Ökologisierung und CO² Neutralität in der Paketzustellung

Über vier Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen (KEP) wurden im Jahr 2020 in Deutschland verschickt, rund elf Prozent mehr als im Jahr davor.

Gastbeitrag: Florian Seikel.

Über vier Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen (KEP) wurden im Jahr 2020 in Deutschland verschickt, rund elf Prozent mehr als im Jahr davor: Eine große Herausforderung für die Logistikbranche, denn auch das Bewusstsein der Kund*innen für die Gefahren des Klimawandels ist gewachsen. Sie fordern Nachhaltigkeit beim Transport ihrer Sendungen. Die Methodiken zur Berechnung und Ausweisung von Treibhausgas-Emissionen und Luftschadstoffen bei der Paketbeförderung sind dabei eine wichtige Grundlage zur Umsetzung und zum Nachweis des Einhaltens der Klimaschutzziele.

Wie lassen sich die Digitalisierung im modernen Handel, das Wachstum des Onlinehandels und die damit verbundenen steigenden Paketmengen in Einklang mit den ehrgeizigen internationalen Klimaschutzzielen bringen? Und welchen Beitrag können Standardisierungsprojekte dazu leisten?

Digitalisierung des Einzelhandels ermöglicht Ökologisierung.
Der digital gestützte Einzelhandel (Ecommerce) mit seinen Konsument*innen und dessen Zustellung in Form von Paketsendungen ermöglicht die Ökologisierung. Daten zu jedem Paket, zu dessen Inhalt sowie Verpackung werden digital gesammelt und verknüpft mit Informationen zu Annahme, Transport, Fracht, Lager, Depots sowie Abgabe der Paketsendungen. Zudem haben internationale Organisationen, wie der Weltpostverein, sektorspezifisches Mess- und Berichtswesen des ökologischen Fußabdrucks entwickelt. OSCAR (Online Solution for Carbon Analysis and Reporting) ist eine interaktive Online-Plattform. Postunternehmen in den Mitgliedsländern des Weltpostvereins, darunter auch Deutschland, können damit ihre Treibhausgasemissionen analysieren und melden, sowie Möglichkeiten zur Verringerung der Treibhausgasemissionen identifizieren. So findet eine Ende-zu-Ende Messung auf Einzelsendungsebene statt: lokal, regional und weltweit

Zuordnung von CO2– & Treibhausgas- Emissionen zu einzelnen Paketen.
Harmonisierte europäische und globale Regeln und Normen zur Quantifizierung, Zuordnung und Berichterstattung der Umweltauswirkungen von Paketlogistik-Zustelldiensten auf Einzelpaketebene sind unerlässlich. Nur so kann man das Ziel „Netto-Null-Emissionen“ von Treibhausgasen (THG) und anderen indirekten/direkten Luftschadstoffen erreichen.

Immer wenn einzelne B2C-Lieferungen (Einzelpakete mit Gütern/Waren) eingesammelt und vom ersten Paketdienst entgegengenommen werden (d. h. Lagerung und Erfüllung), für Fracht und Transport (d. h. globale multimodale Lieferketten) konsolidiert, zur Endsortierung empfangen und gemäß Präferenzen des Endempfängers zugestellt werden, sind obligatorisch vorgeschriebene und im Voraus elektronisch auszutauschende Datenelemente verfügbar (z. B. nach dem globalen Datenmodell des Weltpostvereins; nach dem Zolldatenmodell der EU, oder auch nach den Vorgaben der IATA nach „Preloading Advance Cargo Information (PLACI). Selbst wenn es sich um einen vereinfachten Datensatz handelt, sind die heute verpflichtenden Datenelemente dazu angelegt durch Daten ergänzt zu werden, um Umweltauswirkungen der Paketlogistik und der Zustellvorgänge auf Artikelebene zuordnen, quantifizieren und melden zu können.

Abbildung 1     Unterschiedliche Ansätze um eine „saubere (CO² neutrale) Produktion in der Zustellung von Warensendungen (Paketen, Warenbriefen) zu erreichen am Beispiel der Deutschen Post DHL Gruppe

Neue Kraftstoffe – energieeffizienter Betrieb – Routenoptimierung – wieder verwendbare Verpackungen.
Die Einführung neuer Kraftstofftechnologien, energieeffiziente Zustellung, Routenoptimierung, Verpackungsklassifizierung, Einbindung der Lieferanten und viele andere Maßnahmen müssen angepasst werden, um die Umweltauswirkungen der gesamten Wertschöpfungskette in der Paketzustellung, Ende-zu-Ende, zu messen.

Solide Überwachungsmethoden, Daten zu jeder Sendung, standardisierte Berechnungsmethoden und Berichterstattung sind unerlässlich, um die effektivste Strategie zur Reduktion der Emissionen auszuwählen, mit dem Ziel die Umweltauswirkungen in der Paketlogistik und in der Zustellung von Lieferdiensten vollständig offenzulegen.

Normung als Grundlage der Geschäftstätigkeit.
Nachhaltigkeitsberichte und Nachweise folgen dabei gesetzlichen und normativen Vorgaben. So basiert OSCAR auf der Messmethodik des „Greenhouse Gas-Protocol“ und ist ebenso mit der internationalen Norm ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme sowie der „Global Reporting Initiative“ abgestimmt. Normen ermöglichen dabei Zertifizierungen und Audits, aber auch politische Lenkungsmaßnahmen, wie z. B. Förderungen, Quotenregistrierung und Re-finanzierung.

„Leuchtturmbeispiel“ von Normung für Konsumenten.
„Mit verbindlichen, postsektorspezifischen Messnormen zum ökologischen Fußabdruck in der Paketzustellung kann die CO²- oder THG- Belastung pro Paketsendung dargestellt werden und wird auch im Wettbewerb Berücksichtigung finden. Auch die EU-Kommission hat die Bedeutung des Post- und KEP Paketzustellmarktes erkannt. Im Oktober 2022 wird, in Umsetzung der Postdienste-Richtlinie, ein fünftes Mandat an die europäische Normungsorganisation CEN, mit entsprechenden Vorgaben vergeben.

Als Grundlage hierfür wurde die Europäischen Norm DIN EN 17837 “Ökologischer Fußabdruck der Paketzustellung – Methodik zur Berechnung und Deklaration von THG-Emissionen und Luftschadstoffen von Paketlogistik-Zustelldiensten” erarbeitet. Nach Erscheinen wird die Norm nach den Vorgaben des Unionsrechts im Amtsblatt der EU-Kommission als „Stand der Technik“ für den Postmarkt der EU veröffentlicht.

Damit wird die Methodik zur Berechnung und Deklaration von THG-Emissionen und Luftschadstoffen von Paketzustelldiensten an bestehende und weltweit geltende Normen angeglichen. (ISO/DIS 14083; EN 16258 – beide speziell für den Transport (Fracht / B2B)). Mit der Erarbeitung der ökologischen Fußabdrucknorm in der Paketzustellung (EN 17837) wird den speziellen Anforderungen der Paketzustellung für den digitalen Einzelhandel Rechnung getragen. Die gesamte Wertschöpfungskette der Paketzustellung von der Abholung bis zur endgültigen Zustellung beim Endkonsumenten wird abdeckt.

Weltpostverein hat eine eigene Plattform zu CO² / THG Emissionsmessung aufgebaut.
Die 192 Mitgliedsstaaten des Weltpostvereins haben eine eigene Plattform einrichtet. Es gilt als höchstwahrscheinlich, dass der WPV Kohlenstoffbilanzierung über seine OSCAR Plattform durchführen wird. Das internationale Bureau des WPV unterstützt die CO²-Bilanzierung durch OSCAR – die Online-Lösung für CO²-Analyse und Berichterstattung. OSCAR steht allen WPV Mitgliedern kostenlos zur Verfügung. Benutzer können die THG-Emissionen den postalischen Zustellkettenbereichen 1, 2 und 3 mit Hilfe der OSCAR-Plattform abschätzen. Die erste umfassende Datenkampagne für 2021 wurde am 13. Juni 2022 gestartet. Die Kampagne endet am 1. November 2022.

 

Abbildung 2     Quelle Weltpostverein – OSCAR (Online Solution for Carbon Analysis and Reporting) ein Werkzeug des WPV zur Messung und Analyse des CO² Fußabdrucks im Postmarkt

Als internationales Netzwerk arbeitet der logistic-natives e.V. an dieser Thematik aktiv mit und hat sich diesbezüglich effektiv und pragmatisch positioniert. Wer Interesse an der Thematik oder weiteren marktrelevanten Gestaltungsmöglichkeiten hat, ist herzlich willkommen und meldet sich bitte bei Florian.Seikel@logistic-natives.com oder bei Walter.Trezek@logistic-natives.com.

 

LOGISTIK express Journal 4/2022

Internationaler Transport von Gefahrgütern: Dos and Don‘ts

In Industrie, Handwerk und Forschung wird vielfach mit Stoffen hantiert, die eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen können. Globalisierte Handelsbeziehungen erfordern es, solche Stoffe auch über Landesgrenzen hinweg zu transportieren. Für den Transport dieser sogenannten Gefahrgüter existieren deshalb internationale Vereinbarungen und Richtlinien. Der folgende Artikel bespricht wichtige „Dos and Don’ts“ beim internationalen Gefahrguttransport.

Autor: Paul Fricke.

Was sind Gefahrgüter?

Als Gefahrgüter gelten Stoffe oder Gegenstände, von denen im Zusammenhang mit der Beförderung Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehen können, insbesondere für

  • die Allgemeinheit
  • wichtige Gemeingüter
  • für Leben und Gesundheit von Menschen
  • für Tiere und
  • Sachen

(vgl. GGBefG, § 2). Beispiele für solche Gefahrgüter sind etwa Sprengstoffe, Lithium-Batterien, Diesel oder Trockeneis. Gefahrgüter werden nach Art der drohenden Gefahr in neun Klassen eingeteilt, dazu zählen z. B. explosive Stoffe, entzündbare Stoffe, giftige und radioaktive Stoffe.

Gefahrgut vs. Gefahrstoff

Im deutschen Sprachraum gibt es einen Unterschied zwischen den Begriffen Gefahrgut und Gefahrstoff. Kurz gesagt: Sobald es um den Transport geht, spricht man vom Gefahrgut. Beschäftigt man sich mit Gefahren, die bei Lagerung und Verwendung entstehen können, dann verwendet man das Wort Gefahrstoff.

Die Regelungen bezüglich der Gefahrgüter beziehen sich dementsprechend auf Verpackung, Beladung und Transport. Für die sachgerechte Lagerung und Entsorgung von Gefahrstoffen hingegen existieren separate Vorschriften, z. B. was den Arbeitsschutz und die Verwendung von Schutzausrüstung angeht.

Je nach Art des Gefahrstoffes bedarf es der geeigneten Schutzausrüstung. (©protecto.de)

Do: den gesamten Transportprozess berücksichtigen

Im Hinblick auf den Gefahrguttransport ist zu beachten, dass hierzu nicht allein der Ortswechsel gehört. Die Regelungen für Gefahrgüter betreffen nämlich auch:

  • das Verpacken, Beladen, Entladen und Auspacken
  • die Übernahme und Ablieferung
  • zeitweilige Aufenthalte im Verlauf der Beförderung
  • das Herstellen und Einführen von Verpackungen und Beförderungsmitteln für die Beförderung von Gefahrgütern

Insofern sind auch bei diesen Tätigkeiten die gesetzlichen nationalen und internationalen Vorgaben zu beachten. Welche Richtlinien hier relevant sind, zeigt der nächste Absatz.

Do: Internationale Richtlinien kennen und beachten

Die Einhaltung der geltenden Richtlinien sollte beim Gefahrguttransport eine Selbstverständlichkeit sein, um sowohl Personen- und Sachschäden als auch hohe Strafzahlungen zu vermeiden. Schon vergleichsweise früh (etwa 1957 für das ADR) wurden hierbei internationale Vereinbarungen getroffen, die dann wiederum im nationalen Recht umgesetzt wurden.

Internationale Regelwerke

Zu den relevanten internationalen Regelwerken zählen:

Allgemein          

  • UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods: internationale Empfehlungen der UN für den Transport von Gefahrgütern

Straße

  • ADR: europäisches Übereinkommen für die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße

Schiene

  • RID: Regelwerk für den internationalen Gefahrgut-Transport mit der Eisenbahn

Schifffahrt

  • ADN: europäisches Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen
  • IMDG: Beförderungsvorschriften für Gefahrgüter im Seeschiffsverkehr

Flugverkehr

  • ICAO TI: technische Vorschriften für den Lufttransport von Gefahrgütern
  • IATA DGR: Vorschriften der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung in Bezug auf Gefahrgüter

Die UN Recommendations sind im Gegensatz zu den restlichen Regelwerken rechtlich nicht bindend, sie genießen aber hohe internationale Anerkennung und bilden die Grundlage für andere internationale und nationale Vereinbarungen.

