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Re:Think – mit dem 28. Österreichischen Logistik-Tag

Viele Auftragsbücher sind voll, aber der Schein trügt: die Wirtschaft, wie wir sie kennen, steht auf der Kippe. Aktuelle und künftige Probleme lassen sich nicht mit bekannten Maßnahmen lösen, ein Umdenken ist nötig. Auf dem Future Lab und dem Logistiktag am 28. und 29. September werden neue Wege aufgezeigt, die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Natürlich darf auch die Gala zur Verleihung des Österreichischer Logistik-Preises 2021 nicht fehlen.

Einen Blick in die Zukunft werfen, und das ganz ohne Glaskugel… wer wünscht sich das nicht? Beim Logistik-Future-Lab am 28. September 2021 im Design Center Linz findet nicht nur die Start-up-Lounge für frische Geschäftsideen statt, auch das Vortragsprogramm kann sich sehen lassen. Das Schöne am Future-Lab ist, dass es keine Denkverbote gibt. „Beim Future-Lab geht es um Themen, die konkrete Beiträge zur Weltverbesserung und bald umsetzbar sind“, erklärt Franz Staberhofer, Obmann VNL Österreich und Leiter Logistikum, der die Begrüßungsrede halten wird.

Live aus Mountain View, Silicon Valley, wird Andreas Wendel für den ersten Vortrag zugeschaltet: „Fahrerlose LKW – Traum oder Realität?“ Als VP of Engineering, Kodiak Robotics, ist er Experte für die Verwirklichung autonomen Fernverkehrs. Stellt sich die Frage, ob sich das Konzept von den Highways in den USA auch auf Österreich ummünzen lässt.

Ab 14 Uhr hat man die Wahl zwischen verschiedenen Themenschwerpunkten, die in den Sälen A und B sowie im Kinosaal parallel behandelt werden. Beim Themenschwerpunkt „Just-in-Real-Time: Echtzeit-Daten für bessere Entscheidungen und resiliente Lieferketten“ (Kinosaal) moderiert Markus Gerschberger, Head of Research Department Supply Chain Management, Logistikum. Angesichts der erst kürzlich vorgefallenen, schmerzhaften Lieferkettenunterbrechungen – Stichwort Suezkanalblockade oder auch Corona – könnte Concurrent Planning die Erlösung bringen. Aber auch Machine Learning hilft, die Vorhersehbarkeit zu steigern. Die Beiträge dazu: „Warum gleichzeitige Planung zu mehr Resilience führt als Planungsgenauigkeit“ von Hans Georg Kaltenbrunner, Industry Principal EMEA, Kinaxis, sowie „Crisis Management & Supply Chain Resilience“ von Darko Belic, Geschäftsführer DHL Supply Chain Automotive GmbH Germany. Zweiter Themenschwerpunkt im Kinosaal: „Österreich – ein aktiver Gestalter des Straßengüterverkehrs der Zukunft?“ moderiert von

Matthias Neubauer, Professor für Logistikinformationssysteme | Hyperconnected Logistics Systems, Logistikum. Als Beiträge dazu: „Chancen und Grenzen alternativer LKW-Antriebstechnologien im Praxiseinsatz“ von Jürgen Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung, Gebrüder Weiss GmbH sowie „Testregion Digitrans – Wir bringen die Zukunft des autonomen Transportes auf die Straße“ von Eva Tatschl-Unterberger, DigiTrans GmbH, „AWARD – Hochautomatisierter Gütertransport unter widrigen Wetterbedingungen“ von Armin Humer, DB Schenker und „ESRIUM – Intelligente und vernetzte Straßeninfrastruktur für den hochautomatisierten Güterverkehr“ von Bernd Datler, ASFINAG Maut Service.

In Saal A lautet der Themenschwerpunkt „Emissionsreduktionen in Transportketten: Von der Analyse zu Optimierungsmaßnahmen“ moderiert von Oliver Schauer, Studiengangsleiter Digitales Transport- und Logistik-Management am Logistikum. Beiträge dazu: „Bevor man managen kann, muss man messen“ von Jakob Muus, Founder CEO Track GmbH; „Modal shift – ein Beitrag zum Green Deal?“ von Karl Schauer, Direktor LKW WALTER; „Sustainability, CO2 Emissions & Inland Waterways“ von Lisa-Maria Putz, Professor for Sustainable Transport am Logistikum und Alan Lewis, Technical Director, Smart Freight Centre. Beim zweiten Themenschwerpunkt nach der Pause geht es um „Das Lieferkettengesetz: Worauf müssen sich Unternehmen in Supply Chain und Beschaffung vorbereiten?“, moderiert von Gerald Schönwetter, Professor für Logistik am Logistikum. Beiträge dazu: „Was passiert in meiner Lieferkette? Predicitive Riskmanagement“ von Harald Nitschinger, Co-Founder & Managing Director, Prewave – predictive risk intelligence from social media data sowie „Nachhaltigkeitsratings für Unternehmen“ von Elisabeth Lohmayer, Account Executive Mid-Market, EcoVadis.

