Mehr Effizienz in der Logistik dank Künstlicher Intelligenz

Die Logistik ist ein geradezu idealer Anwendungsfall für Künstliche Intelligenz. Aufgrund ihres enormen Potenzials, Prozesse zu optimieren, Störungen und Fehler im System rechtzeitig zu erkennen und zu beheben sowie Kosten zu senken, wird sie von der Mehrheit der Entscheidungsträger innerhalb der nächsten zehn Jahre als unverzichtbarer Bestandteil der Branche angesehen. Auch aufgrund ihres Potenzials, neue, attraktivere Arbeitsplätze entstehen zu lassen.

Die Corona-Krise war und ist auch eine Krise der globalen Lieferketten und der Logistik. Sie kann jedoch auch als Weckruf verstanden werden: Immer ausgefeiltere Supply-Chain-Systeme sind in einem volatilen Umfeld und angesichts von Schwankungen bei Angebot und Nachfrage (nicht zuletzt auch aufgrund des Klimawandels oder wegen geopolitischer Rivalitäten) umso verletzlicher. Systeme der Künstlichen Intelligenz bieten jedoch ungeahnte Möglichkeiten, auf rasche Veränderungen schnell zu reagieren – beziehungsweise sie vorherzusehen und auch im Nicht-Krisenmodus die Abläufe effizienter zu organisieren, Ressourcen zu sparen und Kosten zu senken.

 

Die Logistik als idealer Anwendungsfall für die Künstliche Intelligenz.
Logistiksysteme sind Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, die zwar eindeutig, aber aufgrund ihrer Komplexität für den Menschen und für herkömmliche Methoden der Operations Research kaum überschaubar sind. Welche Auswirkungen haben ein Stau, ein Materialschaden bei einer Maschine oder ein Streik in einem Hafen an einem anderen Ende der Welt für das Gesamtsystem? Wie kann es rasch erneut in sich abgestimmt werden? Systeme der Künstlichen Intelligenz werden das in Zukunft immer genauer berechnen können.

Mehr noch: Wie werden sich aufgrund von Ernteausfällen oder Rekordernten, Wechselkursentwicklungen oder Themen, die in den Sozialen Medien gerade virulent sind, Angebot und Nachfrage nach bestimmten Gütern (auseinander) entwickeln? Künstliche Intelligenz kann nicht nur Prozesse optimieren sondern auch in der Bedarfsprognose und der Absatzplanung eingesetzt werden.

Intelligente Algorithmen, hohe Rechenleistung und Big Data.
Möglich ist dieser Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch mehrere Faktoren: Einer hohen und ständig zunehmenden Rechenleistung und Speicherkapazität, Big Data und intelligenten Algorithmen. Die Rechenleistung von Computern und Chips potenziert sich fortwährend – bis zum Jahr 2040 könnte sie gegenüber heute um einen Faktor 1000 zugenommen haben.

Nicht nur durch das Internet und durch soziale Medien, sondern auch über Sensoren und Systeme der Echtzeitdatenübermittlung kann auf gewaltige und stets aktuelle Datenmengen und auch auf aussagekräftige Datenreihen zugegriffen werden – das ist «Big Data». Bei Logistikprozessen selbst werden täglich riesige Mengen an Daten produziert. Basierend darauf können Aussagen getroffen werden, wie sich Systeme über die Zeit hinweg verhalten und auf welche Einflussfaktoren und Veränderungen sie wie reagieren.

Es gibt je länger je mehr Datenquellen, die bald neues Potenzial zur Effizienzsteigerung in der Logistik bieten können. So stellen beispielsweise die B2B-Plattformen wlw (ehemals «Wer liefert was») und EUROPAGES grosse Mengen an Daten zu Rohstoffen und Produkten zur Verfügung. Neben detaillierten Spezifikationen sind auch Preise und Lieferzeiten enthalten. Es ist absehbar, dass die Daten dieser beiden Plattformen des Plattformanbieters Visable in Zukunft genutzt werden können, um Lagerbestände durch Künstliche Intelligenz effizient zu bewirtschaften. Es sind dann Nachbestellungen zum besten Preis termingerecht und automatisiert möglich.

Notwendig dafür ist die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Daten. Denn Datenquantität ist nicht gleich Datenqualität. «Es ist wichtig, eine adäquate Vorauswahl zu treffen, welche Daten benötigt werden. Zudem muss sichergestellt sein, dass diese Daten in genügender Qualität vorhanden sind», berichtet der CTO von Visable, Daniel Keller. «Visable hat für die Datensammlung begonnen, Künstliche Intelligenz zu nutzen, um relevante Daten als solche zu identifizieren – im Sinne eines Lernprozesses über intelligente Algorithmen», erklärt Daniel Keller.

Intelligente Algorithmen bedeutet, dass Künstliche Intelligenz, die auf diesen Algorithmen beruht, die Ergebnisse, die sie produziert und die Prognosen, die sie aufgrund einer Auswertung von Daten trifft, mit dem realen Wert vergleicht, aus ihren Fehlern lernt und sich so selbst fortwährend optimiert. Es bedeutet auch, dass Künstliche Intelligenz Echtzeitdaten verarbeiten und so instantan reagieren kann. Das heisst nicht, dass Künstliche Intelligenz deswegen ein Bewusstsein entwickelt. Im Hinblick auf ihre Rechenkapazitäten ist sie den kognitiven Fähigkeiten des Menschen jedoch bei weitem überlegen.

Vielfältige Anwendungsgebiete zur Effizienzsteigerung in der Logistik.
Künstliche Intelligenz kann aber noch für viel breitere Anwendungsgebiete als die simple Lagerbewirtschaftung genutzt werden. Zunächst können Systeme der Künstlichen Intelligenz Transportrouten (innerhalb und ausserhalb des Lagers) planen und, im Zusammenhang mit unerwarteten Ereignissen, neu berechnen. Ankunftszeiten können noch genauer vorhergesagt werden. Systeme der KI können leicht erkennen, wenn bestimmte Produkte oder Komponenten im Lager rar werden – und die möglichen Auswirkungen auf andere Produkte oder Komponenten im Logistikzyklus vorhersehen – und diese dann rechtzeitig aufstocken. Genauso können Überkapazitäten erkannt werden.

Im Sinne von «Predictive Maintainance» kann Künstliche Intelligenz Maschinenausfälle vorhersehen und darüber hinaus effizient die Timeslots für die entsprechenden rechtzeitigen Wartungsarbeiten innerhalb des Gesamtprozesses einteilen. Autonome Drohnen können Inventuren erledigen und Bilder zur Schadensprüfung aufnehmen. Chatbots können Anfragen von Paketempfängern entgegennehmen. Das Sortieren von Waren und Komponenten im Lager ist für den Menschen eine zeitintensive Aufgabe. Hier können Roboter die Vorsortierung übernehmen. Darüber hinaus können sie besser erkennen, welche Produkte oder Komponenten gerade stärker nachgefragt werden und diese näher am Ein-/Ausgang platzieren, um Wegzeit zu sparen.

Und neben dieser Prozess- und Transportoptimierung kann Künstliche Intelligenz eben in der Bedarfsprognose und Absatzplanung eingesetzt werden. Durch Big Data kann besser vorhergesehen werden, wer wann wo was braucht; wo es in nächster Zeit bei bestimmten Produkten zu einem Nachfrageüberhang oder aber –defizit kommen könnte. Damit kann sie nicht nur in bestehende Prozesse eingreifen und diese optimieren, sondern Ressourcen und Kapazitäten auch in die jeweilige Zukunft hinein besser aufteilen. Das würde bedeuten, dass Künstliche Intelligenz in der Logistik nicht allein innerbetriebliche Probleme und Engpässe sondern vielleicht sogar gesamtwirtschaftliche Abschwünge oder Volatilitäten besser abfedern könnte. Anhand dieser Beispiele sieht man auch, dass Künstliche Intelligenz menschliche Arbeit im Grossen und Ganzen nicht ersetzen wird. Sie wird die menschliche Arbeit vielmehr unterstützen.

Entscheidungsträger nehmen noch eine abwartende Haltung ein.
Trotz des hohen Potenzials von Künstlicher Intelligenz handelt es sich im Wesentlichen um eine neue Technologie, deren volle Entfaltung noch in der Zukunft liegt und deren Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen noch nicht ganz verstanden werden. So ist es dann vielleicht auch weniger verwunderlich, dass viele Unternehmen noch zögern, Künstliche Intelligenz zu implementieren. Laut einer Studie des Magazins Logistik heute und INFORM wenden nur 26 Prozent der befragten Betriebe in Deutschland Künstliche Intelligenz in ihrer Logistik an. Dabei gibt mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) an, dass ihnen das entsprechende Know-how fehlen würde. Als weitere Hindernisse werden hohe Kosten (46 Prozent), eine unzureichende IT-Infrastruktur (44 Prozent) und ein Mangel an zeitlichen Ressourcen (38 Prozent) genannt. Aus einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2019 geht jedoch hervor, dass 70 Prozent aller Befragten davon ausgehen, dass Künstliche Intelligenz in den nächsten zehn Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil in der Logistik sein wird.

Doch auch einen anderen Grund gibt es für die reservierte Haltung gegenüber dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Logistik: Die Angst davor, dass Künstliche Intelligenz in grossem Stil Arbeitsplätze überflüssig machen könnte. Was sich abzeichnet, ist, dass Künstliche Intelligenz menschliche Fähigkeiten beträchtlich erweitert, sie aber nicht notwendigerweise ersetzt. Vielmehr werden Menschen benötigt, die die Systeme der Künstlichen Intelligenz beaufsichtigen, warten und die ihre Vorschläge ausführen und konkret umsetzen. Zu erwarten ist, dass sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz gesamtwirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich neue Berufsfelder auftun. In der Summe könnten in der Logistik bessere und weniger anstrengende Arbeitsplätze entstehen.

