E-Commerce-Konzerne investieren Milliarden. Maschinelles Lernen revolutioniert Supply Chains in China

Das Land der Mitte investiert massiv in Artificial Intelligence (AI) und Maschinelles Lernen. Bis 2030 will die chinesische Regierung weltweit der führende Akteur im Bereich AI mit der Entwicklung einer Billion-Dollar-Industrie werden und unterstützt dabei die bedeutensten Technologie-Konzerne des Landes Baidu, Alibaba und Tencent.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Computerprogramme die auf Machine Learning basieren nutzen Algorithmen, mit denen sich bestimmte Muster in großen Datenmengen herausfinden lassen. Im Falle von Supply Chain-Daten suchen die Algorithmen nach den einflussreichsten Faktoren in Bezug auf die effizienteste Lösung für die vorliegende Versorgungskette. Entscheidend ist, dass sich die Algorithmen ständig durch Hinzulernen verbessern.

Deep Learning (tiefes Lernen, mehrschichtiges Lernen) ist ein Teilbereich des Maschinellen Lernens, in dem mehrschichtige künstliche neuronale Netzwerke zu Lernzwecken verwendet werden. Deep Learning hat viele Implementierungen gefunden, wie z. B. die Spracherkennung und Amazon-Kaufempfehlungen. Die amerikanische Forschungs- und Beraterfirma Gartner sieht neben Blockchain, Künstlicher Intelligenz, Internet der Dinge (IdD), Digitaler Zwilling, Advanced Analytics auch Maschinelles Lernen als neuartige Technologien, die die Supply Chain entscheiden verändern
werden.

Einsatzmöglichkeiten Maschinellem Lernen.
Die Einführung von Maschinellem Lernen in ihre Versorgungsketten wird für Unternehmen zunehmend wettbewerbsentscheidend.  Es kann zudem genutzt werden, Probleme in der Supply Chain zu entdecken, bevor Betriebsabläufe gestört werden. Wenn die richtigen Algorithmen genutzt werden, sind die Einsatzmöglichkeiten nahezu unbegrenzt.

Maschinelles Lernen kann z. B. für die Voraussage des künftigen Bedarfs für die Fertigung eines Produkts genutzt werden. Weiterhin ist es möglich, durch Erkennen von Synergien innerhalb mehrerer Versandnetzwerke die Frachtkosten zu senken, die Performanz von Zulieferern zu verbessern sowie allgemein das wirtschaftliche Risiko zu mindern. Beim Supply Chain Management kann ein Mangel an Synchronisation oder der Ausfall einer Instanz die gesamte Versorgungskette unterbrechen und zu einem gewaltigen finanziellen Schaden führen. Durch die Verbindung verschiedener algorithmischer Ansätze wie dem überwachten Lernen, unüberwachten Lernen und dem verstärktem Lernen können die Faktoren gefunden werden, die die Versorgungskette am meisten beeinflussen. Somit ist es möglich, entsprechende Vorkehrungen zur Sicherung oder redundanten Auslegung zu treffen.

Weitere Anwendungen des Machine Learning finden sich in der Qualitätskontrolle, Schadenserkennung, Senken der Bestände und Betriebskosten, Voraussage der Nachfrage nach einem neuen Produkt, Verlängern der Lebensspanne von Maschinen, Fahrzeugen und Anlagen, etc.. Durch die Kombination von Machinellem Lernen mit Advanced Analytics, IdD-Sensoren und Echtzeit-Überwachung kann die komplette Versorgungskette visuell in Echtzeit dargestellt werden.

Chinesische Unternehmen liegen an der Spitze.
Der chinesische E-Commerce-Konzern JD investiert zunehmend in die Einführung der erwähnten Technologien in sein Supply Chain-Netzwerk. Bisher werden sie in der Entwicklung von intelligenten Fuhrparks, Paketverfolgung, Transport, in unbemannten Lagerhäusern, Liefer-Drohnen sowie autonomen Fahrzeugen eingesetzt.

„Die Supply Chain-Technologie hat große Bedeutung für JD. Die Integration von Maschinellem Lernen mit Tiefem Lernen wird große Innovationen hervorbringen“, sagte Zhai Songtao, Leiter von JD Supply Chain-Produkte bei JD-Y smart supply chain. Das Unternehmen etablierte die Y-Firmensparte bereits im November 2016 mit dem Ziel „intelligente“ Supply Chains zu entwickeln. Dabei arbeitet JD auch mit Firmen wie Procter & Gamble und dem bedeutensten chinesischen Milchprodukte-Hersteller China Mengniu Dairy Co Ltd zusammen.

Das E-Commerce-Unternehmen will seinen Plattform-Verkäufern den Zugang zu „Big Data“ ermöglichen, damit diese bessere Entscheidungen treffen können. „Durch die Algorithmen werden die Verkäufer auf unseren Plattformen bessere Entscheidungsmöglichkeiten haben, um ihre verkaufsstärksten Produkte zu fördern und die Bestände besser zu managen“, erklärte Zhai Xinlei, Leiter der Planungs- und Entwicklungsabteilung Supply Chain bei JD-Y. Er fügte an: „Die Daten könnten u. a. das Kaufverhalten, Nutzerprofile und den Bestandsstatus enthalten. Unsere Hauptvorteile sind massive Datenmengen und Anwendungsszenarios.“

CEO Liu Qiangdong, Gründer von JD.com, sagte: „Die grundlegende Natur des Einzelhandels wird sich nicht verändern, da nach wie vor die Kundenerfahrung, Kosten und Effizienz die größte Rolle spielen. Allerdings wird Künstliche Intelligenz diese Bereiche aufwerten.“ Darüber hinaus hat JD ein neues Supply Chain-Innovationsprogramm ins Leben gerufen, das Offline- und Online-Einzelhändler näher zusammenbringen soll. Das neue Programm integriert verschiedene Offline-Kanäle wie Supermärkte, Gemischtwarenläden, einige Markenhändler mit Dada-JD Daojia, um die Effizienz zu erhöhen und die verkauften Produkte noch schneller liefern zu können. Die durchschnittliche Lieferzeit beträgt momentan zwei Stunden.

Alibabas Singles Day ist Turbo-Beschleuniger für AI.
Alibaba hat bereits in 2017 15 Milliarden US-Dollar (13,6 Milliarden Euro) über drei Jahre für sieben Forschungslabore in China, Singapur, Russland, Israel und den USA bereitgestellt, die im Bereich AI, Machine Learning, Natural Language Processing, u. a. Forschung betreiben. Laut Forbes will die chinesische Regierung bis 2030 der führende Akteur im Bereich AI mit der Entwicklung einer Billion-Dollar-Industrie werden und unterstützt bzw. finanziert dabei kräftig die bedeutendsten Technologie-Konzerne Baidu, Alibaba und Tencent (BAT).

Die über 1,4 Milliarden Einwohner im Land der Mitte mit ihren Daten werden den chinesischen Algorithmen wohl die globale Vorherrschaft sichern. Gleichzeitig gelten Chinesen als offen gegenüber dem technologischen Wandel und sehen die neuen AI-Technologien nicht als bedrohlich. Der am 11. November jeden Jahres gefeierte „Singles Day“ erweist sich als Turbo-Beschleuniger für die AI-Technologien. Tmall Smart Selection ist ein AI-unterstützter Deep Learning-Algorithmus mit Natural Language Processing, der dem jeweiligen Käufer ausgewählte Produkte vorschlägt und zudem die Verkäufer über die veränderte Nachfrage informiert. Diese können ihre Bestände entsprechend frühzeitig anpassen. Der lernfähige AI-unterstützte Chatbot DianXiaomi kann mittlerweile sogar menschliche Emotionen interpretieren und bei Bedarf einen menschlichen Kundenbetreuer in den Verkauf einschalten.

Intelligente Gesichtserkennung für Überwachung und Social Scoring.
Zudem ist Alibaba der größte Investor von SenseTime – ein StartUp im Bereich Gesichtserkennung. Die AI-Technolgie kann Jack Mas-Konzern z. B. bei der Verifizierung von Käufen nutzen. Auch ein Einsatz in den Offline-Geschäften für das Kunden-Tracking und für Rabattaktionen ist geplant. Allerdings bringt sich Alibaba durch die Unterstützung von SenseTime in bedenkliche Nähe zur chinesischen Regierung, die Gesichtserkennung mittlerweile schon für die öffentliche Sicherheit und das Sozialkredit-System einsetzt.

Das online betriebenes Rating- bzw. „Social Scoring“-System will durch Punktevergabe für erwünschtes bzw. unerwünschtes Verhalten die totale Kontrolle der Bevölkerung erreichen. Das System basiert auf einer quasi allgegenwärtigen Überwachung. Reuters berichtete Ende Dezember, dass SenseTime eine Umsatzsteigerung von 200 Prozent in 2019 gegenüber dem Vorjahr auf 750 Millionen US-Dollar (681 Millionen Euro) erwartet. Die SenseTime-Technolgie wird u. a. auch in Smartphones von Xiaomi, Oppo und China Mobile eingesetzt.