Nationale Regelwerke

Die internationalen Vorschriften wurden in Deutschland auch in nationales Recht übernommen. Die geltenden rechtlichen Bestimmungen sind z. B. geregelt im: Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBefG), der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB), der Gefahrgutbeauftragtenverordnung (GbV) sowie der Gefahrgut-Ausnahmeverordnung (GGAV).

Welche Bereiche sind geregelt?

Die Vorschriften im ADR, welches den Gefahrgut-Transport auf der Straße regelt, umfassen z. B. die folgenden wichtigen Bereiche:

  • Kennzeichnung (am Fahrzeug sowie direkt auf der Gefahrgut-Verpackung)
  • technische Anforderungen an Fahrzeug, Behälter und Tanks
  • Verpackung und Ladungssicherung
  • Dokumentation des Transports
  • Schulung des Fahrers bzw. der Fahrerin
  • Notfallausrüstung im Fahrzeug (etwa Schutzhandschuhe, Feuerlöscher)

Ähnliche Regelungen gelten analog auch für den Bahn-, Schiffs- und Flugverkehr.

Do: von Kleinmengenregelung Gebrauch machen

Muss nun ein Malereibetrieb, der Lacke transportiert, den umfangreichen Vorschriften des ADR genügen? Nein, denn es existieren Ausnahmeregelungen für den Transport kleiner Gefahrgutmengen. Gerade für klein- und mittelständische Betriebe ist es wichtig, darüber Bescheid zu wissen.

Hierzu gibt es im ADR die sogenannte 1000-Punkte-Regelung: Je nach Menge und Gefährlichkeit der Stoffe wird ein bestimmter Punktestand errechnet. Bleibt die Ladung unter 1000 Punkten, so ergeben sich bestimmte Erleichterungen für den Transport – der Fahrer bzw. die Fahrerin benötigt z. B. keinen ADR-Schein. Für Handwerksbetriebe gelten aufgrund der „Handwerkerregelung“ weitere Befreiungen.

Don’t: die eigene Rolle verwechseln

Im Gefahrgutrecht sind bestimmte Rollen definiert, die jeweils mit unterschiedlichen Pflichten einhergehen: etwa die Rolle des Absenders, des Auftraggebers des Absenders, des Beförderers, des Empfängers usw.

Beauftragt das Unternehmen eine Transportfirma mit dem Versand, dann ist das Unternehmen meist selbst in der Rolle des Auftraggebers des Absenders und die beauftragte Transportfirma in der Rolle des Absenders. Aber Achtung: Die Rollenverteilung kann je nach Art des Vertrags variieren: Bei einem Transport im Rahmen eines Frachtvertrags bleibt das Unternehmen z. B. selbst in der Rolle des Absenders.

Don’t: Gefahrgüter unnötigerweise auf der Straße transportieren

Das deutsche Gefahrgutrecht sieht vor, dass besonders gefährliche Güter – sofern möglich – nur mit Bahn oder Schifffahrt zu transportieren sind. Der Grund liegt darin, dass auf der Straße statistisch gesehen mehr Unfälle passieren als auf Schienen bzw. auf dem Wasserweg. Die Bahn gilt daher im Vergleich zum Auto als das sicherere Verkehrsmittel.

Von daher ist es empfehlenswert, Gefahrguttransporte vermehrt auf die Schiene zu verlagern, sogar wenn dies per Gesetz nicht vorgeschrieben ist. Dies ist im Sinne einer klimabewussten, nachhaltigen Logistik ohnehin von Vorteil.

Fazit: Internationaler Gefahrguttransport erfordert fachliche Expertise

Der Transport von Gefahrgütern unterliegt, mit guten Gründen, strengen Vorschriften. Um die nationalen und internationalen Regelungen korrekt einhalten zu können, bedarf es hoher fachlicher Kompetenz. Hier kann es z. B. notwendig sein, einen externen oder internen Gefahrgutbeauftragten zu bestellen. Unternehmen müssen in jedem Fall die eigene Rolle im Transportprozess kennen und die damit verbundenen Pflichten sorgfältig erfüllen.

Autor: Paul Fricke ist Experte für den sicheren Umgang mit Stoffen, von denen Gesundheits- und Umweltgefahren ausgehen. Seit 2012 ist er Geschäftsführer des Unternehmens PROTECTO, das sich auf die Planung, Ausstattung und Umsetzung von Gefahrstofflagern für jeden speziellen Bedarfsfall spezialisiert hat – ganz nach dem Motto: Gefahrstoffe-beständig-sicher-lagern.

 

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022


 

KNAPP: WMS-Retrofit für EGLO Leuchten

Modulare Template-Lösung mit SAP® EWM by KNAPP in vier Zentrallagern.

Text: Redaktion

Lichtgeschwindigkeit. Das ist eine zutreffende Beschreibung für die überdurchschnittlichen  Wachstumsraten von EGLO Leuchten GmbH. Nicht nur das Geschäft und die Anzahl der Mitarbeitenden nehmen rasant zu, sondern auch die Logistikfläche. Um die logistischen Prozesse in einer harmonisierten SAP® End-to-End-Lösung zu vereinen, entschied sich der Weltmarktführer in dekorativer Wohn- und Außenbeleuchtung SAP® EWM by KNAPP in seinen vier Zentrallagern in Europa einzuführen. Die Implementierung des neuen Warehouse Management Systems erfolgte als Template-Lösung, um effizient auch etwaige zukünftige Standorte integrieren zu können.

Die EGLO Leuchten GmbH mit Sitz in Pill in Tirol ist weltweiter Marktführer für dekorative Wohnraum- und Außenbeleuchtung sowie Leuchtmittel mit Schwerpunkt auf LED. Das aktuelle Sortiment umfasst mehr als 4.000 Artikel Tendenz steigend. Knapp alle 2 Stunden wird bei EGLO eine Neuheit entwickelt. In den eigenen Produktionsstätten in China, Indien und Ungarn werden täglich rund 80.000 Leuchten gefertigt. Über die rund 70 Vertriebsgesellschaften und verschiedene Vertriebskanäle wie Baumärkte, Einzelhandel, Möbelgeschäfte, Onlineversandhändler und den eigenen Online-Shop finden sie schließlich ihren Weg zum Kunden.

Andreas Moser, Konzernleitung Logistik, EGLO Leuchten GmbH: Eine tragende Rolle in unserer Organisation und unserem stetigen Wachstum spielt die Logistik. Daher investieren wir laufend in die Optimierung unserer Produktions- und Lieferkette, perfektionieren Prozesse und bauen neue Lager. So haben wir ein durchgängiges Logistiknetzwerk mit hohem Liefer-Service-Grad aufgebaut. Um dafür eine harmonisierte SAP® End-to-End Lösung zu schaffen, haben wir uns für SAP® EWM by KNAPP entschieden. Durch die gemeinsame Realisierungsphase mit KNAPP bekam unser SAP®-Team das notwendige Know-how für den Betrieb und die Weiterentwicklung der Lösung.

Aus 3 macht 4 – Ein modulares SAP® EWM-Template für ein WMS-Retrofit- & Greenfield-Projekt
Im Blickfeld dieser Modernisierung standen zunächst die drei bestehenden Zentrallager in Pill, Österreich, Pásztó, Ungarn, und Oosterhout, Niederlanden. Im Rahmen eines Retrofit-Projektes sollte eine Ablöse von einem nicht von SAP stammenden Lagerverwaltungssystem mit SAP® EWM by KNAPP erfolgen. Ergänzend zu der Integration der Bestandsanlagen von unterschiedlichen Logistikautomatisierungsanbietern in SAP® EWM an den drei Standorten sollte die neue Warehouse Management Lösung auch mittels Prozessoptimierung Lagerplatz-Engpässe bei den Sortimentsumstellungen eliminieren. Der Go-Live der neuen Software musste zudem während des laufenden Betriebs erfolgen und im Zuge der Einführung das SAP®-Team von EGLO geschult werden. Durch die anhaltende überdurchschnittliche Geschäftsentwicklung musste EGLO darüber hinaus sein Lagernetzwerk erweitern. Mit einer Größe von vier Hektar an Lager- und Logistikfläche ist das neue Zentrallager in Magdeburg, Deutschland, das größte Fertigwarenlager des Unternehmens. Das automatische Hochregallager umfasst 66.000 Palettenstellplätze – ebenfalls gesteuert und verwaltet mit SAP® EWM inkl. MFS (Materialflusssteuerung).

Gerald Lassau, Geschäftsführer, KNAPP IT Solutions GmbH: Die logistischen Prozesse und Abläufe für das neue Lager in Magdeburg sowie die drei bestehenden Zentrallager wurden von uns eingehend analysiert. Es bot sich an, SAP® EWM by KNAPP als modulare Template-Lösung bei EGLO auszurollen. Diese Variante ermöglicht nämlich nicht nur eine effiziente Implementierung von SAP® EWM in den aktuellen vier Zentrallagern, sondern ist auch flexible und zukunftssicher, um auf Marktveränderungen sowie etwaige Erweiterungen im Standortnetzwerk von EGLO zu reagieren.

Schwerpunkt E-Commerce.
Das E-Commerce-Geschäft erfordert eine besondere Flexibilität der logistischen Prozesse, denn Versanddienstleister und Onlineshops haben individuelle Anforderungen an die Intralogistik. In der SAP® EWM Template-Lösung sind daher eigens angepasste Prozesse an den Vertrieb der jeweiligen Onlinehändler von der Auftragsanlage über das Kommissionieren bis hin zur Verpackung und den Versand realisiert.

Andreas Moser, Konzernleitung Logistik, EGLO Leuchten GmbH: Wir sehen uns gegenüber unserem Mitbewerb durch schnelle Reaktionen auf Marktveränderungen im Vorteil. Bereits 2017 haben wir eine E-Commerce taugliche Webseite etabliert. Zuerst nur als ein Webschaufenster angelegt, aktivierten wir im Februar 2020 die ersten Online-Shops für unsere Vetriebsniederlassungen. Keine Sekunde zu spät, denn unsere klassischen Hauptvertriebskanäle, der Fach- und Einzelhandel, fielen kurz darauf pandemiebedingt zum Teil für längere Zeit aus. KNAPP IT Solutions reagierte ebenso rasch und integrierte die neuen Prozesse für unsere Onlinevertriebskanäle in der SAP® EWM Template-Lösung.

24/7 Service über den Go-Live hinaus
Nach dem Go-Live der neuen Softwarelösung an den Standorten in Pill, Österreich, im Mai 2020 und Magdeburg, Deutschland, im März 2021, folgen die Niederlassungen in Oosterhout, Niederlanden, und Pásztó, Ungarn, 2022 und 2024. Die Zusammenarbeit mit EGLO endet aber nicht mit der Inbetriebnahme und anschließenden Hypercare-Phase. Alle vier Standorte werden darüber hinaus über den KNAPP 24/7 SAP® EWM Service Desk während der Bereitschaftszeit von 06:00 bis 23:00 durch das KNAPP eigene SAP® EWM Expertenteam in etwaigen Frage- und Problemstellungen betreut und unterstützt. (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Klimaneutrale Paketzustellung – Die besten Tipps & Tricks für Händler

Nachhaltigkeitsaspekte beeinflussen heute das Konsumverhalten von mehr als der Hälfte der Bevölkerung. Beinahe jeder zweiter Verbraucher wechselt mittlerweile zu weniger bekannten, dafür nachhaltigeren Marken.

Beitrag: Gerald Kühberger.

Nachhaltigkeit endet für Konsumenten jedoch nicht beim Produkt, sondern zieht sich durch die gesamte Wertschöpfungskette. Somit spielt mit dem steigenden eCommerce auch eine klimaneutrale Paketzustellung eine immer größere Rolle, ist Magdalena Wallis, Program Manager der Climate Ranger Academy von GLACIER, überzeugt.

Die “letzte Meile” der Paketzustellung soll grüner werden.
Aber warum muss die Paketzustellung erst klimaneutral werden? Eine klassische Paketlieferung verursacht CO2-Emissionen, da Energie aufgewendet werden muss, um die Pakete zu bewegen. Einerseits durch die Verbrennung fossiler Energieträger beim Transport mit herkömmlichen PKWs, LKWs oder Flugzeugen, aber auch bei der Produktion der Verpackungsmaterialien, die für den Versand der Ware benötigt werden. Diese zusätzlichen CO2-Emissionen verstärken die Klimakrise und gefährden somit das Leben auf der Erde, wie wir es kennen. Beim Versand von Waren kann daher auf Seite der Händler darauf geachtet werden, dass keine unnötige Umweltbelastung entsteht. Damit eine ganzes Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung (wie z.B. das Zustellen eines Pakets) sich klimaneutral nennen darf, muss jedoch gesichert sein, dass die Menge an schädlichen Treibhausgasen in der Atmosphäre sich dadurch rechnerisch nicht erhöht.