Auch in Saal B gibt es Themenschwerpunkte. Der erste lautet „future factories brauchen eine Revolution in der Intralogistik“, moderiert von Martin Riester, Geschäftsbereich Logistik und Supply Chain Management, Fraunhofer Austria Research GmbH. Beiträge dazu: „flexible intralogistics for future factories“ von Roland Sitar, Technology & Automation Manager flex und Patrick Bernauer, Motion & Laboratory Engineer flex sowie „Quantensprung in der Intralogistik durch eine integrierte, KI-basierte Optimierung von mobilen Robotern und Gabelstaplern“ von Wolfgang Hackenberg, Geschäftsführer, SYNAOS GmbH. Themenschwerpunkt zwei: „Shopping von morgen: Logistik zwischen POS (Point-of-Sale) und POD (Point-of-Delivery)“ moderiert von Oliver Schauer, Studiengangsleiter Digitales Transport- und Logistik-Management am Logistikum. Gleich vier Beiträge warten in diesem Bereich: „Global.Web.Shop – Das erste reale Handelshaus in der virtuellen Welt“ von Michael Stockinger, Sales Stranzinger Gruppe; „OmniStore – Neue Wege zu den Kunden“ von Peter Prisching, Director of Shopconsult Umdasch Venture und Michael Schedlbauer, Industry Manager Grocery, TGW Logistics; „Die letzte Meile 2.0“ von Johannes Braith, CEO & Co-Founder, Storebox Holding GmbH und Roland Sitar, Technology & Automation Manager, flex; „WienBox – Ein Service der Wiener Stadtwerke“ von Nadine Adensam, Projektmanagement Wien – Out Of The Box und Stefan Tichacek ,WIENER LOKALBAHNEN GmbH.

Im Rahmen der anschließenden Abendgala im Palais Kaufmännischer Verein in Linz wird der Österreichische Logistik-Preis 2021 verliehen, zuvor wird Wolfgang Lehmacher, Globaler Vordenker und Praktiker der Logistik, Direktor Emeritus Supply Chain & Transport Industries beim Weltwirtschaftsforum über „USA und China im Wettlauf: Auswirkung auf Europa und die globalen Lieferketten“ referieren.

Am 29. September findet dann der eigentliche Österreichische Logistiktag im Design Center Linz statt. Pünktlich um 9 Uhr wird Franz Staberhofer die Eröffnung vornehmen. Hoffentlich hat niemand zu lange beim Networking der Abendveranstaltung gefeiert, denn für die Keynote „Supply Chain: a key to unlock RHI Magnesita’s Transformation“ von Stefan Borgas, President & CEO RHI Magnesita, sollte man wirklich ausgeschlafen sein. Wie schon am Vortag geht es dann dreigeteilt weiter, mit parallelem Programm in den Sälen A, B sowie im großen Saal.

Im großen Saal lautet das erste Thema „Visibility im Transportnetzwerk: Welchen Nutzen ziehen die verladende Wirtschaft und Dienstleister daraus?“, moderiert von Andreas Breinbauer, Leiter der FH-Studiengänge Logistik und Transportmanagement, Fachhochschule des BFI Wien. Die Beiträge dazu: „Integriertes Transportmanagement – Digitale Transformation im Inbound Liefernetzwerk“ von Alfons Dachs-Wiesinger, Director Logistics Network, MAGNA STEYR FAHRZEUGTECHNIK AG & CO KG;

„Sappi‘s fully transparent supply chain powerd by Shippeo“ von Christian Weber, Head of Supply Chain, Service Management, Sappi Europe und Marcel Prengel, Strategic Account Executive, Shippeo; „Vertrauen, Transparenz und Kontrolle – Rezept für eine erfolgreiche Partnerschaft im erfolgskritischen Schlüssel-Prozess der Ersatzteil-Logistik“ von Harald Wegerer, Vice President Customer Service Division, ENGEL Austria GmbH.

In Saal A stehen „Frische und Convenience als Treiber innovativer Handelslogistik“ im Fokus – moderiert von Oliver Schauer, Professor für Logistik am Logistikum. Beiträge dazu: „Gurkerl.at – Wiens innovativster Online-Supermarkt“ von Maurice Beurskens, CEO gurkerl.at sowie „UNIBOX – Kleinstformat in der LEH-Supply Chain“ von Robert Knöbl, Geschäftsführer, UNIMARKT GRUPPE GmbH. Im Saal B dreht sich alles um „Flexible und skalierbare Intralogistik für die Materialbereitstellung und künftige Produktionsanforderungen“ moderiert von Eduard Wünscher, CEO WEGIP GmbH, ehem. CEO KNAPP. Beiträge dazu: „Logistik für eine flexible und wandlungsfähige Produktion“ von Robert Schulz, Institutsleiter, Institut für Fördertechnik und Logistik Universität Stuttgart; „Innovative Lager- und Kommissionierlösungen für Groß- und Kleinteile in der Automobilindustrie“ von Werner Josef Frissenbichler, Geschäftsführender Gesellschafter, FB Automation und Gerhard Krauser, Head of Supply Chain Engineering, Global SCM, MAGNA STEYR FAHRZEUG-TECHNIK AG & CO KG.