Im Oktober wurde SenseTime zusammen mit anderen Unternehmen von den USA gebannt. Diese Firmen dürfen ab sofort keine amerikanischen Produkte und Technologien mehr importieren. Amerika beschuldigt die Unternehmen an Menschenrechtsverletzungen gegen die muslimische Minderheit in Xinjiang beteiligt gewesen zu sein und triftt zugleich die chinesische AI-Industrie hart. (DR)

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DHL: Innovation als Erfolgsmodell

In einer sich weiterentwickelnden Welt ist Stillstand Rückschritt. Nur wenige Unternehmen haben das Innovationsprinzip so verinnerlicht wie DHL. Das perfekte Beispiel hierfür sind die DHL Innovation Centers in Singapur, Rosemont (USA) und Troisdorf, wo Kunden und Interessierte einen Einblick in die Zukunft der Logistik werfen können.

Redaktion: Angelika Gabor.

Besonders das erst im Vorjahr eröffnete Americas Innovation Center in Illinois stellt eine potente Plattform für Forschung und kooperative Innovation zwischen DHL-Kunden, Start-ups, der Wissenschaft, Industriepartnern und Innovationsexperten in der Region dar.

„Mit diesem visionären Innovationszentrum haben wir unsere weltweite Führungsposition im Bereich logistischer Innovationen in einem unserer wichtigsten Märkte weiter gestärkt und ausgebaut“, freute sich daher Matthias Heutger, SVP, Global Head of Innovation & Commercial Development bei DHL, „Inspire, Connect and Engage – diese Hauptziele verfolgen wir mit unseren Innovationszentren.“ Doch egal ob Asien, Europa oder USA – Besichtigungen der Innovationszentralen sind ein Highlight und dienen neben der Information über Trends und neue Entwicklungen auch der Vernetzung zwischen Kunden, Branchen- und Geschäftspartnern.

Zu den Visionen, wie die Welt und ihre Transportinfrastruktur im Jahr 2050 aussehen könnte, gesellen sich die neuesten, vom DHL Konzern erfolgreich getesteten Technologietrends in den Bereichen Robotik, Automatisierung, künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, Internet der Dinge und virtuelle Realität. Während beispielsweise beim Thema Augmented Reality noch viele bei der Umsetzung zögern, konnte der Kontraktlogistiker DHL Supply Chain in seinen Lagern durch den Einsatz von AR-Technologie – Datenbrillen stellen die Kommissionieranweisungen und Lagerpositionen optisch dar – die Produktivität um durchschnittlich 15 Prozent steigern.

Markus Voss, CIO und COO DHL Supply Chain, bringt es auf den Punkt: „Es ist essentiell, in Zeiten der Digitalisierung, datengestützt und agil zu arbeiten, um den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden.“ Wie topmoderne Logistikanwendungen Mehrwerte für Kunden und Mitarbeiter schaffen, zeigt sich besonders deutlich im Smart Warehouse am Technologie-Campus im niederländischen Beringe. Von dort aus werden Kunden in ganz Europa mit automatisierten und digitalisierten Kontraktlogistikservices versorgt. In dem TAPA-zertifizierten Campus zählen AR-Technologie, Roboterarme und automatische Indoor-Transporte ebenso zum Alltag wie automatisierte Sortierbänder.

Technologie & Tools.
Die Liste der alltagstauglichen Innovationen ist lang. Das Risikomanagementtool DHL Resilience360 beispielsweise unterstützt kleine und große Unternehmen: durch eine Visualisierung und Überwachung werden Störungen in der Lieferkette proaktiv vorhergesagt, bewertet und verhindert oder zumindest abgeschwächt. Einen Meilenstein in der End-to-End-Überwachung wertvoller, hochempfindlicher Fracht, zum Beispiel aus den Bereichen Biowissenschaften und Gesundheitswesen, stellt der DHL SmartSensor dar, der sich bereits in über einer Million Sendungen seit seiner Entwicklung beweisen durfte. Robotik ist ein riesiges, sehr variables Themenfeld. Noch vor 2 Jahren beurteilten 63 Prozent von 350 von DHL befragten Supply Chain-Fachleuten Robotik als wichtigste Technik. In Nordamerika setzt die DHL Supply Chain seit geraumer Zeit auf kollaborative Roboter, die bei repetitiven Aufgaben die Mitarbeiter ebenso unterstützen wie bei Präzisionsarbeiten. Zusätzliche testet DHL Trends wie autonomes Fahren, Internet der Dinge und künstliche Intelligenz. Was auch immer Erfolg verspricht, das Unternehmen probiert es aus.

Alternative Antriebe.
Mit dem StreetScooter hat die Deutsche Post DHL Gruppe ein leistungsfähiges Elektrofahrzeug entwickelt und produziert. Aktuell betreibt sie damit und mit rund 12.000 E-Bikes und E-Trikes die größte Elektroflotte in Deutschland. Durch die StreetScooter, die in der Paket- und Briefzustellung im Einsatz sind, werden lokal keine Schadstoffe ausgestoßen, und sie sind leise im Betrieb – ideal für urbane Gegenden.

Diesen Jänner erst wurden 40 StreetScooter WORK Boxen sowie 60 Ladestationen an Amazon geliefert, mit denen die letzte Meile für Kunden in München abgewickelt werden soll. Einen alternativen Antrieb der anderen Art testet DHL aktuell im Central Business District von Manhattan, New York City: in einem Pilotprojekt mit Amazon und UPS werden Pakete mit dem Lastenrad Cubicycle ausgeliefert. Pro Cubicycle, das statt einem herkömmlichen Lieferfahrzeug im Einsatz ist, sollen die CO2-Emissionen um bis zu acht Tonnen pro Jahr reduziert werden. Bereits seit 2015 sind die Lastenräder für DHL in den Niederlanden im Einsatz, inzwischen auch in Deutschland, Belgien und Singapur – und nun endlich im Big Apple.  (AG)

 

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Trade Compliance im Handel mit den Balkan-Ländern

Die Staaten auf der Balkan-Halbinsel bieten interessante Absatzchancen unter zum Teil schwierigen Bedingungen. Eine automatisierte Verzollung empfiehlt sich als «Business Enabler» und Risikoverhinderer.

Beitrag: Arne Mielken.

Angesichts der Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums und der Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie werden Nischenmärkte auf dem Balkan wieder interessanter für Exporteure in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Region, die sich von Serbien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien, Bulgarien, Montenegro, Nord-Mazedonien bis nach Griechenland erstreckt, bietet zum Teil sehr interessante Absatzchancen.

Im Vordergrund stehen der Modernisierungsbedarf in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Energiewirtschaft und Tourismus und eine hohe Nachfrage nach Maschinen sowie chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen. Für viele Projekte stehen EU-Fördermittel zur Verfügung. Negativ wirken sich allerdings die niedrige Kaufkraft, die mancherorts mangelnde Rechtssicherheit, die Korruption sowie lange Zahlungsfristen (z.B. Griechenland) aus.

Bei den Balkanländern handelt sich sowohl um EU-Mitglieder (Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Griechenland) wie auch Nicht-EU-Staaten. Die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Westbalkanländer stecken zurzeit in einer Krise, ebenso das regionale Freihandelsabkommen CEFTA.

So erhebt der Kosovo seit einem Jahr 100% Zoll auf Waren aus Serbien und Montenegro. Auch der Straßentransport durch die Länder wird durch politische Querelen behindert. Lkw stehen bei der Durchfahrt oft Stunden und Tage an den verschiedenen Grenzen. Um trotzdem vorwärts zu machen, verhandeln fünf der sechs westlichen Balkanländer (alle ausser Kosovo) jetzt über ein «kleines Schengen-Abkommen». Es soll intraregionale Zölle und Verwaltungsausgaben senken und den Handel fördern.

Serbien.
Die Wareneinfuhr ist weitgehend liberalisiert. Aufgrund des 2013 in Kraft getretenen Stabilisierung- und Assoziierungsabkommens (SAA) zwischen der EU und Serbien können beim Export nach Serbien Präferenzzölle für zahlreiche Warengruppen geltend gemacht werden. Es gilt das harmonisierte Zollsystem. Als Zollbemessungsgrundlage dienen die Preise franko Grenze. Grundsätzlich sind praktisch alle Waren des gewerblich-industriellen Sektors von Zollabgaben befreit.

Serbien ist auch eine interessante Drehscheibe für den Handel mit Russland und den Stan-Ländern. Seit dem Jahr 2000 gibt es ein Freihandelsabkommen (FHA) mit Russland, das mit einigen Ausnahmen (u.a. fertige Autos) den zollfreien Handel erlaubt. Weitere FHA bestehen mit Weissrussland, Kasachstan, den CEFTA-Staaten und seit Ende 2010 mit den EFTA-Staaten. Anfang 2019 wurde das bestehende Abkommen mit der Türkei erweitert. Derzeit verhandelt Serbien über ein FHA mit der Eurasischen Union. Dadurch würden auch Kirgisistan und Armenien Freihandelspartner.

Bosnien-Herzegowina.
Basis für die Beziehungen der EU zu Bosnien und Herzegowina ist das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA), welches am 1. Juni 2015 in Kraft trat. Es gewährt Präferenzzölle für zahlreiche Warengruppen beim Export nach Bosnien-Herzegowina. Wichtigste Ausfuhrgüter aus der EU sind Energieträger, Maschinen und elektrische Anlagen, chemische Produkte und Pharmazeutika sowie Fahrzeuge aller Art und Nahrungsmittel. Der Import von Produktionsanlagen, die nicht im Land hergestellt werden, ist zollfrei.