Um klimaneutralen Versand anbieten zu können gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es werden alle CO2-Emissionen von Anfang an vollständig vermieden, oder es werden Maßnahmen zur teilweisen Reduktion des CO2-Ausstoßes gesetzt und die verbleibenden Emissionen werden nachträglich über den Emissionshandel kompensiert. Obwohl der erste Ansatz natürlich aus Umweltsicht ideal wäre, gestaltet sich eine 100%-ige Vermeidung von Treibhausgasemissionen zumeist als schwierig. Deswegen wird in der Regel eine Version des zweiten Ansatzes gewählt. Um die Klimabelastung so gering wie möglich zu halten, sollte sowohl bei der Verpackung als auch beim Transport von Waren jedoch zuerst darauf geachtet werden, so viel CO2-Emissionen wie möglich zu vermeiden. Erst im zweiten Schritt sollten Emissionen, die nicht vermeidbar sind, kompensiert werden.

Dieses grundlegende Prinzip ist für alle.
klimaschädlichen Prozesse anzuwenden. Obwohl bei klimaneutralem Versand oft ausschließlich der Transport beachtet wird, sollte man als Unternehmen schon bei der Verpackung des Pakets darauf achten, so ressourceneffizient wie möglich zu handeln. Eine klimaneutrale Paketzustellung sollte im Idealfall sowohl eine klimaneutrale Verpackung als auch einen klimaneutralen Transport beinhalten. Im Folgenden geben wir Einblicke in die Handlungspotenziale in beiden Bereichen.

Klimafreundliche Paketverpackung – Schritt für Schritt.
Häufig werden versendete Ware mehrmals in Plastik verpackt. Dies wird von Konsumenten kritisch betrachtet und ungern gesehen. Um als Unternehmen klimafreundlicher zu agieren und von den Kunden als glaubwürdig wahrgenommen zu werden, gilt es die Paketverpackung passend zum klimaneutralen Versand zu gestalten. Auch hier heißt es zuerst Verpackung reduzieren. Im zweiten Schritt sollte unvermeidbare Verpackung durch nachhaltigere Verpackungsmaterialien ersetzt werden, um so den CO2 Fußabdruck möglichst gering zu halten. Um Verpackungsmaterial zu reduzieren, sollten zum Beispiel keine großen Pakete für kleine Waren genutzt werden. Nicht nur, dass große Pakete mehr Platz beim Transport benötigen, ist problematisch: Ist das Paket deutlich größer als die Ware selbst, muss der freie Platz zusätzlich noch mit Füllmaterial aufgefüllt werden.

Händler sollten daher darauf achten, die Verpackung an die Größe des Produkts anzupassen. Wurde reduziert was möglich ist, gilt es im nächsten Schritt auf klimafreundliche Verpackungsalternativen umzusteigen. Dafür bieten sich rezykliertes Füllmaterial oder Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen an. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Verpackungsmaterial wieder zu verwenden. So könnten die Kunden beim Kauf im Onlineshop angeben, ob sie ihr Produkt in einer neuen Verpackung erhalten wollen oder ob eine bereits genutzte in Frage kommt.

Immer mehr Unternehmen testen wiederverwendbare Paketverpackungen, die nach der Lieferung an die Kunden wieder an den Paketlieferant zurückgeschickt werden. Wie eine grünere Paketverpackung in Zukunft aussehen könnte, testet die österreichische Post mit den Handelsunternehmen dm, INTERSPAR-Onlineshop weinwelt.at, INTERSPORT, Tchibo und Thalia.

Grüner Transport für eine grüne Zukunft.
Ist die Entscheidung über die Paketverpackung gefallen, den Versand so klimafreundlich wie möglich zu gestalten. Um die Transportstrecken und damit die CO2-Emissionen möglichst gering zu halten, können verschiedene Strategien angewandt werden. Da viele Onlinehändler kostenlose Retouren anbieten, bestellen Konsumenten Waren oft in vielfacher Ausführung, nur um sie anschließend wieder zurück zu schicken. Durch kostenlosen Versand wird darüber hinaus die Hemmschwelle für Kunden herabgesetzt, Produkte zu bestellen, die sie gar nicht benötigen oder wirklich wollen und im Anschluss ebenfalls retournieren. Von Seiten der Händler könnte daher auf kostenlose Retouren verzichtet werden.

Eine andere Möglichkeit wäre, keinen Expressversand anzubieten. Dabei wird es den Zustellern aufgrund der fehlenden Zeit oft nicht ermöglicht, Pakete zu sammeln und gemeinsam auszuliefern. Express-Versand über Landesgrenzen hinaus findet außerdem aufgrund des Zeitdrucks meist mit dem Flugzeug statt. Da Lufttransport zu den emissionsintensivsten Versandarten zählt, ist dies generell zu vermeiden. Stattdessen könnten Bestellungen an eine bestimmte Destination (z.B. bei einem Salzburger Unternehmen nach Wien) für jeweils eine Woche gesammelt und dann gebündelt verschickt werden. Wurden die Transportstrecken minimiert, gilt es nun auf klimafreundliche Transportmöglichkeiten zu setzen. In vielen österreichischen Städten haben sich regionale Fahrradkuriere wie Heavy Pedals oder Goodville in Wien oder TEMPO in Linz etabliert. So kann es nicht nur zur Einsparung von CO2-Emissionen kommen, sondern auch die regionale Wertschöpfung gestärkt werden.

Für längere Versandstrecken sollte darauf geachtet werden, einen klimaneutralen Versandpartner zu wählen. Dabei sollte auch auf die Qualität der deklarierten Klimaneutralität geachtet werden. Auch hier gilt wieder das Prinzip: Zuerst reduzieren, dann kompensieren. Während sich manche Versandunternehmen ambitionierte Ziele zur CO2-Reduktion gesetzt haben, kompensieren andere Versandunternehmen einfach nur ihre Emissionen, ohne vorab Anstrengungen zu unternehmen, sie zu reduzieren. Fest steht, dass es viele verschiedene Ansatzmöglichkeiten gibt um den CO2 Fußabdruck von Paketzustellungen so niedrig wie möglich zu halten. Wählen Sie den richtigen Startpunkt für ihr Unternehmen und beginnen Sie bereits heute mit ihrer Transformationsreise zu einem klimafreundlicheren
Unternehmen. (RED)
 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

Klimawandel: Nachhaltige Logistik

Um eine starke Senkung der Emissionen bzw. eine CO2-neutrale Logistik zu erreichen, muss eine “Verkehrs- und Energiewende” stattfinden. Transport-Unternehmen und Logistiker werden langfristig nur durch eine nachhaltige Geschäftsausrichtung wettbewerbsfähig bleiben.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Laut des Brundtland-Berichts (Our Common Future, 1987) ist „eine Nachhaltige Entwicklung eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können.“ Carsten Deckert, Professor für Innovation und Produktionsmanagement an der Hochschule Düsseldorf, definiert die Aufgaben der Nachhaltigen Logistik wie folgt: „Bei Green Logistics werden die Logistikfunktionen Transport, Lagerung und Verpackung an den ökologischen Zielen der Nachhaltigkeit – Ressourceneffizienz und Umweltverträglichkeit – ausgerichtet.

Die Aufgabe der grünen Logistik besteht darin, die richtige Menge der richtigen Objekte am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Qualität zu den richtigen Kosten unter möglichst geringem Ressourcenverbrauch und möglichst geringen Emissionen zur Verfügung zu stellen.“

Die Nachhaltigkeit wird immer mehr zum Wettbewerbsvorteil. Eine zunehmende Zahl von Unternehmen hat erkannt, dass Nachhaltigkeit nicht nur das Betreiben von Risikomanagement bedeutet, sondern neue Chancen eröffnet, im sozialen, ökologischen und ethischen Bereich einen gewinnbringenden Wettbewerbsvorteil zu generieren. Dabei sind die Themenbereiche der Nachhaltigkeit weit gespannt und reichen von der Einflussnahme auf die Umwelt, den Arbeitsplatz, die Gesellschaft und Ökonomie bis hin zur Produktverantwortung. Einen großen Teil der Anstrengungen im Bereich Nachhaltigkeit machen Technologien zur CO2-Emissionseinsparung aus, um den Klimawandel zu verlangsamen.

Verkehrssektor muss bis 2050 Treibhausgase um 80 bis 95 Prozent senken.
Die Minderung der Kohlenstoffdioxid (CO2)Emissionen ist ein erklärtes Ziel nicht nur in der Transport- und Logistik-Branche, sondern auch der gesamten deutschen Wirtschaft. Bis 2050 will Deutschland weitgehend treibhausgas- bzw. CO2-neutral werden. Laut der Studie „Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050“ des Umweltbundesamtes will die Bundesregierung die Treibhausgasemissionen über alle Sektoren bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 senken. Bis 2030 sollen sie um 40 bis 42 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Der Beitrag des Verkehrssektors und die daraus abgeleiteten Handlungsoptionen wurden in der Studie untersucht.

In Deutschland wurden gemäß des Umweltbundesamtes (UBA) 2019 rund 805 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt – rund 54 Millionen Tonnen oder 6,3 Prozent weniger als 2018. Gründe für diese Entwicklung sind die erfolgreiche Reform des europäischen Emissionshandels, der niedrige Gaspreis, der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie sowie die Abschaltung erster Kohlekraftwerksblöcke.

Die CO2-Emissionen des Verkehrssektors lagen in 2019 mit 163,5 Millionen Tonnen auf einem leicht höheren Niveau als im Vorjahr (+0,7 Prozent). Zwar kamen verbrauchsärmere Fahrzeuge auf den Markt, gleichzeitig nahm aber auch der Kfz-Bestand zu (+1,6 Prozent), sodass in der Summe mehr Benzin und Diesel verbraucht wurde. In 2020 sanken die Emissionen wegen der Lockdowns um 11,4 Prozent auf 146 Millionen Tonnen.

Verkehrs- und Energiewende vonnöten.
Um eine starke Senkung der Emissionen bzw. eine CO2-neutrale Logistik zu erreichen, muss eine “Verkehrs- und Energiewende” stattfinden. Die Verkehrswende umfasst Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung, der Verkehrsverlagerung und der Effizienzsteigerung der Verkehrs- und Transportmittel. Letzteres schließt beispielsweise bessere Auslastungsgrade der Fahrzeuge, eine energetisch sparsamere Fahrweise und energieeffizientere Verkehrsmittel mit ein. Der Anteil des Schienengüterverkehrs kann gleichzeitig laut Studie bis 2050 im Vergleich zu heute auf mehr als das Zweieinhalbfache gesteigert werden.

Die gleichzeitig stattfindende Energiewende bedeutet die Ablösung von fossilen Energieträgern oder die Verwendung von CO2-armen Energieträgern. Die direkte Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern für den Antrieb von Elektromotoren soll zur Norm werden. Daraus folgt die Verdrängung von Verbrennungsmotoren. Da der Weg bis zum All-Electric Aircraft in der kommerziellen Luftfahrt noch sehr weit ist, muss man hier zunächst auf Energieträger wie synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff setzen, die aus erneuerbaren Energien, vorzugsweise regenerativem Strom, hergestellt werden.

Die aus Strom erzeugten Kraftstoffe PtG (Power to Gas) und PtL (Power to Liquid) sind nur mit hohen Energieverlusten zu produzieren. Der Primärenergieverbrauch in 2050 steigt dadurch gegenüber 2005 um 36 Prozent (bezogen auf den Gesamtverkehr). Durch beide Techniken lassen sich Wasserstoff und Methan beziehungsweise flüssige Kraft- und Rohstoffe herstellen. Wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt, sind diese Kraftstoffe der Schlüssel für die Energiewende.
Die 95-prozentige Treibhausgaseinsparung hängt wesentlich von der Substitution konventioneller durch erneuerbare Kraftstoffe ab. Die Herstellung von PtG und PtL benötigt große Mengen erneuerbaren Stroms, der in diesen Mengen wirtschaftlich in Deutschland nicht produziert werden kann. Insbesondere PtL müsste zukünftig, wie heute Rohöl importiert werden.

Damit die Verkehrs- und Energiewende umgesetzt werden kann, sind u. a. Anreize zur Steigerung der Energieeffizienz z. B. über CO2- und Energieverbrauchs-Flottenwerte für Pkw sowie leichte und schwere Nutzfahrzeuge notwendig. Die Umschichtung der Fahrzeugflotte hin zu strombasierten Antriebssystemen sowie zur Schaffung der entsprechenden Ladeinfrastruktur muss ebenso gefördert werden. Weiterhin müssen Maßnahmen zur Vermeidung, Verlagerung und zur effizienteren Verkehrsabwicklung einschließlich des Ausbaus der notwendigen Verkehrsinfrastruktur durchgeführt werden.