Die Logistik ist also ein idealer Anwendungsfall für die Künstliche Intelligenz. Die Möglichkeiten, dass Probleme schneller und effizienter behoben werden, Kosten gesenkt, Ressourcen geschont, nicht allein betriebswirtschaftliche sondern gesamtwirtschaftliche Krisen und Probleme durch sie abgefedert werden und nicht zuletzt eventuell bessere Arbeitsplätze für Menschen entstehen, sind kaum zu unterschätzen. Klar ist, dass noch Qualifizierungsbedarf besteht. Bald aber dürfte allein aus Gründen des Wettbewerbs Künstliche Intelligenz in der Logistik überall zu finden sein. Für die Betriebe lohnt es sich daher, sich jetzt bereits darauf vorzubereiten.

LOGISTIK express Journal 4/2022

AWS unterstützt Deutschland bei seinem digitalen Wandel

Die digitale Transformation ist ein zentraler Stellhebel, um das Wirtschaftswachstum und die Innovationskraft von Unternehmen und Ländern voranzutreiben, aber auch resilient gegenüber negativen externen Ereignissen zu werden und den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

Beitrag: Redaktion.

Um die Digitalisierung in Europa konsequent voranzutreiben und von ihren positiven Aspekten zu profitieren hat die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Vision der digitalen Dekade in 2021 Ziele vorgestellt, die sie bis zum Jahr 2030 erreichen möchte. Diese Ziele richten sich an vier Säulen aus: die Entwicklung digitaler Fähigkeiten, der Aufbau von digitaler Infrastruktur sowie die Digitalisierung von öffentlichem Sektor und Unternehmen.

Public First, ein unabhängiges Beratungsunternehmen, hat im Auftrag von Amazon Web Services (AWS) untersucht, welche Rolle
Cloud-Computing bei der Realisierung dieser Ziele spielt und wie weit Europa bereits bei der Umsetzung vorangeschritten ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in dem Report „Unlocking Europe’s Digital Potential“ zusammengefasst. Als Teil dieser
Studie betrachtete Public First auch den Digitalisierungs-Fortschritt in Deutschland. Erreichen der Ziele der digitalen Dekade hat das Potenzial, eine Bruttowertschöpfung von 800 Milliarden Euro in Deutschland zu erzielen.

Das Beratungsunternehmen schätzt, dass durch die Verwirklichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission im Zeitraum von 2021 bis 2030 in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von über 800 Milliarden Euro erzielt werden könnte. Das entspricht etwa einem Viertel (24 Prozent) der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2021.

Der Einsatz von Cloud-Computing spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Public First schätzt, dass 55 Prozent dieser Bruttowertschöpfung von dem Einsatz von Cloud-Computing abhängt. Cloud-Computing ist die bedarfsabhängige Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet. Statt Rechenzentren und Server selbst kaufen und betreiben zu müssen, können Organisationen Rechen- und Speicherkapazitäten, Datenbanken, als auch Dienste wie Analytics, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Internet der Dinge und viele mehr bedarfsorientiert über die Cloud beziehen und dabei höchste Ansprüche an Daten- und Ausfallsicherheit erfüllen. Dadurch ermöglicht die Cloud den Zugang zu neusten Technologien ohne hohe Vorabinvestitionen und tiefgreifende Programmierkenntnisse, sodass alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, Nutzen aus diesen ziehen können.

Um das volle Potenzial von 800 Milliarden Euro Wirtschaftswachstum auszuschöpfen, muss Deutschland seine Bemühungen für die Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission schneller vorantreiben. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von Kerntechnologien durch Unternehmen: Laut Untersuchungen der Europäischen Kommission setzen bislang nur 20 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Computing ein. Andere Quellen geben an, dass 37,5 Prozent der deutschen Organisationen diese Technologie nutzen. Künstliche Intelligenz wird nur von etwa 28 Prozent der deutschen Unternehmen eingesetzt und Big Data lediglich in 18 Prozent der Organisationen. Dabei kann der Einsatz digitaler Werkzeuge die Unternehmensproduktivität erheblich steigern – etwa um 10–25 Prozent.

Gemessen an dem derzeitigen Fortschritt wird Deutschland bis 2030 nur ein jährliches Wirtschaftswachstum von 248 Milliarden Euro erzielen. Dabei könnten durch eine schnellere Digitalisierung sogar bis zu 552 Milliarden Euro zusätzlich an Bruttowertschöpfung erwirtschaftet werden. Um die Ziele Europas in der digitalen Dekade schneller zu erreichen, müssen öffentliche und private Akteure der deutschen Wirtschaft zusammenarbeiten und die Entwicklung digitaler Fähigkeiten sowie die Einführung von digitalen Technologien unterstützen. AWS bietet in diesem Zusammenhang beispielsweise kostenlose Cloud-Computing-Trainings an, mit dem Ziel bis zum Jahr 2025 weltweit 29 Millionen Menschen zu trainieren. Bereits heute haben mehr als 100.000 Personen in Deutschland erfolgreich an Trainings von AWS teilgenommen.

Deutschland macht große Fortschritte in einigen Bereichen der digitalen Dekade.
Die Untersuchung von Public First zeigt auch, dass Deutschland in einigen Bereichen bereits große Fortschritte zur Erfüllung der Ziele der digitalen Dekade erreicht hat. Schon heute verfügen 56 Prozent der Haushalte in Deutschland über sogenannte „Very High Capacity Networks“. Dabei handelt es sich um feste Breitbandnetze mit Glasfaseranschluss bis mindestens zum Gebäude und drahtlose Netze mit Glasfaseranschluss zur Basisstation.

Die digitale Bereitstellung von grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen ist ein weiteres Beispiel. 100 Prozent wichtiger öffentlicher Dienste sollen für Bürger:innen und Unternehmen online zugänglich sein. Auch in diesem Zusammenhang stellt Cloud-Computing ein wichtiges Instrument dar. Öffentliche Organisationen können durch die Nutzung von Cloud-Computing auf eine sichere Infrastruktur zurückgreifen, um Verwaltungsleistungen zu digitalisieren. Public First schätzt, dass die Verlagerung von 10 Prozent der aktuellen IT-Systeme in die Cloud das Potential hat, den deutschen Steuerzahlern über 230 Millionen Euro pro Jahr einzusparen.

AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission.
AWS unterstützt die Erreichung der Digitalisierungsziele der Europäischen Kommission, um den Weg in eine digitale und nachhaltige Zukunft zu ebnen. Dafür verfolgen wir einen mehrstufigen Ansatz: Aufbau von Vertrauen. Deutschland ist eines der führenden Länder in Europa, wenn es um den Aufbau einer nachhaltigen und digitalen Zukunft geht. AWS unterstützt seine Kunden in Deutschland dabei, Gesetzen und Regulierungen der EU und von Deutschland zu entsprechen und höchste Anforderungen an Daten- und Ausfallsicherheit zu erfüllen. Investitionen in den Aufbau digitaler Fähigkeiten. Digitale Fähigkeiten sind zentral in unserer künftigen Arbeitswelt. AWS unterstützt die deutsche Wirtschaft dabei, den Mangel an digitalen Fähigkeiten durch Weiterbildungs- und Trainingsangebote zu adressieren.

Nachhaltigkeit stärken. Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. AWS ist auf einem guten Weg seinen Betrieb bis 2025, also fünf Jahre vor dem eigentlichen Ziel in 2030, auf 100% erneuerbarer Energien umzustellen. Zusammen mit unseren Kunden arbeiten wir an neuen Ideen, um mit neuen Technologien Emissionen zu reduzieren und unsere Umwelt zu schützen. Amazon ist der weltweit größte Einkäufer erneuerbarer Energien. Wir werden auch weiterhin daran arbeiten unsere Infrastruktur so anzupassen, dass wir unsere Nachhaltigkeitsziele erreichen können. Von dem nachhaltigeren Betrieb der AWS Cloud profitieren auch unsere Kunden: Workloads, die in der AWS Cloud betrieben werden, werden damit automatisch nachhaltiger. Weitere Informationen zu unseren Nachhaltigkeitsbemühungen können auf unserer Website abgerufen werden.

Befähigung von Unternehmen. Unternehmen in Deutschland müssen auf die besten Technologien weltweit zugreifen können, um sowohl innerhalb Deutschlands als auch global wettbewerbsfähig zu bleiben. Um ihre Digitalisierungsziele zu erreichen, müssen AWS Kunden in Deutschland die freie Wahl haben, welche Technologien sie nutzen wollen.

AWS respektiert europäische als auch deutsche Werte und unterstützt die sich stetig weiter entwickelnden regulatorischen Anforderungen, um seine Kunden dabei zu unterstützen, diesen zu entsprechen. Innovationskraft stärken. Die Innovationsfähigkeit ist zentral für die digitale Wirtschaft. AWS wird weiterhin daran arbeiten, die Kosten für die Entwicklung von Innovationen zu senken als auch schnelles Experimentieren, Veröffentlichen und Skalieren zu ermöglichen. (RED)

LOGISTIK express Journal 4/2022

Yabba Dabba Doo! Wir bei den Flintstones

Bei der Familie Feuerstein in Steintal wurden Tiere meist als Geräte benutzt. Besonders hart getroffen hatte es den Specht, der als Plattenspieler herhalten musste. Dabei hatten es die Tiere im Steintal noch wesentlich besser, als ihre Artgenossen bei den heutigen „Geröllheimers“. Heute werden sie durch dauernde Rodung und Sprengungen der „Bamm-Bamm`s“ vertrieben, oder gleich abgemurkst.

Redaktion: Peter Baumgartner.

Was den Rohstoffabbau und die damit zwangsläufig verbundene Rodung völlig gesunder Wälder betrifft, machten sich bisher in Österreich nur wenig direkt Betroffene ernsthafte Sorgen. Und dann auch nur, wenn sich der Berg buchstäblich „auflöste“, die Häuser evakuiert und Straßen monatelang gesperrt werden mussten. Es war viel „praktischer“ grüne Gesinnung zu demonstrieren, indem man Umweltsünden in fernen Ländern anprangerte. Quasi als Stellvertreterumweltschützer. Neuerdings wird die Rohstoffversorgung allerdings im Blickwinkel der Unabhängigkeit argumentiert und damit wieder „verörtlicht“. Jetzt wird es schwieriger „unschuldig“ zu sein. Unabhängig von Putin, unabhängig von China usw., lautet die aktuelle Formel zur wirtschaftlichen Stabilität im eigenen Land.