Auch nach der Mittagspause muss man sich für einen der drei Säle entscheiden. Schwerpunkt im großen Saal: „Unterschiedliche Kundenerwartungen an verschiedene Absatzkanäle erfordern differenzierte Supply Chain-Strategien für Handel und Produzenten“, moderiert von Klaus Venus, Geschäftsführender Gesellschafter, Ifl Consulting GmbH. Beiträge dazu: „Der Kunde im Fokus – Wertschöpfungskette der Zukunft“ von Michael G. Huber, Head of Global Supply Chain – Demand Supply Intelligence, BSH Hausgeräte sowie „Trends, Strategien & Konzepte für mehr Kundenorientierung in der Handelslogistik“ von Michael Lauer, Prokurist, Group Head of Logistics, MediaMarktSaturn Deutschland.

Spannender Schwerpunkt in Saal A: „Supply Chain-Risk-Management: Sicherung der Warenversorgung und der Liefertreue“ moderiert von Martin Hofer, Geschäftsführer, valantic Supply Chain Excellence GmbH. Beiträge dazu: „Risikomanagement in Halbleiter-Lieferketten – wie globale Flexibilität und andere Maßnahmen Risiken mindern und Chancen nutzen“ von Hans Ehm, Senior Principal Engineer Supply Chain, Infineon sowie „Von den unsichtbaren zu den gewichteten und transparenten Logistikketten – Wie die Zentralität durch Kosten und Verfügbarkeit verändert wird“ von Jürgen Gumpinger, Vice President Group Logistics, KTM AG. In Saal B geht es um „Digitale und automatisierte Supply Chain-Prozesse als Effizienztreiber in traditionellen Unternehmen“ moderiert von Veit Kohnhauser, Fachbereichsleiter Logistik & Operations Management, FH Salzburg. Beiträge dazu: „Wie Digitalisierung Supply Chain-Prozesse im traditionellen Handel optimiert“ von Sabine Thaler, Project Manager, Unser Lagerhaus Warenhandels GmbH sowie „Wie können digitale E2E Supply Chain-Prozesse den Kundennutzen in der Baustoffindustrie steigern?“ von Günther H. Gfrerrer, Head of Supply Chain Management, Wienerberger Building Solutions Wienerberger AG. Ehe sich dann alle aufs Logistik-Bier treffen, lockt noch eine interessante Keynote alle zusammen in den großen Saal: „Chaos in den Lieferketten. Mikro- und makroökonomische Auswirkungen“ von Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel.

An beiden Tagen gibt es zudem eine spannende Fachausstellung und eine Start-up-Lounge. Für den Einlass kommt die 3G-Regel zum Einsatz, natürlich gibt es auch ein umfassendes Hygienekonzept für eine sorgenfreie Teilnahme.

 


 

Im Vorfeld der Veranstaltung wollten wir vom Vereinsobmann Franz Staberhofer wissen, wie es den Mitgliedern aktuell so geht: „Die Umsätze sind teilweise auf Rekordkurs, in vielen Bereichen sind Unternehmen ausgelastet bis ins zweite Quartal 2022. Eines der Hauptthemen ist natürlich das Personal, beispielsweise in der Gastronomie. Natürlich wird COVID uns weiter beschäftigen, aber wir sind in den letzten 1,5 Jahren gut damit umgegangen, und so wird es auch weiterhin sein. Bei der Veranstaltung bietet wir durch 3G maximale Sicherheit, wie es das Gesetz und auch die Vernunft uns vorschreiben.“ Wie sieht er die aktuellen Bemühungen hinsichtlich Klimaschutz? „Ich stimme der Feststellung des Rechnungshofes zu und bin persönlich davon überzeugt, dass einschneidende, heftige Maßnahmen nötig sind, um eine Änderung zu erzielen. Allerdings sind die Wünsche der Beteiligten oft widersprüchlich und die Konsequenzen und deren Umsetzung sind zu kurz gedacht. So passen der Green Deal und das Lieferkettengesetz teilweise nur schlecht zusammen. Denn wenn Elektroautos die Lösung der Co2 Problematik sein sollen, Lithium aber beispielsweise aus Afghanistan kommt, passt das einfach nicht. Maßnahmen zum besseren Umgang mit Ressourcen sind wichtig, und die Logistik und die Supply Chain müssen ihren Beitrag leisten, aber wir wollen keine sinnlosen Aktionen mittragen. Angenommen, man würde 6 Millionen LKW durch Elektrofahrzeuge austauschen, dann wäre das keine nachhaltige Lösung – besser ist es, weniger LKW einzusetzen, beispielsweise durch neue Transportkonzepte. Es braucht dringend ein Re-Think: wenn man es ernst meint, dann muss man den Themen mit neuen Zugängen begegnen anstatt mit zu kurz gedachten Maßnahmen. Hier fehlt aktuell die Nüchternheit. Darum unser Veranstaltungsmotto, hier werden Beispiele für reale Beiträge aufgezeigt, die sich auch umsetzen lassen.“

 