Intralogistik muss zur Nachhaltigkeit beitragen.
Zur Gestaltung nachhaltiger Logistiksysteme und damit einer grünen Logistik kann neben dem Transportbereich vor allem die Intralogistik beitragen. Dabei stehen bei der umweltgerechten Gestaltung des Betriebes bzw. Lagers Energie-, Wärme- und Wassermanagement, die Nutzung von regenerativen Energien, Kraftstoffeinsparung im Fuhrpark, moderne Lagertechnik und effiziente Fördersysteme sowie leistungsfähige Software-
systeme im Mittelpunkt.

Maßnahmen als Unternehmen konkret umsetzen.
Eines der wichtigen Ziele der Nachhaltigkeit in der Logistik ist, CO2-neutral zu wirtschaften. Transport-Unternehmen und Logistiker werden langfristig nur durch eine nachhaltige Geschäftsausrichtung wettbewerbsfähig bleiben. Viele Logistiker laufen Gefahr, ohne klar bestimmte Nachhaltigkeitsziele bzw. CO2-Reduktions-Ziele ihre Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen. Zentraler Grund für die betriebswirtschaftliche Relevanz der Nachhaltigkeit sind die fortwährend steigenden Energiepreise. Zudem fragen Kunden zunehmend nach nachhaltigen Dienstleistungen. Was können Logistik-Unternehmen nun tun, um CO2-neutral zu werden?

Einerseits müssen die eingesetzten Fahrzeuge energieeffizienter werden und außerdem muss mittelfristig der Umstieg auf Elektroantriebe erfolgen. Der Kraftstoffverbrauch kann u. a. durch die Vermeidung überflüssiger Transportwege (z. B. durch Transportwege-optimierung durch Künstliche Intelligenz), Fahrerschulungen zum Umgang mit Fahrzeugen (Senken des Kohlendioxid-Ausstoß um bis zu vier Prozent), Einsatz von Reifen mit kleinerem Rollwiderstand und ein regelmäßige Reifendruckkontrolle (Einsparungen bis zu sechs Prozent möglich) reduziert werden.

Weiterhin bietet sich die Optimierung der Anzahl der Niederlassungen, die Zusammenarbeit mit nachhaltigen Dienstleistern, die Nutzung klimaneutraler Transport- und Versandarten, die Vermeidung von Leerfahrten und eine optimierte verlustfreie Beladung von Transportfahrzeugen an, um Kohlendioxid zu reduzieren und die Umwelt zu schonen. Auch ganze Logistikzentren können energieeffizient gestaltet werden. Grundsätzlich wird ein energieeffizientes Logistikzentrum von zwei Säulen getragen:
• eine CO2-neutrale Energiebereitstellung (Nutzung regenerativer Energiequellen und überschüssiger Prozessenergie)
• eine effiziente Energienutzung (energieeffiziente Gebäudestruktur und Förder- bzw. Gebäudetechnik)

Dazu muss eine ganzheitliche Betrachtung der Energiebedarfe und Energiekreisläufe im Logistikzentrum erfolgen. Die Energieverbräuche und -kosten müssen genaustens aufgeschlüsselt werden. Neue technische Lösungen in den Teilbereichen der Fördertechnik und Gebäudetechnik leisten einen Beitrag zur Energieeffizienz. Das Logistikzentrum sollte schon bei Neubau ganzheitlich geplant werden. Neben den genannten Säulen ist auch die Sensibilisierung der Mitarbeiter für das Thema Klimaschutz ratsam, denn sie können dabei helfen, Energie einzusparen, wo es möglich ist. (DR)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Smarte Logistik 4.0

Autonome Roboter für eine pfiffige Lager-Automatisierung, KI-unterstützte Kameras zur Behältererkennung und -verfolgung ohne jeden menschlichen Eingriff und Digitale Zwillinge für das physische Lager oder die planende Lieferkette zeigen den Aufbruch in eine digitale Logistikwelt. Wir blicken auf 12 wichtige Handlungsfelder, die den Paradigmenwechsel zu einer Logistik 4.0 treiben.

Gastbeitrag: Wolfgang Keplinger.

  1. ICH, LOGISTIK-ROBOTER
    Smarter Produktivitätsbooster @ Null-Fehler

Früher hatte man entweder ein manuelles oder ein sehr starr automatisiertes Lager mit teuren, schweren Regalbediengeräten. Die intelligente Lager-Automatisierung  mit smarten und flexiblen Lager-Robotern ist einer der bedeutendsten aktuellen Trends in der Logistik. Zu den smarten Automatisierungsmöglichkeiten im Lager gehören:

  • Automatisierte Shuttle-Lager mit vielen kleinen Robotern/Shuttles anstelle der großen, schweren und wenig flexiblen Regalbediengeräte
  • Pick-Buddies, (z.B. von Locus, Geek+ oder 6River Systems) die die manuell gepickte Ware beim Kommissionierer abholen und zum Versand bringen
  • Shelf-Buddies, (z.B. von Amazon oder Swisslog) die ganze Regale zur Pick-Station bringen, wo dann manuell kommissioniert wird
  • Konzeptionell gänzlich neue, smart automatisierte Lagertypen wie
    • Autostore, das ohne Regal auskommt und durch das direkte Stapeln der Behälter eine enorme Lagerdichte erzielt
    • Servus, ein Shuttle-System, bei dem die Roboter auf Schienen bis in die Produktion fahren und die gepickten Behälter direkt an die Montagelinie übergeben
    • Exotec, ein Shuttle-System, bei dem die Shuttles selbständig die Vertikalbewegung (Klettern am Regal) übernehmen, ansonsten aber frei und autonom verfahrbar sind
  • Autonome Pick-Roboter (z.B. von Magazino oder identytec), die selbständig picken bzw. das Material/die Behälter in den Lagerplatz verräumen
  • Cobots, die Picken bzw. Behälter entstapeln, sortieren, entleeren und anstellen
  • Autonomous Mobile Robots (AMRs) die sich selbständig und autonom im Lager neben den dort arbeitenden Mitarbeitern bewegen und als Unterfahr-/Stapel-/KLT-FTF Material und Behälter transportieren und bewegen
  • Autonome Routenzüge (z.B. von Schiller, Linde oder Asti) für den Transport auf den Routen mit dem starken Transport-Volumen

Alle roboter-basierte Lösungen zeichnen sich durch eine deutlich erhöhte Produktivität und eine weitgehende Fehlerfreiheit aus. Dabei sind die Systeme intelligent, teilweise autonom, kollaborativ, flexibel und agil, skalierbar, elektrisch, energieeffizient und plug&play-fähig. Sie helfen, Mitarbeiter von schweren, unergonomischen Handlings-Aktivitäten zu entlasten und übernehmen vielfach diejenigen Arbeitsschritte, die langweilig, schwierig oder unter Lean-Gesichtspunkten nicht wirklich wertschöpfend sind (z.B. lange Transportwege).

  1. ENDLICH BEIDHÄNDIG
    Wearables befreien die Mitarbeiter

Der mittlerweile fast schon traditionelle Scanner in der Logistik hilft den Mitarbeitern, Material eindeutig zu identifizieren und Materialbewegungen (z.B. Einräumen in einen Lagerplatz / Picken von einem Lagerplatz) sicher zu dokumentieren. Aber der traditionelle Handscanner beschäftigt die Mitarbeiter mit Suchen, wo der Scanner ist, oder mit dem Greifen/Wegstecken des Scanners. Damit zieht der Scanner die Arbeitsfolgen sequentiell in die Länge, denn der Mitarbeiter ist entweder mit dem Scanner beschäftigt oder er geht/fährt durch das Lager.

Der große Nutzen, den die Logistik 4.0 für manuelle Arbeitsplätze erbracht hat, ist es, den Mitarbeitern die Hände wieder für die primär wertschöpfenden Logistik-Tätigkeiten freizuspielen: für das Handling des Materials bzw. für das Fahren von Staplern oder Routenzügen. Frei nach dem Motto: „automate it or wear it“, sollten alle Arbeiten in der Logistik, die nicht wirtschaftlich automatisiert werden können, und somit manuell bleiben, durch Wearables unterstützt werden. Diese Wearables (X-by-Technologien, Handschuhe, Ringe) sind die technologische Lösung, um die Informationsmitteilung bzw. -bestätigung unabhängig von den Händen zu machen, so dass diese für die Kernaktivitäten der manuellen Logistik verfügbar sind: Handling und Lenken. Und damit werden die Prozesse schlanker, denn die Informationsmitteilung bzw. die Bestätigung wird in die wertschöpfenden Kernarbeitsschritte integriert.

Die aktuell wichtigsten Wearables, die den Mitarbeitern ein frei-/beidhändiges und somit ergonomisches und produktives Arbeiten ermöglichen, sind Pick-by-Voice, Pick-by-Vision/Smart Glasses, Gabel-Stapler Gabel-Scanner, Scanner-/RFID-Handschuhe, Daten-Uhren und NFC- und Smart Motion Ringe, die die Steuerung von Zugangskontrollen, Qualitätskontrolle und Ausführungsbestätigungen unterstützen.

Die Wearables erhöhen die Produktivität der Mitarbeiter, die die Wearables tragen. Was aber mindestens so wichtig ist: sie verbessern die Ergonomie der Mitarbeiter und sie reduzieren Fehler.

  1. NO-TOUCH-LOGISTIK
    Jeder weitere Schritt wäre Verschwendung

Einer der größten Aufwands- aber auch Zeittreiber in der Logistik ist die Anzahl der notwendigen Handlingsschritte, d.h. wie oft ein Behälter/eine Palette/ein Karton angegriffen, aufgenommen, abgestellt, umgestellt, eingelagert, ausgelagert, auf- oder abgestapelt oder bereitgestellt wird.

Bezüglich einer handlingsarmen No-Touch Inbound-Logistik gibt es folgende Alternativen (beginnend mit der schlankesten Alternative):

  • Warehouse on Wheels (WoW): Die Materialien werden direkt im Trailer/in der Wechselbrücke in der Nähe des Verbau-Ortes der Materialien bereitgestellt und erst bei Bedarf dem Trailer/Wechselbrücke entnommen und sofort verbaut. WoW wird in der Regel für großvolumige Schnelldreher angewandt, die in einem JIT-/JIS-Modus geplant und bereitgestellt werden, denn es gibt bei diesem Bereitstellungsmodus keine logistische Wareneingangskontrolle.
  • Dezentraler Wareneingang / Ship-to-Line: Hier werden die Materialien de-zentral, d.h. Liniennahe angeliefert, werden ausgeladen und stehen dann in Form von kleinen Puffern mit einer geringen Reichweite (wenige Stunden) direkt am Verbau-Ort zur Verfügung. Auch diese Bereitstellung wird primär für schnelldrehende Materialien im JIT-/JIS-Modus angewandt, hat aber durch die sofortige Entladung vom LKW einen Handlingsschritt mehr als WoW. Dafür werden weniger Gates benötigt und die LKW können in der Regel mehr als ein Material anliefern.
  • Zentraler Wareneingang / Ship-to-Stock: Hier werden Materialien traditionell bei einem zentralen Wareneingang angeliefert, mit den üblichen Kontrollen bezüglich richtiger Materialnummer in der richtigen Anzahl, im richtigen Behälter und Label, unbeschädigt angeliefert. Dieser Prozess eignet sich für alle mittel- und langsamdrehenden Materialien. Ship-to-Stock erfordert aber zusätzliche Handlingsschritte durch die Einlagerung im Zentrallager (d.h. produktions-/montagelinienferne Lagerung) und die bedarfsgerechte Bereitstellung an der Linie oder im Supermarkt durch die Logistik.