Mit der durchaus sinnvollen Nutzung eigener Ressourcen, steht allerdings wie bisher die Bodenversiegelung, der Straßenbau, viele andere „Begleiterscheinungen“ und letztlich auch der Klimanotstand im Zusammenhang – nur noch viel sichtbarer. Intelligenter Rohstoffabbau würde bedeuten, weniger Probleme. Sowenig wie möglich und nur so viel wie notwendig, das wäre eine überlegenswerte Devise. Das Gegenteil davon findet statt – auch von den Grünen unterstützt. Der Zugang zur „sicheren Versorgung“ mit Rohstoffen fußt auf der Formel, wir nehmen, was wir brauchen – egal woher. Nicht wir nehmen nur dass, was wir der künftigen Generation zumuten können. Deshalb haben wir aktuell bereits im April die uns jährliche zustehenden Ressourcen verbraucht. Dabei streben wir ja nur eine „ausreichende“ Rohstoffversorgung an. Aber wer definiert, was ausreichend ist? Natürlich die Wirtschaft.

Die ex-Ministerin Elisabeth Köstinger sagte, Rohstoffe sind das Lebenselixier der Wirtschaft. Die Wirtschaft bestimmt darüber hinaus auch, was „bedarfsgerecht“ ist. Nicht die Politik und schon gar nicht irgendwelche Gretaisten entscheiden, was, wann, wie, wo und in welcher Menge verbraucht wird. Sportlich argumentiert könnte man sagen: weiter, höher, schneller. Wer möglichst viel, in kurzer Zeit verbraucht, bekommt einen Stockerlplatz – sprich, der steigert den Wohlstand und die Lebensqualität (von Investoren). Politikerinnen und Journalistinnen spielen dabei die Rolle der Groupies oder dienen als Boxenluder. Wie im Spitzensport, jedes Land hat seine lokalen Favoriten und Anwärter auf die Krone. In Österreich ist die Rohstoffindustrie mit der Zement- und Schotterindustrie so ein nationaler Player mit dem Anspruch auf einen Stockerlplatz. In Erinnerung ist den Österreicherinnen noch die „Schottermitzi“. Sie hat es sogar bis in höchste Regierungsämter geschafft.

Insgesamt beträgt der Ressourceneinsatz für unseren „Wohlstand“ in Österreich laut Rohstoff Masterplan-2030 167 Mio. Tonnen – allein aus heimischer Produktion. Mit einer jährlichen Gesamtproduktion von etwa 100 Millionen Tonnen sind Baurohstoffe wie Sand, Kies, Mergel und Naturstein, mengenmäßig bei weitem die bedeutendste Gruppe der festen mineralischen Rohstoffe in Österreich. Hierbei spielen der Straßenbau und die Zementindustrie eine wesentliche Rolle beim Verbrauch. Für einen Kilometer Autobahn benötigt man allein 30.000 Tonnen Sand. In Österreich gibt es derzeit rund 350 aktive Steinbrüche. Dazu kommen noch etwa 950 Sand- und Kiesgruben. Die Nationalhymne könnte also durchaus lauten: „Land der Berge und Land der Kiesgruben…“. Früher galt, jedes Dorf braucht ein Wirtshaus. Heute ist es die Kiesgrube. Die mineralischen Rohstoffe werden nach der Gewinnung entweder per Bahn oder LKW an ihren Einsatzort transportiert (Forum Rohstoffe). Viel wird im Zusammenhang mit diesen großen Transportmengen und deren Bedeutung von Innovation und Nachhaltigkeit gesprochen. Was den Transport anbelangt, wird das Binnenschiff als Verkehrsmittel jedoch bei der Rohstoffverteilung mit keinem Wort erwähnt – obwohl maßgebliche Abbaugebiete im Einzugsgebiet der Wasserstraße Donau liegen. Stattdessen wird quasi empfohlen, das Gewichtslimit beim LKW-Transport zu erhöhen, weil dies angeblich zu weniger Verkehr führen würde.

In Wien – an der Wasserstraße Donau und Donaukanal, wird zum Beispiel trotz reger Bautätigkeit kein einziges Schiff für Rohstofftransporte genützt. Das Thema hängt eng mit den Begriffen „City-Logistik“ und „Urban Mining“ zusammen. Diese existieren aber im Vokabular der Rohstoffindustrie überhaupt nicht. Trimodale Umschlagslösungen dienen höchstens als Feigenblatt, um üppige EU-Förderungen lukrieren zu können. Für die Rohstoffumschlagslösung Hafen/Binnenschiff, bleiben meist nur ein paar Krümel übrig.

Dabei gibt es durchaus große Vorbilder. In Berlin sagt man, dass die Stadt „aus dem Kahn“ (Binnenschiff) erbaut wurde (und noch immer wird). Auch in vielen anderen Städten spielt das Binnenschiff bei der Rohstoffversorgung eine zentrale Rolle. Weniger nachahmenswert sind die Beispiele aus Indien, wo der Bau Sand von „Sand Miners“ – oft auch Kinder – aus den Flüssen geschöpft und auf Boote verladen wird. Dabei müssen diese ausgebeuteten Geschöpfe 200-300 Mal pro Tag metertief mit einem Kübel abtauchen. Eine ähnliche brutale Abbaumethode praktizierten die „Sandmänner“ vom Main – allerdings ohne Tauchgänge, als sie feststellen mussten, dass man mit Sand mehr Geld verdienen kann, als mit dem Fischfang. Heute spielt bei der Rohstoffgewinnung, dort wo die Schifffahrt gebraucht wird, nur noch High Tech eine Rolle. Selbst die vielerorts tätige Sandmafia ist schon gut ausgerüstet. Anders ist es beim Transport der Rohstoffe. Da ist „Steintal“ noch lebendig.

Aktuelles Beispiel: Die Grünen finden, dass mit einem „Schotterband“ im schönen Nibelungengau über die Donau gespannt, hunderte LKW-Fahrten eingespart werden könnten. Damit sind die Grünen zwar auf Linie des dort tätigen „Geröllheimers“, aber zu Ende gedacht ist die Lösung nicht. Wenn es um Schnelligkeit geht, die ist sicher geboten, dann ist das Binnenschiff die erste Wahl. Die Logistikabteilung müsste nämlich den Schiffstransport nur bestellen, weil selbst eine provisorische Verladeeinrichtung innerhalb von Stunden zu bewerkstelligen ist. Wenn es um die Zahl der einzusparenden LKW-Fahrten geht, dann ist auch das Binnenschiff die erste Wahl, denn ein (1) Binnenschiff könnte selbst bei Niederwasser noch immer etwa 400 Tonnen laden. Man geht in der Praxis allerdings davon aus, dass ein Schiffsverband immer zumindest aus zwei oder sogar vier Einheiten (Schubleichter) besteht. Im Extremfall also mindestens 800-1600 Tonnen transportiert. In Österreich kann man davon ausgehen, dass die Donauschifffahrt auch künftig gute Wasserstandverhältnisse haben wird (staugeregelt, reguliert). Daher kann ein Schiffsverband, aus bis zu vier Einheiten bestehend und bei halbwegs normalen Pegelständen, zumindest 4000 Tonnen dauerhaft transportieren. Die Frage ist also, warum macht man das nicht schon längst, wenn nachhaltig transportieren das Gebot der Stunde ist? Warum fordern die Grünen keine nachhaltige Lösung? Die Antwort ist simpel. Man macht es nicht, weil der Straßentransport billiger und einfacher ist. Die Straße ist immer die erste Wahl für einfach tickende Logistiker. Das Intelligenteste im LKW-Verkehr ist nämlich das Navi. Und vermutlich hat es bei den meisten Rohstoffschürfern noch nie eine UVP mit einem Verkehrskonzept gegeben. Die Bahn, wenn sie denn mittels „Förderband-Brücke“ erreicht wird, hat bereits jetzt genug Probleme mit Lärmbelästigung und Kapazitätsgrenzen. Außerdem, die Bahn ist auf gewissen Strecken sozusagen der Mercedes unter den Transportmitteln und mit einem Mercedes-PKW würde auch niemand auf die Idee kommen, Zementsäcke zu transportieren.

Das wichtigste Argument pro Binnenschiff liegt also in der Zukunftsplanung begründet. Auch wenn sich anscheinend noch niemand Gedanken darüber gemacht hat, wie „unser schönes Land“ ausschauen wird, wenn man mit Rodung und Abbau fertig ist – es wird jedenfalls noch ein paar Jahrzehnte erheblichen Transportbedarf geben.

Ein anderes Beispiel – ein Kärntner Zementwerk – zeigt, dass dort wo keine Wasserstraße, aber eine belastbare Bahn zur Verfügung steht, dennoch ausschließlich der LKW die erste Wahl im Rohstofftransport ist. Da stört es die Grünen auch nicht, dass unzählige LKW sogar durch enge Dorfstraßen fahren und nicht nur Anrainer schwer belasten, sondern auch hohe Infrastrukturkosten verursachen.

Der WWF hat 2018 in einer umfassenden Studie auf die schwerwiegenden Auswirkungen der unkontrollierten Rohstoffausbeutung hingewiesen – allerdings ohne die Transportfrage zu berücksichtigen. Inzwischen ist der Rohstoffverbrauch weiter exorbitant gestiegen und um die weltweite Gier befriedigen zu können, hat längst der Run auf die Schätze der Tiefsee begonnen. Ohne ausreichender Forschungsergebnisse über die Folgen der Ausbeutung, sagen die NGOs. Verfügbare Daten stammen von jenen Forschungen, die von den Ausbeutungs-Unternehmen finanziert werden. Zumindest wird man bei der Ausbeutung der Tiefseerohstoffe um den Schiffstransport nicht herumkommen. Die Sanduhr läuft ab. (PB)

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

LOGISTIK express Journal 4/2022

Leadership ist das Gebot der Stunde

Jammern ist keine unternehmerische Tätigkeit.
Planen Sie mit uns Ihre Medienarbeit.

