Omnichannel Readiness Index: 60% empfinden Online-Shopping inspirierend

Handelsverband, Google und MindTake präsentierten die fünfte Ausgabe des Reports zur Digitalisierung des heimischen Handels. Hornbach Gesamtsieger. Thalia punktet bei Channel Integration.

Beitrag: Isabel Lamotte.

Gekommen, um zu bleiben: Neue Online-Services, die sich pandemiebedingt etabliert haben, werden auch nach Corona weiter
ausgebaut. Nachhaltigkeit und Regionalität sind den Konsumenten wichtig und Online-Shopping gilt als inspirierend. Dies sind zentrale Ergebnisse des fünften Omnichannel Readiness Index (ORI), der die Kunst beleuchtet, Online- und Offline-Vertriebskanäle zu verbinden. Dafür wurden 1.000 Konsumenten befragt und 44 führende österreichische Einzelhändler auf Herz und Nieren untersucht.

„Der Kundenansprache vor dem Kauf kommt höchste Priorität zu. 60% der befragten Online-Käufer empfinden Online-Shopping als inspirierend, 40% sogar als Spaß und Entspannung. Um den Kaufentscheidungsprozess optimal zu unterstützen, erwarten sich die Kunden zielgruppengerechten Content und einen Onlineshop, der als digitaler Zwilling der Wunschfiliale fungiert und das Sortiment gespiegelt abbildet. Die Trends reichen von Appointment-Shopping über Showrooming bis zu virtueller Live-Beratung“, bilanziert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, die Ergebnisse des ORI, dem digitalen Benchmark des österreichischen Handels.

Zielgruppengerecht emotional kommunizieren.
94 Prozent der befragten Händler bieten im Webshop zusätzlichen Content an, etwa Ratgeber-Texte, Videos, Expertentipps oder Look-Fotos – und neuerdings auch verschiedene Live-Formate. Das trägt Früchte: Knapp zwei Drittel der Konsumenten empfinden
Online-Shopping als inspirierend. Insbesondere die jüngeren Zielgruppen assoziieren damit neben Inspiration auch Spaß, Unterhaltung und Entspannung. Dennoch sind viele sehr pragmatische Potenziale im Omnichannel Retailing noch zu heben. 80 Prozent der Konsumenten wünschen sich etwa, den genauen Tag der Lieferung eines Produktes vor der Bestellung zu kennen – dies erfüllen nur 13 Prozent der analysierten Händler.

78 Prozent der Konsumenten wollen die angezeigten Produkte im Webshop auf eine einzige Filiale einschränken können, um so gezielt – wie vor Ort im Laden – shoppen zu können, doch nur 19 Prozent der Händler nutzen ihre Bestandsdaten für einen solchen Filter. Das sind immerhin 7 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr.

New Ways of Shopping.
Ein besonderes Augenmerk wurde im ORI 2022 auf neue Formate gelegt. Aus der Not geboren beispielsweise war das Shoppen nach Terminvereinbarung – um die Zahl der Kunden im Geschäft pandemiebedingt zu kontrollieren. Die daraus entstandene Tugend heißt nun Appointment Shopping. Konsumenten können bei einem Händler online oder telefonisch einen Termin für den Einkauf in der Filiale vereinbaren. Während dieses Termins steht ein Berater exklusiv zur Verfügung. Optional können Kunden auch vorab schon Wünsche bekannt geben, sodass das Personal für den Termin gewisse Waren für die Begutachtung bereitstellen kann. Knapp die Hälfte der befragten Händler bietet Appointment Shopping bereits an, jeder zehnte Konsument hat das Angebot bereits genutzt und jeder Dritte gibt an, es wahrscheinlich wahrzunehmen.