  1. DATEN | DATEN | DATEN
    Die transformative Kraft datengestützter Erkenntnisse

Die aktuellen Ansatzpunkte der Big Data Analytics sind:

  • Zusammenhänge finden, die bisher nicht gefunden wurden. Dabei helfen moderne grafische Analysetools (Graph-Analytics, z.B. von Tableau, Y42, Visplore, …), die ein intuitives Arbeiten mit großen Datenmengen erlauben. Um zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Anlagen im Markt, Anlagenausfällen und benötigten Ersatzteilen herzustellen und damit die Verfügbarkeit der Ersatzteile in der richtigen Region rechtzeitig sicherzustellen.
  • Bedarfe und notwendige Kapazitäten richtig(er) vorherzusagen. So wie es Amazon macht und aus dem Absatz von Vergleichs-/Referenzprodukten, Testregionen oder dem Verhalten bestimmter Kundengruppen/-cluster auf zukünftige Bedarfe hochrechnet und dann die einzelnen Artikel in einer bedarfsgerechten Menge vorab in die einzelnen Customer Fulfillment Center legt. Noch lange bevor der tatsächliche Kundenbedarf entsteht oder gar die Kundenbestellungen vorliegen.
  • Echtzeit-Simulation und Optimierung von Lieferketten. Das in Spanien/USA ansässige Startup Factic bietet z.B. eine SaaS-Plattform, die prädiktive Analyselösungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bereitstellt. Dazu werden Data-Mining- und KI-Techniken genutzt, um Daten aus internen und externen Quellen zu analysieren und zukünftige Verkäufe vorherzusagen. Aus den prognostizierten Nachfrageabweichungen werden datengestützte Entscheidungen abgeleitet, um die Beschaffung zu automatisieren. Oder Flexport, ein Start-up aus San Francisco, analysiert cloud-basiert und in Echtzeit Materialvolumina von Importeuren, Exporteuren, Spediteuren, Fluglinien, Schifffahrtslinien, Häfen, Flughäfen und von Zollbehörden, die an einzelnen Häfen/Flughäfen/Logistik-Knotenpunkten erwartet werden. Damit wird gesteuert, über welche Knotenpunkte Sendungen geschickt werden sollen, um möglichst rasch ins Land und zu den Kunden zu gelangen.

 

  1. NACH IHREM BEDARF
    Marktplätze für alles

Der dahinter liegende Logistiktrend ist die „elastische Logistik“, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Lieferketten in Zeiten schwankender Nachfrage effizienter zu gestalten. Das gelingt durch eine bedarfs-entsprechende Vergrößerung oder Verkleinerung des logistischen Netzwerkes. D.h. die ehemals fixen eigenen Assets werden ersetzt durch Logistik-Leistungsangebote, die am Markt kurzfristig dazugekauft oder zurückgegeben werden.

Basis für eine elastische Logistik sind Marktplätze für Transporte, Läger oder die Letzte Meile. Die Transport-Marktplätze bringen den Bedarf an Transportkapazität und das Angebot der Spediteure kurzfristig zusammen. Diese Marktplätze gibt es schon länger, sie existieren für LKW-Ganzladungen, für LTL-Verkehre aber auch für Stückgut. Die neueren Lager-/Warehouse-Marktplätze machen das gleiche im Bereich von Lagerraum und bringen dort flexibel und kurzfristig Angebot und Nachfrage zusammen. Einige bekannte Lager-Marktplätze sind Flexe, Stowga, Stord, Hive, storingcargo oder log-hub. Und schließlich die letzte Meile-Marktplätze, die deshalb von großer Bedeutung sind, weil damit einer der größten Einzel-Kostenblöcke (meist mindestens ein Drittel der gesamten Zustellkosten). So arbeitet z.B. Walmart in den USA zur Zeit an einem Piloten mit einem Letzte-Meile-Marktplatz, um die Express-Lieferungen zeitgerecht zuzustellen. Amazon hat die Plattform Amazon Flex angekündigt, das auf „Auf-Abruf-Dienstleister“ zurückgreift, um die Ausweitung des Prime One Day Lieferprogramms zu beschleunigen.

 

  1. HELLSEHEREI
    Wissen, wo sich ihr Material befindet – jederzeit und überall

Durch die sensorbasierte Verbindung von Objekten/Gegenständen/Sendungen mit dem Internet (IoT) wissen wir praktisch in Echtzeit fast alles über den Zustand dieser verbundenen Sendungen: neben der Lokation kennt man entweder die Qualität der ankommenden Sendung im Detail, oder man kann rechtzeitig eingreifen, bevor ein qualitativer Schaden (z.B. durch Hitze) passiert. Dabei kann die neueste Generation von mikroskopisch kleinen Sensoren (z.B. von RVMagnetics) helfen, diesen logistischen Zustand genau zu erfassen und zu verfolgen. Die Anwendungen für mit dem Internet verbundenen Logistiksensoren sind mittlerweile mannigfaltig: sie helfen Logistik-Gebäude klimatechnisch besser, effektiver und „grüner/nachhaltiger“ zu steuern. IoT-Systeme für das Flottenmanagement (z.B. Fleetroot) optimieren den Einsatz von Fahrzeugen in Logistikflotten. Oder Echtzeit-Überwachungssysteme für Container (z.B. das vom IoT-Startup Globe Tracker) helfen, diese einfacher zu verfolgen oder zu finden.

Ein Beispiel dafür sind die Service-Angebote von Roambee, einem Unternehmen, das ein System zum Monitoring von Lieferketten anbietet, bestehend aus Sensoren, über IoT verbunden mit einer Plattform bzw. mit einem Control Tower zur Überwachung und Verfolgung von Lokation, Sicherheit und Zustand der Materialien in der Lieferkette. Und das flexibel auf Abruf, d.h. als Logistics-as-a-Service. Ohne Investments für den Anwender.

Durch diese immer feinere und echtzeit-basierte Verfolgung einzelner Sendungen wird sich das aktuell eher reaktive Tracking & Tracing zunehmend in ein proaktives Management der erwarteten Ankunftszeit verwandeln (ETA = expected time of arrival). Damit wird die rückwärtsgerichtete Frage, „wo ist jetzt gerade mein Material unterwegs“, immer mehr der Frage weichen „wann wird mein Material ankommen“ und „was muss ich ggfs. tun, um die Kundenerwartungen trotz Abweichungen vom geplanten Zulauf dennoch wie geplant erfüllen zu können“?

 

  1. SUPER-MODELS
    Eine virtuelle Darstellung von allem

Digitale Zwillinge sind eine einzigartige virtuelle Darstellung eines potenziellen oder physischen Objekts oder Prozesses. In der Logistik gibt es mittlerweile Digitale Zwillinge für Läger/Distributionszentren. Dabei handelt es sich um 3D-Modelle eines konkreten Lagers, um damit die Auslastung und Lagerplätze optimieren zu können, für den täglichen Betrieb die Volumen-/Materialströme simulieren und Engpässe vermeiden zu können oder die Schicht- und Arbeitszeiten so anzupassen, dass die bestmöglichen Leistungen und Kundenservices erreicht werden. dm hat 2020 den deutschen Logistikpreis für sein neues Distributionszentrum in der Wustermark erhalten. Auf Basis von digitalen Zwillingen für alle belieferten Filialen werden im Distributionszentrum die Waren für die jeweilige Filiale so gepackt, dass filialspezifisch der Regal-Einräumprozess möglichst aufwandsarm erfolgen kann. D.h. das Distributionszentrum berücksichtigt bei der Colli-Bildung welche Materialien in einer spezifischen Filiale nebeneinander im Regal liegen.

Logistik-Zwillinge gibt es aber auch für gesamte Lieferketten. Dann wird diese Lieferkette vom Lieferanten über die einzelnen Lieferstufen bzw. über die Logistikdienstleister hinweg in einem digitalen Zwilling abgebildet. Diese digitalen Zwillinge dienen dann dazu, die planenden und steuernden Prozesse der Logistik zu optimieren. Mit diesen Zwillingen werden z.B. im Control Tower die Lieferketten gesteuert. Es wird erkannt, wie sich Engpässe auf die Lieferkette auswirken, bzw. welche Verbesserungsmaßnahmen notwendig sind, um die Auswirkungen auf den Kunden-Lieferservice möglichst gering zu halten oder die Kosten für Express-Transporte nicht explodieren zu lassen.

  1. PROGRAMMIERTE WISSENSERWEITERUNG
    Wie von Zauberhand

KI (Künstliche Intelligenz) ist in Kernbereichen der Logistik inzwischen fest etabliert und führt zu einer deutlichen Effizienz-, Qualitäts- und Produktivitätsverbesserung. Zu den Kern-Anwendungsbereichen der KI in der Logistik gehören:

  • Prädiktive Nachfragevorhersagen – im Bereich der Logistikplanung, als Basis für zukünftige Kundenbedarfe, als Input für S&OP-Prozesse. Die sichere Erkennung und Vorhersage von Kundenbedarfen lange bevor sie sich tatsächlich realisieren ist die Basis für robuste Lieferketten mit einem hohen Kundenservicegrad. Das neuseeländische Start-up Insite bietet z.B. KI-basierte Softwarelösungen für Preisvorhersagen, Nachfrageprognosen und die Optimierung von Abläufen und Prozessen an, die vor allem in der Konsumgüterindustrie und im Einzelhandel eingesetzt werden.
  • Routenoptimierung – sowohl im Bereich der Letzten Meile der Zustellung als auch für AMRs im Lager oder auf dem Fabrikgelände. Das australische Startup Adiona entwickelt KI-basierte Optimierungssoftware-as-a-Service (OSaaS), mit der Unternehmen ihre Logistikprozesse verbessern und Kosten senken können, indem Lieferrouten statisch und dynamisch optimiert werden.
  • Prozessautomatisierung basierend auf der intelligenten Erkennung von handschriftlich ausgefüllten Formularen (KI-basierte OCR-Erkennung). Damit können in internationalen Lieferketten viele manuelle Papier-/Formular-Prozesse deutlich vereinfacht, standardisiert und beschleunigt werden.
  • Visuelle Bilderkennung – KI-unterstützte smarte Kameras erkennen Behälter, Label, Personen, Maschinen, Stapler und zeigen diese immer fehlerfreier und mit einer immer größeren Zuverlässigkeit an. Damit wird es den AMRs möglich, selbständig ihre Routen zu finden, auch wenn sich diese oder die Hindernisse in den Routen dynamisch verändern. Andere Anwendungen unterstützen beim raschen und sicheren Zählen von Materialien in Behältern, beim Erkennen von Label im Zuge drohnengestützter Inventur, bei der Erfassung von Behältern im Leergutlager oder bei bildschirmgeführten und kontrollierten Packvorgängen.

 

  1. FAHRER VERLOREN
    Wer steuert da im Hintergrund?

Die Experten unterscheiden in die Kategorien des assistierten Fahrens, des automatisierten und des autonomen Fahrens. Der aktuelle Entwicklungsstand in Deutschland liegt gerade beim Erreichen des Levels 3 –  des automatisierten Fahrens. Damit werden erste Fahrzeuge (z.B. Audi A8, Daimler S-Klasse) für das hochautomatisierte, selbständige Fahren auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h und in Stausituationen vollständig an den Fahr-Computer übergeben, der Fahrer hat dann keine Kontrollpflicht mehr. Im Bereich der Logistik gibt es drei Hauptanwendungsbereiche des autonomen Fahrens:

  • Fahrerlose LKW – TuSimple, ein amerikanisches Start-up, hat sich auf die technologische Ausstattung von LKW zum autonomen Fahren spezialisiert. Das Unternehmen ist zur Zeit führend mit seinen Level 4 Fähigkeiten für die USA, bei dem das Fahrzeug bestimmte Autobahnabschnitte völlig selbständig bewältigt und der Fahrer die Fahrzeugführung vollständig abgegeben kann.

In Europa bietet die schwedische Firma Einride einen fahrerlosen LKW an. Sein futuristisches Fahrzeugdesign ohne Fahrerkabine zieht die Blicke auf sich bei den ersten Fahrten auf öffentlichen Straßen zwischen zwei Logistik-Hubs vom Anwendungspartner DB Schenker.

  • Autonome Fahrzeuge für die Intralogistik – hier hat sich in den letzten Jahren die Entwicklung von AGVs (Automated Guided Vehicles – berührungslos geführte Fahrzeuge), die unabhängig von der Führungstechnologie auf mehr oder weniger fest definierten Routen unterwegs waren zu den AMRs (Autonomous Mobile Robots) vollzogen, die wirklich autonom unterwegs sind, frei die Route wählen und auch Hindernissen problemlos ausweichen können.
  • Zustell-Rovers für die letzte Meile – diese autonomen Roboter fahren auf öffentlichen Straßen und vor allem auch auf Gehwegen und übernehmen die Hauszustellung von e-commerce-Bestellungen oder vielfach auch die Zustellung von Essens-Bestellungen aus Restaurants.

 

  1. ALLES AUTOMATISIERT
    Prozessautomatisierung nicht nur physisch im Lager

Mit der neuen Blockchain-Technologie und der RPA (Robotic Process Automation) stehen nun Technologien bereit, die auch eine Automatisierung von bisher manuellen/Back-Office-Prozessen ermöglichen. Die Blockchain-basierten Smart Contracts erlauben die automatische Ausführung von Prozessschritten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Der Vorteil dieser Smart Contracts liegt auch darin, dass diese Bedingungen nicht unbedingt vor Ort gegeben sein müssen, sondern die Prozesse auch aus der Ferne getriggert werden können. Damit ist die Blockchain-Technologie dafür geeignet, den Informations-/bisherigen Papierstrom in Lieferketten zu automatisieren. Zahlungen können ausgelöst werden bzw. ein Eigentums- oder Verantwortlichkeitsübergang kann bestätigt werden, wenn bestimmte physische Zustände eingetreten sind (wie z.B. Ware im Hafen XY angekommen) oder wenn bestimmte Papiere wie Frachtbriefe an bestimmten Orten erfasst wurden. Auf diese Weise kann auch die Zollabwicklung vereinfacht und (teil-) automatisiert werden. Das Start-up Steamchain erlaubt z.B. blockchain-basierte Zahlungen, das Start-up Shipchain bietet eine Lösung für eine weltweite Sendungsverfolgung.