LOGISTIK express Journal 4/2021

Indischer Logistikmarkt: Mangelnde Infrastruktur und Fragmentierung

Der Logistikmarkt in Indien ist mit rund 1000 meist sehr kleinen Unternehmen stark fragmentiert. Zudem ist die Infrastruktur ungenügend. Allerdings drängen nun zunehmend auch Logistik-Startups in den Markt, um mit Big Data Probleme zu lösen.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Indien ist sowohl für Deutschland als auch für Österreich ein wichtiger Handelspartner. Die BRD führt laut Gtai beispielsweise chemische Erzeugnisse, Textilien, Maschinen, Nahrungsmittel sowie Elektrotechnik und Metallwaren aus Indien ein. In die indische Republik werden in erster Linie Maschinen, chemische Erzeugnisse, Fahrzeuge und Elektrotechnik exportiert. In 2019 belegte der Staat in Südasien Platz 27 von 239 Handelspartnern bei den deutschen Einfuhren und Platz 23 bei den deutschen Ausfuhren. Gemäß der österreichischen Wirtschaftskammer (WKO) stieg das Exportvolumen Österreichs nach Indien in den ersten drei Quartalen 2019 auf 685,2 Millionen Euro (+2,8 Prozent).

Indien liegt im Ranking auf Platz 26 der wichtigsten Exportländer Österreichs. Insbesondere im Bereich Automobilbau spielt die Republik ganz vorne mit. Laut dem Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) lag das Land bei der Automobilproduktion in 2018 weltweit auf Platz 4 (5,2 Millionen Einheiten) hinter Japan (Platz 3, 9,7 Millionen Einheiten), USA (Platz 2, 11,3 Millionen Einheiten) und China (Platz 1 27,8 Millionen Einheiten). Allerdings ist das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den letzten Jahren beständig gesunken: +7 Prozent (2017), +6,1 Prozent (2018) und +4,2 Prozent (2019). Gründe dafür sind die relativ hohe Inflation, eine eher restriktive Geldpolitik, hohe Standortkosten, verzögerte Investitionsgenehmigungen und eine mangelnde Infrastruktur. Beim aktuellen Logistics Performance Index der Weltbank belegte Indien 2018 Rang 44 und verschlechterte sich damit gegenüber 2016 um neun Plätze. Analysten identifizierten die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur und den unausgeglichenen Modal Split zwischen den Verkehrsträgern im Gütertransport als die größten Problemfelder.

Mangelnde Infrastruktur.
Wer sich in Indien geschäftlich betätigen will, muss sich auf eine unzureichende Infrastruktur und einen stark fragmentierten Logistikmarkt mit hohen Logistikkosten gefasst machen. In der Republik wird die Mehrzahl der Waren auf der Straße (59 Prozent) transportiert. Danach folgen die Beförderung auf dem Schienen- (34 Prozent), Wasser- (6 Prozent) und Luftweg (1 Prozent).

Seit Juli 2015 existiert das Straßen- und Schnellstraßen-Entwicklungsprogramm Bharatmala, das alle bisherigen Programme wie das National Highways Development Project (NHDP) und die speziellen Güterverkehrskorridore (Dedicated Freight Corridors) zusammenfasst und erweitert. Es wird die Entwicklung anderer Programme wie des Hafenentwicklungsprogramms Sagarmala, der Industriekorridore, des regionalen Flughafenentwicklungsprogramms UDAN-RCS sowie die Digitalisierung Indiens (Digital India) und die lokale Produktion (Make in India) begünstigen. Konkret sollen im Rahmen des Programm 83,677 km Schnellstraßen gebaut, die Anzahl der Korridore von bisher sechs auf 50 (sechs Schnellstraßenkorridore, 44 Wirtschaftskorridore) ausgeweitet und der Frachttransport auf Schnellstraßen erhöht werden. In der ersten Phase sollen Schnellstraßen mit einer Länge von 34800 km gebaut werden. 9000 km davon werden sich in Wirtschaftskorridoren befinden. Die Fertigstellung von Phase 1 verzögert sich laut Regierung durch die Corona-Pandmie voraussichtlich um vier Jahre bis 2025/26.

Der Anteil der Güter, die auf dem Schienenweg transportiert werden, soll in den nächsten Jahren gemäß des indischen Eisenbahnministeriums von 34 Prozent auf 50 Prozent steigen. Den entscheidenden Beitrag dazu werden sechs spezielle Schienenfrachtkorridore leisten. Zwei Korridore befinden sich bereits im Bau und sollen trotz der Pandemie bis Ende Dezember 2021 fertiggestellt werden. Der Westliche Spezielle Schienenfrachtkorridor verläuft von Dadri in Uttar Pradesh zum Jawaharlal Nehru Port in Mumbai (1468 km). Der Östliche Spezielle Schienenfrachtkorridor erstreckt sich von Punjab nach Dankuni in Westbengalen (1760 km). Im Januar 2018 wurden vier weitere Korridore genehmigt: Ost-West Spezielle Schienenfrachtkorridor von Kalkutta nach Mumbai (2000 km), Nord-Süd Spezielle Schienenfrachtkorridor von Delhi nach Chennai (2173 km), Ostküsten. Spezielle Schienenfrachtkorridor von Kharagpur nach Vijayawada (1100 km) und der Süd-West Schienenfrachtkorridor von Chennai nach Goa (890 km). Laut des Betreibers Dedicated Freight Corridor Corporation of India sollen die Frachtraten auf den neuen Güterzugstrecken um bis zu 45 Prozent unter den momentanen liegen und damit mit den Lkw-Frachtraten konkurrieren können.