Ebenfalls auf dem Vormarsch ist das Konzept des Showroomings. Händler lagern nur wenige Stücke eines Artikels in der Filiale und nutzen den Platz stattdessen, um ein breites Angebot zu zeigen, zum An- und Ausprobieren. Der gewünschte Artikel wird dann nicht mitgenommen, sondern später nach Hause zugestellt. Dies finden 45 Prozent der Kunden attraktiv, mehr als die Hälfte der Händler praktizieren Showrooming bereits in ausgewählten Filialen oder planen ein solches Angebot.

Bei den Händlern noch schleppend entwickelt sich das Scan & Go Modell, bei welchem Kunden in der Filiale mittels App ein Produkt selbst scannen und online bezahlen – und sich damit das Anstellen an der Kassa ersparen. 39 Prozent der Kunden würde dies wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich nutzen, in der Zielgruppe der 18-29-jährigen sogar mehr als die Hälfte. Allerdings bieten dies nur 14 Prozent der befragten Händler zumindest in ausgewählten Filialen an. Einige planen ein entsprechendes Service, aber mehr als die Hälfte der Händler gibt an, dass dies derzeit kein Thema für sie ist.

Beliebt bei Handel und Konsumenten sind auch Live-Formate. Ein Drittel der Händler, bietet Live-Beratung im Online-Shop an, zum Beispiel in Form einer Video-Konferenz, um Produkte vorzuführen oder eine Küchenplanung anzubieten. Ein Viertel der befragten Händler hat sich schon am virtuellen Live-Shopping versucht – ein Livestream, bei welchem Personen (z.B. Influencer) Produkte testen und weiterempfehlen. Konsumenten können per Chat Fragen zu den Produkten stellen, welche Ihnen direkt live beantwortet werden. Dieses Format finden 21 Prozent der Konsumenten spannend, allen voran Bewegtbild-verwöhnte 18-29-jährige (33 Prozent).

“Wir sehen vor allem in der jüngeren Zielgruppe (Gen Z), dass sie zu Marken eine Verbindung aufbauen möchten. Sie wollen inspiriert werden, eine Geschichte erzählt bekommen und „brand love“ aufbauen. Hierfür sind visuelle Bewegtbild-Formate besonders gut ge-
eignet. Um sich für die Zukunft zu wappnen, gilt es, diese Zielgruppe heute für sich zu gewinnen, da sie bis 2030 etwa 16% der privaten Ausgaben ausmachen werden,” so Lili Pajer, Retail Lead bei Google.

Nachhaltigkeit und Regionalität: Bitte gut sichtbar im Online-Shop.
Dass Händler nachhaltig agieren, ist für zwei Drittel der Konsumenten wichtig, etwa durch nachhaltige Zustellung oder ökologische Produkte und Verpackungen. Auch Regionalitätsbemühungen werden hochgeschätzt. Darauf haben die befragten Händler Antworten: 76 Prozent setzen auf ein Angebot nachhaltig zertifizierter Produkte, 65 Prozent praktizieren aktiv Verpackungsreduktion, 62 Prozent optimieren ihre Lieferketten – und 60 Prozent der analysierten Händler zeigen dies gut sichtbar im Webshop auf einer Nachhaltigkeitsseite.

Hornbach ist Gesamtsieger, Thalia erreicht 100% im Bereich Channel Integration.
Den ORI-Gesamtsieg hat sich 2022 Hornbach gesichert, gefolgt von Kastner&Öhler und Gigasport. Der Omnichannel Readiness Index bringt aber auch Kategorie-Sieger hervor: Thalia hat zum zweiten Mal in Folge die vollen 100% in der Omnichannel-Königsdisziplin „Channel Integration“ erreicht. Der Buchhändler bietet maximale Flexibilität bei der Kaufabwicklung, und das völlig vertriebskanalunabhängig und nahtlos, Click & Collect, Reserve & Collect, Retoure online bestellter Waren in der Filiale, Abholstationen für 24/7 Abholung, rasche Bereitstellung der Click & Collect Waren, und dies stets kostenlos.