RPA (Robotic Process Automation) ermöglicht die kostengünstige Automatisierung von sich wiederholenden einfachen Aufgaben (z.B. Daten-Transfer zwischen verschiedenen EDV-Systemen), eliminiert dabei menschliche Fehler und reduziert die Gemeinkosten. RPA-Software führt zum Beispiel Vorgänge wie die Rechnungsverarbeitung, die automatische Speicherung von Informationen in Prüfprotokollen oder die automatische Eingabe einer Bestellung durch.

  1. NACHHALTIG GRÜN
    Unserem Planeten zuliebe

Die in der Vergangenheit eher kleinteiligen Verbesserungen in Richtung einer grünen Logistik, haben sich in den letzten Jahren in eine ernstzunehmende Anwendung von umweltfreundlichen Technologien und Praktiken gewandelt. Viele Unternehmen arbeiten nunmehr an der bekannten 4V-Strategie, um die Logistik nachhaltiger zu machen: Vermeiden, Verlagern, Vermindern, Vergüten. So hat z.B. Gartner bei den Supply Chain Top 25 als ein Learning von den Besten festgestellt, dass diese nachhaltig an der Reduktion des CO2-Fußabdrucks arbeiten, vielfach auch in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten oder Kunden. Die wichtigsten Nachhaltigkeits-Trends in der Logistik sind:

  • Verringerung des Transportaufkommens durch bessere Planung, bessere Bedarfsprognosen, Bündelung von Transporten gemeinsam mit Lieferanten und Kunden, um die teilweise 40% Leerfahrten von LKW zu reduzieren. Nach all den Aktivitäten in Richtung same day/2-h deliveries bietet Amazon nun in den USA den Kunden auch die Möglichkeit an, eine Zustellung nur innerhalb der nächsten 6 Tage auszuwählen, um Transporte bündeln und somit Fahrten reduzieren und die Zustellung somit nachhaltiger machen zu können.
  • 0-Emission-Fahrzeugflotten – Umstellung der Fahrzeugflotten auf voll-elektrische Fahrzeuge bei den Logistik-Dienstleistern. So hat z.B. DHL schon in den letzten Jahren insgesamt 20.000 vollelektrische Streetscooter in Betrieb gestellt und plant in den nächsten Jahren noch weitere 100.000 in die Flotte zu nehmen. Oder Amazon, das 100.000 vollelektrische Zustellfahrzeuge bei Rivian bestellt hat.
  • Geschlossene Logistikkreisläufe für Behälter bzw. wiederverwendbare Verpackungen –

ermöglicht durch neue Start-ups, die industriellen Kunden aber auch Endverbrauchern einen geschlossenen Verpackungskreislauf anbieten. Dazu zählen Unternehmen wie Loop, RePack, Returnability oder The Wally Shop. Oder Ikea, das gerade neue, umweltschonende und rezyklierbare Verpackungen aus nachwachsenden Pilzen (z.B. von Ecovative) testet.

  • Logistikgebäude ohne CO2-Emission. Neben der Nutzung der Dächer von Logistiklägern zur Strom- oder Wärmeproduktion mittels Solardächern, geht es nun mehr und mehr darum, durch intelligente IoT-basierte Sensoren die Energiesteuerung (Licht, Wärme, Kälte) weiter zu optimieren und zu verbessern.

 

  1. SEHEN UND GESEHEN WERDEN
    Zuverlässige Bilderkennung von allem

Die Firma identpro bietet zur Zeit eine sensorbasierte Lösung für die scannerfreie Behälter-/GLT-Verfolgung mittels Stapler an. Dabei werden die Stapler mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, zur kontinuierlichen Bestimmung der aktuellen x-/y-Koordinate des Staplers im Raum und einem Höhensensor auf der Gabel zur Bestimmung der z-Koordinate. Bei jeder Änderung der Gabel-Beladung werden die x-/y-/z-Koordinaten in eine Datenbank weggeschrieben (digitaler Zwilling). Damit kann mit einer einzigen, einmaligen Erfassung eines GLTs oder einer Palette (ein einziger Scan z.B. am Wareneingang) in Echtzeit jede aktuelle Lokalisierung einer jeden Palette/GLTs über den digitalen Zwilling ermittelt werden. Das ist eine funktionierende Lösung zur scannerfreien aber dennoch zuverlässigen Materialverfolgung von GLTs/Paletten mittels Stapler.

An einem der wahrscheinlich wirkungsvollsten technologischen Trends wird zur Zeit noch gearbeitet: die automatisierte, KI-kamera-basierte Behälterverfolgung ohne Label-Scannung. Beim Computer-Vision-Ansatz werden KI-basierte Kamerasysteme verwendet, die kontinuierlich sowohl von fixen Plätzen aus (z.B. montiert an der Decke einer Produktions- oder Lagerhalle) bzw. von mobilen Plätzen (auf AMR/Routenzügen/Staplern) jede Bewegung im Sichtfeld der jeweiligen Kamera verfolgen und intelligent identifizieren. Die Software stellt dann sicher, dass die Bewegung eines jeden Behälters lückenlos mitverfolgt wird (angeboten z.B. von logivations). Dabei wird auf KI-Unterstützung zugegriffen. Auch wenn diesbezügliche Lösungen sich noch vielfach in Pilot- und Testanwendungen befinden, zeichnet sich hier eine der spannendsten Entwicklungen für die nächsten Jahre ab, die die Intralogistik wirklich revolutionieren kann.

Die KI-basierte Label-Erkennung ist heute schon Standard bei den am Markt befindlichen Inventurdrohen und funktioniert dort schon fehlerfrei. Die Anwendung von KI-basierten Kamerasystemen am Wareneingang, um eine vollautomatisierte Logistikprüfung (richtige Ware, richtige Menge, übereinstimmend mit der Bestellung, richtiges Label, richtige Verpackung, und transportschadenfrei angeliefert) ist nur eine natürliche Weiterentwicklung dieser Kamera-Wundersysteme. Damit wird sich dann auch der Wareneingang der One-Touch-Logistik nähern, noch produktiver werden, und eine der Voraussetzungen für eine zukünftig dann automatisierte Entladung der LKW schaffen.

Nicht alle der 12 Handlungsfelder sind für alle Unternehmen gleich relevant. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen in Abhängigkeit von den Branchenanforderungen und der bereits realisierten Logistik 4.0-Roadmap. Was aber sicher ist: unter den 12 die Logistik grundsätzlich verändernden Handlungsfelder sind wahrscheinlich mindestens 8 mit echter Handlungsrelevanz für jedes einzelne Unternehmen. Identifizieren Sie Ihre Top-Veränderungsbereiche und starten Sie möglichst rasch mit der Umsetzung. Die Themen sind spannend, denn noch nie hat es so viele technologische Neuerungs-Chancen in der Logistik gegeben wie heute.

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Neue Erwartungen an die Intralogistik Same-Day-Lieferung in die Kleinstadt

Nicht zuletzt beeinflusst durch die pandemische Lage hat sich der Wettbewerb im E-Commerce-Bereich bedeutend zugespitzt. Eine McKinsey-Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass zudem die Markentreue der Kunden abnimmt. Geschuldet sei dies vor allem dem vereinfachten Preisvergleich. Viele Händler im Bereich e-Grocery setzen daher auf Micro-Fulfillment-Center und automatisieren Lagerhallen zunehmend, um konkurrenzfähige Lieferzeiten anzubieten.

Beitrag: Redaktion.

Das e-Grocery Zeitalter: Automatisierung als Antwort. Noch vor wenigen Jahren konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, eines Tages seine Lebensmittel über eine App zu bestellen und noch am selben Tag bis an die Haustür geliefert zu bekommen. Nun ist dies für viele Kunden gerade im Großstadtraum gang und gäbe. Von der monatlichen Getränkelieferung ins Büro bis hin zum Wocheneinkauf sind Begriffe wie „Sofortlieferung“ oder „innerhalb von 120 Minuten“ für viele Unternehmer zum erschreckenden Reality-Check geworden. Das andere Sektoren nachziehen, ist weniger eine Frage als vielmehr eine Feststellung.

Um derartige Services anbieten zu können, setzen viele Supermärkte auf Ladeninterne oder externe „Dark Stores“ (für den Kunden nicht zugängliche Lagereinheiten). Ob nun Click-and-Collect oder Home Delivery in letzter Instanz eingesetzt wird – eins ist klar: Laufen die Prozesse im Lager zu langsam oder fehlerbehaftet ist die Kundenzufriedenheit gefährdet. Bei abnehmender Markentreue sind die Folgen fatal. Wie kann dem also effizient und zukunftsorientiert entgegengewirkt werden?

Die Erfolgsstory des schwedischen Durchstartes „Matsmart“ zeigt, dass smarte und skalierbare Automatisierung die Antwort ist. Das Konzept von Matsmart ist, Lebensmittel vergünstigt zu verkaufen, die ansonsten aufgrund von Überproduktion, fehlerhafter Verpackung, saisonalen Trends oder kurzer Haltbarkeit entsorgt würden. 2021 verdreifachte der Konzern seine Kapazität mithilfe von 149 AutoStore Robotern von Element Logic.

Pro Stunde kommissionieren diese bis zu 6.000 Artikel aus 88.000 Behältern. Beeindruckend und zukunftsfähig, da das System jederzeit problemlos erweiterbar ist. Die Platzanforderungen sind selbst für kleinere Unternehmen minimal, wie das deutsche Familienunternehmen Leslii (30 Mitarbeiter) zeigt. Mit einem Flächenbedarf von nur 100 m² und vier Robo-tern verfügt Leslii über eines der kleinsten und gleichzeitig kosteneffizientesten Auto-Store-Systeme in Deutschland. Das System erzielt täglich 1.500 Picks. Jährlich werden rund 2 Millionen Artikel an Händler in ganz Europa versandt. Vorreiter in der Same-Day-Lagerlogistik bleiben jedoch bisher die Lebensmittelhändler. Diese greifen mittlerweile auf sogenannte Micro-Fulfillment-Center zurück, um kleinere Ortschaft rechtzeitig zu beliefern.

Micro-Fulfillment – maximum Delivery
Den Einsatz kleinerer Lager für die lokale Bestellabwicklung bezeichnet man als Micro-Fulfillment. „Ein Logistiktrend dieser Größenordnung findet normalerweise nur statt, wenn sich die Branche vom Endverbraucher zum Wandel gezwungen sieht. In den USA trieb Amazon vor einigen Jahren den Trend zur schnelleren lokalen Lieferung voran. Heute setzen die Branchen- und Markterwartungen in den USA den europäischen Markt unter Druck“, erklärt Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development von Element Logic Deutschland. Kurz gesagt weiten diese kleinen Ableger die Lieferreichweite von Unternehmen auch auf kleinere Ortschaften aus und beschleunigen gleichzeitig Retourenprozesse. Auch die Transportkosten werden so beeinflusst. „Die Lieferzeit hängt unmittelbar von der Entfernung ab. Je näher man beim Kunden ist, desto genauer kann man angeben, wann die Bestellung voraussichtlich zugestellt wird. Eine präzise Sendungsverfolgung wird für die Customer Journey immer wichtiger“, sagt Kieninger.

Nun liegt der Gedankengang nahe, auch diese Ableger durch automatisierte Prozesse zu wahren Produktivitätsmonstern zu machen. Der größte Vorteil an automatisierten Centern ist, dass die Lagerkapazität erheblich gesteigert wird, während die Modularität eine einfache Erweiterbarkeit gewährleistet. „Im Moment ist es noch ein zusätzlicher Service, den Unternehmen anbieten, um die Kundenzufriedenheit zu steigern. Mit steigender Nachfrage und der stärkeren Gewöhnung an eine schnelle Lieferung werden Micro-Fulfillment-Center jedoch wahrscheinlich zum Standard werden. Ich denke, dass das in den kommenden fünf bis zehn Jahren der Fall sein wird“, meint Kieninger. Ein aufblühender Trend für Unternehmen, die sich zunächst von den positiven Effekten eines automatisierten Standorts (ob Haupt- oder Micro-) überzeugen wollen, ist das Konzept „Automation-as-a-Service“.