LE 4/2022, Inhalte: 

03 Inhalt / Editorial / Impressum
04 Einmal hin, einmal her, rundherum das ist nicht schwer
08 Aktuelle Herausforderungen – vier Krisen belasten die Wirtschaft
10  Was tun, wenn nichts mehr geht? Blackout-Vorsorge-Ratgeber
14  Inflation und Kaufkraftverlust lassen Handelsumsätze einbrechen
16  Onlinehändler-Studie: Steigende Kosten und Lieferschwierigkeiten
18  Wie der Computer zum intelligenten Wesen wird
22  Mehr Effizienz in der Logistik dank Künstlicher Intelligenz
26  Wie wird Künstliche Intelligenz das Geschäftsleben beeinflussen?
30  EU Harmonisierung digitaler Warensendungsdokumente
32  Ökologisierung und CO² Neutralität in der Paketzustellung
36  Vom Kataloggeschäft zum Platzhirsch im E-Commerce
40  ECOMLOG22 – Es braut sich ein Sturm zusammen
46  AWS unterstützt Deutschland bei seinem digitalen Wandel
50  Hadolt-Gruppe managt digitale Logistik im LKH-Univ.-Klinikum Graz
52  Herausforderungen und Hindernisse in der Industrielogistik
56  Strategie und Planung als Basis erfolgreicher Logistik
60  Onlinehändler ASOS setzt auf volle Datentransparenz mit KiSoft
62  Am Puls der Zeit mit dematic
66  Langfristige Investitionssicherheit mit AutoStore von Element Logic
70  China Lieferketten -Dürre im Land der Mitte
74  Hafen Wien feiert runden 60er
76  Yabba Dabba Doo! Wir bei den Flintstones
80  ÖBB und Hafen Triest bringen Impulse für Standort Kärnten
84  Ein Land im Niedergang: Deindustrialisierung schreitet voran
90  Krisen sind wichtig! Krisen sind Chancen!
94  Nur 20 Prozent der Jobanzeigen werben mit mehr Geld
96  Menschen in Bewegung
98  Vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Leistungen & Services

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Das bringt die Zukunft: Logistik-Jobs 2030

Komplexer, anspruchsvoller, mehr Informatik-Wissen. Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum der FH OÖ am Campus Steyr untersuchte mit ihrem Team im Auftrag des AMS OÖ, welche Kompetenzen von Logistiker in Zukunft gefordert werden und welche entsprechenden Ausbildungsmaßnahmen dafür erforderlich sind. Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, sollten Weiterbildungsmaßnahmen in Unternehmen verstärkt auf gering qualifizierte Mitarbeiter*innen ausgerichtet werden.

Text: Redaktion.

Die voranschreitende Digitalisierung und Automatisierung ist wie in vielen anderen Bereichen natürlich auch für das Logistikpersonal ein entscheidender Treiber und sollte in der Aus- und Weiterbildung stärker berücksichtigt werden, resümiert die Studienautorin Putz-Egger. Und weiter: „Aufgabenstellungen in einer digitalen Umgebung zu lösen, wird zu einer Grundkompetenz. Der IT-Bereich wird in Zukunft eine größere Rolle spielen. Fachinformatiker für Systemintegration, Softwareanwender und -entwickler und Datenanalysten werden immer wichtiger. Bereits existierende Logistikausbildungen wie zum Beispiel Speditionskaufmann/frau sollten deshalb beträchtlich um IT-Bereich ergänzt oder neue Ausbildungen konzipiert werden. Und obwohl ein Anstieg des Qualifizierungslevels erwartet wird, zeigt bereits eine Studie aus dem Jahr 2017, dass neben Beschäftigungen in relativ hochqualifizierten Bereichen auch viele Jobs in geringqualifizierten Bereichen entstanden sind. Jobs mit mittlerer Qualifikation sind hingegen weggefallen.

Weiterbildung in Unternehmen auf gering Qualifizierte fokussieren.
Einerseits werden in den interviewten Betrieben aktuell viele Weiterbildungsmaßnahmen für (junge) Führungskräfte, also höher qualifiziertes Personal, angeboten, andererseits beschränkt sich das Angebot bei Logistikpersonal mit geringem Qualifikationsniveau oft auf Onboarding und Einschulungen. Viele Mitarbeiter*innen in der Logistik haben keine Ausbildung. Weiters sollte festgehalten werden, dass, wenn Fachkräfte für Lagerlogistik in Kleinbetrieben ausgebildet werden, diese nur selten mit Zukunftstechnologien in Berührung kommen. „Die befragten Unternehmen wünschen sich Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Data Mining bzw. Data Analytics, Change-Management, Prozessverständnis sowie im Bereich sozialer Kompetenzen. Wichtig ist, dass Ausbildungen sehr praxisorientiert gestaltet werden und ein besonderer Fokus auf die stark betroffene Zielgruppe der gering qualifizierten Mitarbeiter*innen gelegt wird“, so die Studienautorin Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum der FH OÖ in Steyr.

Die Studie wurde vom AMS OÖ beauftragt und beinhaltete eine Literaturrecherche sowie 14 qualitative Interviews um die drei Forschungsfragen (1) Welche Kompetenzen weist qualifiziertes Logistikpersonal aktuell auf (2) Welche Auswirkungen haben Trends (Fokus auf Digitalisierung und Automatisierung) auf die benötigte Kompetenzen des Logistikpersonals bis 2030 und (3) Welche Empfehlungen lassen sich für Qualifizierungsmaßnahmen, Aus- und Weiterbildungen von Logistikpersonal aus den veränderten Kompetenzen mit Fokus bis 2030 ableiten, zu beantworten. Erarbeitet wurde die Studie vom Team Sustainable Transport (Verena Stockhammer, Laura Hörandner, Bianca Borca, Susanne Jankovich und Kerstin Mitterer) unter der Leitung von Lisa-Maria Putz-Egger. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Roman Stiftner: Lieferketten müssen resilienter werden

Die Gobalisierung erlebt derzeit einen radikalen Wandel. Produktionen rücken näher zu regionalen Märkten. Was nicht allein schmerzlich sein muss, sondern auch Chancen birgt ist Roman Stiftner, Präsident des European Shippers’ Council überzeugt.

Text: Redaktion.

Herr Stiftner, die Wirtschaft ist derzeit mit großen Veränderungen konfrontiert und der Ukraine-Krieg sorgt für massive Verwerfungen bei globalen Transportabläufen. Was bedeutet das für die verladende Wirtschaft, deren Interessen das European Shippers’ Council (ESC) vertritt?
Roman Stiftner: Es herrschen turbulente Zeiten in der Logistik. Ja, die gestörten Lieferketten im Welthandel machen uns zu schaffen und das wird auch noch einige Zeit disruptiv bleiben. Etwa ein Zehntel aller weltweit verschifften Waren sitzen derzeit irgendwo fest und behindern die Versorgung mit Gütern und Rohstoffen. Das Ausmaß hat auch bereits die Endkonsumenten erreicht, Wunschprodukte sind nicht lieferbar und die Inflation zieht gehörig an.

Die Corona-Pandemie hat Lieferketten massiv beeinträchtig und viele wurden notleidend. Was soll die verladende Wirtschaft unternehmen, um die Lieferketten resilienter gegen Unwägbarkeiten zu machen?
Stiftner: Die Wiederherstellung der Resilienz ist die Priorität für das Supply Chain- Management. Kurzfristig wird die verladende Wirtschaft wohl der Situation mit Krisenmanagement beikommen können. Ich bin überzeugt, dass sich die Zielprioritäten zugunsten der Qualität und Regionalität verschieben werden. Praktisch bedeutet das, dass es nicht mehr darum gehen wird, eine Ware oder einen Rohstoff möglichst kostengünstig zu beziehen. Die Zuverlässigkeit des Eintreffens der Ware hat im Störungsfall mehr Einfluss auf die Kosten des Gesamtproduktionsprozesses als vergleichbar geringe Einkaufserfolge. Auch ökologisch sind manche Warenströme zu hinterfragen und werden wohl neu beurteilt werden müssen. Das ist die Chance für regionale Anbieter, da höhere Logistikkosten und das Einpreisen der Resilienz diese wieder wettbewerbsfähiger machen. Wir erleben einen schmerzhaften, aber gesellschaftlich erwünschten Wandel.

Nicht wenige Handels- und Industriebereiche in Europa haben Probleme bei der Rohstoffbeschaffung, weil sie häufig von einem einzigen Lieferanten abhängig sind. Wäre es nicht besser Rohstoffe von verschiedenen Lieferanten zu beschaffen, um Lieferrisiken zu minimieren?
Stiftner: Das ist einfacher gesagt als getan. Kein verantwortungsbewusstes Unternehmen begibt sich fahrlässig in die Abhängigkeit eines einzelnen Lieferanten. Speziell im Rohstoffsektor aber nicht nur dort sind jedoch monopolartige Lieferantenstrukturen ein Faktum. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass bei den strategisch wichtigen Metallen für Hochtechnologie eine vollkommene Abhängigkeit von China besteht.

Ich spreche hier von Rohstoffen, ohne die Technologien zur Emissionsreduktion und nachhaltiger Energieerzeugung und Mobilität aber auch Digitalisierung einfach nicht funktionieren. Ein ganz aktuelles Beispiel dafür ist Magnesium. Es wird benötigt, um Aluminium- und Stahllegierungen herzustellen. Ohne Magnesium läuft also kein Auto mehr vom Band und es wird auch keine Windkraftanlage mehr errichtet werden können. Europa ist zu 95 Prozent abhängig von China, und China hat die Lieferungen nach Europa bewusst und strategisch stark eingeschränkt. Die Folgen sind eine Preisexplosion und das Bewusstsein, dass in wichtigen Wertschöpfungsketten, wie unter anderem in der Automobilindustrie, Europa an Autonomie stark eingebüßt hat.