„Zusätzlich ist es besonders spannend zu analysieren, welche Händler sich in Hinblick auf ihr Omnichannel-Angebot im Vergleich zur Vorjahres-Studie besonders positiv ent-wickelt haben. In diesem Jahr zählen Libro, dm, Hartlauer, Ikea und Intersport zu den Top-Aufsteigern, weil sie etliche – von Kunden gewünschte – Features nun zusätzlich anbieten. Es freut uns immer wieder zu sehen, dass der Omnichannel Readiness Index ein etabliertes Tool ist, mit dem Händler aktiv an ihren Potenzialen arbeiten“, so Martina Oberrauch, Studienleiterin und Senior Research Consul-tant bei MindTake Research.

Diese Händler legen die Messlatte: ORI Branchensieger:innen.

  • Wohnen, Einrichten & Heimwerken:
  • Hornbach (78%)
  • Fashion & Accessoires: Kastner & Öhler (76%)
  • Sport: Gigasport (75%)
  • Bücher & Papierbedarf: Libro (73%)
  • Drogerie: Marionnaud (68%)
  • Computer & Elektro(nik): Hartlauer (68%)
  • Lifestyle & Hobby: Tchibo (68%)
  • Lebensmitteleinzelhandel: Billa (68%)

ORI Kategoriesieger:

  • Mobile Friendliness: Deichmann (99%)
  • Transparenz & Vertrauen: Billa (86%)
  • Personalisierung, Loyalty und Sharing: Hornbach (86%)
  • Flexible Kontaktmöglichkeiten: Kastner & Öhler, Gigasport (77%)
  • Payment, Fulfillment & Returns: Kastner & Öhler, Gigasport (84%)
  • Wegweiser in die Filiale: Interspar, dm, Palmers, Hartlauer (99%)
  • Channel Integration: Thalia (100%)

Die Studien und Benchmarks des Handelsverbandes werden allen Handelsverband-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Für KMU Händler ist die HV-Mitgliedschaft im Rahmen von www.kmu-retail.at kostenfrei. (IL)

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


Klimaneutrale Paketzustellung – Die besten Tipps & Tricks für Händler

Nachhaltigkeitsaspekte beeinflussen heute das Konsumverhalten von mehr als der Hälfte der Bevölkerung. Beinahe jeder zweiter Verbraucher wechselt mittlerweile zu weniger bekannten, dafür nachhaltigeren Marken.

Beitrag: Gerald Kühberger.

Nachhaltigkeit endet für Konsumenten jedoch nicht beim Produkt, sondern zieht sich durch die gesamte Wertschöpfungskette. Somit spielt mit dem steigenden eCommerce auch eine klimaneutrale Paketzustellung eine immer größere Rolle, ist Magdalena Wallis, Program Manager der Climate Ranger Academy von GLACIER, überzeugt.

Die “letzte Meile” der Paketzustellung soll grüner werden.
Aber warum muss die Paketzustellung erst klimaneutral werden? Eine klassische Paketlieferung verursacht CO2-Emissionen, da Energie aufgewendet werden muss, um die Pakete zu bewegen. Einerseits durch die Verbrennung fossiler Energieträger beim Transport mit herkömmlichen PKWs, LKWs oder Flugzeugen, aber auch bei der Produktion der Verpackungsmaterialien, die für den Versand der Ware benötigt werden. Diese zusätzlichen CO2-Emissionen verstärken die Klimakrise und gefährden somit das Leben auf der Erde, wie wir es kennen. Beim Versand von Waren kann daher auf Seite der Händler darauf geachtet werden, dass keine unnötige Umweltbelastung entsteht. Damit eine ganzes Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung (wie z.B. das Zustellen eines Pakets) sich klimaneutral nennen darf, muss jedoch gesichert sein, dass die Menge an schädlichen Treibhausgasen in der Atmosphäre sich dadurch rechnerisch nicht erhöht.