Das Automation-Abo.
„Wir werden wahrscheinlich in fünf Jahren automatisieren, wenn wir größer sind und mehr Geld haben.“ – Künftig will Element Logic auch Kunden mit finanziellen Einstiegshürden die Möglichkeit geben ihr Unternehmen von den Vorteilen der AutoStore-Technologie profitieren zu lassen. Eine Art Abo-Modell ist nicht ausgeschlossen und bietet viele Vorteile. Der Einbau ist leicht, die Skalierbarkeit des Systems nach oben und unten hoch. Gerade für Geschäfte mit saisonalen Schwankungen klingt das wie Zukunftsmusik. Eine sehr reale und profitable Zukunft. Mehr Informationen zum Wandel der Intralogistik finden sie im offiziellen Whitepaper von Element Logic „Drei neue Trends für die Intralogistik“. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

Paketversand mit Öko-Touch

Onlinebestellungen boomen, mit der Verpackung wächst der Müllberg. Bis jetzt! Im neuen Pilotprojekt der Post und der FH Oberösterreich in Kooperation mit DM, Interspar Weinwelt, Intersport, Tchibo und Thalia kommen Mehrwegverpackungen zum Einsatz. Go green lautet die Devise!

Redaktion: Angelika Gabor.

Allein im Dezember 2020 stellte die Post in Österreich mehr als 18 Millionen Pakete zu. Der Lockdown, die Pandemiesituation und das nahende Weihnachtsfest legen die berechtigte Vermutung nahe, dass es in diesem Dezember nicht weniger sein wird. Und auch wenn die Recyclingrate von Altpapier hierzulande mit rund 78 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt, ist das trotzdem eine große Anzahl an Kartonagen, die auf dem Müll landen.

„Allein in Österreich sehen wir 30 Prozent Wachstum beim e-Commerce. Für die Post spielt Nachhaltigkeit schon seit über 10 Jahren eine wichtige Rolle, sei es durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen für die CO2-neutrale Zustellung oder die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen. Mit der „Grünen Verpackung“ gehen wir den nächsten Schritt“, freut sich DI Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik der Österreichischen Post AG.

Seit 2020 forscht die Post gemeinsam mit der FH Oberösterreich an wiederverwendbaren und nachhaltigen Verpackungslösungen für den Paketversand – im Februar 2022 geht es los, bis Juli 2022 dürfen die verschiedenen Variranten der „Grünen Verpackung“ sich im echten Leben = Warenverkehr beweisen. Die Mehrwegverpackungen werden für Bestellungen bei den fünf kooperierenden Handelsunternehmen eingesetzt, wobei die Kunden vorher nicht wissen, ob sie eine Mehrwegverpackung erhalten oder eine Einwegschachtel.

10.000 Schachteln, 4 Varianten.
Prof. (FH). DI Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Oberösterreich, war in den Auswahlprozess involviert, für den Handelsunternehmen und Kunden gleichermaßen befragt wurden. Aus den 40 verschiedenen getesteten Verpackungslösungen wurden schließlich vier herausgefiltert: Re-Zip Boxen, Re-Zip Bags, Packoorang Bags und Returnity Weinboxen. „Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Kunden Mehrwegverpackungen wichtig finden – und mehr als die Hälfte der Befragten dafür auch mehr bezahlen würde. Zudem kommt demnächst auch der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (CEAP) der Europäischen Kommission zum Tragen, in dem es unter anderem um die Verringerung von Verpackungen geht“, erklärt Staberhofer.

Die Kosten für das Projekt trägt zur Hälfte das Land Oberösterreich, auch wenn es in ganz Österreich läuft: sämtliche Postfilialen, Postpartner und das Filialnetz der Handelspartner nehmen teil. Umundum: „Wir starten mit insgesamt 10.000 Verpackungen, aber wir sind bereit, bei Bedarf aufzustocken. Auch erwarten wir, dass nicht jeder seine Verpackung auch tatsächlich retourniert. Aber es wird auf jeden Fall einen erklärenden Begleittext im Paket sowie eine Informationskampagne während des Feldversuchs geben.“ Zumindest während des Pilotprojekts ist die Rückgabe völlig kostenlos – ein späteres Pfand wird aber abhängig von der Resonanz nicht ausgeschlossen. Während die Verpackungen aktuell noch aus Dänemark und China kommen, ist das Ziel, diese zukünftig in Österreich produzieren zu lassen. Diesbezügliche Gespräche sind bereits am Laufen – ein Gewinn für die heimische Wertschöpfung und die Umwelt.

So funktioniert‘s.
Für den Kunden gibt es im Online-Bestellprozess keine Änderung, er wird wie gewohnt von den teilnehmenden Unternehmen abgewickelt. Nur dass die Waren in wieder verwendbaren Verpackungen via Post ausgeliefert werden. Diese lassen sich einfach und klein zusammenfalten und dann entweder in einen Briefkasten werfen oder persönlich retournieren: in Post-Geschäftsstellen, SB-Zonen, beim Post-Zusteller oder in einer Filiale des Unternehmens, bei dem man bestellt hat – die gemischte Rückgabe ist zumindest im Pilotversuch (noch) nicht möglich.

Die Verpackungen werden bei Bedarf gereinigt und gehen erneut in den Versand. Die Ergebnisse der im Vorfeld durchgeführten Studie der FH Oberösterreich über 40 nachhaltige Verpackungslösungen zeigen, dass der Aufbau eines Mehrwegzyklus‘ die größten Emissionseinsparungen erzielt. Im Anschluss wird die FK eine ökologische Bilanz erstellen, aber da die Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen oder recyceltem PET bestehen, ist mit einer durchaus positiven Nachhaltigkeitsbilanz im Vergleich zu Einwegkartons zu rechnen.

Die Partner und ihre Motivation.
Die fünf involvierten Handelsunternehmen eint der Gedanke der Nachhaltigkeit als Beweggrund, an diesem Experiment teilzunehmen:

Das Thema Zukunftsfähigkeit liegt im Fokus von dm, wie Mag. Elmar Riepl, Bereichsmanager Logistik, Direktkunden- & Filiallogistik, erklärt: „Wir möchten unsere Kunden sensibilisieren, wie jeder Einzelne seinen ökologischen Fußabdruck reduzieren kann, und das spiegelt sich beispielsweise auch in unserer Sortimentsauswahl wieder. Der Onlinehandel ist ein Serviceangebot an unsere Kunden, und die „Grüne Verpackung“ eine großartige Chance, weshalb auch sämtliche Filialen in die Rückgabe der Verpackungen eingebunden werden.“

Als Pionier der Mehrwegverpackung von Getränken im Onlinehandel stand die Teilnahme an dem Pilotprojekt für Mag. Lukas Wiesmüller, Leiter Nachhaltigkeit, SPAR Österreich, nicht zur Debatte: „Schon im Jahr 2000 haben wir mit der weinwelt den ersten Onlineshop eröffnet und ständig an Verbesserungen gearbeitet. Ab Februar wird nun ein Teil der Bestellungen auf weinwelt.at in faltbaren Mehrwegboxen mit gepolsterten Innenfächern verschickt. Für den Rückversand werden Beutel mitgeliefert, wo die gefalteten Boxen platzsparend verstaut und über die Post retourniert werden können. Mit dem Test sammeln wir wichtige Erfahrungen für Mehrweg-Logistiklösungen für alle unsere INTERSPAR-Onlineshops und andere Produkte.“

Natur und Emotionen im Freien stehen oft im Fokus bei den Kampagnen von INTERSPORT, da liegt das Thema Nachhaltigkeit dann klar auf der Hand. Mag. Günther Junkowitsch, Leitung Logistik und Personal, INTERSPORT AUSTRIA: „Als einer der größten Sportfachhändler Österreichs bietet Intersport mit seinen stationären Shops und dem Onlineshop alles, was das Sportlerherz begehrt. Selbst bei Onlinebestellungen erfolgt der Kauf regional. Mit der Teilnahme am Projekt möchten wir die Bereitschaft der Kunden herausfinden, beim Einsparen von Verpackung zu helfen. Es wird spannend zu erfahren, wie der Konsument auf gebrauchte Verpackungen reagiert. Für den Anfang werden wir Textilien, Schuhe und kleinere Produkte mit der „Grünen Verpackung“ ausliefern.“

Nach 15 Jahren nachhaltiger Geschäftstätigkeit war für Mag. Erik Hofstädter, Geschäftsführer, Tchibo Österreich, das Projekt ein logischer nächster Schritt: „Hinsichtlich Verpackungen reduzieren wir kontinuierlich unseren Materialeinsatz – wie bei der nahezu plastikfreien Textilverpackung oder der Möglichkeit, Kaffeebohnen verpackungsfrei einzukaufen – und fördern zudem Mehrweglösungen, etwa bei Tragetaschen und beim Coffee to go. Besonders interessant wird sein zu sehen, wie die Rückgabe funktioniert, in die natürlich sämtliche Filialen eingebunden sind. Wir sind gespannt, wie die Kunden die „Grüne Verpackung“ annehmen und wie gut das mit den mehreren Zyklen funktioniert.“

In Zeiten von e-Readern und digitalen Büchern ist der Buchversand zwar rückläufig, dennoch freut sich Andrea Heumann, Geschäftsführerin, Thalia Österreich, auf das Potential des Projektes: „In Zeiten von Onlineshops, Pandemie und immer größerem Versandaufkommen müssen Lösungen des Verpackungsproblems gefunden werden. Unser Angebot an E-Books, digitalen Hörbüchern, oder auch unsere aufbereiteten eReader schont Ressourcen in der Produktion, aber auch bei Verpackung und Transport. Zwar reduzieren wir durch unseren Filial-Abholservice und die neuen, 24h geöffneten Abholstationen bereits die Anzahl der Versandaktionen, aber auch die restlichen Sendungen möchten wir mit der „Grünen Verpackung“ nachhaltig, recyclebar und umweltfreundlich abwickeln.“

Die Idee der Mehrwegverpackung ist zwar vielleicht nicht neu, aber in dieser Form durchaus innovativ, und auch die Vielfalt der teilnehmenden Unternehmen verspricht einen aussagekräftigen Praxistest. Hoffen wir, dass er positiv ausfällt. (AG)

 

LOGISTIK express Journal 5/2021

E-Commerce: Datengesteuerte Warenzustellung

Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz, gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.

Beitrag: Walter Trezek.

Mit der Umsetzung des EU MwSt. E-Commerce Pakets (RICHTLINIE (EU) 2017/2455 DES RATES vom 5. Dezember 2017) beginnt am 1. Juli 2021 ein neues Zeitalter für die Zustellung von Warensendungen in der Europäischen Union. Ziel ist es, die im digitalen Handel bei Distanzkäufen verfügbaren Daten, zwischen den an der Leistungserbringung Beteiligten, vor der physischen Zustellung in harmonisiertem Format auszutauschen.

EU Zolldatenmodel: Ende von Einfuhrumsatzsteuerbetrug und Zollhinterziehung.
Die jetzt umzusetzenden MwSt.- und Zollvorgaben stellen zunächst nur gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen hauptsächlich asiatischen und europäischen E-Commerce Händlern her. Das wird erreicht, indem die Einfuhrumsatzsteuerfreigrenze von EUR 22 / 44 abgeschafft wird. Dazu wird eine verpflichtende digitale Vorab- Zolldeklaration für Waren mit geringem Wert bei Warenimporten in die EU eingeführt.

Abgabe der Zollanmeldung für Sendungen geringen Werts im Bestimmungsland.
Ab 1. Juli 2021 gilt, die Abgabe der Zollanmeldungen für Sendungen geringen Werts hat im Bestimmungsland (gem. Art. 221 (4) UZK-IA) zu erfolgen. Ausnahme dazu ist das Import-One-Stop-Shop System. Es erlaubt, dass die Warensendungen dem Zoll in einem beliebigen EU-Mitgliedsstaat gestellt werden, und dort für die Zustellung in der gesamten EU freigegeben werden können.

Mit der Verwendung des Import-One-Stop-Shop (IOSS) Systems für die genannten Distanzkäufe aus Drittstaaten bei Import in die EU, sind diese Sendungen von der Einfuhrumsatzsteuer (EUSt.) befreit. Die EUSt. wird bereits beim Kauf am Point of Sale (PoS) eingehoben. Notwendig ist dazu eine Fiskalrepräsentanz über einen EU-Mitgliedsstaat nach Wahl des Verkäufers (s.g. Mitgliedsstaat der Identifikation), der sich zur Begleichung der MwSt.-Pflicht monatlich, einer IOSS-MwSt. Identifikationsnummer, gültig für die gesamte EU bedient.

One-Stop-Shop bei EU-weitem Jahresumsatz von mehr als EUR 10K.
Für Warensendungen innerhalb der EU wird das One-Stop-Shop System ausgeweitet. Über dem Schwellenwert von EU-weit EUR 10K Jahresumsatz kommen für die Rechnungsstellung die Regelungen des EU-Mitgliedsstaates des Verbrauchs (d.h. dort wo der Erwerber ist) zur Anwendung. Auch hier wird es möglich mit der MwSt. Identifikationsnummer eines EU-Mitgliedsstaates die MwSt. -pflicht für die gesamte EU, quartalsweise zu begleichen.