Wäre Europas Wirtschaft gut beraten nach Fernost ausgelagerte Produktionen wieder zurückzuholen, um Lieferketten zu verkürzen und transparenter zu machen?
Stiftner: Nicht nur Europas Wirtschaft, auch die europäische Gesellschaft wäre gut beraten, diesen Weg zu gehen. Es geht dabei nicht um ein „Zurück-in-alte-Zeiten“, sondern um die Absicherung unseres Ziels, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Wir dürfen nicht naiv sein und glauben, dass andere Kulturkreise unsere Regeln akzeptieren und unserem Voranschreiten in der Klimapolitik einfach folgen. Die aktuelle Chipkrise zeigt, wie leicht Technologie durch leichtfertige Politik abwandern kann. Obwohl Europa nach wie vor führend im Design von Chipproduktionsprozessen ist ging die Produktion verloren. Europa benötigt eine akzentuierte Industriepolitik und den Willen, bestehende Industrien in Europa zu festigen und neue Zweige zu etablieren.

Welche Forderungen gibt es seitens des ESC an welche politischen Adressen in Europa?
Stiftner: Die Pandemie hat gezeigt, dass unsere Lieferketten krisenanfällig sind und wir deshalb gemeinsame Anstrengungen mit der Politik unternehmen müssen, sie resilienter zu gestalten. Für die gesamte verladende Wirtschaft sind die Ziele des Fit for 55-Programms zur Steigerung der Nachhaltigkeit eine große zusätzliche Herausforderung. Das ESC unterstützt die Europäische Kommission in Maßnahmen zur Reduktion des Klimawandels auch mit der Konsequenz, dass Verlader in Zukunft ETS-Zertifikate für den Transport kaufen werden müssen.

Die Politik ist hier aufgerufen, die unterschiedlichen Belastungen der Modalitäten durch das geplante ETS-Regime möglichst gering zu halten und doppelte Verrechnungen zu vermeiden. Die Einnahmen durch die Zertifikate müssen unbedingt in eine moderne Infrastruktur und digitale Innovation investiert werden. Darüber hinaus sehen wir uns mit einer schwierigen Arbeitsmarktsituation konfrontiert. In den nächsten Jahren wird ein großer Teil der Lkw-Fahrer in Pension gehen und es wird daher an autonomen Fahrsystemen kein Weg vorbeiführen. Dafür müssen die rechtlichen und infrastrukturellen Grundlagen geschaffen werden. Aktuell gilt unsere Sorge den geopolitischen Spannungen nicht nur mit Russland, sondern auch in der Taiwan-Frage. Etwa 40 Prozent des weltweiten Bedarfs an Halbleitern wird in Taiwan gefertigt, weshalb Lieferstörungen vitale Auswirkungen auf Wertschöpfungsprozesse in Europa haben und auch dem Welthandel schaden würden.

Welche Ziele wollen Sie in Ihrer Funktion als seit 2021 amtierender ESC-Präsident erreichen?
Stiftner: Mein Ziel als ESC-Präsident ist es, die Qualität und Resilienz der Lieferketten zum Wohle der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft zu verbessern. Dafür braucht Österreich und Europa mehr qualifizierte Experten. Wir müssen daher in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter investieren. Die verladende Wirtschaft ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber. Wir geben Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen internationale Karriereperspektiven und sichere Beschäftigung. Darüber hinaus ist es mein Ziel, den fairen und partnerschaftlichen Austausch mit den Verbänden in Asien, Amerika, Russland als wichtige Handelsregionen auszubauen. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Sechs Fehlannahmen zur Cybersecurity im Unternehmen

Sich mit Cybersecurity zu beschäftigen, ist in manchen Unternehmen eine eher ungeliebte Aufgabe. Dabei haben IT-Administratoren und -Administratorinnen in vielen Fällen schon eine recht gute Vorstellung davon, woran es in ihrem Unternehmen hapert und wie die eigene IT prinzipiell auf den Prüfstand zu stellen wäre, damit Sicherheitslücken identifiziert und abgemildert oder gar ausgemerzt werden können. Dies heißt aber noch nicht, dass das Administrationsteam beim Management mit seinen Vorschlägen auch durchdringt.

Autoren: Michael Niewöhner und Daniel Querzola, beide Manager und Penetration-Tester, Ventum Consulting, München (https://cybersecurity.ventum-consulting.com)

Cybersecurity kostet Geld. Solange die IT-Systeme und die Infrastruktur funktionieren, fällt es oft schwer, die Mittel zu investieren, die nötig wären, um Risiken zu reduzieren und den reibungslosen Betrieb auch in Zukunft zu gewährleisten, das heißt: Cyberresilienz herzustellen. Wenn Unternehmen ihr Cyberrisiko systematisch unterschätzen, hat dies mit verschiedenen Fehlannahmen zu tun. Im Folgenden geht es um sechs der häufigsten Irrtümer.

 Annahme 1: Es trifft sowieso nur die anderen.
„Unser Unternehmen ist für eine Cyberattacke doch gar nicht interessant genug.“ Diese Einschätzung ist alles andere als selten. Die Realität sieht leider vollkommen anders aus. Statistiken sprechen davon, dass sogar 99 Prozent aller Cyberschadensfälle auf Angriffe zurückgehen, die überhaupt nicht zielgerichtet waren. Anders gesagt: Die allermeisten Angriffe laufen nach dem Motto Spray-and-Pray ab. Im Gießkannenprinzip lancieren Cyberkriminelle einen allgemeinen Angriffsversuch ohne konkretes Ziel. Dann warten sie einfach ab, bei welchen Unternehmen oder Organisationen beispielsweise die Mail mit dem Phishing-Link zum Erfolg führt. Leider ist bei vielen Unternehmen die Hürde für eine initiale Kompromittierung ihrer IT nicht hoch genug, um diesen Angriffen auf Dauer standzuhalten. Den Angreifern spielt dies in die Karten. Zumal dann, wenn sie vor allem finanzielle Interessen haben und das Unternehmen beispielsweise durch eine Verschlüsselung per Krypto-Trojaner bzw. Ransomware erpressen wollen. Hier ist der Spray-and-Pray-Ansatz für Cyberkriminelle in der Regel am rentabelsten. Dies wiederum bedeutet: Jedes Unternehmen ist ein potenzielles Opfer.

Politisch motivierte Angriffe grenzen sich davon deutlich ab: Hier ist der Erfolg letztlich nur eine Frage der verfügbaren Arbeitskraft, denn bei einer ideologisch begründeten Attacke spielen monetäre Kosten-Nutzen-Abwägungen eine völlig nachrangige Rolle. In solchen Fällen kommen häufiger auch Zero-Day-Angriffe zum Einsatz, die noch nicht öffentlich bekannte Sicherheitslücken in einer Software ausnutzen. Mit einem Zero-Day-Exploit spielt der Angreifer gleichsam einen Joker aus. Denn wenn die neue Angriffsmethode durch ihren Einsatz publik wird, ist dieser Angriffsvektor letztlich verbrannt, weil Softwarehersteller dann entsprechende Sicherheitsupdates ausrollen.

Annahme 2: Angriffe aus der Supply-Chain spielen keine große Rolle.
Tatsächlich nimmt die Zahl von Supply-Chain-Angriffen zu. Bei dieser Klasse von Cyberangriffen fungieren Softwarelösungen, Geräte oder Maschinen, die einem Unternehmen zugeliefert werden und die es für seine Geschäftstätigkeit einsetzt, als die Angriffsvektoren. So handelte es sich bei der Log4j-Sicherheitslücke, die im Dezember 2021 bekannt wurde, um eine Zero-Day-Schwachstelle in einer Java-Protokollierungsbibliothek. Log4j dient dazu, Protokollierungsinformationen aus Software, Anwendungen und Hardware-Appliances zu erstellen und zu speichern. Weil Log4j aber mitunter in vielen unterschiedlichen Lösungen sehr tief verankert ist, in tausenden Instanzen, reicht ein simpler Schwachstellenscan kaum aus, um hier alle angreifbaren Instanzen zu identifizieren.

Generell ist auch Open-Source-Software nicht vor Sicherheitslücken gefeit. So gelang es beispielsweise einem Professor der University of Minnesota im Kontext einer Studie, Schwachstellen in den Linux Kernel einzuschleusen. Dazu gaben er und einer seiner Studenten vor, Bug Fixes für die Linux Community bereitzustellen. Ziel der umstrittenen Aktion war es, zu demonstrieren, wie angreifbar auch Open-Source-Projekte sein können. Eine Sicherheitslücke im Linux Kernel ist potenziell so gravierend, weil Linux sehr weit verbreitet ist. Es findet sich heute in Servern und Smartphones und auch in verschiedensten Embedded Devices – von Autos über Smart Homes bis zu Maschinen.

Mit der zunehmenden Digitalisierung unserer Wirtschaft und unserer Lebenswelt können heute eben auch vernetzte Geräte zum Einfallstor für Cyberkriminelle werden. So wurde etwa eine Supermarktkette gehackt, indem die Angreifer die intelligenten Kühlregale in den Geschäften als Angriffsvektor wählten. Für vernetzte Geräte im Smart-Home-Bereich besteht dasselbe Risiko. Auch sie stellen potenzielle Angriffspunkte dar – ein gravierendes Reputationsrisiko für den Gerätehersteller oder -vertreiber. Im privaten wie im kommerziellen Raum ist darum ein viel bewussterer Umgang mit installierter Software und angeschafften Geräten erforderlich. Im produzierenden Gewerbe beispielsweise, wo eine Maschine einen Lebenszyklus von mehreren Jahrzehnten haben kann, stehen früher oder später meist nur noch mitigierende Maßnahmen zur Verfügung, um Sicherheitsrisiken zu reduzieren. Denn Hersteller existieren dann nicht mehr, oder sie liefern nach wenigen Jahren keine Sicherheitspatches mehr. So bleibt mitunter als einzige Option noch, die Maschine aufwendig vom restlichen Netzwerk abzuschotten und das Restrisiko zu akzeptieren. Grundsätzlich gilt: Es wäre für ein Unternehmen fahrlässig, wollte es die Verantwortung für seine Cybersicherheit gänzlich auf die Zulieferer abwälzen. Bedrohungen aus der Supply Chain heraus sind real und heute alltäglich. Unternehmen benötigen deshalb nicht nur ein entsprechendes Risikobewusstsein, sondern auch Experten und Expertinnen, die sie dabei unterstützen, eine effektive Cyberresilienz zu etablieren.