Kosovo.
Der Kosovo hat 2009 einen Zollkodex gemäß EU-Normen verabschiedet. Es gilt das Harmonisierte Zollsystem der WTO. Waren für UN, EULEX, UNHCR, ICRC, sowie Waren für das diplomatische und konsularische Corps dürfen zollfrei eingeführt werden. Die Wirtschaftsbeziehungen zu allen EU-Ländern werden durch das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) bestimmt, welches am 1.4.2016 in Kraft trat. Seitdem sind bereits Zölle von beiden Parteien beseitigt oder gesenkt worden. Auch mit Albanien, gibt es ein FHA. Auf Waren aus Serbien und Bosnien-Herzegowina wird seit 21.11.2018 ein Zoll von 100% erhoben. Bei der Wareneinfuhr ist übrigens an der Grenze eine Mehrwertsteuer von 18% zu bezahlen. De facto ist dies als eine Art Zusatzzoll. Informationen über Zolltarife, Einfuhr- und Ausfuhrverfahren und andere nützliche Details sind online im International Trade Guide der Regierung nachzulesen.

Albanien und Nord-Mazedonien.
Beide Länder haben in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Kriterien der Europäischen Union für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zu erfüllen. Das Europäische Parlament hat sich 2019 für Beitrittsgespräche ausgesprochen. Diese werden jedoch von Frankreich abgelehnt. Derzeit ist das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) Basis für die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Albanien (seit 1. April 2009 in Kraft). Dadurch können beim Export nach Albanien Präferenzzölle für zahlreiche Warengruppen geltend gemacht werden. Nord-Mazedonien mit seinen „nur“ zwei Millionen Einwohnern ist ein Nischenmarkt und hat daher keinen hohen Stellenwert in dem Gerangel um einen EU-Beitritt.

Montenegro.
Das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) zwischen der EU und Montenegro trat am 1. Mai 2010 in Kraft. Seitdem sind gewisse Zölle von beiden Parteien bereits beseitigt oder gesenkt worden.

 

Zollbestimmungen.
Beim Export in die Balkanländer, egal ob EU oder nicht-EU, sind bestimmte Handelsrichtlinien zu beachten. Als Exporteur sollten Sie abklären, ob für Ihre Waren (Dual-Use-Güter, Militärgüter, Waren mit sensibler Endverwendung) eventuell Genehmigungspflichten für die Ausfuhr bestehen.

Wichtig ist auch die Abklärung des Warenursprungs, insbesondere, wenn Sie Zollbegünstigungen oder -befreiungen in Anspruch nehmen wollen. So ist z.B. im Handel mit Serbien die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 bzw. bei bevollmächtigten Exporteuren eine Ursprungserklärung auf der Rechnung vorzulegen. Dabei ist der übliche Passus mit der Anführung der Zollnummer des bevollmächtigten Exporteurs mit separater Unterschrift der zuständigen Person notwendig. Des weiteren ist bei jeder Sendung die Kopie der Genehmigung der deutschen/österreichischen Zollorgane, anhand welcher das Unternehmen den Status des bevollmächtigen Exporteurs bekommen hat, beizulegen.

„Business Enabler“
Die Komplexität der Einfuhranforderungen, insbesondere in den Westbalkanländern, überfordert viele KMU-Industrie- und Handelsfirmen. Internationale Softwarehäuser bieten jedoch ausgefeilte Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Feststellung der Dokumentenpflichten und Sonderanforderungen, der Generierung der notwendigen Export- und Importdokumente und beim Dokumentenmanagement unterstützen. Sie helfen bei der Produktklassifizierung und Identifizierung der korrekten Zolltarife und beim Erstellen und Verwalten von Ursprungszeugnissen.

Für den Export von Dual-Use- und ähnlichen sensiblen Gütern bieten sie Unterstützung bei der Einrichtung rechtskonformer Exportkontrollprozesse. Die Software vereinfacht ausserdem Preisvergleiche auf Basis Gesamteinstandskosten (Landed Cost) und hilft bei der Festlegung optimaler Lieferbedingungen und Lieferwege. Sie erhöht das Bewusstsein für Zollvorteile und öffnet die Augen für neue Handelsmöglichkeiten. Sie reduziert Trade-Compliance-Risiken, Reputationsschäden, spart Zeit gegenüber manuellen Recherchen und steigert Supply-Chain-Management-Effizienz und Supply-Chain-Transparenz.

Schwierig, aber nicht hoffnungslos.
Mit einer Reform des Erweiterungsprozesses will die EU-Kommission den Konflikt um die Beitrittsverhandlungen mit den West-Balkanstaaten entschärfen. Ob der französische Präsident dann seine Blockadehaltung aufgeben wird, ist offen.

Der Handel mit den Balkan-Staaten kann lukrativ sein, stellt jedoch hohe Anforderungen an die Vertragsparteien. Beim Export in die Nicht-EU-Staaten ist eine Vielzahl tarifärer und nicht-tarifäre Handelsbestimmungen zu beachten. Aufgrund der instabilen politischen Lage im Westbalkan kommt es auch immer wieder kurzfristig zu Änderungen der Zollbestimmungen. Eine Automatisierung der Zollabfertigung ist daher schon aus Compliance-Gründen empfehlenswert.
(AM)

 

 

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#politics #management

Grenzen einreißen – Produktion und Logistik verschmelzen

Auf dem Forum Automobillogistik 2020, das am 5. und 6. Februar in Leipzig stattgefunden hat, diskutierten Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen und Lösungsansätze für verschmelzende Produktions- und Logistikvorgänge.

Beitrag: Anja Stubbe.

Die Zeiten, in denen jeder Beteiligte einer Wertschöpfungskette allein seine Prozesse optimiert, sind vorbei. Alternativen sind gefragt, um Prozesse gemeinsam optimieren und so das gesamte Potenzial einer reibungslosen Supply Chain heben zu können – das gilt besonders für die Automobilindustrie.  „Grenzen einreißen muss zuallererst in den Köpfen stattfinden. Querdenken in Bezug auf Geschäftsmodelle und auf Kooperationsweisen ist gefordert“, ist Michael Müller, CEO von Müller – Die lila Logistik AG, überzeugt. „Wir müssen immer wieder in Alternativen denken und nicht nur das optimieren, was wir momentan haben.“

Von Daten-Silos zu Datenstandards.
Das gilt zum Beispiel für das Datenmanagement. Andreas Schick, Vorstand Produktion, Supply Chain-Management und Einkauf des Automobilzulieferers Schaeffler AG, betont die Bedeutung von vernetzten Datenflüssen. „Wir erheben immens viele Daten, die auch unseren Kunden helfen würden, wenn man sie teilt.“ Internationale Datenstandards sind dazu Grundvoraussetzung. Dem gegenüber stehen allerdings noch immer verschiedene gewerks- oder unternehmenseigene Datenökosysteme, zwischen denen Schnittstellen nur schwer oder gar nicht geschaffen werden können. Außerdem muss die Datensicherheit geklärt sein.  Indem eindeutig festgelegt ist, wem die Daten gehören und wie mit diesen umzugehen ist, können Unternehmen Lösungen finden, „die uns allen guttun“, so Schick.

Informationen für Beteiligte nutzbar machen.
Wie Grenzen zwischen Fachbereichen in Hinblick auf die Datenweitergabe eingerissen werden können, zeigt Prof. Katja Windt, Mitglied der Geschäftsführung des Anlagenlieferanten SMS Group und des Vorstands der BVL. Eine sogenannte lernende Wertschöpfungskette und ein Qualitätstracking entlang der gesamten Supply Chain sorgen dafür, dass aus Daten gewerksunabhängig Informationen gewonnen werden, aus denen wiederum Prozesswissen generiert werden kann.

Um Reibungsverluste zu minimieren und die isolierte Betrachtung einzelner Gewerke zu überwinden, ist es aber entscheidend, schon früh alle an der Supply Chain beteiligten Parteien an einen Tisch zu bekommen. Gemischte Teams mit Experten aus den unterschiedlichen Bereichen von Beginn an – das ist die Lösung der SMS Group, um der Silo-Bildung zuvorzukommen.

Zusammenrücken ist gefragt – weltweit.
Auch geographische Grenzen einzureißen sei unausweichlich, um aktuelle Herausforderungen in Logistik und Supply Chain-Management anzugehen, so die Experten beim Forum Automobillogistik. Dazu zählen unter anderem die überlastete Infrastruktur, steigende Logistikkosten durch verknappte Transport- sowie Fachkräftekapazitäten oder Bestrebungen zur Dekarbonisierung.

Altbewährte Dogmen müssen dafür überdacht werden. Dabei zeichnet sich ein Trend ab: Alle Bereiche der Wertschöpfungskette rücken geographisch näher zusammen „Zukünftig wird vermehrt dort produziert, wo der Markt ist“, ist Thomas Zernechel, Leiter Konzernlogistik bei Volkswagen, überzeugt. Damit alle Gewerke an einem Ort produktiv werden können, ist es notwendig, Produktions- und Logistikkonzepte neu zu denken sowie Standorte neu zu organisieren. Wenn Gewerke umziehen, muss aber auch die nötige Kompetenz transferiert werden. Unterstützung dabei kommt von der zunehmenden Automatisierung, sagt Prof. Dennis J. Snower, Präsident der Global Solutions Initiative und Professor für Makroökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.