EU Zolldatenmodel bestimmt die Datenharmonisierung vom PoS bis zum Empfänger.

Am Point of Sale verfügbaren Daten gewährleisten im digitalen Einzelhandel:

  • die Sicherheit der Produkte – Handelswaren müssen für den online Einzelhandel generisch, mittels des harmonisierten Zollkodes (zumindest mittels HS 6-digit Code) und auch individuell (zumeist geschieht dies über eine international verfügbare “Trade Item Number”) digital beschrieben werden. Freilich diese Beschreibungen umfassen auch die Maße, das Gewicht, Bilder, in dem meisten Fällen auch Herstellererklärungen, Konformitätserklärungen oder bei einzelnen Warenkategorien auch den Verweis auf eine Repräsentanz in der EU.
  • die Sicherheit der Logistik und des Transports – Das mit 15 März 2021 eingeführte Import-Kontroll-System 2 (ICS2) der EU, zunächst für den Flugfrachtverkehr für Post- und Expresssendungen, nutzt die digital verfügbaren Daten, die vorab zwischen den Flugfrachtbetreibern und den EU-Behörden ausgetauscht werden müssen, um die Transportsicherheit zu gewährleisten. Bis 2024 wird es zu einer Volldigitalisierung aller Frachtinformationssysteme der EU kommen, alle Transport- und Logistikkanäle werden umfasst. Auch hier ist das EU Zolldatenmodel der erste Schritt zur Umsetzung des EU-Transportdatenmodells.
  • gleiche Wettbewerbsbedingungen, indem die Zahlung von Steuern und Abgaben gewährleistet wird – Die am PoS verfügbaren digitalen generischen und individuellen Warenbeschreibungen ermöglichen, in Verbindung mit den Zustelldaten (dort wo der Konsument ist) eine genaue Bemessung der Einfuhrabgaben und Zölle. Im besten Fall werden diese Abgaben für den Fall von Warensendungen mit geringem Wert, bereits über den PoS mittels (I)OSS bei Kauf vereinnahmt und monatlich, oder im OSS quartalweise an die zuständigen Behörden abgeführt.
  • die nachhaltige Verwaltung der Verpackung und des Produktlebenszyklus – Das Aktionsprogram der Europäischen Kommission zielt auf eine grundlegende Erweiterung des heute bereits umzusetzenden EU-Zolldatenmodels ab. So werden die genutzten Verpackungen für den Distanzhandel in Registern erfasst. In der Folge werden die EU-Mitgliedsstaaten dazu übergehen, die heute bestehenden Vertriebsverbote durch Verkehrsverbote zu verschärfen. Damit müssen die Meldungen zu den genutzten Verpackungen an die zuständigen Registerbehörden vor einem in den Verkehr bringen erfolgen und auch durch Bevollmächtige der Versender in der EU abgesichert werden. Gleiches gilt für den Lebenszyklus der Waren, und deren nachweislich nachhaltiger Verwertung nach deren Gebrauch.
  • eine individuelle Zustellanweisungen der Empfänger – Wesentlich für die Leistungserbringung im digital gestützten Distanzhandel ist die Zustellung. Dazu wird sich in den kommenden Jahren eine betreiberunabhängige Annahme und Abgabeinfrastruktur etablieren, die den Präferenzen der Empfänger entspricht. Ähnlich wie in den letzten Dekaden die Briefkästen allen Zustellern geöffnet wurden, werden Paketannahme und -abgabesysteme (Boxen, Stationen, auch Drop-off / Pick-up oder auch Click & Collect) allen datengestützt geöffnet.

Jene Länder, die in der Entwicklung der EU voraus sind, wie Singapore, Macau, China, haben dazu bereits die rechtlichen und regulatorischen Grundlagen geschaffen und verabschiedet. Freilich, bei einem Anteil von annähernd 50% des digitalen Einzelhandels und harmonisierter datengestützter Zustellung wäre es nicht anders zu schaffen.

Harmonisierung unter Einbindung aller Wirtschaftsbeteiligten.
Der Gesetzgeber und die Regulierungsbehörden haben bereits die Weichen gestellt, um alle Betroffenen in die Gestaltung der Rahmenbedingungen mit einzubeziehen. Dazu ist in Österreich das Austrian Standards Institute, in Europa das Europäische Komitee für Normung, neben den Regierungs- und Regulierungsstellen eingebunden.

Ohne digitale ein-eindeutige Kennungen der Wirtschaftsbeteiligen, der Handelswaren, der Art der Verpackungen, der Verfolgbarkeit der Warensendungen und auch dem betreiberunabhängigen Zugang zur Abgabe- und  Hinterlegungsinfrastruktur, werden die bereits dokumentierten Effizienz- und Ökologisierungschritte in den kommenden 3 Jahren nicht umzusetzen sein. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 2/2021

Nachhaltige Intralogistik für widerstandsfähige Unternehmen

Steffen Bersch, CEO der SSI Schäfer Gruppe, erläutert die steigende Bedeutung einer nachhaltigen Logistikorganisation. Als Intralogistik-Experte unterstützt SSI Schäfer Unternehmen, ihre wirtschaftlichen und nachhaltigen Ziele zu verfolgen und ihre Logistikstruktur effizient und widerstandsfähig zu gestalten.

Beitrag: Redaktion.

Herr Bersch, wie relevant ist das Thema Nachhaltigkeit in der Logistik?

Die Logistik ist das Rückgrat fast jeden Sektors und die entsprechenden Leistungen und Lösungen unverzichtbar für eine moderne Gesellschaft. Intralogistik ermöglicht es Unternehmen, in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen, sowohl lokal als auch in einem globalen Umfeld, zu agieren. Eine funktionierende und nachhaltige Lieferkette ist dabei einer der Erfolgsfaktoren für die meisten Unternehmen. Denn Ressourcen sind endlich und müssen vernünftig eingesetzt werden.

Digitale Transformation, Klimawandel, Corona-Pandemie – warum sollten Unternehmen in diesen dynamischen Zeiten in das Thema Nachhaltigkeit investieren?

Die Corona-Krise mit den Lockdowns und den vielen Beschränkungen steht in scharfem Kontrast zu dem „Höher, schneller, weiter“, das unseren Alltag bisher prägte. Im Laufe der Jahre lag der Schwerpunkt oft auf der Steigerung der Rentabilität. Inzwischen wird Nachhaltigkeit mehr und mehr zu einem Schlüsselfaktor für den künftigen Geschäftserfolg. Nachhaltig ausgerichtete Unternehmen erweisen sich oft als widerstandsfähiger und können Herausforderungen wie die Corona-Pandemie besser bewältigen.

Im August ist SSI Schäfer der Initiative der „50 Sustainability and Climate Leaders“ beigetreten. Möchten Sie aufmerksam machen auf den sich ändernden Fokus in den Unternehmen?

Die Initiative, der wir beigetreten sind, orientiert sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Wir als Unternehmen SSI Schäfer fühlen uns diesen Zielen verpflichtet. Als international führender Anbieter von Lager- und Logistiksystemen beschäftigen wir uns schon lange mit nachhaltigen Lösungen. Wir wollen vor allem den Wandel zu einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Intralogistik fördern und Diskussionen in den Unternehmen anregen. Die “50 Sustainability and Climate Leaders“ bieten eine gute Plattform, um unser Anliegen darzustellen und weiterzuentwickeln.

Wie sieht nachhaltige Logistik von SSI Schäfer aus bzw. welche Systeme und Bereiche betrifft es?

Als einer der weltweit führenden Anbieter von Intralogistiklösungen sind wir ein idealer Partner für Unternehmen, die wirtschaftlich tragfähige und zukunftsorientierte, nachhaltige Ziele verfolgen. Wir verfügen über ein breites Portfolio an innovativen Produkten und Lösungen, die wir für die spezifischen Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden kombinieren.

Dazu zählen vor allem: Energieeffizienz sowie das umweltfreundliche Betreiben von Lager- und Logistikprozessen, ökologische Bauweisen, kurze Lieferketten, vorausschauende Wartung und Fernwartung, gesunde Arbeitsbedingungen und eine sauberere Umwelt sowie weniger Abfall und die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks.

Können Sie Beispiele aus Ihrem Kundenkreis nennen?

Im Rahmen unserer Beteiligung an der Initiative der „50 Sustainability and Climate Leaders“ heben wir drei aktuelle Kundenprojekte besonders hervor, da sie die Facetten einer nachhaltigen Logistik beispielhaft aufzeigen:

1. Nachhaltige Innovation zur Schaffung einer skalierbaren Lösung für ein neues, lokales Lebensmittelsystem mit Infarm (Europa)

2. Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel und unvorhersehbare Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie mit ORCA Cold Chain Solutions (Asien)

3. Ein digitales Distributionszentrum mit energieeffizienter Hardware und einer intelligenten Softwarelösung für die vorausschauende Wartung mit Pepperl+Fuchs (Nordamerika). Entsprechend der UNO-Prognose, dass bis 2030 80% der Bevölkerung in Städten leben werden, wird, zusammen mit dem erwarteten Bevölkerungswachstum, die Nachfrage nach der Lebensmittelproduktion unsere wertvollsten Ressourcen übersteigen.

Infarm und SSI Schäfer arbeiteten zusammen, um den Schritt von der traditionellen Landwirtschaft zur automatisierten „vertikalen“ Landwirtschaft zu ermöglichen. Vertical Farms haben eine entscheidende Bedeutung erlangt, um Städte und Siedlungsgebiete integrativ, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten. Im Vergleich zu traditionellem Ackerbau ist die innovative Lösung bis zu 400 Mal effizienter (d.h. auf 25 m² können Landwirte das Äquivalent von fast 2 Hektar Ackerland produzieren), sie benötigt 95% weniger Wasser, 75% weniger Dünger und kommt ganz ohne chemische Pestizide aus.

Aber auch Lebensmittelsicherheit sowie hohe Leistungserbringung ist ein weiterer Bereich, in dem SSI Schäfer einen Unterschied macht. Sehen Sie sich zum Beispiel die energieeffiziente, aber hochautomatisierte Logistiklösung an, die für Orca Cold Chain Solutions auf den Philippinen eingeführt wurde. Sie steht vor den Herausforderungen der Lebensmittelindustrie, dass bis zu 37% der weltweit hergestellten Lebensmittel aufgrund schlechter Verpackung, schlechter Lagerung und schlechter Handhabung verloren gehen.

Zudem konnten die Partner mit der Lösung die Stromkosten um fast 35% senken und menschliche Eingriffe minimieren. So kann die Integrität aller Waren gewährleistet und die Verantwortlichkeit sowie 100%ige Rückverfolgbarkeit der Waren erhöht werden (d.h. mit der Automatisierungslösung von SSI Schäfer können bis zu 4.800 Paletten an einem einzigen Tag bewegt werden).

Mit einem innovativen Ansatz und Technologieeinsatz realisierte SSI Schäfer für Pepperl-Fuchs ein zuverlässiges und zukunftssicheres Distributionszentrum mit ca. 28.000 Lagerplätzen. Ausgestattet mit energieeffizienter Hardware und mit dem Ziel, den Platzbedarf zu reduzieren, nutzt die automatisierte Lösung die Leistungsfähigkeit der Pepperl+Fuchs-Sensorik in Verbindung mit der SSI Schäfer Logistiksoftware für eine innovative und maßgeschneiderte Lösung zur vorausschauenden Instandhaltung.

Welche Visionen haben Sie für SSI Schäfer?

Wir befinden uns inmitten einer langen Reise. Das Ziel ist es, einen aktiven Austausch mit Kunden, Partnern und interessierten Unternehmen zu initiieren, um gemeinsam die Entwicklung nachhaltiger Lösungen in der Logistikbranche voranzutreiben. Wir brauchen eine wirtschaftlich effiziente wie nachhaltige Logistikorganisation, um den Energieverbrauch, die CO2-Emissionen und die Kosten zu senken und gleichzeitig kurze Lieferketten und gesunde Arbeitsbedingungen zu fördern

Welche Empfehlung geben Sie Unternehmen, die aktuell über eine Optimierung ihrer Prozesse nachdenken?

Ganz klar, wir empfehlen uns als Partner. Wir haben bei allen Unternehmen, egal welche Branche und Größe, den Anspruch, die optimale Logistikstruktur zu erarbeiten und das Unternehmen dadurch nicht nur effizient und nachhaltig aufzustellen, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dabei schöpfen wir aus einem sehr breiten Programm an innovativen Systemen und Technologien, sind weltweit präsent und profitieren von unserer jahrzehntelangen Erfahrung aus den unterschiedlichen Branchen. (RED)