Annahme 3: Unsere Mitarbeitenden haben schon genügend Sicherheitsbewusstsein.
Noch viel zu oft stellt ein unbedachtes Verhalten der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für Cyberkriminelle ein bequemes Einfallstor ins Unternehmen dar. Ein entsprechendes Risikobewusstsein zu schaffen und wachzuhalten, ist ein Baustein für Cybersicherheit, dessen Bedeutung ein Unternehmen nie unterschätzen sollte. Nur wenn ihnen die Gefahr bewusst ist, werden es die Beschäftigten konsequent vermeiden, beispielsweise Passwörter über das Telefon weiterzugeben oder unbedacht auf einen dubiosen Link in einer E‑Mail zu klicken. Manchmal ist das Gefahrenpotenzial auch eine unmittelbare Konsequenz der täglichen Arbeit. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Personalabteilung etwa öffnen beinahe täglich Bewerbungen, ohne wissen zu können, ob der digitale Lebenslauf Schadcode enthält oder nicht. Mit Rechnungs-PDFs im Maileingang der Buchhaltung verhält es sich genauso. Darum braucht es im Unternehmen natürlich technische Maßnahmen gegen solche Angriffe.

Aber ebenso wichtig ist es, die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Phishing-Versuche zu verringern, indem ein Bewusstsein für die Gefahren von Social-Engineering-Angriffen ganz allgemein geschaffen wird. Social Engineering bedeutet, dass die Angreifenden Täuschung anwenden, um unautorisiert Daten oder Zugriff zu bekommen. Dabei werden Methoden der Humanpsychologie dazu missbraucht, Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen zu manipulieren und sie zur Übermittlung von Informationen oder zu bestimmten Handlungen zu bewegen – wie etwa den fatalen Klick auf den Link in der Phishing-E-Mail oder die Nennung des Passworts gegenüber vermeintlichen Support-Mitarbeitenden am Telefon.

Annahme 4: Der Umfang dieser Sicherheitsprüfung wird schon ausreichen.
Die Cybersicherheit im Unternehmen durch Penetration-Tests auf die Probe zu stellen, ist ein wichtiger Baustein im Aufbau der Cyber Resilience. Wählt man dabei allerdings den Scope des Pentests zu klein, ist wenig gewonnen. Denn so entsteht ein vermeintliches Gefühl von Sicherheit. Ein typisches Beispiel ist der Ausschluss bestimmter Systeme, etwa solcher, die am Ende ihres Lebenszyklus stehen, weil sie ja – so heißt es dann – sowieso bald abgeschaltet oder ersetzt werden. Solange sie noch nicht abgeschaltet sind, bieten aber gerade diese Altsysteme oft den verführerischsten Angriffsvektor. Ein anderes Beispiel: Auf dem Server, der eine zu prüfende Webanwendung betreibt, läuft eben auch noch ein FTP-Dienst, der die vollständige Kompromittierung des Servers ermöglicht – aber alle Dienste außer der Webanwendung sind von der Prüfung ausgeschlossen. Ebenso kommt es vor, dass beispielsweise ein Finanzinstitut den Umfang seiner Prüfung nur so groß wählt, wie es regulatorisch vorgeschrieben und offiziell erforderlich ist. Auch hier wäre das Resultat eine trügerische Scheinsicherheit.

Wenn Pentests wirklich aussagefähig werden sollen, dürfen sie sich nicht nur auf einen Ausschnitt der Unternehmens-IT richten. Vielmehr müssen sie holistisch angelegt sein. Denn das Ziel eines Penetration-Tests ist es nicht, dem Management bloß ein positives Gefühl in Sachen Cybersicherheit zu vermitteln – er soll wirkliche Sicherheitslücken und potenzielle Angriffsvektoren identifizieren, damit diese behoben werden können, bevor sie von kriminellen Angreifern ausgenutzt werden.

Annahme 5: Penetration-Tests kann die IT-Abteilung nebenher übernehmen.
Pentests können in den meisten Unternehmen gar keine Inhouse-Aufgabe sein. Denn IT-Administratoren und -Administratorinnen haben vor allem eines zu tun: Sie müssen dafür sorgen, dass die Systeme im Unternehmen zuverlässig laufen. In der Regel ist das Administrationsteam mit seinen operativen Aufgaben bereits zu 100, wenn nicht gar zu 120 Prozent ausgelastet. Zudem verlangen Penetration-Tests ein hochspezialisiertes und hochaktuelles Fachwissen, über das die eigene IT-Abteilung in der Regel gar nicht verfügen kann. Es ist wichtig, dass das Management versteht, dass ein Pentest nichts ist, was sich einfach nebenher erledigen ließe. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der internen IT sich klarmachen, dass es bei einer Sicherheitsprüfung nie darum geht, ihre eigene Arbeit in Sachen Cybersecurity zu diskreditieren, sondern zu stärken. Ein aussagefähiger Penetration-Test wäre mit Inhouse-Ressourcen gar nicht durchführbar, weil Know-how und Zeit dafür fehlen. Anders sieht dies nur aus, wenn das Unternehmen groß genug ist, um sich ein eigenes, dediziertes Red-Team – die Angreifer – für mehr oder minder kontinuierliche Pentests zu leisten. Diesem Red-Team steht dann ein dediziertes Blue-Team mit den Verteidigern gegenüber. Aber sogar ein eigenes Red-Team kann mitunter sehr von externer Unterstützung durch Ethical Hacker profitieren.

Annahme 6: Unsere Backups retten uns im Notfall.
Vor etwas mehr als fünf Jahren mag diese Aussage vielleicht noch zutreffend gewesen sein. Heute ist sie das nicht mehr, nicht in jedem Fall. Man muss sich vor Augen führen, dass die Qualität von Schadsoftware deutlich gestiegen ist. Krypto-Trojaner, die Unternehmensdaten zu Erpressungszwecken verschlüsseln, tun dies heute nicht mehr unverzüglich. Es gibt inzwischen Ransomware, die sich zuerst in den Backups eines Unternehmens einnistet und diese nach und nach zerstört. Erst Monate später, wenn das Backup unbrauchbar geworden ist, macht sich der Krypto-Trojaner dann daran, die Daten des Unternehmens zu verschlüsseln – und die eigentliche Erpressung beginnt.

Darum ist es heute wichtig, Backups erstens mit geeigneten Schutzkonzepten vor Malware zu sichern und sie zweitens regelmäßig zu prüfen. Nur auf ein Backup, das auch tatsächlich aufsetzbar ist, ist im Notfall Verlass. Unternehmen sollten darum ihre Disaster Recovery regelmäßig testen, üben und ausprobieren. Und wenn ein Unternehmen sein Backup aus Sicherheitsgründen verschlüsselt: Auch dieser Backup-Schlüssel selbst ist ein möglicher Angriffspunkt, denn Cyberkriminelle können natürlich auch den Backup-Schlüssel des Unternehmens verschlüsseln. Das Backup wäre dann wiederum unbrauchbar, und der Erpressungsversuch durch die Verschlüsselung der Unternehmensdaten könnte beginnen. Darum ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Krypto-Schlüssel für das Backup offline aufbewahren und auch ihr Notfalltraining in Sachen Disaster Recovery offline dokumentieren.

Fazit:
Die Gefahr von Cyberangriffen hat nicht abgenommen, im Gegenteil. Wollte ein Unternehmen aus einer glimpflich verlaufenen Vergangenheit schließen, dass es auch in Zukunft vor Cyberkriminalität sicher ist, wäre dies vielleicht die gravierendste Fehlannahme von allen. Operative Zuverlässigkeit lässt sich in der IT nur herstellen, wenn ein Unternehmen seine Cyberresilienz mit geeigneten, holistischen Konzepten und Maßnahmen etabliert, aufrechterhält und weiterentwickelt. Sich damit auseinanderzusetzen, lohnt die Mühe in jedem Fall, denn der finanzielle Schaden wiegt im Ernstfall um ein Vielfaches schwerer als das vorausschauende Investment in die Cybersicherheit. Wie in der Medizin gilt auch in Sachen Cybersecurity: Vorbeugen ist besser als heilen.

 

Autoren:

  • Michael Niewöhner:
    Michael Niewöhner ist bei Ventum Consulting seit 2021 als Manager für IT Security & Penetration Testing tätig. Zuvor leitete er den Bereich Security Testing & Research am Münchener Standort eines Cyber-Defense-Unternehmens. Niewöhner ist Offensive Certified Security Professional. Zu seinem breiten Kompetenzportfolio im Bereich Cybersecurity gehören unter anderem Reverse Engineering, Web Application Penetration Testing, Linux Audits und Hardening, Embedded Penetration Testing sowie Security by Design.
  • Daniel Querzola:
    Daniel Querzola ist bei Ventum Consulting als Manager IT Security & Penetration Testing tätig. Seinen Background hat er in tiefgreifend technischen Bereichen wie Pentesting und Vulnerability Management. Zu seiner Kernexpertise gehört es, Audits im Kontext komplexer Unternehmensarchitekturen durchzuführen. Neben Netzwerk- und Software-Pentests liegt ein besonderer Fokus auf Windows-Domänen. Bevor er 2021 zu Ventum Consulting wechselte, arbeitete Querzola als Head of Penetration Testing eines Cyber-Defense-Unternehmens am Standort Neustadt.