Denn Roboter ließen sich leichter in der Welt herumschicken als Menschen und deren Kompetenz damit schneller und unkomplizierter von einem Ort zum anderen transportieren. Daher ist sich Snower sicher: „Je mehr Automatisierung in den Fabriken Einzug hält, desto mehr kann sich die Produktion an den Kunden annähern.“

Während einerseits Grenzen in Bezug auf Daten-, Informations- und Wissenstransfer langsam verschwinden, werden andererseits neue Grenzen gezogen. Handelskonflikte und -hürden erschweren die positive Entwicklung der Weltwirtschaft. „Non-tariff barriers are the analogy to building a wall inside the factories,“, konkretisiert Snower. Er hat eine klare Forderung an alle Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: „They should be obsolete!“
(AS)

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Einfach mal die Perspektive ändern

Bei der exklusiven Material Handling & Logistics Conference (MHLC) Europe 2020 in Stuttgart kommen Sprecher zu Wort, die man nicht unbedingt mit Logistik in Verbindung bringt. Aber genau das macht die Veranstaltung so spannend. Das und die Tatsache, dass nicht jeder teilnehmen darf.

Redaktion: Angelika Gabor.

Am 8. und 9. März, im Vorfeld der LogiMAT, findet die MHLC im Goldbergwerk Fellbach und im Mövenpick Hotel Stuttgart Flughafen statt. Zielgruppe: Entscheidungsträger der Intralogistik, die auch über den Tellerrand hinausblicken und kreative Lösungen und Denkanstöße erhalten möchten. Das Besondere an den Vorträgen und Workshops ist ihre Unabhängigkeit.

„Man kann keinen Speaking Slot kaufen“, bestätigt Dominic Fischer, Eventmarketingmanager beim Eventsponsor Dematic. Statt dessen wählt ein Gremium die Themen, die den Kunden wirklich unter den Nägeln brennen – und engagiert dann neutrale Experten aus ganz Europa, die oft aus ganz anderen Themenbereichen kommen. „Wir wollen Antworten auf die Frage, was die Zukunft der Intralogistik beeinflusst“, so Fischer. Maximal 300 Teilnehmer kommen in den Genuss der Veranstaltung – alle auf Entscheiderlevel. Fischer: „Hier zählt nicht das Sehen und Gesehen werden, sondern es geht darum, dass wirklich jeder Teilnehmer etwas lernen und für sich mitnehmen kann. Natürlich bietet die Konferenz auch eine exklusive Networking-Plattform für den europäischen Markt.“ Die Eröffnung der MHLC im Rahmen eines Galadinners am 8. März übernimmt Bruce Dickinson. Während viele ihn nur als Sänger der Band Iron Maiden kennen, ist er auch ein überaus erfolgreicher Unternehmer und Pilot.

Der 9. März ist dann vollgepackt mit teils provokanten Keynotes und Workshops. Den Anfang macht Lars-Johan Jarnheimer, Vorstand der IKEA Gruppe, er spricht über Unternehmensentwicklung, zukünftige Aspekte und den Wandel der Supply Chain. Anschließend finden vier parallele Workshops statt, die sich mit unterschiedlichen Themen befassen: zum Veranstaltungsmotto „MOVE“ und über Riskmanagement inspiriert Dominik Neidhart, erster europäischer Gewinner des Americas Cup. Im zweiten Workshop, „next generation supply chain“ geht es um die Robotik in Zeiten der Digitalisierung. Workshopleiter: Dominic Bösl, Leiter Robotic Future bei Festo und Crystal Parrott, VP Robotic Excellence Center bei Dematic. In Sachen Digitalisierung macht Shivvy Jervis niemand etwas vor, bereits vier Mal wurde die Broadcasterin als Innovations-Futurist ausgezeichnet. Ihr Thema: „Emotive AI’, Hybrid Data, Bio-Security, Cyber Security & Digital Identity – What’s Coming? Forget IoT, it’s the Internet of Everything.“ Beim vierten Parallelworkshop stehen Energieeffizienz und Green Warehouses auf dem Programm. Dr. Jeremy Leggett, Gründer von Solarcentury und SolarAid wird mit Chicco Testa, Vorstandsmitglied der Telit Communications, Optimierungspotenziale identifizieren.

Nach einer kurzen Snack- und Netzwerkpause finden wieder vier parallele Workshops statt. Effy Vayena, Professorin für Big Data und Ethik künstlicher Intelligenz am ETH Zürich thematisiert den Einfluss künstlicher Intelligenz auf Führungsstil und Belegschaft. Im Workshop „Next Generation Supply Chain“ warten gleich vier Experten: Luis Solis, Direktor des Advanced Learning Innovation Programms an der IE Business School, Josh Valman, Gründer und Leiter der RPD International, Phillip Siefer, Gründer des alternativen Start-Ups Einhorn sowie der Digitalisierungsexperte und Start-Up-Investor Uwe Horstmann. Über digitale Störungen und darüber, wie künstliche Intelligenz Technologie verschwinden lässt, sinniert im 3. Workshop der Unternehmer und Analyst Dr. Rand Hindi. Beim vierten Parallelworkshop mit Helmuth Ludwig, CIO der Siemens AG, steht die Transformation eines Unternehmens hin zur digitalen Optimierung im Fokus.

Nach der Mittagspause startet der Nachmittag mit einer Keynote von Porter Erisman. Der ehemalige Vizepräsident der Alibaba Gruppe und Experte für e-Commerce in Asien wird dem Publikum das “Alibaba Concept” und die damit verbundenen Veränderungen des Marktes näherbringen. Anschließend wieder die Qual der Wahl zwischen vier hochkarätigen Workshops mit unterschiedlichen Themenbereichen: der Polarforscher Sir Ranulph Fiennes thematisiert „Marketing for CEOs – Death or Glory in the Digital Age“. José Luis Rodríguez, Logistikleiter, Ahorramas Supermarkt und Thomas Steverding, Senior Group Manager Strategie und Geschäftsentwicklung bei DPD sprechen über Gegenwart und Zukunft von Same Day Delivery und der letzten Meile. Claudia Olsson, Strategin für für digitale Transformation wird Hybrid-Realität und Technologietrends gegenüberstellen.

Den vierten Workshop leitet Tom Purves, ehemaliger BMW Nordamerika und Rolls Royce-CEO. Der nächste Parallelworkshop-Block folgt nach einer weiteren kurzen Pause. Gestärkt muss man sich dann erneut entscheiden. Der führende Motivationstrainer Adrian Webster ruft dazu auf, sich von anderen zu unterscheiden und so erfolgreich zu sein. Der zweite Workshop ist eine von KION gehostete Podiumsdiskussion mit Markus Sontheimer, Vorstandsmitglied der DB Schenker AG.

Titel: „Start-up Hype meets Industry-Change“.
Die Risiken und Chancen von Big Data und Datensicherheit thematisiert der dritte Workshop. Mitwirkende: der führende Datensicherheitsanalyst und Hacker FC sowie Dr. Viktor Mayer-Schönberger, Big Data Experte und Professor für Internet Governance an der Oxford Universität. Last but not least der vierte Parallelworkshop mit Hans-Peter Hiemer, ehemaliger Geschäftsführer von s. Oliver und Inhaber von b4b. Bei ihm geht es um adaptive Produktivität und agile Transformation von Geschäftsmodellen im und für das digitale Zeitalter.

Einen Kracher verspricht die Abschluss-Keynote.
Unternehmer und Ex-Formel 1 Fahrer David Coulthard sowie Unternehmer und Formel 1 Manager Mark Gallagher haben Geschwindigkeit im Blut. In der Motivationsrede gilt daher nur ein Fokus: Speed! Neben den hochkarätigen Sprechern und dem sorgsam zusammengestellten Programm locken noch Aussteller und die „Future Lobby“ mit aufstrebenden, innovativen Start-Ups zu der exklusiven Veranstaltungsreihe. „Die nächsten geplanten Austragungsorte sind England und Spanien“, verrät Fischer. Also am besten dieses Jahr in Stuttgart teilnehmen, denn so nah kommt die MHLC nicht so schnell wieder. (AG)

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#politics #retail #ecommerce #logistics #intralogistics #worldtrade #logimat #management

 

LOGISTIK express Journal 1/2020 

LOGISTIK EXPRESS JOURNAL 1/2020 

Mit dem LOGISTIK EXPRESS informieren wir über Politik, Handel, E-Commerce  Logistik, Intralogistik, Transportlogistik, Globale Märkte und Management. Die Medienmacher der Publikationen – BUSINESS+LOGISTIC, LOGISTIK EXPRESS und UMWELT JOURNAL haben mit Beginn des Jahres Ressourcen gebündelt und vermarkten nunmehr Online-Plattformen & Publikationen cross-medial über die HJS MEDIA WORLD. So beziehen Sie News & Trends über die ganze Welt der Logistik über Zeitschriften, ePaper Kioske, Apple & Google App Store sowie über Social Media Plattformen.

Flott mit großen Schritten gehen wir auf die LogiMAT zu und laden Aussteller ein, Firmenprofile über das B2B Network Logistik Branchenportal zu platzieren. Zudem möchten wir auf unseren 5. eCommerce Logistik-Day in Kombination mit der Austrian-Lounge am 17. September 2020 hinweisen. Bei Fragen stehe ich Ihnen allzeit gern bereit.