Um klimaneutralen Versand anbieten zu können gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es werden alle CO2-Emissionen von Anfang an vollständig vermieden, oder es werden Maßnahmen zur teilweisen Reduktion des CO2-Ausstoßes gesetzt und die verbleibenden Emissionen werden nachträglich über den Emissionshandel kompensiert. Obwohl der erste Ansatz natürlich aus Umweltsicht ideal wäre, gestaltet sich eine 100%-ige Vermeidung von Treibhausgasemissionen zumeist als schwierig. Deswegen wird in der Regel eine Version des zweiten Ansatzes gewählt. Um die Klimabelastung so gering wie möglich zu halten, sollte sowohl bei der Verpackung als auch beim Transport von Waren jedoch zuerst darauf geachtet werden, so viel CO2-Emissionen wie möglich zu vermeiden. Erst im zweiten Schritt sollten Emissionen, die nicht vermeidbar sind, kompensiert werden.

Dieses grundlegende Prinzip ist für alle.
klimaschädlichen Prozesse anzuwenden. Obwohl bei klimaneutralem Versand oft ausschließlich der Transport beachtet wird, sollte man als Unternehmen schon bei der Verpackung des Pakets darauf achten, so ressourceneffizient wie möglich zu handeln. Eine klimaneutrale Paketzustellung sollte im Idealfall sowohl eine klimaneutrale Verpackung als auch einen klimaneutralen Transport beinhalten. Im Folgenden geben wir Einblicke in die Handlungspotenziale in beiden Bereichen.

Klimafreundliche Paketverpackung – Schritt für Schritt.
Häufig werden versendete Ware mehrmals in Plastik verpackt. Dies wird von Konsumenten kritisch betrachtet und ungern gesehen. Um als Unternehmen klimafreundlicher zu agieren und von den Kunden als glaubwürdig wahrgenommen zu werden, gilt es die Paketverpackung passend zum klimaneutralen Versand zu gestalten. Auch hier heißt es zuerst Verpackung reduzieren. Im zweiten Schritt sollte unvermeidbare Verpackung durch nachhaltigere Verpackungsmaterialien ersetzt werden, um so den CO2 Fußabdruck möglichst gering zu halten. Um Verpackungsmaterial zu reduzieren, sollten zum Beispiel keine großen Pakete für kleine Waren genutzt werden. Nicht nur, dass große Pakete mehr Platz beim Transport benötigen, ist problematisch: Ist das Paket deutlich größer als die Ware selbst, muss der freie Platz zusätzlich noch mit Füllmaterial aufgefüllt werden.

Händler sollten daher darauf achten, die Verpackung an die Größe des Produkts anzupassen. Wurde reduziert was möglich ist, gilt es im nächsten Schritt auf klimafreundliche Verpackungsalternativen umzusteigen. Dafür bieten sich rezykliertes Füllmaterial oder Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen an. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Verpackungsmaterial wieder zu verwenden. So könnten die Kunden beim Kauf im Onlineshop angeben, ob sie ihr Produkt in einer neuen Verpackung erhalten wollen oder ob eine bereits genutzte in Frage kommt.

Immer mehr Unternehmen testen wiederverwendbare Paketverpackungen, die nach der Lieferung an die Kunden wieder an den Paketlieferant zurückgeschickt werden. Wie eine grünere Paketverpackung in Zukunft aussehen könnte, testet die österreichische Post mit den Handelsunternehmen dm, INTERSPAR-Onlineshop weinwelt.at, INTERSPORT, Tchibo und Thalia.

Grüner Transport für eine grüne Zukunft.
Ist die Entscheidung über die Paketverpackung gefallen, den Versand so klimafreundlich wie möglich zu gestalten. Um die Transportstrecken und damit die CO2-Emissionen möglichst gering zu halten, können verschiedene Strategien angewandt werden. Da viele Onlinehändler kostenlose Retouren anbieten, bestellen Konsumenten Waren oft in vielfacher Ausführung, nur um sie anschließend wieder zurück zu schicken. Durch kostenlosen Versand wird darüber hinaus die Hemmschwelle für Kunden herabgesetzt, Produkte zu bestellen, die sie gar nicht benötigen oder wirklich wollen und im Anschluss ebenfalls retournieren. Von Seiten der Händler könnte daher auf kostenlose Retouren verzichtet werden.