 

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

Omnichannel Readiness Index: 60% empfinden Online-Shopping inspirierend

Handelsverband, Google und MindTake präsentierten die fünfte Ausgabe des Reports zur Digitalisierung des heimischen Handels. Hornbach Gesamtsieger. Thalia punktet bei Channel Integration.

Beitrag: Isabel Lamotte.

Gekommen, um zu bleiben: Neue Online-Services, die sich pandemiebedingt etabliert haben, werden auch nach Corona weiter
ausgebaut. Nachhaltigkeit und Regionalität sind den Konsumenten wichtig und Online-Shopping gilt als inspirierend. Dies sind zentrale Ergebnisse des fünften Omnichannel Readiness Index (ORI), der die Kunst beleuchtet, Online- und Offline-Vertriebskanäle zu verbinden. Dafür wurden 1.000 Konsumenten befragt und 44 führende österreichische Einzelhändler auf Herz und Nieren untersucht.

„Der Kundenansprache vor dem Kauf kommt höchste Priorität zu. 60% der befragten Online-Käufer empfinden Online-Shopping als inspirierend, 40% sogar als Spaß und Entspannung. Um den Kaufentscheidungsprozess optimal zu unterstützen, erwarten sich die Kunden zielgruppengerechten Content und einen Onlineshop, der als digitaler Zwilling der Wunschfiliale fungiert und das Sortiment gespiegelt abbildet. Die Trends reichen von Appointment-Shopping über Showrooming bis zu virtueller Live-Beratung“, bilanziert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, die Ergebnisse des ORI, dem digitalen Benchmark des österreichischen Handels.

Zielgruppengerecht emotional kommunizieren.
94 Prozent der befragten Händler bieten im Webshop zusätzlichen Content an, etwa Ratgeber-Texte, Videos, Expertentipps oder Look-Fotos – und neuerdings auch verschiedene Live-Formate. Das trägt Früchte: Knapp zwei Drittel der Konsumenten empfinden
Online-Shopping als inspirierend. Insbesondere die jüngeren Zielgruppen assoziieren damit neben Inspiration auch Spaß, Unterhaltung und Entspannung. Dennoch sind viele sehr pragmatische Potenziale im Omnichannel Retailing noch zu heben. 80 Prozent der Konsumenten wünschen sich etwa, den genauen Tag der Lieferung eines Produktes vor der Bestellung zu kennen – dies erfüllen nur 13 Prozent der analysierten Händler.

78 Prozent der Konsumenten wollen die angezeigten Produkte im Webshop auf eine einzige Filiale einschränken können, um so gezielt – wie vor Ort im Laden – shoppen zu können, doch nur 19 Prozent der Händler nutzen ihre Bestandsdaten für einen solchen Filter. Das sind immerhin 7 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr.

New Ways of Shopping.
Ein besonderes Augenmerk wurde im ORI 2022 auf neue Formate gelegt. Aus der Not geboren beispielsweise war das Shoppen nach Terminvereinbarung – um die Zahl der Kunden im Geschäft pandemiebedingt zu kontrollieren. Die daraus entstandene Tugend heißt nun Appointment Shopping. Konsumenten können bei einem Händler online oder telefonisch einen Termin für den Einkauf in der Filiale vereinbaren. Während dieses Termins steht ein Berater exklusiv zur Verfügung. Optional können Kunden auch vorab schon Wünsche bekannt geben, sodass das Personal für den Termin gewisse Waren für die Begutachtung bereitstellen kann. Knapp die Hälfte der befragten Händler bietet Appointment Shopping bereits an, jeder zehnte Konsument hat das Angebot bereits genutzt und jeder Dritte gibt an, es wahrscheinlich wahrzunehmen.

Ebenfalls auf dem Vormarsch ist das Konzept des Showroomings. Händler lagern nur wenige Stücke eines Artikels in der Filiale und nutzen den Platz stattdessen, um ein breites Angebot zu zeigen, zum An- und Ausprobieren. Der gewünschte Artikel wird dann nicht mitgenommen, sondern später nach Hause zugestellt. Dies finden 45 Prozent der Kunden attraktiv, mehr als die Hälfte der Händler praktizieren Showrooming bereits in ausgewählten Filialen oder planen ein solches Angebot.

Bei den Händlern noch schleppend entwickelt sich das Scan & Go Modell, bei welchem Kunden in der Filiale mittels App ein Produkt selbst scannen und online bezahlen – und sich damit das Anstellen an der Kassa ersparen. 39 Prozent der Kunden würde dies wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich nutzen, in der Zielgruppe der 18-29-jährigen sogar mehr als die Hälfte. Allerdings bieten dies nur 14 Prozent der befragten Händler zumindest in ausgewählten Filialen an. Einige planen ein entsprechendes Service, aber mehr als die Hälfte der Händler gibt an, dass dies derzeit kein Thema für sie ist.

Beliebt bei Handel und Konsumenten sind auch Live-Formate. Ein Drittel der Händler, bietet Live-Beratung im Online-Shop an, zum Beispiel in Form einer Video-Konferenz, um Produkte vorzuführen oder eine Küchenplanung anzubieten. Ein Viertel der befragten Händler hat sich schon am virtuellen Live-Shopping versucht – ein Livestream, bei welchem Personen (z.B. Influencer) Produkte testen und weiterempfehlen. Konsumenten können per Chat Fragen zu den Produkten stellen, welche Ihnen direkt live beantwortet werden. Dieses Format finden 21 Prozent der Konsumenten spannend, allen voran Bewegtbild-verwöhnte 18-29-jährige (33 Prozent).

“Wir sehen vor allem in der jüngeren Zielgruppe (Gen Z), dass sie zu Marken eine Verbindung aufbauen möchten. Sie wollen inspiriert werden, eine Geschichte erzählt bekommen und „brand love“ aufbauen. Hierfür sind visuelle Bewegtbild-Formate besonders gut ge-
eignet. Um sich für die Zukunft zu wappnen, gilt es, diese Zielgruppe heute für sich zu gewinnen, da sie bis 2030 etwa 16% der privaten Ausgaben ausmachen werden,” so Lili Pajer, Retail Lead bei Google.

Nachhaltigkeit und Regionalität: Bitte gut sichtbar im Online-Shop.
Dass Händler nachhaltig agieren, ist für zwei Drittel der Konsumenten wichtig, etwa durch nachhaltige Zustellung oder ökologische Produkte und Verpackungen. Auch Regionalitätsbemühungen werden hochgeschätzt. Darauf haben die befragten Händler Antworten: 76 Prozent setzen auf ein Angebot nachhaltig zertifizierter Produkte, 65 Prozent praktizieren aktiv Verpackungsreduktion, 62 Prozent optimieren ihre Lieferketten – und 60 Prozent der analysierten Händler zeigen dies gut sichtbar im Webshop auf einer Nachhaltigkeitsseite.

Hornbach ist Gesamtsieger, Thalia erreicht 100% im Bereich Channel Integration.
Den ORI-Gesamtsieg hat sich 2022 Hornbach gesichert, gefolgt von Kastner&Öhler und Gigasport. Der Omnichannel Readiness Index bringt aber auch Kategorie-Sieger hervor: Thalia hat zum zweiten Mal in Folge die vollen 100% in der Omnichannel-Königsdisziplin „Channel Integration“ erreicht. Der Buchhändler bietet maximale Flexibilität bei der Kaufabwicklung, und das völlig vertriebskanalunabhängig und nahtlos, Click & Collect, Reserve & Collect, Retoure online bestellter Waren in der Filiale, Abholstationen für 24/7 Abholung, rasche Bereitstellung der Click & Collect Waren, und dies stets kostenlos.

„Zusätzlich ist es besonders spannend zu analysieren, welche Händler sich in Hinblick auf ihr Omnichannel-Angebot im Vergleich zur Vorjahres-Studie besonders positiv ent-wickelt haben. In diesem Jahr zählen Libro, dm, Hartlauer, Ikea und Intersport zu den Top-Aufsteigern, weil sie etliche – von Kunden gewünschte – Features nun zusätzlich anbieten. Es freut uns immer wieder zu sehen, dass der Omnichannel Readiness Index ein etabliertes Tool ist, mit dem Händler aktiv an ihren Potenzialen arbeiten“, so Martina Oberrauch, Studienleiterin und Senior Research Consul-tant bei MindTake Research.

Diese Händler legen die Messlatte: ORI Branchensieger:innen.

  • Wohnen, Einrichten & Heimwerken:
  • Hornbach (78%)
  • Fashion & Accessoires: Kastner & Öhler (76%)
  • Sport: Gigasport (75%)
  • Bücher & Papierbedarf: Libro (73%)
  • Drogerie: Marionnaud (68%)
  • Computer & Elektro(nik): Hartlauer (68%)
  • Lifestyle & Hobby: Tchibo (68%)
  • Lebensmitteleinzelhandel: Billa (68%)

ORI Kategoriesieger:

  • Mobile Friendliness: Deichmann (99%)
  • Transparenz & Vertrauen: Billa (86%)
  • Personalisierung, Loyalty und Sharing: Hornbach (86%)
  • Flexible Kontaktmöglichkeiten: Kastner & Öhler, Gigasport (77%)
  • Payment, Fulfillment & Returns: Kastner & Öhler, Gigasport (84%)
  • Wegweiser in die Filiale: Interspar, dm, Palmers, Hartlauer (99%)
  • Channel Integration: Thalia (100%)

Die Studien und Benchmarks des Handelsverbandes werden allen Handelsverband-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Für KMU Händler ist die HV-Mitgliedschaft im Rahmen von www.kmu-retail.at kostenfrei. (IL)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


Umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben

Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht. Die Preise für Lebensmittel und Energie steigen weiter, während die Einkommen stagnieren. Die Auswirkungen der Zero-Covid-Politik in China sind zwar schon zu spüren, werden aber noch stärker. Die kommende Zinsanhebung der EZB ist ein Anfang zur Stärkung der Kaufkraft, aber zu wenig, um der Inflation die Stirn zu bieten. Es fehlen tausende Arbeitskräfte, aber keiner will die offenen Jobs. Grund genug für kollektiven Suizid? Nein. Alles wird gut.