Markus Jaklitsch

INHALT / INDEX:
02 Termine & Events
04 Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
06 Türkis-Grün. Himmel hilf oder hell yeah?
12 Wird die Haselsteiner Frachtbahn Traktion zum Hecht im Karpfenteich?
14 Deutscher Fiskus als Vorbild für Österreich?
15 WIE REAL BIST DU?
16 Trump erlässt wegweisende Vorschriften für Amazon & Co.
17 Global Powers of Retailing-Report
18 Der Handel steht vor einer radikalen Neuerfindung
20 Lehrberuf „e-Commerce-Kaufmann“
21 Logistik Reise
22 Maschinelles Lernen revolutioniert Supply Chains in China
26 MHLC Europe – Einfach mal die Perspektive ändern
28 Alibaba statt Abrakadabra
32 Logistic Natives e.V. E-Commerce Logistik Infrastruktur Netzwerk
34 Verpackungslösungen der Händler
36 Grenzen einreißen – Produktion und Logistik verschmelzen
38 Trade Compliance im Handel mit den Balkan-Ländern
42 Vom Risiko zur Chance – Handel mit der Türkei und dem arabischen Raum
46 Innovation als Erfolgsmodell
50 Komplettlösung für ein nachhaltig ausgezeichnetes Logistikzentrum
53 KNAPP SPECIAL: ROBOTIK / SMART FACTORY – Losgröße 1
60 Wissensbeiträge zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit
64 Innovative Fördertechnik für Effizienz und Nachhaltigkeit
67 LogiMAT: Zukunftsfähige Lösungen
70 Menschen in Bewegung

 

Rainer Will, CEO, Österreichischer Handelsverband: „Europa ist auf dem Weg zum digitalen Entwicklungsland. Fair Play muss die Basis sein, um Innovation-Leader zu werden und Monopolen entgegenzuwirken.“

 

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Sind Ihre Mitarbeiter fit im US – Außenhandelsrecht?

Sie exportieren in die USA? Sie importieren Teile oder technisches Know-how aus den USA? Dann sollten sich Ihre Mitarbeitenden gut im US-Außenhandelsrecht auskennen. Verstöße können teuer werden. Regelmäßige Schulungen sind unumgänglich.

Beitrag: Redaktion.

Trump ist Ihr Albtraum oder Sie sind ein Trump-Fan? Wie auch immer. Falls Sie Handel mit den USA treiben, müssen Sie sich mit den Auswirkungen seiner Politik arrangieren. Und dies betrifft Hunderte von Firmen in Deutschland. Die Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer von Waren «Made in Germany». 2018 erreichten die Ausfuhren einen Rekordwert von 113,5 Milliarden Euro. Auch die Importe aus den USA sind mit 64,6 Milliarden Euro bedeutsam. Doch wie gut kennen sich Ihre Mitarbeitenden im hoch komplexen US-amerikanischen Handels- und Zollrecht aus? Alles dem Zollspediteur zu überlassen ist für Industrie und Handelsorganisationen nicht ratsam. Denn Rechtsverstöße werden in den USA mit hohen Strafen belegt.

Exterritoriale Geltung.
Einer der Gründe, warum Sie ihre Mitarbeiter kontinuierlich schulen sollten, ist die exterritoriale Geltung des US-Exportkontrollrechts. Während in EU-Staaten, einschließlich Deutschland, der Grundsatz des freien Warenverkehrs gilt, sind bewilligungsfreie Exporte aus den USA eher die Ausnahme. Zudem kontrollieren die USA ihre Güter im Handelsverkehr auch außerhalb des eigenen Territoriums, wo auch immer sich diese in der Welt bewegen.

Das US-Exportkontrollrecht findet u.a. Anwendung auf Güter, die außerhalb der USA produziert werden, in denen aber US-Vorprodukte enthalten, oder die das Resultat von US-Technologien, Blaupausen u.ä. sind. Je nach Empfangsland bzw. Empfängerperson wird zum Teil bereits ab einem wertmäßigen US-Anteil von 10% ein Gut als US-Gut betrachtet und entsprechend durch US-Recht kontrolliert. Das US-Recht folgt der Ware. Damit müssen US-Regularien auch von Unternehmen beachtet werden, die keine Niederlassung in den USA haben, aber direkt oder indirekt mit US-Produkten zu tun haben.

Die De-Minimis-Regel gilt nur bei (Re-) Exporten von Dual-Use-Gütern. Für Rüstungsgüter oder Luft- und Weltraumtechnologie, die nicht durch die EAR (Export Administration Regulations), sondern durch ITAR (International Traffic in Arms Regulations) kontrolliert werden, genügt bereits der Einbau einer einzigen ITAR-kontrollierten Komponente, um das Gesamtgut der Kontrolle der ITAR zu unterwerfen, sog. see-through-rule.

Aufmerksamkeit verlangt auch die Vielzahl der Sanktionslisten bezüglich Länder, Organisationen und Personen der US-Behörden. Für Kundenunternehmen, Lieferanten oder Geschäftspartner, die in diesen Listen aufgeführt sind, besteht entweder eine Meldepflicht an die US-Behörde, eine Bewilligungspflicht oder sogar ein Verbot des Geschäfts.

Das US-Exportrecht gilt unter Umständen auch, wenn ein Unternehmen Standorte oder Beteiligungen in den USA unterhält, wenn ein US-Unternehmen an der Gesellschaft beteiligt ist oder wenn ein Unternehmen US-Staatsbürger oder auch nur Inhaber einer “US-Greencard” beschäftigt. So kann z.B. ein Vortrag im Ausland über bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse durch einen US-amerikanischen Mitarbeiter eines deutschen Unternehmens eine Exportlizenz benötigen („deemed export“).

Ebenso das Ausstellen eines Produkts im Rahmen einer Messe außerhalb Deutschlands. Auch der grenzüberschreitende Versand von Produktbeschreibungen oder die Information eines ausländischen Staatsangehörigen über Merkmale des Produkts können einen Export nach US-Recht darstellen. Die Verpflichtungen betreffen auch deutsche Unternehmen, die lediglich Produkte und Dienstleistungen in andere EU-Länder verbringen. Besondere Regeln sind ebenfalls bei den internen Abläufen innerhalb exportierender Unternehmen zu beachten. Unter anderem müssen bei der Produktion bestimmter in den USA gelisteter Güter besondere Sicherheitsstandards bezüglich Zutrittes, Organisation und Auswahl der Mitarbeiter beachtet werden.
C-TPAT etc.

Aber auch der Export in die USA ist nicht hürdenfrei. Die Bestimmungen des Zollpartnerschaftsabkommens C-TPAT und der elektronischen Voranmeldung von Warenimporten sollten bekannt sein. Die Einfuhr von Lebensmitteln und Pharmaprodukten in die USA stellt hohe Anforderungen. Die Vorgaben der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelaufsicht “Food and Drug-Administration” (FDA) müssen ebenso erfüllt werden, wie die des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) und der amerikanischen Zollbehörde CBP (Customs Border Protection).

Eine richtige, vollständige und schlüssige Dokumentation ist entscheidend für eine schnelle, termingerechte Lieferung und den Zugang zum US-amerikanischen Markt. Bei verschiedenen Waren muss eine Importlizenz ebenso wie Adressen und FDA Registriernummern des Exporteurs, Herstellers, Importeurs und Empfängers vorliegen. Der Warenursprung muss lückenlos belegt
werden.

Drawback-Verfahren:
Interessante finanzielle Vorteile ergeben sich für Exporteure, die Waren in den USA veredeln und dann weiter nach Lateinamerika oder Kanada verkaufen. Das Drawback-Verfahren bietet die Option, bei der CBP die Erstattung von bereits gezahlten Einfuhrabgaben beim Reexport veredelter, nicht benötigter oder defekter Waren („Manufacturing Drawback“, „Unused Merchandise Drawback“, „Substitution Drawback“) zu beantragen. Die Zollbehörde erstattet im Regelfall 99% der gezahlten Einfuhrzölle. Bei „Unused Merchandise Drawback“ werden überdies auch die Zollabfertigungsgebühren (merchandise processing fees) erstattet. Grundsätzlich ist es am Exporteur der Einfuhrwaren oder gleichartiger Waren, die Erstattung zu beantragen.

Spezialschulung tut not.
Zahlreiche Firmen, Institutionen und Verbände bieten in Deutschland Schulungen im Bereich Exportklassifizierung und -verzollung, Compliance, Freihandelsabkommen u.ä. für Fach- und Führungskräfte an. Die Global Trade Academy von E2open (ehem. Amber Road, mit Hauptsitz in New Jersey USA) hat sich vor allem auf USA fokussierte Themen und den globalen Handel mit Dual-Use-Gütern spezialisiert. Kostenlose Webinars zu aktuellen Themen wie neue Gesetzesvorschriften, Sanktionen oder Zölle, Brexit und Incoterms 2020 bieten viel Raum für die Beantwortung individueller Fragen aus dem Berufsalltag.

Seminare und Konferenzen werden in verschiedenen Ländern (in Nordamerika, Asien und Europa) sowie Sprachen zu Themen des internationalen Handels, Außenhandelsmanagement, Supply-Chain- Management, Import- und Exportkontrollen, Zollabwicklung, Freihandelsabkommen, Präferenzabwicklung und Trade Compliance Management angeboten. Darüber hinaus ist die Global Trade Academy seit Jahren erfolgreich mit Online Trainings und Präsenzveranstaltungen, die zum Teil speziell auf individuelle Firmenbedürfnisse zugeschnitten werden.