Eine andere Möglichkeit wäre, keinen Expressversand anzubieten. Dabei wird es den Zustellern aufgrund der fehlenden Zeit oft nicht ermöglicht, Pakete zu sammeln und gemeinsam auszuliefern. Express-Versand über Landesgrenzen hinaus findet außerdem aufgrund des Zeitdrucks meist mit dem Flugzeug statt. Da Lufttransport zu den emissionsintensivsten Versandarten zählt, ist dies generell zu vermeiden. Stattdessen könnten Bestellungen an eine bestimmte Destination (z.B. bei einem Salzburger Unternehmen nach Wien) für jeweils eine Woche gesammelt und dann gebündelt verschickt werden. Wurden die Transportstrecken minimiert, gilt es nun auf klimafreundliche Transportmöglichkeiten zu setzen. In vielen österreichischen Städten haben sich regionale Fahrradkuriere wie Heavy Pedals oder Goodville in Wien oder TEMPO in Linz etabliert. So kann es nicht nur zur Einsparung von CO2-Emissionen kommen, sondern auch die regionale Wertschöpfung gestärkt werden.

Für längere Versandstrecken sollte darauf geachtet werden, einen klimaneutralen Versandpartner zu wählen. Dabei sollte auch auf die Qualität der deklarierten Klimaneutralität geachtet werden. Auch hier gilt wieder das Prinzip: Zuerst reduzieren, dann kompensieren. Während sich manche Versandunternehmen ambitionierte Ziele zur CO2-Reduktion gesetzt haben, kompensieren andere Versandunternehmen einfach nur ihre Emissionen, ohne vorab Anstrengungen zu unternehmen, sie zu reduzieren. Fest steht, dass es viele verschiedene Ansatzmöglichkeiten gibt um den CO2 Fußabdruck von Paketzustellungen so niedrig wie möglich zu halten. Wählen Sie den richtigen Startpunkt für ihr Unternehmen und beginnen Sie bereits heute mit ihrer Transformationsreise zu einem klimafreundlicheren
Unternehmen. (RED)
 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Paketversand mit Öko-Touch

Onlinebestellungen boomen, mit der Verpackung wächst der Müllberg. Bis jetzt! Im neuen Pilotprojekt der Post und der FH Oberösterreich in Kooperation mit DM, Interspar Weinwelt, Intersport, Tchibo und Thalia kommen Mehrwegverpackungen zum Einsatz. Go green lautet die Devise!

Redaktion: Angelika Gabor.

Allein im Dezember 2020 stellte die Post in Österreich mehr als 18 Millionen Pakete zu. Der Lockdown, die Pandemiesituation und das nahende Weihnachtsfest legen die berechtigte Vermutung nahe, dass es in diesem Dezember nicht weniger sein wird. Und auch wenn die Recyclingrate von Altpapier hierzulande mit rund 78 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt, ist das trotzdem eine große Anzahl an Kartonagen, die auf dem Müll landen.

„Allein in Österreich sehen wir 30 Prozent Wachstum beim e-Commerce. Für die Post spielt Nachhaltigkeit schon seit über 10 Jahren eine wichtige Rolle, sei es durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen für die CO2-neutrale Zustellung oder die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen. Mit der „Grünen Verpackung“ gehen wir den nächsten Schritt“, freut sich DI Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik der Österreichischen Post AG.

Seit 2020 forscht die Post gemeinsam mit der FH Oberösterreich an wiederverwendbaren und nachhaltigen Verpackungslösungen für den Paketversand – im Februar 2022 geht es los, bis Juli 2022 dürfen die verschiedenen Variranten der „Grünen Verpackung“ sich im echten Leben = Warenverkehr beweisen. Die Mehrwegverpackungen werden für Bestellungen bei den fünf kooperierenden Handelsunternehmen eingesetzt, wobei die Kunden vorher nicht wissen, ob sie eine Mehrwegverpackung erhalten oder eine Einwegschachtel.