Das Sagarmala-Projekt soll die Entwicklung der Wasserwege und Häfen, Wirtschaftszonen an Küsten und die multimodalen Verbindungen auch mit Logistikparks vorantreiben. Ihm Rahmen von Sagarmala werden auch sechs Mega-Häfen gebaut: Vizhinjam International Seaport (Kerala), Colachel Seaport (Tamil Nadu), Vadhavan Port (Maharashtra), Tadadi Port (Karnataka), Machilipatnam Port (Andhra Pradesh) und Sagar Island Port (Westbengalen). Insgesamt sind 577 Projekte mit einem Investment von 120 Milliarden US-Dollar (105 Milliarden Euro) von 2015 bis 2035 vorgesehen. Die Logistikkosten in Indien liegen mit 14 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt sehr hoch (USA 9 bis 10 Prozent, Deutschland 8,6 Prozent). Verschiedene Studien der indischen Regierung zeigen, dass die Nutzung der Küstenschifffahrt und Inlandswasserwegen um bis zu 60 bis 80 Prozent billiger als Straßen- und Schienentransport ist.

Stark fragmentierter Logistikmarkt.
Laut der indischen The Economic Times liegt der Wert der Transportbranche im Lande bei 160 Millionen US-Dollar (137 Millionen Euro) und soll in den nächsten Jahren auf 215 Millionen US-Dollar (185 Millionen Euro) ansteigen. Rund 20 Millionen Menschen finden in diesem Bereich Arbeit. Allerdings ist die Branche noch sehr unorganisiert und stark fragmentiert. Nur zehn Prozent aller Fuhrunternehmen besitzen mehr als 25 Lkw. Die meisten Firmen sind sehr klein und benötigen zur Abwicklung größerer Aufträge die Hilfe von Drittparteien. Der Grund für die hohen Logistikkosten in Indien liegen vor allem in den fehlenden Größeneffekten, der schlechten Transport-, Lagerhaus- und IT-Infrastruktur, fehlender Fachkräfte und kraftstoffineffiziente Fahrzeugen. Sie sollen bis von bisher 14 Prozent des BIP auf zehn Prozent sinken.

Einige Verbesserungen sind überwiegend auf den Eintritt internationaler Logistiker in den Verbrauschsgütermarkt und auf neue E-Commerce-Unternehmen zurückzuführen. Zudem hat die Regierung unter Premier Narendra Modri in 2017 eine neues System für die Besteuerung von Waren und Dienstleistungen erlassen, durch die die Warenbewegung zwischen den 28 Bundesstaaten durch die Beseitigung von Grenzsteuern günstiger wurden. Der Logistikmarkt besteht aus rund 1000 Firmen von kleinen bis mittleren lokalen Playern über große internationale Unternehmen wie DHL (Joint Venture mit dem indischen Expressdienstleister Blue Dart), die Staatsbetriebe Indian Railways und Shipping Corporation of India, der Expressdienst der indischen Post und Startups für E-Commerce-Lieferungen.

Deutsche Firmen mit indischer Präsenz sind unter anderem DB Schenker und Dachser. Unternehmen wie DHL und das indische Startup Rivigo werden zunehmend Kapazität, Technologie und Big Data-Anwendungen in den Markt bringen und damit die Qualität des Logistik-Serviceangebots in den Fokus der Branche bringen. Diese Entwicklung und die zunehmende Entstehung von Fracht-Plattformen wie FreightBazaar wird auch zu verbessertem Tracking & Tracing sowie einer besseren Auffindbarkeit von Frachtkapazitäten führen. Allerdings wird der gewaltige wirtschaftliche Schaden durch die Corona-Pandemie die Entwicklung und das Wachstum der indischen Logistikbranche sicherlich verzögern. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 6/2020

Deep Learning revolutioniert die Logistik

„Tiefes Lernen“ als Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz revolutioniert die Logistik. Durch künstliche neuronale Netzwerke (KNN) können riesige Mengen (Big Data) an unstrukturierten Daten verarbeitet und analysiert werden.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Beim Thema „Künstliche Intelligenz (KI)“ werden bei vielen Menschen Assoziationen zu Science Fiction-Filmen geweckt. Wer denkt da nicht an Cyborgs, Blade Runner und Replikanten? Aber wie weit ist die KI wirklich und wo wird sie in der Logistik bereits angewendet? Was sind die Zukunftsaussichten?

 

Nach dem Gabler Wirtschaftslexikon versteht man unter KI „die Erforschung von intelligentem Problemlösungsverhalten sowie die Erstellung intelligenter Computersysteme. Sie beschäftigt sich mit Methoden, die es einem Computer ermöglichen, Aufgaben zu lösen, die vom Menschen zur Lösung Intelligenz erfordern.“ Zur KI gehören mittlerweile viele Teilbereiche, deren Anzahl beständig wächst: Bots, Predictive Maintenance, Data Mining, Process Mining, Neuronale Netze, Machine Learning, Deep Learning, u.v.m.. Deep Learning mit Hilfe neuronaler Netze ist der derzeit vielversprechendste Ansatz in der künstlichen Intelligenz und wiederum ein Ansatz innerhalb des maschinellen Lernens. Daher soll es hier genauer betrachtet werden.

