Zukunft der Zustellung auf der letzten Meile

Digitaler Einzelhandel verlangt nach skalierbaren, anpassungsfähigen Zustelllösungen auf der letzten Meile, ohne Bindung an Immobilien.

Beitrag: Florian Seikel.

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden erhebliche Effizienzgewinne in der Briefpostautomatisierung erzielt. Mit dem wachsenden Briefpostvolumen gingen eine verbesserte Adresslesbarkeit (OCR) und Größenharmonisierung einher: Daten, die in Sortierzentren durch maschinelles Lesen, Wiegen und Größenbestimmung generiert wurden, wurden verwendet, um die Effizienz zu steigern und damit die Kosten der Zustellung auf der letzten Meile zu senken. Dennoch, die Zustellung auf der letzten Meile macht immer noch mehr als 40 % der gesamten Lieferkosten aus.

Die enorme Zunahme des B2C-Volumens (E-Commerce Pakete & Päckchen), durch das fortgesetzte Wachstum des digitalen Einzelhandels, führt jedoch verglichen zur Briefzustellung zu unterschiedlichen Datenanforderungen und Lösungen. Elektronische Vorabdaten (Electronic Advanced Data) sind heute für jede Postsendung in denen Sachen oder Einzelhandelswaren transportiert werden obligatorisch.

Der erste KEP-Dienst (Kurier-, Express- oder Paketdienst) in der Lieferkette verarbeitet diese „postbezogenen“ Datenelemente (Absender / Empfänger / Postgebühren / Versicherung / Gewicht / Größe) und stellt eine eindeutige Transport-ID (i.e. ein-eindeutiger Barcode auf der Sendung) aus, die über EAD direkt mit der einzelnen Sendung verknüpft ist, bevor sie in die Lieferkette aufgenommen wird (s.g.: „Leg 1“).

Dieses Prinzip der direkten Verknüpfung des vom Versender erstellten EAD (eindeutige und eindeutige Beschreibung der Sache oder Handelsware die in der Sendung transportiert wird, einschließlich Informationen zur Produktsicherheit und Transportsicherheit, Zuordnung von Steuern und Abgaben) mit der eindeutigen Transport-ID der Sendung, wie sie vom ersten KEP-Betreiber vergeben wird, wurde von der EU in ihrem Mehrwertsteuer-E-Commerce-Paket verankert, und in dem am 8. Dezember 2022 veröffentlichten ViDa-Verordnungsvorschlag der EU (Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter) weiter für die Union und die Mitgliedsstaaten verankert.

Je mehr harmonisierte Daten verfügbar werden, desto mehr werden diese Daten die Kosten und die Effizienz der Zustellung auf der letzten Meile bestimmen. EAD ist im globalen Post-Netz des Weltpostvereins (WPV) seit Jänner 2021 und für alle B2X-Lieferungen, die in die EU importiert werden, seit dem Inkrafttreten des EU-Umsatzsteuerpakets für E-Commerce im Juli 2021, obligatorisch. In den nächsten 48 Monaten wird das Europäische Komitee für Normung (CEN) unter Mandaten der EU-Kommission entsprechende Standards entwickeln, oder erforderlichenfalls bestehende verbessern und anpassen, die gesetzliche und regulatorische Vorgaben für alle Wirtschaftsbeteiligte, in technischen Spezifikationen konkretisieren. Während in der Vergangenheit Daten zu Postsendungen erstellt wurden, wenn diese durch Sortieranlagen verarbeitet wurden, sind Daten heute zu Warensendungen vorab verfügbar und über eindeutige Transport-IDs auf jeder Sendung allen Nutzungsberechtigten entlang der gesamten Lieferkette zugänglich. Dies wird nicht nur die eingesetzten Systeme und Prozesse in der Sendungsabholung („leg 1“), des Fracht- und Transportlinienverkehrs („leg 2“), sondern vor allem die Zustellung auf der letzten Meile („leg 3“) verändern. Dort werden wir deutliche Kosten- und Effizienzsteigerungen sehen.

Heutige typische Sortierzentren:
1) am Stadtrand gelegen 2) zentralisiert und schwer, an sich ändernde Volumina, Größen und Gewichte anzupassen 3) durch die Generierung hoher Fixkosten gekennzeichnet 4) statisch und schwer an sich ändernde Verbraucheranforderungen anzupassen und 5) nur schlecht auf die neuen datenbezogenen Anforderungen wie Mehrwertsteuer- und Zoll, Transportsicherheit, Produktsicherheit und Nachhaltigkeit / Umweltschutz vorbereitet.

Zusammengefasst: Der Trend zu Dezentralisierung, Skalierbarkeit, Arbeitslastverteilung und Teilleistungszugang erfordert einen flexiblen, modularen und einfach zu implementierende Zugriff auf die Lieferkette, der sich zudem ohne Aufwand einsetzen, aber auch abbauen lässt. Fixe Anlagen oder Sachaufwendungen müssen vermieden und durch Lösungen ersetzt werden, die „On-Demand“, gestellte Anforderungen erfüllen können. Dadurch werden flexible Lösungen, die bei jeder Sendung vollständig mit EAD verbunden sind, zu einer Notwendigkeit im Wettbewerb, um die Einhaltung von Lieferereignisbezogenen Informationen (Risikomanagement, Sicherheit, Steuern und Abgaben), die Anlagenoptimierung (Optimierung und Flexibilisierung des Fußabdrucks) oder Skalierbarkeit der Kapazität sicherzustellen. Eindeutige Transport-IDs mit Zugriff auf Vorabdaten ermöglichen gezielte Investitionen und höchste Verfügbarkeit. Harmonisierten Transport-IDs ermöglichen es auch einer Vielzahl unterschiedlicher KEP-Betreiber, die Etappen/leg 1-2-3 (Sammlung / erste Meile – Linientransport – letzte Meile in der Zustellung von Sendungen) abzudecken, eine Fähigkeit, die von Kommunen zur Steuerung der Sendungsströme, gefordert wird.

Auf Grund der geänderten gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen werden Kommunen intelligente Logistikkonzepte umsetzten, um hochgradig skalierbare und bedarfsgerechte Lösungen (z. B. Mikrohubs) in die Verkehrsplanung zu integrieren, die B2C-Zustellung optimiert, und somit die Bedürfnisse von Endverbrauchern und Empfängern erfüllt. Dafür bedarf es ein starkes internationales Netzwerk. Als logistic-natives kreieren wir aktiv die Rahmenbedingungen der Branche, sorgen gemeinsam für die praktische Integration und verankern nachhaltig die Wirtschaftsbeteiligten. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 1/2023

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