Redaktion: Angelika Gabor.

Ende Juni veröffentlichten die beiden Wiener Konjunkturforschungsinstitute Wifo und IHS ihre Prognosen hinsichtlich Wirtschaftswachstum und Inflation. Leider kommen beide unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen, die fürwahr kein Grund zum Feiern sind. Zwar lief das erste Halbjahr gar nicht mal so schlecht – insbesondere Industrie und Tourismus legten ein gutes erstes Quartal hin und werden dadurch unterm Strich für ein Wachstum von 4,3 Prozent (Wifo) und 3,8 Prozent (IHS) sorgen. Kommendes Jahr jedoch liegen die Prognosen nur noch bei 1,6 Prozent (Wifo) bzw 1,4 Prozent (IHS). Ein heftiger Dämpfer. Gleichzeitig begleitet uns die höchste Inflation seit knapp 50 Jahren wohl länger als gehofft (und von EZB-„Experten“ erwartet). Im Juni 2022 lag die Inflation in Österreich bei 8,7 Prozent (im Vergleich zu Juni 2021), in Deutschland bei 7,6 Prozent. Die Vorhersagen sind düster, eine Entspannung ist nur langsam in Sicht. In Russland geht die Inflation übrigens zurück, die Wirtschaft floriert wieder, der Rubel gilt als stärkste Währung 2022. Die Sanktionen des Westens entlocken dem Kreml aktuell wohl nur ein müdes Lächeln.

Wo sind sie denn alle?
Laut aktueller Studie des Handelsverbands leiden rund 40 Prozent der Händler unter Personalmangel, das entspricht etwa 20.000 offenen Stellen, beispielsweise im Verkauf. Aber auch die Logistik ist stark betroffen, insbesondere die Hilfskräfte fehlen. Woran das liegt? Die derzeitig miese Situation ist verschiedenen Faktoren geschuldet: einerseits haben während der Pandemie viele „essential Worker“ das Handtuch geworfen und dem Verkauf den Rücken gekehrt. Mitarbeiter, die wegen Lockdowns gekündigt wurden, haben sich teilweise umorientiert und neue Berufsfelder für sich erschlossen. Andere sind aufgrund der gestiegenen Lebenskosten einfach gezwungen, besser bezahlte Jobs zu finden, auch wenn sie vielleicht gerne geblieben wären. Und schließlich gibt es noch die große Gruppe von Saison- und Hilfsarbeitern aus dem Ausland, die als Erntehelfer, Küchenhilfen oder am Fließband arbeiten, während der Krise nicht nach Österreich kommen durften und nun erkannt haben, dass sie daheim eigentlich auch ihr Auslangen finden – ohne ständiges Pendeln oder ein Leben getrennt von der Familie. Laut Mag. Dr. Martin Kocher, Bundesminister für Arbeit und Leiter des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, waren im Juni weniger als 300.000 Menschen ohne Arbeit. Die 3,95 Millionen unselbstständig Beschäftigten sind 130.000 Personen mehr als im Juni 2019.

Mich persönlich wundert es nicht, dass sich immer weniger Menschen finden, die diese offenen Arbeitsstellen annehmen – sozial eher geächtet, schwierige Arbeitsbedingungen (wer möchte bei 35°C Außentemperatur die Mittagsschicht zum Abwaschen in einer Gastroküche übernehmen?), familienunfreundliche Arbeitszeiten und eine Entlohnung knapp über der Mindestsicherung sind nicht wirklich attraktiv. Hinzu kommt beispielsweise im Handel, dass manche Kunden die „der Kunde ist König“ Philosophie ausreizen und die Geduld der Angestellten sehr auf die Probe stellen. Dating-Pro-Tipp: so wie ein Mensch sich dem Service- oder Verkaufsmitarbeiter gegenüber verhält, so wird er sich später auch dir gegenüber verhalten.

Die heilige Kuh schlachten.
Mitte 2015 kündigte der damalige Finanzminister Hans Jörg Schelling (VP) gemeinsam mit Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die Abschaffung der Kalten Progression im Zuge der Steuerreform an. Das IHS forderte bereits 2013 eine automatische Inflationsanpassung der Steuersätze als Gegenmaßnahme zur Kalten Progression. Wir schreiben das Jahr 2022, und es scheint tatsächlich wahr zu werden: die schwarz-grüne Bundesregierung hat als Teil des Entlastungspakets zur Unterstützung der Bevölkerung das endgültige „Aus“ für die schleichende Steuererhöhung beschlossen. Die Steuerstufen sollen gemäß der Inflationsrate ab 2023 jährlich erhöht werden (bis auf die höchste Stufe, die 55 Prozent ab 1 Million versteuerbarem Einkommen bleiben – die
Betroffenen werden es verschmerzen). Es gibt also wieder Licht am Ende des Tunnels. Auch wenn mehr Menschen denn je armutsgefährdet sind, sollten wir die Hoffnung nicht verlieren. Die Leistungsfähigkeit und Kreativität der Österreicher sind Werte, auf die man auch in Zukunft bauen kann – wir werden Lösungen finden. Am Ende wird alles gut – und wenn nicht, ist es einfach nicht das Ende. (AG)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


Job & Karriere: 20 Prozent aller Stellen werden mittels Active Sourcing besetzt

Trotz aktuell unsicherer Wirtschaftsprognosen hält der Fachkräftemangel auch 2022 an. So vermeldet die Stellenbörse Indeed, dass zu Jahresbeginn rund 50 Prozent mehr Inserate online waren als vor Ausbruch der Pandemie. In kurzer Zeit neue Mitarbeiter zu gewinnen, bleibt folglich eine zentrale Herausforderung für Unternehmen jeder Größe.

Text: PI Redaktion.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich unbeeindruckt von aktuellen wirtschaftlichen Risiken. Vielmehr wird der Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte in vielen Branchen sogar weiter zunehmen, sodass diese die Qual der Wahl haben, wo sie arbeiten wollen. Für Firmen sind neue Ansätze gefragt, um die Personalversorgung im Jahr 2022 sicherzustellen. Angesichts einer derzeit hohen Wechselbereitschaft von Beschäftigten ist effizientes Recruiting für Unternehmen von hoher Bedeutung. Laut Analysen der Staffery GmbH besetzen Arbeitgeber heute bereits rund 20 Prozent der Stellen mittels Active Sourcing*: Bei dieser Methode der Personalgewinnung machen sich Firmen aktiv auf die Suche nach geeigneten Kandidaten. Der HR-Technologieanbieter stellt fünf Ansätze vor, wie das gelingt.

„Für erfolgreiches Recruiting werden Active Sourcing Ansätze immer wichtiger. So erreichen Unternehmen interessante Kandidaten auf unterschiedlichen Kanälen und bauen Kandidaten-Pools auf. Jede fünfte Stelle wird heute auf diesem Wege besetzt – in manchen Bereichen sind es sogar bis zu 50 Prozent der Vakanzen“ sagt Sven Konzack, Gründer des HR-Start-ups Staffery, das im Rahmen der Erhebung 105 Datensätze ausgewertet hat.

Laut Gallup Engagement Index 2022 sind 14 Prozent der Deutschen derzeit aktiv auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit – das ist der höchste Wert, der jemals im Rahmen der Untersuchung gemessen wurde. Einer Forsa-Studie im Auftrag von XING von Anfang 2022 zufolge sind sogar 37 Prozent der Befragten offen für einen neuen Job oder haben in puncto Suche bereits konkrete Schritte in die Wege geleitet. Die hohe Wechselbereitschaft erhöht den Druck auf Firmen, schnell neues Personal gewinnen zu müssen. Daher empfiehlt es sich, ergänzend zur Personalsuche mittels Stellenausschreibungen, aktiv nach potenziellen Kandidaten zu suchen. Das HR-Start-up emp-fiehlt dafür die folgenden Ansätze:

  • Aktivierung bestehender Kontakte: Karriere-Events und Personalmessen sind wichtige Active-Sourcing-Plattformen. Doch zum Kandidaten-Pool des Unternehmens gehören auch Kandidaten, die sich in der Vergangenheit auf eine ausgeschriebene Stelle beworben und einer Speicherung ihrer Daten zugestimmt haben. Es kann sich lohnen, sie erneut zu adressieren.
  • Netzwerk der Mitarbeitenden: Die bereits im Unternehmen Beschäftigten verfügen häufig über ein umfassendes Netzwerk an interessanten Kontakten, die zu adressieren sich lohnt. Initiativen zur Aktivierung dieser potenziellen Kandidaten können etwa mittels spezieller
    Referenz-Programme realisiert werden.
  • Soziale Netzwerke: Sowohl Personaler als auch Ansprechpartner in der Fachabteilung können Fachkräfte mittels Social Media adressieren. Sinnvoll ist es, potenzielle Kandidaten nach den entsprechenden Kriterien zu identifizieren und direkt anzuschreiben.
  • Kandidaten-Datenbanken: Wechselinteressierte stellen ihren CV häufig auf Jobportalen ein, um auf ihr Profil aufmerksam zu machen. Unternehmen können Lebensläufe auf Plattformen und CV-Datenbanken scannen, um passende Profile zu identifizieren. Daraufhin sprechen sie die Kandidaten direkt an.
  • Recruiting-Technologie: Active Sourcing kann aufwändig und teuer werden. Doch der Einsatz von Technologien vereinfacht die Prozesse – und spart Budgets. Geeignete Softwarelösungen erleichtern einen kontinuierlichen Überblick über Aus-schreibungen, Bewerbungen und Stellenbesetzungen erheblich.

* Quelle: Auswertung von Staffery unter 105 Recruitern (n=105) in Q1/2022  (RED)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022