10.000 Schachteln, 4 Varianten.
Prof. (FH). DI Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Oberösterreich, war in den Auswahlprozess involviert, für den Handelsunternehmen und Kunden gleichermaßen befragt wurden. Aus den 40 verschiedenen getesteten Verpackungslösungen wurden schließlich vier herausgefiltert: Re-Zip Boxen, Re-Zip Bags, Packoorang Bags und Returnity Weinboxen. „Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Kunden Mehrwegverpackungen wichtig finden – und mehr als die Hälfte der Befragten dafür auch mehr bezahlen würde. Zudem kommt demnächst auch der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (CEAP) der Europäischen Kommission zum Tragen, in dem es unter anderem um die Verringerung von Verpackungen geht“, erklärt Staberhofer.

Die Kosten für das Projekt trägt zur Hälfte das Land Oberösterreich, auch wenn es in ganz Österreich läuft: sämtliche Postfilialen, Postpartner und das Filialnetz der Handelspartner nehmen teil. Umundum: „Wir starten mit insgesamt 10.000 Verpackungen, aber wir sind bereit, bei Bedarf aufzustocken. Auch erwarten wir, dass nicht jeder seine Verpackung auch tatsächlich retourniert. Aber es wird auf jeden Fall einen erklärenden Begleittext im Paket sowie eine Informationskampagne während des Feldversuchs geben.“ Zumindest während des Pilotprojekts ist die Rückgabe völlig kostenlos – ein späteres Pfand wird aber abhängig von der Resonanz nicht ausgeschlossen. Während die Verpackungen aktuell noch aus Dänemark und China kommen, ist das Ziel, diese zukünftig in Österreich produzieren zu lassen. Diesbezügliche Gespräche sind bereits am Laufen – ein Gewinn für die heimische Wertschöpfung und die Umwelt.

So funktioniert‘s.
Für den Kunden gibt es im Online-Bestellprozess keine Änderung, er wird wie gewohnt von den teilnehmenden Unternehmen abgewickelt. Nur dass die Waren in wieder verwendbaren Verpackungen via Post ausgeliefert werden. Diese lassen sich einfach und klein zusammenfalten und dann entweder in einen Briefkasten werfen oder persönlich retournieren: in Post-Geschäftsstellen, SB-Zonen, beim Post-Zusteller oder in einer Filiale des Unternehmens, bei dem man bestellt hat – die gemischte Rückgabe ist zumindest im Pilotversuch (noch) nicht möglich.

Die Verpackungen werden bei Bedarf gereinigt und gehen erneut in den Versand. Die Ergebnisse der im Vorfeld durchgeführten Studie der FH Oberösterreich über 40 nachhaltige Verpackungslösungen zeigen, dass der Aufbau eines Mehrwegzyklus‘ die größten Emissionseinsparungen erzielt. Im Anschluss wird die FK eine ökologische Bilanz erstellen, aber da die Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen oder recyceltem PET bestehen, ist mit einer durchaus positiven Nachhaltigkeitsbilanz im Vergleich zu Einwegkartons zu rechnen.

Die Partner und ihre Motivation.
Die fünf involvierten Handelsunternehmen eint der Gedanke der Nachhaltigkeit als Beweggrund, an diesem Experiment teilzunehmen:

Das Thema Zukunftsfähigkeit liegt im Fokus von dm, wie Mag. Elmar Riepl, Bereichsmanager Logistik, Direktkunden- & Filiallogistik, erklärt: „Wir möchten unsere Kunden sensibilisieren, wie jeder Einzelne seinen ökologischen Fußabdruck reduzieren kann, und das spiegelt sich beispielsweise auch in unserer Sortimentsauswahl wieder. Der Onlinehandel ist ein Serviceangebot an unsere Kunden, und die „Grüne Verpackung“ eine großartige Chance, weshalb auch sämtliche Filialen in die Rückgabe der Verpackungen eingebunden werden.“