Wie funktioniert tiefes Lernen?
Beim maschinellen Lernen werden Algorithmen anhand von Daten trainiert. Beim tiefen Lernen werden künstliche neuronale Netze zur selbstständigen Informationsverarbeitung bzw. zur fortgeschrittenen Mustererkennung genutzt. Künstliche neuronale Netze (NN) sind Algorithmen, die nach dem biologischen Vorbild des menschlichen Gehirns modelliert sind. Durch große Datenmengen (Big Data) und stark gewachsene Rechenkraft hat Deep Learning an Relevanz gewonnen. Auch hier füttert man das neuronale System mit Trainingsdaten. Diese laufen dann allerdings durch ein Netzwerk an künstlichen Neuronen, das in Schichten angeordnet ist. Die Daten werden von einer Neuronenschicht zur anderen über sog. gewichtete Kanäle übertragen. Es existiert eine Input-Schicht, dazwischen sog. Hidden Layers und eine Output-Schicht. Man kann sagen, je höher die Anzahl der Hidden Layer ist, desto tiefer ist das Lernen. Durch Aktivierungsfunktionen werden bestimmte Neuronen aktivert, die dann ihre Werte an die jeweils nachfolgende Schicht weitergeben. Durch die Neuronen der Hidden Layers wird den Werten eine jeweilige einzigartige Zahl (Bias) hinzugefügt. Durch Anpassung der Wichtung und die Bias lernt das neuronale Netzwerk.

Tiefes Lernen ist extrem rechenintensiv und das Training kann über Monate andauern, um gute Vorhersagen und Entscheidungen treffen zu können. Deep Learning löst Probleme z. B. im Bereich der Sprach-, Text- und Bilderkennung, was ohne diese speziellen Algorithmen nicht möglich wäre. Gerade bei riesigen Datenmengen funktioniert Deep Learning weit besser als das maschinelle Lernen mit klassischen Algorithmen. Der Hauptunterschied zwischen Deep Learning und klassischem Machine Learning liegt in der Fähigkeit, durch künstliche neuronale Netzwerke (KNN), unstrukturierte Daten zu verarbeiten.

Anwendungsgebiete des Deep Learning in der Logistik.
Neben der Sprach-, Text- und Bilderkennung wird tiefes Lernen in der Logistik beispielsweise bei der Wegeoptimierung eingesetzt. Beim Online-Händler für Mode Zalando werden die Laufwege der Mitarbeiter in den Logistikzentren verkürzt und die Pickrouten so optimiert, dass ein möglichst sinnvoller Weg durch die Regalreihen entsteht. Bei der Kombination aus Pickliste und Wegstrecke handelt es sich im Prinzip um eine komplexere Variante des Traveling-Salesman-Problems.

Nach wie vor stellt die Rechenzeit der Algorithmen die größte Herausforderung für viele Anwendungen dar. Um diese Zeit auf wenige Millisekunden zu reduzieren, wurden bei Zalando eine Million zufälliger Picklisten generiert und mit Hilfe des Algorithmus mit der dafür errechneten Kommissionierzeit gelabelt.

Die Daten wurden dann in ein NN eingespeist. Anhand dieser Informationen wird es trainiert und die Wegezeitenberechnung erreicht schließlich nur eine Fehlerrate von etwas über 32 Sekunden pro Stunde. Ein enormer Beschleunigungsfaktor kann durch Grafikprozessoren (GPUs) erreicht werden. Das Unternehmen nutzt NN (sog. Convolutional Deep Neural Networks) auch zur Extraktion von Merkmalen aus Produktbildern, die für das Bereitstellen von individuellen Empfehlungen an Kunden verwendet werden.

Die BMW Group arbeitet derzeit an der Entwicklung von fünf KI-fähigen Robotern zur Verbesserung der Logistikabläufe. Dies sind einerseits ein Smart Transportroboter (STR) zum autonomen Materialtransport, als auch Logistikroboter zum Auswählen, Greifen und Handling von Bauteilen und Ladungsträgern. Die Roboter verwenden KNN, z. B. zur Wahrnehmung, Segmentierung, Bestimmung der räumlichen Lage und Schätzung der menschlichen Position. Zusätzlich zu realen Daten werden die Logistikroboter mithilfe gerenderter Bilder trainiert, um Bauteile und Ladungsträger unter verschiedenen Sicht- und Lichtbedingungen zu erkennen. Die realen und synthetischen Daten werden anschließend verwendet, um künstliche, neuronale Netzwerke auf den Grafikkarten-basierten Servern zu trainieren. Dadurch sollen Logistikprozesse und -innovationen weiter optimiert werden. Die Roboter wurden auf der vom amerikanischen Grafikprozessor-Hersteller NVIDIA entwickelten ISAAC-Robotics-Softwareplattform entwickelt.