Zum Schulungsprogramm gehören auch drei Intensivkurse mit Abschlusszertifikat. Hier liegt der Fokus auf global standardisierter HS-Klassifizierung und Tarifierung, Exportkontrollrecht (USA, EU etc.) und Drawback-Verfahren (USA). Zum Selbststudium dient die Lernplattform „Learning Management System“ (LMS). Sie gewährt Zugriff auf eine Bibliothek mit bereits abgehaltenen Online-Seminaren zum Themenzyklus Handelsrecht Im- und Export. Das gesamte Schulungsprogramm ist auf den Praxisalltag ausgerichtet. Die Kurse kosten zwischen 600 und 3000 USD/Person.

Fazit:
Fundiertes Wissen im internationalen Handelsrecht, insbesondere in Bezug auf Ihre Lieferländer und Absatzmärkte, ist essenziell für reibungslose und rechtssichere Geschäftsabläufe. Angesicht des zunehmenden Protektionismus weltweit und immer mehr Vorschriften und Verordnungen im Welthandel wächst die Bedeutung von Schulungen, Auffrischungskursen und einer generellen Sensibilisierung für Trade-Compliance-Themen. Trade Compliance ist für Firmen Voraussetzung für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, bringt aber neben der Strafvermeidung keinen messbaren Wettbewerbsvorteil. Daher tun sich viele Firmen schwer, die notwendigen Mittel für Schulungen bereit zu stellen. Andererseits sind gute Fachkenntnisse Voraussetzung für die anstehende digitale Transformation und Automatisierung aller Geschäftsprozesse. (US)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

 

Vorteile einer automatisierten Kreditorenbuchhaltung

Die digitale Transformation ist unerlässlich für den Geschäftserfolg von morgen. Sie ist keine Option mehr, sondern Notwendigkeit. Alle Geschäftsfelder sind betroffen, insbesondere der Einkauf.

Beitrag: Thomas Kofler.

Als Einstieg in die digitale Transformation eignet sich vor allem die Kreditorenbuchhaltung (AP Accounts Payable), d.h. die Buchführung der Kontokorrentbeziehungen zwischen dem eigenen Unternehmen und externen Lieferanten und Dienstleistungsanbietern. Hier wird das Tagesgeschäft häufig noch immer von Papier und Personal intensiven, manuellen, fehlbehafteten Prozessen bestimmt. Die Kreditorenbuchhaltung zählt in vielen Konzernen zu den ineffizientesten und kostenträchtigsten Abteilungen in einem Konzern. Besonders hoch ist der Verwaltungsaufwand u.a. bei Speditionen und Expressdienstleistern, die meist Hunderte von Lkw-Unternehmen beschäftigen. Durch Automatisierung können Unternehmen den Arbeitsaufwand und Kosten senken sowie Zeit und Personal einsparen. Die Rendite entsprechender Investitionen (ROI = Return on Investment) ist hoch.

Stolpersteine.
Warum kommt die Digitalisierung in diesem Bereich trotzdem nur schleppend voran? Zum einen geniesst die Kreditorenbuchhaltung als Nebenzweig der Finanzbuchhaltung im Bereich Finanzen und Controlling keinen hohen Stellenwert. Entsprechend schwierig ist es für die Verantwortlichen, die nötigen Investitionen bewilligt zu bekommen. Vielen Finanzkontrolleuren ist nicht bewusst, wie viel Geld sie mit einer Automatisierung einsparen könnten und dass die Einsparungen die Investitionen über Zeit weit überschreiten.

Ein weiteres Problem ist das Silodenken in grossen Organisationen und die unsichtbaren Mauern zwischen Buchhaltung, IT und Einkauf. Naturgemäss hat die Kreditorenbuchhaltung einen engen Bezug zum Beschaffungswesen, insbesondere dem Einkauf. Meistens rapportieren die Bereiche jedoch an unterschiedliche
Führungskräfte und sehen sich daher als Konkurrenten mit unterschiedlichen Zielen. Es braucht bei der Einführung von AP-IT-Lösungen einen langen Atem. Viele Lieferanten sträuben sich anfangs gegen einen Systemwechsel hin zu e-Invoicing und e-Payments. Hier sind Fingerspitzengefühl und Überredungskunst gefragt.

Softwarefunktionen.
Das Angebot technischer Lösungen für eine Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung ist gross. Ihre Funktionalität wird ständig verbessert. Waren Supply-Chain-Finance (SCF)-Lösungen anfänglich auf Grossunternehmen ausgerichtet, stehen heute KMU im Fokus. Denn laut Expertenaussagen verfügen erst 52% über eine SCF-Lösung. Laut einem Bericht des McKinsey Global Institute vom Januar 2017 könnte rund die Hälfte aller bezahlten Tätigkeiten von Mitarbeitenden in Wirtschaftsunternehmen mit der heute zur Verfügung stehenden Technologie automatisiert werden.

Wie funktioniert AP Lösungen? Der Prozess beginnt mit der Auftragserteilung und anschliessenden Rechnungsstellung. Akzeptieren Sie nur noch elektronische Rechnungen von Ihren Lieferanten! Durch kostenloses Verknüpfen aller Lieferanten mit einer Multi-User-Plattform erreichen Sie eine hohe Akzeptanz fürs e-Invoicing. Wenn der Lieferant die Plattform auch für eigene Geschäfte nutzen kann, z.B. den Einkauf von Ersatzteilen unteranderem wächst die Bereitschaft, digitale Prozesse zum Standard zu machen.

Mit moderner Software können Sie die gesamte Rechnungsbearbeitung automatisieren. 
Eingehende Rechnungen werden erfasst und automatisch mit Aufträgen, Vertragskonditionen, aber auch gesetzlichen und firmeninternen Compliance-Vorgaben und Zollbestimmungen sowie Wareneingangsbuchungen/Lieferscheinen verglichen. Nach positiver Prüfung werden sie zur Zahlung frei gegeben markiert und gemäss den vorgegebenen Zahlungszielen bezahlt. Die Software erfasst ebenfalls Gutschriften, verwaltet offene Posten, archiviert Unterlagen und füttert Daten in das ERP-System.Die Mitarbeitenden konzentrieren sich allein auf die Problemfälle. So lässt sich die mit Anzahl der mit Rechnungen befassten Personen reduzieren und die Durchlaufzeiten im Rechnungswesen deutlich verkürzen.

Skonti locken.
Eine integrierte Procure-to-Pay-Lösung ermöglicht ausserdem die dynamische Handhabung von Skonti bei Frühzahlungen. Der Einkauf/Financial Controller bestimmt, wie viel Kapital für Frühzahlungen zur Verfügung steht. Die Lieferanten publizieren online ihre Standardkonditionen. Gemeinsam werden dann die anzuwendenden Konditionen beschlossen, die bei früher Zahlung automatisiert angewendet werden. Für Unternehmen die Skonti auf alle Eingangsrechnungen erhalten, ergeben sich signifikanten Einsparungen und höhere Gewinnmargen. Aber auch mehr Transparenz, Imagegewinn sowie langfristig, stabile Partnerschaften mit Lieferanten sind als positive Nebeneffekte nicht zu unterschätzen. Mit kürzeren Zahlungsfristen können Unternehmen eventuell auch deutlich günstigere Konditionen im Einkauf aushandeln. Für langjährige Lieferanten ergibt sich die Möglichkeit, bei den an die Plattform angeschlossenen Banken einen günstigeren Kredit auszuhandeln, da diese den kontinuierlichen Geldfluss sehen.

Tail Spend.
Einkaufsrichtlinien konzentrieren aus Haftungsgründen traditionell den Wareneinkauf auf eine beschränkte Zahl ausgewählter Mitarbeiter. Diese sind für den Einkauf der wichtigsten Rohstoffe und Halbwaren verantwortlich. In manchen Unternehmen werden aber so kaum 10% der Lieferanten erfasst. Mit der Einführung einer digitalisierten Zahlungsabwicklung kann auch anderen Mitarbeitenden Zugang zu Zahlungsmitteln (Unternehmens- oder Kreditkarte/p-Karte) für geringfügigere Ausgaben (Tail Spend) gewährt werden. Dabei mag es sich um Reisekosten, den Einkauf von Dienstleistungen oder Büromaterial, Kleinteile, Ersatzteile, Werkzeuge oder andere Waren handeln.Die Verwaltung solcher Unternehmensausgaben, d.h. nicht-geschäftskritischer Einkäufe, ist gewöhnlich komplex. Moderne Softwarelösungen übertragen die Kontrolle über solche Einkaufsentscheidungen den jeweiligen Budgetverantwortlichen und ebnen den Weg für einen standardisierten Genehmigungsworkflow. Dies erhöht die Transparenz unternehmensweit. Die Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung steigert nicht nur die Kosteneffizienz der Buchhaltung selbst, sondern der gesamten Organisation.

Erfolgreiche Umsetzung.
Eine erfolgreiche digitale Transformation der Kreditorenbuchhaltung gelingt nicht über Nacht. Sie erfordert Veränderungen bei Geschäftsprozessen, Mitarbeitenden und Führungskräften sowie in der Wahrnehmung der Kreditorenbuchhaltung und ihrer Bedeutung für den Einkauf und das Unternehmen als Ganzes auf der Führungsebene. Die Einführung neuer Softwarelösungen ist immer eine Herausforderung. Aber das Durchsetzen von Verhaltensänderungen (Change-Management) ist weitaus anspruchsvoller. Die Software muss einfach in der Handhabung sein, die Geschäftsbanken einbinden und sich problemlos mit ERP-Systemen verbinden lassen. Mit dem Roll-out der Softwarelösung sollten neue Jobbeschreibungen und Zielvereinbarungen für die betroffenen Mitarbeiter einhergehen. Aber auch die Lieferanten benötigen eine Starthilfe.