Als Pionier der Mehrwegverpackung von Getränken im Onlinehandel stand die Teilnahme an dem Pilotprojekt für Mag. Lukas Wiesmüller, Leiter Nachhaltigkeit, SPAR Österreich, nicht zur Debatte: „Schon im Jahr 2000 haben wir mit der weinwelt den ersten Onlineshop eröffnet und ständig an Verbesserungen gearbeitet. Ab Februar wird nun ein Teil der Bestellungen auf weinwelt.at in faltbaren Mehrwegboxen mit gepolsterten Innenfächern verschickt. Für den Rückversand werden Beutel mitgeliefert, wo die gefalteten Boxen platzsparend verstaut und über die Post retourniert werden können. Mit dem Test sammeln wir wichtige Erfahrungen für Mehrweg-Logistiklösungen für alle unsere INTERSPAR-Onlineshops und andere Produkte.“

Natur und Emotionen im Freien stehen oft im Fokus bei den Kampagnen von INTERSPORT, da liegt das Thema Nachhaltigkeit dann klar auf der Hand. Mag. Günther Junkowitsch, Leitung Logistik und Personal, INTERSPORT AUSTRIA: „Als einer der größten Sportfachhändler Österreichs bietet Intersport mit seinen stationären Shops und dem Onlineshop alles, was das Sportlerherz begehrt. Selbst bei Onlinebestellungen erfolgt der Kauf regional. Mit der Teilnahme am Projekt möchten wir die Bereitschaft der Kunden herausfinden, beim Einsparen von Verpackung zu helfen. Es wird spannend zu erfahren, wie der Konsument auf gebrauchte Verpackungen reagiert. Für den Anfang werden wir Textilien, Schuhe und kleinere Produkte mit der „Grünen Verpackung“ ausliefern.“

Nach 15 Jahren nachhaltiger Geschäftstätigkeit war für Mag. Erik Hofstädter, Geschäftsführer, Tchibo Österreich, das Projekt ein logischer nächster Schritt: „Hinsichtlich Verpackungen reduzieren wir kontinuierlich unseren Materialeinsatz – wie bei der nahezu plastikfreien Textilverpackung oder der Möglichkeit, Kaffeebohnen verpackungsfrei einzukaufen – und fördern zudem Mehrweglösungen, etwa bei Tragetaschen und beim Coffee to go. Besonders interessant wird sein zu sehen, wie die Rückgabe funktioniert, in die natürlich sämtliche Filialen eingebunden sind. Wir sind gespannt, wie die Kunden die „Grüne Verpackung“ annehmen und wie gut das mit den mehreren Zyklen funktioniert.“

In Zeiten von e-Readern und digitalen Büchern ist der Buchversand zwar rückläufig, dennoch freut sich Andrea Heumann, Geschäftsführerin, Thalia Österreich, auf das Potential des Projektes: „In Zeiten von Onlineshops, Pandemie und immer größerem Versandaufkommen müssen Lösungen des Verpackungsproblems gefunden werden. Unser Angebot an E-Books, digitalen Hörbüchern, oder auch unsere aufbereiteten eReader schont Ressourcen in der Produktion, aber auch bei Verpackung und Transport. Zwar reduzieren wir durch unseren Filial-Abholservice und die neuen, 24h geöffneten Abholstationen bereits die Anzahl der Versandaktionen, aber auch die restlichen Sendungen möchten wir mit der „Grünen Verpackung“ nachhaltig, recyclebar und umweltfreundlich abwickeln.“

Die Idee der Mehrwegverpackung ist zwar vielleicht nicht neu, aber in dieser Form durchaus innovativ, und auch die Vielfalt der teilnehmenden Unternehmen verspricht einen aussagekräftigen Praxistest. Hoffen wir, dass er positiv ausfällt. (AG)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021