Der amerikanische Logistiker GlobalTranz nutzt Deep Learning um Unternehmen beim Tracking von Finanzprognosen, Produktionstempo- und fluss sowie Auftragsabwicklung zu helfen. Zudem können dadurch bessere Entscheidungen durch die Geschäftsführung getroffen werden. Laut der amerikanischen Computerzeitschrift Wired Magazine erwarten Experten die zunehmende Nutzung von Tiefem Lernen in der voraussagenden Instandhaltung von Maschinen, Ertragsoptimierung, Beschaffungsanalyse und Vorratsoptimierung. Die amerikanische Beraterfirma McKinsey sieht einen Wertezuwachs von Unternehmen durch die Einführung von Deep Learning-Technologien je nach Branche von ein bis neun Prozent der Unternehmenserträge.

Wie KI die Logistik verändern wird.
Besonders auch im Bereich der Lagerverwaltung und -technik wird die Automatisierung mit KI immer weiter Einzug halten. Durch sie wird die Lagerverwaltung agiler und reagiert schneller auf geänderte logistische Anforderungen. Eine wichtige Rolle beim Smart Warehouse spielt dabei das Industrial-Internet-of-Things (IIoT) durch das alle Komponenten miteinander vernetzt werden. KI wird die Kommissionierung durch die Vorberechnung der benötigten Ladungsträger und Packmittel verbessern und die Zeiten verkürzen, Cobots und Fahrerlose Transportsysteme (FTS) steuern, die Bestandsverwaltung optimieren, die Kommunikation von Komponenten durch die Vernetzung stark verbessern, die Produktivität erhöhen u.v.m..

Der effektivere Einsatz von Personal durch KI-gesteuerte Einsatzplanung führt zu geringeren Personalkosten bzw. eine höherer Sicherheit durch Reservenbildungen (z. B für den Krankheitsfall). Das Logistics Trend Radar (2018/ 19) von DHL zeigt zwei übergreifende Trends auf, die durch den Einsatz von KI erst entstehen. Die Antizipatorische Logistik beschäftigt sich mit der Voraussage der Nachfrageentwicklung. „Man muss wissen, dass die simulationsbasierte Planung eines der ganz großen Ziele der Digitalisierung ist, das gilt nicht nur für die Logistik, sondern für alle Branchen. Wenn wir so weit sind, dass wir ganze Lieferketten vorausberechnen und -steuern können, dann kann man die Digitalisierung der Geschäftsprozesse nahezu als abgeschlossen betrachten“, erklärt Thomas Reppahn, Leiter Zentrale Logistics Product and Process Management der Schenker Deutschland AG.

Der zweite Trend sind selbstlernende Systeme durch selbstlernende KI-basierte Algorithmen wie eben KNN. Einige Anwendungen in der Logistik wurden oben schon aufgezeigt. Die selbstlernenden KI-basierte Algorithmen eignen sich zum Erkennen wiederkehrender Ereignisse im Lager oder bei der Kommissionierung, die dann z. B. in bestimmte Kommissionierregeln umgesetzt werden können. Durch selbstlernende Systeme kann u. a. auch die rechtzeitige Nachbestellung von Artikeln in der benötigten Stückzahl automatisiert werden. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2020

Einfach mal die Perspektive ändern

Bei der exklusiven Material Handling & Logistics Conference (MHLC) Europe 2020 in Stuttgart kommen Sprecher zu Wort, die man nicht unbedingt mit Logistik in Verbindung bringt. Aber genau das macht die Veranstaltung so spannend. Das und die Tatsache, dass nicht jeder teilnehmen darf.

Redaktion: Angelika Gabor.

Am 8. und 9. März, im Vorfeld der LogiMAT, findet die MHLC im Goldbergwerk Fellbach und im Mövenpick Hotel Stuttgart Flughafen statt. Zielgruppe: Entscheidungsträger der Intralogistik, die auch über den Tellerrand hinausblicken und kreative Lösungen und Denkanstöße erhalten möchten. Das Besondere an den Vorträgen und Workshops ist ihre Unabhängigkeit.

„Man kann keinen Speaking Slot kaufen“, bestätigt Dominic Fischer, Eventmarketingmanager beim Eventsponsor Dematic. Statt dessen wählt ein Gremium die Themen, die den Kunden wirklich unter den Nägeln brennen – und engagiert dann neutrale Experten aus ganz Europa, die oft aus ganz anderen Themenbereichen kommen. „Wir wollen Antworten auf die Frage, was die Zukunft der Intralogistik beeinflusst“, so Fischer. Maximal 300 Teilnehmer kommen in den Genuss der Veranstaltung – alle auf Entscheiderlevel. Fischer: „Hier zählt nicht das Sehen und Gesehen werden, sondern es geht darum, dass wirklich jeder Teilnehmer etwas lernen und für sich mitnehmen kann. Natürlich bietet die Konferenz auch eine exklusive Networking-Plattform für den europäischen Markt.“ Die Eröffnung der MHLC im Rahmen eines Galadinners am 8. März übernimmt Bruce Dickinson. Während viele ihn nur als Sänger der Band Iron Maiden kennen, ist er auch ein überaus erfolgreicher Unternehmer und Pilot.