Mehrwert.
Viele Unternehmen haben den digitalen Wandel inzwischen angestossen und sind überzeugt, dass dieser nicht nur das Kundengeschäft, sondern auch das BackOffice revolutionieren wird. Der erreichbare Mehrwert wird immer offensichtlicher. Gleichzeitig steigt der Bedarf an einer konsistenten Geschäftsstrategie, die mit definierten Zielen und Massnahmen unterfüttert ist. Durch die Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung können Daten bezüglich Einkaufsverhalten, Ausgaben, Lieferfristen, Skonti etc. kosteneffizient und zum Nutzen des Unternehmens ausgewertet werden (Big Data Mining). Die Transparenz steigt. Durch bessere Zahlungsbedingungen avancieren Lieferantenrechnungen vom Kostenblock zum Gewinnbeitrag. Statt sich mit der Rechnungsabwicklung zu befassen, bekommen Mitarbeitende die Möglichkeit, sich auf Gewinn steigernde Tätigkeiten zu konzentrieren. (TK)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

 

Schaeffler Distributionszentrum – Für alle Fälle gerüstet

In der Automobilbranche ebenso wie in der Maschinenbauindustrie zählen Qualität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Als wichtigster Zulieferer dieser Branchen ist für die Deutsche Schaeffler Gruppe eine moderne, effiziente Lieferkette unabdingbar. Darum realisierte die SSI SCHÄFER nun ein neues Distributionszentrum, das den hohen Anforderungen spielend gerecht wird.

Redaktion: Angelika Gabor.

Bisher versorgte die Gruppe mit ihren rund 32.700 Mitarbeitern den europäischen Markt von drei Distributionszentren aus, um die Supply Chain bis hin zu den Industriekunden flexibel und kostenoptimiert zu gestalten. Dazu zählt neben der präzisen Auftragsfertigung für die Montagelinien insbesondere die Bedienung von Ad-hoc Aufträgen der Industriekunden. Das neue, mit 94.000 m² bebauter Fläche und 25.000 m² über zwei Ebenen verteilte Logistikfläche größte und funktional bedeutendste Europäische Distributionszentrum EDZ Mitte befindet sich in Kitzingen.

Auf dem etwa 75 Hektar großen Gelände befand sich früher die US-Liegenschaft Harvey Barracks. Die neue Anlage stellt das Herzstück des neuen europäischen Versorgungsnetzwerkes dar, sie wurde daher auf maximale Flexibilität, Verfügbarkeit und Efizienz der Prozesse ausgelegt.

Vollautomatisierter innerbetrieblicher Materialfluss.
Basierend auf den Planungen von Schaeffler zu Artikelspektren, Auftragsstruktur und Durchsatzanforderung konzipierten die Intralogistikspezialisten von SSI SCHÄFER eine hochdynamische Anlage mit vollautomatisierten Prozessen von der Wareneingangserfassung bis zur Versandbereitstellung. Gleich drei Wareneingangslinien mit integrierten Kontrollwaagen führen die Paletten von den Wareneingangstoren zu den Übergabeplätzen, von wo aus es mit der Elektrobodenbahn (EBB) weitergeht. Auf einem rund 900 m langen Rundkurs transportiert die EBB die Paletten entweder an die Einlagerungsstiche für das Hochregallager (HRL) oder zur Vereinzelung von Gebinden für die Einlagerung im Automatischen Kleinteilelager (AKL) an eine der angebundenen Arbeitsstationen.

Im vollautomatisierten 7-gassigen HRL sorgen sieben Doppelmast-Regalbediengeräte (RBG) der energieefizienten Exyz-Generation für die präzise Ein- und Auslagerung. Ihre Ausstattung mit doppeltiefem Lastaufnahmemittel ermöglicht den gleichzeitigen Transport von zwei Euro- beziehungsweise vier Halbpaletten – mit einem Durchsatz von bis zu 230 Paletten pro Stunde. Parallel dazu verfügt das 6-gassige, doppelstöckige AKL über knapp 100.000 Behälterstellplätze. Dort erreichen zwölf paarweise übereinander eingesetzte SSI SCHÄFER Miniload Cranes (SMC) eine Umschlagleistung von bis zu 1.500 Behältern pro Stunde.

„Maintenance 4.0 for Intralogistics“.
Ein zentrales Anliegen von Schaeffler bei der Planung der Anlage war es, die Anlagenverfügbarkeit durch eine zustandsbasierte Instandhaltung und teilautomatisierte Wartung zu unterstützen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit haben Schaeffler und SSI SCHÄFER das Lösungspaket „Maintenance 4.0 for Intralogistics“ entwickelt und im EDZ Mitte erstmals erfolgreich realisiert. Mit Hilfe dieser Lösung können ungeplante Stillstände von systemkritischen Komponenten vermieden und Instandhaltungskosten gesenkt werden.

58 Schaeffler Smart Checks garantieren die Zustandsüberwachung der betriebsrelevanten Antriebe sowohl an den SMC- als auch Exyz-Geräten und übermitteln die Informationen zur Visualisierung an die zentrale Informationsplattform WAMAS® Lighthouse. Darüber hinaus werden die 2.500 Antriebe für Kettenförderer und Rollenbahnen auf den insgesamt 1,97 km Förderstrecke mittels „Schaeffler Concept8“ vollautomatisch geschmiert. Speziell entwickelte Schmierritzel übernehmen dabei eine kontinuierliche, bedarfsorientierte Schmierölabgabe.

WAMAS® & WAMAS® Lighthouse.
Während die Logistiksoftware WAMAS® die innerbetrieblichen Materialflüsse steuert, dient das Logistikcockpit WAMAS® Lightouse der Visualisierung der Prozesse und Arbeitsabläufe und somit der effizienten Gestaltung dieser. 20 Pick & Pack- sowie zehn Dekonsolidierungsplätze, insgesamt 30 Multifunktionsarbeitsplätze, hat SSI SCHÄFER nach dem eigenentwickelten ergonomics@work!®-Konzept eingerichtet. So unterstützen unter anderem Vakuumgreifer, Teleskoptische und individuell konigurierbare Positionierungen von Hilfsmitteln und Arbeitsgeräten optimal die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter. Eine weitere Anforderung von Schaeffler war ein glatter Vibrationsschweißboden mit Anlaufschrägen und Bodenbombage für beste Laufeigenschaften, hohe Inhaltslasten und einen besonders leisen Transport auf Förderstrecken. Extra: seitliche, trapezförmige Wasserablauflöcher, die nicht von der Antirutschmatte verdeckt werden.

Sequenzierung sorgt für Ordnung.
Zur Koordination mit der Palettenware aus dem HRL werden die Behälter aus dem AKL den Arbeitsplätzen zur Auftragsfertigung sequenziert zugeführt. Jedem Arbeitsplatz ist dafür ein Sequenztower vorgeschaltet, der mit einem Vorrat von bis zu 20 Behältern für eine kontinuierliche Materialabgabe an die Arbeitsstationen sorgt. Über Displayanzeigen, integrierte Wiegesysteme und Scanner erfolgt die dialoggeführte Null-Fehler-Auftragskommissionierung. Die speziell für Schaeffler konfigurierten Lager- und Transportbehälter LTB von SSI SCHÄFER bieten eine besonders hohe Volumenausnutzung, einen verstärkten Unter- und Oberrand sowie vier stabile Eckholme. Speziell entwickelte Bodenvarianten gewährleisten einen störungsfreien Transport auf allen Förderstrecken und ein sicheres Stapeln. Geschlossene Kreislaufsysteme mit zwei Depalettierrobotern garantieren die reibungslose Intercompany-Zulieferung an das EDZ.

„Mit Blick auf die Herausforderungen eines solchen Projektes und die kurze Realisierungsphase hatten wir mit SSI SCHÄFER einen kompetenten Partner an unserer Seite“, zeigt sich Dr. Jörg Zellerhoff, Fachprojektleiter Logistik bei der Schaeffler Gruppe, daher auch rundum zufrieden. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

EU und EFTA buhlen um Verbraucher im Mercosur

Am 28. Juni einigten sich die Staaten des Mercosur mit der EU über ein Freihandelsabkommen. Am 23. August konnte die EFTA ihre Verhandlungen erfolgreich abschließen. Allerdings sind beide Verträge noch nicht in trockenen Tüchern.

Beitrag: Arne Mielken.

Nach zwanzig Jahren Verhandlungen mit Unterbrüchen erfolgte am 28. Juni 2019 endlich eine Einigung über ein Freihandelsabkommen (kurz FHA, “Agreement in Principle”) zwischen der Europäischen Union (EU) und den Mercosur-Ländern (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay). Am 12. Juli hat die Europäische Kommission einen Teil des vorläufigen Vertragstextes (Handelsteil) veröffentlicht. Dieser unterliegt aber noch einer juristischen Prüfung (“legal scrubbing”) und kann sich daher noch leicht ändern. Die Zollabbaupläne der EU und des Mercosur wurden noch nicht publiziert.