Der 9. März ist dann vollgepackt mit teils provokanten Keynotes und Workshops. Den Anfang macht Lars-Johan Jarnheimer, Vorstand der IKEA Gruppe, er spricht über Unternehmensentwicklung, zukünftige Aspekte und den Wandel der Supply Chain. Anschließend finden vier parallele Workshops statt, die sich mit unterschiedlichen Themen befassen: zum Veranstaltungsmotto „MOVE“ und über Riskmanagement inspiriert Dominik Neidhart, erster europäischer Gewinner des Americas Cup. Im zweiten Workshop, „next generation supply chain“ geht es um die Robotik in Zeiten der Digitalisierung. Workshopleiter: Dominic Bösl, Leiter Robotic Future bei Festo und Crystal Parrott, VP Robotic Excellence Center bei Dematic. In Sachen Digitalisierung macht Shivvy Jervis niemand etwas vor, bereits vier Mal wurde die Broadcasterin als Innovations-Futurist ausgezeichnet. Ihr Thema: „Emotive AI’, Hybrid Data, Bio-Security, Cyber Security & Digital Identity – What’s Coming? Forget IoT, it’s the Internet of Everything.“ Beim vierten Parallelworkshop stehen Energieeffizienz und Green Warehouses auf dem Programm. Dr. Jeremy Leggett, Gründer von Solarcentury und SolarAid wird mit Chicco Testa, Vorstandsmitglied der Telit Communications, Optimierungspotenziale identifizieren.

Nach einer kurzen Snack- und Netzwerkpause finden wieder vier parallele Workshops statt. Effy Vayena, Professorin für Big Data und Ethik künstlicher Intelligenz am ETH Zürich thematisiert den Einfluss künstlicher Intelligenz auf Führungsstil und Belegschaft. Im Workshop „Next Generation Supply Chain“ warten gleich vier Experten: Luis Solis, Direktor des Advanced Learning Innovation Programms an der IE Business School, Josh Valman, Gründer und Leiter der RPD International, Phillip Siefer, Gründer des alternativen Start-Ups Einhorn sowie der Digitalisierungsexperte und Start-Up-Investor Uwe Horstmann. Über digitale Störungen und darüber, wie künstliche Intelligenz Technologie verschwinden lässt, sinniert im 3. Workshop der Unternehmer und Analyst Dr. Rand Hindi. Beim vierten Parallelworkshop mit Helmuth Ludwig, CIO der Siemens AG, steht die Transformation eines Unternehmens hin zur digitalen Optimierung im Fokus.

Nach der Mittagspause startet der Nachmittag mit einer Keynote von Porter Erisman. Der ehemalige Vizepräsident der Alibaba Gruppe und Experte für e-Commerce in Asien wird dem Publikum das “Alibaba Concept” und die damit verbundenen Veränderungen des Marktes näherbringen. Anschließend wieder die Qual der Wahl zwischen vier hochkarätigen Workshops mit unterschiedlichen Themenbereichen: der Polarforscher Sir Ranulph Fiennes thematisiert „Marketing for CEOs – Death or Glory in the Digital Age“. José Luis Rodríguez, Logistikleiter, Ahorramas Supermarkt und Thomas Steverding, Senior Group Manager Strategie und Geschäftsentwicklung bei DPD sprechen über Gegenwart und Zukunft von Same Day Delivery und der letzten Meile. Claudia Olsson, Strategin für für digitale Transformation wird Hybrid-Realität und Technologietrends gegenüberstellen.

Den vierten Workshop leitet Tom Purves, ehemaliger BMW Nordamerika und Rolls Royce-CEO. Der nächste Parallelworkshop-Block folgt nach einer weiteren kurzen Pause. Gestärkt muss man sich dann erneut entscheiden. Der führende Motivationstrainer Adrian Webster ruft dazu auf, sich von anderen zu unterscheiden und so erfolgreich zu sein. Der zweite Workshop ist eine von KION gehostete Podiumsdiskussion mit Markus Sontheimer, Vorstandsmitglied der DB Schenker AG.

Titel: „Start-up Hype meets Industry-Change“.
Die Risiken und Chancen von Big Data und Datensicherheit thematisiert der dritte Workshop. Mitwirkende: der führende Datensicherheitsanalyst und Hacker FC sowie Dr. Viktor Mayer-Schönberger, Big Data Experte und Professor für Internet Governance an der Oxford Universität. Last but not least der vierte Parallelworkshop mit Hans-Peter Hiemer, ehemaliger Geschäftsführer von s. Oliver und Inhaber von b4b. Bei ihm geht es um adaptive Produktivität und agile Transformation von Geschäftsmodellen im und für das digitale Zeitalter.

Einen Kracher verspricht die Abschluss-Keynote.
Unternehmer und Ex-Formel 1 Fahrer David Coulthard sowie Unternehmer und Formel 1 Manager Mark Gallagher haben Geschwindigkeit im Blut. In der Motivationsrede gilt daher nur ein Fokus: Speed! Neben den hochkarätigen Sprechern und dem sorgsam zusammengestellten Programm locken noch Aussteller und die „Future Lobby“ mit aufstrebenden, innovativen Start-Ups zu der exklusiven Veranstaltungsreihe. „Die nächsten geplanten Austragungsorte sind England und Spanien“, verrät Fischer. Also am besten dieses Jahr in Stuttgart teilnehmen, denn so nah kommt die MHLC nicht so schnell wieder. (AG)

E-Magazin Archiv: LOGISTIK express Journal 1/2020  https://epaper.logistik-express.com/
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