Das FHA ist analog den neuen Abkommen mit Kanada und Japan breit und umfassend angelegt. Es deckt nicht nur tarifäre Fragen (Zoll, Exportsubventionen), sondern auch Regelungen zu Dienstleistungen und anderen handelsrelevanten Aspekten wie Investitionen, Gründung von Niederlassungen, Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen, Arbeitnehmerrechte und Wettbewerbsfragen ab.

Ein wichtiger Teil ist der Abbau nicht-tarifärer Handelsschranken, insbesondere unterschiedlicher technischer Normen und Vorschriften.  Derzeit erheben die Länder des Mercosur relativ hohe Zollabgaben, die für Kraftfahrzeuge, Textilien, Bekleidung, Schuhe, Spirituosen und Softdrinks bei bis zu 35 % liegen, für Wein bei 27%, für Kraftfahrzeugteile, Chemikalien und Kekse bei bis zu 18 %, für Maschinen bei 14 – 20 % und für Arzneimittel bei bis zu 14 %.  Mit dem Abkommen sollen Zölle auf 91 % der EU-Exporte nach und nach reduziert oder ganz beseitigt werden. Die EU-Einfuhrzölle auf 92 % der Mercosur-Waren sollen ebenfalls gesenkt oder abgeschafft werden.

Zahlreiche Schutzklauseln.
Das Abkommen ist mit verschiedenen Schutzklauseln ausgestattet. Beispielsweise sollte es aufgrund der Zollsenkungen zu einem unerwarteten, erheblichen Anstieg der Einfuhren kommen, der die inländische Industrie schwer zu schädigen droht, ist die Einführung vorübergehender Schutzmaßnahmen erlaubt.

Für Importe in die EU sollen weiterhin die bestehenden, hohen Standards der Lebensmittelsicherheit, Tier- und Pflanzengesundheit gelten. Im FHA wird ausdrücklich das „Vorsorgeprinzip“ beibehalten, wonach Behörden das Recht haben, zum Schutz menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Lebens oder der Umwelt zu handeln, wenn nach ihrer Einschätzung ein Risiko besteht. Dies gilt selbst dann, wenn keine eindeutigen einschlägigen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.

Das Abkommen enthält detaillierte Bestimmungen in Bezug auf Urheberrechte, Marken, gewerbliche Muster, geografische Angaben und Pflanzensorten. Der Abschnitt über die Rechte des geistigen Eigentums regelt auch den Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Die EU und die Länder des Mercosur verpflichten sich außerdem das Pariser Klimaschutzübereinkommen, das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen (CITES) sowie UN-Abkommen über die biologische Vielfalt und Fischereibewirtschaftungsmaßnahmen wirksam umzusetzen. Organisationen der
Zivilgesellschaft erhalten die Möglichkeit, die Umsetzung des Abkommens – auch in Umweltbelangen – aktiv zu überwachen. Ferner sieht das Abkommen ein neues Forum für eine engere Zusammenarbeit für einen nachhaltigeren Ansatz in der Landwirtschaft vor.

Verzögerungen möglich.
Bis das FHA in Kraft tritt, wird einige Zeit ins Land gehen. U.a. muss es noch in alle EU-Amtssprachen übersetzt, dem Rat der EU (EU-Mitgliedstaaten) und dem Europäischen Parlament zur Genehmigung vorgelegt sowie in allen Mercosur-Ländern ratifiziert werden. Die Entscheidung im EU-Rat muss einstimmig sein.

In Österreich gibt es allerdings Gegenwind. Der inzwischen abgewählte Nationalrat hatte die Regierung Ende September zu einer Ablehnung des Abkommens verpflichtet. Wie die zukünftige Regierung abstimmen wird, ist ungewiss. Auch Luxemburg will gegen das FHA votieren. In Argentinien könnte es im Dezember d.J. zu einem Regierungswechsel und damit zu einem Zurückdrehen der Marktöffnung kommen. Auch politischer Streit um Abholzungen im Amazonas und präsidiale Befindlichkeiten könnten das Inkrafttreten des FHA noch verzögern. Europäische Bauernverbände machen weiterhin Front gegen das Abkommen, da sie trotz Zusicherungen einen massiven Preisdruck durch minderwertige Fleischimporte, Gen manipuliertes Getreide, bei Ölsaaten und Zucker fürchten.

Interessanter Wachstumsmarkt.
Der Mercosur zählt rund 260 Millionen Verbraucher. Das sind nur halb mal so viele wie in der EU (512 Millionen), aber das jährliche bilaterale Handelsvolumen der EU mit dem Mercosur beläuft sich derzeit immerhin auf rund 88 Mrd. EUR (Waren) bzw. 34 Mrd. EUR (Dienstleistungen).

Der Wirtschaftsblock wird durch Brasilien dominiert auf das 80% der Wirtschaftskraft und der Bevölkerung entfällt. Die EU führt pro Jahr Waren im Wert von 45 Mrd. EUR in die Mercosur-Länder aus und importiert von dort Waren von ähnlichem Wert (43 Mrd. EUR). Bei den Dienstleistungen sind die EU-Ausfuhren mehr als doppelt so hoch wie die Einfuhren. Unternehmen aus der EU erbrachten Dienstleistungen im Wert von 23 Mrd. EUR für Kunden im Mercosur, Unternehmen aus Mercosur-Ländern wiederum Dienstleistungen für Kunden in der EU im Wert von 11 Mrd. EUR.
Durch Zollsenkungen könnten Exporteure in der EU laut EU-Angaben jährlich über 4 Mrd. EUR sparen.

EFTA zieht nach.
Am 23. August konnten auch die EFTA- (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein) und die Mercosur-Staaten ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen in der Substanz abschließen. Es befreit mittelfristig rund 95 Prozent der EFTA-Ausfuhren in die Mercosur-Staaten von Zollabgaben. Zudem werden technische Handelshemmnisse abgebaut, der Marktzugang für EFTA Dienstleistungserbringer erleichtert und die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen generell gestärkt.

Das FHA verhindert eine Schlechterstellung der Unternehmen im EFTA-Raum gegenüber denen in der EU. Beide FHA sind sich inhaltlich sehr ähnlich. Zu den zentralen Punkten des Abkommens zählen ein weitgehend freier Zugang für EFTA-Industrieprodukte, Quoten für ausgewählte Mercosur-Agrarexporte und ein Patentschutz für Schweizer Pharmakonzerne.

Im Agrarbereich gewährt beispielsweise die Schweiz für ausgewählte Produkte erstmals auch bilaterale Kontingente außerhalb ihrer WTO-Verpflichtungen. Diese Konzessionen wurden so ausgestaltet, dass sie die Ziele der Schweizer Agrarpolitik nicht in Frage stellen. Das Abkommen soll spätestens im Jahr 2021 ratifiziert werden. Es bleibt abzuwarten, ob es bis dahin die Referendum-Hürde in der Schweiz erfolgreich genommen hat.

Türöffner IT.
Die Komplexität der neuen FHA überfordert viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Internationale Softwarehäuser wie E2open bieten jedoch ausgefeilte Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Feststellung der Dokumentenpflichten und Sonderanforderungen, der Generierung der notwendigen Export- und Importdokumente und beim Dokumentenmanagement unterstützen. Sie helfen bei der Produktklassifizierung und Identifizierung der korrekten Zolltarife.
Sie assistieren beim Erstellen und Verwalten von Ursprungszeugnissen. Und für den Export von Dual-Use-Gütern bieten sie Unterstützung bei der Einrichtung rechtskonformer Exportkontrollprozesse.

Die Software vereinfacht Preisvergleiche auf Einstandskosten-Basis und hilft bei der Festlegung optimaler Lieferbedingungen. Sie erhöht das Bewusstsein für Zollvorteile oder Quotenbeschränkungen und öffnet die Augen für neue Handelsmöglichkeiten. Sie reduziert Trade-Compliance-Risiken, spart Zeit gegenüber manuellen Recherchen und steigert Supply-Chain-Management-Effizienz und Supply-Chain-Transparenz. Die E2open Global Trade Management-Lösungen basieren auf einer umfassenden, tagesaktuellen Datenbank. Mit Inkrafttreten des FHA werden die neuen Zolltarife und andere zolltechnische Anforderungen automatisch ins System gespeist. So können Kunden sofort von den Vorteilen des FHA in Form von niedrigeren Zollabgaben und Gebühren profitieren.

Fazit:
Mit den neuen Freihandelsabkommen hoffen Europas Politiker, dem Vormarsch Chinas in Südamerika Einhalt gebieten zu können. Doch es gibt hier und in den Mercosur-Ländern noch viele Widerstände zu überwinden. Gründe sind u.a. die seit Jahren anhaltende Wirtschaftskrise in Argentinien und Brasilien, aber auch die lahmende Weltwirtschaft. Die große Mehrheit der Unternehmen in der EU und im Mercosur sind KMU. Einigen eröffnen sich interessante Exportmöglich-keiten, andere fürchten mehr Wettbewerb. Eine spezielle Website soll den KMU den Marktzugang erleichtern. Dies allein wird nicht genügen. Der stufenweise Abbau der Zollschranken über mehrere Jahre und komplexe Ursprungsregeln stellen hohe Anforderungen an die Unternehmen. Diese sind nur durch eine durchgehende Digitalisierung der Exportprozesse zu meistern. Dadurch kann die Zusammenarbeit mit den Handelspartnern, Zollbehörden und Verzollungspartnern transparenter, durchgängiger und kostengünstiger gestaltet werden.  (AM)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019